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Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Stell Dich bitte hier vor, wenn Du Probleme mit Psychopharmaka hast, Infos brauchst oder noch nicht weißt, ob Du abdosieren solltest.
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Eagle
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Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Eagle »

Hallo allerseits, :)

nachdem ich hier nun schon längere Zeit stiller Mitleser bin, möchte ich mich nun auch einmal vorstellen.


Ich und meine Vorgeschichte:
- m, 25
- mein ganzes Leben schon psychische Probleme (allg. Ängste, soziale Phobie, Hypochondrie)
- 2015 die erste richtige depressive Episode, seitdem immer wiederkehrend Episoden
- Ich war mit mir und meinem Leben absolut nicht im Reinen.


Mein Weg unter Venlafaxin:
- Ende 2016 wieder in therpeutischer und erstmals auch in psychiatrischer Behandlung
- Verschreibung Venlafaxin 150 mg (75 mg zeigte zunächst keine Wirkung)
- Wirkungseintritt nach ca. zwei Wochen, Fühlen gedämpft, wie betäubt, aber angenehm
- Durchbruch erst mithilfe neu entdeckter Spiritualität und Psychotherapie im Januar 2017
- Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich frei gefühlt.

Ich war stabil und blühte regelrecht auf. In Absprache mit meinem Psychiater reduzierte ich Ende April 2017 zunächst auf 75 mg, sollte dann für vier Wochen 37,5 mg nehmen und es dann ganz absetzen. Weil ich mich aber stabil fühlte, setzte ich es schon nach zwei Wochen auf 37,5 mg ab.

Bereits zwei Tage später bemerkte ich, dass etwas schieflief. Da waren plötzlich heftige emotionale Schmerzen, denen ich auch mit allen so bewährten neuen Denkmustern und Übungen nicht beikam.
Das waren vor allem Angstgefühle, besonders alte Angstgefühle kamen in nie dagewesener Heftigkeit wieder auf. Dazu "Brainzaps", bleierne Erschöpfung, Schwäche und weitere depressive Symptome.

- Nachdem auch nach über fünf Wochen keine Besserung: erneute Verschreibung 75 mg -> 150 mg
- Trotzdem kein Durchbruch, sogar kurzzeitige Krankschreibung, chronisch depressiver Zustand
- Kein Ausweg, alle Lichtblicke wurden nach kurzer Zeit wieder von Schmerz überdeckt
- Kognitive Leistungsfähigkeit eingeschränkt
- Gefühl, dass Emotionen da waren, aber nicht durchkamen, soziale Situationen oft kaum auszuhalten

Ans Absetzen dachte ich damals nicht. Erst wollte ich im "Schutz" des ANTIDEPRESSIVUMS stabil werden, wartete aber vergebens.


Die Erkenntnis und das Absetzen:

Anfang Februar 2018 reduzierte ich wieder auf 75 mg. Da die Psychotherapie bei mir auch nach Monaten keine Besserung bewirkte, brach ich sie ab und ging zu einem Heilpraktiker. Dieser sah Antidepressiva allgemein und Venlafaxin im Besonderen sehr kritisch. Plötzlich wurde mir klar, dass ich das Zeug absetzen musste.
Aufgrund der desaströsen Erfahrungen nach dem ersten Versuch, beschloss ich langsamer vorzugehen, musste aber meine Absetzschritte wieder und wieder verkleinern, mein Ziel, wann ich auf 0 sein wollte, immer weiter verschieben.

Ich reduzierte bisher in den folgenden Schritten von 150 mg:

02.02.2018: 75 mg
07.03.2018: 37,5 mg
30.03.2018: 24 mg
23.04.2018: 18 mg
04.06.2018: 15 mg
22.07.2018: 13,5 mg
20.08.2018: 12 mg

Kurzum: Ich ging vor allem psychisch-emotional durch die Hölle, musste mich ständig vom emotionalen Schmerz ablenken. Es war als ob mein Herz verkrampfen würde. Ich war dünnhäutig, kognitiv eingeschränkt, ängstlich, depressiv. Mehrmals kam ich der Erträglichkeitsgrenze nahe, allerdings erst nach dem Schritt auf 15 mg.

Dann der letzte Schritt von 13,5 auf 12 mg: Die ersten Wochen waren hart genug, doch nach ca. drei Wochen, ein paar Tage nach einem für mich stressigen Urlaub, brach plötzlich zum ersten Mal richtig die Dunkelheit über mich herein. Im Gegensatz zum bisherigen Absetzen war das Fühlen dunkler und angstbeladener. Das waren wirklich widerliche Gefühle, die mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen schienen.

Während sich die Absetzsymptome zunehmend stabiliseren, hatte sich in letzter Zeit dafür wieder ein depressiver Zustand eingeschlichen, weil ich einfach keine Perspektive mehr sah.
Ich bin jetzt 25, und würde gerne einfach mal leben. Vermutlich sind selbst 10%-Reduktionen für mich zu viel, also müsste ich es noch langsamer angehen und es würde am Ende mindestens mehrere Jahre dauern. :cry:

In den letzten Tagen fiel mir plötzlich auf, wie sehr ich mich an dem Ziel 0 mg festgeklammert hatte. Erst dann würde ich wieder leben können, das war mein Weg. Ich war bereit, dafür durch die Hölle zu gehen und das bin ich auch mittlerweile über ein halbes Jahr.

Doch nun, wo ich mich langsam vom letzten Schritt erhole, höre ich, wie mich mein Leben ruft und plötzlich frage ich mich, ob das weitere Absetzen nach dem Motto "so schnell wie möglich" wirklich das Richtige ist, ob ich wirklich bis 0 kämpfen muss, um wieder leben zu dürfen.
Ich bin von 150 mg auf 12 mg runter und es war ein verdammt harter Weg bisher. Vielleicht bin ich einfach nur müde vom Absetzen.
Das chronisch Depressive spüre ich nicht mehr.

Meine Idee ist es, die 12 mg zu halten (es hat sich schon viel gebessert in neun Wochen) und irgendwann so kleinschrittig zu reduzieren (über viele Jahre), dass mein Körper davon am Besten kaum etwas merkt und dabei ein normales Leben führen zu können.

Was haltet ihr davon? :roll:

Sorry für die lange Geschichte ;)


Viele Grüße

Eagle
Zuletzt geändert von padma am 18.10.2018 18:11, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel um Benutzername ergänzt
m, Jahrgang 1993
Venlafaxin seit Dezember 2016 wegen Depressionen (zunächst positive Wirkung ab 150 mg)

Erster Entzug im Mai 2017 (150 mg -> ca. 4 Wochen 75 mg -> ca. 2 Wochen 37,5 mg -> 0 mg)
schwere, v.a. psychische Symptome, Wiedereinnahme Venlafaxin nach 5 Wochen ohne Besserung

Auch auf 150 mg keine Rückkehr zum vormals stabilen Zustand, Zustand der Betäubung, chronisch depressiv
mehrfacher Wechsel zwischen 150 mg und 75 mg

Absetzverlauf seit März 2018 (Ausgangsdosis: 150 mg)
02.02.2018: 75 mg
07.03.2018: 37,5 mg
30.03.2018: 24 mg
23.04.2018: 18 mg
04.06.2018: 15 mg
22.07.2018: 13,5 mg
20.08.2018: 12 mg
- ABSETZSTOPP -
irgendwann, spätestens Anfang Oktober 2018: 10,4 mg (unbeabsichtigt, durch kleinere Kügelchen :D )
09.02.2019: 11,2 mg

Schwere, v.a. neuro-emotionale/psychische Absetzsymptome, Derealisationsgefühle, "emotionales System" schwer angeschlagen, besonders seit Erreichen der 12 mg
loewe55
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von loewe55 »

Hallo Eagle,
auch ich bin beim Absetzen von Venlafaxin. Ich habe längere Zeit von 112,5 mg auf 37,5 mg reduziert und bis dahin keine Probleme gehabt. Als ich unter 37,5 rutschte, ging es mir nicht mehr gut. Ich fand das Forum und habe kurzfristig etwas aufdosiert. Dann ein erneuter Versuch mit 10%, der auch nicht geklappt hat.😱

Nun habe ich eine Pause eingelegt, um mich zu stabilisieren. Wenn ich weiter reduziere, mache ich noch kleinere Schritte und versuche es mit 5%.

Ich kann nur raten, lass dir Zeit. Lieber etwas länger und problemlos als unbedingt schnell auf 0.

Ich werde mich also in den 🐌 🐌-Club einreihen. Wir werden das schon schaffen.

Alles Gute 🍀 und viel Erfolg 🍀 für dich.
LG loewe
12/2015 wegen PA 30 mg Mirta, 2016 Januar 3 Todesfälle in Familie innerhalb von 3 Wochen, außerdem Jobverlust Nichts geht mehr, ich bestehe nur noch aus Angst
Mai 2016 auf eig. Wunsch 7 Wochen stat., Mirta raus, dafür Cita und Prega: Furchtbare 4 Wochen, kein Schlaf, heißes Körperbrennen
Juni 2016 langsame Besserung, Schlaf kommt wieder
August 2016 5 Wochen Tagesklinik, stabilisiere mich
Wirkverlust Cita, dafür Venla ab Januar 2017
Juni 2017 Reha, bei Entlassung fast symptomfrei, Venla112,5 mg, Lyrica 100-0-100,
2017 August Venla auf 100 mg, September auf 90 mg, Oktober 75 mg, November 60 mg, Dezember 50 mg
2018 Januar Venla auf 45 mg, Februar 37,5mg, Befinden nicht mehr gut, März 2018 Venla 34 mg, dann wieder hoch auf 37,5, April 2018 auf 31 mg
Befinden schlechter, massive Ängste, finde das Forum
16.05.18 Erhöhung um 2,1 mg
31.05.18 Erhöhung um 1,5 mg, bin jetzt bei 34,6 mg
05.06.18 leichte Besserung, Versuch der Stabilisierung
12.07.18 Erhöhung auf 37,5 mg: keine Veränderung, weiterhin Angst wie gewohnt
24.08.18 immer noch auf 37,5 es geht mir besser, kurze Angstgefühle, aushaltbar
21.09.18 versuche seit 10 Tagen Prega um 10 mg zu reduzieren, gescheitert, Absetzpause
Medikation derzeit: Venla 37,5 mg / Pregabalin 175 mg
29.04.2019: Prega auf Wasserlösmethode, Venla Pause
10.05.19: Pregabalin auf 155 mg
Dieses Mal auch körperliche Symptome wie Brain zaps, Nackenschmerzen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Schwäche in den Beinen, Erschöpfung, Schwere
24.06.19: Prega auf 145 mg 16.07.19: Prega auf 137 mg
12.08.19: Prega auf 125 mg 05.09.19: Prega auf 123 mg
16.09.19: Prega auf 120 mg 26.09.19: Prega auf 118 mg
06.10.19: Prega auf 115 mg 27.10.19: Prega auf 110 mg
Starke Symptome: Angst und Panik, Durchdreh- und Zwangsgedanken, Angst vor Angst, Übelkeit, möchte kaum noch rausgehen, fühle mich wie „festgetackert“
11.11.19: erste leichte Verbesserungen/ Fenster
23.11.19: Aufdosierung auf 112 mg wg.starker Ängste
30.11.19: Pregabalin auf 110 zurück, da keine Besserung
07.12.19: Prega auf 100 mg 11.01.20: Prega auf 75 mg
01.02.20: Prega auf 60 mg 19.02.20: Prega auf 57 mg
Symptome zeitweise weniger, nicht mehr festgetackert, depressive Phasen weg, Zwangsgedanken fast weg, ein gutes Fenster von 2,5 Tagen völliger Symptomfreiheit
seit 01.02. Einnahme von Omega 3 und OPC
29.02.2020: Prega auf 55 mg 20.03.2020: Prega auf 53
01.04.2020: Prega auf 52 mg 08.04.2020: Prega auf 50 15.04.2020: Prega auf 49 mg 22.04.2020: Prega auf 46
Jetzt weiter mit Venlafaxin
23.04.2020: Venla auf 35,8 mg (-6 K.)
30.04.2020: Venla auf 34,9 mg (-3 K.)
08.05.2020: ——————————————— Prega auf 44 mg
18.05.2020: ——————————————— Prega auf 42 mg
23.05.2020: Venla auf 34,0 mg (-3 K.)
18.06.2020: ——————————————— Prega auf 40 mg
23.06.2020: Venla auf 33,4 mg (-2K.)
28.06.2020: ——————————————— Prega auf 39 mg
03.07.2020: ——————————————— Prega auf 38 mg
06.07.2020: Venla auf 32,8 mg (-2K.)
10.07.2020: ——————————————— Prega auf 37 mg
17.07.2020: ——————————————— Prega auf 36 mg
19.07.2020: Venla auf 32,2 mg (-2K.)
27.07.2020: ------------------------------ Prega auf 35 mg
29.07.2020: Venla auf 31,9 mg (-1K)
20.08.2020: ——————————————— Prega auf 33 mg
30.08.2020: Venla auf 31,0 mg (-3K)
06.09.2020: ——————————————— Prega auf 30 mg
16.09.2020: Venla auf 30,4 mg (-2K) Prega auf 27 mg
Jodie13
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Jodie13 »

Hallo Eagle,
Eagle hat geschrieben: 18.10.2018 17:52
Meine Idee ist es, die 12 mg zu halten (es hat sich schon viel gebessert in neun Wochen) und irgendwann so kleinschrittig zu reduzieren (über viele Jahre), dass mein Körper davon am Besten kaum etwas merkt und dabei ein normales Leben führen zu können.

Was haltet ihr davon? :roll:
Ich glaube, das ist eine gute Idee.

Ich kann den Wunsch, so schnell wie möglich auf 0 zu kommen total gut verstehen. Den habe ich auch (nehme selbst noch 150mg Venlafaxin), muss aber akzeptieren dass mein Körper erstmal eine Pause braucht. Und deiner vielleicht auch?

Ich empfinde es als Fortschritt, dass ich inzwischen in einem Zustand bin, der zwar immer noch schlecht, aber halbwegs erträglich ist. Das möchte ich nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Du hast ja auch wirklich viel durchgemacht. Vielleicht gönnst du dir wirklich eine Pause und machst dann Minimini-Schritte?

Grüsse von einer Venlafaxin-Leidenden zum anderen,

LG Jodie
Mein Thread

Vorgeschichte
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Absetzen aktuell
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Aktuelle Medikamente & Nahrungsergänzungsmittel

*Venlafaxin retard 81,25mg / 1-0-0-0
*Quetiapin unretadiert 50mg / 0-0-0-1


*Vitamin D 5.000 I.E. + Vitamin K2 200µg / 1-0-0-0
*Magnesiumglycinat 120mg / 1-0-1-0
*Omegan 750 Fischöl / 1-1-1-0
*Orthomol vital f (Trinkfläschchen)/ 1-0-0-0
Jamie
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Jamie »

Moin Eagle :)

Leben ist nicht das, was passiert, wenn ein Ziel erreicht wird, sondern auch das davor.
Sogar vorrangig davor.
Die AD - Ausschleichzeit und Leben schließen sich nicht aus und sollen es auch nicht.

Wir empfehlen ja immer so abzusetzen, dass man alltagstauglich bleibt und optimalerweise ist es auch nicht nur eine Durststrecke, sondern man hat auch gute Zeiten.

Ich warne auch eindringlich davor sich darauf zu versteifen, dass auf Null alles gut wird und man dann schrecklich enttäuscht ist, wenn es nicht so ist.
Alle angestoßenen Prozesse sind weiter vorhanden, möchten wahrgenommen und berücksichtigt werden. Die ´Arbeit´ geht weiter und wer psychisch sensibel ist, für den ist das eine lebenslange Herausforderung.

Grüße und willkommen im Forum :)
Jamie
...........SIGNATUR...............


Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis. Bei dringenden Problemen / Anfragen das Forum betreffend bitte an forenmaster@adfd.org wenden

-----------------------------

Infos ueber mich:
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Eagle
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Eagle »

Danke für eure mutmachenden Antworten :)

Hat hier denn auch jemand die Erfahrung gemacht, dass Venlafaxin oder andere SNRI/SSRI regelrecht chronisch depressiv machen?
Bei mir haben sich die depressiven Episoden früher irgendwann immer wieder gebessert, aber unter Venlafaxin war ich nach dem ersten Absetzen trotz Wiedereinnahme der vollen Dosis über etwa ein halbes Jahr einfach dauerhaft depressiv, ohne dass es sich auch nur zeitweise aufgehellt oder sich eine Tendenz zum Positiven abgezeichnet hat.

Gruß
Eagle
m, Jahrgang 1993
Venlafaxin seit Dezember 2016 wegen Depressionen (zunächst positive Wirkung ab 150 mg)

Erster Entzug im Mai 2017 (150 mg -> ca. 4 Wochen 75 mg -> ca. 2 Wochen 37,5 mg -> 0 mg)
schwere, v.a. psychische Symptome, Wiedereinnahme Venlafaxin nach 5 Wochen ohne Besserung

Auch auf 150 mg keine Rückkehr zum vormals stabilen Zustand, Zustand der Betäubung, chronisch depressiv
mehrfacher Wechsel zwischen 150 mg und 75 mg

Absetzverlauf seit März 2018 (Ausgangsdosis: 150 mg)
02.02.2018: 75 mg
07.03.2018: 37,5 mg
30.03.2018: 24 mg
23.04.2018: 18 mg
04.06.2018: 15 mg
22.07.2018: 13,5 mg
20.08.2018: 12 mg
- ABSETZSTOPP -
irgendwann, spätestens Anfang Oktober 2018: 10,4 mg (unbeabsichtigt, durch kleinere Kügelchen :D )
09.02.2019: 11,2 mg

Schwere, v.a. neuro-emotionale/psychische Absetzsymptome, Derealisationsgefühle, "emotionales System" schwer angeschlagen, besonders seit Erreichen der 12 mg
KarlHeinzUwe2018
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von KarlHeinzUwe2018 »

Hallo Eagle,

bei mir war es auch so. Nachdem ich mit AD angefangen hatte, wurde ich rasch chronisch depressiv, was ich anfangs nicht mal mitbekommen hatte. Ich war da zu naiv schätze ich. Aber man darf nicht vergessen das jeder Mensch anders reagiert.

mfg KHU
[spoil]1.November zu viel gegessen, heftiges schwallartiges Erbrechen, Arzt verschrieb mir Omeprazol (habe reflux)
November 2017: Omeprazol 20mg (von tag zu tag mehr)
Mitte Dezember 2017: Mirtazapin 30mg (eine woche lang mit 15mg eingeschlichen
Februar-August 2018: runter auf 15mg
seit august: domperidon 10mg (mehrere täglich, problem mit qt-intervall dadurch)
August 2018: kurzzeitig auf 7,5mg verringert, wegen übelkeit (wusste nichts von absetzerscheinungen) dann wieder auf 15mg
September 2018: Hin und her probiert mit der dosis, jetzt seit 4.oktober auf 30mg auf anraten des arztes, unfassbare übelkeit am 7.10.2018, ich vertrage immer weniger Nahrungsmittel, obwohl das die letzten Monate sich sehr gebessert hatte und nun alles wieder kaputt
seit 8.September wieder auf 15 mg runter bei Mirtazapin, werde die dosis erstmal halten, hoffe das reflux wieder weniger wird
seit 11.Dezember runter auf 7,5 mg
Gefühle kommen stärker durch
Alpträume der heftigsten Sorte
Träume besser geworden, aber seit der 5.Woche ist der Magen wie zugeschnürt
18.01.2019 "Cold Turkey"
Magen und Zähne problematisch, Müdigkeit am Tag, veränderter Geschmack[/spoil]
Anikke
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Anikke »

Hallo eaggle,

willkommen im ADFD. Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum: Das ADFD ist ein Selbsthilfeforum und lebt vom gegenseitigen Austausch von Betroffenen untereinander. Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen. Bitte lies dich aber zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva

Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen "Umgang mit dem Entzug" und "Gesundheit".

Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "hallo" zu beginnen und einem Gruss zu beenden.
Wenn du dich für eine Antwort bedanken möchtest, kannst du auf den Daumen hoch Button rechts oben in dem jeweiligen Beitrag clicken.
Wenn du Kraftausdrücke verwenden willst, benutze dafür bitte den censored smiley, also z.B. sch :censored:

Beachte bitte auch unsere Regeln.

Damit die Beiträge besser lesbar sind, füge bitte Absätze und Leerzeilen ein. Es kann etwas dauern, bis du eine persönliche Antwort auf dein Anliegen bekommst, bitte habe etwas Geduld.

Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,

liebe Grüsse

Anikke
► Text zeigen
Naali
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Registriert: 22.08.2018 19:45
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Danksagung erhalten: 10 Mal

Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Naali »

Eagle hat geschrieben: 21.10.2018 19:35 Danke für eure mutmachenden Antworten :)

Hat hier denn auch jemand die Erfahrung gemacht, dass Venlafaxin oder andere SNRI/SSRI regelrecht chronisch depressiv machen?
Bei mir haben sich die depressiven Episoden früher irgendwann immer wieder gebessert, aber unter Venlafaxin war ich nach dem ersten Absetzen trotz Wiedereinnahme der vollen Dosis über etwa ein halbes Jahr einfach dauerhaft depressiv, ohne dass es sich auch nur zeitweise aufgehellt oder sich eine Tendenz zum Positiven abgezeichnet hat.

Gruß
Eagle
Hallo Eagle

Bei mir war es sogar so das Dass Venlafaxin die richtige Depression erst ausgelöst hat. Klar war ich vorher immer mal traurig drauf,aber so richtig Depressiv wurde ich erst mit dem Venlafaxin. :(
Ich bin mir mittlerweile aber sicher das mein Körper wieder heilen wird. Ich muss zwar vieles ruhiger angehen und darf mir nicht mehr so viel Stress machen. Aber das wird alles wieder. Wenn es auch nur langsam voran geht. :)

Liebe Grüße
Naali
Diagnose: Depression, Soziale Phobie, Panikstörung mit Agoraphobie

[spoil]
05.2006 Trevilor 75mg
11.2006 Trevilor 150mg
29.10.2009 Trevilor 300mg
02.11.2009 Trevilor 150mg
2010 Trevilor ausgeschlichen
Jahre lang Absetzsymtome : z.B.Halluzinationen, leichtes Muskelzucken
Durch großen Schicksalsschlag in ein tiefes Loch gefallen
Noteinweisung in Tagesklinik
Diagnose: erhöhte Suizid Gefahr, Anpassungsstörung,Starke Depression, Trauma
2012 Kytta Sedativum +Laif900
Hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht
10.2013 abgesetzt und stattdessen Venlafaxin 75mg
05.2016 Venlafaxin 75mg ausgeschlichen
08.2016 leichte Panikattacken, Schlafstörungen
Bachblüten Notfall Pastillen
03.2017 Nervenzusammenbruch, starke Panikanfälle wo ich dachte ich sterbe gleich, Taumlig, derealisation
05.2017 kurzzeitig und unregelmäßig Mirtazapin 7.5mg
Habe mir keinen anderen Ausweg mehr gesehen als Venlafaxin wieder einzuschleichen
06.2017 Einschleichen Venlafaxin 37,5 mg
Krampfanfall
Opipramol 12,5 mg
07.2017 Venlafaxin 75 mg
Opipramol 12,5 mg
Opipramol abgesetzt
MIRTAZAPIN 7,5 mg
08.2017 Mirtazapin abgesetzt
08.2017 Anfang einer Psychotherapie
07.2018 Glaukomanfall [/spoil]

Absetzverlauf

26.09.2018 -5% weniger 71,25mg [ Übelkeit,Muskelzucken, Kopfschmerzen]
13.10.2018 -5 % weniger 67,69 mg [ Kopfschmerzen, niedrigen Blutdruck,Hitzewallung , Halluzinationen,leichte Panik, nächtliches schwitzen, grippaler Infekt, Herzrasen]
15.11.2018 zusätzlich 1 Brausetablette Magnesium 4g
25.12.2018 Wechsel von 1A Pharma zu Aluid
07.01.2019 Omega 3 320mg EPA , 200 mg DHA ,Vitamin E 24mg
08.01.2019 -10% weniger Venla 60,61mg
[ niedriger Blutdruck, Stimmungsschwankungen, Lichtblitze, Halluzinationen,nächliches schwitzen,wortfindungs Störung, realistische , wirre Träume, wieder Schnupfen, Panikattacke, Depressive Episode]
13.04.2019 -10% weniger Venla 54,83 mg
06.06.2019 -10 % weniger Venla 49,34 mg

14.08.2019 -23,8% weniger Venla 37,50 mg
( total verrechnet :frust: Ich und Zahlen: Wir werden wohl keine Freunde mehr! :rotfl: )
(leichte Brain Zaps in der Nacht, Migräneanfälle, Unterbauchschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen)
Sommersprosse
Beiträge: 699
Registriert: 01.06.2015 06:18
Hat sich bedankt: 395 Mal
Danksagung erhalten: 490 Mal

Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Sommersprosse »

Hallo Eagle,

auch ich begrüße dich recht herzlich im ADFD.

Du fragst:
Hat hier denn auch jemand die Erfahrung gemacht, dass Venlafaxin oder andere SNRI/SSRI regelrecht chronisch depressiv machen?
Ich sehe für mich als Langzeitbetroffene (35 Jahre mit Unterbrechungen) und Einnahme von div. ADs schon einen Zusammenhang einer chronischen Depression.
Auf Nachfrage, ob ich sie zeitlebens einnehmen müsste, wurde mir seitens versch. Fachärzte mit einem "JA" angeraten.
Sie sollten mich stabil halten. Somit nahm ich fleißig über diesen langen Zeitraum meine Medikamente ein und fiel immer mal wieder in tiefe Löcher.

Für mich passte da ebenfalls etwas nicht, hatte aber Respekt vor diesen Aussagen, wollte ja nicht das es mir noch schlechter ging.

Erst als ich dieses Forum für mich fand, mich hier eingelesen hatte, div. Bücher und Berichte im Netz las, wurde mir ganz bewußt - ich setze ab.

Mein Vorteil war, das ich unter Kurzeinnahme eines anderen Medikaments starke Nebenwirkungen entwickelte, dieses relativ zügig wieder absetzen konnte, mich dann auf mein eigentliches absetzen von Venlafaxin konzentrieren konnte.

Dies ist jetzt über 3 Jahre her - fühle mich allgemein stabiler, mir geht es sehr gut.
Mein unerholsamer Schlaf vieler Jahre gehört nicht mehr zu meinem Leben.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen das du ebenfalls deine positiven Erfahrungen machen kannst, und es dir nach dem absetzen wieder besser gehen wird.

Gute Besserung und liebe Grüße, Sommersprosse ( n) :schnecke:
Ich habe z.Zt. ein kleines, techn. Problem - kann bei einigen Threads keine DANKSAGUNG vergeben, u. bitte um Verständnis

2. Reduzierungsverlauf:[spoil]
Ausgangsmedikation:
Trevilor: 112,5mg/Ret.

(Kügelchenmethode) >Dr. Peter Breggin

01.06.2019 | 39 Küg.
29.06.2019 | 35 Küg.
27.07.2019 | 31 Küg.
24.08.2019 | 28 Küg.
21.09.2019 | 26 Küg.
19.10.2019 | 25 Küg.
16.11.2019 | 21 Küg.
14.12.2019 | 19 Küg.
04.01.2020 | 17 Küg.
01.02.2020 | 17 Küg.
29.02.2020 | 14 Küg.
28.03.2020 | 13 Küg.
1 Jahr
25.04.2020 | 11 Küg.
23.05.2020 | 09 Küg.

Bild .......... Der Weg ist das Ziel
.........................Zitat von Konfuzius
padma
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von padma »

hallo Eagle, :)
Hat hier denn auch jemand die Erfahrung gemacht, dass Venlafaxin oder andere SNRI/SSRI regelrecht chronisch depressiv machen?
Dass das passieren kann ist mittlerweile durch Studien belegt.viewtopic.php?f=6&t=8851

Das ist mit ein Grund dafür, dass AD zur Langzeiteinnahme nicht geeignet sind. Auch wenn gerne angeführt wird, sie könnten Rückfälle verhindern.

liebe Grüsse,
padma
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seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, im :schnecke: Tempo ausgeschlichen
Absetzverlauf:
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1.1.2020: 0 mg, Die :schnecke: steht auf dem Kilimanjaro :D



Was finde ich wo im Forum
Infoartikel: Antidepressiva absetzen
FAQ: Alles, was Ihr übers Absetzen wissen müsst!




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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Edi567 »

Hallo Eagle.

Ich kann es nur bestätigen, ich hatte nie Depressionen, nicht mal ne melancholische Stimmung.
Ich bekam damals Venla wegen Nervosität :frust:

Auch die von Venla ausgelöste Panikattacke und die darauffolgende Steigerung bescherte mir seither zahlreiche Depressive Phasen ! :(
Jamie hat geschrieben: 19.10.2018 10:55

Alle angestoßenen Prozesse sind weiter vorhanden, möchten wahrgenommen und berücksichtigt werden. Die ´Arbeit´ geht weiter und wer psychisch sensibel ist, für den ist das eine lebenslange Herausforderung.
Was genau meinst du damit liebe Jamie ?? :?

Lg Edi
Venlafaxin 2013 - 2016 125mg keine Probleme.

Seit erster Panikattacke im Jänner 2017, 225mg Venlafaxin und die Probleme wurden größer und größer!
17.Juni 18 / 205mg (-65 Küglechen)
1.April 19 / 196mg (-95 Kügelchen)
3.Juni 19 / 188mg (-120 Kügelchen)
30.Juli 19 / 179mg (-150 Kügelchen)
10.Okt.19 / 169mg
23.Dez.19/ 159mg
4. Feb. 20/ 150mg
(Neues Präperat, Anzahl der Kügelchen varieren)

2018 ab Sommer ständiges hin und her mit der Trittico Dosis, schlimme Folgen!
Zurzeit ca. 50mg Trittico geteilt NM und Abends!


Jänner 17 - Dezember 17 unkontrollierter Gebrauch von Lorazepam danach Diazepam. Mehrere Entzugsversuche, seit Dezember 17 kein Benzo mehr!
Stolze 17 Monate ohne Diazepam.
Nie mehr Benzos!!!

Derzeitige Medikation
150mg Venlafaxin
50mg Trittico
3000i.E. Vit D plus K2 und 0,2mg Folsäure (Wert im Keller)
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Eagle »

Hallo zusammen,

ich melde mich mal wieder zurück.

Leider habe ich noch immer mit anhaltenden Beschwerden zu kämpfen.
Ich hatte ja vor, auf 12 mg zu bleiben und abzuwarten. Im November habe ich dann zufällig bemerkt, dass ich vermutlich seit Anfang Oktober, vllt. auch viel früher auf 10,4 mg war (kleinere Kügelchen). Upps :D

Naja, ich bin dann darauf geblieben, da es schon min. 1 Monat her war. Diesen Schritt habe ich auch nie wirklich gemerkt.

Meine Gefühlszustände entwickelten sich über den Herbst und Winter von Angst und Dunkelheit über widerliche neuro-emotionale Gefühle hin zu schmerzhafter Depersonalisierung. Ich bin stark antriebsvermindert, sehr oft einsilbig und ohne Freude oder Interessen. Dazu plagt mich eine große Unruhe, dass ich mich ständig ablenken muss.
Von Dezember bis vor einer Woche war es jeden Tag so schlimm, dass ich es kaum ausgehalten habe.

Gerade ist es auszuhalten, aber weiterhin sehr unangenehm. Zwischendurch hatte es sich psychisch schonmal halbwegs aufgehellt für einen Tag oder so. Manchmal habe ich das Gefühl, es wird besser, manchmal nicht. Ich kann es kaum objektiv sagen.

Mein Plan ist simpel: Stellung halten. Ich bleibe bei 10,4 bis es besser wird. Wieder aufzudosieren möchte ich möglichst vermeiden.
Aber ob und wie ich jemals von den 10,4 mg runter komme, weiß ich nicht. Die letzten Monate waren jedenfalls so grausam, dass ich das wieder erleben will.


Aufdosieren möchte ich nicht, weil ich nicht weiß, ob es dann besser wird bzw. ich dann ja irgendwann auch wieder reduzieren müsste. :frust:
Bitte sagt es mir, wenn ich irgendwie auf dem Holzweg bin. :roll:

Viele Grüße

Eagle
m, Jahrgang 1993
Venlafaxin seit Dezember 2016 wegen Depressionen (zunächst positive Wirkung ab 150 mg)

Erster Entzug im Mai 2017 (150 mg -> ca. 4 Wochen 75 mg -> ca. 2 Wochen 37,5 mg -> 0 mg)
schwere, v.a. psychische Symptome, Wiedereinnahme Venlafaxin nach 5 Wochen ohne Besserung

Auch auf 150 mg keine Rückkehr zum vormals stabilen Zustand, Zustand der Betäubung, chronisch depressiv
mehrfacher Wechsel zwischen 150 mg und 75 mg

Absetzverlauf seit März 2018 (Ausgangsdosis: 150 mg)
02.02.2018: 75 mg
07.03.2018: 37,5 mg
30.03.2018: 24 mg
23.04.2018: 18 mg
04.06.2018: 15 mg
22.07.2018: 13,5 mg
20.08.2018: 12 mg
- ABSETZSTOPP -
irgendwann, spätestens Anfang Oktober 2018: 10,4 mg (unbeabsichtigt, durch kleinere Kügelchen :D )
09.02.2019: 11,2 mg

Schwere, v.a. neuro-emotionale/psychische Absetzsymptome, Derealisationsgefühle, "emotionales System" schwer angeschlagen, besonders seit Erreichen der 12 mg
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Jodie13 »

Hallo eagle,

bin selber noch vielzusehr Absetzneuling um irgendwas fundiert raten zu können. Aber ich wollte dir gerne sagen dass ich mit dir fühle und dass du nich allein mit dieser Sch :censored: bist.

Macht dir der Winter und die Dunkelheit auch so zu schaffen? Das macht es bei mir z.B. grade extra schwer. Das mit der Depersonalisation kenne ich auch sehr gut, leide schon sehr lange (schon vor dem Absetzen) drunter. Ist ein mieses Gefühl, bei mir ist es so, je weniger ich darauf achte, desto besser. Also versuchen die Aufmerksamkeit irgendwie wegzulenken.

Gibt es irgendwas was dir gut tut, Freude bereitet und sei es nur für einen Moment?
Halte durch!

Lg Jodie
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Aktuelle Medikamente & Nahrungsergänzungsmittel

*Venlafaxin retard 81,25mg / 1-0-0-0
*Quetiapin unretadiert 50mg / 0-0-0-1


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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Jamie »

Hallo Eagle, :)

ich glaube nicht, dass du auf dem Holzweg bist :hug: .

Aber es ist ein steiniger Weg, und das merkst du ja selbst.

Ich würde an deiner Stelle auch die Dosis halten und wirklich auf Exaktheit der Dosierung achten.
Du schreibst es sind kleinere Kügelchen. Hast du denn eine neuen Hersteller bekommen?
Du weißt, dass du jede Charge neu auszählen musst?
Eventuell solltest du das jetzt nachträglich noch einmal tun und nachrechnen, ob du überhaupt das einnimmst, was du glaubst einzunehmen? :o

Viele Grüße
Jamie
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Eagle »

Jodie13 hat geschrieben: 14.01.2019 21:29 Hallo eagle,

bin selber noch vielzusehr Absetzneuling um irgendwas fundiert raten zu können. Aber ich wollte dir gerne sagen dass ich mit dir fühle und dass du nich allein mit dieser Sch :censored: bist.

Macht dir der Winter und die Dunkelheit auch so zu schaffen? Das macht es bei mir z.B. grade extra schwer. Das mit der Depersonalisation kenne ich auch sehr gut, leide schon sehr lange (schon vor dem Absetzen) drunter. Ist ein mieses Gefühl, bei mir ist es so, je weniger ich darauf achte, desto besser. Also versuchen die Aufmerksamkeit irgendwie wegzulenken.

Gibt es irgendwas was dir gut tut, Freude bereitet und sei es nur für einen Moment?
Halte durch!

Lg Jodie
Danke, Jodie! Ja, ich glaube auf jeden Fall, dass die Dunkelheit eine Rolle spielt, aber die Tage werden jetzt ja wieder länger. :)
Hoffnung geben mir die kurzen Zeitfenster, wenn es besser ist und ich merke, dass es die Freiheit noch gibt. Letztlich entsteht unser Bild von uns und der vermeintlich hoffnungslosen/schlimmen Zukunft aber aus der augenblicklichen Wahrnehmung, und die ist oft verzerrt. Sich das bewusst zu machen hilft mir manchmal.

Jamie hat geschrieben: 15.01.2019 09:48
Ich würde an deiner Stelle auch die Dosis halten und wirklich auf Exaktheit der Dosierung achten.
Du schreibst es sind kleinere Kügelchen. Hast du denn eine neuen Hersteller bekommen?
Du weißt, dass du jede Charge neu auszählen musst?
Eventuell solltest du das jetzt nachträglich noch einmal tun und nachrechnen, ob du überhaupt das einnimmst, was du glaubst einzunehmen? :o

Viele Grüße
Jamie
Hallo Jamie,
ich habe seitdem mehrfach nachgezählt. Den Hersteller habe ich nicht gewechselt (biomo). Jetzt achte ich aber drauf.
Doch ich frage mich auch, welche Rolle der Nocebo-Effekt beim Reduzieren spielt. Vielleicht eine größere als bisher bekannt ist?

Viele Grüße

Eagle
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Jodie13 »

Eagle hat geschrieben: 15.01.2019 22:54 Doch ich frage mich auch, welche Rolle der Nocebo-Effekt beim Reduzieren spielt. Vielleicht eine größere als bisher bekannt ist?
Hallo nochmal,

glaube auch, dass das eine Rolle spielt, also die Befürchtungen/Erwartungen die man (unbewusst) beim reduzieren hat. Mir macht inzwischen jede kleine Änderung (und sei es nur eine neue Packung des Medikaments bei gleicher Firma) Angst, was vielleicht Symptome wieder triggern oder zumindest verstärken kann. Ich weiss nur keine Lösung dafür... die Erfahrungen mit Entzugssymtomen die ich gemacht habe waren/sind einfach so massiv, dass ich da einfach sehr in Alarmbereitschaft bin, was ja auch irgendwie verständlich ist.

Wie siehst du das bei dir?

Lg Jodie
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Straycat »

Hallo Eagle,

ich habe deinen Thread gerade durchgelesen. Das tut mir sehr leid, was du durchmachen musstest. Ich kenne einiges davon auch aus eigener Erfahrung.
Lass mich dir aber ganz deutlich sagen: JA, es gibt wieder bessere Tage. Ich hatte auch Depressionstäler, wo ich mir dachte, es wird nie wieder normal für mich sein, Unbeschwertheit zu empfinden. Aber das stimmt nicht! Es kommen auch wieder gute Zeiten. Und die können dann auch von Dauer sein.
Aber es braucht seeeehr viel Geduld, dort wieder hinzukommen.

Ich setze gerade selbst Venlafaxin ab. Nach 1 Jahr Beschwerdefreiheit (unter 75mg) habe ich mit dem Absetzen begonnen. Natürlich kamen dann auch wieder Absetzsymptome und gleich plagte mich die Angst, dass alles wieder schrecklich wird. Aber so ist es nicht. Absetzsymptome kommen und gehen. Und es gibt dann auch wieder gute Zeiten - und die geben einem Kraft.

Ich denke du bist keinesfalls auf dem Holzweg - ich würde es genauso machen: Dosis halten und warten, bis du dich stabilisierst.
Der Noceboeffekt ist sicher vorhanden, aber den kann man sowieso nie ausschalten - genauso wenig wie den Placeboeffekt.

Mir hilft es bei anhaltenden Depressionen und Absetzsymptomen am meisten eine winzigkleine Struktur in den Alltag zu bringen. Das können die winzigsten Dinge sein, die ich einfach täglich wiederhole. Und man muss dann auch auf sich stolz sein, wenn man sieht, wie viel man schon geschafft hat: Du bist von einer sehr hohen Dosis schon auf 10,4 mg runter. Das ist genial!!! Und die letzten 10,4 mg wirst du schaffen - aber dafür muss und soll es kein fixes Datum geben. Niemand schreibt vor, wann es so weit sein muss. Nimm dir bewusst die Zeit es geduldig anzugehen. Ich weiß, an manchen Tagen ist es die Hölle. Aber versuche dir an diesen Tagen einfach auch nicht zu viel abzuverlangen, sondern sie einfach durchzustehen. Es wird dann auch wieder besser - du wirst sehen!

Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute weiterhin. Die Dunkelheit ist ja seit der Wintersonnwende zum Glück wieder auf dem Rückzug. Dann kommen wieder helle Tage, mit Sonne und Leichtigkeit. Auch da wird es vielleicht dunkle dazwischen geben - aber die wirst du meistern!

Alles Liebe,
Cat
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Eagle »

@Straycat:
Vielen Dank :) Das macht Mut!
Jodie13 hat geschrieben: 16.01.2019 10:33 Mir macht inzwischen jede kleine Änderung (und sei es nur eine neue Packung des Medikaments bei gleicher Firma) Angst, was vielleicht Symptome wieder triggern oder zumindest verstärken kann. Ich weiss nur keine Lösung dafür... die Erfahrungen mit Entzugssymtomen die ich gemacht habe waren/sind einfach so massiv, dass ich da einfach sehr in Alarmbereitschaft bin, was ja auch irgendwie verständlich ist.

Wie siehst du das bei dir?
Ja, das kenne ich gut. Als ich von 13,5 auf 12 mg reduziert hatte, hatte ich schon einen harten 1,5 mg-Schritt hinter mir und wusste, dass es theoretisch noch schlimmer werden musste - und so kam es dann ja auch.

Hast du jemanden, der/die vielleicht für dich die Dosierung machen könnte? Du könntest ja ein "Maximaltempo" vorgeben, wüsstest aber nie wann du reduziert hast.
Oder man ersetzt die fehlenden Kügelchen durch Placebo-Kügelchen. Ich habe mal gelesen, dass Placebos auch wirken, wenn man weiß, dass es welche sind, der Arzt einem aber versichert, dass sie gut wirken.

Das könnte in diesem Fall allerdings daran scheitern, dass viele Ärzte von Entzugssymptomen nichts wissen (wollen).

Der Nocebo-Effekt ist bestimmt nicht alles, aber vielleicht wird das ja mal erforscht. Es wäre doch toll, wenn eine Möglichkeit gefunden würde, dass nicht mehr so viele beim Absetzen so leiden müssen.

Ich wünsche euch auch alles Gute weiterhin! :hug:
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mehrfacher Wechsel zwischen 150 mg und 75 mg

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02.02.2018: 75 mg
07.03.2018: 37,5 mg
30.03.2018: 24 mg
23.04.2018: 18 mg
04.06.2018: 15 mg
22.07.2018: 13,5 mg
20.08.2018: 12 mg
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Straycat »

Hallo Eagle,
Eagle hat geschrieben: 17.01.2019 22:36 @Straycat:
Vielen Dank :) Das macht Mut!
Sehr gerne! Oft hilft es schon, wenn man weiß, dass man mit seinen Problemen nicht ganz alleine ist.
Eagle hat geschrieben: 17.01.2019 22:36 Der Nocebo-Effekt ist bestimmt nicht alles, aber vielleicht wird das ja mal erforscht. Es wäre doch toll, wenn eine Möglichkeit gefunden würde, dass nicht mehr so viele beim Absetzen so leiden müssen.
Da gebe ich dir recht, das wäre wünschenswert. Aber ist sehe das leider nicht sehr optimistisch.
Forschungsstudien sind eine teure Angelegenheit. Wissenschaftler werden in den meisten Fällen dafür bezahlt, solche Studien durchzuführen (abgesehen vielleicht von Universitätsforschungen). Wenn es Studien zu Antidepressiva gibt, sind das meistens Wirksamkeitsstudien. Denn dazu sind die Hersteller oft rechtlich verpflichtet. Sie müssen nachweisen, dass ihre Medikamente wirken, bevor sie für den Markt zugelassen werden.
Daraus ergeben sich 2 Probleme: Studien werden oft "frisiert" und so hingebogen, dass sie ein für den Pharmahersteller gutes Ergebnis bringen. Da wird die Wirksamkeit manchmal auch besser dargestellt als sie ist oder negative Ergebnisse "verschwinden" einfach.
Außerdem gibt es aus diesem Grund wenige Studien zum Absetzen von Medikamenten. Daran sind die Hersteller selbstverständlich nicht interessiert, weil sie ihre Medikamente ja verkaufen wollen.
Daher ist man mit der Erforschung von Absetzproblemen und Lösungswegen dafür leider nicht sehr weit und es ist fraglich, ob sich da irgendwann mehr tun wird.
Meiner Meinung nach könnte man das nur bewirken, indem Pharmahersteller rechtlich nicht nur zum Beweis der Wirksamkeit ihrer Medikamente verpflichtet sind, sondern auch Studien zum Absetzen machen müssen. Aber das ist juristisches Wunschdenken - da sind Gesetzgebung und Wirtschaft (und die Pharmaindustrie ist ein riiiiiiesiger Wirtschaftsfaktor) zu stark verstrickt.

Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als uns selbst so gut wie möglich Informationen zu beschaffen und uns untereinander auszutauschen. Deshalb bin ich auch so froh, dass es dieses Forum gibt :)

Alles Gute weiterhin!
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Re: Eagle: Chronisch depressiv durch Venlafaxin / hartes Absetzen

Beitrag von Eagle »

Guten Abend,

hier ein Update von mir:

Die Symptomatik der Depersonalisierung, neuro-emotional schmerzhafter Zustände und Unruhe dauerte auch im Januar weiter an. Dazu kam, dass ich kurz davor stand, arbeitsunfähig zu werden. Es war bis dahin immer so, dass auf einen Tag mit schlechter Arbeitsleistung ein guter gefolgt ist und ich mich so "über Wasser" halten konnte. Bis sich einfach nur noch schlechte Tage aneinander reihten und ich kaum noch etwas schaffte.
Auch mein Gesamtzustand war fortwährend schlecht. Zwar hatte sich die Art des neuro-emotionalen Fühlens seit Anfang 2019 etwas verändert, aber der Leidensdruck blieb hoch. Ich hatte kaum noch Antrieb für irgendwas und kein Gefühl mehr, wer ich überhaupt war.
"Früher hatte ich Probleme mit der Psyche, heute habe ich keine Psyche mehr", kam mir einmal in den Sinn.
Pflichten blieben unerfüllt, meine Wohnung sah aus wie sau.

Nachdem es also auch nach Monaten nicht besser, sondern gefühlt eher schlimmer wurde und ich hier dann davon gelesen hatte, dass Aufdosieren helfen kann, bin ich schweren Herzens von meiner bisherigen Linie abgewichen und am 09.02. von 10,4 auf 11,2 mg hoch.

Die ersten Tage merkte ich außer einer bestimmt auch psychisch bedingten Unruhe keine Besserung und nach 10 Tagen nahm ich dann wegen eines Infektes noch ein Antibiotikum ein, was nach ein paar Tagen unerträgliche Zustände von Anspannung ausgelöst hat. Naja, ich wusste vorher, dass es hart werden könnte. Zum Glück endeten zumindest diese Zustände auch nach der letzten Tablette schnell wieder.

Jetzt, drei Wochen nach der Aufdosierung, kann ich sagen, dass mein Antrieb und Arbeitsleistung spürbar gestiegen und die Depersonalisierung zurückgegangen ist. Das neuro-emotionale Leiden ist aber geblieben und noch keine Stabilität in Sicht, auch wenn ich den Eindruck habe, dass es in den Spitzen nicht mehr ganz so unerträglich wie vor dem Aufdosieren ist.

Wahrscheinlich werde ich demnächst noch auf 11,8 oder 12 mg erhöhen, in der Hoffnung, mich nach Jahren endlich stabilisieren zu können.
Höher als 12-13 mg gehe ich aber nicht mehr, denn bei allem Elend sind die chronisch-depressiven Zustände und kognitiven Blockaden aus Zeiten höherer Dosen bei mir Geschichte und das soll auch bitte so bleiben. :x

Seit September 2018 bin ich in einen verzögerten Entzug gerutscht, das ist mir heute klar. Schon damals fühlte ich nach ein paar Wochen, dass etwas im emotionalen System "gewaltig kaputtgegangen" war. Der Schritt damals von 13,5 auf 12 mg war einfach zu groß und kam zu früh. Das kommt davon, wenn man mit der Brechstange von dem Zeug loskommen will.
Ich hoffe, irgendwie endlich einmal Frieden und Stabilität zu finden, auf welchem Weg auch immer. :roll:

Viele Grüße und euch weiterhin alles Gute!
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07.03.2018: 37,5 mg
30.03.2018: 24 mg
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Schwere, v.a. neuro-emotionale/psychische Absetzsymptome, Derealisationsgefühle, "emotionales System" schwer angeschlagen, besonders seit Erreichen der 12 mg
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