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zu schnelles Absetzen (Escitalopram) - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 16.05.2018 12:38
von Alanisss
Hallo liebe Leidensgenossen,

ich freue mich sehr, dieses Forum gefunden zu haben!

Ich nehme seit 2 Jahren (nachdem ich davor immer mal wieder ADs genommen und abgesetzt habe) wegen Depressionen Escitalopram. Ich nehme "nur" 10mg, will aber am liebsten gar nichts mehr einnehmen. Nebenbei bekomme ich momentan Akupunktur, die mir ganz gut hilft und seit 4 Jahren eine Psychotherapie. Ich will endlich von der Therapie weg kommen und versuchen mein Leben unabhängiger hinzubekommen!

Letztes Jahr habe ich leider zu schnell versucht, Escitalopram abzusetzen, also bin direkt von 10mg auf 5mg gegangen und bin einige Monate dabei geblieben. Leider litt ich daraufhin zunehmend an starker Erschöpfung, was damit endete, dass ich jeden Mittag so müde wurde, dass ich 1-2 Std schlafen musste. Ich habe zu der Zeit ohnehin sehr viel geschlafen! Meine Arbeit konnte ich auch nur noch bis mittags machen und habe mit meinen Arbeitsstunden sehr stark gemogelt, was zum Glück keiner mitbekommen hat.

Ich ging zu meiner Hausärztin, ließ mein Blut checken und sie stellte eine Schilddrüsenunterfunktion fest. Ich bin davon überzeugt, dass das vom zu schnellen Absetzen kam. Ich nehme nun seit 1 Jahr L-Thyroxin für die Schilddrüse ein, erst 25, nun 50 Mikrogramm. Ich fühle mich nun wieder besser, also fitter und auch psychisch wieder etwas besser.

Jetzt will ich gern Escitalopram absetzen. Ich will es mit der Wasserlösemethode probieren und bin sooo dankbar, dass ich hier viel von den Erfahrungen anderer lesen kann! :)

Hat jemand von Euch Erfahrungen mit Escitalopram und einer Schilddrüsenunterfunktion? Und wurde die Schilddrüse bei euch wieder besser nach dem Absetzen? Und wie ist es mit der Gewichtszunahme bei euch? Ich habe mittlerweile 8 kg zugenommen, obwohl ich meine Ernährung nicht verändert habe. Verliert man womöglich das Übergewicht wieder? Das würde mir Hoffnung geben!

Liebe Grüße aus Berlin!
Alaniss

Re: zu schnelles Absetzen - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 16.05.2018 12:49
von Shonah
Hallo Alanisss,

Willkommen im Forum, du wirst hier gewiss Hilfe finden.

Ich kenne mich mit deinem Medikament und der Schilddrüse nicht aus, aber ich wollte dich erstmal willkommen heissen.

Eine Signatur hast du schon erstellt, das ist super.

Es werden sicher noch mehr Antworten kommen, bis dahin kannst du dich ja ein wenig im Forum quer lesen.


Ich wünsche dir einen guten Austausch.


LG Shonah

Re: zu schnelles Absetzen - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 16.05.2018 13:55
von padma
hallo Alaniss, :)

auch von mir willkommen.
Leider litt ich daraufhin zunehmend an starker Erschöpfung, was damit endete, dass ich jeden Mittag so müde wurde, dass ich 1-2 Std schlafen musste.
Erschöpfung ist ein typisches Absetzsymptom. Eine Reduktion von 50 % ist in der Tat viel zu viel.
Ich ging zu meiner Hausärztin, ließ mein Blut checken und sie stellte eine Schilddrüsenunterfunktion fest. Ich bin davon überzeugt, dass das vom zu schnellen Absetzen kam.
Das ist durchaus möglich. Im Entzug können die SD Werte durcheinanderkommen. Wenn du zuvor keine SD Problematik hattest, ist ein Zusammenhang sehr wahrscheinlich.
Hat jemand von Euch Erfahrungen mit Escitalopram und einer Schilddrüsenunterfunktion? Und wurde die Schilddrüse bei euch wieder besser nach dem Absetzen?
Es gibt diesbezügliche Erfahrungen im Zusammenhang mit Antidepressiva. Ob nun speziell mit Escitalopram kann ich dir nicht sagen, aber auf jeden Fall in Zusammenhang mit SSRI/SNRI.
Es gibt auch Berichte, dass es sich nach dem Absetzen wieder normalisiert hat. Ob das immer so ist, weiss ich natürlich nicht.
Und wie ist es mit der Gewichtszunahme bei euch? Ich habe mittlerweile 8 kg zugenommen, obwohl ich meine Ernährung nicht verändert habe. Verliert man womöglich das Übergewicht wieder? Das würde mir Hoffnung geben!
Gewichtszunahme ist eine sehr typische NW bei AD. Es liegt daran, dass AD den Stoffwechsel verändern. Nach dem Absetzen normalisiert sich das Gewicht (zumindest grösstenteils) wieder. Evtl. schon während des Reduzieren, manchmal aber auch erst einige Monate nach dem kompletten Absetzen.
Jetzt will ich gern Escitalopram absetzen. Ich will es mit der Wasserlösemethode probieren und bin sooo dankbar, dass ich hier viel von den Erfahrungen anderer lesen kann! :)
Die Wasserlösemethode funktioniert bei Escitalopram sehr gut. Klasse, dass du dich schon eingelesen hast. :D

