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Bin nun auch auf der "Anti" Seite gelandet...

Verfasst: 16.05.2011 20:06
von skadi
Liebe Mitglieder,

vor fast einem Jahr kam mein kleiner Sohn (Spontangeburt nach 2 Sectiones) auf die Welt und 3 Wochen später brach ich zu Hause mit Todesangst zusammen, wurde mit dem RTW abgeholt, HB bei 7, Extrasystolen, Blutdruck im Keller, ausgetrocknet...

Mein Körper hat richtig reagiert, denn durch die Geburt, war meine Gebärmutter innerlich 5 cm weit gerissen und gefüllt mit geronnenem Blut. Absaugen, Wehenmittel ect.

Nachdem ich wusste was mir fehlt und ich definitiv NICHT sterben würde, dachte ich, mit ein wenig Ruhe und Ferrosanol käme alles wieder ins Lot.

Kam es aber nicht. Ein ständiges Gefühl der Desrealisation und Hypochondrie beschlich mich. Habe nur noch geheult und gebettelt: Das soll endlich wieder aufhören. Dazu kam dass der kleine die ersen 8 Wochen durchschrie, nichts konnte ihn beruhigen.

Ich war fertig, hörte nicht auf zu "menstruieren" und kam mit meiner Welt nicht klar.

Als ich so kaputt in der psychiatrischen Ambulanz aufschlug, bekam ich gleich Citalopram 20 mg.

Und wenn ich mich recht erinnere, kamen die Panikattacken und Angstzustände erst NACH der ersten Einnahme.

Ich frage mich bis heute, ob das so gekommen wäre, hätte ich die Pillen nicht geschluckt.

Hab dann parallel Tavor bekommen, welches ich 5 Wochen nahm, nie mehr als 1mg, meist weniger und ohne Probleme mit dem Absetzen. Ich glaub ohne wäre ich aus dem Fenster.

Ein Jahr stabil, dann reduzieren, hieß es. Ok, damit könnte ich leben...

Ich werde aber nicht stabil. Wurde bis auf 50mg hochdosiert und habe jetzt mit meinem HA auf Cipralex gewechselt.

Da es mir immer ab Eisprung schlecht geht, vermute ich mal Hormonstörungen. Habe jetzt gleichzeitg mit Progesteron angefangen und das scheint ganz gut zu helfen.

Cipralex nehme ich jetzt nur noch 20mg (ist ja quasi die halbe Dosierung vom Citalopram) und habe jetzt Tropfen bekommen und habe heute zum ersten Mal nur 19 mg genommen.

Ich will mich wieder fühlen, habe immer das Gefühl, unter einer Glocke zu sitzen. Sex hab ich höchstens einmal im Monat und hatte doch immer eine sehr ausgeprägte Libido!

Ich hoffe Ihr könnt mir ein wenig zu meiner Geschichte schreiben, ich bin so unsicher...

Axo: Mache aktuell seit 6 Wochen Psychotherapie.

Diagnose vom Psychiater: Postpartale Depression.

Ich glaube eher es ist eine Postraumatische Belastungsstörung, durch die reale Todesangst (die ich auch unter der Geburt hatte) ausgelöst...

Was wäre passiert, hätte ich die AD nicht genommen?
Wurde die Panik erst dafurch ausgelöst?

Wer von Euch hats geschafft und wie geht es Euch heute?

Fragen über Fragen...

Liebe Grüße


Skadi

Re: Bin nun auch auf der "Anti" Seite gelandet...

Verfasst: 17.05.2011 10:11
von Das-kleine-Runde
Liebe Skadi :) ,

Herzlich Willkommen :)!

Oh je, Du hast einige schlimme Dinge durchgemacht...

Hätte man den Riß in Deiner Gebährmutter nicht bei den Routineuntersuchungen nach der Geburt sehen müssen?
Als ich so kaputt in der psychiatrischen Ambulanz aufschlug, bekam ich gleich Citalopram 20 mg.
Leider ist eine Psychiatrie der denkbar schlechteste Ort, um nach schonender und ganzheitlicher Hilfe zu fragen.
Psychiatrische Behandlung ist leider immer nur symptomatisch.

Hast Du den Sinn der Behandlung nicht angezweifelt, als Du mit NW zu kämpfen hattest?
Ich will mich wieder fühlen, habe immer das Gefühl, unter einer Glocke zu sitzen
Das kann ich gut verstehen.
Wurde die Panik erst dafurch ausgelöst?
Wenn Du Panik vor der Einnahme nicht oder wesentlich weniger stark erlebt hast, wurde sie wohl von den AD ausgelöst.
vermute ich mal Hormonstörungen. Habe jetzt gleichzeitg mit Progesteron angefangen und das scheint ganz gut zu helfen.
Andere Ursachen müssen vor einer Behandlung mit AD ausgeschlossen werden, das wäre die Pflicht des verschreibenden Arztes. Es kommt allerdings immer wieder vor, daß Menschen mit AD "behandelt" werden, obwohl ihre Symptome von einer übersehenen anderen Erkrankung ausgelöst werden...

