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Fast ein Jahr ohne - eine Bilanz.
Verfasst: 08.11.2004 11:46
von ashnak
Hallo,
so, es ist November, und ich bin jetzt fast ein Jahr ohne Paroxetin (Ich hatte Ende 2003 in Ermangelung besserer Informationen von 10mg auf Null reduziert).
Ursprünglich hatte ich das Paroxetin wegen einer Angststörung bekommen.
Ich hab jetzt den größten Teil des Jahres unter den Entzugserscheinungen gelitten: Schlaflosigkeit, Herzstolpern, Schwindel, Müdigkeit.
Was zu bleiben scheint, und was mir Sorgen bereitet, ist eine ziemliche Antriebslosigkeit (kann natürlich Teil der Grunderkrankung sein, oder auch nicht...) und vor allem eine sehr seltsame emotionale "Verdrehtheit", die ich nur sehr schwer in Worte fassen kann. Gerade diese Verdrehtheit macht mir Sorgen...
Die Chancen, daß zu unseren Lebzeiten noch ein klares Ergebnis erbracht wird, welche Spätschäden SSRI denn nun wirklich verursachen können, stehen schlecht. Wenn ich mich hier im Forum und anderswo nach tiefergehenden Informationen über die Wirkungsmechanismen der SSRI informiere, dann zeichnet sich ab, daß da derart mit Dingen herumgepfuscht wird, die niemand wirklich versteht (Die ganze Hirnforschung...), daß ein Nachweis des Zusammenhangs gewisser Wirkungen mit SSRI praktisch unmöglich ist.
Aussagen von uns Betroffenen werden auch weiterhin nicht wirklich ernst genommen werden, denn wir sind ja eigentlich verrückt und die Abneigung gegen diese Medikamente wächst nur auf dem Mist unserer irrationalen Ängste.
Selber weiß ich nur Eines: Vor Paroxetin hatte ich Gefühle und unter anderem auch eine starke, mich behindernde Angst. Jetzt habe ich nur noch Angst und Antriebslosigkeit, fühle mich emotional erblindet.
Ich kann nur hoffen, daß das von alleine wieder weggeht. Wie oben beschrieben, werden wir es nicht mal mehr erleben, daß man die Zusammenhänge erforscht, geschweige denn eine Möglichkeit findet, potentielle Folgen der SSRI-Einnahme zu heilen. Dazu kommt noch die ebenfalls bereits erwähnte Überzeugungsschlacht, die gegen mächtige Pharmakonzerne und nicht selbständig denken wollende Ärzte noch lange dauern wird.
Mittlerweile wird weiter fröhlich verschrieben und eingenommen, man muss sich nur in anderen Foren umsehen. Cipramil, Fluoxetin, Paroxetin... ...es wird aufs Geratewohl zugedröhnt und wenn der eine SSRI nicht wirkt, dann gibt man einen anderen.
Gruß,
Ashnak
Verfasst: 08.11.2004 12:25
von Oliver
Hallo Ashnak.
Danke für Deinen Bericht. Du bringst die Problematik echt gut auf den Punkt.
Ich hoffe Dir geht es bald wieder besser. Was tust du denn im Moment, um Deine Genesung zu unterstützen?
Alles Gute
Oliver
Verfasst: 08.11.2004 23:13
von ashnak
Hallo Oliver,
Oliver hat geschrieben:
Ich hoffe Dir geht es bald wieder besser. Was tust du denn im Moment, um Deine Genesung zu unterstützen?
Ich fang grade eine Therapie an.
Aber nachdem ich jetzt nach zwanzig jahren so ziemlich alles psychische, somatische uns pharmakologische durchhabe, verbringe ich die meiste Zeit eigentlich damit, ratlos zu sein und bei meinem Arbeitgeber herumzulungern und darauf zu warten, bis jemand meine Untätigkeit bemerkt.
Alles Gute
Oliver
Danke!
Gruß,
Ashnak
Verfasst: 08.11.2004 23:30
von Linda
ratlos zu sein
Das kenne ich auch. Das macht aber irgendwie nichts. Wenn man nichts weiß, ist alles offen.
und bei meinem Arbeitgeber herumzulungern und darauf zu warten, bis jemand meine Untätigkeit bemerkt
hmmm, das kenne ich zum gewissen Grad auch... bis es mir einfach zu blöde wird. Klingt nicht gerade konstruktiv. Was für eine Vorstellung hast Du denn selbst?
Übrigens - danke für die Überlegungen - kann Dir voll zustimmen
Linda
Verfasst: 10.11.2004 15:17
von ashnak
Hallo Linda,
Linda:
hmmm, das kenne ich zum gewissen Grad auch... bis es mir einfach zu blöde wird. Klingt nicht gerade konstruktiv. Was für eine Vorstellung hast Du denn selbst?
