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Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

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ulrich123
Beiträge: 6
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Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von ulrich123 » Samstag, 21.07.18, 17:49

Liebes Forum,

ich wende mich an Euch, weil ich mich derzeit in einer Krise befinde. Ich bin 35 Jahre alt. Aufgrund von Ängsten und Depressionen habe ich schon im Alter von 18 Jahren das erste mal Psychopharmaka eingenommen, diese jedoch nach Abklingen der akuten Krise wieder absetzen können. Aufgrund von erneuten Panikattacken meist durch hypochondrische Ängste, nahm ich bis vor Kurzem seit circa 10 Jahren Citalopram (erst 20mg, dann 10mg). Damit war ich die meiste Zeit relativ stabil.

Ich begann dann vor eineinhalb Jahren das Citalopram auszuschleichen und habe mir dafür extra sehr lange Zeit eingeplant. Zuletzt war ich auf 2,5mg jeden zweiten Tag. Von dieser Dosis bin ich dann nach etwa drei bis vier Wochen auf null gegangen. Bereits im letzten halben Jahr, wenn ich nun zurückblicke, wurden meine Ängste wieder mehr und häufiger.

Etwa 11 Wochen nach dem kompletten Absetzen des Citalopram waren meine Ängste extrem stark und eine Depression (Sinnlosigkeit, keinen Sinn im Leben sehen, etc.) gesellte sich dazu. Dabei war ein deutlicher Tagesverlauf zu beobachten. Meist um die Mittagszeit bis Nachmittags hatte ich regelrechte generalisierte Angstkrämpfe und war nichtmehr funktionsfähig. Ich glaubte verrückt zu werden, denn die Angst / Panik kam jetzt auch schon ohne erkennbaren Zusammenhang. Wirklich Hölle! Gegen Abend war ich zuerst dann meist wieder fast der alte.

Schließlich ging garnichts mehr und ich habe mich von meinem ehemaligen Therapeuten in die Psychiatrie einweisen lassen. Dort bin ich nun die dritte Woche auf der Station für Krisenintervention. Das Citalopram wurde wieder angesetzt und hat zuerst die Symptome noch verschlimmert, so dass ich unter anderem starke Selbstmordgedanken hatte.

Mittlerweile ist etwas Ruhe eingekehrt, das Medikament beginnt wohl zu wirken, allerdings bin ich noch lange nicht wieder auf dem Damm. Ich nehme derzeit 30mg Citalopram (seit 18 Tagen) und die Stationsärztin möchte gerne auf 40mg hochdosieren, was ich erst einmal nicht möchte. Wenn ich nun darüber nachdenke, vermute ich, dass ich ein Absetzsyndrom hatte, bzw. dass sich zumindest ein Absetzsyndrom mit in die Grundproblematik gemischt hat. Nun gehen mir mehrere Gedanken im Kopf herum:

Gibt es überhaupt etwas, dass man gegen das Absetzsyndrom machen kann, außer das Medikament wieder einschleichen? Wäre das ganze vielleicht vergangen, wenn man mich zuerst auf Station eine Zeitlang anders stabilisiert hätte?

Was kann ich beim nächsten Absetzen besser machen? Bzw. wie kann ich das machen?

Wenn ich wieder absetze (jetzt erst einmal natürlich noch nicht) und die Krise kommt zurück, würde es etwas bringen zuerst ein anderes AD, wie z.B. Venlafaxin zu nehmen, um zumindest im ersten Schritt schonmal von Citalopram weg zu sein? Oder macht das garkeine Sinn.

Kennt jemand eine Klinik, in der Absetzsymtomatiken ernst genommen und ggf. sogar erfolgreich Behandelt werden? In meiner derzeitigen Klinik geht es, da Kriseninterventionsstation, natürlich vorerst um das Stabilisieren erst einmal. Ich würde mich aber für einen neuen Versuch in einiger Zeit gerne in eine kompetente Klinik begeben.

Ich bin für jeden Rat, Erfahrungen und Input Eurerseits sehr dankbar.

Liebe Grüße,

Ulrich
Zuletzt geändert von padma am Samstag, 21.07.18, 18:09, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel um Benutzername ergänzt; Leerzeilen der besseren Lesbarkeit wegen eingefügt

LinLina
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von LinLina » Samstag, 21.07.18, 19:54

Hallo Ulrich :-)

willkommen im ADFD.

Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum:

Das ADFD ist ein Selbsthilfeforum und lebt vom gegenseitigen Austausch von Betroffenen untereinander.

Dies hier ist jetzt dein persönlicher thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.

Bitte lies dich aber zunächst in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein. Du findest sie hier: https://www.adfd.org/austausch/viewtopi ... 18&t=15490

Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen "Umgang mit dem Entzug" und "Gesundheit". Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst.Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... 46&t=15035

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "hallo" zu beginnen und einem Gruss zu beenden.
Wenn du dich für eine Antwort bedanken möchtest, kannst du auf den Daumen hoch Button rechts oben in dem jeweiligen Beitrag clicken.

