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Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

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Tulpi
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Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von Tulpi » Freitag, 08.06.18, 17:01

Hallo liebes ADFD Forum,

Ich lese schon seit einigen Wochen immer wieder im Forum und habe länger überlegt, mich anzumelden.
An sich bin ich so gar kein Forum Mensch, aber hier scheint es mir eine sehr angenehme Runde zu sein, so das ich mich nun angemeldet habe :)
Die Signatur ist erstellt, so das ihr da die wichtigsten Eckdaten nachsehen könnt.
Die empfohlenen Artikel habe ich, so mein Eindruck, alle gelesen.
Aber natürlich bleiben dennoch Fragen, mit denen ich gleich starten werde.

Kurz noch zu mir, ich bin weiblich, werde 36, bin glücklich verheiratet.
Wir Leben nach vielen Jahren Großstadt, wieder auf dem Land, was meiner Gesundheit sehr gut bekommt. Ich habe das große Glück nicht arbeiten zu müssen, was ich auch nur erschwert hinbekommen würde.
Ich bin sehr tierlieb und so haben wir neben Katzen und Hasen auch zwei Pferde, die mir bei meiner Genesung sehr gut tun.
An sich ist mein Leben von den äußeren Umständen her, so stabil und so schön, wie es noch nie war und ich es mir nie hätte zu träumen getraut.

An sich.
Wären da nicht diese Medikamente, die ich einfach unbedingt loswerden möchte.

Im Moment ist der Entzug so stark und lang anhaltend wie noch nie.
Es fehlt an Tagesstruktur, ich bin sehr erschöpft, bekomme kaum etwas hin. Fühle mich grippig, weine oft aus dem Nichts heraus und dann auch sehr lang. Ich geißele mich mit verschiedensten Gedanken und habe große Probleme damit nicht all das zu tun und tun zu können, was mir sonst leichter von der Hand ging und mir Freude bereitet. Andere Symptome stehen noch in der Signatur. Besonders schlimm sind für mich suizidale Gedanken, weil dies (zum Glück) völlig neu ist. Dies kommt einfach aus dem Nichts.
Wenn ich die Spülmaschine ausräumen ist das schon wie ein Marathon für mich.
Mein Mann unterstützt mich ganz toll und wir sind ein gutes Team.
Derzeit nehme ich 5mg als Tropfen. Diese Tropfen wurden nun aber in der Produktion eingestellt und meine Fläschchen sind nur bis 7/18 haltbar. Sie darüber hinaus zu nehmen traue ich mich einfach nicht, das ist ja nicht einfach eine Scheibe Käse oder ein Joghurt der ein paar Tage drüber ist.
Deshalb möchte ich mich mit der Wasserlösemethode anfreunden, habe aber Angst, das diese zu ungenau sein könnte.
Wie verhält es sich mit dem Wechsel auf Cipralex? Den Tip bekam ich von einem Apotheker.

Desweiteren plagt mich der Gedanke, das das Leben erst dann wieder weiter geht, NACH den Medikamenten.
Zb. habe ich keinen Führerschein (in der Stadt nie gebraucht und als Studentin auch einfach nicht drin :wink: ) . Hier auf dem Land angefangen, dann wurde der Schwindel und die Konzentration so schlecht, dass es nicht vertretbar gewesen wäre zu fahren.
Im Moment kann ich auch nicht Rad fahren, weil der Lagerungsschwindel einfach zu heftig ist. Manchmal muss ich mich am Tisch „festhalten“, weil ich denke die Welt „kippt“ um.
Mal ganz abgesehen davon das die körperliche Kraft fehlt um Rad zu fahren.
Zum dem ganzen Kram kommt eine ausgeprägte Hochsensibilität, mit der ich im Moment gar nicht gut klar komme.
Ich begegne Menschen und so verrückt es auch klingen mag, auch Tieren und nehme sofort all die Stimmungen auf, gute wie natürlich auch schlechte. In Bezug auf meine Pferde ist es sogar von Vorteil, weil es mir ermöglicht sehr fein mit Ihnen umgehen zu können. Eigentlich, wenn es mir besser geht, arbeite ich mit einigen wenigen Schülern und ihren Pferden um Ihnen zu helfen einander zu „verstehen“. Aber auch das habe ich vor kurzem auf Eis gelegt, weil es mir unglaublich viel Energie raubt. Es wollten immer mehr Menschen meine Hilfe, was an sich mein Traumberuf wäre, aber derzeit einfach nicht möglich.
Da schließt sich meine nächste Frage an: wie geht ihr mit Entscheidungen um? Also mit so richtig weitreichenden Entscheidungen? Im Moment schiebe ich alles auf die besseren Zeiten.
Nun ist es aber so, das ich nicht mehr gern im Stall bin, weil ich die vielen Menschen ( ca.40) nicht ertrage. Ich gehe offen mit dem ganzen Thema um und bekommen viel Zuspruch und Verständnis. Dennoch bin ich nie allein dort und nehme all die Stimmungen auf und kann die Zeit mit meinen Pferden nicht genießen. Deshalb überlegen wir, die Pferde in die Nachbarschaft zu holen, um sie selber versorgen zu können.
Dies war eh immer mein Traum, aber ist solch eine Entscheidung im Entzug überhaupt vernünftig zu treffen?
Wie geht ihr damit um?
Ich habe einfach das Gefühl immer auf etwas zu warten und das es erst später weitergeht.
In diesem Konkreten Fall fehlen mir einfach meine Pferde, die mir unglaublich gut tun wenn wir einfach spazieren gehen oder Zeit miteinander verbringen.
Ähnliche verhält es sich mit dem Abnehmen. Ich habe schon immer Übergewicht, aber seit Citalopram hat Übergewicht eine neue Dimension erreicht.
Dies ist natürlich nicht gut und schränkt mich ein. Aber nun? Abnehmen trotz Enzug? Nicht mit einer Diät, sondern einer Umstellung. Mit den beiden großen W´s habe ich zuletzt 7Kilo abgenommen. Gerade passiert nichts, Weile ich zu schwach bin. Aber dadurch entsteht wieder ein Punkt mehr mit dem ich mich geißele.
Ich hoffe das gehört hier alles so her, wie ich es jetzt geschrieben habe. Wie gesagt, ich bin Forum Unerfahren :)

Meine Konkreten Fragen sind:
Wasserlösemethode - ungenau oder ist die Sorge über Ungenauigkeit hinfällig?
Wechsel auf Cipralex - Sinnvoll?
Entscheidungen fällen - wie geht ihr damit um?
Übergewicht - tolerieren oder angehen?
Menschen und Stimmungen - kann Rückzug die Antwort sein?