Was meinst Du mit "Vorstellung"?
Gruß,
Ashnak
Verfasst: 10.11.2004 15:37
von Linda
Mit Vorstellung meine ich eine Vorstellung von dem, was Du selbst meinst, was für Dich sinnvoll wäre.
Linda
Verfasst: 10.11.2004 16:01
von ashnak
Hallo Linda,
Linda hat geschrieben:Mit Vorstellung meine ich eine Vorstellung von dem, was Du selbst meinst, was für Dich sinnvoll wäre.
Linda
Meinst Du sinnvoll bezüglich eines Lösungsweges für meine Probleme?
Nee, da habe ich keine Vorstellung mehr. Leider. Das einzige, was ich im Moment habe, ist der starke Verdacht, daß hinter all den psychischen Erkrankungen, die langsam grassieren wie die Pest, was völlig anderes stecken könnte, als das, was alle Vermuten.
Gibt genug Beispiele in der Geschichte der Humanmedizin für aus heutiger Sich hanebüchene Erklärungen für bestimmte Krankheiten. Wie die früheren Erklärungsmodelle für die Infektionskrankheiten (Böses Blut, daß man ablassen musste etc.), oder der Irrtum über den Zusammenhang von Wahnsinn und Fehlfunktionen des endokrinen Systems. Aber, an solche "Vielleichts" kann ich mich natürlich nicht binden.
Daher auch erst mal noch eine Therapie.
Gruß,
Ashnak
Verfasst: 11.11.2004 17:09
von Linda
Wie sieht es bei Dir denn beruflich aus? Scheinbar fesselt Dich die Arbeit momentan nicht so arg.
Linda
Verfasst: 11.11.2004 22:12
von ashnak
Hallo Linda,
Linda hat geschrieben:Wie sieht es bei Dir denn beruflich aus? Scheinbar fesselt Dich die Arbeit momentan nicht so arg.
Linda
puh, das ist jetzt mal ein richtig großes Thema...
Ich hadere nämlich jetzt schon seit anderhalb Jahren mit mir, ob ich den Job nun wechseln soll oder nicht. Ich habe das Gefühl, daß mich der Job ferigmacht. Andererseits bin ich mir anber auch nicht sicher, ob es nicht vielleicht doch an mir liegt, daß ich da nichts leiste, daß ich überzogene Vorstellungen von der Arbeitswelt habe. Im Moment bin ich im ÖD, in der Forschung. Da kann man das schon mal kaschieren, wenn man einige miese Tage hat. Im Moment habe ich aber den Verdacht, daß viele meiner Probleme mit genau diesem Job zusammenhängen, da ich dort weder karrieremäßig noch finanziell große Möglichkeiten habe, mich weiterzuentwickeln. Auch der Inhalt meiner Tätigkeit ist nich besonders angesehen. Die "Könige" in dem Laden, die auch die Leistungszulagen abgrasen, sind Leute aus anderen Fachbereichen.
Nur, leider, leider der Wechsel von Wohnort und Arbeitsplatz zu gravierende Einschnitte im Leben, als daß man damit Experimente machen könnte. Wenn sowas sciefgeht, steht man ganz schnel vor dem Nichts, und das ganz besonders wenn man psychisch ohnehin schon Probleme hat.
Und so hadere ich nun seit Jahren mit Arbeitsplatz und ungeliebtem Wohnort auf dem Land, und kann mich nicht wirklich entschließen, das zu ändern... ....ende nächsten Jahres läuft mein Zeitvertrag aus. Wenn er nicht verlängert wird, bin ich ohnehin gezwungen, was zu tun. Aber eigentlich will ich auch keinen Zeitvertrag mehr. Zu wenig Kontinuität für meinen Seelenfrieden.
Gruß,
Ashnak
Verfasst: 12.11.2004 13:19
von Linda
Hallo Ashnak,
sowas habe ich aus Deinem ersten Posting gelesen und ich denke, es wäre wirklich sinnvoll für Dich, diesen Bereich Deines Lebens näher unter die Lupe zu nehmen. "Erfolg" im Beruf - ich meine damit nicht, dass man in der Geschäftsleitung hochklettern muss, sondern dass man eine Befriedigung daraus zieht und die Arbeit gerne macht - ist in meinen Augen unheimlich wichtig für das Seelenwohl. Ich habe auch schwere Zeiten durchgemacht, mein Beruf war dabei sowas wie ein roter Faden für mich. Ich mache meine Arbeit gerne, bekomme sehr viel positives Feedback (sehr wichtig) und verdiene auch nicht schlecht (Geld stinkt nämlich nicht, es ist eine "Belohnung" für die Energie, die man hineinsteckt). Anfang des Jahres bin ich auch ziemlich schnellentschlossen in eine andere Stadt umgezogen. Klar ist es mit einem Aufwand verbunden, aber man bekommt auch viel Neues mit, was der Mensch von Natur aus auch immer wieder braucht, um neue Impulse ins Leben zu bringen. Du hast jetzt also ein Jahr Zeit, Dich nach neuen Aufgaben und Horizonten umzuschauen. Vielleicht ergibt sich auch "zufällig" etwas Neues - dafür musst Du aber offen sein. Ich kann es mir gut vorstellen, dass es Dir besser geht, wenn Du etwas hast, auf das Du gezielt fokussieren kannst. Auf jeden Fall wünsche ich Dir dabei viel Glück.
