Hat jemand Erfahrung mit CBASP?
Verfasst: 21.08.2011 18:22
Hallo!
Jetzt bin ich hier ja schon eine ganze Weile registriert und wollte mich schon lange mal vorstellen, na ja, Ihr wisst ja wahrscheinlich, wie das ist....
Vielleicht finden manche es merkwürdig, dass ich mich für dieses Forum interessiere, zumal ich noch nie Antidepressiva oder sonst irgendwelche Psychopharmaka genommen habe. Aber ich wurde einmal mit so einem Vorschlag konfrontiert und das hat mir gereicht. Ich war sehr froh, als ich dann dieses Forum hier gefunden hatte, sonst gibt es ja sehr wenig, wo eine wirklich kritische Haltung zu „Medies“ (diesen verharmlosenden Ausdruck finde ich zum kotzen) vertreten wird.
Der Ratschlag, Antidepressiva zu nehmen, wurde mir von einer selbsternannten „Messie-Expertin“ gegeben, nachdem ich ein Jahr lang Gruppentherapie bei ihr gemacht hatte. Ich bin zwar (fast gar) kein Messie, aber diese Therapeutin hatte mich, anfangs jedenfalls, ziemlich beeindruckt. Außer Gruppengesprächen machten wir viel Gestaltungs-Therapie (nicht zu verwechseln mit Gestalttherapie), und es wurden damit zu Anfang auch viele wichtige Themen angesprochen. Ich hatte natürlich erwartet, dass die dann noch weiter vertieft werden würden, so dass wir dann dazu kommen könnten, die Zusammenhänge zwischen alten „Prägungen“ und jetzigen Problemen zu verstehen, und daraus neue Perspektiven für unser Leben ableiten könnten. Dem war aber nicht so, das ganze wurde zu einer zusammenhangslosen Larifari-Therapie. Gegen Ende sagte mir die Therapeutin, dass sie der Meinung sei, dass ich Depressionen habe. Ich fragte, woher die kommen, in der Hoffnung, dass wir jetzt wenigstens mal auf Zusammenhänge zu sprechen kommen würden. Aber sie sagte, Depressionen hätten genetische Ursachen und Antidepressiva würden ganz prima dagegen helfen. Ich hatte einige Wochen gebraucht, um mich von diesem Tiefschlag zu erholen, immerhin hatte ich dieser Frau ja, trotze einiger Bedenken, immer noch vertraut.
Auf meiner Suche nach einer sinnvollen Therapie bin ich jetzt bei der Uniklinik gelandet, die machen eine Studie zur Chronischen Depression (mal ohne Medikamente), und ich kann da 32 Stunden CBASP machen. Ich habe schon fast die Hälfte hinter mir und die Therapeutin gibt sich ja auch Mühe, aber ich sehe wirklich nicht, was an dieser allseits so hochgelobten neuen Therapiemethode so toll sein soll. Kernstück dieser Methode sind eigentlich „Situationsanalysen“, bei denen man lernen soll, sich in der Interaktion mit anderen Menschen anders zu verhalten. Bisher haben wir sowas aber kaum gemacht, weil ich darin keinen Nutzen sehe. Selbst wenn man das gelernte im richtigen Leben umsetzen kann, ist es doch nur eine Symptom-kuriererei, die nichts an den Ursachen meiner Depression ändert. Die Therapeutin sieht das zwar anders, aber ich finde nicht, dass meine Depression allein daher rührt, dass ich mich anderen gegenüber falsch verhalten würde und dadurch isoliert wäre. Vielleicht bin ich das, aber das ist nicht Ursache, sondern Folge meiner Depression. Außerdem ist mir an CBASP natürlich suspekt, dass die Leute dabei sonst meist unter Antidepressiva gesetzt werden.
Sinnvolle Gedanken zu Wesen und Ursachen von Depressionen habe ich bisher nur in den Büchern von Josef Giger-Bütler gefunden („Sie haben es doch gut gemeint“ - Familie und Depression; „Endlich frei“ - Schritte aus der Depression; „Jetzt geht es um mich“ - Die Depression besiegen – Anleitung zur Selbsthilfe, alle im Beltz-Verlag erschienen). Von ihm ist die einzige mir bekannte Theorie über Depressionen, der man anmerkt, dass der Autor depressiven Menschen zugehört hat und nicht einfach alles besser weiß. Er betont auch, das Antidepressiva keinen Nutzen bringen werden, nicht wegen der Nebenwirkungen, sondern weil man durch sie an seiner Lebensweise nichts ändert.
Was ich mir wünschen würde, wäre eine Therapie, die mir dabei hilft, etwas von den Vorschlägen, die Giger-Bütler macht, umzusetzen und meinen eigenen Weg zu finden. Na ja, ganz so einfach ist es wohl doch nicht (obwohl auch das schon nicht einfach wäre), zumal er ja auch nicht alles aufzeigen kann, was nötig wäre, ich müsste auch noch selbst ein Stück neuen Weg finden. Wie ja auch seine Beschreibung der Ursachen von Depressionen – so unglaublich gut sie auch ist – natürlich nicht auf jeden individuellen Menschen zutreffen kann. In meinem Leben war doch noch einiges anders und daraus müsste ich noch eigene Strategien entwickeln, um aus der Depression herauszufinden. Nur – weit und breit ist keine Therapie in Sicht, die mir dabei helfen würde.
Hat sonst jemand Erfahrungen mit CBASP – womöglich gute – gemacht? Ich halte Euch auf dem Laufenden, falls ich mal etwas hilfreiches finde.