liebe Grüsse und alles Gute für den Ausschleichstart,
padma

Re: zu schnelles Absetzen (Escitalopram) - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 17.05.2018 15:33
von lollarossa
Hallo Alaniss :)

Ich musste aufgrund einer Fehlmedikation Escitalopram kalt entziehen.
Bei mir vermute ich wieder aufgetretene Probleme einer Schilddrüsenfehlfunktion.

Hatte bereits einen Hashimoto diagnostiziert bekommen, der aber wieder verschwunden sein sollte.

Mein Kaltentzug liegt jetzt ein halbes Jahr zurück und ich lasse meine Schilddrüse nächste Woche überprüfen.

Habe schon einige Anzeichen, dass die wieder quer Schießt. (Haarausfall, Wärmeregulation, etc.)

Lese Mal bei dir mit und drücke beim Entziehen die Daumen!!

Gruss, LOLLA

Re: zu schnelles Absetzen (Escitalopram) - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 17.05.2018 16:08
von Alanisss
Hallo Shonah, Padma und Lolla,

ich danke euch für eure Antworten!

Ich bin nun etwas zuversichtlich gestimmt, dass das mit der Schilddrüse sich wieder einpendeln könnte!

Heute habe ich mit der Reduktion auf 9 mg angefangen. Ich will diese Dosis 14 Tage so beibehalten und dann auf 8 mg gehen. Was meint ihr, sind 14 Tage okay? Oder besser 1 Monat? Ich habe gerade zusätzlich das Problem, dass ich niedrigen Blutdruck habe. Daher muss ich da wohl gerade sehr vorsichtig sein...

Lolla, viel Glück bei der Schilddrüsen-Überprüfung!

LG
Alaniss

Re: zu schnelles Absetzen (Escitalopram) - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 17.05.2018 22:11
von Murmeline
Hallo Alaniss,

Bitte lies die Grundlageninfos und dann die weiterführenden Links, beispielsweise die häufig gestellten Fragen. http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=12880

Wir empfehlen hier längere Stabilisierungsphasen, vier Wochen sind da beispielsweise genannt. Manchmal können Symptome auch mit zeitverzögerung auftreten.

Grüße, Murmeline

Re: zu schnelles Absetzen (Escitalopram) - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 18.05.2018 07:09
von StefanKremer377
Hallo Alanisss!

Da gibt es af jeden Fall Zusammenhänge. Sehr Große sogar. In meiner Zeit der AD Einnahme nahm ich unterschiedliche Medikamente. Mein TSH, speziell der FT3 waren imer in Richtung UF. Zeitweise sogar über 8.

Ich habe seid 2008 eine Komplettentfernung der SD. Daher bin ich komplett auf L-Tyroxin angewiesen.
Seid sieben Monaten im Entzug bin ich von 200 L-Tyroxin auf mittlerweile 175 runter. Daran sehe ich wie krass diese Medikamente dort eingreifen.

Lg Stefan

Re: zu schnelles Absetzen (Escitalopram) - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 19.05.2018 14:40
von Camilla
Hallo Alaniss,

ich bin zwar noch ganz neu hier, aber kenne das Problem "Schilddrüse und Depressionen". Allerdings war es bei mir andersherum. Ich habe mich anfangs so gegen AD (Sertralin) gewehrt, dass ich erst meine Schilddrüse habe checken lassen. In der Tat hatte ich eine Unterfunktion, was auch Depressionen auslösen kann. Also erhielt ich L-Thyroxin, das auch half, aber nach einer Weile nicht mehr aussreichte. Zur Zeit nehme ich noch beides, mchte aber auch demnächst vorsichtig das Sertralin absetzen.

