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Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

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sl76
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Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

Beitrag von sl76 » Freitag, 08.06.18, 10:56

Hallo zusammen,

ich bin Sebastian und bin 41 Jahre alt.

Im Jahr 2011 war ich mit einer Erschöpfungsdepression arbeitsunfähig und wurde für 6 Wochen in eine psychosomatische Klinik eingewiesen.
Dort diagnostizierte man eine mittelschwere depressive Episode und verabreichte mir im Februar 2012 zum ersten Mal Citalopram. Als ich der Klinikärztin meine Bedenken schilderte redete diese mit Engelszungen auf mich einund versicherte mir, das dieses Medikament gut verträglich sei, kaum zu Nebenwirkungen führe und diese Medikamentengruppe vor allem bicht abhängig machen würde.
Irgendwann stabilisierte sich mein Zustand und ich sah die tägliche Pille als meine Lebensversicherung um den Alltag zu bestreiten. Rückblickend muss ich sagen, haben mir nur die Gruppentherapie, die Aufklärung über die Krankheit und die Ruhe wirklich geholfen.

Im März dieses Jahres war ich wieder kurz vor der Erschöpfung, bin dann zu meinem Hausarzt, der wieder eine depressive Episode diagnostizierte, obwohl ich mich gar nicht so fühlte. Er forderte mich auf mir einen Therapeuten zu suchen. Der wiederum brachte mich erst auf den Gedanken Cita. ( zu diesem Zeitpunkt 10mg) abzusetzen und durch einen Beta-Blocker zu ersetzen. Mein Hausarzt war begeistert von der Idee und sagte das man das ohne Weiteres nahtlos machen könnte.

Ich bin jetzt seit 6 Wochen ohne Cita. und habe schwere Entzug serscheinungen. Schwindel, Konzentration sstörungen, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, bei Reizüberflutung, zu viel Menschen, grelles Licht, laute Geräusche habe ich das Gefühl wegzutreten, bekomme nichts mehr mit, bin verwirrt. Sprachstörungen treten auf, plötzliche Angst- oder WeinattackenIch kann nicht mal mehr alleine zum Einkaufen oder Auto fahren.

Ich bin seit dem arbeitsunfähig und habe schon mehrfach meinem Arzt diese Symptome geschildert. Ich hatte immer das Gefühl, dass er das nicht ernst nimmt, deswegen habe ich heute meine Frau mitgenommen, die ihm auch nochmal bestätigte das ich nicht depressiv bin, sondern seit dem Absetzen des Medikamentes durch die geschildert en Symptome mein Leben stark eingeschränkt ist.
Er brsteht jedoch weiterhin darauf das ich depressiv bin und wenn er mir weiter helfen soll, verlangt das System es das ich mich in psychotherapeutische Behandlung begeben, er könne mich sonst auch stationär einweisen. Eine weitere Möglichkeit ist das Medikament wieder zu nehmen.
Was ist das bitte für ein Wahnsinn??? Das System verlangt es so und für das System existieren auch meine Beschwerden nicht... ????
Ich habe heute zum ersten Mal in meinem Leben weinend ein Behandlung szimmer verlassen.

Jetzt muss ich erstmal sehen ob es irgendwo einen Arzt gibt der mich versteht.

Bitte entschuldigt, falls mein Tread Fehler enthält. Ich kann das im Moment nicht richtig überblicken.

Viele Grüße

Sebastian
02/2012 erstmalig Citalopram 30mg in einer psychosomatischen Klinik verschrieben bekommen
Diagnose: mittelschwere depressive Episode
08/2016 erstmalig in kleinen Schritten reduziert auf 25mg (laut Ärztin hätte ich damals
innerhalb von 2-3 Wochen komplett ausschleichen sollen)
01/2017 weiter reduziert auf 20mg (während des Reduzierens erhöhte Reizbarkeit und
Aggressivität)
05/2017 reduziert auf 15mg
08/2017 reduziert auf 10mg
11/2017 reduziert auf 5mg
03/2017 erhöht auf 10mg (fühlte mich erschöpft und angreifbar und ängstlich bei der geringen
Dosis)
04/2017 auf Anraten des Therapeut en und des Hausarztes komplett abgesetzt und durch Beta-
Blocker ersetzt (die ich inzwischen auch nicht mehr nehme, da sie mir wirkungslos
erschienen)

