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75mg müssen gefeiert werden

Verfasst: 19.10.2010 22:12
von Kimberley
Hallo ihr hier!

Ich hab schon mal kurz vor zwei Jahren hier mitgeschrieben. Das Forum ist inzwischen noch schöner geworden. Doch nun zu mir. Hier darf ich über mich schreiben. Die Kurzfassung meiner Geschichte lest unten.

Symptome: Depressive Zustände, glaubte meine Familienarbeit nicht mehr bewältigen zu können; Bin im Jahr 2002 im Alter von 39 Jahren innert zwei Jahren zu einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern Im Alter von 0 bis 8 Jahren gekommen (heute 6,8,10,12 und 14J).
Diagnose im Sommer 2007: Erschöpfungsdepression
Medikation: 75mf Efexor (Venlafaxin) ab Sept07, dann nach 3 Wochen 150mg als ich immer noch depressiv war. Nebenwirkungen waren nicht auszuhalten dann auf 75mg+37,5mg = sehr gute Wirkung. Welche Wohltat! Dazu Psychotherapie.
Erster Absetzversuch: im Nov07 schnell innert drei Wochen auf null abgesetzt - schwere Nebenwirkungen Schwindel, etc. schwere Depression. Wieder aufgebaut auf 75mg+37,5mg = ab Jan08 sehr gute Wirkung, psychisch endlich stabil.
Zweiter Absetzversuch: April08 von 112,5mg auf 75mg ging sehr gut. Im Mai 08 auf 50mg ging anfänglich gut, dann wieder Rückfall. Aug 08 wieder hoch auf 112,5mg
Dritter Absetzversuch: Seit Februar 2009 setze ich in 3 bis 5mg Schritten ca. alle 8 Wochen ab. Im September 2010 bin ich bei 75mg.

Als ich 2008 so heftige Absetzsymptome hatte, begann ich in kleinen Schritten. Schon als ich das Medikament zum erstemal verschrieben bekam, hat es etwa fünf Wochen gedauert, bis es richtig gewirkt hat. Deshalb habe ich mich entschlossen, in kleinen Schritten abzusetzen und erst zu reduzieren, wenn mindestens 6 Wochen verstrichen sind. Ich habe mich auf eine jahrelange Prozedur eingestellt. Eine 0.000g-Waage habe ich gekauft und mit Kügelchen dressieren (damit sie in der richtigen Menge in die Kapsel hüpfen) begonnen.
Nun sind anderthalb Jahre vergangen und ich bin ohne körperliche Absetzsymptome wie Schwindel etc. durchgekommen und heute bei der 75mg-Kapsel angekommen.

Diese Zwischenetappe muss doch gefeiert werden! :party:

Im letzten halben Jahr, haben sich etwa drei ganz kurze, gut aushaltbare Episoden von depressiven Verstimmungen ereignet. Nach solanger Zeit ohne depressive Verstimmungen habe ich es - als solchermassen veranlagter Mensch - fast schön gefunden, diese Gefühle auch wiedereinmal zu haben!
Dazu kommt meine Libido wieder langsam in Fahrt und bei rührseligen Filmen kann ich wiedereinmal Tränchen vergiessen. Und ich spüre meine Gefühle wieder viel tiefer. Das geniesse ich.

Ich bin nicht mehr in ärztlicher Behandlung. Ich hatte in der akuten Phase 2008 ein halbes Jahr eine Psychiaterin. Jetzt krieg ich von ihr einfach die Rezepte, wenn ich sie brauche. Ich habe den Eindruck, dass ich durch diese Krise gelernt habe, in Familie und Partnerschaft mich auf die Hinterbeine zu stellen, wenn es erforderlich ist. Ich stehe an einem anderen Ort und bin hoffnungsvoll, dass ich es irgendwann auf null bringe.

Ein Kollege, der Arzt ist, hat mir mal nebenbei empfohlen, damit ich keine psychischen Rumpler beim Absetzen habe, doch zweiwöchentlich 1mg abzusetzen - damit es keine 'Stufen' gibt. Gibt es jemanden hier, der in so kleinen Schritten über eine so lange Zeit abgesetzt hat?

Gruss in die Runde

Kimberley

Re: 75mg müssen gefeiert werden

Verfasst: 19.10.2010 23:28
von blinded.03
Hallo,
Glückwunsch! Klingt doch bis hierher erstmal positiv!
Schau wie es für dich am besten ist - dein Körper zeigt dir den Weg! Ich reduziere in 0,2 ml Schritten (schon über Jahre)- nehme allerdings auch ein anderes Medikament.

Re: 75mg müssen gefeiert werden

Verfasst: 22.10.2010 14:14
von Kimberley
Hallo Blindie,

Schön zu hören, dass es auch Minimalreduzierer gibt, die sich so lange Zeit lassen (müssen).
Danke fürs Willkomm. Mir hat beim Gleichgewicht finden auch Sport sehr geholfen. Nur schon die zweimal pro Woche tun mir gut: 1x Fitness in der Gruppe und 1-2x Nordic Walking im Wald.

Gruss in die Runde

Kimberley