Ich danke euch für eure Zeit meinen langen Text gelesen zu haben!
Seid lieb gegrüßt,
Tulpi
Zuletzt geändert von LinLina am Freitag, 08.06.18, 17:13, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Nutzername im Titel korrigiert
Medikament Citalopram
Diagnose Dysthemie zusätzlich Hochsensibel
2001-2007 Gesprächstherapie
Dez 1012 Tod meiner Mutter nach Krankheit
2013 erneut Gesprächstherapie, nach einigen Stunden Wechsel zu Verhaltenstherapie
Jan 2014 auf Anraten Theapeutin, Gang zum Neurologen. Beginn Einnahme Citalopram 30mg.
April 2014 Ende Therapie wegen Umzug. Großer Einschnitt, Umzug Großstadt - Land. Vorsorglich Monate vor Umzug um Therapie gekümmert, ohne Erfolg.
Sommer 2014 starke Verschlechterung. Kein Therapeut zu finden. Schlafstörungen, Depressiv.
Herbst 2014 Hausärztin verschreibt Mitrazapin. Ich nehme es (zum Glück) nicht ein. Erste Skepsis Medikamenten gegenüber.
2015/2016 recht stabil, kleinere Einbrüche, Schlaf wird besser, starkes PMS, schaffe es 20kg abzunehmen, die später wieder zugenommen werden.
2016 Neurologen gefunden, Anraten 40mg zu nehmen, weil Antriebslos. Er ermuntert mich zwischen 40mg und 30mg zu wechseln, je nach Bedarf. Bietet mir Unmengen an anderen Medikamenten Möglichkeiten an, ich lehne ab.
2017 Reduktion in 10mg Schritten. Jeweils mehrere Wochen dazwischen, immer mit Schwindel, Kopfweh, hohem Schlafbedürfnis, Weinerlichkeit.
06/17 Von 10mg auf 0mg. Nach zehn Tagen nicht aushaltbar, Brain Zaps, Depressiv, Schwindel. Das erste mal im Leben suizidale Gedanken, nehme noch am selben Abend wieder 10mg. Besserung am nächsten Tag.
08/17 Termin Neurologe. Nimmt Entzug ernst. Verschreibt Citalopram als Tropfen, empfiehlt alle drei Wochen 1mg abzusetzen. Erscheint mir zu schnell, mache nur alle paar Wochen bis Monaten 1mg weniger. Wieder Entzug, aber ohne Brain Zaps und suizidalen Gedanken.
Ca. 03/18 von 7mg auf 6mg. Alles gut, daher nach wenigen Tagen auf 5mg. Ein Fehler, ich war zu motiviert und ungeduldig.
04-05/18 vergesse öfter mal die Einnahme, werde schluderig, weil es mir ganz gut geht.
05/18 Entzugserscheinungen werden sehr stark. Lagerschwindel, Weinerlich, Kopfweh, Grippegefühl, Erschöpft, Katergefühl, starkes PMS, alles erscheint sehr hell, Fenster werden immer seltener, werde Gleichgültik, diffuse Angst, kann mich kaum Konzentrieren, ertrage Menschen außer enge Freunde nicht, zweimal suizidale Gedanken, aber nie konkret.
Anfang 07/18 Termin Neurologe

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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von Gwen » Freitag, 08.06.18, 21:49

Hallo Tulpi,

ich bin leider gerade schon zu müde zum Antworten. Ich wollte Dir aber trotzdem gerne noch ein herzliches Willkommen hier lassen!

Super, dass Du Dich schon eingel und die Signatur erstellt hast. Manchmal es hier ein bisschen mit den Antworten, da alle die hier schreiben auch selbst betroffen sind.

Viele Grüße und einen guten Austausch!
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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von Jamie » Samstag, 09.06.18, 14:14

Hallo Tulpi, :)

es gab sehr sehr viele Anmeldungen innerhalb kürzester Zeit und man kommt nicht mehr hinterher, ich versuche mich an einer Antwort, die sich an deinen konkreten Fragen anschließt.
Meine Konkreten Fragen sind:
Wasserlösemethode - ungenau oder ist die Sorge über Ungenauigkeit hinfällig?
Wechsel auf Cipralex - Sinnvoll?
Entscheidungen fällen - wie geht ihr damit um?
Übergewicht - tolerieren oder angehen?
Menschen und Stimmungen - kann Rückzug die Antwort sein?
Die Wasserlösemethode bei Citalopram ist sicher, genau und druchführbar.
Citalopram lässt sich sehr gut auflösen - wir haben gute Erfahrungen damit.
Wenn du dich mit Auflösen nicht anfreunden kannst, geht es auch, dass du dir eine Feinwaage zulegst und die Dosis zurechtbröselst.

