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15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

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jale79
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15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

Guten Abend!

Ich weiß nicht, ob ich das richtige Unterforum gewählt habe, aber ich schreibe jetzt einfach mal hier.

Ich nehme seit 15 Jahren Mirtazapin, nachdem ich massive Schlafstörungen entwickelt hatte. Dieses Medikament rettete mir damals das Leben. Seit einem Dreiviertel Jahr nehme ich nur 3,75mg zur Nacht. Bei Stress (Schlafen woanders, wichtiger Termin am nächsten Tag) habe ich auch mal eine Viertel Tablette 7,5mg Zopiclon genommen. Damit kam ich gut zurecht. Psychisch ging es mir nie besonders gut, ich war einfach schon immer unglücklich. Das ist meine Grundstimmung, aber nicht mit köperlichen Symptomen verbunden gewesen.

Im Juli habe ich fünf Nächte Mirtazapin wegelassen, es klappte. Dann aber nicht mehr. Also habe ich wieder 3,75mg Mirtazapin genommen. Es wirkte aber nicht mehr! Mein neuer Psychiater (ich war vorher 10 Jahre bei keinem mehr) war im Urlaub, und ich habe vier Wochen gelitten. Kurze Nächte, komplett schlaflose Nächte, fürchterliche Angst- und Erregungszustände, Heulkrämpfe, pure Verzweiflung.

Aus dem Urlaub zurück setzte der Psychiater das Mirtazapin auf 30mg. Aber auch das half nicht. Ein Umstieg auf 25-75mg Quetiapin scheiterte, da ich davon auch nicht schlafen konnte und zudem wieder schlimme Erregungszustände hatte. Also wieder Mirtazapin, davon wurde ich immerhin ruhig. Ich startete wieder mit 45mg - und hatte ätzende Nebenwirkungen. Schlafen konnte ich meist trotzdem nur mit Zopiclon. Ich sollte alle 2 Wochen um 7,5mg reduzieren, was ich tat. Bei 37,5 schlief ich eine Woche gut. Dann nicht mehr. Vorgestern habe ich nur 30mg genommen, danach ging es mir am gestrigen Tag fürchterlich, ich konnte nicht unter Menschen sein, hätte die ganze Zeit heulen können, war hundemüde und hatte Kreislaufprobleme. Gestern Abend nahm ich wieder 37,5mg und es ging ohne Zopiclon, allerdings wachte ich sehr früh auf. Ich habe schlimme Kreislaufprobleme und allgemein fühle ich mich schlecht.

Ich weiß nicht mehr weiter. Ich bereue jeden Tag den Absetzversuch im Sommer. Seitdem leide ich. Es sind echt schlimme körperliche Symptome. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Wieso hilft Mirtazapin nicht mehr? Ich kann aber unmöglich parallel zum beruflichen Alltag auf ein neues Medikament umsteigen.

Was meine Probleme nich verstärkt, ist meine laute Nachbarin. Ich kann erst schlafen, wenn sie ins Bett gegangen ist, da man alles hört, trotz Ohropax. Jedes Wochenende ist es nachts laut. Unter der Woche geht sie spät ins Bett, ich muss früh um 6 hoch. Mirtazapin schafft es nicht, dass ich dem gleichgültiger gegenüberstehe. Ich reagiere teilweise körperlich auf ihren Krach. Umziehen ist in meiner Stadt leider keine Option.

Ich bin echt verzweifelt und musste mir das mal an einem Ort von der Seele schreiben, wo man meine Symptome nachvollziehen kann.
Seit 2003 Mirtazapin gegen massive Einschlafstörungen
Von Oktober 2016 - März 2017 von 15mg auf 3,75mg runter
Im Juli 2017 Absetzversuch
Nach 5 Tagen gescheitert, da wieder komplett schlaflos
wieder eingestiegen mit 3,75mg, daraufhin vier Wochen schlaflos (z.T. auch trotz Einnahme von Zopiclon)
Seit Juli 2017 auf Anraten des Psychiaters 45mg/37,5mg Mirtazapin: Schlafstörung besteht weiterhin, teilweise massive innere Unruhe, Verzweiflung, des Weiteren aufgrund der hohen Dosis wieder Nebenwirkungen in Form von starken Kreislaufbeschwerden
Gwen
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von Gwen »

