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Paroxetin "korrekt" verschrieben?

Verfasst: 10.08.2004 20:02
von Baldur
hallo bin heute auf dieses forum gestossen.
hintergrund: hab nen kumpel der paroxetin nimmt und ich mach mir etwas
sorgen um ihn.
ansonsten interessiert mich die dauer der einnahme. aus den absetzplänen
von einzelnen geht hervor, dass sie teilweise 2-3 jahre damit zu tun haben. das hat mich schon etwas erschreckt! dachte ein halbes bis ein jahr
wär ein typischer therapieverlauf.

ich möcht natürlich dass er so schnell wie möglich damit durch ist.

zum andern: nimmt jmd hier das mittel ausser wegen depressionen
und angst/panik ? zum beispiel wegen sozialer angst, der gestalt, dass
man sich nicht mehr so aus dem haus traut, bzw es vermeidet.

denn ich habe den eindruck dass das medikament bei meinem freund
zu voreilig verschrieben wurde..
natürlich kann ich damit auch falsch liegen. bin ja nicht bei den arztgesprächen dabei.

zu den fragen werde ich sicher auch per suchfunktion was finden.
aber wer möchte kann es auch direkt hier posten. oder per PN. egal.

im folgenden ein posting von mir von heute. zum thema paroxetin, nebenwirkung, aufklärung durch ärzte, und verschreibungspolitik.
was meint ihr, ist es ok so wie es läuft in dem fall?
wie lief es bei euch?

wollte erst in einen anderen thread schreiben wo es auch um parox. und nebenwirkung ging, aber fand neen neuen doch besser, weil manches im andern fall doch offtopic gewesen wäre.

wem die medikamente helfen, bzw. wer ohne sie fast nicht überleben kann sozusagen, für die ist es sicher nötig.
ich bin aber dagegen, wenn ärzte etwas verschreiben sobald sie das
schlüsselwort "angst" aus dem munde des patienten hören.

und meinem freund war in dem maße bestimmt nicht klar, worauf
er sich einzustellen hat.
sondern ich vermute dass er eben vertaut hat und die autorität
die ein arzt für viele heute ja immer noch ausstrahlt auch eine rolle spiele.

posting:
...also ich kann aus beobachtung die zum teil auftretenden
nebenwirkungen bestätigen.

mein guter freund hat angststörungen.

nun, er bekam paroxetin. erst eine tablette täglich.
da die 20mg nach ein paar wochen die ängste nicht hinreichend
milderten, wurde auf 40 mg erhöht.
und schwupps noch ein paar wochen später auf 60 mg..

soweit "sogut"..
nebenbei kriegt er noch promethazin-tropfen (70 tropfen pro tag),
aber das ist ein anderes thema. zu den tropfen werde ich mich
auch gleich noch schlau zu machen versuchen..wird nämlich zeit !

nun , da er davon immer so müde wurde, und die teile mal ganz nebenbei erwähnt auch ein schweinegeld kosten...
(100% arbeitsfähig kann auf paroxetin eh keiner sein, oder?
bei DER müdigkeit)
und er grad keine tabletten mehr auf lager hatte, hab ich NAIVERWEISE den vorschlag gemacht mal ein paar tage damit zu pausieren...
nach 3 tagen kam was kommen musste: wackelbilder, nachbilder,
hitzewallung, übelkeit, benommenheit.

der arzt: nein, das dürfen sie natürlich nicht. niemals promt absetzten. das machen wir später stück für stück.

was mich als freund und beobachter sozusagen sauer macht ist
dass:

ich erstens nicht den eindruck habe, dass *ausführlich* eine
beratung beim psychiater stattfindet.
mit anamese,diagnose und vorausschau auf die *dauer*
der ganzen therapie.
es kann nicht sein, dass die nebenwirkungen nicht(oder kaum, oder verharmlosend) erwähnt werden, weil jeder der beteiligten weiss, dass in der packung so´n zettel liegt wo in mikroschrift
drinsteht was alles passieren kann.

vorher hatte er nur ängste.
jetzt hat er mit sicherheit ängste+halluzinationen, wenn er das mittel nicht mehr nimmt. und u U. wenn das mittel durch den arzt
abgesetzt werden wird...
wann?
wüsste ich auch gerne. demnächst wird ein EEG gemacht, nach monaten(!) der medikamentösen behandlung.
warum wird das nicht sofort gemacht? geht das nur unter den tabletten?

also was hats gebracht bisher?

nebenbei läuft noch ne verhaltenstherapie.
er solle mal "öfter rausgehen unter menschen"..
paroxetin?
kennt er nicht...wozu auch , ist ja nicht sein gebiet.

dass es stimmen gab die gesagt haben, dass eine tiefenpsychologische therapie besser sei..nur am rande.
er könne ja beides machen,parallel...so als ergänzung, war auch
ein vorschlag.

naja ist im mom eh nicht zu machen, das paroxetin hat nämlich
andere pläne.

