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Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

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mau
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Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von mau »

Hallo Zusammen,

Ich danke erst mal, dass es dieses Forum gibt. Habe gerade viele spannende Artikel gelesen.

Nun bin ich selber etwas sehr verzweifelt und würde mich freuen über ein zwei Gedankenanstösse von aussen da ich in der emotionalen Zwickmühle stecke.. Falls Ulrich etwas schreiben könnte wäre das super, da du Ulrich viel über Bipolare Störung bescheid weisst.

Meine Fragen zu meiner untenstehende Geschichte sind folgende:

-Ist eine evtl. eine Klinik momentan die beste Entscheidung?
-Warum bin ich nicht Depressiv in meinen Träumen?
-Ist das Gefühl von alles ist egal wegen dem Medikament oder wegen der Depression?
-Warum brauche ich bei der 3 Depression 200mg Quetiapinum XR und bei der 2 Depression waren 100mg XR Quetiapinum genug?
-Was für Test könnte ich noch machen um meine Situation/Diagnose besser zu verstehen? Evtl. Stoffwechsel Tests oder so?
-Blick in die Zukunft… wie bleibe ich stabil und muss ich nun wirklich mein Leben lang Medikamente nehmen? Wenn ja ist es besser Quetiapinum zu nehmen oder eher Lithium?


Meine Geschichte ist folgendermassen, es tut mir leid der Text wurde etwas sehr lang… :?
Alter: 31
Männlich

Kindheit, Jugendjahre etc. sehr schön, jedenfalls ist mir Bewusst kein Kindheitstrauma oder so bekannt. Vom Typ her immer der Suchende, viel Denkend, feinfühlig, kreativ und etwas verträumt, mache viel Yoga, Meditation, bin mehr oder weniger Vegetarier, Bewusst unterwegs, Beruf Masseur und Kinesiologie aber meine Berufung ist mir noch immer ein Rätsel da ich bis jetzt die Berufung nicht gefunden habe… Job gefällt mir bin aber nicht sehr mit Herzen dabei ausser beim Yoga Unterrichten.
Alkohol trinke ich sehr sehr wenig und Drogen nimm ich keine. Vielleicht ein mal pro Jahr ein/zwei Züge von einem Joint...

Also jetzt der Bipolare Weg :-/
Kurz in facts:
Diagnose: Bipolar 2 mit Hypomanie. In der Anfangsphasen der Depression - Ultra rapid cycles...

1 Hypomane Phase Jan 2013 bis ca. Dez 2013 (12 Monate)
1 Depression Jan 2014 - Okt 2014 (10 Monate) aktutphase - April - August
Medikamente: nur 4 Tage Sertralin im Mai 2014 dann rest ohne Medikamente

2 gute Phase evtl. Hypomanie Nov 2014 - Mai 2015 (7 Monate)
2 Depression Juni 2015-Dez 2015 (7 Monate) akutphase mitte August - Nov
Medikamente: ab November Quetiapinum 100mg (Seroquel XR)

3 gute Phase evtl. Hypomanie Jan 2016-mitte oktober 2016 (10Monate)
3 Depression - mittte Oktober bis Jetzt (aktuphase Dezember bis jetzt)
Medikamente: Seit November Quetiapinum (Seroquel XR) 2 Wochen 50mg, dann keine Verbesserung dann 2 Wochen 100mg, keine Verbesserung nur schlechter, dann 8 Tage 150mg Quetiapinum keine Verbesserung starke Suizidgedanken und jetzt seit 3 Tagen 200mg, Suizidgedanken fast weg.

Im Januar 2013 - Dez 2013 hatte ich das beste Jahr meines Lebens... Alles war wunderbar, ich war regelrecht verliebt ins Leben. Probleme gab es nicht, nur Lösungen. Alles war wunderbar… Ich kam damals gerade von Indien zurück, meine Schwester dachte sogar ich sei erleuchtet da es mir so gut gieng (haha)

Dann im Januar 2014 hat es langsam angefangen, ich wurde schneller gereizt, Konzentrationsschwierigkeiten, Nervosität, innere Unruhe machte sich breit, ich habe immer weniger gelacht und immer weniger Freude gespürt.... Es wurde immer schlimmer ich habe mich immer mehr von mir selbst entfremdet und meinen Körper immer weniger gespürt. Kurz gesagt ich steckte in einer Depression...

Dann viel zu spät im April 2014 ging ich endlich zum Hausarzt und ich hatte einen sehr sehr hohen Vitamin B12 Mangel. Ich bekam 5 spritzen für VtB12 in Abständen und das Antidepressiva Sertralin. Nach 4 Tagen habe ich damit aufgehört da ich sehr Suizidal wurde. Dann folgte bis im Okt 2014 ein langer schwerer Weg ohne Medikamente (Da ich mir nicht zugestehen wollte Medikamente zu brauchen, .) Habe damals viele natürliche Heilmittel benutzt, und hatte einen starken Drang gesund werden zu wollen. Sport, Natur und natürliche Heilpraktiken. Und bin regelmässig in die Psychotherapie.
Diagnose Bipolar 2 mit Hypomanie

Dann im Oktober 2014 kam ich aus der Depression, dachte dass wird mir nie wieder passieren. Dachte habe viel daraus gelernt und war sogar dankbar dafür. Wurde viel ruhiger im Inneren und habe gedacht wenn du so etwas überlebt hast und sogar ohne Medikamente dann kann jetzt gar nichts mehr schief gehen. Habe nicht an die Diagnose geglaubt sondern dachte es war ein einmaliges Erlebnis.

Von Okt 2014 - Mai 2015 gieng es mir wieder super. Bin total aufgelebt habe das Leben wieder voll genossen und war einfach nur Dankbar wieder so lebendig zu sein. Habe viel gereist, getan und das Leben so richtig aufgesogen.

Dann im Juni 2015 hat es wieder angefangen dass ich mich immer etwas unruhig fühlte, nicht wirklich konzentriert etc… habe aber diesen Gefühlen viel zu wenig Achtung geschenkt, denn ich dachte eine Depression passiert sowiso nie mehr. Dies habe ich fast bis mitte August so hingeschoben und wenig unternommen. Ich dachte einfach immer ich habe momentan nicht so eine gute Phase…
Mitte August dann haben sich die Symptome verstärkt und im September steckte ich wieder in einer Depression mit Rapid-Cylcles. Am Anfang wollte ich es wieder selber schaffen ohne Medikamente und habe viel Zeit verloren. Dann im November 2015 bekam ich Quetiapinum 50mg, und nach einer Woche 100mg… 3 Wochen später ging es mir viel Stabiler und ich habe relativ schnell wieder Boden unter den Füssen gehabt…

Dann ging es mir sehr gut von Januar 2016 bis im Oktober 2016. (Ging nicht mehr zur Psychotherapie).
Ab Januar 2016 ging es mir wieder gut und ich nahm nun zur Prophylaxe 100mg Quetiapinum (Seroquel XR). Im März 2016 bin ich auf 50mg runter da es mich so müde machte. Mit 50mg fühlte ich mich viel besser und ausgeglichener.
Im Juni 2016 bin ich dann auf 25mg runter… (also ich habe die XR Pille zerbrochen, ja ich weis das sollte man nicht machen). Der Psychiater hat gesagt wenn ich trotzdem stabil bin sei dies ok.)

Dann wahrscheinlich mein SEHR grosser Fehler im August 2016… Ich dachte, ich fühle mich so gut. Ich werde nun das Medikament absetzen und habe ohne Rücksprache mit dem Psychiater das Medikament ganz abgesetzt…Wieder dachte ich Diagnosen fürs Leben gibt es nicht. Ich habe ein stabiles Leben, gute Soziale Kontakte, ich möchte nicht mein Leben lang abhängig sein von einem Medikament und habe es ganz abgesetzt.

Dann mitte Oktober 2016 hat es wieder angefangen ich fühlte mich wieder innerlich unruhig, dachte viel nach über die Zukunft, war schneller erschöpft, weniger belastbar, habe mich langsam von meinen Freunden zurückgezogen, ging weniger in die Natur und wurde immer mehr Leer im Inneren.
Die Alarmglocken haben dann schnell geläutet und habe sofort mit Seroquel XR 50mg angefangen. (ohne Absprache mit Psychotherapeut) nach 2 Wochen ging es ein wenig besser und ich habe eine Woche ausgesetzt (fragt mich nicht warum… ich dachte irgendwie dass die schlechten Tage vielleicht ganz normal waren und zum Leben gehören (also nicht Bipolare Störung).
Dann nach einer Woche ging es auf einmal viel schlechter ich bekam Angst und habe dann direkt mit 100mg angefangen.
Nach 2 Wochen als überhaubt keine Verbesserung auftrat sondern alles nur schlechter wurde habe ich den Psychiater wieder kontaktiert und er hat gesagt ich muss auf 150mg Seroquel XR. Bei diesem Zeitpunkt war ich total entfremdet, spührte mich nicht mehr, hatte innere Rastlosigkeit und innere Verzweiflung. Habe aufgehört mit meiner Arbeit da ich es mir nicht mehr zumutete...

Mit Seroquel XR 150mg ging die innere Rastlosigkeit und Unruhe weg… aber eine noch grössere Leere tat sich auf und eine totale Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben. Gefühle hatte ich keine mehr. Alles war egal. Ich fing an grosse Suizidgedanken zu haben.

Nach 8 Tagen 150mg Quetiapinum hat Psychiater entschlossen ich soll hoch auf 200mg hoch.
Dies ist nun 3 Tage her… Suizidgedanken sind fast weg (also macht euch bitte keine Sorgen). Geht es mir nun besser? Vielleicht ein wenig sonst hätte ich wahrscheinlich nicht die Kraft all dies zu schreiben…
Tagsüber bin ich überhaupt nicht müde obwohl ich 200mg XR Seroquel nehme… Ich schlafe eigentlich gut. Gefühle habe ich aber nach wie vor keine. Das Leben und die Zukunft sind mir wie egal. Habe Lebensüberdruss, und habe keine Lust mich wieder in der Gesellschaft einzubringen. Sehe nur negatives und sogar, dass meine Schwester Zwillinge erwartet ist mir egal...Auch der Wunsch auf Heilung ist leider eher gering was mich beängstigt. Diese Leere und dieses Verhalten machen mir Sorgen, denn ich weis, dass ich normalerweise überhaupt nicht so bin… Trotzdem kann oder scheint mir ich kann es nicht ändern...
Ich habe momentan ein fast naives Verhalten wo ich den Kopf in den Sand stecke und hoffe dass die Depression sich von alleine löst...
Ich versuche ca. 2 Stunden pro Tag nach draussen zu gehen. Esse sehr viel (habe sehr viel Lust auf Zucker). Sehr trockener Mund und immer Durst. Am Abend ist die Stimmung eher besser als am Morgen.

Mehr weis ich nicht zu schreiben… :? Ich verstehe nicht wie das ein drittes mal passieren konnte… Heisst das wirklich ich habe eine Bipolare Störung und es sind die Neurotransmitter in meinem Gehirn die nicht funktionieren? Was kann ich machen um schneller aus der Depression zu kommen und vor allem wenn ich mal draussen bin… Wie verhindere ich, dass dies wieder passiert? Denn jedes mal gerät mein Leben total aus den Fugen und alles was ich mir in der Zwischenzeit aufbaue fällt auseinander…

Tut mir leid, für so viel Schreiben… Ich hoffe der Text macht trotz meinem momentanen Zustand irgendwie Sinn...

ich wünsche allen ein gutes neues Jahr und dass das Jahr 2017 uns allen viel Freude und Sonnenschein im Herzen bringt… :party2:

Alles liebe,
mauro
Medikamente:
:bettzeit:
25.11.16 - 50mg quetiapinum (seroquel XR)
8.12.16 - 100mg Quetiapinum (Seroquel XR)
20.12.16 - 150mg Quetiapinum (Seroquel XR)
28.12.16 - 200mg Quetiapinum (Seroquel XR)


Vitamine:
Vitamin B12 - 5mg jeder 2 Tag
Folsäure 800mcg jeder 2 Tag
Vitamin D3 2000 IU jeden 2 Tag
Omega 3 2000 mg jeden 2 Tag
Murmeline
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Re: Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von Murmeline »

Hallo Mauro,

Ein kurzes Willkommen! Eines vorweg, Ulrich hat hier länger nicht mehr geschrieben, ich weiß auch nicht, ob er zwischendurch reinschaut. Du kannst versuchen, ihm eine private Nachricht mit dem Link zu deinem thread zu schicken.

Grundsätzlich bin ich bei Diagnose Bipolar vorsichtig, aber so wie ich das herausgelesen habe, hattest du abwechselnde Phasen auch ohne Medikamente. Daher würde ich es so einschätzen, dass du zu den Menschen gehörst, bei denen es wirklich einfach mal schwankt, das gibt es ja nun auch.

Medikamente, die dabei ein chemisches Ungleichgewicht in Ordnung bringen, gibt es allerdings nicht. Nichtsdesto trotz mag es sein, dass Medikamente zumindest die (hypo-) manischen Phasen abschwächen können, vorsichtig eingesetzt in Akutphasen (und leider natürlich auch Risiken und unerwünschte Wirkungen mit sich bringen). Ist denn dein Leben in diesen Phasen jemals aus dem Ruder gelaufen, sozial oder finanziell? Oder sind es mehr die depressiven Phasen, die da weitreichende Folgen haben?

Soweit ersteinmal von mir, Grüße murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
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mau
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Re: Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von mau »

Liebe Murmeline,

Wau das ging ja schnell :-) bin gerade Überrascht. Danke für deine schnelle Antwort.

Nein in den guten Phasen "Hypomanisch" war mein Leben immer super. Ich habe viel erreicht und neue Projekte erreichen können. Viele gute Soziale Kontakte knüpfen können. Auch finanziell, sexuell, oder Alkohol, oder zu wenig schlaf oder so habe ich mich nicht überschätzt.
Also kurzgesagt die guten Phasen waren Nie extrem... einfach sehr gut :-) viel mehr Hypo als Manisch :-) deshalb finde ich es auch schwierig mit der Diagnose...

Denn das schlimme für mich sind die Depressionen bei denen mein Leben total zum stillstand kommt. In diesen Zeiten arbeite ich nicht mehr und muss sogar zu meinen Eltern gehen da ich alleine nicht mehr funktionstüchtig bin. und mein Soziales und berufliches Leben ist total im stillstand.
Medikamente:
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Re: Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von Murmeline »

Hallo Mauro,

Genau das ist das Problem mit Diagnosen. Bei Bipolar hat man sofort das klassische Bild einer typischen manischen Phase vor sich, jemand der ausufernd reagiert und dadurch vieles den Bach runtergehen kann. Die Diagnose sagt jedoch nichts über den individuellen Fall aus.

Es gibt sicher morgen noch mehr antworten. Guten Austausch!

Murmeline
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uwe57
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Re: Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von uwe57 »

Lieber Mauro,

schön, dass du dieses Forum gefunden und so ausführlich über deinen Leidensweg berichtet hast! Ich weiß, dass das nicht einfach ist, aber der Entschluß, es zu tun ist ein guter Anfang und hier bist du gut aufgehoben.

Ich selbst leide seit ca. 30 oder 40 Jahren unter immer wiederkehrenden depressiven Phasen. Die Abstände zwischen diesen Phasen wurden immer kürzer und die Depressionen immer tiefer. Ist meine Krankheit deshalb bipolar? Ich glaube nicht. Ich glaube eher, dass ich in guten Phasen lediglich mein Bewußtsein soweit beruhigen oder ich Schach halten konnte, dass die Depressionen nicht überhand genommen haben - bis es eben nicht mehr ging.

Ich glaube weiter, dass gute Phasen mich dazu verleitet haben, meine schlummernden Depressionen zu ignorieren, sie ganz hinten in einer Schublade zu verstecken. Inzwischen denke ich, ich muss mich mit ihnen beschäftigen, auch wenn es mir momentan recht gut geht. Ich muss ab und zu die Schublade öffnen, um nachzuschauen, ob meine Depressionen darin noch existieren. Und ja: sie sind noch da, aber ich betrachte sie mit etwas anderen Augen, wissend, dass ich die Schublade (noch) schnell wieder schließen kann.

Ich kann meine Depressionen nicht entsorgen, sie sind in dieser Schublade. Doch jedesmal, wenn ich nachschaue, wird der Horror etwas mehr zur Normalität. Meine Depressionen gehören zu mir, so wie ein Leberfleck auf dem Arm. Ich muss sie akzeptieren, so wie ich akzeptieren muss, dass mein linkes Bein einen Zentimeter kürzer ist, als das rechte.

Wenn ich heute auf meine letzte schwer depressive Phase zurückblicke, freue ich mich, diese Seelenschmerzen damals empfunden haben zu können. Ich erinnere mich daran, wie schlecht es mir ging, wie wenig Lebenslust ich hatte. Aber es waren Gefühle, starke, wenn auch negative Gefühle, die ich hatte. Ich habe tagelang heulen können, wollte nichts und niemand sehen. Dann wurden mir ADs verschrieben und ich lebte jahrelang in einer sehr engen emotionalen Bandbreite: keine Freude, keine Trauer, alles irgendwie in einem zweifelhaft guten Lot.

Mir ging es nicht besonders gut, als ich dieses Forum entdeckt habe. Seither ging es aber stetig bergauf. Ich habe begriffen, dass ADs KEINE Lösung sind, ich habe begonnen, sie abzusetzen und arbeite auf den Tag hin, wenn ich bei Null AD angekommen bin. Ich freue mich auf die Zeit danach, auch wenn ich weiß, dass ich vielleicht wieder eine depressive Phase erleben werde. Aber ich weiß auch, dass sich meine Einstellung dazu jetzt schon geändert hat. Ich werde auch zuküftige depressive Phasen überstehen, denn sie sind ein Teil von mir und es ist kein Kraut dagegen gewachsen. Ich muss sie für mich akzeptieren und allein mit ihnen fertig werden, so wie ich einen verstauchten Knöchel auskurieren muss.

Du hast eingangs ein paar Fragen gestellt, auf die ich aus meiner individuellen Sicht ganz kurz eingehen möchte:
Meine Fragen zu meiner untenstehende Geschichte sind folgende:

-Ist eine evtl. eine Klinik momentan die beste Entscheidung?
Mit Sicherheit NEIN. Dort wirst du nur ruhig gestellt.
-Warum bin ich nicht Depressiv in meinen Träumen?
Weil Depressionen "nur" in den oberen Schichten des Bewußtseins stattfinden.
-Ist das Gefühl von alles ist egal wegen dem Medikament oder wegen der Depression?
ADs egalisieren die emotionale Bandbreite und machen gleichgültig.
-Warum brauche ich bei der 3 Depression 200mg Quetiapinum XR und bei der 2 Depression waren 100mg XR Quetiapinum genug?
Vielleicht hat sich dein ZNS daran gewöhnt und war noch nicht in der Lage, den "Normalzustand" zwischnzeitlich wieder zu erreichen.
-Was für Test könnte ich noch machen um meine Situation/Diagnose besser zu verstehen? Evtl. Stoffwechsel Tests oder so?
Evtl. Hormonstatus (Schilddrüse, Nebennierenrinde, Geschlechtsorgane), Leber, Mineralien, Eisen
-Blick in die Zukunft… wie bleibe ich stabil und muss ich nun wirklich mein Leben lang Medikamente nehmen? Wenn ja ist es besser Quetiapinum zu nehmen oder eher Lithium?
Weder noch und Lithium schon gar nicht! Nehme lieber Omega-3-Fettsäuren (frischer Fisch), frisches Gemüse, natürliches Mehl (Vollkorn), Nüsse, wenig Fleisch; akzeptiere Depressionen als Teil deiner selbst.
Ich schick das jetzt mal so ab, bevor mir der lange Text verschwindet.

Liebe Grüße
Uwe
Alter: 59
männlich

Seit der Jugend wiederkehrend depressive Phasen; Tiefe immer schwerer, Abstände immer kürzer.
ca. 1995:
Nervenzusammenbruch; Diagnose: schwere endogene Depression (sagte man damals), Angstzustände, Soziophopie
Medikation mit div. AD, die z.T. starke NW hatten und gleich wieder abgesetzt wurden.
Vergebliche Versuche mit versch. Psychotherapeuten/innen
Nach ca. 2 Jahren stabile Medikation mit 600mg Moclobemid und 45mg Mirtazapin für die Dauer von ca. 2 Jahren.
Dann eigener Entschluss, die AD abzusetzen (Ausschleichen über je ca. 1 Monat); dabei keine Absetz-Symptomatik.
Insgesamt hatten die AD eigentlich nie wirklich geholfen, sondern eher nur etwas gleichgültiger gemacht.

Einige Jahre ohne AD und ohne Depression.

Ca. 2005: wieder schwere Depressionen nach einem traumatischen Erlebnis und Entschluss, den ehemaligen Arzt wieder aufzusuchen.
Erneut viele Versuche mit div. AD: keines brachte je einen "Durchbruch".
2010: weiterer Versuch mit einem zusätzlichen AD, was dann zu einem Serotonin-Syndrom und der genetischen Diagnose "Intermediärer Metabolisierungtyp" betr. CYP2D6 führte.
Daraufhin Neu-Medikation mit (je einschleichend) 225mg Venlafaxin und 45mg Mirtazapin.
Dosis-Anpassungen bis ca. 2012, dann
2012: 375mg Venlafaxin und 30mg Mirtazapin
08/2016: Reduktion Mirtazapin auf 0mg (in wöchentlichen Schritten 22,5mg, 15mg, 7,5mg, 0mg) durch Halbieren/Vierteln der Tabletten. Keine Absetz-Symptome.
09/2016: Reduktion Venlafaxin auf 225mg (in wöchentlichen Schritten 337,5mg. 300mg, 260,5mg, 225mg). Auch hier keine Entzugs-Symptome.
10/2016: Nach ca. 2 Wochen zusätzlich 150mg Bupropion (ohne erkennbare Besserung/Wirkung) bis

22.11.2016: 225mg Vanlafaxin, 150mg Bupropion
Entdeckung dieses Forums :D , Erkennen und Verstehen der AD-(Absetz-)Problematik, Entschluss, beide ADs möglicht schell abzusetzen.
23.11.2016: 225mg Venlafaxin, 0mg Bupropion
Ziel: Venlafaxin in Schritten von 75mg reduzieren, dann bei 75mg die Reduktion zu verlangsamen, beginnend nächste Woche mit je 1 Woche Wartezeit und ggf. Aufdosierung mit 37,5mg bei Entzug-Symptomen.
24. - 27.11.: Venlafaxin 225mg, Bupropion 0mg Keine Entzugssymptome
1.12.: Venlafaxin 150mg
3.12.: keine Probleme (vielleicht noch zu früh)
8.12.: weiterhin keine Probleme, sogar etwas gebesserte Stimmungslage
25.12.: Venla150mg, weiter keine Probleme, Lebenslust kehrt langsam zurück
-------Gutes Neues Jahr an alle!
3.1.2017: noch bei 150mg, ohne Probleme, ab morgen dann 112,5mg
-------NEUER Nickname: "uwe57" statt "solist"
----------------------------------------------------
10.1.2017: seit 4.1. bei 112,5mg - alles gut
2.2017: jetzt nur noch 75mg
15.4.2017: weiter runter auf 37,5mg
27.4.2017: keine Probleme, HURRA!
Von 375mg (Sept. 2016) runter auf 37,5mg (April 2017) - das finde ich einfach toll.
17.5.2017: Venlafaxin kalt abgesetzt (Hab einfach die Nase voll)
***************************************************************************** :party2:
20.5.2017: Es geht mir gut und ich gehe nach draußen, um jemand zu umarmen... :hug:
24.5.2017: Noch immer gut!
uwe57
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Re: Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von uwe57 »

...und es geht noch etwas weiter...

Lieber mau,

du hast eine Ausbildung in Kinesiologie? Dann weißt du ja, wie unser Körper uns Antworten geben kann. Unser Geist ist Bestandteil unseres Körpers, denn er findet in unserem Organ Gehirn statt. Nutze die Möglichkeit, deinen Körper von einem Freund oder einer Freundin kinesiologisch befragen zu lassen.

Du warst in Indien? Wie viele Menschen mit Depressionen hast du dort kennen gelernt? Hätten dort nicht viele Menschen einen "Grund", depressiv zu werden? Wie gehen sie damit um, welche Hilfe kennen sie?

Versuche dich mit dem Gedanken anzufreunden, dein AD langsam, aber sicher abzusetzen. Stelle dich bewußt der Gefahr, dabei Absetz-Symptome zu erleben. Sie sind ein Zeichen dafür, dass dein Körper, dein ZNS, dein Geist den "Normalzustand" noch nicht wieder erreicht haben.

Bitte höre damit auf, immer wieder ADs zu nehmen. Du schaffst es auch ohne - mit Unterstützung durch andere Menschen und mit angewandter Kinesiologie, also mit dir selbst.

Du musst wieder zu dir finden, zu deinem Inneren. Solange du ADs nimmst, ist dieser Weg versperrt.

Nochmal liebe Grüße
Uwe
Alter: 59
männlich

Seit der Jugend wiederkehrend depressive Phasen; Tiefe immer schwerer, Abstände immer kürzer.
ca. 1995:
Nervenzusammenbruch; Diagnose: schwere endogene Depression (sagte man damals), Angstzustände, Soziophopie
Medikation mit div. AD, die z.T. starke NW hatten und gleich wieder abgesetzt wurden.
Vergebliche Versuche mit versch. Psychotherapeuten/innen
Nach ca. 2 Jahren stabile Medikation mit 600mg Moclobemid und 45mg Mirtazapin für die Dauer von ca. 2 Jahren.
Dann eigener Entschluss, die AD abzusetzen (Ausschleichen über je ca. 1 Monat); dabei keine Absetz-Symptomatik.
Insgesamt hatten die AD eigentlich nie wirklich geholfen, sondern eher nur etwas gleichgültiger gemacht.

Einige Jahre ohne AD und ohne Depression.

Ca. 2005: wieder schwere Depressionen nach einem traumatischen Erlebnis und Entschluss, den ehemaligen Arzt wieder aufzusuchen.
Erneut viele Versuche mit div. AD: keines brachte je einen "Durchbruch".
2010: weiterer Versuch mit einem zusätzlichen AD, was dann zu einem Serotonin-Syndrom und der genetischen Diagnose "Intermediärer Metabolisierungtyp" betr. CYP2D6 führte.
Daraufhin Neu-Medikation mit (je einschleichend) 225mg Venlafaxin und 45mg Mirtazapin.
Dosis-Anpassungen bis ca. 2012, dann
2012: 375mg Venlafaxin und 30mg Mirtazapin
08/2016: Reduktion Mirtazapin auf 0mg (in wöchentlichen Schritten 22,5mg, 15mg, 7,5mg, 0mg) durch Halbieren/Vierteln der Tabletten. Keine Absetz-Symptome.
09/2016: Reduktion Venlafaxin auf 225mg (in wöchentlichen Schritten 337,5mg. 300mg, 260,5mg, 225mg). Auch hier keine Entzugs-Symptome.
10/2016: Nach ca. 2 Wochen zusätzlich 150mg Bupropion (ohne erkennbare Besserung/Wirkung) bis

22.11.2016: 225mg Vanlafaxin, 150mg Bupropion
Entdeckung dieses Forums :D , Erkennen und Verstehen der AD-(Absetz-)Problematik, Entschluss, beide ADs möglicht schell abzusetzen.
23.11.2016: 225mg Venlafaxin, 0mg Bupropion
Ziel: Venlafaxin in Schritten von 75mg reduzieren, dann bei 75mg die Reduktion zu verlangsamen, beginnend nächste Woche mit je 1 Woche Wartezeit und ggf. Aufdosierung mit 37,5mg bei Entzug-Symptomen.
24. - 27.11.: Venlafaxin 225mg, Bupropion 0mg Keine Entzugssymptome
1.12.: Venlafaxin 150mg
3.12.: keine Probleme (vielleicht noch zu früh)
8.12.: weiterhin keine Probleme, sogar etwas gebesserte Stimmungslage
25.12.: Venla150mg, weiter keine Probleme, Lebenslust kehrt langsam zurück
-------Gutes Neues Jahr an alle!
3.1.2017: noch bei 150mg, ohne Probleme, ab morgen dann 112,5mg
-------NEUER Nickname: "uwe57" statt "solist"
----------------------------------------------------
10.1.2017: seit 4.1. bei 112,5mg - alles gut
2.2017: jetzt nur noch 75mg
15.4.2017: weiter runter auf 37,5mg
27.4.2017: keine Probleme, HURRA!
Von 375mg (Sept. 2016) runter auf 37,5mg (April 2017) - das finde ich einfach toll.
17.5.2017: Venlafaxin kalt abgesetzt (Hab einfach die Nase voll)
***************************************************************************** :party2:
20.5.2017: Es geht mir gut und ich gehe nach draußen, um jemand zu umarmen... :hug:
24.5.2017: Noch immer gut!
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Re: Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von Sunnyrose »

Guten Tag Mauro

Herzlich willkommen bei uns :)
Danke für deinen ausführlichen Bericht.

Ich bin auch nicht Fan von "Diagnosen" und denke eher an sehr sehr viel gute Energie, die dich vielleicht, ohne dass du dir dessen bewusst warst, erschöpft hat und du evtl. zu wenig für Entspannung gesorgt hast? Vielleicht auch zuwenig Erdung, im Sinne von zuviel "Spiritualität", zuwenig Boden unter den Füssen? Könnte so etwas stimmig sein für dich?

Ich frage dies, weil ich das auch schon mal erlebt habe. Ich war damals sehr auf Yoga, Esoterik, etc. fixiert, zu sehr, dass ich den Boden unter den Füssen verlor. Und seitdem viel mehr "erdiges" zum Ausgleich anwende, so dass auch die gute Energie nicht ausufert. :roll:

Ich denke, dass du dieses Jahr viel zu schnell abgesetzt hast und deshalb alles wieder aufflammte. Gerade bei NL ist es bekannt, dass man mit solchen Absetzreaktionen zu kämpfen hat, also ein Rebound entsteht, ein starkes Aufflammen der "Grundsymptome" wenn man zu schnell und in zu grossen Schritten vorgeht.

Ich würde dir empfehlen jetzt mal noch 2-4 Wochen auf dieser Dosis zu bleiben. Bis du dich richtig stabil fühlst. Auch diese Suizidgedanken sind sehr bekannt, beim Absetzen. Danach sehr sorgfältig ausschleichen.

Das können wir dann hier besprechen wie genau das anzugehen ist.

Zu deinen Fragen:
mau hat geschrieben:-Ist eine evtl. eine Klinik momentan die beste Entscheidung?
-Warum bin ich nicht Depressiv in meinen Träumen?
-Ist das Gefühl von alles ist egal wegen dem Medikament oder wegen der Depression?
-Warum brauche ich bei der 3 Depression 200mg Quetiapinum XR und bei der 2 Depression waren 100mg XR Quetiapinum genug?
-Was für Test könnte ich noch machen um meine Situation/Diagnose besser zu verstehen? Evtl. Stoffwechsel Tests oder so?
-Blick in die Zukunft… wie bleibe ich stabil und muss ich nun wirklich mein Leben lang Medikamente nehmen? Wenn ja ist es besser Quetiapinum zu nehmen oder eher Lithium?
In den Kliniken wird mit Medikamenten "gearbeitet". Sie geben gerne einfach noch weitere dazu und experimentieren anhand der gestellten "Diagnose" und auch anhand der "Symptomatik". Absetzsymptome werden ausser acht gelassen. Es wird nicht ganzheitlich beurteilt und alles geht viel zu schnell. Ich würde es nicht tun.

Das mit den Träumen ist eine gute Frage. Wirklich. Warum das so ist weiss ich auch nicht. Ich denke, da spielt das Unterbewusstsein wirklich eine grosse Rolle und der Verstand ist ausgeschaltet.

Psychopharmaka stumpfen emotional extrem ab. Diese "mir ist alles egal Stimmung" ist sehr bekannt. Das ist ja eigentlich die Art wie sie wirken. Ich erlebe dies auch so und ganz viele andere auch. Man ist innerlich nur noch leer.

Wegen der Dosis denke ich, dass sich zum einen das ZNS immer mehr schwächt, je mehr Psychopharmaka wir genommen haben. Was mal half, hilft nicht mehr u.s.w. diese Phänomen ist auch bekannt. Dann denke ich, dass sich bei dir von 2 zu 3 Absetzsymptome gezeigt haben und nicht eine Depression. Dein Gehirn braucht die Substanz und wenn sie zu schnell entzogen wird, beginnt die Abwärtsspirale.

Ich würde die Vitamine nochmal kontrollieren lassen, du nimmst ja welche und vielleicht brauchst du die gar nicht mehr und die Schilddrüse.

Für die nahe Zukunft bitte jetzt stabilisieren und dann sehr behutsam Absetzen. Schauen wir dann wie. :group:

Liebe Grüsse
Deria
Abgesetzt:
Lorazepam, Concerta, Truxal, Escitalopram

Zuletzt abgesetzt:
Escitalopram. Ursprünglich 30mg
Absetzstart September 2015
2,5mg runter alle 2 Monate bis 15mg.
Dann in 10% Schritten. Bis 10mg.
Dann schnelleres Vorgehen wegen Leberwerte.
Januar 2017: 6,8mg
15.2.17: 6mg
8.3.17: 4mg (psychotische Nebenwirkungen)
20.3.17: 0mg

Achtung: nicht nachmachen. Der grosse Schritt zum Schluss war für mich eine Notlösung. Langsames Vorgehen (5-15% Schritte, je nach Höhe der Dosis), wenn irgendwie möglich, ist der bessere Weg.

Ich bin jetzt frei von Substanzen jeglicher Art. Haltet durch! es lohnt sich.
mau
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Re: Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von mau »

Wau ich danke euch allen Deria, Uwe und Murmeline für eure lieben Worte und dass ihr die Zeit genommen habt, euch Gedanken gemacht habt und so lieb geantwortet.

Schaut mal wie spannend - vielleicht ist dieser Link für ein paar Menschen in diesem Forum auch interessant:
Meine Psychologin hat diese Klinik gefunden in Deutschland... Dies ist sehr interessant und sieht psychische Diagnosen aus einem ganz anderen Blickwinkel... Bin mir gerade am überlegen ob dies eine gute alternativ Lösung wäre...

http://www.systelios.de/klinik.html

Liebe Deria,
Danke viel mal für deine nützlichen Hinweise!
ich werde nun noch mal eine Blutanalyse machen und das Medikament sicher noch 2-4 Wochen in dieser Dosis behalten. Ich muss sagen heute ist der 4 Tag wo ich 200mg Seroquel XR habe und ich hatte heute gar keine Suizid Gedanken und irgendwie fühle ich mich auch wacher... es scheint als hätte das Medikament nun etwas gewirkt...
Auch dass du sagst, dass dies evtl. Absetztsymptome waren und gar keine Depression ist sehr interessant... leider kann ich nun nicht mehr rückwärts und es ist schwer zu sagen ob es Absetzsymptome waren oder eine erneute Bipolare Depression weil ich die Prophlaxe Medikamente 25/50mg Seroquel XR abgesetzt habe...
Und das mit der Spiritualität ist mir sehr bewusst... Habe mich in diesem Jahr in Indien viel mit Spiritualität, Esoterik, Reiki etc. auseinander gesetzt und bin definitv etwas abgehoben... ich versuche mich seither auch nach wie vor zu Erden. Deshalb bin ich auch so überrascht dass es wieder kam weil ich seit der ersten Depression viel mehr mich mit der Erde verbinde.

Liebe Uwe,
Deine Geschichte ist sehr inspirierend und ich habe mich in vielen Hinblicken selbst darin erkannt, vorallem den Teil mit der Schublade wegstecken... dies passiert sicher bei mir auch unbewusst. Danke für deine Offfenheit und das Teilen deiner Geschichte. Was die Menschen in Indien mit Depressionen machen weis ich ehrlich gesagt nicht... Ayurveda vielleicht...
Ja mein Ziel ist es definitiv die AD irgendwann ganz wegzulassen aber momentan ist dies jetzt keine Option bis ich mehr der Ursache auf den Grund gekommen bin.. den jedesmal mein Leben wieder aufbauen müssen nach einer Depression ist mir zu anstrengend und ich denke nicht dass ich dies schaffen würde... Auch habe ich den natürlichen Weg mit Kinesiologie ja beim ersten mal ganz fest probiert und es gieng sehr sehr lange... und dann kam es ja doch wieder... Und einfach die Depression annehmen als immer wieder kehrender Teil meines selbst ist auch sehr schwierig weil es in diesen Momenten mein ganzes Leben kaputt macht... Ich nehme es jetzt momentan an, aber möchte nicht dass es immer wieder kommt. Ich habe 28 Jahre ohne Depressionen gelebt und somit glaube ich auch dass es wieder verschwinden darf...
Medikamente:
:bettzeit:
25.11.16 - 50mg quetiapinum (seroquel XR)
8.12.16 - 100mg Quetiapinum (Seroquel XR)
20.12.16 - 150mg Quetiapinum (Seroquel XR)
28.12.16 - 200mg Quetiapinum (Seroquel XR)


Vitamine:
Vitamin B12 - 5mg jeder 2 Tag
Folsäure 800mcg jeder 2 Tag
Vitamin D3 2000 IU jeden 2 Tag
Omega 3 2000 mg jeden 2 Tag
uwe57
Beiträge: 64
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Re: Bipolar 2 und zum dritten mal depressiv...

Beitrag von uwe57 »

Hallo Mau,

danke für deine Antworten.

Ich fürchte, dass du mit der Überlegung, eine Klinik aufzusuchen, wieder genau das tun möchtest, was du in deiner Geschichte mehrfach beschrieben hast: Flucht, Delegation der Verantwortung.

Du kannst dich in einer Klinik behandeln lassen, so als würdest du ein Auto in die Werkstatt geben. Problem ist nur, dass du selbst das Auto bist. Wenn du dich in einer Klinik "abgibst", um dich behandeln zu lassen, stellst du dich gleichsam neben dich und beobachtest, was mit dir gemacht wird. Bist du das dann, was da behandelt wird oder ist es nur ein Teil von dir - der andere beobachtet ja?

Vielleicht ist dies der Grund für dein Gefühl, "bipolar" zu sein. Das Bewußtsein besteht aus zwei Teilen, die nicht immer im Einklang sind. Ein Teil ist die Emotio, die Welt der Gefühle, in der es auch Trauer, Depression, Selbstzweifel und -mitleid gibt, der andere Teil die Ratio, die exakte Ursachen sucht, analysiert und glaubt, allein nicht weiter zu kommen. Es wird immer so sein, dass mal der eine Teil, mal der andere im Vordergrund steht.

Ich bezweifle, ob eine Klinik in der Lage ist, diese beiden Teile zu behandeln, in Einklang zu bringen. Sicher wäre eine Behandlung in einer Klinik intensiver möglich - häufige therapeutische Gespräche, ständige Aufmerksamkeit und Betreuung. Es wird allerdings nicht funktionieren, wenn du dich dort "abgibst". Vielleicht wäre eine intensive Behandlung in einer Klinik sogar schädlich, weil sie in zu schneller Folge Probleme benennt oder erkennt. Das Bewußtsein braucht Zeit, sich mit Erkenntnissen auseinander zu setzen.

Ich möchte dir ein Buch empfehlen: Kognitive Therapie der Depression, Autoren Aaron T. Beck et al., ISBN 3-407-22023-5 Es ist schon etwas älter (1979), enthält aber m.E. sehr wichtige Informationen über einen Therapie-Ansatz, der ohne AD auskommt. Vielleicht kennen andere Foris den Titel und können ihre Meinung dazu beisteuern.

Du wirst deine Krankheit - oder nennen wir es "psychische Eigenart" - nicht mit ADs "wegwischen" können und kein Therapeut wird dir eine Garantie geben, dass du nun "geheilt" bist.

Ein Klinik-Aufenthalt könnte die Situation sogar noch verschlimmern, wenn du als "geheilt" entlassen wirst und Jahre später wieder eine Depression erlebst. Dann werden deine Selbstzweifel nur noch größer sein.

Ich glaube, dein Hauptziel sollte es sein bzw. werden, deinen Mittelpunkt zu finden, die Schublade sorgsam zu schließen, aber immer mal wieder hineinzuschauen und sie nicht abzuschließen und den Schlüssel zu entsorgen.

Du hast Erfahrung mit Kinesiologie, Reikii und anderen Methoden, die dich deinem Mittelpunkt näher bringen können. Nutze dieses Potential. Und bitte: du darfst dich nicht in eine Klinik "abgeben", es sei denn, du gehst bewußt mit beiden Teilen deiner selbst dorthin. Und bedenke, dass jede Klinik natürlich auch wirtschaftlich orientiert ist und daher immer unter einem gewissen Erfolgszwang steht. Stell dir nur einmal vor, was die Therapeuten/innen in ihrer Montags-Besprechung über dich reden werden, nachdem du eine Woche dort warst und "analysiert" wurdest. Willst du so wie ein "Fall" behandelt werden?

Liebe Grüße
Uwe

PS: entschuldige, wenn dies etwas desillusionierend klingt. Ich bin ein bekennender Gegner von Kliniken, vor allem, wenn sie nur Privatpatienten oder Selbstzahler aufnehmen wollen.
Alter: 59
männlich

Seit der Jugend wiederkehrend depressive Phasen; Tiefe immer schwerer, Abstände immer kürzer.
ca. 1995:
Nervenzusammenbruch; Diagnose: schwere endogene Depression (sagte man damals), Angstzustände, Soziophopie
Medikation mit div. AD, die z.T. starke NW hatten und gleich wieder abgesetzt wurden.
Vergebliche Versuche mit versch. Psychotherapeuten/innen
Nach ca. 2 Jahren stabile Medikation mit 600mg Moclobemid und 45mg Mirtazapin für die Dauer von ca. 2 Jahren.
Dann eigener Entschluss, die AD abzusetzen (Ausschleichen über je ca. 1 Monat); dabei keine Absetz-Symptomatik.
Insgesamt hatten die AD eigentlich nie wirklich geholfen, sondern eher nur etwas gleichgültiger gemacht.

Einige Jahre ohne AD und ohne Depression.

Ca. 2005: wieder schwere Depressionen nach einem traumatischen Erlebnis und Entschluss, den ehemaligen Arzt wieder aufzusuchen.
Erneut viele Versuche mit div. AD: keines brachte je einen "Durchbruch".
2010: weiterer Versuch mit einem zusätzlichen AD, was dann zu einem Serotonin-Syndrom und der genetischen Diagnose "Intermediärer Metabolisierungtyp" betr. CYP2D6 führte.
Daraufhin Neu-Medikation mit (je einschleichend) 225mg Venlafaxin und 45mg Mirtazapin.
Dosis-Anpassungen bis ca. 2012, dann
2012: 375mg Venlafaxin und 30mg Mirtazapin
08/2016: Reduktion Mirtazapin auf 0mg (in wöchentlichen Schritten 22,5mg, 15mg, 7,5mg, 0mg) durch Halbieren/Vierteln der Tabletten. Keine Absetz-Symptome.
09/2016: Reduktion Venlafaxin auf 225mg (in wöchentlichen Schritten 337,5mg. 300mg, 260,5mg, 225mg). Auch hier keine Entzugs-Symptome.
10/2016: Nach ca. 2 Wochen zusätzlich 150mg Bupropion (ohne erkennbare Besserung/Wirkung) bis

22.11.2016: 225mg Vanlafaxin, 150mg Bupropion
Entdeckung dieses Forums :D , Erkennen und Verstehen der AD-(Absetz-)Problematik, Entschluss, beide ADs möglicht schell abzusetzen.
23.11.2016: 225mg Venlafaxin, 0mg Bupropion
Ziel: Venlafaxin in Schritten von 75mg reduzieren, dann bei 75mg die Reduktion zu verlangsamen, beginnend nächste Woche mit je 1 Woche Wartezeit und ggf. Aufdosierung mit 37,5mg bei Entzug-Symptomen.
24. - 27.11.: Venlafaxin 225mg, Bupropion 0mg Keine Entzugssymptome
1.12.: Venlafaxin 150mg
3.12.: keine Probleme (vielleicht noch zu früh)
8.12.: weiterhin keine Probleme, sogar etwas gebesserte Stimmungslage
25.12.: Venla150mg, weiter keine Probleme, Lebenslust kehrt langsam zurück
-------Gutes Neues Jahr an alle!
3.1.2017: noch bei 150mg, ohne Probleme, ab morgen dann 112,5mg
-------NEUER Nickname: "uwe57" statt "solist"
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10.1.2017: seit 4.1. bei 112,5mg - alles gut
2.2017: jetzt nur noch 75mg
15.4.2017: weiter runter auf 37,5mg
27.4.2017: keine Probleme, HURRA!
Von 375mg (Sept. 2016) runter auf 37,5mg (April 2017) - das finde ich einfach toll.
17.5.2017: Venlafaxin kalt abgesetzt (Hab einfach die Nase voll)
***************************************************************************** :party2:
20.5.2017: Es geht mir gut und ich gehe nach draußen, um jemand zu umarmen... :hug:
24.5.2017: Noch immer gut!
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