Hallo Jale,

herzlich Willkommen hier im Forum! Du hast genau den richtigen Ort für Deine Probleme gefunden! :hug:

Dass Du das Mirtazapin nach dem Absetzen plötzlich nicht wieder vertragen hast bzw die Wirkung nicht wieder kam, ist nicht so ungewöhnlich. Dein Körper hatte das Mirtazapin in deinen Hirnstoffwechsel eingebaut und gerade bei geringen Dosen ist die Wirkung noch sehr groß! Da der plötzliche Entzug dein ganzes System durcheinander gebracht hat, helfen da dann auch kein anderes Medikament und auch die hohen Dosen bringen dann nur noch mehr Symptome.

Daher erst Mal der Rat, auf keinen Fall zu einem anderen Medikament zu wechseln!

Was das Absetzen angeht, wirst Du wahrscheinlich noch kleinere Schritte machen müssen. Die Empfehlung hier lautet, alle 4-6 Wochen 5-10% zu reduzieren. Nachdem Du auf 37,5 schlafen konntest, solltest Du Dich auf dieser Dosis jetzt erst Mal stabilisieren und dann erst wieder nach dem oben genannten Vorgehen absetzen. Du hast das Mirtazapin sehr lange genommen und daher wird es leider auch seine Zeit dauern, es wieder los zu werden.

Viele Grüße Gwen
Diagnose: schwere rezidivierende Depressionen
Escitalopram: 0 mg!!

[spoil]Diagnosen: schwere rezidivierenden Depressionen seit der Kindheit, teilweise mit Angst-/ Panikattacken

Medikamente:
1999 Lorazepam (Bedarf), Opipramol (extreme Müdigkeit), Wechsel zu Paroxetin ca 2005 abgesetzt (selbständig langsam mit Seroxat-Suspension reduziert nach schlechten Erfahrungen beim Kaltenzugsversuch im KKH)

2008/09(?) Rückfall, Citalopram 20mg
irgendwann Wechsel auf Escitalopram 10mg
zwischendurch wg Schwangerschaft auf 2,5mg reduziert, nach der Geburt schwere postpartale Depression. 1 Woche Diazepam im AllgemeinKKH. Dank Beratung von "Schatten und Licht eV" eine Mutter-Kind Station gefunden. Zu Anfang Lorazepam als Bedarf und Escitalopram wieder 10mg.

03/2016 5mg Starke Kopfschmerzen und Müdigkeit
04/2016 6mg Besser. Jedoch seit Monaten erschöpft und müde
17.01.17 5,4mg. Lange Stabilisierungsphase. Es geht mir richtig gut. Viel Bewegung. Deutlich weniger Müdigkeit, viel fitter und ausgeglichener als sonst
09.04.17 3,5mg Übermut -> Kopfschmerzen, müde, Gliederschmerzen...
24.04.17 4mg stabiler! Dann EBV-Infektion - lange Erholungsphase
12.07.17 3,5mg
01.09.17 3,0mg
17.11.17 2,5mg
31.01.18 2,25mg
12.03.18 2,0mg
06.04.18 Omega3 (EPA+DHA=1200mg)
09.04.18 Magnesium 360mg

....
Zwischenschritte fehlen gegen Ende
Seit Ende Mai 2019 auf Null[/spoil]
jale79
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

Hallo Gwen!

Ich will das Mirtazapin momentan gar nicht loswerden, ich will, dass es wieder wirkt! Ich bin verzweifelt, weil es nicht mehr hilft. Diese ganzen Erregungszustände und Verzweiflung kenne ich gar nicht. Ich wäre unheimlich dankbar, wenn sich mein Zustand wieder auf den Stand von vor dem Absetzversuch verbessern würde. Da ging es mir körperlich wunderbar. Nur schlafen konnte ich ohne die 3,75 mg Mirtazapin nicht. Nebenwirkungen von Mirtazapin hatte ich nur ein paar Wochen vor 15 Jahren, als ich damit begonnen habe. Seitdem habe ich quasi gar nicht gemerkt, dass ich ein Antidepressivum nehme.
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lunetta

Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von lunetta »

Hallo und willkommen bei uns!