loewe55
Beiträge: 318
Registriert: Dienstag, 15.05.18, 19:19

Re: Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

Beitrag von loewe55 » Freitag, 08.06.18, 11:55

Hallo Sebastian,

bitte nicht verzweifeln, das „System“ ist so! Gut, dass du das Firum gefunden hast, du wirst hier wertvolle Tipps bekommen.

Ich bin selbständig Reduzieren von Venlafaxin, meine Ärztin war von Anfang an dagegen. Ich hatte aber das Gefühl, dass es mir nicht mehr gut tut und außerdem will ich langfristig ohne Chemie leben.

Die letzte Reaktion meiner Ärtin war: Entweder du nimmst das Zeug wieder oder es geht dir weiter schlecht. Was Anderes gibt es da nicht und wir müssen auch nicht diskutieren.

Soviel zum System. Also helfen wir uns selber. Ich bin dankbar, dass es solche lieben Menschen hier im Forum gibt, die sich ehrenamtlich um das Leid anderer kümmern.

Lass den Kopf nicht hängen, es wird Hilfe geben.

Liebe Grüße
loewe
2013 erste Panikattacke, vom Hausarzt Mirtazapin bekommen, aber nicht genommen
2015 Zuspitzung, ab Dezember 2015 Mirtazapin 30 mg
2016 im Januar 3 Todesfälle in der Familie innerhalb von 3 Wochen, zusätzlich Kündigung erhalten
Nichts geht mehr, ich bestehe nur noch aus Angst
Mirtazapin hilft beim Schlafen
Mai 2016 auf eigenen Wunsch über Notaufnahme in Klinik, dort 7 Wochen stationär
Mirtazapin raus, dafür Citalopram und Pregabalin
Furchtbare 4 Wochen, kein Schlaf, heißes Körperbrennen
Langsame Besserung, Medis helfen, Schlaf kommt wieder
August 2016 für 5 Wochen Tagesklinik, stabilisiere mich
Wirkverlust Citalopram, dafür Venlafaxin ab Januar 2017
Kombination mit Pregabalin hilft, es geht wieder bergauf
Mai/ Juni 2017 Reha, Venlafaxin auf 150, einige Tage 225 mg, geht gar nicht, sofort wieder runter
Bei Entlassung fast symptomfrei, Venlafaxin 112,5 mg, Lyrica 100-0-100,
August 2017 Venla auf 100 mg,
September 2017 90 mg,
Oktober 2017 75 mg,
November 2017 60 mg,
Dezember 2017 50 mg
Januar 2018 Venla auf 45 mg,
Februar 2018 37,5mg, Befinden nicht mehr gut
März 2018 Venla auf 34 mg, dann wieder hoch auf 37,5
April 2018 auf 31 mg
Befinden schlechter, massive Ängste morgens und nachts, bleibe seitdem auf dieser Dosis
16.05.18 Erhöhung um 2,1 mg nach Anmeldung und Beratung im Forum
Venlafaxin jetzt 33,1 mg, Pregabalin 100-0-75 (auf dieser Dosis seit Jahresbeginn)
31.05.18 leichte Erhöhung Venlafaxin um 1,5 mg, bin jetzt bei 34,6 mg
05.06.18 leichte Besserung erkennbar, versuche mich bei 33,45 mg Venla zu stabilisieren
12.07.18 Erhöhung auf 37,5 mg: weder Verschlechterung noch Verbesserung erkennbar, weiterhin Angstzustände im „gewohnten“ Ausmaß
24.08.18 immer noch auf 37,5 es geht mir besser, kurze Angstgefühle, aushaltbar
21.09.18 versuche seit 10 Tagen Pregabalin um 10 mg zu reduzieren, abends von 100 auf 90, Symptome wieder stark: Ängste bis fast zur Panik, werde wieder erhöhen
28.09.18 Ich erkläre meinen Versuch für gescheitert und lege wegen verstärkter Ängste eine Pause ein
Medikation derzeit: Venlafaxin 37,5 mg / Pregabalin 75-0-100 mg
November 2018: 34,26 mg, mache in 5%-Schritten weiter🐌 Dezember 2018: 33,18 mg
01.01.2019: 34,26 mg, wg.Angstverstärkung aufdosiert
31.01.2019: 34,26 mg, Ängste und Daueranspannung
28.02.2019: 34,26 mg, weniger Ängste, dafür Daueranspannung, aber auch viele Fenster
08.03.2019: 34,84 mg, um 2 Kügelchen hoch wegen starker Symptome
29.04.2019: Pregabalin Umstellung auf Wasserlösmethode, Venlafaxin Absetzpause (34,84 mg)
10.05.19: Pregabalin auf 155 mg
Dieses Mal auch körperliche Symptome wie Brain zaps, Nackenschmerzen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Schwäche in den Beinen, Erschöpfung, Schwere
24.06.19: Pregabalin auf 145 mg
16.07.19: Pregabalin auf 137 mg
12.08.19: Pregabalin auf 125 mg
05.09.19: Pregabalin auf 123 mg
16.09.19: Pregabalin auf 120 mg