Linda
Verfasst: 12.11.2004 13:47
von ashnak
Hallo Linda,
vielen Dank für Deine Antwort.
Linda hat geschrieben:sowas habe ich aus Deinem ersten Posting gelesen und ich denke, es wäre wirklich sinnvoll für Dich, diesen Bereich Deines Lebens näher unter die Lupe zu nehmen.
Und da fängt das Problem an - ich traue meinem eigentn Urteilsvermögen nicht mehr so richtig. Vielleicht sollte ich einfach mit dem Nachdenken aufhören, und es tun. Ich meine, irgendwo müssen ja die Leute arbeiten, die sich all die schicken Neuwagen leisten können

. Hier offensichtlich nicht. (Das ist jetzt ein wenig ironisch gemeint, natürlcih geht´s nicht nur ums Geld...)
"Erfolg" im Beruf - ich meine damit nicht, dass man in der Geschäftsleitung hochklettern muss, sondern dass man eine Befriedigung daraus zieht und die Arbeit gerne macht - ist in meinen Augen unheimlich wichtig für das Seelenwohl. Ich habe auch schwere Zeiten durchgemacht, mein Beruf war dabei sowas wie ein roter Faden für mich. Ich mache meine Arbeit gerne, bekomme sehr viel positives Feedback (sehr wichtig) und verdiene auch nicht schlecht (Geld stinkt nämlich nicht, es ist eine "Belohnung" für die Energie, die man hineinsteckt).
Tja, damit ist hier beidemale Fehlanzeige. Vor allem das überhaupt fehlende Feedback stört mich. Man bekommt weder ein Lob noch einen Tadel, es hat schon fast was kafkaeskes, hier zu arbeiten. Keine Mitarbeitergespräche, nichts. Früher, als ich als Student noch in der Industrie gejobt habe, da hat man immer eine Rückmeldung bekommen.
Auf jeden Fall wünsche ich Dir dabei viel Glück.
Danke! Kann ich wirklich gut gebrauchen.
Gruß,
Ashnak
Verfasst: 12.11.2004 15:14
von Linda
Hallo Ashnak,
von dem, was Du schreibst, kann ich nur sagen, dass Du meiner Ansicht nach nicht viel zu verlieren hast. Ein mögliches Argument gegen eine Veränderung ist ein sicherer Arbeitsplatz, aber nicht einmal das trifft bei Dir zu. Manchmal muß man im Leben einfach mutig sein. Viele Menschen neigen dazu, Veränderung als etwas Beängstigendes zu betrachten anstatt die Möglichkeiten vor Augen zu halten, die solche Veränderungen auch mit sich bringen. Wie alt bist Du denn?
Linda
Verfasst: 12.11.2004 16:18
von ashnak
Hallo Linda,
Linda hat geschrieben:
von dem, was Du schreibst, kann ich nur sagen, dass Du meiner Ansicht nach nicht viel zu verlieren hast. Ein mögliches Argument gegen eine Veränderung ist ein sicherer Arbeitsplatz, aber nicht einmal das trifft bei Dir zu.
das ist jetzt eben die Frage - ich könnte versuchen, hier doch noch einen Festvertrag zu bekommen, was aber unwahrscheinlich ist.
Manchmal, wenn es mir schlecht geht, wenn ich müde bin, dann kommt mir eben der Gedanke, daß ich einfach mit dem was ich habe, zufrieden sein sollte, daß ich zu krank für Luftsprüunge bin.
Aber bin ich wirklich schon so fertig?
Wie alt bist Du denn?
Ich bin vierunddreißig.