Liebe Grüße und alles Gute für Euch alle!
Jetzt bin ich hier ja schon eine ganze Weile registriert und wollte mich schon lange mal vorstellen, na ja, Ihr wisst ja wahrscheinlich, wie das ist....
Vielleicht finden manche es merkwürdig, dass ich mich für dieses Forum interessiere, zumal ich noch nie Antidepressiva oder sonst irgendwelche Psychopharmaka genommen habe. Aber ich wurde einmal mit so einem Vorschlag konfrontiert und das hat mir gereicht. Ich war sehr froh, als ich dann dieses Forum hier gefunden hatte, sonst gibt es ja sehr wenig, wo eine wirklich kritische Haltung zu „Medies“ (diesen verharmlosenden Ausdruck finde ich zum kotzen) vertreten wird.
Der Ratschlag, Antidepressiva zu nehmen, wurde mir von einer selbsternannten „Messie-Expertin“ gegeben, nachdem ich ein Jahr lang Gruppentherapie bei ihr gemacht hatte. Ich bin zwar (fast gar) kein Messie, aber diese Therapeutin hatte mich, anfangs jedenfalls, ziemlich beeindruckt. Außer Gruppengesprächen machten wir viel Gestaltungs-Therapie (nicht zu verwechseln mit Gestalttherapie), und es wurden damit zu Anfang auch viele wichtige Themen angesprochen. Ich hatte natürlich erwartet, dass die dann noch weiter vertieft werden würden, so dass wir dann dazu kommen könnten, die Zusammenhänge zwischen alten „Prägungen“ und jetzigen Problemen zu verstehen, und daraus neue Perspektiven für unser Leben ableiten könnten. Dem war aber nicht so, das ganze wurde zu einer zusammenhangslosen Larifari-Therapie. Gegen Ende sagte mir die Therapeutin, dass sie der Meinung sei, dass ich Depressionen habe. Ich fragte, woher die kommen, in der Hoffnung, dass wir jetzt wenigstens mal auf Zusammenhänge zu sprechen kommen würden. Aber sie sagte, Depressionen hätten genetische Ursachen und Antidepressiva würden ganz prima dagegen helfen. Ich hatte einige Wochen gebraucht, um mich von diesem Tiefschlag zu erholen, immerhin hatte ich dieser Frau ja, trotze einiger Bedenken, immer noch vertraut.
Auf meiner Suche nach einer sinnvollen Therapie bin ich jetzt bei der Uniklinik gelandet, die machen eine Studie zur Chronischen Depression (mal ohne Medikamente), und ich kann da 32 Stunden CBASP machen. Ich habe schon fast die Hälfte hinter mir und die Therapeutin gibt sich ja auch Mühe, aber ich sehe wirklich nicht, was an dieser allseits so hochgelobten neuen Therapiemethode so toll sein soll. Kernstück dieser Methode sind eigentlich „Situationsanalysen“, bei denen man lernen soll, sich in der Interaktion mit anderen Menschen anders zu verhalten. Bisher haben wir sowas aber kaum gemacht, weil ich darin keinen Nutzen sehe. Selbst wenn man das gelernte im richtigen Leben umsetzen kann, ist es doch nur eine Symptom-kuriererei, die nichts an den Ursachen meiner Depression ändert. Die Therapeutin sieht das zwar anders, aber ich finde nicht, dass meine Depression allein daher rührt, dass ich mich anderen gegenüber falsch verhalten würde und dadurch isoliert wäre. Vielleicht bin ich das, aber das ist nicht Ursache, sondern Folge meiner Depression. Außerdem ist mir an CBASP natürlich suspekt, dass die Leute dabei sonst meist unter Antidepressiva gesetzt werden.
Sinnvolle Gedanken zu Wesen und Ursachen von Depressionen habe ich bisher nur in den Büchern von Josef Giger-Bütler gefunden („Sie haben es doch gut gemeint“ - Familie und Depression; „Endlich frei“ - Schritte aus der Depression; „Jetzt geht es um mich“ - Die Depression besiegen – Anleitung zur Selbsthilfe, alle im Beltz-Verlag erschienen). Von ihm ist die einzige mir bekannte Theorie über Depressionen, der man anmerkt, dass der Autor depressiven Menschen zugehört hat und nicht einfach alles besser weiß. Er betont auch, das Antidepressiva keinen Nutzen bringen werden, nicht wegen der Nebenwirkungen, sondern weil man durch sie an seiner Lebensweise nichts ändert.
Was ich mir wünschen würde, wäre eine Therapie, die mir dabei hilft, etwas von den Vorschlägen, die Giger-Bütler macht, umzusetzen und meinen eigenen Weg zu finden. Na ja, ganz so einfach ist es wohl doch nicht (obwohl auch das schon nicht einfach wäre), zumal er ja auch nicht alles aufzeigen kann, was nötig wäre, ich müsste auch noch selbst ein Stück neuen Weg finden. Wie ja auch seine Beschreibung der Ursachen von Depressionen – so unglaublich gut sie auch ist – natürlich nicht auf jeden individuellen Menschen zutreffen kann. In meinem Leben war doch noch einiges anders und daraus müsste ich noch eigene Strategien entwickeln, um aus der Depression herauszufinden. Nur – weit und breit ist keine Therapie in Sicht, die mir dabei helfen würde.
Hat sonst jemand Erfahrungen mit CBASP – womöglich gute – gemacht? Ich halte Euch auf dem Laufenden, falls ich mal etwas hilfreiches finde.
Liebe Grüße und alles Gute für Euch alle!