Ich denke, dass du dein ZNS durch den mißglückten Absetzversuch und dann das Wiedereindoseiren mit einer sehr hohen Dosis komplett aus dem Gleich gewicht gebracht hast!
Und Mirta wirkt nur bis 15 mg schlafanstoßend. Darüber ist es antriebsfördernd und antidepressiv. Kein Wunder dass du nicht schlafen kannst-

Ich würde nicht so eine hohe Dosis weiternehmen, sondern versuchen auf 15 mg zu gehen und dich auf dieser, deiner alten Dosis, wieder zu stabilisieren. Das wird sicher ein paar Wochen dauern, verliere nicht die Geduld;)

Und bitte keine Zolpidem dazunehmen, sonst hast du ein 2. Medikament an der Backe.

LG
Jamie
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von Jamie »

Hallo Jale,

willkommen im Forum :)

Dein Psychiater sollte noch mal Nachhilfe in Pharmakologie nehmen; wie lunetta andeutete, wirkt Mirtazapin in Dosen unter 15mg schlafanstoßend und darüber hinaus (vor allem über 30mg) eher antidepressiv, teilweise auch antriebsteigernd. Zur schlafanstoßenden Wirkung bei 30mg liegen sehr unterschiedliche Erfahrungswerte vor; von "hilft etwas" über "hilft gar nicht".

Ich fürchte, dass du möglicherweise den von dir so sehr gewünschten Stand vor diesem Auslassversuch im Sommer nicht mehr erreichen wirst, aber wissen tue ich es natürlich ist.
Es ist so, dass falsches / missglücktes Absetzen bei einigen Menschen dazu führt, dass sie bei der Wiedereinnahme auf einmal Probleme haben, begonnen mit Wirkungslosigkeit über starke Nebenwirkungen (NW) bis hin zu kompletter Unverträglichkeit.
Grund ist eine schwere Irritation des ZNS, die von außen nicht beeinflussbar ist- und mit Medikamenten auch nicht erzwingbar (zB Schlaf erzwingen), da reagiert das ZNS sozusagen frei und unabhängig.

Bei diesen enormen Dosisschwankungen, die dein ZNS in den letzten Wochen und Monaten durchmachen musste, ist es nun bestimmt sehr gereizt. Ich möchte dir daher ehrlich gesagt gar nicht dazu raten, jetzt wieder so einen Dosissturz nach unten zu machen; ich hab keine Ahnung, was dann bei dir passiert. Ich denke nur auch, ähnlich wie lunetta, dass du von dieser hohen Dosis runtermusst; die Frage ist wie schnell das gehen kann? Man sollte schon schonend runtergehen und nicht abrupt.

Wie häufig war denn in letzter Zeit die Zolpicloneinnahme? Das Mittel macht sehr schnell abhängig.
Ich frage nach, nicht dass du evtl. schon leichte Entzugserscheinungen hast und das aktuell dem Mirtazapin zuordnest, obwohl vielleicht das Zopiclon seine Finger mit im Spiel hat?

Grüße
Jamie
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

Zur hohen Dosis: Meine Schlafprobleme sind ja nur Symptom, die Ursache waren vor 15 Jahren meine großen Sorgen, mein dauerhaftes Unglücklichsein. Alle Probleme und Ängste von damals bestehen leider immer noch und sind auch nicht lösbar. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass ich nie Absetzsymptome von Mirtazapin hatte, sondern die Ängste wieder hochkamen ohne die beruhigende Wirkung. Ich saß heulend beim Psychiater und berichtete von diesen Ängsten und Erregungszuständen. 3,75mg konnten da nichts ausrichten. Er fragte mich, mit welcher Dosis ich vor 15 Jahren gestartet bin und empfiehl mir diese Dosis, mit dem Hinweis, alle zwei Wochen 7,5mg runterzugehen (dass das so schnell nocht gehen würde, hatte ich schon vermutet, da wissen die Ärzte trotz langer Berufserfahrung nicht so richtig Bescheid).