2 dinge wünsch ich mir diesbezüglich einfach:
1. klare (ehrliche) und ausführliche (vollständige) beratung.
erst beratung (durch arzt) , dann mittel nehmen.
nicht erst mittel einnehmen, und dann "den rest" erzählen.

ich würde mir zum beispiel einen arzt wünschen der, nicht so ne starke loyalität zur pharmaindustrie hat.
der zum beispiel den mumm hätte zu sagen:
wissen sie, das mittel kann helfen, aber es hat auch starke nebenwirkungen. ich würde mir 2 mal überlegen ob ich das nehme..
inbesondere ob die ganzen mühen und die übelkeit und der zeitaufwand in vernünftiger relation stehen zu dem angestrebten ergebnis.
versuchen sie es erstmal mit johanniskraut, mehrmals.
wägen sie in jedem fall ab, ob sie ein medikament nemen..

gibt ja die "kritischen polizisten".
gibt es auch die kritischen ärzte?

2. wünsch ich mir eine welt ohne fehldiagnosen.
auch wenn das naiv klingt.

denn mein eindruck ist, dass in jedem fall behandelt (im sinne von gehandelt) wird !

insbesondere in psychosomatischen, neurotischen und psychotischen bereich.
die krankheits-/symptombilder sind dort teilweise so schwammig,
ähnlich, diffus und teilweise sogar identisch,
dass es de facto menschen gibt die seit 50 jahren zu ihren behandlern rennen und immer noch nicht genau wissen was sie eigentlich haben. oft haben sie mehreres zur auswahl..
je nachdem wo sie schon überall waren.

behandelt wird in jedem Fall:
fiktives beispiel: 30 jahre, depressionen, angstzustände bis panik ,vermeidungsverhalten bei zwischenmenmschlichen kontakten, frühkindliches trauma.

geht diese person zum psychiater kriegt sie uU. antidepressiva.
also zum teil heftige mittel. so heftig dass durch das plötzliche
absetzten etwas entseht , womit diese person in der form noch nichts zu tun hatte: psychotisches erleben.

geht sie zum tiefenpsychologen wird wahrscheinlich eine
Psychoanalyse gemacht,traumdeutung,gesprächstherapie,gruppentherapie.

geht sie zum verhaltenstherapeuten, wird uU eine verhaltenstherapie gemacht. also schön die symptome
"in angriff nehmen", extra als mutprobe ins cafe gehen und leute ansprechen.

nun widerspricht sich aber das eine mit dem anderen. anstatt
ergänzt.

es ist gar nicht angebracht, jmd der sein trauma ins unterbewusste
gedrängt hat in eine verhaltenstherapie zu bringen um seine ängste zu lindern deren ursachen er ohne analyse gar nicht kennt.
oder?
und warum kriegt jmd mit ängsten die noch keine "todesängste" sind, heftige angstblocker , die normalerweise leute kriegen
die stimmen hören , oder verfolgungswahn haben?

jeder behandelnde pickt sich die symptome raus, die in sein gebiet
fallen. damit er handeln (und verdienen? ) darf.
so *scheint* es mir zumindest.

da sag ich mir : glück dass du nie zum psychiater bist, sondern
psychotherapie ohne medikamente gemacht hast!
da ich nur bei tiefenpsychologen bisher war, hab auch auch nur eine diagnose gehört. und nicht wie bei anderen 3 oder noch mehr
die alle aber irgendwie "etwas" stimmen.

fast erinnert mich das alles an den film "einer flog übers kuckkucksnest" , obwohl ich festbinden, zwangseinweisen und elektroschocks nicht mit heutiger praxis gleichsetzten möchte.
aber kam mir einfach als erinnerung..
der typ geht kerngesund rein und kommt tot wieder raus.
mit wahnsinn als zwischenstation.

auch wenn das zynisch und polemisch ist, und mit heutiger behandlung in deutschland nichts zu tun hat..aber ich bin ärzten gegenüber sehr kritisch geworden. und ich habe auch angst um meinen guten freund, weil ich nicht weiss wie es mit ihm weitergeht, der erst nur "angst hatte" und nun wackelbilder sieht,
es zischen hört wenn er die augen bewegt und stosswellen merkt,
wenn er mal 3 tage diese kleinen,weissen pillen nicht nimmt.

grüsse

Verfasst: 10.08.2004 20:24
von CloneX
Das ist wahrscheinlich das längste Posting in diesem Forum gewesen :D .

