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Jensen2020: Mirtazapin kalt abgesetzt

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Jensen2020
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Jensen2020: Mirtazapin kalt abgesetzt

Beitrag von Jensen2020 »

Guten Tag alle zusammen,

Ende März ging eine längere Ehe zu Ende und im Zuge dessen ging es mir sehr schlecht.
Um meine Schlafstörungen in den Griff zu bekommen, habe ich am 7.4. mit der Einnahme von Mirtazapin 30 mg am Abend begonnen.
Mein Schlaf hat sich relativ schnell wieder gebessert, so dass ich Ende April nur noch 15 mg abends genommen habe.
Bis auf Mundtrockenheit hatte ich keine nennenswerten Nebenwirkungen.

Vor zwei Wochen kam ich einer Frau körperlich etwas näher und musste erschreckt feststellen, dass ich keine Erektion bekam. Es tat sich überhaupt nichts.
Ich war so schockiert, dass ich am 12.06. von heute auf morgen das Medikament vollständig abgesetzt habe. Ich weiß, dass das wohl unklug war, aber ich habe es nicht ausgeschlichen.
Ich habe es also ingesamt 2,5 Monate genommen, davon die letzten 1,5 Monate mit 15 mg.
Heute ist der 10. Tag ohne und ich leide unter Schlafstörungen. Mehr als 5-6 Stunden mit Unterbrechungen schlafe ich derzeit nicht.
Aber was mich auch sehr unberuhigt, ist die immer noch vorhandene Erektionsstörung bzw. mein gesamtes sexuelles Verlangen ist immer noch weg.

Wie lange dauert es erfahrungsgemäß, bis sich das wieder normalisiert?
Zuletzt geändert von Jamie am 22.06.2020 11:54, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Absätze zur besseren Lesbarkeit eingefügt
Jamie
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Re: Jensen2020: Mirtazapin kalt abgesetzt

Beitrag von Jamie »

Hallo Jensen,

willkommen im Forum :).

AD können als Nebenwirkung (NW) sexuelle Dysfunktion auslösen.
Dass die Schlafstörungen zurück kommen ist auch nicht verwunderlich, denn AD können nicht heilen.
Das Mirtazapin hat dich einfach so benebelt und müde gemacht, dass der Schlaf sozusagen chemisch erzwungen wurde.

Durch den Kaltentzug kommen jetzt die Symptome zurück und dazu noch die sexuelle Dysfunktion.

Mit 2,5 Monaten hast du es recht kurz genommen, es ist jetzt eine Gratwanderung zu entscheiden, ob du es noch mal mit einer Wiedereinnahme eines Krümels Mirtazapin probierst (zB 1mg) oder es lässt.

5-6 Stunden Schlaf, wenn auch fragmentiert, sind nicht toll, aber es könnte erfahrungsgemäß sehr viel schlimmer sein. Wenn du damit zurecht kommst, würde ich von einer Wiedereinnahme absehen. Ich befürchte nämlich, dass die sex. Störungen bei einer Wiedereinnahme nicht weg gehen bzw. akzeptiert werden müssen.
Wenn sie bereits unter AD Einnahme auftraten (und das war bei dir der Fall), ist nicht zu erwarten, dass sie sich bessern, wenn du das Mittel wieder einnimmst.
Ganz genau sagen kann ich es natürlich nicht, aber es ist unser Erfahrungswert.

Wenn der Schlaf für dich aber der Horror ist und du auch noch andere starke Absetzsymptome hast, dann ist über eine Wiedereinnahme nachzudenken.

Sexuelle Störungen können sich leider noch lange auf 0mg halten.
AD schmeißen das Hormonsystem durcheinander.
Schlimmstenfalls droht eine PSSD, ein bleibender Schaden der Sexualfunktion, den man vor allem dann einkalkulieren muss, wenn man SSRI oder SNRI einnimmt.
Mirtazapin ist ein tetrazyklisches AD, also nicht die klassische Gefahrengruppe, hierzu ist die Forschung aber noch nicht eindeutig, - jedoch als Nebenwirkung ist es auf jeden Fall bekannt.

Ich denke du kannst nur die Zeit für dich arbeiten lassen.
1o Tage auf Null ist noch nicht lange, dein Gehirn braucht Zeit sich umzubauen und du solltest deinen Körper schonen und Ruhe gönnen.
Zur Aufarbeitung der gescheiterten Ehe empfehle ich dir therapeutische Unterstützung.
Nur so kann man dann auch die Schlafstörungen langfristig angehen.