SeventhWave
Beiträge: 153
Registriert: Mittwoch, 05.07.17, 13:30
Wohnort: Nürnberg

!

Beitrag von SeventhWave » Freitag, 08.06.18, 13:20

Hi Sebastian!

Ich kenne deinen Zustand aus eigener Erfahrung. Es ist ganz toll, dass du darauf beharrst nicht depressiv zu sein. Ich habe mich damals einlullen lassen. Seit über 20 Jahren schlucke ich diesen Mist, immer wenn ich absetzen wollte hieß es, da kommt die Krankheit zurück.

Irgendwann fragte mich meine Betriebsärtzin warum ich das Zeug nehme. Ich sagte: Weil mein Hirn kaputt ist. Sie meinte, wenn ich glücklich bin, produziert mein Hirn genügend Serotonin, dann brauch ich diese Depottabletten nicht.

Okay, das war das was ich hören wollte! Vorsichtshalber hab ich Citalopram nur von 20 auf 10 mg reduziert. Trotzdem setzte diese 50%tige Verringerung eine Kette von Ereignissen in gang, an deren Ende ich in der Klinik mit Polymedikation landete.

Das passiert dir jetzt nicht!

Das Problem ist: Du bist 6 Wochen im Entzug, das ist kein Pappenstil - aber evtl. kriegst du noch die Kurve. Ist das dein erster Entzug? Bist du vorher schon "schludrig" gewesen? Hast du noch Citalopram zu Hause?

Les dir mal den Fred durch:

Wiedereindosierung

Sei froh das dir wenigstens deine Frau glaubt, ich habe im letzten Jahr wenig Menschen getroffen, die "diese Wahrheit" hören und glauben mochten.

Halt die Ohren steif - das ist jetzt zwar ein Albtraum, aber ist auch mal vorbei!

Liebe Grüße

7th
Vorgeschichte:
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Mein Thread

Beginn Wasserlösmethode Citalopram Mylan Dura 40 mg
18.07.17 36 mg (-10 %)
29.08.17 32,8 mg (-8,9 %)
28.09.17 30,4 mg (-7,317 %)
07.11.17 28,8 mg (-4,605 %)
05.12.17 28 mg (-2,778 %)
27.01.18 26 mg (-7,143 %)
18.03.18 24 mg (- 7,692 %)
26.04.18 23,5 mg (- 2 %)
10.06.18 22,24 mg (- 5,362 %)
18.07.18 21,92 mg (- 1,439 %)
13.08.18 21,6 mg (- 1,457 %)
22.10.18 20,8 mg (-3,67 %)
24.02.19 20 mg (-3,846 %)

Jamie
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Beiträge: 18346
Registriert: Montag, 04.02.13, 22:37

Re: Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

Beitrag von Jamie » Freitag, 08.06.18, 14:00

Hallo sl76,

schlimm, wie man von Ärzten teilweise abgebügelt wird :(
Ich hab auch schon heulend die Praxen von (vor allem) Psychiatern / Neurologen verlassen, weil ich mich an deren Borniertheit aufgerieben habe :cry:.