Vom Wechsel auf Escitalopram kann nur abgeraten werden. Es ist dem Citalopram ähnlich, aber nicht identisch. Es hat auch eine andere Potenz (10mg Cit = 5mg Escit).
Ich würde niemandem empfehlen diesen Wechsel zu machen, wenn nicht gravierende Gründe vorliegen. Denn es kann sein, dass das ZNS den neuen Stoff nicht gut verträgt, auch wenn es dem Citalopram sehr ähnlich ist - und warum schon am Anfang ein risikoreiches Manöver durchziehen?
Erst mal schauen, ob es nicht mit dem Citalopram geht - und da spricht erst einmal nichts dagegen.

Wichtige Entscheidungen sollte man, wenn man absetzt, nicht treffen, aber das ist nur ganz pauschal gesagt, denn wenn jemand sehr gute Gründe hat etwas zu ändern, dann muss hingeschaut werden und bei dir sieht man tiefgehende Erwägungen; ferner dienen diese ja auch der Erleichterung deines Alltags, da du hochsensibel bist.
Ich finde die Idee mit den Pferden gut - wenn es logistisch und finanziell machbar ist und auch die Tiere nicht unglücklich sind, dann hol sie doch zu dir.

Etwas Anderes ist es, wenn Leute von heut auf morgen ihren Job hinschmeißen wollen oder jetzt wie ein neues Mitglied hier hadert eine bereits lang währende Ausbildung abzubrechen (aus Angst sie doch nicht zu schaffen) oder sich zu trennen, weil die Beziehung gerade ein Tief hat...
Das sind wirklich Entscheidungen, die man am Ende vielleicht bereut.
Im Entzug sind viele Emotionen zugange und ich übertreibe nicht, dass es manche so mitnimmt, dass man sie phasenweise getrost als unzurechnungsfähig bezeichnen darf.
Wenn dein Mann dir eine Stütze ist, dann erörtere wichtige Entscheidungen mit ihm und bitte um Feedback.

Ich bin übrigens auch hochsensibel und kenne die Qual, die es auslöst, mit vielen Menschen, Eindrücken, vibrations und Schwingungen an einem Ort konfrontiert zu sein - ich kann deine Überlegungen daher mehr als nachvollziehen.

Wir haben auch einen Thread zu HSP:
viewtopic.php?f=15&t=10698&start=20&hil ... lit%C3%A4t

Zum letzten - Gewicht ist eine mehr als leidige Sache im Entzug. Moderate Ernährungsumstellung kann helfen, ist aber kein Garant für Effekte. Leider gilt dies auch für Diäten. Zum einen wirken sie trotz größter Anstrengung bei vielen gar nicht (was noch mehr Frust erzeugt), zum anderen kann so eine neue Lebensweise (wie zB bei einer Diät) den Körper noch mehr belasten und damit den Entzug noch anstrengender machen.
Psychopharmaka greifen in den Grundumsatz und Stoffwechsel ein - manche können sich noch so abmühen (Sport, Diät) und nehmen kein Gramm ab, andere werden ungewollt immer dünner..
Wieder andere haben Glück und mit fallender Dosis purzeln die ersten Pfunde.
Aber mein Eindruck ist, dass es bei den meisten erst dann so richtig mit einer Gewichtsreduktion klappt, wenn sie niedrig sind oder auf Null.

Viele Grüße, hoffe das Wichtigste hat sich geklärt
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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von padma » Samstag, 09.06.18, 18:41

hallo Tulpi, :)

auch von mir willkommen.

Du schilderst ja ziemlich heftige Entzugssymptome. Das liegt sicher noch mit an dem viel zu schnellen Entzug 2017 , aber auch an den kürzlichen Absetzfehlern. Durch das gelegentliche Vergessen hast du dein ZNS weiter gereizt.

Bist du aktuell auf den 5 mg? Ich würde schauen, ob du durch eine jetzt wirklich regelmässige Einnahme wieder mehr Stabilität bekommst. Wenn nicht, wäre über eine leichte Höherdosierung nachzudenken.

Die weiteren Reduktionen sollten auf jeden Fall kleiner sein, höchstens 0,5 mg.
Desweiteren plagt mich der Gedanke, das das Leben erst dann wieder weiter geht, NACH den Medikamenten.
Das sollte möglichst nicht so sein. Im optimalen Fall läuft der Entzug nebenher, das ist jedoch nicht immer möglich. Dann ist das Ziel so langsam auszuschleichen, dass man möglichst alltagskompatibel bleibt.

Das Gewicht würde ich jetzt erstmal hinten anstellen. Eine sanfte Ernährungsumstellung kann sinnvoll sein, aber erzwinge da nichts.
Zumeist gehen die Kilos, die man wegen des AD zugenommen hat nach dem Absetzen mehr oder weniger von alleine wieder runter.
Menschen und Stimmungen - kann Rückzug die Antwort sein?
Jein. Für viele ist es so, dass sie mehr Ruhe brauchen und sie daher Aktivitäten und Kontakte reduzieren. Es ist immer eine Gradwanderung, zwischen Überforderung (was die Symptome verstärkt) und komplettem Rückzug. Das kann nur jeder für sich selbst herausfinden, was der beste Mittelweg ist.

liebe Grüsse,
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Absetzverlauf:
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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von Tulpi » Montag, 11.06.18, 0:58

Hallo ihr Lieben,

Vielen Dank für eure Willkomens Grüße!
Ich habe ein sehr durchwachsenes Wochenende hinter mich gebracht. In den wenigen Tagen seit meiner Anmeldung habe ich aber schon gemerkt, wie gut mir der Austausch und der Kontakt hier tut.
Man ist nicht mehr allein, als Betroffener und das ist ein gutes Gefühl.

Ich werde mich mit der Wasserlösemethode anfreunden. Das ein Wechsel zu einem ähnlichem Medikament riskant sein kann, hatte ich schon befürchtet. Ich habe an anderer Stelle gelesen, dass auch die Tropfen zu Schwierigkeiten führen können, wenn man zuvor die Tabletten einnahm. Wie sind eure Erfahrungen? Könnte ich etwas zu befürchten haben, wenn ich wieder auf die Tabletten Wechsel?