Was ich sagen will: Ich habe also erst L-Thyroxin, dann zusätzlich Setralin genommen. Es kann durchaus sein, dass du unerkannt bereits Schilddrüsenprobleme hattest, es also nicht unbedingt erst durch einen Entzug ausgelöst wurde. Aber einen Zusammenhang der Erkrankungen gibt es ganz sicher... Eine Schilddrüsennterfunktion begünstigt Depressionen. Auf jeden Fall ist es immer eine gute Idee, die Werte parallel zu beobachten! Danke für deinen Beitrag, das wird auch für mich interessant werden!

LG, Camilla

Re: zu schnelles Absetzen (Escitalopram) - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 25.05.2018 08:20
von Alanisss
Hallo,
ein kleines Update:

Da ich zur Zeit wieder an extremen Selbstzweifeln, sozialen Ängsten und Stimmungsschwankungen leide, habe ich meinen Absetzversuch auf Eis gelegt.
Ich befürchte, dass ich nach dem Absetzen wieder stärker mit diesen Symptomen zu kämpfen habe. Ich habe schon einen guten Weg geschafft, im Vergleich zu der Zeit bevor ich Escitalopram anfing zu nehmen. Davor war ich so sehr ängstlich in Gegenwart von Menschen, dass ich kaum etwas sagen konnte und immer damit beschäftigt war, wie ich ankomme und ob man mich akzeptiert... daran habe ich mich nun wieder erinnert.

Ich bin gedanklich immernoch sehr am zweifeln, ob die Menschen in meinem Umfeld mich akzeptieren, aber es ist weniger geworden.
Alles nicht so einfach...

Wie ging es euch nach dem Absetzen? Ging es euch psychisch, wie vor der Einnahme oder besser?

Re: zu schnelles Absetzen (Escitalopram) - Schilddrüsenunterfunktion

Verfasst: 25.05.2018 09:50
von Jamie
Hallo Alaniss, :)

würdest du bitte deine Signatur aktualisieren und einen Ist-Stand eintragen, zB. Mai 2018: xy mg Escitalopram, Absetzstopp wegen.. ... so in der Art? Danke :)

Ich denke es ist vernünftig zu pausieren, wenn du dich nicht stabil fühlst und auch alte Themen zuschlagen.
Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um dich zu fangen und um Kraft und Mut für neue Schritte zu sammeln, egal wie diese aussehen.

Ich weiß von Angsterkrankten, dass Psychopharmaka ihnen oft ein wenig mehr Ruhe und Stabilität geben sich all den Einflüssen und Situationen auszusetzen, die ihnen ansonsten zusetzen.
Leider ist diese "Hilfe" trügerisch, denn sie ist chemisch erzwungen und resultiert nicht daraus gelernt zu haben, mit der Angst umzugehen und sie zu kanalisieren. bzw. nach der Ursache zu schauen, woher sie eigentlich kommt.
Wie ging es euch nach dem Absetzen? Ging es euch psychisch, wie vor der Einnahme oder besser?
Ich kann nur für mich sprechen, aber unter Psychopharmaka, insbesondere dem pushenden Sertralin, war ich ein panisches, aufgeschrecktes Huhn. Nervös, erregt, ruhelos, schlaflos.
Ich hatte Probleme, das ist wahr, aber dieses Mittel hat mir etwas genommen, was eigentlich unantastbar sein sollte - meinen inneren Frieden. Nie habe ich mich so unwohl mit mir selbst gefühlt, so labil und unfokussiert, so rastlos, getrieben und verzweifelt.
Das Absetzen war die Hölle, da ich es falsch gemacht habe (in 6 Tagen auf Null), danach 3 Monate Hölle und 2 Jahre bettlägerig / couchlägerig (chronifizierter Entzug) - aber dann kam mein altes Ich wieder und damit mehr Ruhe, Zentriertheit, Freundlichkeit, Gelassenheit.

Es geht mir um Welten besser.

Ich werde nie mehr in meinem Leben ein SSRI anrühren. Ich nehme zZt noch etwas Dämpfendes sehr niedrig (Amitriptylin 2 Tropfen), aber auch dem sage ich vielleicht irgendwann tschüss.

Alles Gute, melde dich wieder, wenn du Unterstützung brauchst :group:

Jamie