Lass dich nicht von deinem Eindruck täuschen - das was du schilderst sind massive Absetzsymptome.

Kein Medikament der Welt kann einen AD-Entzug abfedern; selbst AD selber können nicht die Entzüge anderer AD abfangen, dazu sind sie dann doch oft zu verschieden und außerdem hat das Gehirn ein außergewöhnliches Feintunig sich auf einen ganz bestimmten Stoff einzustellen - und zwar nur auf den.

Es war ein schlechter Rat dich das Citalopram kalt absetzen zu lassen und stattdessen den Betablocker zu testen. Der kann das nicht deckeln oder auffangen. Du bist damit geradewegs in den Entzug geraten.

Ich würde dir dringend empfehlen wieder 0,25mg (nicht mehr!!) vom Citalopram einzudosieren.
Man muss schauen, ob du es noch verträgst, da ca. 4-6 Wochen nach Null die Risiken steigen, dass es paradox wirkt oder nicht mehr vertragen wird. Bei 0,25mg kann dir kein Schaden entstehen, selbst wenn du es nicht mehr verträgst.

Citalopram lässt sich sehr gut auflösen (Wasserlösemethode).
Basics: viewtopic.php?f=18&t=12880
Wasserlösemethode: viewtopic.php?f=16&t=10923
Video: viewtopic.php?f=43&t=14698

Noch einen Satz zum Therapeuten. Bei wiederkehrenden psychischen Problemen empfehlen wir hier im Forum immer eine Therapie, da AD keinerlei heilende Wirkung haben.
Sie unterdrücken oder deckeln nur, lullen wahlweise ein oder wirken aufpushend.
Nur das eigene Arbeiten an seinen Problemen und Lebensthemen (zb- warum treten bei dir immer wieder diese Überlastungszustände auf?) kann letztlich eine tiefere Einsicht (und Heilung!) vermitteln.
Allerdings sollte Therapie immer freiwillig sein - passen dein Therapeut und du denn zusammen? Fühlst du dich wohl?

Um medizinischen Rat würde ich ihn / sie aber bitte nicht mehr fragen! Das war töricht, dass er dir das mit dem Betablocker empfohlen hat :o .

Grüße und willkommen im Forum
Jamie
Zuletzt geändert von Jamie am Freitag, 08.06.18, 14:01, insgesamt 3-mal geändert.
...........SIGNATUR...............


Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis.

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Infos über mich:
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Murmeline
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Registriert: Sonntag, 11.01.15, 13:50

Re: Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

Beitrag von Murmeline » Freitag, 08.06.18, 14:00

Hallo,

Du hattest per PN nach Ärzten gefragt, leider haben wir keine Adresse in deiner Nähe.


Das muss natürlich nicht heißen, dass es gar keine in deiner Nähe gibt, die für das Thema offen sind oder mehr Verständnis haben. Vielleicht nimmst du noch einmal etwas Kraft zusammen und machst dich auf die Suche.

Man benötigt übrigens nicht unbedingt einen kompetenten Arzt. Viele hier sind ihr eigener Experte geworden und setzen Schritt für Schritt eigenverantwortlich und erfolgreich ab.

Bei der Arztsuche könntest Du bei die Mezis schauen https://mezis.de/mezis-fuer-patientinne ... rer-naehe/ oder bei den Unterzeichnern von Neurology First. http://www.neurologyfirst.de/liste-der-unterzeichner/ Beide Gruppen sind wachsam bezgl. Einfluss von Pharmafirmen auf Ärzte und Leitlinien und das mag vielleicht insgesamt auch ein Zeichen von Kompetenz sein.