Derzeit bin ich bei 5mg die ich nun auch immer zu einer sehr ähnlichen Zeit nehme.
Über ein hochdosieren habe ich tatsächlich auch schon nachgedacht, weil sich keine merkliche Besserung einstellen mag und die Entzugserscheinungen kaum aushaltbar sind.
Wieviel mg mehr wäre nach euren Erfahrungen her ratsam?

Ich glaube, das abgesehen von den körperlichen Entzugserscheinungen, die Annahme meines Zustandes und die Geduld die ich aufbringen muss, eine meiner schwersten Aufgaben ist.
Vor einigen Wochen konnte ich noch mehrere Kilometer Rad fahren, zwei Pferde trainieren (mein Mann und ich haben Tagesspaziergänge von 6Stunden geplant) Unterricht geben, Haushalt schmeißen usw, usf.
Jetzt bin ich froh die Spülmaschine auszuräumen, mir ein Brot zu schmieren und mit meinen Pferden 15min um den Pudding zu spazieren.
Ich habe aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Kraft wieder kommen wird.

Schlimm für mich ist es, mich stellenweise Stundenlang nicht beschäftigen zu können.
Dann geht TV nicht, lesen nicht, schreiben nicht, spielen nicht. In den Momenten fühle ich mich sehr gefangen in mir.
Wie geht ihr damit um?
Besonders schlimm ist es, wenn ich allein bin.
Jetzt gerade wäre es schlimmer geworden, hätte ich mich nicht aufgerafft, ein paar Zeilen hier zu schreiben.

Mein Tagesablauf ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Bis drei, halb vier nachts lesen, bis ca. Zwölf Uhr mittags schlafen. Gegen halb eins nehme ich dann meine Tropfen.
Könnte die späte Einnahme am Tag hinderlich für einen früheren Schlaf sein?

Mit Hochsensibilität habe ich mich nie so ganz und wirklich auseinandergesetzt. Ich las ein wenig, nachdem die damalige Therapeutin dies ansprach und ich dachte, ja, stimmt. Und Sachen, wie, ok, deshalb hab ich mich als Kind immer anders gefühlt. Mit dem Umgang habe ich mich nie beschäftigt, wobei das Thema der Abgrenzung schon immer Teil meiner Therapien war. Dies möchte ich nun nachholen. Vielleicht finde ich neue Strategien für mein Leben.

Mit den Pferden ist es wirklich schwierig für mich. Ich muss mir immer wieder sagen, sie sind gut versorgt, haben Pferdefreunde, stehen viel draußen oder auf ihrem Paddock und es geht Ihnen nicht schlecht. Gestern habe ich es in einer Nachricht an eine Freundin so formuliert: an manchen Tagen werde ich Ihnen nichts geben können und an anderen etwas mehr. Mit geben ist gemeinsame Zeit gemeint.
Aber da bleiben die Menschen. Inzwischen ist es egal, ob es meine engeren Menschen im Stall sind, oder die, die ich eh unmöglich finde, alles belastet mich. Ich habe einfach ein großes Bedürfnis für mich zu sein und dies ist dort nicht möglich.
Freitag musste ich plötzlich sehr weinen, nicht einmal dann wurde ich in der letzten Ecke, die ich finden konnte, in Frieden gelassen, nein, da musste auch noch eine andere Fragen, liegt es an mir, das du weinst? Obwohl sie über meine Situation Bescheid wusste.
Meine Lunte ist kurz, sehr kurz. Und ich habe Sorge eines Tages zu platzen, wenn noch einer mit seinem nichtigen Mist, wie Gemeinschaftsgeschenke o.ä. ankommt.
Der Brüller allerdings war, ja, das kenn ich, wir sind ja alle mal schlecht drauf. Ich würde fast sagen, ein Klassiker :wink:

Eine reine Formsachen Frage habe ich noch. Dieses hier ist nun mein Thread, richtig? Das heißt wenn ich Fragen habe, schreibe ich sie immer hier hinein?

Ich wünsche Allen einen guten Start in die Woche.
Mögen ein paar gute Stunden auf uns warten, und seien es nur Minuten oder Momente die mit einem Gefühl der Leichtigkeit daherkommen. :group:
Tulpi :)
Medikament Citalopram
Diagnose Dysthemie zusätzlich Hochsensibel
2001-2007 Gesprächstherapie
Dez 1012 Tod meiner Mutter nach Krankheit
2013 erneut Gesprächstherapie, nach einigen Stunden Wechsel zu Verhaltenstherapie
Jan 2014 auf Anraten Theapeutin, Gang zum Neurologen. Beginn Einnahme Citalopram 30mg.
April 2014 Ende Therapie wegen Umzug. Großer Einschnitt, Umzug Großstadt - Land. Vorsorglich Monate vor Umzug um Therapie gekümmert, ohne Erfolg.
Sommer 2014 starke Verschlechterung. Kein Therapeut zu finden. Schlafstörungen, Depressiv.
Herbst 2014 Hausärztin verschreibt Mitrazapin. Ich nehme es (zum Glück) nicht ein. Erste Skepsis Medikamenten gegenüber.
2015/2016 recht stabil, kleinere Einbrüche, Schlaf wird besser, starkes PMS, schaffe es 20kg abzunehmen, die später wieder zugenommen werden.
2016 Neurologen gefunden, Anraten 40mg zu nehmen, weil Antriebslos. Er ermuntert mich zwischen 40mg und 30mg zu wechseln, je nach Bedarf. Bietet mir Unmengen an anderen Medikamenten Möglichkeiten an, ich lehne ab.
2017 Reduktion in 10mg Schritten. Jeweils mehrere Wochen dazwischen, immer mit Schwindel, Kopfweh, hohem Schlafbedürfnis, Weinerlichkeit.
06/17 Von 10mg auf 0mg. Nach zehn Tagen nicht aushaltbar, Brain Zaps, Depressiv, Schwindel. Das erste mal im Leben suizidale Gedanken, nehme noch am selben Abend wieder 10mg. Besserung am nächsten Tag.
08/17 Termin Neurologe. Nimmt Entzug ernst. Verschreibt Citalopram als Tropfen, empfiehlt alle drei Wochen 1mg abzusetzen. Erscheint mir zu schnell, mache nur alle paar Wochen bis Monaten 1mg weniger. Wieder Entzug, aber ohne Brain Zaps und suizidalen Gedanken.
Ca. 03/18 von 7mg auf 6mg. Alles gut, daher nach wenigen Tagen auf 5mg. Ein Fehler, ich war zu motiviert und ungeduldig.
04-05/18 vergesse öfter mal die Einnahme, werde schluderig, weil es mir ganz gut geht.
05/18 Entzugserscheinungen werden sehr stark. Lagerschwindel, Weinerlich, Kopfweh, Grippegefühl, Erschöpft, Katergefühl, starkes PMS, alles erscheint sehr hell, Fenster werden immer seltener, werde Gleichgültik, diffuse Angst, kann mich kaum Konzentrieren, ertrage Menschen außer enge Freunde nicht, zweimal suizidale Gedanken, aber nie konkret.
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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von padma » Montag, 11.06.18, 18:20