Ich bin zu müde um alles genau durchzugehen - aber überflogen habe ich es und kann nur kurz dazu sagen:

- 60 mg Paroxetine ist eine ziemlich hohe Dosis, die meisten Leute haben schon Probleme von 20mg runterzukommen.

- Ängste werden durch das Medikament nicht geheilt. Das heisst wenn er nebenbei nicht lernt mit seinen Ängsten umzugehen dann ist die Zeit auf dem Medikament quasi wertlos - denn sobald er es absetzt kommt die Angst sehr wahrscheinlich zurück...und anscheinend nicht nur dass, sondern auch die Entzugssymptome wie Wackelbilder, zusätzliche Ängste, usw.

- Hat dein Freund schon alle Alternativen ausprobiert ? Medikamente sollten das allerletzte Mittel sein. Vorher ist immer Therapie, Sport, Ernährung, usw. angesagt. Gerade bei Ängsten gibt es sehr gute Erfolgsaussichten wenn man sich in (gute) Therapie begibt. - Wie gesagt. Medikamente wie Paroxetine blenden die Ängste aus - heilen tun sie nur sehr selten

- Solange alles gut geht mit dem Medikament kannst du dich auf die Ärzte verlassen. Sobald es aber ("unvorhergesehene") Probleme gibt, bist du meist ziemlich schnell auf dich allein gestellt wenn du da heile wieder raus willst. Natürlich gibt es auch ausnahmen.

Verfasst: 10.08.2004 20:35
von Uschi
Hallo Baldur, :?

sorry, wenn ich jetzt schreib was ich denk!
Wenn man einen Freund wie Dich hat braucht man nicht mehr selbst zu denken! Bitte doch Deinen Freund einfach, Dich mal zu seinem Arzt mitzunehmen, da kannst Du dann die Therapie Deines Freundes gleich mitbestimmen! Derweil kann Dein Freund vielleicht einen Kaffee trinken gehen oder so!
Ich bin jetzt erst mal mit Deinem Bericht überfordert! Teilweise finde ich deinen Beitrag auch verwirrend!
Vielleicht kann Dein Freund ja mal selbst schreiben!

Gruß Uschi

Verfasst: 10.08.2004 21:15
von Linda
Liebe Uschi,

entschuldige, wenn ich Dir widerspreche - nix für ungut 8)

Ich finde, dass diese Medikamente einen Menschen so außer Gefecht setzen können, dass er oder sie gar nicht in der Lage ist, das ganze Wirrwarr von widersprüchlichen Informationen zu durchwaten, die es gibt. Oliver und ich haben uns kürzlich auch darüber unterhalten, dass die Familienmitglieder - oder wie in diesem Fall Freunde - eine sehr wichtige Rolle in solchen Geschichten spielen können. Wenn ich für die Jessica nicht da gewesen wäre und einen klaren Blick behalten hätte, bin ich mir sicher, dass man sie irgendwo stationär aufgenommen hätte und mit Neuroleptika vollgepumpt hätte.... was dann aus ihr geworden wäre - undenkbar *schauder*. Sie war in der Zeit nur damit beschäftigt, die grauenvolle Empfindungen zu ertragen.
Wir hatten auch schon überlegt, ob es eine gute Idee wäre, hier ein Extraforum für Mitbetroffene anzubieten.

@Baldur:

Ich habe Deine Nachricht noch nicht richtig verdaut und werde später darauf antworten. Ich finde es sehr schön, dass Du Dich für Deinen Freund einsetzt - ich stimme auch den Aussagen von CloneX zu.