Wenn du Kraftausdrücke verwenden willst, benutze dafür bitte den censored smiley, also z.B. sch :censored: Beachte bitte auch unsere Regeln.app.php/rules

Damit die Beiträge besser lesbar sind, füge bitte Absätze und Leerzeilen ein.

Zu deinen Fragen:

Ich begann dann vor eineinhalb Jahren das Citalopram auszuschleichen und habe mir dafür extra sehr lange Zeit eingeplant. Zuletzt war ich auf 2,5mg jeden zweiten Tag. Von dieser Dosis bin ich dann nach etwa drei bis vier Wochen auf null gegangen. Bereits im letzten halben Jahr, wenn ich nun zurückblicke, wurden meine Ängste wieder mehr und häufiger.
Es ist super, dass du dir viel Zeit genommen hast, leider war dein Tempo dann doch etwas zuschnell, wir du ja auch bemerkt hast. Als deine Ängste wieder mehr wurden, wäre es besser gewesen erstmal eine Stabilisierungspause zu machen und dann langsamer vorzugehen. Jeden Zweiten Tag die Dosis nur zu nehmen, empfehlen wir hier nicht, das kann das Nervensystem sehr irritieren. Von 2,5 mg auf null ist dazu ein sehr großer schritt, im unteren Bereich sind noch sehr viele Rezeptoren belegt.

Es ist nicht selten, dass erst 1-3 Monate oder auch später nach dem Absetzen erstmals stärkere Absetzsymptome auftreten. Ich vermute daher, dass du unter einem Absetzsyndrom leidest.

Du hast sehr hoch wieder eindosiert, es ist häufig das das nicht so gut vertragen wird, was du ja auch bemerkt hast.

Ich würde an deiner Stelle wohl nicht weiter hoch dosieren, du kannst froh sein dass du es überhaupt noch einigermaßen verträgst und du inzwischen Besserung bemerkt hast.
Gibt es überhaupt etwas, dass man gegen das Absetzsyndrom machen kann, außer das Medikament wieder einschleichen? Wäre das ganze vielleicht vergangen, wenn man mich zuerst auf Station eine Zeitlang anders stabilisiert hätte?
Wir empfehlen das wiederansetzen einer kleinen Dosis, normalerweise nicht mehr als 1 mg wenn das Absetzen schon länger her ist. Ein aussitzen ist meist nicht empfehlenswert, da es zu einem protrahierten Entzugssyndrom kommen kann.
Was kann ich beim nächsten Absetzen besser machen? Bzw. wie kann ich das machen?
Du findest im oben verlinkten Beitrag unsere Absetzempfehlungen und weiterführende links dazu.
Wenn ich wieder absetze (jetzt erst einmal natürlich noch nicht) und die Krise kommt zurück, würde es etwas bringen zuerst ein anderes AD, wie z.B. Venlafaxin zu nehmen, um zumindest im ersten Schritt schonmal von Citalopram weg zu sein? Oder macht das garkeine Sinn.
Wir empfehlen i.d.R. nicht auf ein anderes AD umzustellen, da allein die Umstellung schon großeProbleme machen kann. Man riskiert dennoch Absetzsymptome vom alten Mittel plus Nebenwirkungen vom neuen zu haben, und eine neue Abhängigkeit von neuen Mittel.
Kennt jemand eine Klinik, in der Absetzsymtomatiken ernst genommen und ggf. sogar erfolgreich Behandelt werden? In meiner derzeitigen Klinik geht es, da Kriseninterventionsstation, natürlich vorerst um das Stabilisieren erst einmal. Ich würde mich aber für einen neuen Versuch in einiger Zeit gerne in eine kompetente Klinik begeben.
Leider ist uns solch eine Klinik nicht bekannt. Es ist meist sinnvoller, langsam zu Hause abzusetzen. Du kannst deinen erneuten Absetzprozess gerne hier dokumentieren und dich dazu austauschen.

Bitte lies dich wirklich noch etwas in dem Link oben ein, du findest dort auch weiter führende Texte und Erläuterungen.

Wir wünschen dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüsse
Lina/das Team
Im Absetzprozess seit 2014: Lorazepam (Benzo) erfolgreich abgesetzt. Mirtazapin aktuell (seit Sommer 2018) 0,005 mg.

Ich bin zur Zeit nicht im Forum aktiv. Bei Fragen und Bitten an das Team an padma, Ululu69 oder murmeline wenden.