Zum Zopiclon: Bitte, Jamie, mach mir doch nicht solche Angst. Ich brauche Zuversicht. Ich muss es nehmen, da ich voll berufstätig bin. Ich habe es aber die erste Woche mit 37,5mg Mirtazapin nicht genommen, und ich meine, es ging mir recht gut. Auch habe ich keinen Gewöhnungseffekt und bin immer nur bei einer Viertel Tablette. Ich versuche es immer erst ohne. Aber wenn ich um 6Uhr aufstehen muss, muss ich es ja vor Mitternacht nehmen. Also habe ich nicht ewig Zeit, um auf den Schlaf zu warten.

Momentan sitze ich auf der Couch und fühle mich recht ruhig, keine innere Unruhe, keine großen Ängste. Ich bin nur sehr erschöpft von der kurzen Nacht und den Kreislaufproblemen. Aber morgen muss ich auf Klassenfahrt. Das ist auch wieder mit Stress verbunden.
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von Jamie »

Hallo jale, :)

ich berate hier nach bestem Wissen und Gewissen.
Es ist dein Leben und deine Entscheidungen, die du triffst.

Im Rahmen einer sachlichen Erläuterung gesagt zu bekommen, dass ich Angst mache, das nehme ich dir nicht übel oder persönlich (ich kenn dich ja gar nicht), aber das kann ich nicht unkommentiert stehen lassen.
Du hast leider nicht geantwortet, wie oft du es nun nimmst, aber wenn du möglicherweise bereits abhängig bist und das nicht beachtest, dann fehlt dir ein wichtiges Puzzlestück, um deinen Zustand einschätzen zu können.
Andere wären dankbar für diesen Hinweis.
Benzo-Entzugssymptome sind denen einer Angsterkrankung sehr ähnlich; ich weiß aktuell zu wenig über dich und deine Verfassung, um das einschätzen zu können.

Wie möchtest du denn jetzt, mal abgesehen von dem Benzo, weiter vorgehen?
Bleibst du erst mal auf der Dosis Mirtazapin?

Viele Grüße
Jamie
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

@Jamie

Ich habe das Zopiclon nach dem gescheiterten Absetzversuch vom Mirtazapin fast jede Nacht genommen. Die Ängste und Erregungszustände kamen mit dem Absetzversuch. Ich hatte sie auch unter der Einnahme von Zopiclon. Ich möchte jetzt bei 37,5mg bleiben und hoffen, dass sie meine Stimmung heben und damit irgendwann die Schlafsicherheit zurückkommt. Weiter denke ich noch nicht.
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von Jamie »

Hallo Jale,

alles klar, dann weiß ich Bescheid.
Probiere es weiter mit den 37,5mg und ich hoffe, es wirkt irgendwie doch noch so, wie es soll. :fly:

Ich habe großes Verständnis für deine Situation, ich habe seit 16 Jahren - nachdem ich nachts im Schlaf zwei Mal im Krankenhaus fast gestorben bin - schwere Schlafstörungen und "therapierte" diese erst mit AD (die nicht halfen) und später mit Benzos. Arbeiten kann ich mittlerweile nicht mehr und die Nächte mache ich immer noch durch, aber die Benzos bin ich los und bis auf 2 Tropfen Amitriptylin auch alles andere an Psychopharmaka.
Ich weiß wie schlimm das ist, wenn man im Beruf funktionieren soll, muss und will, aber einem der Schlaf (besser gesagt Nicht-Schlaf) einen Strich durch die Rechnung macht. :oops:

Zum Zopiclon: Nebenwirkungen und Entzugssymptome sind so gut wie identisch, ich nenne sie dir einfach, was du damit anfängst, ist deine Entscheidung, du kannst das dann selbst für dich einordnen:
zittern, schwitzen, frieren, Erschöpfung, Angst, Panik, Schlaflosigkeit, Schwindel, Gefühl von Gummi in den Gliedern, Nervosität, Unruhe, wilde Träume / Alpträume, Muskelverspannungen, Tinnitus u.v.m.

Wünsche starke Nerven für die Klassenfahrt
Jamie
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

Der Besuch meiner Nachbarin ist immer noch da. Es wird laut gelacht und gepoltert - und ich kriege Adrenalinschübe ohne Ende. Wie soll man da schlafen? Ich hasse solche Leute. Es ist nach 22Uhr! Und dabei ist sie in den letzten zwei Wochen eher schlafen gegangen. Da war ich echt glücklich und dachte, sie hätte vielleicht einen neuen Job.

