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Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Auch für Antiepileptika (z.B. Lyrica/Pregabalin), Stimmungsstabilisierer und Stimulanzien
Axala
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Axala » Dienstag, 11.04.17, 7:52

Hallo ihr Lieben,

mein Beitrag betrifft ausschließlich das Kaltabsetzen/ zu schnelle Absetzen/ erfolgreiche Absetzen von Neuroleptika, speziell von höheren Ausgangs-Dosen und nach längerer Einnahmezeit.

Da die Dopamin-Rezeptoren nach dem vollständigen Absetzen von Neuroleptika bis zu einem halben Jahr noch besetzt sein können (Bäuml) und sich wahrscheinlich eben erst danach zurückbilden können und auch dann erst vielleicht (???) ihre Supersensivität vollständig verlieren, würde ich vor allem bei einem von höheren Dosen und längere Zeit Neuroleptika-Abhängigen erst nach gut einem Jahr auf Null, besser bis zu zwei Jahren auf Null von einem gelungenen Entzug sprechen.

Alle in diesem Zeitraum auftretenden Psychosen würde ich vorrangig als Entzugspsychosen werten.

Natürlich könnte es auch die Ursprungserkrankung sein, aber ich halte die Wahrscheinlichkeit dafür für gering.
Dabei ist es für mich zweitrangig und unerheblich, ob der absetzende Psychotiker/Schizophrene einen leichten oder schweren Entzug hatte. Ein schwerer Entzug hat aus meiner Sicht den „Vorteil“, dass zu schnelles Absetzen unwahrscheinlicher wird und damit auch die Wahrscheinlichkeit von Entzugspsychosen und anderen Absetzfolgeerscheinungen.

Die meisten Wiedererkrankungen ereignen sich zwischen dem 3./4. und dem 7.Monat auf Null. (sinngemäß: Breggin, Bäuml)


Entzugspsychosen durch zu schnelles Absetzen können wesentlich schwerer verlaufen als die Ursprungerkrankung und für Psychiatriepatienten, die schon einmal fixiert waren (meist zu Recht - zum eigenen Schutz und zum Schutze anderer) kann solch eine Psychose katastrophal sein – auch gefährlich für sich und andere.

Kaltentzug bei solchen Patienten würde ich auf das Schärfste !!! verurteilen.

Mit „Verständnis“ und „streicheln“ schadet man aus meiner Sicht diesen Menschen.

Außerdem tragen solche Kaltabsetzer durch ihr Handeln in der Psychose u.U. zu der schlechten öffentlichen Wahrnehmung von Menschen mit psychiatrischen Diagnosen bei, was u.a. dazu führen kann, dass schwer psychisch Kranke vor sich selbst ihre potentiell tödlich Krankheit verleugnen, statt sich ehrlich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen und angemessene Lebensbewältigungstaktiken/-algorithmen zu entwickeln – eben MIT solch einer ggf. sehr schweren psychiatrischen Erkrankung zu leben.

Meine persönliche Meinung:
Man kann auch mit einer schweren psychiatrischen Erkrankung, zu der man zumindest vor sich selbst steht, ein überwiegend sinnerfülltes, schönes und befriedigendes Leben führen.

Psychisch krank zu sein, heißt für mich nicht: Tabletten unbedingt täglich zu brauchen, speziell Dauermedikation. Psychisch krank zu sein heißt für mich: achtsamer zu leben und etwas über seine Krankheit zu lernen.

Ich selbst habe vor ca. 20 Jahren nach ca. 5-jähriger NL-Einnahme mein damaliges Neuroleptikum Perphenazin (dasselbe, welches ich heute wieder nehme) aus Unkenntnis von damals 8mg auf Null in (glaube ich) 8 Wochen in 2mg-Schritten OHNE irgendwelche Entzugserscheinungen während des Reduzierens (auch keine Kinkerlitzchen) problemlos abgesetzt. Damals hatte ich noch keine Ahnung.
Es ging mir so richtig, richtig gut. Monatelang.

Nach mehreren Monaten hatte ich dann die mit großem Abstand schlimmste Psychose meines Lebens.
Damals wusste ich noch nicht, dass es eine Entzugspsychose war, denn damals habe ich noch den Ärzten vertraut – würde ich NIEMALS wieder tun.

Ich hatte noch Glück im Unglück und „NUR“ meine Arbeit verloren, wo ich eingearbeitet war. In der Klinik war ich die bisher längste Zeit fixiert und die Entlassungsdosis war sicherlich auch höher – das weiß ich heute nicht mehr, aber das ist ja meistens so.