hallo Tulpi, :)
. Ich habe an anderer Stelle gelesen, dass auch die Tropfen zu Schwierigkeiten führen können, wenn man zuvor die Tabletten einnahm. Wie sind eure Erfahrungen? Könnte ich etwas zu befürchten haben, wenn ich wieder auf die Tabletten Wechsel?
Wenn du früher bereits Tabletten genommen und sie vertragen hast, wird es vermutlich keine Schwierigkeiten geben.
Hast du die Citalopram Tropfen von Hormosan? Und die werden komplett vom Markt genommen?
Über ein hochdosieren habe ich tatsächlich auch schon nachgedacht, weil sich keine merkliche Besserung einstellen mag und die Entzugserscheinungen kaum aushaltbar sind.
Wieviel mg mehr wäre nach euren Erfahrungen her ratsam?
Ich würde nicht mehr als 0,5 mg höher gehen.
Ich habe aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Kraft wieder kommen wird.
Ja, die Kraft wird wieder kommen. Dein Körper braucht gerade sehr viel Kraft um mit dem Entzug zurecht zu kommen.
Schlimm für mich ist es, mich stellenweise Stundenlang nicht beschäftigen zu können.
Dann geht TV nicht, lesen nicht, schreiben nicht, spielen nicht. In den Momenten fühle ich mich sehr gefangen in mir.
Wie geht ihr damit um?
Besonders schlimm ist es, wenn ich allein bin.
Jetzt gerade wäre es schlimmer geworden, hätte ich mich nicht aufgerafft, ein paar Zeilen hier zu schreiben.
Da hast du ja bereits herausgefunden, dass es dir hilft dich mitzuteilen. Das passt ja auch dazu, dass du schreibst, dass du dich in dieser Verfassung in dir gefangen fühlst.
Aktzeptanz ist ein weiterer wichtiger Punkt.
Mein Tagesablauf ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Bis drei, halb vier nachts lesen, bis ca. Zwölf Uhr mittags schlafen. Gegen halb eins nehme ich dann meine Tropfen.
Könnte die späte Einnahme am Tag hinderlich für einen früheren Schlaf sein?
Ja, das ist sicher nicht förderlich. Vielleicht kannst du schrittweise versuchen den Tagesablauf wieder etwas zu normalisieren. Das Wichtigste ist allerdings, dass du zu deinem Schlaf kommst, wann ist erstmal zweitrangig.
Aber da bleiben die Menschen. Inzwischen ist es egal, ob es meine engeren Menschen im Stall sind, oder die, die ich eh unmöglich finde, alles belastet mich. Ich habe einfach ein großes Bedürfnis für mich zu sein und dies ist dort nicht möglich.
Ich denke, dann ist es wichtig, dass du Raum für dieses Bedürfnis schaffst.
Eine reine Formsachen Frage habe ich noch. Dieses hier ist nun mein Thread, richtig? Das heißt wenn ich Fragen habe, schreibe ich sie immer hier hinein?
Ja, genau. Alles was dich und deinen Absetzverlauf betrifft schreibst du hier. Zu speziellen Sachthemen, wie z.B. Schlaf, kannst du auch in diesen Austauschthreads schreiben.

Und natürlich kannst du auch mit anderen Betroffenen in deren threads in Austausch gehen.
Mögen ein paar gute Stunden auf uns warten, und seien es nur Minuten oder Momente die mit einem Gefühl der Leichtigkeit daherkommen. :group:
Das ist ein schöner Wunsch :D , das wünsche ich dir auch.

liebe Grüsse,
padma
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Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen
1.07.2018: 0,2 mg :schnecke:


Neu: Infos rund um Antidepressiva, Absetzen, Umgang mit Entzug
: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=15490


Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von Tulpi » Donnerstag, 14.06.18, 1:06

Hallo ihr Lieben,

Vielen lieben Dank, für die vergangenen Nachrichten!
Ich weiß diese Hilfestelltung sehr zu schätzen und bin unheimlich froh, mich nach Wochen der Überlegung angemeldet zu haben. :hug:

Ich habe nun angefangen die Tropfen direkt nach dem Aufstehen zu nehmen, dadurch wird es schon mal eine halbe Stunde bis Stunde eher, als zuvor. Sie stehen am Bett und sobald ich die Augen aufschlage, nehme ich die Tropfen.