@Jamie

Harte Geschichte .... Viel Kraft wünsche ich dir. Diese Nebenwirkungen kann ich bei mir nicht so richtig feststellen, kann aber natürlich alles irgendwie zusammenspielen.

Eines frage ich mich allgemein: Wieso wollen hier so viele Medikamente absetzen, wenn sie doch helfen? In vielen Fällen kann es doch auch sein, dass es keine Absetzerscheinungen, sondern Symptome der ursprünglichen Erkrankung sind. Sollte ich Glück haben und das Mirtazapin wieder wirken, werde ich keinen Absetzversuch mehr starten. Nur reduzieren.
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

Ich fühle mich so schrecklich. Ich könnte nur laut aus Verzweiflung schreien. Ich musste letzte Nacht sogar eine Dreiviertel Tablette Zopiclon nehmen. Mir fehlt jede Zuversicht. Und meine arme Kollegin muss mit mir auf der Klassenfahrt zurechtkommen. Es war heute morgen schon so viel Stress, und mein Gehirn streikt. Ich habe sehr große Angst.
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Lisamarie
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von Lisamarie »

Hallo Jale,
Eines frage ich mich allgemein: Wieso wollen hier so viele Medikamente absetzen, wenn sie doch helfen? In vielen Fällen kann es doch auch sein, dass es keine Absetzerscheinungen, sondern Symptome der ursprünglichen Erkrankung sind.
warum wir unsere Medikation absetzen, weil sie irgendwann nicht mehr wirkt ,falls sie das je hat, nennt sich poop out, aber die Nebenwirkungen werden irgendwann immer mehr und ein Leben lang Psychopharmaka können ja nicht die Lösung sein. Des weiteren Psychopharmaka heilen nicht , sie deckeln im besten Falle Symptome, aber auch nicht für immer und ewig. Und an der ursprüngliche Erkrankungen sollte man mit Hilfe eines Psychologen arbeiten , denn die ist nicht einfach so weg wenn man Psychopharmaka nimmt .

Auch das Zolpidem wird nicht die Lösung deiner Probleme sein, irgendwann kommst du in die Toleranz und musst für die selbe Wirkung immer mehr nehmen. Das geht nicht unbegrenzt. Das nur zur Info.

Wir klären hier auf, was jeder draus macht ist jedem selber überlassen. Ich würde jetzt auch erstmal nicht mehr an der Dosis vom Mirtazapin rühren , dein ZNS ist sehr gereizt und bräuchte eigentlich Ruhe um sich zu erholen, Klassenfahrt ist natürlich Stress hoch 10.

Mit deiner Wohnungsituation würde ich mir doch längerfristig was anderes suchen, auch wenn das nicht von heute auf morgen geht.
lg Petra
2012 noch 5 Monate Mirtzapin,Pipamperon,Levomepromaxin
Bis auf die Praxiten von heute auf morgen kalt abgesetzt, erste Absetzbeschwerden nach sechs Wochen, aber dann
6 Monate heftigste Absetzproblematik.Magendarm 30 Kilo in vier Monaten abgenommen.Halbes Jahr bettlägerig.Schwer suzidal zum stabilisieren fast ein Jahr gebraucht.
Oxazepam reduzieren von umgerechnet 50 mg Diazepam:

[spoil]Dosis vor dem 13.03.14 6,5 Tabletten a 15 mg 97,5 Ozapepam ca. 49 Diazepam
Seit dem 13.03 . Auf 6 runterdosiert 90 Ozapepam entspricht ca. 44 Diazepam dann bis zum 4.7 linar ohne große Probleme bis auf 60 Oxazepam (ca. 30 Diazepam )abgesetzt alle 4 Wochen 10%
04.07 auf 4. reduziert. 60. Oxazepam entspricht ca. 30. Diazepam
30.07 auf 3.75 reduziert 56,25. Oxazepam entspricht ca. 28.13 Diazepam
10.09 zu Mikrotapering entschlossen , ein Krümmelchen abgesetzt.
Bis zum 22.10. Krümmelweise abgesetzt ungefähr jetzt bei 28 mg Diazepam
01.11 einen weiteren Krümmel abgesetzt...

