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Mirtazapin Qual?

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Rooz
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Mirtazapin Qual?

Beitrag von Rooz »

Hallo zusammen, grüße Euch!

Da ich neu in der Runde bin, stelle ich mich kurz vor. Ich bin 24 Jahre alt, männlich von normaler Statur und 2014 in ein tief schwarzes Loch gefallen. Nachdem ich Anfang Oktober diesen Jahres, nach wiederholtem Suizid Versuch, mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gekommen bin, landete ich in der Psychiatrie. Dort wurde ich mit meinen Problemen und mit mir selbst konfrontiert und habe einen Opiad Entzug, sowie eine Behandlung meiner Psychischen Erkrankung, der schweren Depression, begonnen. Dieser Opiad Entzug war die reinste Hölle, denn ich hatte davor schon 2 Tage nichts genommen und bekam die Entzugserscheinungen voll zu spüren, inkl diesen unerträglichen Beinschmerzen. Erwähntes Opiad war Morphin Retard, 180mg tgl, über 1 Jahr lang.
Nun zur meiner jetzigen Situation. Ich habe mich wieder gefangen, was ein großer Schritt war. Da ich jetzt allerdings noch die schwere Depression überwinden muss, bekam ich vor ca. 2 Wochen Mirtazapin 30mg tgl. Bis heute nehme ich diese jeden Abend auf Ärztlichen Rat ein, da mir noch eine längere Behandlung bevor steht. Allerdings klage ich nun seit knapp 2 Wochen über dieselben Schmerzen in den Beinen, wie vom Opiad Entzug (seit 9 Tagen auf 0). Mein Ambulanz Arzt sagte mir, das dies noch der Entzug des Morphins sein kann, das sich diese in den Fettzellen festsetzen. Aber es kann auch sein, das diese auch durch das Mirtazapin gefördert werden, u. A. RSL. Bis zum nächsten Termin (in 15 Tagen) solle ich diese Schmerzen ausharren und sollten sie nicht schwinden, so will er mich auf ein anderes Antidepressivum umstellen. Doch woran merke ich, ob es wirklich vom Mirtazapin kommt? Über den Tag ist es erträglich, jedoch am Abend, nach der Tablette und im Bett um so schlimmer. Habt ihr mit solchen Medikamenten Erfahrung? Was kann ich tun, falls die Medikation das Problem ist? Und wie bis zum nächsten Termin ausharren, wenn ich erst nach Stunden vor Erschöpfung einschlafe?

Hoffe Ihr habt einen Rat für mich. Und die Sufu nutzte ich nicht, da es bei mir mehrer Faktoren sein könnten. Dennoch danke für etwaigen Engagement!
Erkrankung laut Arzt: Schwerst Opiad abhängig (Seit 9 Tagen clean), schwere Depressionen und Suizidalität.
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Murmeline
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Re: Mirtazapin Qual?

Beitrag von Murmeline »

Hallo!

Ich kopiere Deinen Beitrag von anderer Stelle hier auch rein in Drinen Thread, da er zusätzliche Infos erhält:

Du hast geschrieben:
Bin zwar auch neu hier aber komme gerade selbst von einem harten Opiat Entzug zurück. Habe über 1 Jahr lang 180mg tgl Morphin Retard genommen. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, das ein kalter Entzug oder auch ein warmer Entzug Zuhause nicht, bis kaum machbar ist. Vielleicht ist das jetzt enttäuschend dass ich das sage. Aber ich habe selbst 4 Mal versucht, selbst kalt Clean zu werden und dabei Schmerzen erlebt, die ich nicht Ansatzweise beschreiben kann.
Ich war in einer Situation in der ich meine Frau, meine Arbeit und meine Wohnung verlor. Und nachdem ich es vor einem Monat noch einmal versuchte, selbst auf 0 zu kommen, hatte ich selbigen Abend meinen X. Suizid Versuch hinter mir und bin dann mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme und danach in die geschlossene Psychiatrie gekommen, wo ich letztlich den Entzug schaffte.
Ärztliche Betreuung und Aufsicht ist ein Muss bei diesem Vorhaben. Auch wenn es das letzte ist, was man will.. Die Psychiatrie hilft dir! Ich bekam Anfangs Diazepam, Methadon und Tavor. Nach knapp 4 Wochen Entzug, nur noch 0,5ml Methadon und jetzt seit 9 Tagen Clean. Der Entzug ist noch spürbar. Aber um Welten geringer, als ein kalter Entzug zuhause! Lyrica und Benzoide solltest du auf Dauer nicht nehmen, da sonst deine Abhängigkeit nur verlagert wird.
Nehm es dir zu Herzen: Entzug ausschleichend unter strenger Ärttlicher Betreuung! Ich bin 24 Jahre alt und habe eine zweite Chance für mein Leben bekommen. Das kannst du alles auch schaffen, nur setze dein Leben nicht unkontrolliert auf's Spiel, sondern gehe den harten aber richtigen Weg. Ich wünsche dir viel viel Kraft bei deinem Vorhaben! Ich kann mir nur zu gut Vorstellen, was du gerade durch machen musst!
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... 64#p167064
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
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Jamie
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Re: Mirtazapin Qual?

Beitrag von Jamie »

Hallo Rooz :),

mir fehlen Infos um dir meine Einschätzung geben zu können.
Du hast nicht geschrieben, wie du überhaupt Opiat-abhängig wurdest.
Oft hat man ja starke Schmerzen, bekommt das verordnet und kommt dann nicht mehr davon weg.
Also hattest du ein körperliches Problem und bekamst deshalb das Morphium? Und hatte das etwas mit dem Bein zu tun?

Mirtazapin kann RLS auslösen, Vorsicht! Würde ich gut beobachten. Aber du bist ja auch gerade erst frisch mit dem Opiatentzug fertig; das könnte da auch reinspielen. Ist keine einfache Faktenlage bei dir :roll: .

Und wenn du jetzt Schmerzen hast (hast du die überhaupt (noch) ?) - was für ein Medikament nimmst du denn dann?

Grüße und willkommen im Forum
Jamie
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Rooz
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Re: Mirtazapin Qual?

Beitrag von Rooz »

Hi Jamie, danke für die rasche Antwort.

Zum Thema Opiat kann ich nur schlechtes Berichten. War vor der Einnahme körperlich Kern Gesund. Litt aber durch meine zerstörte Existenz an einer spürbar heftigen Depression, kam durch Kontakte an Morphin ran und versuchte mich mit einer Überdosis zu vergiften. Nach einem 3 Tagelangem Trip war ich allerdings noch da. Leider bemerkte ich in dieser Zeit, das es mir besser ging, auch Psychisch, was natürlich ein fataler Trugschluss war und in einem Teufelskreis endete. Kurz und knapp: Es war Missbrauch des Morphins.

Vor den Opiaten habe ich nie etwas anderes an Medikamenten genommen, ausgeschlossen Kopf- und Zahnschmerz Tabletten. Ebenso wie jetzt. Derzeit nehme ich wie gehabt tgl 30mg Mirtazapin ein. Und die Unruhe/Schmerzen in den Beinen, sind noch da. Es ist extrem belastend, unter Schlafstörungen zu leiden. Wer es kennt, weiß dass einem sowas die letzte Kraft kostet.
Tagsüber wird es weniger, wobei ich manchmal auch nicht liegen, sitzen oder stehen kann. Vor dem einschlafen im Bett ist der Höhepunkt der Schmerzen erreicht.

Befinde mich jetzt im 10. Tag komplett frei von allem, außer dem Mirtazapin, und möchte auch ungern etwas anderes zum Gegensteuern der Schmerzen einnehmen aber evtl gibt's einen Erfahrungsbericht, das die Schmerzen endlich mal weniger werden.
Erkrankung laut Arzt: Schwerst Opiad abhängig (Seit 9 Tagen clean), schwere Depressionen und Suizidalität.
Persönliches Verhalten: Aufgeschlossen inkl Stimmungsschwankungen durch derzeitige Labile Verfassung.
lunetta

Re: Mirtazapin Qual?

Beitrag von lunetta »

Hallo!

Es schein schrecklich zu sein was du durchmachst, aber ich gartuliere dir zu deinem Entschluß keine Morphin mehr zu nehmen!

Was du gegen deine Schmerzen in den Beinen tun kannst, kann ich dir leider nicht sagen, aber vielleicht könnten dir ein paar natürliche Sachen helfen?
Tut es dir gut dich in die warme Badewanne zu legen? Oder vielleicht Wechselduschen über die Beine?
Was bei mir sehr schmerzlindernd ist, ist das äth. Öl Wintergrün - du gibst davon nur ein paar Tropfen in eine Basisöl (du kannst jedes Küchenöl nehmen) also evnetuell 50 ml Basisöl und 10 Tropfen Wintergrün. Das auf den Beinen verteilen.
Oder wenn du keine Wärme magst, dann vielleicht Kühlpäcks auf die Beine legen.
Franzbranntwein oder Minzöl, das kühlt angenehm.

Mein Mann leidet unter Polyneuropathie in den Beinen, das sind Nervenschmerzen, ihm hilft am besten die Beine lauwarm abzuduschen, dabei wirklich mit gutem Strahl brausen, danach Franzbranntwein einwirken lassen, und danach das Aconit Schmerzöl von der Firma Wala.

Gute Besserung! LG
Sunnyrose
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Re: Mirtazapin Qual?

Beitrag von Sunnyrose »

Hallo Rooz :)

Herzlich willkommen bei uns.

Ich denke und bin mir ziemlich sicher, dass deine Depression vom Morphium-Gebrauch und dem Entzug her kommt. Ich spreche aus Erfahrung und weiss, dass man stark unter Depressionen leiden kann bei Entzug solcher Substanzen.

Ich weiss auch nicht ob es wirklich sinnvoll ist, dies mit Mirtazapin auffangen zu wollen. Auch da, spreche ich aus Erfahrungen. Ich wurde mit Psychopharmaka "behandelt" und das hat mich in grosse Schwierigkeiten gebracht. Siehe meinen Thread, wenn du magst. (Signatur)

Eine Sucht kann man nicht mit Psychopharmaka heilen (auch sonst nichts). Ich denke, dass deine psychische Verfassung nach nur 9 Tagen absolut verständlich ist. Eine Suchttherapie im Sinne von psychischer Entwöhnung fände ich viel sinnvoller und auch langfristig heilsamer. Und dies dauert auch ne lange Zeit, bis es sich psychisch wieder reguliert.

RLS ist bei Mirtazapin sehr häufig. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies auch deine Entzugssymptome stark triggern kann und du deshalb wieder Schmerzen hast.
Wenn du nicht auf Psychopharmaka verzichten möchtest, dann vielleicht über eine niedrigere Dosierung nachdenken, um zu schauen ob das RLS wieder weggeht und somit auch die Schmerzen? :roll:

Aus : https://compendium.ch/mpro/mnr/22389/html/de
Akathisie/psychomotorische Unruhe: Die Anwendung von Antidepressiva wurde in Verbindung gebracht mit der Entwicklung einer Akathisie, welche charakterisiert ist durch eine subjektiv unangenehme oder quälende Unruhe und Bewegungsdrang, begleitet durch die Unfähigkeit still zu sitzen oder still zu stehen. Dies tritt vor allem zu Beginn der Behandlung auf. Bei Patienten, welche diese Symptome entwickeln, könnte eine Dosiserhöhung schädlich sein.
Ich habe auch extrem unter RL gelitten bei höherer Dosierung meines Medikamentes. Ich bin von 30mg runter auf 10mg und habe sehr sehr selten RL.

Ich habe es sehr bereut, dass ich mich auf Psychopharmaka eingelassen habe während der Suchttherapie, anstatt gezielt durch Gesprächstherapie & Verhaltenstherapie mich auch psychisch (nicht nur körperlich) entwöhnt habe.

Es ist der schwierigere Teil. Die psychische Abhängigkeit, die sich in depressiven Stimmungen und Ängste u.a. zeigt. Nach dem körperlichen Entzug. Jetzt beginnt die Arbeit. Und es ist die Zeit, die Abstinenz und die Therapie, die Heilung bringt.

Ich hoffe du hast gute Menschen um dich, die dich unterstützen :group:

Liebe Grüsse
Deria
Abgesetzt:
Lorazepam, Concerta, Truxal, Escitalopram

Zuletzt abgesetzt:
Escitalopram. Ursprünglich 30mg
Absetzstart September 2015
2,5mg runter alle 2 Monate bis 15mg.
Dann in 10% Schritten. Bis 10mg.
Dann schnelleres Vorgehen wegen Leberwerte.
Januar 2017: 6,8mg
15.2.17: 6mg
8.3.17: 4mg (psychotische Nebenwirkungen)
20.3.17: 0mg

Achtung: nicht nachmachen. Der grosse Schritt zum Schluss war für mich eine Notlösung. Langsames Vorgehen (5-15% Schritte, je nach Höhe der Dosis), wenn irgendwie möglich, ist der bessere Weg.

Ich bin jetzt frei von Substanzen jeglicher Art. Haltet durch! es lohnt sich.
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