Ja, dieses Medikament wird nicht mehr hergestellt. Sie sind von Hormosan. Ich habe etliche Apotheken durch, kenne auch zwei Apothekerinnen um ein paar Ecken, auch diese konnten mir keine weiteren, länger haltbaren Flaschen besorgen.
Aber da ich ja nun die Wasserlösemethode kennenlernen durfte, ist es ja nicht schlimm :)
Der werde ich mich am Wochenende widmen. Gestern habe ich schon einmal getestet, die Tabletten lösen sich nach kurzer Zeit hervorragend auf.
Jetzt muss mein Mann nur noch alles ausrechnen, meinen Rechenkünsten traue ich eh nicht und im Moment ganz bestimmt nicht :wink:

Die letzten Tagen waren wieder von sehr schlecht bis schlecht.
Ich gebe mir noch ein paar Tage und würde dann um 0,25mg hoch dosieren.
Mein Mann hat aber ab nächster Woche drei Wochen Urlaub, dann wird es wahrscheinlich aushaltbarer, weil mehr Ablenkung herrscht.

Ich habe mir ein neues Ritual angeeignet, von dem ich euch erzählen möchte.
Den Tag über schreibe ich mein Befinden, körperlich wie seelisch, meine Aktivitäten oder auch Schlafphasen auf.
Der Tag bekommt eine Gesamtnote und ich notiere wie häufig ich geweint habe.
Irgendwie hilft es mir, mich nicht so verloren zu fühlen. Außerdem resümiere ich so konkret über meinen Tag, mit den blöden Momenten aber auch den Schönen.
Vielleicht sind so auch Zusammenhänge zu erkennen, oder Tendenzen.
Häufig denkt man ja, alles blöd, oder, die ganze Woche war Mist. Vielleicht ist ja aber auch ein Tag dabei, dem man eine gute Note geben konnte.
Nach einer Woche kann man das ganze dann in ein Diagramm setzen. So wird ein Verlauf noch sichtbarer.
Ich bin einfach ein Listenfreak und brauche die Dinge visuell :roll:

Gestern haben wir zb einen ganz tollen Spaziergang mit unseren Pferden unternommen. Sogar eine Feldkreuzung weiter, als geplant, weil wir alle so gut drauf waren.
Und morgen wollen wir endlich mal wieder in den Wald. Es ist so angenehm kühles Wetter und die Stimmung im Wald ist einfach heilsam für mich. Wenn man dann im Gleichschritt mit seinem Pferd läuft, kann der Kopf ein wenig zur Ruhe kommen und der Körper tankt auf.

Mein Bedürfnis nach Ruhe bei den Pferden ist nach wie vor sehr ausgeprägt. Auch wenn die meisten in unserem Stalltrakt sehr Verständnisvoll und Hilfsbereit mit der Situation umgehen.
In den letzten Tagen habe ich nur wenige Leute getroffen und heute habe ich zu meinem Mann gesagt, wie angenehm das für mich ist. Es fällt ihm auch deutlich auf, wieviel besser dies für mich ist.
Deshalb planen wir nun tatsächlich die Pferde zu uns zu holen :party2:
Dies wird ein längerer Weg, weil viele Infos eingeholt werden müssen, Entscheidungen getroffen, Finanzen gecheckt.
Aber vielleicht wird es ja schon etwas im kommenden Jahr. Es hilft mir zumindest derzeit sehr, mich damit zu beschäftigen.
Und das mein Mann, nach anfänglicher Skepsis, die ich auch gut verstehen kann, nun immer angetaner von der Idee ist, freut mich enorm.

Merkt ihr euren Tieren auch eine Veränderung an, wenn es auch schlechter geht?
Seit einer Woche ist meine älteste Katze (18) unglaublich nah mit mir. Eigentlich ist immer eine von den dreien bei mir <3
Ich glaube sie genießen es sehr, das ich so viel mit Decke auf dem Sofa liege :wink:
Und meine Stute war gestern auch wie ausgewechselt. Trotz Rossigkeit (man könnte es das PMS des Pferdes nennen :lol: )
war sie ganz sanft und umsichtig mit mir, trottete in meinem Tempo neben mir, obwohl sie es eigentlich immer gern etwas flotter mag und als kleineres Kaltblut eh schon einen ordentlichen Schritt drauf hat :)
Mein Wallach war die erste Zeit richtig enttäuscht und grummelig, weil wir eigentlich sehr viel Zeit miteinander verbringen und miteinander spielen. Apportieren, Freiheitsdressur u.ä. was ihm viel Spaß macht.
Seit ein paar Tagen wirkt er wieder normal fröhlich, als ob er sich mit der Situation arrangiert hat.
Es werden ja auch wieder andere Zeiten anbrechen. Da glaube ich ganz fest dran!

In meinem Badezimmer hängt nun eine Postkarte auf der steht: Halte durch.
Darunter eine kleine :schnecke:
Die habe ich am Wochenende beim bummeln entdeckt und die musste mit.