1.12einen weiteren Krümmel abgesetzt ca.26 mg Diazepam (umgerechnet) bis zum 30.12. auf ungefähr 22 .5 mg.
24.01 einen Krümmel weniger
14.02 weiterer Krümmel Abgesetzt ungefähr bei 22 mg Diazepam
20.04 10% abgesetzt
08.06. weiteren Krümmel
15.06 weiteren Krümmel
06.07. weiterer Krümmel
22.07. 1 ml abgesetzt 0,25 Wirkstoff ungefähr auf 18 mg Diazepam
Drei erneute Absetzversuche gescheitert. 1 mg erhöht.
25.09 1ml abgesetzt 0,25 mg
13.10 1 ml abgesetzt unglaubliche 0,25 mg :schnecke:
13.11 1ml 0,25 mg = 18,5 mg
25.11 2,5 mg = 16 mg Diazepam
11.12 1 mg abgesetzt jetzt auf ungef. 15 mg :o
13.01. bis 21.06.16 in 0,25 mg Schritten runter auf 12,5 mg

29.08.16 1 ml weniger 0,25 mg 12,25 mg Diazepam
20.09.16 1 ml weniger 0,25 mg. 12 mg Diazepam
10.10.16 - 0,25 mg. 11,75 mg Diazepam
20.10.16. -0,25 mg. 11,5. mg Diazepam
10.11.16. -0,25 mg. 11,25. mg Diazepam
22.11.16. -0,25 mg 11 mg Diazepam
12.12.16. -0,25 mg. 10,75. mg Diazepam
31.12.16 -0,25 mg 10,5 mg Diazepam das erste mal keine Entzugsymthome
13.1. 17 -0,5 mg 10 mg Diazepam yippy 40 mg Abgesetzt
8.3.17 -0,25 mg 9.75 mg Diazepam
14.4.17. -0,25 mg. 9,5 mg
3.5. 17 -0,25 mg 9,25 mg
16.7.17. -0,25 mg 9 mg
12.8.17. -0,25 mg 8,75
12.9.17. 8,5 mg
25.10.17 - 0,25 mg 8.25 mg
31.11. 8. mg
26.01.18. – 0,5 mg. 7,5 mg
02.03.18 5 mg
28.8. 18. 4;75 mg
27.11.18 Schrittweise abdosieren bis. 4 mg
16.01.19. 3.5 mg
27.02.19. 3 mg
29.03. 2,5 mg
25.6. 1,5 mg
Seit Mitte November auf 0.
jale79
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

Liebe Petra,

okay, wenn es nicht wirkt, dann ist es natürlich witzlos. Mirtazapin half mir halt 15 Jahre in niedriger Dosierung ohne Nebenwirkungen. Zopiclon ist keine Dauerlösung, das weiß ich, aber was soll ich tun? Ich muss ja irgendwann mal schlafen. Habe heute noch ein Telefonat mit meinem Psychiater.
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von carlotta »

Hallo Jale,
Eines frage ich mich allgemein: Wieso wollen hier so viele Medikamente absetzen, wenn sie doch helfen? In vielen Fällen kann es doch auch sein, dass es keine Absetzerscheinungen, sondern Symptome der ursprünglichen Erkrankung sind.
Dazu einige Quellen (und weit mehr siehe Hintergrundinformationen):

"13 Gründe, psychopharmaka-kritisch zu sein", Link: http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... 2d5#p74051

"Prof. Gøtzsche: Weshalb Antidepressiva mehr schaden als nutzen", Link: http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=6&t=11160

"10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Gøtzsche", Link: http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=6&t=10055

usw.

Ich fürchte, Du hast Petras :) Beitrag nicht genau genug gelesen.

Übrigens, AD haben mein Leben zerstört, und nicht nur meins.

Liebe Grüße :group:
Carlotta
"For the illicit drugs, we call this process addiction. For the prescribed medications, we call this process therapeutic." (Robert Whitaker)


"We need to stop harming each other in the false name of medicine." (Monica Cassani)


[spoil]Kurzabriss Verlauf:
viewtopic.php?f=18&start=140&t=12787&si ... fb#p266609
Seitdem nur unwesentlich mit dem Reduzieren weitergekommen, da längere Absetzpause.[/spoil]
jale79
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Registriert: 24.09.2017 19:11

Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

Meins haben sie 15 Jahre gerettet. Hätte ich sie nicht auageschlichen und dann abgesetzt, wäre alles noch gut. Jede Geschichte ist halt anders.