Hier im Forum wäre ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt in den Monaten auf Null gefeiert worden und hätte Glückwünsche erhalten – völlig zu Unrecht und ich hätte für andere ein schlechtes Vorbild abgegeben.

Jeder, der schon einmal eine Entzugspsychose hatte, sollte genauestens seinen Entzugs-und Absetzalgorithmus überdenken, denn wenn er NICHTS ändert, ist die nächste durch für ihn falsches Absetzen initiierte Psychose nur eine Frage der Zeit.

Die Taktik ist bei jedem anders und sehr individuell.
Trotzdem ist der Algorithmus ALLGEMEIN erstellbar.

Leute, die keine Psychose/ Schizophrenie haben, sondern nur eine Minimaldosis Neuroleptika z.B. zum Schlafen angedreht gekriegt haben, dürfte das Thema „Entzugspsychose“ kaum betreffen, es sei denn, dass es keine Minimaldosis war, was ja auch oft leider der Fall ist.

Mit dem richtigen Absetzalgorithmus bzw. Psychopharmaka-Begleitalgorithmus können meiner Meinung nach auch Menschen reduzieren und evtl. absetzen, denen z.B. Prof. Dr. Volkmar Aderhold, der sich um die Lösung unserer Probleme sehr verdient gemacht hat, davon abraten würde. Außerdem könnten viele auch schwer kranke Patienten auf jahrelange Dauermedikation weitestgehend verzichten, wenn sie u.a. intelligent Bedarfsmedikation anwendeten und Früherkennungs-Hilfsmittel wüssten und benutzten. Das ist meine persönliche Meinung – sie kann falsch sein – ihr müsst sie nicht teilen – für mich ist sie richtig und zwar
goldrichtig.


Natürlich kann Kaltabsetzen in einigen Fällen vielleicht auch gut gehen, aber für Patienten mit heftigen akuten Psychose-Schüben (anschließender Fixierung im Krankenhaus) ist es einfach zu gefährlich.

Das ist alles meine persönliche Meinung.




Diesen Beitrag möchte ich einer Mitpatientin widmen.


Sie sprang in der Psychose/ im Wahnsinn aus dem Fenster
und hat das nicht überlebt.


Sie hat ihre Tabletten weggelassen: Kaltentzug.


Sie hieß Elke, war sympathisch und hübsch und Ende 30.


Ich mochte sie.


Während ich das schreibe, habe ich feuchte Augen.
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Jamie » Dienstag, 11.04.17, 20:25

Hallo :),

ich finde es interessant, was du geschrieben hast und werde ggf. auf deinen Beitrag verlinken.

Ich bitte aber noch mal zu bedenken, dass manche Menschen völlig blauäugig / uninformiert einen Entzug machen und diese kann man nur bedingt dafür verantwortlich machen, wenn es dann schief geht. Ihnen wird ihre eigene Naivität zum Verhängnis.
Ich weiß - Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, aber die wenigsten werden sich im Vornherein darüber Gedanken machen, ob sie mit ihrem Verhalten langfristig nicht nur sich selbst, sondern auch einer ganzen Patientengruppe (du sprachst vom schlechten Ruf) schaden.

So wie ich die Situation gerade bei Neuroleptika einschätze, halte ich es für gut möglich, dass gerade solche Patienten oft nicht genug ärztlichen, familiären und sozialen Rückhalt haben.
Ich spreche z.B. von den Psychotikern und den Schizophrenen - also gemeinhin denen, deren Bilder wir im Kopf haben (mit sehr negativem Touch), wenn wir an Psychiatrie und psychisch Kranke denken.
Diese Menschen merken dann vielleicht, dass ihnen das NL nicht gut tut, aber alle erzählen ihnen, sie müssten das Medikament ein Leben lang nehmen.
Ich kann mir wirklich sehr gut vorstellen, dass da bei manchem der Trotz hervorkommt und die sich denken "OK, wenn ihr mich nicht unterstützt, dann mach ich das eben alleine" - und so kommen dann auch bestimmt manche völlig kopflosen und überhasteten Absetzaktionen zustande.

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Axala » Sonntag, 03.12.17, 9:55

Thema: Dank an meine mich behandelnden Psychiater

Das alles ist meine persönliche Meinung/Ansicht, die falsch sein kann.


Hallo,
jetzt bin ich schon so lange klinikfrei wie nie zuvor seit Beginn meiner Erkrankung vor mehr als 25 Jahren.