Ich wünsche euch allen ein, Halte durch, im Hinterkopf.
Denn es wird mich Sicherheit auch wieder besser werden.
Ganz sicher! :group:

Eure Tulpi
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Nali 79SeventhWavepadma
Medikament Citalopram
Diagnose Dysthemie zusätzlich Hochsensibel
2001-2007 Gesprächstherapie
Dez 1012 Tod meiner Mutter nach Krankheit
2013 erneut Gesprächstherapie, nach einigen Stunden Wechsel zu Verhaltenstherapie
Jan 2014 auf Anraten Theapeutin, Gang zum Neurologen. Beginn Einnahme Citalopram 30mg.
April 2014 Ende Therapie wegen Umzug. Großer Einschnitt, Umzug Großstadt - Land. Vorsorglich Monate vor Umzug um Therapie gekümmert, ohne Erfolg.
Sommer 2014 starke Verschlechterung. Kein Therapeut zu finden. Schlafstörungen, Depressiv.
Herbst 2014 Hausärztin verschreibt Mitrazapin. Ich nehme es (zum Glück) nicht ein. Erste Skepsis Medikamenten gegenüber.
2015/2016 recht stabil, kleinere Einbrüche, Schlaf wird besser, starkes PMS, schaffe es 20kg abzunehmen, die später wieder zugenommen werden.
2016 Neurologen gefunden, Anraten 40mg zu nehmen, weil Antriebslos. Er ermuntert mich zwischen 40mg und 30mg zu wechseln, je nach Bedarf. Bietet mir Unmengen an anderen Medikamenten Möglichkeiten an, ich lehne ab.
2017 Reduktion in 10mg Schritten. Jeweils mehrere Wochen dazwischen, immer mit Schwindel, Kopfweh, hohem Schlafbedürfnis, Weinerlichkeit.
06/17 Von 10mg auf 0mg. Nach zehn Tagen nicht aushaltbar, Brain Zaps, Depressiv, Schwindel. Das erste mal im Leben suizidale Gedanken, nehme noch am selben Abend wieder 10mg. Besserung am nächsten Tag.
08/17 Termin Neurologe. Nimmt Entzug ernst. Verschreibt Citalopram als Tropfen, empfiehlt alle drei Wochen 1mg abzusetzen. Erscheint mir zu schnell, mache nur alle paar Wochen bis Monaten 1mg weniger. Wieder Entzug, aber ohne Brain Zaps und suizidalen Gedanken.
Ca. 03/18 von 7mg auf 6mg. Alles gut, daher nach wenigen Tagen auf 5mg. Ein Fehler, ich war zu motiviert und ungeduldig.
04-05/18 vergesse öfter mal die Einnahme, werde schluderig, weil es mir ganz gut geht.
05/18 Entzugserscheinungen werden sehr stark. Lagerschwindel, Weinerlich, Kopfweh, Grippegefühl, Erschöpft, Katergefühl, starkes PMS, alles erscheint sehr hell, Fenster werden immer seltener, werde Gleichgültik, diffuse Angst, kann mich kaum Konzentrieren, ertrage Menschen außer enge Freunde nicht, zweimal suizidale Gedanken, aber nie konkret.
Anfang 07/18 Termin Neurologe

Tulpi
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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von Tulpi » Donnerstag, 14.06.18, 23:32

Hallo ihr Lieben,

heute richte ich euch mit einer konkreten Frage an euch.
Ich habe die vergangenen Nächte sehr sehr schlecht und erst sehr spät, gegen vier Uhr in der Früh, geschlafen.
Es kommt mir vor, als würden meine Kräfte von Tag zu Tag schwinden und dies ängstigt mich.
Heute habe ich es nicht einmal zu meinen Pferden geschafft. Zu Duschen war ein Kraftakt, den ich dann zumindest ein wenig genießen konnte.
Körperlich fühlt es sich an, wie eine schlimme Erkältung. Mein ganzer Körper tut weh. Besonders mein Kiefer ist auf Dauerspannung.
Was tut ihr konkret gegen dieses Symptom? Habt ihr einen Tip oder Anregung für mich?
Ist jetzt doch der Zeitpunkt zum hochdosieren gekommen?

Seit wenigen Tagen bemerke ich noch ein anderes, sehr unheimliches Symptom.
Ich weiß häufig für eine Weile nicht, welche Jahreszeit wir haben, ob Ostern dieses Jahr schon war, beim Einkauf habe ich mich über die Grillartikel gewundert, der Sommer ist doch schon vorbei, oder etwa nicht?
Mir fehlen Worte und ich habe das Gefühl immer langsamer zu werden. Das ich länger nachdenken muss welchen Tag wir haben, ist schon eine Weile so.
In den Nachrichten fiel letztens ein Name eines Bekannten Politikers und ich bin minutenlang nicht darauf gekommen, wer das denn ist, es war mir, als hätte ich den Namen noch nie gehört. Obwohl mein Mann mir auf die Sprünge half.

Ich sage mir, das mein Hirn gerade heilt, das es einfach Ruhe zum genesen benötigt.
Aber es ängstigt mich schon sehr, in Momenten wo die Gefühle das Wissen um den Umstand übermannen.