Im forumsbereich Hintergrundinfos findest du fachartikel wenn notwendig. Beispiel: viewtopic.php?f=6&t=10466

Grüße, Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

sl76
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Re: Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

Beitrag von sl76 » Freitag, 08.06.18, 14:32

Vielen Dank Euch allen für die schnelle Hilfe und die vielen Ratschläge!!!
Ich werde es mit der Wasserlösemethode vorsichtig versuchen.
Den Arzt brauche im momentan noch für die Krankschreibung, in dem Zustand kann ich nicht mal allein auf die Straße.

Vielen lieben Dank Euch nochmal!!!
02/2012 erstmalig Citalopram 30mg in einer psychosomatischen Klinik verschrieben bekommen
Diagnose: mittelschwere depressive Episode
08/2016 erstmalig in kleinen Schritten reduziert auf 25mg (laut Ärztin hätte ich damals
innerhalb von 2-3 Wochen komplett ausschleichen sollen)
01/2017 weiter reduziert auf 20mg (während des Reduzierens erhöhte Reizbarkeit und
Aggressivität)
05/2017 reduziert auf 15mg
08/2017 reduziert auf 10mg
11/2017 reduziert auf 5mg
03/2017 erhöht auf 10mg (fühlte mich erschöpft und angreifbar und ängstlich bei der geringen
Dosis)
04/2017 auf Anraten des Therapeut en und des Hausarztes komplett abgesetzt und durch Beta-
Blocker ersetzt (die ich inzwischen auch nicht mehr nehme, da sie mir wirkungslos
erschienen)

carlotta
Beiträge: 3452
Registriert: Dienstag, 17.04.12, 16:10

Re: Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

Beitrag von carlotta » Freitag, 08.06.18, 14:58

Hallo Sebastian,

mein erster Impuls damals hier war es auch, nach einem verständigen Arzt zu fragen. Es gibt leider hierzulande nur sehr wenige, die ein wenig offener für das Thema sind. Einen zu finden, der sich rundum auskennt und Dich wirklich kompetent beraten kann, ist m. E. zum jetzigen Zeitpunkt quasi ein Ding der Unmöglichkeit (Ausnahmen mögen die Regel bestätigen).

Die Forschung hinkt dem Wissen von Erfahrenen in diesem Bereich meilenweit hinterher (wenn denn überhaupt ausreichend Bewusstsein für die Problematik da ist); man ist gut daran beraten, in der Hinsicht sein eigener Experte zu werden und sich unabhängig Wissen anzueignen, zum Beispiel hier.

Es gab schon eine Studie, die gezeigt hat, dass Ärzte beim Absetzen von AD zu den mit am wenigsten hilfreichen Gruppen gehören. Wie soll es auch anders sein, wenn kaum bis gar kein Wissen vorhanden ist?

Natürlich ist es wesentlich angenehmer, einen Behandler vor sich zu haben, der das zumindest nicht alles als "Depression" fehldiagnostiziert. Gerade wenn man ihn öfter aufsuchen muss, etwa wegen Krankschreibungen oder Rezepten. Wenn es aber rein um die Rezepte geht, dann brauchst Du den Entzug bzw. das Ausschleichen dort gar nicht zu thematisieren. Du fertigst Dir die passende Menge selbst an (Infos wurden verlinkt) und machst Dein eigenes Ding. Das hat sich in der Praxis - notgedrungen - bewährt. Es geht schließlich um Deine Gesundheit und Lebensqualität.

Du schreibst von erneuten Erschöpfungszuständen unter Citalopram: Dazu sollte man wissen, dass SSRI nach längerer Einnahme nicht nur ihre (wie auch immer geartete) Wirkung verlieren können (Toleranzentwicklung), sondern zudem auch selbst Depressionen und Erschöpfungszustände auslösen können!