Hinweis: Alle meine Aussagen dienen der allgemeinen Information und begründen sich auf Erfahrungswerte - meine eigenen, und die anderer Betroffener - und die wenigen bekannten Studien zur Absetzproblematik. Ich bin weder Ärztin noch Psychologin. Meine Erfahrungen und Tipps sind daher keine medizinische Beratung und können eine solche nicht ersetzen.

ulrich123
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von ulrich123 » Samstag, 28.07.18, 15:16

Liebe Lina,

vielen lieben Dank für Deine Antwort. Ich hatte schon früher ein Dankeschön, geschrieben, dies aber offensichtlich versehentlich nicht abgesendet.
Ich denke, dass mich das protrahierte Absetzsyndrom bereits erwischt hat. Erfahrungsberichte anderer Betroffener beschreiben meine Symptome treffend genau. Ich werde nun noch eine Weile in der Psychiatrie schauen, ob das Citalopram noch richtig wirkt, und falls nicht ein Alternatives AD ausprobieren. Allerdings gehört meine behandelnde Ärztin, obwohl sehr nett, nicht zu den Ärzten die das Absetzsyndrom zu kennen bzw. anerkennen scheinen.

Liebe Grüße und nochmals vielen Dank,

Ulrich
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40mg Citalopram
0.5mg Tavor

29.06.18 - 02.08.18: 2-3x 20mg Pipamperon
04.07.18 - 30.07.18: 30mg Citalopram
25.06.18 - 03.07.18: 20mg Citalopram
21.06.18 - 24.06.18: 10mg Citalopram

Bis April 2018
Seit 2008 Citalopram in Dosen zwischen 20mg und 10mg / Tag.
Ausgeschlichen mit letzter Dosis (2,5 mg jeden 2. Tag)
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Rose87
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von Rose87 » Samstag, 28.07.18, 15:44

Hey,

Ich war Zwecks Alkoholmissbrauch in der Median Klinik in Daun. Ich muss sagen die Klinik war sehr gut und die versuchen weitestgehend ohne Tabletten zur Arbeiten.
Neuerdings bieten die auch Therapie zwecks Antidepressiva und neuroleptika Missbrauch an. Das hat jetzt vlt nix mit dir zu tun weil du ja absetzten willst und nicht missbrauch St.
Aber wenn du ne Klinik suchst könntest vlt fragen wie das mit Unterstützung zum absetzten aussieht und ob die über absetzerscheinungen halt informiert sind.
Aber wenn die das in kurzer Zeit einfach schnell runterdosieren wollen macht's kein Sinn.

Gruß
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Ululu
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von Ululu » Samstag, 28.07.18, 17:25

Hallo Ulrich,

nach unseren Erfahrungen, funktioniert die Umstellung auf ein anderes Medikament meist nicht.
Im Gegenteil, sehr oft verschlimmert sich die Situation noch, weil das ZNS noch mehr durcheinander gebracht wird.
Ich hoffe, dass du dich noch stabilisieren kannst.

Dass die Ärzte sich mit Absetzsymptomen nicht auskennen, ist blöd, aber leider eher die Regel als eine Ausnahme..
:frust:

Pass gut auf dich auf.

LG Ute
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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

sl76
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von sl76 » Samstag, 28.07.18, 18:56

Hallo Ulrich,

zuerst einmal bin ich nach deiner Geschichte froh das du dich wieder etwas stabilisieren konntest.

Ich hatte eine zeitlang während meines Cita. Kaltentzuges auch mit starkem Ängsten
zu kämpfen und hatte teilweise regelrecht Angst vor mir selbst. Zum Glück habe ich die Kurve bekommen und muss mich nicht mehr so oft mit Suizidgedanken beschäftigen. Ich hatte vorher so etwas noch nie und war am Anfang schon erschrocken über mich selbst und bin in Panik geraten.
Mittlerweile weiß ich diese Gedanken gehen nicht von mir aus, sondern sind dem Entzug geschuldet. Ich verinnerliche mir das immer wieder und sage mir dass ich stärker bin und mich davon nicht unterkriegen lasse.

Ein Thread der mir immer wieder gut hilf, ist dieser hier: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=50&t=11497

Lieber Ulrich, lass Dich nicht unterkriegen und bleibe nach deinen Möglichkeiten ab jetzt in Kontakt mit dem Forum. Hier wird dir geholfen und hier kannst du aus den Geschichten vieler Betroffener Kraft schöpfen. Außerdem und das finde ich auch sehr wichtig, weil es den Medikamenten und den oft starken Entzugssymtomen den Schrecken nimmt, kannst du hier wichtige und gut recherchierte Hintergrundinformationen finden.

Solltest du dich doch nach einiger Zeit der Stabilisierung dazu entschließen es ohne AD zu versuchen oder diese zu reduzieren, dann wirst du hier ebenfalls kompetent begleitet.

Ich wünsche Dir das Allerbeste. Es warten auch auf dich garantiert wieder bessere Zeiten.

Viele Grüße

Sebastian
02/2012 erstmalig Citalopram 30mg in einer psychosomatischen Klinik verschrieben bekommen
Diagnose: mittelschwere depressive Episode
08/2016 erstmalig in kleinen Schritten reduziert auf 25mg (laut Ärztin hätte ich damals
innerhalb von 2-3 Wochen komplett ausschleichen sollen)
01/2017 weiter reduziert auf 20mg (während des Reduzierens erhöhte Reizbarkeit und
Aggressivität)
05/2017 reduziert auf 15mg
08/2017 reduziert auf 10mg
11/2017 reduziert auf 5mg
03/2017 erhöht auf 10mg (fühlte mich erschöpft und angreifbar und ängstlich bei der geringen
Dosis)
04/2017 auf Anraten des Therapeut en und des Hausarztes komplett abgesetzt und durch Beta-
Blocker ersetzt (die ich inzwischen auch nicht mehr nehme, da sie mir wirkungslos
erschienen)

ulrich123
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von ulrich123 » Sonntag, 29.07.18, 16:39

Liebes Forum,

vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Gerade bin ich sehr verzweifelt. Ich nehme nun den 25. Tag wieder 30mg Citalopram. Die Woche begann am Montag mit Ängsten und danach mit einer massiven depressiven Phase, bis heute. Sinnlosigkeitsgedanken und Selbstmordgedanken. Ich weiss gerade nicht wie lange ich das aushalte und was ich weiter tun soll. Ich bin noch immer in der Klinik und morgen ist Visite. Die Ärztin möchte ab morgen auf 40mg Citalopram hochdosieren. Ich habe als Bedarf noch Seroquel bekommen und bekomme Pipamperon dreimal am Tag 20mg.

Ich bin, nachdem ich einiges gelesen habe, wie gesagt fest davon überzeugt das protrahierte Entzugssyndrom zu haben. Ist es wahrscheinlich, dass sich mein ZNS mit dem Citalopram stabilisieren wird? Habt Ihr eine andere Empfehlung im Umgang mit dem Syndrom? Ich habe irgendwo gelesen, dass Lamotrigin als Stimmungsstabilisierendes Medikament helfen könnte?

Dieser Abschnitt von der Seite madinamerica.com beschreibt mein Gefühlserleben ziemlich genau:

"Anxiety is the best description patients use to describe the dread and anguish they feel; less often it is described as severe depression. Mostly patients seem unable to really put to words the intense suffering they experience. It is an anguish that seems to be neither anxiety nor depression. The severe and persistent set of symptoms of the SSRI withdrawal syndrome needs to be further defined and needs its own name."

Ich bin für jeden Rat und jede Rückmeldung dankbar.

Liebe Grüße,

Ulrich
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Jamie
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von Jamie » Montag, 30.07.18, 8:04

Hallo Ulrich, :)

das Mittel, sofern es "hilft", hätte doch längst greifen müssen. Du nimmst es doch schon Wochen.
Ich weiß nicht, ob Aufdosieren auf 40mg hilfreich ist.

Wenn du in einem protrahierten Entzug bist, hätten die Dosierungen von Anfang an viiiiel niedriger sein müssen, ein paar mg, keine 20, 30 oder 40mg.
Unser Erfahrungswert ist, dass diese Dosierungen viel zu viel für das aufgewühlte ZNS sind.

Leider gibt es auch Menschen, bei denen die Wiedereinnahme nicht mehr greift. Da muss man dann schauen, ob man das Entzugssyndrom (was ich mir bei dir gut vorstellen kann) aussitzen kann oder ob es so unerträglich ist, dass man weitere Medikamente benötigt (wobei die Frage ist, was das dann sein kann (?))
Besser wäre Unterstützung durch Ernährung, pflanzliche Präparate, Psychohygiene-Strategien etc.

Das ADFD ist psychopharmakakritisch, ich kann dir nicht empfehlen jetzt wild irgendwas einzunehmen, das gilt auch für Lamotrigin.
Die Gründerin von survivingantidepressants, Altostrata, hat es damals als Entzugsdeckelung in einer Microdosis genommen und für sie war es individuell hilfreich. Sie hatte aber im Gegensatz zu den vielen hier einen sehr aufgeklärten und vorsichtigen Arzt, der sie dabei begleitete.

Schau, welcher Weg sich für dich stimmig anfühlt. Und wenn du meinst Medikamente zu benötigen, ist das auch OK.
Bitte bleibe so lange in einer geschützten Umgebung, bis sich deine Suizidgedanken gebessert haben; du wirst noch gebraucht und jedes Leben ist wichtig und wertvoll :hug: .

Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


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Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von ulrich123 » Montag, 30.07.18, 13:18

Liebes Forum,

ich komme gerade aus der Visite. Leider ist keinem der Ärzte das protrahierte Entzugssyndrom bekannt. Ich soll nun zuerst eine Weile lang die 40mg Citalopram einnehmen zusammen mit Pipamperon. Ich bin so verunsichert, aber gerade auch nicht in der Lage zu diskutieren, ganz und gar wenn Niemand die Sachlage zu kennen scheint. Ich hoffe, das sich mein ZNS trotzdem stabilisieren kann, dann eben erst einmal unter 40mg.

Ich werde weiter berichten.
Vielen Dank und liebe Grüße

Ulrich
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Murmeline
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von Murmeline » Montag, 30.07.18, 21:54

Hallo Ulrich,

Betroffenenwissen und aktuelle Fachartikel (siehe Hintergrundinfos, beispielsweise https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=6&t=12480) oder die Texte von interessierten Fachleuten wie von dir zitiert sind leider noch nicht bei allen Ärzten angekommen. Da ist im Wissensstand noch viel Luft nach oben. :(

Pimpamperon ist ein Neuroleptikum, dass allgemein eher dämpfend wirkt aber seine eigenen Risiken hat. Da du aktuell verunsichert bist und vermutlich auch nur bedingt Einfluss nehmen kann, weiß ich nicht, was dir zu raten wäre.

Was sagt denn dein Bauchgefühl?

Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

ulrich123
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Re: Ulrich123 Hilfe / Massive Krise nach Absetzen von Citalopram

Beitrag von ulrich123 » Mittwoch, 01.08.18, 17:44

Liebes Forum,
liebe Murmeline,

vielen Dank für den Link zum übersetzen Artikel. Ich habe diesen meiner behandelnden Psychiaterin hier
in der Klinik gezeigt und sie hatte zumindest ein offenes Ohr und hat ihn sich ausgedruckt und gelesen. Sie
wird diesen für die Oberärztin zusammenfassen. Ich habe darum gebeten, mir, basierend auf den bisherigen
Erfahrungswerten Lamotrigin zu verschreiben um das furchtbare Schwanken zwischen suizidaler Depression
und Ängsten hoffentlich etwas einzudämmen. Morgen fällt die Entscheidung ob die Klinik bereit ist, dies
auszuprobieren.

Ich nehme nun nach wie vor die verordneten 40mg Citalopram und Pipamperon. Dazu bekomme ich morgens,
meiner schlimmen Phase in den letzten Tagen geschuldet noch 0,5mg Tavor. Ich bin mir der Risiken des Tavors
bewusst aber gefühlt geht es für mich gerade erst einmal um das Überleben.

Ich mache mir bei all dem nur Sorgen, dass ich ja jetzt wieder die Höchstdosis Citalopram nehme.
Ich habe also einen Schaden durch das Absetzen und nehme den Übeltäter zugleich wieder ein.
Habt ihr dazu irgendwelche Erfahrungswerte? Würdet Ihr das mit dem Lamotrigil auch machen?

(An dieser Stelle möchte ich etwas anregen: Es wäre sehr sinnvoll wenn wir gemeinsam ein Informationsdokument
hier zusammenstellen könnten, das Informationen (und den Stand der Wissenschaft, es gibt schließlich Studien) zu
dem protrahierten Entzugssyndrom zusammenfasst. Offenbar gibt es Ärzte, die dafür empfänglich sind. Ich bin
aufgrund meiner Situation gerade nicht zuverlässig in der Lage dies zu leisten, aber langfristig ist es bestimmt
für Betroffene Sinnvoll so etwas an der Hand zu haben um es dem Arzt geben zu können und so vielleicht etwas
Überzeugungsarbeit leisten zu können. Also eher ein PDF mit wenigen Seiten und den wichtigsten Informationen
und Studienergebnissen.)

Danke & Gruß,

Ulrich
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29.06.18 - 02.08.18: 2-3x 20mg Pipamperon
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ulrich123
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Nachtrag

Beitrag von ulrich123 » Mittwoch, 01.08.18, 18:16

Liebes Forum,

gerade war die Ärztin bei mir. Sie hat sich mit der Oberärztin besprochen und beide Stimmen dem
Ansatz es mit Lamotrigin zu probieren zu. Der Artikel hier aus dem Forum hat sie überzeugt. Sie kannten
das beide noch nicht. Das macht mir etwas Hoffnung. Ausserdem bekomme ich gegen die Suizidgedanken
vorerst noch Tavor dazu.

Liebe Grüße,

Ulrich
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0.5mg Tavor

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25.06.18 - 03.07.18: 20mg Citalopram
21.06.18 - 24.06.18: 10mg Citalopram

Bis April 2018
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ulrich123
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Artikel von MadinAmerica Dr. Stuart Shipco

Beitrag von ulrich123 » Donnerstag, 02.08.18, 20:05

Da ich nach einer Suche im Forum den Artikel nicht gefunden habe, habe ich heute mal den gesamten Artikel von Dr. Stuart Shipco von der Seite MadinAmerica übersetzt, aus dem ich bereits weiter oben zitiert habe. Sollte der Artikel doch schon vorhanden sein, würde
ich die Admins bitten ihn einfach hier zu löschen oder zu verschieben.


Wie könnten schwerwiegende
SSRI Entzugssymptome
vermieden werden?


Quelle:
Dr. Stuart Shipco
madinamerica.com / Science, Psychiatry and Social Justice
https://www.madinamerica.com/2017/08/ho ... -symptoms/
19. August 2017


Während mehr und mehr Menschen SSRIs für immer längere Zeiträume einnehmen, gibt es zunehmend Menschen die einen Entzug machen, nachdem sie die Medikamente für 10 bis 20 Jahre dauerhaft eingenommen haben. Manche beenden die Einnahme, weil sie ihre
Krankenversicherung verloren haben. Einige haben sich für viele Jahre gesund gefühlt und vermuten, dass sie geheilt seien. Manche Renter denken das Absetzen der Medikamente sei ein guter Startpunkt um Kosten zu sparen.

Vor allem nach langzeitiger Einnahme, kann die aus dem Absetzen resultierende Akathisie schwerwiegend sein und regelrecht funktionsunfähig machen. Der Zustand ist unerträglich und die betroffenen Patienten sind sichtlich gepeinigt. In manchen Fällen hilft das Wiederansetzen des
Medikamentes oder anderer Medikamente, in anderen Fällen scheint jegliche Medikation den Zustand zunehmend zu verschlimmern.

Was ich hier als tardive Akathisie bezeichne ist weit davon entfernt eine treffende Beschreibung zu sein. Der Teil tardiv ist zutreffenden, und bezieht sich auf die spät bzw. verzögert einsetzenden Symptome - obwohl diese selben Symptome auch unmittelbar nach dem Absetzen oder
manchmal auch schon während der laufenden Einnahme auftreten können. Es scheint, dass die schlimmsten Symptome diese sind, die - oft sehr plötzlich - zwischen drei und sechs Monate nach dem Absetzen auftreten.

Das Eintreten der tardiven Akathisie entspricht dem einer tardiven Dyskinesie, der besser bekannten Schwestererkrankung der tardiven Akathisie. Tardive Dyskinesie wird auch bei SSRIs beobachtet.

Beide sind erst einmal Bewegungsstörungen die im Zusammenhang mit medikationsinduzierten
Abnormalitäten des Dopaminhaushaltes stehen und die spät bzw. tardive einsetzen. Akathisie ist primär eine Bewegungsstörung. Wie auch immer, nicht jeder der unter einer Akathisie durch SSRI Entzug leidet zeigt die klassische Akathisie mit pacing und / oder intensiver innerer Unruhe.

Es fällt den Patienten extrem schwer zu beschreiben, was sie fühlen. Häufig verstummen meine Patienten und schauen mich mit einem ängstlichen, verzweifelten Ausdruck an, wenn ich sie frage, wie sie sich fühlen, denn sie fühlen sich so schlecht, dass Selbstmord der einzige Ausweg erscheint dem Erleben zu entkommen und wollen dies nicht äussern aus Angst vor einer Stationären Unterbringung.

Angst / Panik ist die häufigste Beschreibung, die Patienten verwenden um den Schrecken und die Qual zu beschreiben, die sie fühlen. Etwas weniger oft wird das Erlebte als eine schwerwiegende Depression beschrieben. Die Meisten scheinen nicht wirklich in der Lage
zu sein das leiden, dass Sie erfahren in Worte zu fassen. Es ist eine Qual die weder nur Angst / Panik oder Depression ist. Das schwerwiegende und anhaltende Symptombild des SSRI Entzug Syndroms muss genauer definiert werden und benötigt seinen eigenen Namen.

Wie viele tickende SSRI Zeitbomben sind da draußen? Es ist schwer zu ermitteln wie viele Menschen bereits seit 15 Jahren oder mehr diese Medikamente einnehmen. Meine Praxis ist klein und im letzten Jahr hatte ich drei Patienten mit „tardiver Akathisie“, die mich aufsuchten weil ich Ortsnah war und deren Krankenversicherung akzeptierte und nicht, weil sie von meiner Spezialisierung wussten. Dies scheint ein allgemeines Problem zu sein.

Ebenfalls habe ich Akathisie bei Patienten beobachten können, die ein einziges SSRI für eine lange Zeitspanne eingenommen hatten und dann hartnäckige Probleme bei der Umstellung auf ein anderes SSRI bekamen. Einige der sogenannten „Behandlungsresistenten Depressionen“
scheinen mit einer SSRI Dosisreduktion in Verbindung zu stehen.

Nach 15 Jahren Einnahme haben die meisten - jedoch nicht alle - Menschen schwerwiegende Symptome mach dem Absetzen von SSRIs und SNRIs. Es gibt Menschen, die in der Lage sind diese Medikamente mit minimalem Ausschleichen abzusetzen und keine Probleme zu haben
scheinen. Einige haben vorübergehende, schwache bis moderate Schwierigkeiten und wieder andere fallen in das Akathisie Kaninchenloch. Ein langer, schwieriger Fall.
An dieser Stelle möchte ich James Moore Anerkennung zuteil werden lassen, der die Einsamkeit des SSRI Entzuges betont. Menschen die Arbeit und Beziehungen verloren haben könnten keine Anerkennung von Psychiatern, Therapeuten oder der Familie bekommen, dass Ihr Zustand die Folge eines SSRI Absetzens ist.

Die Öffentlichkeit und die medizinischen Fachkräfte kennen die tardive Akathisie nicht. Es ist schlimm genug daran zu leiden, aber das Problem wird noch genährt durch wohlmeinende Familienmitglieder die dem Patienten zu mehr Medikamenten raten und wahrscheinlich wohlmeinenden Psychiatern und Therapeuten, die die Existenz eines solchen Problems
abstreiten. Die Patienten haben oftmals keine Unterstützung von Familie oder Psychiatern und
werden dazu angeregt weitere Medikamente einzunehmen, die das Problem oftmals verschlimmern.

Die Behandlung des SSRI Entzugs / Vergiftung ist schwierig. An dieser Stelle möchte ich mich an
die Benzodiazepin Supportgruppen wenden und eine Bitte äußern: Die Medizin ist voll von schwierigen Entscheidungen und ich bitte die Benzodiazepin Community die SSRI Entzugsarhakasie als eine valide Indikation für diese Medikamente anzuerkennen. Für schwerwiegende Akathisie mit Selbstmordgedanken können Benzodiazepine lebensrettend sein. Andere Medikamente sind generell wesentlich weniger effektiv für diese ernstzunehmenden
Probleme und riskieren weitere Schädigungen.

Das wiederansetzend des SSRI funktioniert in machen Fällen. Es kann aber auch nicht funktionieren oder die Lage unumkehrbar verschlimmern. Benzodiazepine bringen fast immer eine Symptomentlastung. Manchmal sind hohe Dosen für lange Zeit notwendig.
Häufiger können Sie mit Intervallen von zweimal pro Woche langzeitig gegeben werden ohne eine Abhängigkeit zu erzeugen.
Die einzige Medikation die zuverlässig scheint die Entzugssymptome erträglich zu machen, so das der Betroffene nicht weiter Selbstmord in Betracht ziehen muss, sind die Benzodiazepine.

Abgesehen vom Einsatz jedweder Chemikalien, ist das Abwarten die beste Strategie, wenn die Symptome erträglich und sich langsam verbessernd sind. Ein gesunder Lebensstil (Ernährung, Training, Beziehungen). Verbesserungen benötigen generell Monate oder sogar Jahre, bis eine erneute Grundlinie (Baseline) erreicht ist.

Die Geschwindigkeit des Ausschleichens ist im Optimalfall sehr langsam um akute Symptome zu reduzieren. Jedoch stelle ich fest, dass selbst vorbildlich langsames Ausschleichen nichts an den spät einsetzenden Symptomen ändern mag. Dennoch ist ein sehr langsames Ausschleichen wirklich eine der einzigen verfügbaren Strategien um Entzugsbedingte Akathisie zu mildern.
Mein derzeitiger Ansatz ist es so langsam auszuschleichen, dass minimale bis gar keine Entzugssymptome während des Ausschleichens auftreten. Apotheken sind in der Lage
Dosierungen herzustellen, die ein sehr langsames Ausschleichen ermöglichen. Zudem sind einige SSRIs in flüssiger Form verfügbar, so dass es einfacher ist Dosierungen für das Ausschleichen abzumessen. Effexor und Cymbalta sind mit Kügelchen gefüllte Kapseln die ebenfalls ein sehr langsames Ausschleichen durch Öffnen der Kapseln entfernen einiger Kügelchen ermöglichen.

Für Patienten, die SSRIs weniger als 5 Jahre eingenommen haben ist mein Ansatz die Dosis alle ein bis zwei Monate um 10% zu reduzieren bis die Hälfte der Dosis erreicht ist, und dann in 5% Schritten weiter zu machen. Sollte die erste 10% Dosissenkung irgendwelche bedeutsamen
Symptome zur folge haben empfehle ich normalerweise die Ursprungsdosis wieder aufzunehmen und erneut in 5% Schritten zu beginnen. Dementsprechend, wenn 5% zu schnell ist, kehrt man zur Originaldosis zurück und versucht 2.5%.