Ich wünsche und Allen eine erholsame Nacht, die uns hoffentlich ein kleines Stückchen Kraft für den nächsten Tag schenken mag,
Eure Tulpi
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2013 erneut Gesprächstherapie, nach einigen Stunden Wechsel zu Verhaltenstherapie
Jan 2014 auf Anraten Theapeutin, Gang zum Neurologen. Beginn Einnahme Citalopram 30mg.
April 2014 Ende Therapie wegen Umzug. Großer Einschnitt, Umzug Großstadt - Land. Vorsorglich Monate vor Umzug um Therapie gekümmert, ohne Erfolg.
Sommer 2014 starke Verschlechterung. Kein Therapeut zu finden. Schlafstörungen, Depressiv.
Herbst 2014 Hausärztin verschreibt Mitrazapin. Ich nehme es (zum Glück) nicht ein. Erste Skepsis Medikamenten gegenüber.
2015/2016 recht stabil, kleinere Einbrüche, Schlaf wird besser, starkes PMS, schaffe es 20kg abzunehmen, die später wieder zugenommen werden.
2016 Neurologen gefunden, Anraten 40mg zu nehmen, weil Antriebslos. Er ermuntert mich zwischen 40mg und 30mg zu wechseln, je nach Bedarf. Bietet mir Unmengen an anderen Medikamenten Möglichkeiten an, ich lehne ab.
2017 Reduktion in 10mg Schritten. Jeweils mehrere Wochen dazwischen, immer mit Schwindel, Kopfweh, hohem Schlafbedürfnis, Weinerlichkeit.
06/17 Von 10mg auf 0mg. Nach zehn Tagen nicht aushaltbar, Brain Zaps, Depressiv, Schwindel. Das erste mal im Leben suizidale Gedanken, nehme noch am selben Abend wieder 10mg. Besserung am nächsten Tag.
08/17 Termin Neurologe. Nimmt Entzug ernst. Verschreibt Citalopram als Tropfen, empfiehlt alle drei Wochen 1mg abzusetzen. Erscheint mir zu schnell, mache nur alle paar Wochen bis Monaten 1mg weniger. Wieder Entzug, aber ohne Brain Zaps und suizidalen Gedanken.
Ca. 03/18 von 7mg auf 6mg. Alles gut, daher nach wenigen Tagen auf 5mg. Ein Fehler, ich war zu motiviert und ungeduldig.
04-05/18 vergesse öfter mal die Einnahme, werde schluderig, weil es mir ganz gut geht.
05/18 Entzugserscheinungen werden sehr stark. Lagerschwindel, Weinerlich, Kopfweh, Grippegefühl, Erschöpft, Katergefühl, starkes PMS, alles erscheint sehr hell, Fenster werden immer seltener, werde Gleichgültik, diffuse Angst, kann mich kaum Konzentrieren, ertrage Menschen außer enge Freunde nicht, zweimal suizidale Gedanken, aber nie konkret.
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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von Anikke » Freitag, 15.06.18, 7:04

hallo tulpi,
wegen der Verspannungen: hast du es schon mit Magnesium versucht? da scheint während des entzuges ein höherer bedarf zu bestehen.. ich persönlich nehme magnesiumöl, das ich auf die haut, bevorzugt auf die schmerzenden stellen, reibe. es geht nicht vollkommen weg aber es wird gelindert :)
wenn ich so deinen Verlauf sehe- würde ich ggf. eine ganz leichte aufdosierung probieren, du büßt ja schon seit längerem nicht richtig stabil..
liebe grüße anikke
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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von Gwen » Freitag, 15.06.18, 8:16

Hallo Tulpi,

diese erhöhte Muskelspannung bzw Muskelschmerzen beobachten viele im Entzug. Probier es wie von Anikke empfohlen Mal mit Magnesium. Es gibt hier auch einen Thread dazu, was bei Magnesium so zu beachten ist: viewtopic.php?f=57&t=11189&hilit=Magnesium
Manche vertragen Magnesium zum Einnehmen ganz gut. Andere wie Anikke nutzen Magnesiumöl, das den Vorteil hat, über die Haut aufgenommen zu werden und damit nicht zu Durchfall führt.

Kognitive Probleme hab ich im Entzug auch! Wenn ich Dinge nicht ganz bewusst mache, kann ich mich nachher teilweise nicht erinnern was getan zu haben. Ich muss auch immer erst nachdenken, welcher Tag gerade ist. Außerdem habe ich Wortfindungsstörungen, sage derzeit immer wieder falsche Begriffe, die mit dem gleichen Buchstaben anfangen oder Suche nach Worten oder Namen. In Gesprächen ist das manchmal richtig peinlich, wenn ich dann stocke und überlegen muss. Ich hab auch ganz oft die Befürchtung, etwas Wichtiges zu vergessen und muss mir für "komplexere" Sachen Zettel und Listen anfertigen um den Überblick zu behalten.

Du bist also nicht allein :cry:
Viele liebe Grüße Gwen
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Re: Ich stelle mich vor/Tulpi setzt Citalopram ab

Beitrag von SeventhWave » Freitag, 15.06.18, 18:01

Hi Tulpi!

Als Citalopram Leidensgenosse möchte ich noch mal bestätigen, was meine Vorrednerrinnen geschrieben habe.

Mein Kieferbeschwerden beginnen bereits einen Tag nach Beginn des neuen Absetzzyklus. Mir hilft die massive Einnahme von Magnesium, z. B. Magnesium Verla 300 aber auch andere Produkte bis zu 360 mg. Die Präparate aus der Apotheke sind nach meiner Meinung denen von Rossman und Co weit überlegen.

In der Apotheke bekam ich eine Probepackung, und ca. 45 Minuten nach der Einnahme haben sich die Verspannungen leicht gelöst. Zusätzlich kannst du noch Magnesium-Öl zur transdermalen Aufnahme anwenden um den erhöhten Magnesiumbedarf zu decken. Irgendwann wird es dem Magen auch zuviel...

Wenn sich die Muskulatur wieder gelöst hat, vertrage ich Magnesium in dieser Konzentration allerdings nicht mehr. Das musst du vielleicht mal austesten wie das bei dir so funktioniert.

Zusätzlich habe ich von meinem Hausarzt zur Linderung eine manuelle Therapie verschrieben bekommen. Auch das lindert während der schlimmsten Zeit die Beschwerden für mehrere Stunden. Ansonsten scheinen meine Muskeln aber ziemlich verklumpt, keine Ahnung ob das jemals wieder was wird

Machs gut!

7th
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padmaTulpi
Vorgeschichte:
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Beginn Wasserlösmethode Citalopram Mylan Dura 40 mg
18.07.17 36 mg (-10 %)
29.08.17 32,8 mg (-8,9 %)
28.09.17 30,4 mg (-7,317 %)
07.11.17 28,8 mg (-4,605 %)
05.12.17 28 mg (-2,778 %)
27.01.18 26 mg (-7,143 %)
18.03.18 24 mg (- 7,692 %)
26.04.18 23,5 mg (- 2 %)
10.06.18 22,24 mg (- 5,362 %)
18.07.18 21,92 mg (- 1,439 %)
13.08.18 21,6 mg (- 1,825 %)

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