Gruß,
Ashnak
Verfasst: 12.11.2004 16:37
von Linda
Hallo Ashnak,
weshalb solltest Du versuchen, einen Festvertrag für einen Job zu bekommen, was Dir sowieso keinen Spaß macht? Klingt für mich nicht sonderlich nach Wachstum, sondern eher Stagnation oder sogar ein Rückwertstrend! Dein Wohnort scheint Dich auch nicht gerade zu motivieren. Vielleicht wäre eine etwas größere Ort mit interessanten Angeboten - auch für die Freizeit - nicht schlecht. Strecke doch einfach Deine Fühler aus, schadet doch nicht. Ist es nicht auch möglich, im ÖD innerbetriebliche Versetzungen zu beantragen oder sowas? Oder zieht es Dich eher in eine andere Richtung? Eine Freundin von mir ging mal zu einer Beraterin, die sich auf Richtungsweisung im Beruf spezialisiert hat. Die Berufsbezeichnung fällt mir gerade nicht ein. Sie war nämlich unentschlossen, wie sie beruflich weitermachen soll und diese Frau hatte ein paar schöne "Tricks" im Ärmel, die ihr dabei geholfen haben, die richtige Entscheidung zu treffen. Es geht ihr dabei jetzt bedeutend besser, vielleicht könntest Du Dir sowas überlegen. 34 ist ein Alter, in dem man sehr gut Weichen für etwas ganz Neues stellen kann. Man hat Erfahrung sammeln können, ist aber nicht so eingefahren, dass man nicht mehr wechseln kann. Grundsätzlich steht Dir doch alles offen. Man muss glaube ich wirklich nur wollen. Es klingt bestimmt blöd, aber ich denke immer in solchen Situationen an diese doofe CD-Verpackungen - man kratzt vergeblich bis zum Verzweifeln ewig lang an irgendwelchen Ecken herum, bis sich plötzlich ein kleiner Riss auftut, dann kann man die Verpackung wunderschön wegschälen... Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wäre in Deinem Alter und hätte keine Aussicht auf Befriedigung bei der Arbeit, dann würde mich das auch ganz schön herunterziehen. Da wird es mir sogar allein bei der Vorstellung ganz mulmig.
Linda
Verfasst: 15.11.2004 14:57
von ashnak
Hallo Linda,
endlich kome ich mal wieder dazu, hier zu antworten.
weshalb solltest Du versuchen, einen Festvertrag für einen Job zu bekommen, was Dir sowieso keinen Spaß macht?
Die Nachteile hier sind die mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten und die schlechte Bezahlung. Vorteil ist, daß ich hier schon mal bin, und einfach Angst habe, zu krank und zu müde für die Industrie, für den Umzug, für den Wechsel zu sein. Daher die Idee mit dem Festvertrag.
Aber, ich glaub so fertig bin ich nch nicht, daß ich dem Mist hier jetzt einfach die Halsarterie entgegenrecke...
Strecke doch einfach Deine Fühler aus, schadet doch nicht. Ist es nicht auch möglich, im ÖD innerbetriebliche Versetzungen zu beantragen oder sowas? Oder zieht es Dich eher in eine andere Richtung?
Na, ja, eigentlich geht mir der ganze ÖD mit all seinen Regeln und Formalismen, mit seiner ganzen Ineffizienz gehörig auf den Keks.
Außerdem, woanders sind die Möglichkeiten, weiterzukommen auch nicht besser. Und in einer Stadt habe ich vermutlich auch höhere Lebenshaltungskosten, daher ist Versetzung nicht grade das Zauberwort.
Eine Freundin von mir ging mal zu einer Beraterin, die sich auf Richtungsweisung im Beruf spezialisiert hat. Die Berufsbezeichnung fällt mir gerade nicht ein.
Vielleicht kannst Du mir dazu nähere Informationen besorgen?
34 ist ein Alter, in dem man sehr gut Weichen für etwas ganz Neues stellen kann. Man hat Erfahrung sammeln können, ist aber nicht so eingefahren, dass man nicht mehr wechseln kann.
Rational, ja. Irrational denke ich dauernd nur ans Sterben

.
Grundsätzlich steht Dir doch alles offen. Man muss glaube ich wirklich nur wollen.
Ich steh mir ja eigentlich nur selbst im Wege. Ich habe keine Ahnung, was ich beruflich zu leisten in der Lage bin, wie weit meine Fähigkeiten reichen. Ist ja nicht so, daß ich nur einen miesen Job habe. Ich hab´ja auch noch Ängste und Depressionen.
Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wäre in Deinem Alter und hätte keine Aussicht auf Befriedigung bei der Arbeit, dann würde mich das auch ganz schön herunterziehen. Da wird es mir sogar allein bei der Vorstellung ganz mulmig.
Hmm... ...vielleicht ist der Hauptgrund, daß es nicht weitergeht, wirklich meine Berufliche Situation und das Kuhdorf, in dem ich gerade lebe.
Vielleicht sollte ich einfach meinen Gefühlen wieder vertrauen, und nicht in allem irgend eine mystische Verirrung meiner Grunderkrankung sehen. Nach zwanzig Jahren ist das alles eben ein wenig verwirrend...
Gruß,
Eric