Und so dachte ich des Öfteren so für mich:
„Also, Axala, Anzeichen von Vernunft sind vielleicht irgendwie in deinen Schädel eingedrungen und AUCH mithilfe deines „Verstandes“ (???) hast du das irgendwie hingekriegt, dass du deine Medis jetzt so einigermaßen bedarfsgerecht vorteilhaft dosierst.
Wie du das jetzt machst, ist das ja ganz gut – jedenfalls besser als vorher.
Dein Benehmen gegenüber Autoritäten und herrschenden Meinungen lässt zwar wie gehabt zu wünschen übrig, aber deine Dauermedikation:
in 07/2014 ____ 14mg Perphenazin + 50mg Levomepromazin
hast du inzwischen bzgl. ihrer neuroleptischen Wirksamkeit so etwa halbiert auf gegenwärtig:
in 11/2017____ 8,3mg Perphenazin
So ähnlich dachte ich des Öfteren.





Jetzt möchte ich über meinen letzten Klinikaufenthalt berichten:
Teil der Therapie meiner Klinikärzte:
Ich musste total unruhig im Flur herumlaufen.
Gehe davon aus, dass psychologisch geschulte Menschen das durch hypnotherapeutische Techniken hinkriegen, war aber sowieso zuweilen äußerst unruhig
Als Medikation war lt. meiner Erinnerung zusätzlich zu zwei NL Dauermedikation auch 4 x 0,25 mg Tavor/Lorazepam fest angesetzt.
Mittags war ich froh, gleich meine zeitlich begrenzt fest angesetzte Bedarfsmedikation nehmen zu dürfen, aber sie haben sie mir nicht gegeben.
Mein körperlich/seelischer Zustand war: ich wollte Bedarfsmedikation
Diesen Zustand scheint man als psychologisch geschulter Therapeut in die Seele einprogrammieren zu können. Ich schließe das nicht aus.
Jedenfalls nehme ich jetzt lieber Bedarf und/oder erhöhe selbständig mein Hauptmedikament, als in die Klinik zu kommen.





Es könnte also das Verdienst meiner Klinikärzte sein, dass ich jetzt relativ zu früher vernünftiger und klüger mit meiner Krankheit umgehe und dass ich Psychopharmaka wie NL nicht mehr immerzu und grundsätzlich hasse, sondern manchmal sogar froh bin, mit der aus meiner Sicht geringstmöglichen Medikation Klinikaufenthalte schon verhindert gehabt zu haben.



Jetzt möchte euch noch mitteilen, was mein mich behandelnder ambulanter Psychiater zu mir bei unserem letzten Treffen sagte (sinngemäß):



"Es ist mir egal, wie viele Medikamente Sie nehmen – Hauptsache, Sie kommen nicht ins Krankenhaus."





Dafür und auch für den vielleicht von mir richtig interpretierten Teil der Therapie meiner Klinikärzte während meines letzten Klinikaufenthaltes möchte ich
:party2: allen meinen mich behandelnden Psychiatern :party2:

demütigen Herzens Respekt zollen und mich bedanken.





Grüße
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Axala » Sonntag, 21.01.18, 15:07

Hallo,

von Mitte Dez. 17 bis Mitte Jan. 18 war ich im Krankenhaus wg. paranoider Schizophrenie und musste eine unheimlich stressige und zehrende Therapie über mich ergehen lassen.

Meine Medikation wurde von 8,22 mg auf 12 mg erhöht. Bedarf konnte ich selbst bestimmen.

Seit 15.1.2018 bin ich wieder zu Hause. Ich fühle mich nicht mehr psychotisch, aber bei mir schwankt alles.

Stimmung
Hitze/ gelegentlich Kälte
Blutdruck

Spielt mein ZNS verrückt und deshalb die Schwankungen?

Ich bin immer noch auf 12 mg und würde gern in 2 Schritten auf 10 runtergehen und dort längere Zeit verbleiben.

Aber irgendwie traue ich mich nicht wegen der Schwankungen.

Was meint ihr dazu?

Würden die Schwankungen dann nachlassen oder schlimmer werden, besonders die Blutdruckschwankungen?

Derzeit bin ich völlig ratlos.
Könnt ihr mir helfen?

Liebe Grüße
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Re: Perphenazin reduzieren und langfristig absetzen

Beitrag von Ululu 69 » Sonntag, 21.01.18, 17:02

Hallo Axala,

du hast eine schwere und anstrengende Zeit hinter dich gebracht.
Auch die Aufdosierung von Medikamenten bedeutet für dein Nervensystem enormen Stress, in meinen Augen kann der durchaus für die Blutdruckschwankungen verantwortlich sein.

Deshalb würde ich vorerst nichts an der Dosis verändern, sondern erstmal auf einer Dosis bleiben und abwarten, ob du dich vielleicht so stabilisieren kannst und dann wirklich ganz langsam vorgehen, um keine Absetzerscheinungen zu riskieren.

LG Ute
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