Sollten trotz einer Dosisreduktion von 2,5% alle ein bis zwei Monate signifikante Entzugssymptome auftreten, vor allem frühzeitig, empfehle ich schnell zur Ursprungsdosis
zurückzukehren, anstatt länger auf eine Besserung zu warten. Dieser Grad an Sensitivität hat eine schlechte Ausschleichprognose. Das schnelle Wiederansetzen scheint die schwerwiegenderen Entzugssymptome zu vermeiden.

Durch sehr langsames Ausschleichen und enge Überwachung können Entzugssyndrome durch schnelles Wiederansetzen vermieden werden. Unglücklicherweise, hält dies den Patienten davon ab das SSRI absetzen zu können.

Da dies meine Beobachtungen sind und nicht die Ergebnisse einer kotrollierten Forschung, sollten meine Ergebnisse als solche bedacht werden. Das sehr reale Problem von anhaltenden, hartnäckigen SSRI Entzugssyndromen sollte am besten vermieden werden. Jeder Versuch die Dosis zu reduzieren, besonders nach 7 bis 10 Jahren, sollte sehr langsam ausgeführt werden mit
sofortigem Wiederansetzen sobald Entzugssymptome auftreten die besonders unangenehm sind.
Für Patienten in der Langzeiteinnahme von SSRIs, die neue Probleme mit Angst und Depression entwickeln und medizinische Hilfe suchen, ist es wahrscheinlich die bessere Idee die bestehende Medikation beizubehalten und eine neue Medikation hinzuzugeben, als zu versuchen die erste Medikation auszuschleichen.

Derzeit befürworte ich einen Ausschleichplan, der so langsam ist, dass, wenn möglich, gar keine
Absetzsymptome auftreten. Wenn ernsthafte Absetzsymptome auftreten bietet ein Benzodiazepin Erleichterung und kann lebensrettend sein.

Obwohl es dafür keine feststehenden Regeln gibt sollte der Heilungsprozess, wenn einmal Langzeit Akathisie-artige Entzugssyndrome aufgetreten sind, in Jahren gemessen werden und nicht in Monaten.

So lange der generelle Trend eine Verbesserung zeigt, kann erwartet werden, dass mit der Zeit eine komplette Heilung eintritt. Wenn ein Jahr ohne Anzeichen einer Verbesserung vergangen ist, scheint das Ausprobieren anderer Medikamente die vernünftigere Strategie zu sein - wobei der Patient trotzdem Gefahr läuft, dass sich sein Zustand verschlechtert.


Liebe Grüße,

Ulrich
Zuletzt geändert von Murmeline am Donnerstag, 02.08.18, 20:18, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Lesbarkeit verbessert. Quelle eingefügt
Aktuell:
40mg Citalopram
0.5mg Tavor

29.06.18 - 02.08.18: 2-3x 20mg Pipamperon
04.07.18 - 30.07.18: 30mg Citalopram
25.06.18 - 03.07.18: 20mg Citalopram
21.06.18 - 24.06.18: 10mg Citalopram

Bis April 2018
Seit 2008 Citalopram in Dosen zwischen 20mg und 10mg / Tag.
Ausgeschlichen mit letzter Dosis (2,5 mg jeden 2. Tag)
.

Murmeline
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Re: Nachtrag

Beitrag von Murmeline » Samstag, 04.08.18, 10:17

ulrich123 hat geschrieben:
Mittwoch, 01.08.18, 18:16
Liebes Forum,

gerade war die Ärztin bei mir. Sie hat sich mit der Oberärztin besprochen und beide Stimmen dem
Ansatz es mit Lamotrigin zu probieren zu. Der Artikel hier aus dem Forum hat sie überzeugt. Sie kannten
das beide noch nicht. Das macht mir etwas Hoffnung. Ausserdem bekomme ich gegen die Suizidgedanken
vorerst noch Tavor dazu.

Liebe Grüße,

Ulrich
Hallo Ulrich,

Tja, den aktuellen Stand der Forschung auf deutsch übersetzt gibt es eben nur bei uns. Eigentlich wirklich traurig.

Da du dich jetzt für diese Strategie entschieden hast, hoffw ixh, dass du so eine Stabilität bekommst und dann weitersehen kannst.

Danke für die Übersetzung. Shipko ist sicher für manche erleichternd, weil er Symptomkomplexe benennt und beschreibt. Seine „pessimistische“ Grundhaltung macht es für andere wiederum nicht leicht. Ich erkenne ihn an, weil er sich für das Thema interessiert und Stellung bezieht. Ich stimme aber nicht mit allem überein, und an den Kommentaren unter seinen Artikel sieht man, das seine Haltung auch kontrovers diskutiert wird.

Alles Gute für dich! Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
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