Dein Zustand vor einigen Wochen muss nicht rein davon kommen, ich weiß ja nicht, was sonst noch in Deinem Leben passiert ist. Es ist nur gut, diese Möglichkeit im Hinterkopf zu haben, um keine voreiligen Schlüsse bezüglich eines "Rückfalls" etc. zu ziehen. Solange solche potenten pharmazeutischen Substanzen im Spiel sind, lässt sich bezüglich der ureigenen Problematik m. E. nur sehr schwer eine Einordnung treffen; das kann man eigentlich erst machen, wenn man lange Zeit clean ist und einen etwaigen Entzug überwunden hat.

Bist Du damals in einem Schritt auf 10 mg gegangen? Wann war das? Auch das kann natürlich schon einiges im Körper ausgelöst haben.

Bitte leg doch eine Signatur mit den relevanten Daten an, für einen besseren Überblick (mehr dazu in den Basisinfos).

Ich denke, eine ganz vorsichtige Wiedereindosierung wäre eine Chance, noch einiges abzufangen. Aber wirklich nur ganz wenig (wurde Dir schon geschrieben) und dann nicht sofort aufdosieren, sondern dem Nervensystem Zeit geben, sich wieder auf den Stoff einzulassen. Es kann nämlich etwas dauern, bis es greift. Und Schnellschüsse können nach hinten losgehen, also immer ganz behutsam vorgehen.

Liebe Grüße
Carlotta
"For the illicit drugs, we call this process addiction. For the prescribed medications, we call this process therapeutic." (Robert Whitaker)


"We need to stop harming each other in the false name of medicine." (Monica Cassani)

sl76
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Re: Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

Beitrag von sl76 » Freitag, 08.06.18, 16:17

Hallo Carlotta,

vielen Dank für die umfassende Aufklärung. Meine Signatur hatte ich doch erstellt, bin ich d er Meinung. Habe ca. 1,5 Jahre gebraucht zum Reduzieren von 30mg auf 5mg.
Selbst beim langsamen Reduzieren waren deutliche Wesensänderungen zuspüren, Aggessivität und aufbrausendes Verhalten haben mir damals das Leben schwer gemacht. Das war auch unangenehm für meine Mitmenschen und für mich, weil ich so einfach nicht bin.


Liebe Grüße

Sebastian
02/2012 erstmalig Citalopram 30mg in einer psychosomatischen Klinik verschrieben bekommen
Diagnose: mittelschwere depressive Episode
08/2016 erstmalig in kleinen Schritten reduziert auf 25mg (laut Ärztin hätte ich damals
innerhalb von 2-3 Wochen komplett ausschleichen sollen)
01/2017 weiter reduziert auf 20mg (während des Reduzierens erhöhte Reizbarkeit und
Aggressivität)
05/2017 reduziert auf 15mg
08/2017 reduziert auf 10mg
11/2017 reduziert auf 5mg
03/2017 erhöht auf 10mg (fühlte mich erschöpft und angreifbar und ängstlich bei der geringen
Dosis)
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Blocker ersetzt (die ich inzwischen auch nicht mehr nehme, da sie mir wirkungslos
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Re: Citalopram nach 6 Jahren abgesetzt

Beitrag von carlotta » Freitag, 08.06.18, 17:02

Hallo Sebastian,

sorry, hatte die Signatur übersehen. Danke Dir. :)

Ja, die Mittel haben es in sich. Leider erfährt man vieles erst, wenn man schon mittendrin steckt in dem Mist. :evil: Nach dem Patientenrechtegesetz sollte das eigentlich anders sein. Aber wie soll eben jemand aufklären, der selbst so gut wie keine Ahnung hat (aber verschreiben darf!).

Deine Schritte waren in der Vergangenheit auch recht üppig (auch wenn Du längere Pausen dazwischen hattest), daher die Symptome. Aber das sagt einem natürlich keiner derjenigen, deren Aufgabe es wäre.

Drücke die Daumen, dass Du Dich bald stabilisieren kannst.

Liebe Grüße
Carlotta
"For the illicit drugs, we call this process addiction. For the prescribed medications, we call this process therapeutic." (Robert Whitaker)


"We need to stop harming each other in the false name of medicine." (Monica Cassani)

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