Evtl hättest Du mit einem Notfallbenzo und kausaler Therapie genügend Hilfe gehabt, um eine Dauermediaktion nicht zu benötigen.

Ich denke, psychiatrische Diagnosen sind Schall und Rauch wenn sie über die gröbste Unetrscheidung hinausgehen, wenn Du selbst das Gefühl hast, Daß Dir v.a. die Todesangst noch in den Knochen steckt, dann ist das Dein Ansatzpunkt. Wenn Du mit Deinem Therapeuten gut arbeiten kannst, werden sich Dein Weg und die Hintergründe im Lauf der Sitzungen erschließen.

Übrigens ist nicht alles, was als Depression eingestuft wird, behandlungsbedürftig, besonders wenn klare Auslöser zu erkennen sind, denn die Seele verfügt über einige Selbstheilungskräfte, mit Medikamenten werden diese oft eher gebremst als unterstützt und wenn Gefühle betäubt werden, unterläßt man oft Entscheidungen und Aktivitäten, die zur Beseitigung der Belastung nützlich wären.

AD würde ich nur in Betracht ziehen, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind und der Leidensdruck entsprechend groß ist oder Suizidalität hinzukommt.
Und sollte man sich für ein AD entscheiden, würde ich wegen der geringeren Gefahr von Absetzbeschwerden ein trizyklisches Präparat wählen.
Was wäre passiert, hätte ich die AD nicht genommen?
Das kann man naturlich nicht wissen, die NW wären Dir jedenfalls erspart geblieben.
Der positive Effekt von AD wird jedenfalls sehr überschätzt, z.B. wenn Besserungen, die auch ohne Medikation eingetreten wären, den AD zugeschrieben werden. Beliebtes Psychiaterargument: Ohne AD ginge es einem noch viel schlechter...

Hier informationen zum Thema AD:

http://www.antidepressiva-absetzen.de/
http://www.adfd.org/wissen/Problematik_ ... depressiva
http://www.adfd.org/wissen/SSRI-Absetzsyndrom
Wer Probleme beim Absetzen hat, reduziert in 10%-5%-Schritten im Abstand mehrere Wochen.
Wer von Euch hats geschafft und wie geht es Euch heute?
Ich bin ein gutes Besipiel, wie durch übereilte Verordnung von AD einiger Schaden entstehen kann.
Im Link in meiner Signatur findest Du meine Geschichte.

Inzwischen kann ich sagen, mir geht es wieder richtig gut, wenn ich Rücksicht auf meine persönlichen Grenzen nehme.
Durch die passende Psychotherapie konnte ich mich sehr verspätet von den belastenden Gefühlsmustern und Verletzungen befreien.
Meiner Erfahrung nach sind AD in keiner Weise eine Hilfe, sondern ein Irrgarten, in dem man sich gewaltig verlaufen kann.

Liebe Grüße :group:

Re: Bin nun auch auf der "Anti" Seite gelandet...

Verfasst: 17.05.2011 11:28
von Marsupilami
Hallo Skadi,

machst Du jetzt eine Traumatherapie? Vielleicht wäre EMDR ja etwas, das soll recht wirksam sein bei konkreten Traumata. Leider schadet die Standardversorgung bei psychischen Dingen oder Allem, was man schnell dafür hält, oft mehr, als es hilft. Die Ärzte sind heute so völlig inkompetent und desinteressiert, dass man es mit der Angst kriegen kann, was man an Deiner Geschichte mal wieder sieht, da stehen einem die Haare ja zu Berge.
Glaube nie einem Psychiater und sei auch Therapeuten gegenüber kritisch, denn Psychiatrie ist keine Wissenschaft und man wird nur belogen und Therapeuten sind auch oft unfähig. Wenn Dir etwas nicht geheuer erscheint, was die dafür gehaltenen "Fachleute" sagen, höre auf Dein Gefühl, denn damit liegt man meistens richtig.
Wünsche Dir viel Glück,

Marsu

Re: Bin nun auch auf der "Anti" Seite gelandet...

Verfasst: 20.05.2011 09:59
von Das-kleine-Runde
Liebe Skadi :) ,

wie geht es Dir momentan?
Laß wieder von Dir hören. :)

Liebe Grüße :group:

Re: Bin nun auch auf der "Anti" Seite gelandet...

Verfasst: 23.05.2011 12:15
von Das-kleine-Runde
Liebe Skadi :) ,

ich habe Deinen letzten Beitrag ins AD-Absetz-Unterforum verschoben.
Bitte schreib dort weiter. http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=6375

Lieben Gruß :group: