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manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

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manu85
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manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von manu85 » Montag, 02.09.19, 19:51

Hallo Zusammen,

ich habe ca. 1,5 Jahre 20 mg Citalopram täglich genommen und dann im Ende November 2018 abgesetzt, von einem zum anderem Tag. Die ersten 3 Monate ging es mir gut, ich war nur bisschen ängstlicher als sonst und war nicht sonderlich motiviert.

Im Ende Februar 2019, 3 Monate später, bekam ich dann folgende Symptome.

- schlimme innere Unruhe (das größte Problem, auch heute noch) manchmal fast unerträglich
- kreisende Gedanken (besser geworden)
- Brennen im Magen, dass teilweise extrem schmerzhaft war (Magenspiegelung hat nichts gebracht) (sing mittlerweile weg)
- komische Empfindungen, z.B. kribbeln im Gesicht (mittlerweile besser)
- 3 Panikattacken (besser geworden)
- immer wiederkehrender Druck auf den Ohren (kommt und geht, hält meistens paar Tage an und geht wieder)
- Angst und Hoffnungslosigkeit vor dem Empfinden das ich durchmachen muss und die Hoffnungslosigkeit, dass es nicht mehr weg geht
- Medikamente die ich vorher vertragen habe (z.B. MCP Tropfen, Magensäurehemmer)
- Verstopfung und Durchfall (selten)
- alles was ich tun muss erzeugt mehr Unruhe (es reicht schon die Katzen füttern zu müssen)

Also 1,5 Jahre Citalopram 20 mg am Tag, vor 9 Monaten abgesetzt, evtl. Entzugserscheinungen seit 6 Monaten.

Ich habe im März zwei mal versucht Citalopram wieder einzuschleichen, aber selbst 0,05 mg hat 15 Minuten nach Einnahme zu noch stärkerer innerer Unruhe geführt. Danach habe ich es nicht mehr versucht.

Ich bin seit März in Therapeutischer Behandlung und von ca. 3 Monaten haben wir zusammen entschieden, Trimipramin auszuprobieren, von dem ich aktuell 100 mg täglich einnehme. Damit sind die ganz schlimmen Zustände der Unruhe besser geworden, auch wenn sie teilweise immer noch schlimm sind.

Bis vor ca. 2 Wochen hatte ich das Gefühl, dass es besser wird, auch wenn es immer wieder Rückschläge gab. Oft ging es mir 1-2 Wochen erträglich und dann hatte ich wieder Phasen von Stunden bis Tage, in denen die Unruhe immer schlimmer wurde.

Aktuell nehme ich:
- 100 mg Trimipramin - 35 mg mittags, 65 mg abends
- 2,5 mg Bisoprolol (Betabocker) abends
- ganz selten (5 mal in den letzten 5 Monaten 10 mg Diazepam) die Unruhe wird davon deutlich besser, aber aus Angst vor einer Abhängigkeit, nehme ich diese nur wenn ich es gar nicht anders aushalte

Wir überlegen (mein Therapeut und ich), ein anderes Medikament auszuprobieren oder das Ganze so weiter auszuhalten. Ich habe natürlich das Forum durchsucht und habe auch gelesen, dass weitere Antidepressiva den Zustand noch verschlimmer können. Mein Therapeut ist fest davon überzeugt da ich eine mittelschwere bis schwere Depression habe und Entzugserscheinungen völlig auszuschließen sind.

Ich habe mittlerweile aber immer weniger Kraft das Ganze weiterhin durchzustehen, vor allem weil es mir seit 1,5 Wochen wieder deutlich schlechter geht. Vorher ging es mir 2-3 Wochen erstaunlich gut. Deswegen überlege ich ernsthaft ein anderes Antidepressivum zu testen oder auf Lyrica oder Notfalls Diazepam umzustellen.


Ich bin ratlos und bitte um Hilfe. Macht es Sinn andere Medikamente auszuprobieren oder wird das alles vermutlich nur noch weiter verschlimmern? Hat jemand Tipps wie ich mit der inneren Unruhe umgehen kann? Entspannungsübungen, Sport, usw. habe ich alles vergeblich probiert. Oft ist die Unruhe fast unerträglich.

Vielen Dank im Vorraus

PS: Meine Signatur werde ich im Anschluss gleich schreiben
Zuletzt geändert von FineFinchen am Montag, 02.09.19, 20:00, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Threadtitel ergänzt
1,5 Jahre Citalopram 20 mg am Tag, vor 9 Monaten (Ende November 2018) ohne Ausschleichen abgesetzt, evtl. Entzugserscheinungen seit 6 Monaten (Februar - März 2019). Verschrieben wegen ganz leichter Depression (morgens oft ohne Antrieb und demotiviert, aber eigentlich gut zu ertragen). Rückwirkend hätte ich gar kein Antidepressivum gebraucht.

Citalopram einzudosieren (nach 3 Monaten) schlug wegen sofortiger Unruhe fehl (selbst 0.05 mg in Wasser gelöst haben 15 Minuten nach Einnahme zu starker Unruhe geführt, die eine Stunde nach Einnahme Ihr Maximum erreicht hat und dann Stunden / Tage so blieb)

Symptome:
- Innere Unruhe (dauerhaft da, aber manchmal für Tage oder Stunden extrem und kaum auszuhalten)
- Brennen im Magen / Brust (am Anfang, für ca. 3 Monate) war sehr schmerzhaft
- kreisende Gedanken (z.B. an die Unruhe oder die ganze schlimme kaum besser werdende Situation)
- gestörte Empfindungen wie Kribbeln im Gesicht, Bauch, Beine, Arme (am Anfang sehr anstrengend, mit der Zeit konnte ich das immer besser verdrängen)
- Druck auf den Ohren, kommt und geht manchmal in Sekunden (in der Regel immer auf dem selben Ohr)
- Panikattaken (vor allem am Anfang, mittlerweile sehr selten)
- Ängste (z.B. in den Urlaub zu fahren / fliegen, arbeitslos zu werden, Ehepartner zu verlieren, usw., vorher hatte ich eigentlich keine Ängste)

Aktuell nehme ich:
- 100 mg Trimipramin / Tag - seit ca. Juni 2019
- 2,5 mg Bisoprolol / Tag - wegen leicht erhöhtem Blutdruck (mehrere Jahre Metroprolol, im Februar 2019 auf Bisoprolol umgestellt)
- 1 mal im Monat Diazepam - wenn es gar nicht anders auszuhalten ist, weil Angst vor Abhängigkeit

Trigger
- Vitamin D hat bei mir einige Tage nach der Einnahme extreme Unruhe ausgelöst
- Lakritz (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen) haben eine andere extreme Art der Unruhe ausgelöst

Aktueller Zustand:
9 Monate nach Absetzen von Citalopram, ist vor allem die innere Unruhe oft kaum zu ertragen (Unruhe ist immer da, aber manchmal kaum zu ertragen, hält dann Stunden oder sogar Tage an). Glücklicherweise kann ich immer schnell einschlafen und lange durchschlafen. Damit versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verschlafen.

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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von FineFinchen » Montag, 02.09.19, 20:38

Hallo manu, :-)

willkommen im ADFD.

Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum:

Das ADFD ist ein Selbsthilfeforum und lebt vom gegenseitigen Austausch von Betroffenen untereinander. Mit der Anmeldung hast du dich für gelebte Selbsthilfe und aktiven Austausch auf der Basis der bereitgestellten Informationen entschieden.

Bitte beachte, dass im Forum keine medizinischen Ratschläge gegeben werden. Du entscheidest dich selbstverantwortlich, ob du etwas von den Erfahrungen anderer Betroffener umsetzen möchtest.

Auch Teammitglieder sind keine medizinischen oder psychologischen "Berater", "Profis", "Fachleute" oder "Experten"! Wie alle anderen Teilnehmer auch, sind sie selbst Betroffene oder Angehörige und beteiligen sich, soweit es ihre Kräfte zulassen, am Austausch und geben Erfahrungen weiter.


Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva und Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen

Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Benzodiazepinen ein: Erste Hilfe - Benzodiazepine absetzen


Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.


Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen


Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen Umgang mit dem Entzug und Gesundheit. Eine Übersicht über ausgewählte Themen findest du unter Was finde ich wo im Forum? Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "hallo" zu beginnen und einem Gruß zu beenden.
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Damit die Beiträge besser lesbar sind, füge bitte Absätze und Leerzeilen ein.

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Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Dein thread befindet sich aktuell in der Rubrik "Hier bist du richtig". Sobald du im Forum "angekommen" bist, wird er von einem Moderator in die passende Rubrik Antidepressiva absetzen/ Benzodiazepine absetzen/ Neuroleptika absetzen verschoben.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüße
Finchen
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Straycat
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von Straycat » Dienstag, 03.09.19, 10:43

Hallo manu85,

willkommen bei uns im Forum!
Das tut mir sehr leid, was du durchmachen musstest und wie es dir aktuell geht :(

Das Problem mit Absetzsymptomen ist, dass sie manchmal nicht gleich nach dem Absetzen auftreten, sondern erst mit einigem zeitlichen Abstand. Ich habe selbst Escitalopram 2016 zu schnell abgesetzt und bekam 3-4 Monate später schlimme Absetzsymptome (ebenfalls Panikattacken, innere Unruhe etc.). Auch ich habe mich damals zu einer neuerlichen Einnahme von AD überreden lassen und nehme nun Venlafaxin, das ich derzeit ausschleiche.
Ich kann dir nur aus meiner Erfahrung sagen, dass mir das Venlafaxin eigentlich nicht geholfen hat, mit den Symptomen, die durch das Absetzen von Escitalopram ausgelöst wurden, besser klar zu kommen.
Die Absetzsymptome entstehen ja dadurch, dass dein Gehirn nach einem Wirkstoff verlangt, an den es sich durch die lange Einnahme gewöhnt hat und den es nicht mehr bekommt. Diese Symptome können sich auch sehr lange hinziehen (protrahierter Entzug). Andere Wirkstoffe helfen bei solchen Absetzsymptomen meist nicht, weil dein Gehirn ja an einen anderen Wirkstoff gewöhnt ist und auf den Entzug von diesem so heftig mit Symptomen reagiert.
manu85 hat geschrieben:
Montag, 02.09.19, 19:51
Ich habe im März zwei mal versucht Citalopram wieder einzuschleichen, aber selbst 0,05 mg hat 15 Minuten nach Einnahme zu noch stärkerer innerer Unruhe geführt. Danach habe ich es nicht mehr versucht.
Auch das ist nicht ungewöhnlich. Eine solche "paradoxe Reaktion" tritt bei einigen Menschen auf, die einen Wirkstoff wieder einnehmen, den sie zuvor abgesetzt haben. Manchmal verträgt man den Wirkstoff dann einfach nicht mehr.
manu85 hat geschrieben:
Montag, 02.09.19, 19:51
Ich bin seit März in Therapeutischer Behandlung und von ca. 3 Monaten haben wir zusammen entschieden, Trimipramin auszuprobieren, von dem ich aktuell 100 mg täglich einnehme. Damit sind die ganz schlimmen Zustände der Unruhe besser geworden, auch wenn sie teilweise immer noch schlimm sind.
Das ist eine häufige Vorgehensweise von Ärzten, dass sie den Entzug von SSRI mit trizyklischen AD deckeln wollen. Leider funktioniert es nicht immer so wie gewünscht, wie du schon selbst festgestellt hast.
manu85 hat geschrieben:
Montag, 02.09.19, 19:51
Wir überlegen (mein Therapeut und ich), ein anderes Medikament auszuprobieren oder das Ganze so weiter auszuhalten. Ich habe natürlich das Forum durchsucht und habe auch gelesen, dass weitere Antidepressiva den Zustand noch verschlimmer können. Mein Therapeut ist fest davon überzeugt da ich eine mittelschwere bis schwere Depression habe und Entzugserscheinungen völlig auszuschließen sind.
Ja, leider nehmen Ärzte das oft zu wenig ernst. Aber es gibt Studien, die genau das aufzeigen, was du erlebst, einen sogenannten protrahierten Entzug. Und dieser wird sehr häufig mit einem "Wiederauftreten der Grunderkrankung" verwechselt.
Du berichtest vorwiegend von innerer Unruhe und Panikattacken. Das sind nicht die Symptome einer Depression, weswegen mir die Diagnose mittelschwere bis schwere Depression hier nicht wirklich einleuchtet.
Wie ich deiner Signatur entnehme hast du das Citalopram wegen einer leichten Depression verschrieben bekommen. Da sind Symptome wie Panik und Unruhe eigentlich keine, die zu einem Wiederauftreten der Grunderkrankung (Depression) passen. Das spricht eher für Absetzsymptome.

Wir sind hier ein psychopharmakakritisches Forum, da wir die Erfahrung gemacht haben, dass die Einnahme von anderen PP selten bis gar nicht bei Absetzproblematiken geholfen haben. Ich würde dir daher auch nicht dazu raten, ein anderes AD einzunehmen. Aber letztlich liegt die Entscheidung natürlich immer nur bei dir selbst.
manu85 hat geschrieben:
Montag, 02.09.19, 19:51
Ich habe mittlerweile aber immer weniger Kraft das Ganze weiterhin durchzustehen, vor allem weil es mir seit 1,5 Wochen wieder deutlich schlechter geht. Vorher ging es mir 2-3 Wochen erstaunlich gut. Deswegen überlege ich ernsthaft ein anderes Antidepressivum zu testen oder auf Lyrica oder Notfalls Diazepam umzustellen.
Ich verstehe dich gut und solche Zeiten und diese Symptome sind grauenhaft. Man wünscht sich einfach nur noch Linderung und ist bereit praktisch alles dafür zu tun.
Auch wenn es im Moment wie der beschwerlichere Weg aussieht, nichts neues einzunehmen, denke ich, dass es der bessere Weg ist. Denn mit neuen Medikamenten begibt man sich oft nur in einen Teufelskreis.

Seit wann nimmst du denn das Trimipramin? Bitte das auch noch in die Signatur aufnehmen.

Liebe Grüße,
Cat
ursprüngliche Symptome ca. 2004: Weinen ohne Grund, grundlose Hoffnungslosigkeit, keine Motivation für irgendwas
neue Symptome (seit Frühling 2017): Panikattacken, Muskelschmerzen und chronische Verspannungen (vermutlich protrahierte Entzugssymptome vom zu schnellen Absetzen von Escitalopram)
Diagnose: unipolare Depression (2006), Fehldiagnose Bipolare Störung (ca. 2010), Fehldiagnose Panikstörung (2017)
Psychotherapie (mit Unterbrechungen) seit 2004
Escitalopram- 2016 zu schnell abgesetzt, danach immer wieder Panikattacken, Unruhezustände und starke Muskelschmerzen/Verspannungen (orthopädisch abgeklärt und o.B.)
zwischendurch Medikamentenexperimente meiner Ärztin mit Lamotrigin (aufgrund Fehldiagnose bipolare Störung) und Aripiprazol (beide Medikamente nur kurz genommen und bald wieder abgesetzt aufgrund starker NW)
Venlafaxin - aktuelles Absetzen seit 04/2018 (wurde aufgrund von Panikattacken - die ich aber mittlerweile eher als protrahiertes Entzugssymptom von Escitalopram sehe - verschrieben)
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padma
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von padma » Dienstag, 03.09.19, 11:02

hallo Manu, :)

auch von mir willkommen.

Du hast einen Kaltentzug von Citalopram hinter dir und alles, wirklich alles, was du beschreibst, sind typische Entzugssymptomen.
Das Auftreten der Entzugssymptome 3 Monate nach dem Absetzen ist nicht ungewöhnlich, dass es solange anhält, ist absolut normal, gerade nach einem Kaltentzug. Leider kennen sich sehr viele Ärzte mit Entzugssymptomen nicht aus.
Ich habe im März zwei mal versucht Citalopram wieder einzuschleichen, aber selbst 0,05 mg hat 15 Minuten nach Einnahme zu noch stärkerer innerer Unruhe geführt. Danach habe ich es nicht mehr versucht.
Die Wiedereindosierung war zu spät, du verträgst es nicht mehr. Könntest du bitte in deine Signatur noch das genaue Absetzdatum eintragen.
Bis vor ca. 2 Wochen hatte ich das Gefühl, dass es besser wird, auch wenn es immer wieder Rückschläge gab. Oft ging es mir 1-2 Wochen erträglich und dann hatte ich wieder Phasen von Stunden bis Tage, in denen die Unruhe immer schlimmer wurde.
Dieser wellenförmige Verlauf ist ganz typisch für Entzugssymptome
Mein Therapeut ist fest davon überzeugt da ich eine mittelschwere bis schwere Depression habe und Entzugserscheinungen völlig auszuschließen sind.
Da irrt dein Therapeut. Alles was du beschreibst ist ein klassischer Verlauf eines Entzugssyndroms.
Ich habe mittlerweile aber immer weniger Kraft das Ganze weiterhin durchzustehen, vor allem weil es mir seit 1,5 Wochen wieder deutlich schlechter geht. Vorher ging es mir 2-3 Wochen erstaunlich gut.
Dass es dir gut ging, zeigt, dass dein Heilungsprozess voran schreitet. Es ist ganz oft so, dass nach einer so guten Phase, dann leider wieder eine Symptomwelle kommt.
Macht es Sinn andere Medikamente auszuprobieren oder wird das alles vermutlich nur noch weiter verschlimmern?
Andere Medikamente machen es schlimmer. Dein ZNS ist dabei zu heilen und weitere Eingriffe stören den Heilungsprpzess. Du hast Glück, dass Trimipramin die Entzugssymptome etwas deckelt.

Diazepam oder Lyrica wäre beides sehr schlecht. Beide machen abhängig, der Entzug kann bei beiden sehr schwer sein.

Du bist durch den Kaltentzug in ein protahiertes Entzugssyndrom geraten :( , das leider sehr lange anhalten kann.
Du wirst dich davon wieder erholen, dass ZNS hat die Fähigkeit sich selbst zu heilen. Dafür braucht es vor allem Zeit und Ruhe.
Hat jemand Tipps wie ich mit der inneren Unruhe umgehen kann? Entspannungsübungen, Sport, usw. habe ich alles vergeblich probiert. Oft ist die Unruhe fast unerträglich.
Diese Unruhe heisst Akathisie und ist ein sehr quälendes Entzugssymptom. Du findest jede Menge Tipps in den Rubriken "Umgang mit dem Entzug" und "Alternativen zu Psychopharmaka".

liebe Grüsse,
padma

überschnitten mit Cat :)
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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15.08.2019: 0,02 mg



Neu: Infos rund um Antidepressiva, Absetzen, Umgang mit Entzug
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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.


manu85
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von manu85 » Donnerstag, 05.09.19, 14:18

Vielen Dank für die sehr ausführlichen Antworten.

Mein Psychotherapeut hat mir nun noch Mirtazepin verschrieben, dass ich nun parallel zum Trimipramin einnehmen könnte. Ich habe es aber erstmal liegen lassen und nicht benutzt.

Außerdem hat mein Psychotherapeut gesagt, dass er nun nicht mehr weiter weiß wie er mir noch helfen soll und er ein Klinikaufenthalt empfiehlt. Hat jemand Erfahrung mit Klinikaufenthalten, bzw. hat Euch dieser weiter geholfen?


In den Monaten in denen ich nun schon zum Psychotherapeuten gehe hat er mir nie Tipps gegeben wie ich mit den Symptomen umgehen kann oder anderer Tipps dieser Art. Eigentlich war der Plan immer nur ein Medikament zu nehmen und dann abzuwarten ob Besserung eintritt. Seit ca. 5 Sitzungen nimmt er sich nicht mal mehr die vollem 50 Minuten, sondern bricht nach 25-30 Minuten die Sitzung ab.

Ehrlich gesagt hatte ich mit von so einer Therapie mehr erhofft. Vor allem weil ich durch die Symptome auch immer wieder Angstzustände habe und da gibt es sicher Wege, besser damit umzugehen.

Hat Euch eine Therapie geholfen? Macht es Sinn, mir einen neuen Psychotherapeuten zu suchen oder bringt das eh nichts, weil dieser ja nichts gegen die Symptome tun kann?


Seit ich Trimipramin nehme, ist die Unruhe nicht mehr so schlimm, dass ich rumlaufen muss oder ähnliches. Allerdings trifft sie mich oft von einem zum anderem Augenblick und wird Komischerweise immer zum Abend hin besser. Ich habe schon überlegt ob das mit dem Betablocker zusammenhängt, den ich immer Abends nehme. Quasi wenn die Wirkung nachlässt, kommt die Besserung. Meisten kommt sie zusammen mit Angst und kreisenden Gedanken,

Ich habe nur Angst diesen Abzusetzen. Medizinisch wäre das nicht tragisch, weil ich nur eine geringe Dosis nehme und diese nur wegen sehr leicht erhöhtem Blutdruck. Man soll ja nicht mehrere Medikamente gleichzeitig absetzen.
1,5 Jahre Citalopram 20 mg am Tag, vor 9 Monaten (Ende November 2018) ohne Ausschleichen abgesetzt, evtl. Entzugserscheinungen seit 6 Monaten (Februar - März 2019). Verschrieben wegen ganz leichter Depression (morgens oft ohne Antrieb und demotiviert, aber eigentlich gut zu ertragen). Rückwirkend hätte ich gar kein Antidepressivum gebraucht.

Citalopram einzudosieren (nach 3 Monaten) schlug wegen sofortiger Unruhe fehl (selbst 0.05 mg in Wasser gelöst haben 15 Minuten nach Einnahme zu starker Unruhe geführt, die eine Stunde nach Einnahme Ihr Maximum erreicht hat und dann Stunden / Tage so blieb)

Symptome:
- Innere Unruhe (dauerhaft da, aber manchmal für Tage oder Stunden extrem und kaum auszuhalten)
- Brennen im Magen / Brust (am Anfang, für ca. 3 Monate) war sehr schmerzhaft
- kreisende Gedanken (z.B. an die Unruhe oder die ganze schlimme kaum besser werdende Situation)
- gestörte Empfindungen wie Kribbeln im Gesicht, Bauch, Beine, Arme (am Anfang sehr anstrengend, mit der Zeit konnte ich das immer besser verdrängen)
- Druck auf den Ohren, kommt und geht manchmal in Sekunden (in der Regel immer auf dem selben Ohr)
- Panikattaken (vor allem am Anfang, mittlerweile sehr selten)
- Ängste (z.B. in den Urlaub zu fahren / fliegen, arbeitslos zu werden, Ehepartner zu verlieren, usw., vorher hatte ich eigentlich keine Ängste)

Aktuell nehme ich:
- 100 mg Trimipramin / Tag - seit ca. Juni 2019
- 2,5 mg Bisoprolol / Tag - wegen leicht erhöhtem Blutdruck (mehrere Jahre Metroprolol, im Februar 2019 auf Bisoprolol umgestellt)
- 1 mal im Monat Diazepam - wenn es gar nicht anders auszuhalten ist, weil Angst vor Abhängigkeit

Trigger
- Vitamin D hat bei mir einige Tage nach der Einnahme extreme Unruhe ausgelöst
- Lakritz (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen) haben eine andere extreme Art der Unruhe ausgelöst

Aktueller Zustand:
9 Monate nach Absetzen von Citalopram, ist vor allem die innere Unruhe oft kaum zu ertragen (Unruhe ist immer da, aber manchmal kaum zu ertragen, hält dann Stunden oder sogar Tage an). Glücklicherweise kann ich immer schnell einschlafen und lange durchschlafen. Damit versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verschlafen.

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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von FineFinchen » Donnerstag, 05.09.19, 16:07

manu85 hat geschrieben:
Donnerstag, 05.09.19, 14:18
Vielen Dank für die sehr ausführlichen Antworten.

Mein Psychotherapeut hat mir nun noch Mirtazepin verschrieben, dass ich nun parallel zum Trimipramin einnehmen könnte. Ich habe es aber erstmal liegen lassen und nicht benutzt.

Außerdem hat mein Psychotherapeut gesagt, dass er nun nicht mehr weiter weiß wie er mir noch helfen soll und er ein Klinikaufenthalt empfiehlt. Hat jemand Erfahrung mit Klinikaufenthalten, bzw. hat Euch dieser weiter geholfen?


In den Monaten in denen ich nun schon zum Psychotherapeuten gehe hat er mir nie Tipps gegeben wie ich mit den Symptomen umgehen kann oder anderer Tipps dieser Art. Eigentlich war der Plan immer nur ein Medikament zu nehmen und dann abzuwarten ob Besserung eintritt. Seit ca. 5 Sitzungen nimmt er sich nicht mal mehr die vollem 50 Minuten, sondern bricht nach 25-30 Minuten die Sitzung ab.

Ehrlich gesagt hatte ich mit von so einer Therapie mehr erhofft. Vor allem weil ich durch die Symptome auch immer wieder Angstzustände habe und da gibt es sicher Wege, besser damit umzugehen.

Hat Euch eine Therapie geholfen? Macht es Sinn, mir einen neuen Psychotherapeuten zu suchen oder bringt das eh nichts, weil dieser ja nichts gegen die Symptome tun kann?


Seit ich Trimipramin nehme, ist die Unruhe nicht mehr so schlimm, dass ich rumlaufen muss oder ähnliches. Allerdings trifft sie mich oft von einem zum anderem Augenblick und wird Komischerweise immer zum Abend hin besser. Ich habe schon überlegt ob das mit dem Betablocker zusammenhängt, den ich immer Abends nehme. Quasi wenn die Wirkung nachlässt, kommt die Besserung. Meisten kommt sie zusammen mit Angst und kreisenden Gedanken,

Ich habe nur Angst diesen Abzusetzen. Medizinisch wäre das nicht tragisch, weil ich nur eine geringe Dosis nehme und diese nur wegen sehr leicht erhöhtem Blutdruck. Man soll ja nicht mehrere Medikamente gleichzeitig absetzen.


Hallo Manu, :-)

zur Erinnerung (Auszug aus dem Begrüßungstext):

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "Hallo" zu beginnen und einem Gruß zu beenden.
.


Gruß
Finchen
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manu85
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von manu85 » Donnerstag, 05.09.19, 17:24

Hallo Zusammen,

danke für die Erinnerung, hatte ich nicht daran gedacht.

Viele Grüße
Manu
1,5 Jahre Citalopram 20 mg am Tag, vor 9 Monaten (Ende November 2018) ohne Ausschleichen abgesetzt, evtl. Entzugserscheinungen seit 6 Monaten (Februar - März 2019). Verschrieben wegen ganz leichter Depression (morgens oft ohne Antrieb und demotiviert, aber eigentlich gut zu ertragen). Rückwirkend hätte ich gar kein Antidepressivum gebraucht.

Citalopram einzudosieren (nach 3 Monaten) schlug wegen sofortiger Unruhe fehl (selbst 0.05 mg in Wasser gelöst haben 15 Minuten nach Einnahme zu starker Unruhe geführt, die eine Stunde nach Einnahme Ihr Maximum erreicht hat und dann Stunden / Tage so blieb)

Symptome:
- Innere Unruhe (dauerhaft da, aber manchmal für Tage oder Stunden extrem und kaum auszuhalten)
- Brennen im Magen / Brust (am Anfang, für ca. 3 Monate) war sehr schmerzhaft
- kreisende Gedanken (z.B. an die Unruhe oder die ganze schlimme kaum besser werdende Situation)
- gestörte Empfindungen wie Kribbeln im Gesicht, Bauch, Beine, Arme (am Anfang sehr anstrengend, mit der Zeit konnte ich das immer besser verdrängen)
- Druck auf den Ohren, kommt und geht manchmal in Sekunden (in der Regel immer auf dem selben Ohr)
- Panikattaken (vor allem am Anfang, mittlerweile sehr selten)
- Ängste (z.B. in den Urlaub zu fahren / fliegen, arbeitslos zu werden, Ehepartner zu verlieren, usw., vorher hatte ich eigentlich keine Ängste)

Aktuell nehme ich:
- 100 mg Trimipramin / Tag - seit ca. Juni 2019
- 2,5 mg Bisoprolol / Tag - wegen leicht erhöhtem Blutdruck (mehrere Jahre Metroprolol, im Februar 2019 auf Bisoprolol umgestellt)
- 1 mal im Monat Diazepam - wenn es gar nicht anders auszuhalten ist, weil Angst vor Abhängigkeit

Trigger
- Vitamin D hat bei mir einige Tage nach der Einnahme extreme Unruhe ausgelöst
- Lakritz (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen) haben eine andere extreme Art der Unruhe ausgelöst

Aktueller Zustand:
9 Monate nach Absetzen von Citalopram, ist vor allem die innere Unruhe oft kaum zu ertragen (Unruhe ist immer da, aber manchmal kaum zu ertragen, hält dann Stunden oder sogar Tage an). Glücklicherweise kann ich immer schnell einschlafen und lange durchschlafen. Damit versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verschlafen.

padma
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von padma » Donnerstag, 05.09.19, 19:11

hallo Manu, :)
Seit ich Trimipramin nehme, ist die Unruhe nicht mehr so schlimm, dass ich rumlaufen muss oder ähnliches. Allerdings trifft sie mich oft von einem zum anderem Augenblick und wird Komischerweise immer zum Abend hin besser.
Beides ist typisch für absetzbedingte Angstzustände
Mein Psychotherapeut hat mir nun noch Mirtazepin verschrieben, dass ich nun parallel zum Trimipramin einnehmen könnte. Ich habe es aber erstmal liegen lassen und nicht benutzt.
Die Unruhe ist ja eine Folge des Kaltentzuges. Dagegen mit immer weiteren Medikamenten angehen zu versuchen, ist kontraproduktiv. Sei froh, dass Trimipramin ein wenig hilft.

Alles was du einnimmst, muss später wieder mühselig ausgeschlichen werden. Und ist das ZNS erstmal so gereizt, wie bei dir, gestalten sich Entzüge häufig sehr schwierig
Seit ca. 5 Sitzungen nimmt er sich nicht mal mehr die vollem 50 Minuten, sondern bricht nach 25-30 Minuten die Sitzung ab.
Er scheint nicht weiter zu wissen. Das kann daran liegen, dass er nicht versteht, dass du unter einem Entzugssyndrom leidest
Hat Euch eine Therapie geholfen? Macht es Sinn, mir einen neuen Psychotherapeuten zu suchen oder bringt das eh nichts, weil dieser ja nichts gegen die Symptome tun kann?
Man muss unterscheiden, gegen absetzbedingte Angstzustände hilft Psychotherapie nicht. Bei einer Angsterkrankung als solche, gibt es jedoch viele Strategien, die man erlernen kann.
Ich habe nur Angst diesen Abzusetzen. Medizinisch wäre das nicht tragisch, weil ich nur eine geringe Dosis nehme und diese nur wegen sehr leicht erhöhtem Blutdruck. Man soll ja nicht mehrere Medikamente gleichzeitig absetzen.
Aktuell würde ich daran nichts ändern.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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15.08.2019: 0,02 mg



Neu: Infos rund um Antidepressiva, Absetzen, Umgang mit Entzug
: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=15490


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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.


manu85
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von manu85 » Freitag, 06.09.19, 1:01

Hallo Zusammen,

ich dachte bei einer Therapie eher daran, Strategien zu erörtern, die Symptome besser aushalten zu können, bzw. die Angst vor diesen zu reduzieren.

Auch wenn die Angstzustände durch den Entzug ausgelöst sind, kann man diese ja trotzdem nähren oder versuchen klein halten. Zumindest habe ich das Gefühl bei mir, dass ich durchaus einen kleinen Einfluss auf den Verlauf habe: Ich kann mich z.B. versuchen abzulenken und damit gar nicht in den Strudel der Angst und den kreisenden Gedanken zu geraten. Das dürfte doch eigentlich in jeder normalen Angsttherapie besprochen werden oder irre ich mich da? So habe ich das zumindest vermutet.

Ich habe meinem Psychotherapeuten mehrmals darauf hingewiesen, dass ich vermute, dass es sich um Entzugserscheinungen vom Citalopram handelt. Allerdings hat dieser das leider nie ernst genommen und irgendwie habe ich auch immer gehofft das er recht hat, weil er so überzeugt war.

Viele Grüße

Manu
1,5 Jahre Citalopram 20 mg am Tag, vor 9 Monaten (Ende November 2018) ohne Ausschleichen abgesetzt, evtl. Entzugserscheinungen seit 6 Monaten (Februar - März 2019). Verschrieben wegen ganz leichter Depression (morgens oft ohne Antrieb und demotiviert, aber eigentlich gut zu ertragen). Rückwirkend hätte ich gar kein Antidepressivum gebraucht.

Citalopram einzudosieren (nach 3 Monaten) schlug wegen sofortiger Unruhe fehl (selbst 0.05 mg in Wasser gelöst haben 15 Minuten nach Einnahme zu starker Unruhe geführt, die eine Stunde nach Einnahme Ihr Maximum erreicht hat und dann Stunden / Tage so blieb)

Symptome:
- Innere Unruhe (dauerhaft da, aber manchmal für Tage oder Stunden extrem und kaum auszuhalten)
- Brennen im Magen / Brust (am Anfang, für ca. 3 Monate) war sehr schmerzhaft
- kreisende Gedanken (z.B. an die Unruhe oder die ganze schlimme kaum besser werdende Situation)
- gestörte Empfindungen wie Kribbeln im Gesicht, Bauch, Beine, Arme (am Anfang sehr anstrengend, mit der Zeit konnte ich das immer besser verdrängen)
- Druck auf den Ohren, kommt und geht manchmal in Sekunden (in der Regel immer auf dem selben Ohr)
- Panikattaken (vor allem am Anfang, mittlerweile sehr selten)
- Ängste (z.B. in den Urlaub zu fahren / fliegen, arbeitslos zu werden, Ehepartner zu verlieren, usw., vorher hatte ich eigentlich keine Ängste)

Aktuell nehme ich:
- 100 mg Trimipramin / Tag - seit ca. Juni 2019
- 2,5 mg Bisoprolol / Tag - wegen leicht erhöhtem Blutdruck (mehrere Jahre Metroprolol, im Februar 2019 auf Bisoprolol umgestellt)
- 1 mal im Monat Diazepam - wenn es gar nicht anders auszuhalten ist, weil Angst vor Abhängigkeit

Trigger
- Vitamin D hat bei mir einige Tage nach der Einnahme extreme Unruhe ausgelöst
- Lakritz (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen) haben eine andere extreme Art der Unruhe ausgelöst

Aktueller Zustand:
9 Monate nach Absetzen von Citalopram, ist vor allem die innere Unruhe oft kaum zu ertragen (Unruhe ist immer da, aber manchmal kaum zu ertragen, hält dann Stunden oder sogar Tage an). Glücklicherweise kann ich immer schnell einschlafen und lange durchschlafen. Damit versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verschlafen.

FineFinchen
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von FineFinchen » Freitag, 06.09.19, 6:42

Hallo Manu, :-)

wenn Du das Gefühl hast, dass eine Therapie, in der Du Strategien gegen Angst lernen kannst Dich für Deinen Absetzprozess stärken könnte, dann mach das das.

Ich hatte selbst einen ganz tollen Therapeuten und habe unglaublich viel über mich erfahren und fand in der Therapie genau die zu mir passenden Skills gegen meine ursprüngliche Angst, die ich auch im Entzug angewandt habe. Für mich war das wichtig, da ich innerlich "größer" war und ich mich dem ganzen nicht so "ausgeliefert" fühlte.

Und man hat ja auch noch andere "Baustellen", die man in der Therapie mal beleuchten kann - war zumindest bei mir so und tat mir gut :-)

Viele Grüße
Finchen
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suisse
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von suisse » Samstag, 07.09.19, 0:37

Hallo Manu,

Therapie ist leider nicht gleich Therapie.
Es gibt Psychiater die Psychotherapie anbieten (das sind Ärzte und häufig darauf bedacht mit Medikamenten nachzuhelfen) und es gibt Psychologische Psychotherapeuten.
Weiterhin gibt es verschiedene Richtungen: Psychoanalyse, Tiefenpsychologische Psychotherapie und Verhaltenstherapie. Letztere ist auf Strategien bzw. Skills ausgelegt.

Zu welchem Therapeuten und zu welcher Richtung gehst du?

Lg Anna
Aktuelle Dosierung: 0,9mg Escitalopram
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manu85
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von manu85 » Samstag, 07.09.19, 1:05

Hallo Anna,

auf der Visitenkarte steht: Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Wir haben in 2 - 3 Sitzungen meine Kindheit, Familie, Partner, Arbeit und Hobbys abgehandelt (eigentlich nichts spannendes zu erzählen gehabt) und danach hab ich eigentlich nur noch berichtet wie es mir geht. Möglicherweise hat dies schon geholfen, ich weiß es nicht. Ansonsten haben wir eigentlich nur noch verschiedene Medikamente und deren Optionen besprochen. Seit den letzten Sitzungen wurde aber immer mitten drin abgebrochen, obwohl ich durchaus noch im Gesprächsfluss war oder noch hätte weiter reden können.

Ich habe mehrmals erwähnt das ich vermute unter Entzugserscheinungen zu leiden, was aber immer sofort abgelehnt wurde und zwischenzeitlich hab ich selber nicht mehr daran geglaubt, weil er sich so sicher war. Deswegen hatte ich mich auch dazu entschlossen Trimipramin einzunehmen. Ich habe aber immer wieder von meiner Angst berichtet, dass weitere Medikamente alles nur noch schlimmer machen könnten.

Vielleicht sollte ich mir andere Hilfe suchen.

Viele Grüße
Manuel
1,5 Jahre Citalopram 20 mg am Tag, vor 9 Monaten (Ende November 2018) ohne Ausschleichen abgesetzt, evtl. Entzugserscheinungen seit 6 Monaten (Februar - März 2019). Verschrieben wegen ganz leichter Depression (morgens oft ohne Antrieb und demotiviert, aber eigentlich gut zu ertragen). Rückwirkend hätte ich gar kein Antidepressivum gebraucht.

Citalopram einzudosieren (nach 3 Monaten) schlug wegen sofortiger Unruhe fehl (selbst 0.05 mg in Wasser gelöst haben 15 Minuten nach Einnahme zu starker Unruhe geführt, die eine Stunde nach Einnahme Ihr Maximum erreicht hat und dann Stunden / Tage so blieb)

Symptome:
- Innere Unruhe (dauerhaft da, aber manchmal für Tage oder Stunden extrem und kaum auszuhalten)
- Brennen im Magen / Brust (am Anfang, für ca. 3 Monate) war sehr schmerzhaft
- kreisende Gedanken (z.B. an die Unruhe oder die ganze schlimme kaum besser werdende Situation)
- gestörte Empfindungen wie Kribbeln im Gesicht, Bauch, Beine, Arme (am Anfang sehr anstrengend, mit der Zeit konnte ich das immer besser verdrängen)
- Druck auf den Ohren, kommt und geht manchmal in Sekunden (in der Regel immer auf dem selben Ohr)
- Panikattaken (vor allem am Anfang, mittlerweile sehr selten)
- Ängste (z.B. in den Urlaub zu fahren / fliegen, arbeitslos zu werden, Ehepartner zu verlieren, usw., vorher hatte ich eigentlich keine Ängste)

Aktuell nehme ich:
- 100 mg Trimipramin / Tag - seit ca. Juni 2019
- 2,5 mg Bisoprolol / Tag - wegen leicht erhöhtem Blutdruck (mehrere Jahre Metroprolol, im Februar 2019 auf Bisoprolol umgestellt)
- 1 mal im Monat Diazepam - wenn es gar nicht anders auszuhalten ist, weil Angst vor Abhängigkeit

Trigger
- Vitamin D hat bei mir einige Tage nach der Einnahme extreme Unruhe ausgelöst
- Lakritz (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen) haben eine andere extreme Art der Unruhe ausgelöst

Aktueller Zustand:
9 Monate nach Absetzen von Citalopram, ist vor allem die innere Unruhe oft kaum zu ertragen (Unruhe ist immer da, aber manchmal kaum zu ertragen, hält dann Stunden oder sogar Tage an). Glücklicherweise kann ich immer schnell einschlafen und lange durchschlafen. Damit versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verschlafen.

Annanas
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von Annanas » Samstag, 07.09.19, 12:06

Hallo manu :) ,
manu85 hat geschrieben:
Freitag, 06.09.19, 1:01
Auch wenn die Angstzustände durch den Entzug ausgelöst sind, kann man diese ja trotzdem nähren oder versuchen klein halten. Zumindest habe ich das Gefühl bei mir, dass ich durchaus einen kleinen Einfluss auf den Verlauf habe: Ich kann mich z.B. versuchen abzulenken und damit gar nicht in den Strudel der Angst und den kreisenden Gedanken zu geraten.
Ja, das geht, wenn du merkst, es setzt sich auf die entzugsbedingte Angst noch ein Angstgefühl obendrauf, dann können Strategien, zumindestens gegen Letzteres, hilfreich sein.
manu85 hat geschrieben:
Freitag, 06.09.19, 1:01
Das dürfte doch eigentlich in jeder normalen Angsttherapie besprochen werden oder irre ich mich da? So habe ich das zumindest vermutet.
Ja, so sollte es zumindestens sein. Leider wird das nicht funktionieren, wenn der Therapeut kein Wissen über Absetzsymptome hat u zudem kein Interesse, sich dahingehend zu informieren.

So wird er immer davon ausgehen, du leidest unter einer Angsterkrankung/Depression oder was auch immer da hineindiagnostiziert wird u dann ist seine Therapie schon zum Scheitern verurteilt, weil sie auf den Leitlinien zu den o.g. Diagnosen aufbaut.
manu85 hat geschrieben:
Samstag, 07.09.19, 1:05
Ich habe aber immer wieder von meiner Angst berichtet, dass weitere Medikamente alles nur noch schlimmer machen könnten.
Das wird ihn wahrscheinlich noch in seiner Annahme bestärkt haben, da muß man noch aufpassen, daß einem keine Wahnvorstellungen untergeschoben werden :evil: , ganz schlimm.
manu85 hat geschrieben:
Samstag, 07.09.19, 1:05
Vielleicht sollte ich mir andere Hilfe suchen.
Wenn du dir einen anderen Arzt/Therapeuten suchst, würde ich immer vorher schon abklären, wie er zu dem Thema Absetzsymptome steht.
Ansonsten kommst du wahrscheinlich vom Regen in die Traufe.

Hast du noch einen Termin bei diesem Therapeuten?
Vllt kannst du noch einen Versuch starten - mir fällt gerade ein, du könntest ihm ja den Aufklärungsbogen zu AD mitnehmen, der ist unter Mitwirkung von Ärzten entstanden:
https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=6&t=15689

Liebe Grüße von Anna

PS: Kannst du bitte noch in der Signatur ergänzen, seit wann du das Trimipramin einnimmst!
Vorgeschichte:
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Venlafaxin (225 mg) - Einnahme seit 2007 - Absetzverlauf seit Januar 2016
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seit April 2018 Absetzpause, bin bei 15 Kügelchen (ca. 4,5 mg)

Hinweis:
Meine Aussagen dienen der allgemeinen Information und gründen sich auf Erfahrungswerten - meinen eigenen und denen anderer Betroffener sowie den wenigen bekannten Studien zur Absetzproblematik. Ich bin weder Ärztin noch Psychologin. Meine Erfahrungen und Tipps sind daher keine medizinische Beratung und können eine solche nicht ersetzen.

manu85
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von manu85 » Samstag, 07.09.19, 16:03

Hallo Anna,

ich habe aktuell alle 2 Wochen einen Termin bei meinem Therapeuten. Bei der letzten Sitzung hat er mir aber eröffnet, dass er nicht mehr weiter weiß. Mir wurde geraten, mich in eine Klinik einweisen zu lassen. Mit dem Gedanken hatte ich mich schon vorher lange auseinandergesetzt, aber bisher immer abgelehnt.

In der Klinik kann mir gegen die Entzugssymptome ja genau so wenig geholfen werden und der Stress (z.B. mögliches 4 Bett Zimmer, Ängste der anderen Patienten) ist vielleicht noch viel größer. Außerdem bin ich auf der Arbeit abgelenkt und wenn ich nicht arbeite, kann ich viel Zeit verschlafen, was in der Klinik nicht geht.

Die Klinik ziehe ich bisher für ich erst wirklich in Betracht, wenn mich meine Suizid-Gedanken überwältigen sollten (wer hätte die nicht, bei einer monatelangen Qual) und ich Angst hätte, mir selbst etwas anzutun. Habt Ihr Erfahrungen in Kliniken? Konnte diese helfen?

Das Einzige was mir aus meiner Sicht wirklich helfen würde, wären Medikamente gegen die Unruhe wie Diazepam, Lorazepam, Lyrica, usw.. Ich habe zwar alle 3 Medikamente zuhause, nehme sie aber nicht, aus Angst vor neuen Abhängigkeiten. Lediglich Diazepam nehme ich ca. 1 mal im Monat, wenn es gar nicht anders geht und ich z.B. Nachts in einer Panikattake aufschrecke, die auch nach Stunden nicht von alleine weggeht.

Viele Grüße
Manu
1,5 Jahre Citalopram 20 mg am Tag, vor 9 Monaten (Ende November 2018) ohne Ausschleichen abgesetzt, evtl. Entzugserscheinungen seit 6 Monaten (Februar - März 2019). Verschrieben wegen ganz leichter Depression (morgens oft ohne Antrieb und demotiviert, aber eigentlich gut zu ertragen). Rückwirkend hätte ich gar kein Antidepressivum gebraucht.

Citalopram einzudosieren (nach 3 Monaten) schlug wegen sofortiger Unruhe fehl (selbst 0.05 mg in Wasser gelöst haben 15 Minuten nach Einnahme zu starker Unruhe geführt, die eine Stunde nach Einnahme Ihr Maximum erreicht hat und dann Stunden / Tage so blieb)

Symptome:
- Innere Unruhe (dauerhaft da, aber manchmal für Tage oder Stunden extrem und kaum auszuhalten)
- Brennen im Magen / Brust (am Anfang, für ca. 3 Monate) war sehr schmerzhaft
- kreisende Gedanken (z.B. an die Unruhe oder die ganze schlimme kaum besser werdende Situation)
- gestörte Empfindungen wie Kribbeln im Gesicht, Bauch, Beine, Arme (am Anfang sehr anstrengend, mit der Zeit konnte ich das immer besser verdrängen)
- Druck auf den Ohren, kommt und geht manchmal in Sekunden (in der Regel immer auf dem selben Ohr)
- Panikattaken (vor allem am Anfang, mittlerweile sehr selten)
- Ängste (z.B. in den Urlaub zu fahren / fliegen, arbeitslos zu werden, Ehepartner zu verlieren, usw., vorher hatte ich eigentlich keine Ängste)

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- 100 mg Trimipramin / Tag - seit ca. Juni 2019
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- 1 mal im Monat Diazepam - wenn es gar nicht anders auszuhalten ist, weil Angst vor Abhängigkeit

Trigger
- Vitamin D hat bei mir einige Tage nach der Einnahme extreme Unruhe ausgelöst
- Lakritz (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen) haben eine andere extreme Art der Unruhe ausgelöst

Aktueller Zustand:
9 Monate nach Absetzen von Citalopram, ist vor allem die innere Unruhe oft kaum zu ertragen (Unruhe ist immer da, aber manchmal kaum zu ertragen, hält dann Stunden oder sogar Tage an). Glücklicherweise kann ich immer schnell einschlafen und lange durchschlafen. Damit versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verschlafen.

manu85
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von manu85 » Sonntag, 08.09.19, 0:22

Hallo Zusammen,

habt Ihr Erfahrungen mit Vitamin D? Ich hatte nun bei zwei Blutuntersuchungen:

1. Untersuchung vor ca. 5 Monaten: Vitamin D Wert im Blut: 5
2. Untersuchung 3 Monate später: Vitamin D im Blut: 18

Nach der ersten Blutuntersuchung habe ich auf anraten des Arztes 20 x 20.000 Einheiten Vitdamin D genommen und bei der zweiten Blutuntersuchung nochmal 10 x 20.000 Einheiten Vitamin D. Nach der Einnahme ist erstmal nichts passiert, aber beide Male hatte ich einige Tage später wirklich schlechte Tage bzw. sogar 1-2 Wochen.

Ich habe die Vermutung, die Einnahme die schlechten Phasen hervorgerufen hat. Wie ich in einem Profil lesen konnte, hat auch mindestens eine andere Person das Gleiche festgestellt.

Andererseits waren die Werte so schlecht, dass ich was dagegen tun musste. Ich habe parallel versucht mich öfter mal auf den Balkon zu sonnen, was aber keinen großen Effekt auf die Werte hatte.

Außerdem habe ich gemerkt, dass größere Mengen Lakritze extrem Triggern (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen)

Viele Grüße
Manu
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Citalopram einzudosieren (nach 3 Monaten) schlug wegen sofortiger Unruhe fehl (selbst 0.05 mg in Wasser gelöst haben 15 Minuten nach Einnahme zu starker Unruhe geführt, die eine Stunde nach Einnahme Ihr Maximum erreicht hat und dann Stunden / Tage so blieb)

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- Innere Unruhe (dauerhaft da, aber manchmal für Tage oder Stunden extrem und kaum auszuhalten)
- Brennen im Magen / Brust (am Anfang, für ca. 3 Monate) war sehr schmerzhaft
- kreisende Gedanken (z.B. an die Unruhe oder die ganze schlimme kaum besser werdende Situation)
- gestörte Empfindungen wie Kribbeln im Gesicht, Bauch, Beine, Arme (am Anfang sehr anstrengend, mit der Zeit konnte ich das immer besser verdrängen)
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Trigger
- Vitamin D hat bei mir einige Tage nach der Einnahme extreme Unruhe ausgelöst
- Lakritz (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen) haben eine andere extreme Art der Unruhe ausgelöst

Aktueller Zustand:
9 Monate nach Absetzen von Citalopram, ist vor allem die innere Unruhe oft kaum zu ertragen (Unruhe ist immer da, aber manchmal kaum zu ertragen, hält dann Stunden oder sogar Tage an). Glücklicherweise kann ich immer schnell einschlafen und lange durchschlafen. Damit versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verschlafen.

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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von Towanda » Sonntag, 08.09.19, 9:02

Hallo Manu,

20.000 Einheiten werden schon von Gesunden oft nicht vertragen. Kann also gut sein, daß das für Deinen derzeitigen Zustand mitverantwortlich ist.

Hohe Gaben Vitamin D reduzieren den Magnesiumspeicher. Man sollte also immer auch Magnesium substituieren. Des Weiteren braucht Vitamin D zwingend Vitamin K2 dazu um vom Körper richtig aufgenommen zu werden.

Sonne sollte man ganz regelmäßig genießen, täglich 10-20 Minuten in der Mittagszeit in Badebekleidung und ohne Sonnenschtzcreme - die verhindert nämlich die Bildung von Vitamin D. Auch sollte man auf die Sonnenbrille verzichten, da dann die Sonnenstrahlen die Zirbeldrüse anregen können und körpereigenes Serotonin gebildet werden kann.

Hier gibt es gute Informationen dazu - auch, was von Hochdosen zu halten ist: https://www.vitamind.net/spiegel/

Das mit der Lakritze kannst Du ganz einfach selber feststellen, indem Du sie einfach weglässt und schaust, wie es Dir dann geht.

Gruß, Towanda
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31.07.19 - 2,70 mg Mirtazapin
28.08.19 - 2,30 mg Mirtazapin
26.09.19 - 1,95 mg Mirtazapin

Weitere Medikamente:
Wegen Fluorchinolone-Schädigung jede Menge NEMs
1 x wöchentlich Mirtazapin C30 5 Globuli - im August 2019 beendet
3 x tgl. Thyreoidea comp. 3 Globuli


Wenn eine Schraube locker ist, hat das Leben etwas mehr Spiel.

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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von Annanas » Sonntag, 08.09.19, 9:08

Hallo Manu :) ,
manu85 hat geschrieben:
Samstag, 07.09.19, 16:03
Habt Ihr Erfahrungen in Kliniken? Konnte diese helfen?
Klinikaufenthalte sind bei Entzugssymptomen eher wenig bis gar nicht hilfreich.
Daß ein Absetzen von AD eine schwierige Symptomatik auslösen kann u das zudem für einen langen Zeitraum, ist den wenigsten Fachärzten bekannt.
Dadurch werden (weitere) psychiatrische Diagnosen gestellt u dementsprechend (meistens mit neuer bzw höherer PP-Medikamentierung) behandelt.

Durch das Ruhebedürfnis, was man im Entzug oft hat, ist es schwierig, an Therapien jeglicher Form teilzunehmen, was wieder Probleme mit sich bringt.

Es gibt zwar auch Kliniken, die nicht auf Medikamente setzen u wo die Behandlung mehr auf die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten ausgerichtet ist, aber die sind wohl rar gesät.
Also, alles in allem u nach den Erfahrungswerten im Forum, schätze ich einen Klinikaufenthalt als nicht hilfreich ein.

Anders sieht es bei gravierenden Suizidgedanken aus, dann ist es zwingend geboten, sich in einen geschützten Bereich zu begeben.
manu85 hat geschrieben:
Sonntag, 08.09.19, 0:22
Nach der ersten Blutuntersuchung habe ich auf anraten des Arztes 20 x 20.000 Einheiten Vitdamin D genommen und bei der zweiten Blutuntersuchung nochmal 10 x 20.000 Einheiten Vitamin D. Nach der Einnahme ist erstmal nichts passiert, aber beide Male hatte ich einige Tage später wirklich schlechte Tage bzw. sogar 1-2 Wochen.
Ja, es ist hier bekannt, daß eine Vitamin D-Substitution die Symptomatik verstärken kann. Hier gibt's einen kleinen Thread:
https://adfd.org/austausch/viewtopic.ph ... +d#p320960
Bei einem starken Mangel kann man noch versuchen, mit einer kleinen Dosierung (im hunderter i.E. Bereich) die Einnahme zu beginnen u langsam zu steigern, das wird ggf besser vertragen.
Mit Vitamin D Tropfen mit K2 (wichtig) kann man gut dosieren.
manu85 hat geschrieben:
Sonntag, 08.09.19, 0:22
Außerdem habe ich gemerkt, dass größere Mengen Lakritze extrem Triggern (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen)
Ja, alles, was Süßholzwurzel enthält, kann triggern, vor allem in großen Mengen.
Lakritz kann zu Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen führen. Der Blutdruck steigt, weil Lakritz im Körper die Ausscheidung von Kalium und die Aufnahme von Natrium und Wasser fördert.

Liebe Grüße von Anna

Edit: überschnitten mit Towanda :)
Vorgeschichte:
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Venlafaxin (225 mg) - Einnahme seit 2007 - Absetzverlauf seit Januar 2016
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seit April 2018 Absetzpause, bin bei 15 Kügelchen (ca. 4,5 mg)

Hinweis:
Meine Aussagen dienen der allgemeinen Information und gründen sich auf Erfahrungswerten - meinen eigenen und denen anderer Betroffener sowie den wenigen bekannten Studien zur Absetzproblematik. Ich bin weder Ärztin noch Psychologin. Meine Erfahrungen und Tipps sind daher keine medizinische Beratung und können eine solche nicht ersetzen.

manu85
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von manu85 » Sonntag, 08.09.19, 16:10

Hallo Zusammen,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Wenn 20.000 Einheiten schon von gesunden nicht vertragen werden können ich und sogar 20 x 20.000 Einheiten, also 400.000 Einheiten auf einmal genommen habe, dann ist mir nun auch klar, warum es mir Tage später so schlecht ging.

Mir fällt es immer sehr schwer genügend Sonne zu tanken. Ich versuche auf der Arbeit in der Mittagspause zwar das Essen mit einem Spaziergang zu verbinden, aber oft ist es bewölkt. Außerdem hab ich natürlich maximal ein T-Shirt an. Wenn ich dann zuhause bin steht die Sonne meistens schon so tief, dass der Balkon schon nicht mehr getroffen wird. Am Wochenende versuche ich mich auf den Balkon in die Sonne zu legen. Sobald der Sommer aber ganz vorbei ist, wird es natürlich noch viel schwerer, Vitamin D zu bekommen.

Ich werde es so probieren wie vorgeschlagen: Statt Vitamin D 20.000 Einheiten Tabletten, Tropfen mit K2 kaufen und dazu noch Magnesium zu nehmen und dass regelmäßig, aber in kleinerer Dosierung. Ich weiß noch ob ich einen Link posten darf?: https://www.amazon.de/gp/product/B07NNWNXC8

Außerdem werde ich mir Fischöl Tropfen besorgen und diese auch mal testen. Scheint ja einigen geholfen zu haben. Darf ich einen Link posten?: https://www.amazon.de/gp/product/B07D7V6WC9 Es gibt hier viele Empfehlungen, aber ehrlich gesagt blicke ich da nicht wirklich durch.

Viele Grüße
Manu
1,5 Jahre Citalopram 20 mg am Tag, vor 9 Monaten (Ende November 2018) ohne Ausschleichen abgesetzt, evtl. Entzugserscheinungen seit 6 Monaten (Februar - März 2019). Verschrieben wegen ganz leichter Depression (morgens oft ohne Antrieb und demotiviert, aber eigentlich gut zu ertragen). Rückwirkend hätte ich gar kein Antidepressivum gebraucht.

Citalopram einzudosieren (nach 3 Monaten) schlug wegen sofortiger Unruhe fehl (selbst 0.05 mg in Wasser gelöst haben 15 Minuten nach Einnahme zu starker Unruhe geführt, die eine Stunde nach Einnahme Ihr Maximum erreicht hat und dann Stunden / Tage so blieb)

Symptome:
- Innere Unruhe (dauerhaft da, aber manchmal für Tage oder Stunden extrem und kaum auszuhalten)
- Brennen im Magen / Brust (am Anfang, für ca. 3 Monate) war sehr schmerzhaft
- kreisende Gedanken (z.B. an die Unruhe oder die ganze schlimme kaum besser werdende Situation)
- gestörte Empfindungen wie Kribbeln im Gesicht, Bauch, Beine, Arme (am Anfang sehr anstrengend, mit der Zeit konnte ich das immer besser verdrängen)
- Druck auf den Ohren, kommt und geht manchmal in Sekunden (in der Regel immer auf dem selben Ohr)
- Panikattaken (vor allem am Anfang, mittlerweile sehr selten)
- Ängste (z.B. in den Urlaub zu fahren / fliegen, arbeitslos zu werden, Ehepartner zu verlieren, usw., vorher hatte ich eigentlich keine Ängste)

Aktuell nehme ich:
- 100 mg Trimipramin / Tag - seit ca. Juni 2019
- 2,5 mg Bisoprolol / Tag - wegen leicht erhöhtem Blutdruck (mehrere Jahre Metroprolol, im Februar 2019 auf Bisoprolol umgestellt)
- 1 mal im Monat Diazepam - wenn es gar nicht anders auszuhalten ist, weil Angst vor Abhängigkeit

Trigger
- Vitamin D hat bei mir einige Tage nach der Einnahme extreme Unruhe ausgelöst
- Lakritz (600 gr Lakritz-Katzen in 3 Tagen) haben eine andere extreme Art der Unruhe ausgelöst

Aktueller Zustand:
9 Monate nach Absetzen von Citalopram, ist vor allem die innere Unruhe oft kaum zu ertragen (Unruhe ist immer da, aber manchmal kaum zu ertragen, hält dann Stunden oder sogar Tage an). Glücklicherweise kann ich immer schnell einschlafen und lange durchschlafen. Damit versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verschlafen.

suisse
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von suisse » Sonntag, 08.09.19, 22:11

manu85 hat geschrieben:
Samstag, 07.09.19, 1:05
Hallo Anna,

auf der Visitenkarte steht: Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Wir haben in 2 - 3 Sitzungen meine Kindheit, Familie, Partner, Arbeit und Hobbys abgehandelt (eigentlich nichts spannendes zu erzählen gehabt) und danach hab ich eigentlich nur noch berichtet wie es mir geht. Möglicherweise hat dies schon geholfen, ich weiß es nicht. Ansonsten haben wir eigentlich nur noch verschiedene Medikamente und deren Optionen besprochen. Seit den letzten Sitzungen wurde aber immer mitten drin abgebrochen, obwohl ich durchaus noch im Gesprächsfluss war oder noch hätte weiter reden können.

Ich habe mehrmals erwähnt das ich vermute unter Entzugserscheinungen zu leiden, was aber immer sofort abgelehnt wurde und zwischenzeitlich hab ich selber nicht mehr daran geglaubt, weil er sich so sicher war. Deswegen hatte ich mich auch dazu entschlossen Trimipramin einzunehmen. Ich habe aber immer wieder von meiner Angst berichtet, dass weitere Medikamente alles nur noch schlimmer machen könnten.

Vielleicht sollte ich mir andere Hilfe suchen.

Viele Grüße
Manuel

Hallo Manu,

steht noch die Richtung der Psychotherapie auf der Visitenkarte?
Vielleicht solltest du noch nach weiteren Therapeuten Ausschau halten... ein wichtiger Bestandteil für den Erfolg einer Therapie ist Vertrauen und von deinen Erzählungen klingt es nicht danach.
Oder habe ich das falsch verstanden?
Finde es auch komisch, dass fast nur über Medikamente gesprochen wurde...

Lg Anna
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Re: manu85: Citalopram - Entzugserscheinungen?

Beitrag von suisse » Sonntag, 08.09.19, 22:17

manu85 hat geschrieben:
Sonntag, 08.09.19, 0:22
Hallo Zusammen,

habt Ihr Erfahrungen mit Vitamin D? Ich hatte nun bei zwei Blutuntersuchungen:

1. Untersuchung vor ca. 5 Monaten: Vitamin D Wert im Blut: 5
2. Untersuchung 3 Monate später: Vitamin D im Blut: 18

Nach der ersten Blutuntersuchung habe ich auf anraten des Arztes 20 x 20.000 Einheiten Vitdamin D genommen und bei der zweiten Blutuntersuchung nochmal 10 x 20.000 Einheiten Vitamin D. Nach der Einnahme ist erstmal nichts passiert, aber beide Male hatte ich einige Tage später wirklich schlechte Tage bzw. sogar 1-2 Wochen.

Ich habe die Vermutung, die Einnahme die schlechten Phasen hervorgerufen hat.

Viele Grüße
Manu

Hallo Manu,

nach einer Einnahme von 5000IE Ende letzten Jahres habe ich ebenfalls einige Tage extreme Unruhe gehabt.
Auch die zusätzliche Einnahme von NEMs (z.B. Magnesium, Fischöl) vertrage ich im Entzug nicht.
Damit kannst du dich nur abfinden oder eben in viel kleineren Dosen probieren, wenn eine Substitution dringend angebracht ist.

Lg Anna
Aktuelle Dosierung: 0,9mg Escitalopram
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