Linda

Verfasst: 10.08.2004 21:51
von Uschi
Hallo Linda, :)
natürlich ist es in manchen Situationen wichtig wenn man Freunde und Angehörige hat die sich um einen kümmern. Aber irgendwie kam mir das beim lesen des Beitrags einfach so viel vor! Darum meine Antwort an Baldur nicht mißverstehen!
Passiert mir manchmal, dass ich erst antworte (schreibe) und dann denke!
@ Baldur
Wenn ich Dich mit meiner Antwort beleidigt habe, entschuldige ich mich bei Dir! :?
Vielleicht kannst Du ja mal die Fragen die Du hast zusammenstellen!
Dann kann man eine nach der anderen versuchen zu beantworten.
Dann ist es nicht so viel auf einmal.

Gruß an Dich Uschi

Verfasst: 10.08.2004 22:02
von Baldur
hi,

schönen dank für die antwort.
an clonex :
denn sobald er es absetzt kommt die Angst sehr wahrscheinlich zurück...und anscheinend nicht nur dass, sondern auch die Entzugssymptome wie Wackelbilder, zusätzliche Ängste, usw.
ja, das sind eben dinge die ich gar nicht wusste..entzugssymptome.
dachte vorher dass da nur eine psychische abhängigkeit enstehen kann,
mit drang die tabletten immer wieder zu nehmen.



Hat dein Freund schon alle Alternativen ausprobiert ? Medikamente sollten das allerletzte Mittel sein. Vorher ist immer Therapie, Sport, Ernährung, usw. angesagt. Gerade bei Ängsten gibt es sehr gute Erfolgsaussichten wenn man sich in (gute) Therapie begibt. -

jein...die ängste waren schon seit früher jugend da. mit der zeit verstärkten sich die ängste. auch im beruf, der immer schwerer dadurch wurde.
stationen schliesslich in kurzer folge:
hausarzt, gespräch in psychiatrischer ambulanz mit anraten eine therapie
zu beginnen (tiefenpsychologisch) ,hausarzt, gespräch mit verhaltenstherapeut bei dem er jetzt ist der aber wenig weiss von seinen
medikamenten, parallel dazu psychiater und der hat ziemlich schnell
paroxetin und promethazin verschrieben seit mittlerweile ca. 3 monaten.


an Uschi:

er schreibt in keine foren. hat daran auch kaum interesse.
der grund ist sehr einfach: er hat eine rechtschreibeschwäche und
schämt sich deswegen.

zum andern kann ich nicht ganz abstreiten, dass ich vielleicht etwas ein helfersyndrom hab.
aber zum anderen mag ich ihn einfach gern und mir tut er leid.
vor nem jahr war er nämlich noch anders! und nun hab ich angst vor
substanzen die zunächst definitiv seine antriebskraft mildern und möglicherweise diese entzugserscheinungen auslösen.
und ich frag mich ist das alles nötig? die medis?
und bin geneigt in diesem fall zu sagen :nein.

er würde unter umständen nicht vehement genug für sich eintreten.
also wenn der arzt jetzt die dosis nochmal erhöhen würde,würde er vielleicht sagen : okay, wenn sie meinen.

sicher soll man sich nicht ins leben anderer einmischen.
aber auch nicht weggucken. und wenn man jmd echt mag, dann
find ich das sogar vorbildlich sich einzumischen.

jmd der(tatsächlich) voll klar kommt mit sich und selbstbewusst ist. naja der braucht das dann mit sicherheit nicht so.

Verfasst: 10.08.2004 22:04
von Baldur
fühl mich nicht beleidigt, alles klar :)

Verfasst: 12.08.2004 22:31
von Oliver
Hallo Baldur.

Du hast also Deine Zweifel an der Korrektheit der Behandlung Deines Freundes. Das kann ich gut verstehen - und das ist auch sehr gut möglich. SSRI werden viel zu leichtfertig verschrieben. Wenn Sie wirken ist alles in Ordnung, wenn sie aber Ärger machen, ist der Patient (bzw. die Krankheit) schuld. Das einzige was Du tun kannst ist ihn mit den Informationen die hier im Forum und auf unserer Webseite zur Verfügung stehen, zu konfrontieren.

60mg sind übrigens eine ganz schön krasse Dosis. Die WHO hat eine Warnung herausgegeben, welche besagt, dass bei Paroxetin die empfohlene Dosierung nicht überschritten werden sollte: http://forum.adfd.org/viewtopic.php?t=650

Ich finde es gut, dass Du Dir Sorgen um Deinen Freund machst und ihn vor einer eventuellen falschen Behandlung bewahren willst. Ich wünsche Dir dabei viel Glück.

Alles Gute
Oliver