Wenn ich eure Tipps befolge und an der Dosierung nichts ändere (der Grund leuchtet mir ein), bleibt das Schlafproblem leider. Also brauche ich Schlafmittel. Eine ausweglose Situation, scheint mir.
Seit 2003 Mirtazapin gegen massive Einschlafstörungen
Von Oktober 2016 - März 2017 von 15mg auf 3,75mg runter
Im Juli 2017 Absetzversuch
Nach 5 Tagen gescheitert, da wieder komplett schlaflos
wieder eingestiegen mit 3,75mg, daraufhin vier Wochen schlaflos (z.T. auch trotz Einnahme von Zopiclon)
Seit Juli 2017 auf Anraten des Psychiaters 45mg/37,5mg Mirtazapin: Schlafstörung besteht weiterhin, teilweise massive innere Unruhe, Verzweiflung, des Weiteren aufgrund der hohen Dosis wieder Nebenwirkungen in Form von starken Kreislaufbeschwerden
carlotta
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Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von carlotta »

Hallo Jale,
jale79 hat geschrieben:Meins haben sie 15 Jahre gerettet.
Warum wolltest Du dann reduzieren bzw. absetzen?

Liebe Grüße :group:
Carlotta
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Seitdem nur unwesentlich mit dem Reduzieren weitergekommen, da längere Absetzpause.[/spoil]
Eva

Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von Eva »

Liebe jale,

willkommen im Forum, auch von mir. Ich wollte eigentlich eine kleine Forumspause einlegen, aber Dein Thread veranlasst mich, gleich wieder von dem Vorsatz abzugehen und zu Deinen Problemen etwas zu schreiben. :wink:

Für mich ist vor allem Deine Wut greifbar, auf die laute Nachbarin, auf das schiefgelaufene Reduzieren; ja, Du scheinst sogar ärgerlich zu sein auf das Forum ... Atme durch, all das wird sich relativen.

Grundsätzlich: Benzos & Co sind Notfallmedikamente und haben als solche unter bestimmten Bedingungen ihren Platz. Sie aber ein Leben lang zu schlucken ist im Grunde überhaupt keine Option, wenn auch eine Entscheidung. Sie werden häufig begleitet von fatalen Nebenwirkungen und immer - oft lange unbemerkt wie bei Dir - ergeben sich auf lange Sicht handfeste Nachteile. Der gravierendste davon ist die Abhängigkeit.

Dass sie zuerst helfen, mag einem als Segen erscheinen, ist jedoch auch ihre Tücke. (Mir erscheinen sie heute oft genug wie der Teufel im Engelsgewand, sorry, kleiner emotionaler Ausbruch! :whistle: ) Sie umarmen uns, lullen uns ein, machen uns wahlweise munter oder lassen uns schlafen - und wenn diese Wirkungen irgendwann nachlassen, wird eben die Dosis gesteigert oder es kommt noch etwas "Hilfreiches" dazu. -

Und wehe, wir möchten psychisch und seelisch wieder auf eigenen Füßen stehen - dann zeigen sie ganz plötzlich und total unerwartet ihr Janusgesicht!

Sie stumpfen uns auch ab, schwächen die "seelischen Muskeln" und die Gedächtnisleistung, und sie können noch viel mehr nach sich ziehen - ich zähle jetzt mit Rücksicht auf Deine Angst nicht noch mehr auf.

Sich davon freizustrampeln ist eine harte Herausforderung, der man sich durchaus verweigern kann. Allerdings sollte man sich über den hohen, eben nicht immer direkt erkennbaren Preis im klaren sein. Nur zur Erläuterung: Ginge es um Alkohol oder um Zigaretten, wäre einem schon gleich bewusst, dass ja auch durchaus mögliche, positive Wirkungen nichts sind, was einen daran festhalten lassen könnte und sollte - bei Medikamenten ist es viel schwieriger, dahinterzukommen und es zu akzeptieren.

Warum wolltest (bzw. solltest?) Du überhaupt reduzieren?

Viele Grüße, Pons
Zuletzt geändert von Eva am 25.09.2017 14:14, insgesamt 14-mal geändert.
jale79
Beiträge: 18
Registriert: 24.09.2017 19:11

Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von jale79 »

Hallo Carlotta und Pons,

mein Psychiater wollte mich auf Trimipramin umstellen, sehr niedrig dosiert, weil er den Schlaf darunter als gesünder ansah. Das wollte ich aber wegen der Nebenwirkung Haarausfall nicht. Ich hatte Sommerferien, war optimistisch und dachte "Wenn nicht jetzt, wann dann?". Vor allem, weil 3,75mg ja eh keine antidepressive Wirkung hat. Ich habe noch nie eine Entscheidung so bitter bereut. Ich bin nicht wütend auf das Forum. Ich habe einfach eine scheiß Angst. Ich bin auch ganz allein mit meinen Sorgen.

Als ich vor 15 Jahren in die massive Schlaflosigkeit rutschte, war mit dem Mirtazapin alles gut. Ich brauchte von einem auf den anderen Tag keine Schlaftabletten mehr.
Seit 2003 Mirtazapin gegen massive Einschlafstörungen
Von Oktober 2016 - März 2017 von 15mg auf 3,75mg runter
Im Juli 2017 Absetzversuch
Nach 5 Tagen gescheitert, da wieder komplett schlaflos
wieder eingestiegen mit 3,75mg, daraufhin vier Wochen schlaflos (z.T. auch trotz Einnahme von Zopiclon)
Seit Juli 2017 auf Anraten des Psychiaters 45mg/37,5mg Mirtazapin: Schlafstörung besteht weiterhin, teilweise massive innere Unruhe, Verzweiflung, des Weiteren aufgrund der hohen Dosis wieder Nebenwirkungen in Form von starken Kreislaufbeschwerden
Eva

Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von Eva »

Hallo jale,

danke für Deine schnelle Antwort. Leider stürzen uns Ärzte und Psychiater mit ihren Verschreibungen nur allzu oft ins Unglück, ohne Absicht natürlich und ohne es ihrerseits überhaupt zu realisieren. Dass Du große Angst hast, kann ich nur zu gut verstehen. Ich selbst leide auch unter Schlaflosigkeit, und so geht es vielen hier.

Da Du 15 Jahre lang keinerlei Probleme hattest, wundert mich trotzdem die Umstellung. Die ist nun aber geschehen, und ich kann mir vorstellen, wie sehr Du beunruhigt bist. Eine schnelle und einfache Lösung hat dazu leider noch niemand gefunden. Wir können Dir hier Hilfestellung zum Reduzieren und Absetzen geben und von uns berichten, wie wir mit bestimmten Dingen umgehen, und das tun wir gern.

Gruß, Pons
lunetta

Re: 15 Jahre Mirtazapin Absetzversuch

Beitrag von lunetta »

Hallo!


Auch ich habe vor vielen Jahren mit Zolpidem begonnen, nur eine Viertel Tablette, damit ich am Tag ein paar Std. schlafen konnte, wenn ich 2, 3 oder mehr Nachtdienste hintereinander hatte.
Aus dem ab und zu wurde täglich und aus einer Viertel Tablette wurde im Laufe der Jahre eineinhalb bis 2 Tabletten und auch dann konnte ich kaum mehr als 2 Std. schlafen, zuletzt gar nicht mehr.

Ich mußte die Notbremse ziehen, denn dieses Faß ist bodenlos, man braucht immer mehr für immer weniger Wirkung.

In deinem Fall solltest du wirklich medikamentenkritisch sein, denn schlafen zu wollen oder zu müssen, darf nicht dazu führen dass man immer mehr und und mehr versch. Medikamente braucht.

Ich weiß mittlerweile dass diese Medikamente nur kurzfristig Schlaf schenken, aber sehr bald zu immer schlimmer werdender Schlaflosigkeit führen und zusätzlich eine Entzügigkeit schaffen und somit ein Teufelskreis geschaffen wird.


Wir haben hier viel Erfahrung damit und würden dir das gerne ersparen helfen!

Ich würde auch zuerst einmal die Wohnsituation neu überdenken, eventuell eine Dämmmauer zur Nchbarwohnung hin machen lassen, das kostet nicht soviel wie ein ganzer Umzug und kann Nerven schonen.

LG
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