Viele Grüße
Jamie
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Jensen2020
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Re: Jensen2020: Mirtazapin kalt abgesetzt

Beitrag von Jensen2020 »

Vielen Dank für die Antwort.

Die sexuelle Störung hat schon vor zwei Wochen nachgelassen, aber jetzt nach einem Monat kaltem Entzug leide ich immer noch sehr unter Schlafstörungen. Es dauert sehr lange, bis ich in den Schlaf finde und bin dann nachts mehrfach lange wach, bis ich dann wieder einschlafe.
Dies führt natürlich zu einem labilen Gemütszustand.

Eine Rückkehr zu Mirtazapin halte ich nicht für sinnvoll, aber wie lange werde ich wohl noch die Schlafstörungen haben?

Ein Bekannter wurde in einer ähnlichen Situation mit Proneurin behandelt, damit er Schlaf findet. Gibt es hierfür bei euch Erfahrungswerte?
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Re: Jensen2020: Mirtazapin kalt abgesetzt

Beitrag von Towanda »

Hallo Jensen,

was hast Du denn außer Mirtazapn noch unternommen gegen die Schlafstörungen? Die haben ja eine Ursache - Trennung, Scheidung ect., ich denke nicht, daß Medikamente die Lösung sind.

Proneurin ist ein Neuroleptikum, der Wirkstoff heißt Promethazin, wenn Du das in die Suchfunktion eingibst, bekommst Du zahlreiche Ergebnisse von Menschen, die das verordnet bekommen haben und nun mühsam wieder ausschleichen.

Wenn überhaupt etwas einzunehmen wäre, würde ich, wie Jamie bereits empfohlen hat, eine Minidosis (0,5-1 mg) Mirtazapin nehmen, um damit die Entzugssymptome zu lindern.

Wir haben hier einen Thread zum Thema Schlafen: viewtopic.php?f=57&t=9278

Viele Grüße, Towanda
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Re: Jensen2020: Mirtazapin kalt abgesetzt

Beitrag von Jensen2020 »

Danke für die schnelle Antwort.

Ich mache eine Psychotherapie, um die Situation zu verarbeiten. Ansonsten weiß ich nicht, was ich gegen die akuten Schlafstörungen machen soll.

Ich hoffe ja, dass die Zeit das reguliert...
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Re: Jensen2020: Mirtazapin kalt abgesetzt

Beitrag von Towanda »

Hallo Jensen,
Jensen2020 hat geschrieben: 11.07.2020 11:34 Ansonsten weiß ich nicht, was ich gegen die akuten Schlafstörungen machen soll.

Ich hoffe ja, dass die Zeit das reguliert...
Deshalb habe ich Dir unseren Schlaf-Thread verlinkt - hast Du darin schon gelesen?

Ja, die Zeit trägt sicher einiges dazu bei, daß sich die Schlafstörungen wieder regulieren.

Gruß, Towanda
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Re: Jensen2020: Mirtazapin kalt abgesetzt

Beitrag von Michael808 »

Hallo Jensen,

interessant, von deiner Erfahrung mit Mirtazapin zu lesen! Andere Psychopharmaka hast du nicht genommen, oder? Ich frage deshalb, weil zwar Mirtazapin mein ganzes Nervensystem durcheinander gebracht hat und ich nun ein ganzes Jahr später immer noch drunter leide, aber Erektionsstörungen hatte ich davon nicht. Lediglich die (mentale) Lust auf sexuellen Kontakt ist mir abhanden gekommen. Aber das hatte einfach die psychische Ursache, dass ich mich für meine körperliche Schwäche so sehr schämte, dass ich mich als Mann wertlos fühlte.

Interessanter Weise habe ich aber seit dem Absetzen immer mal wieder so – ich sage mal – Schübe. Manchmal werde ich plötzlich geil und bekomme sexuelle Phantasien, wenn mir eine schöne Frau gegenüber sitzt. Es fühlt sich zwar in dem Moment echt an, aber hinterher frage ich mich immer, was war da denn los? Ich gehe auf die 40 zu und eigentlich hat Sex für mich schon lange an Bedeutung verloren. Diese Momente fühlen sich aber an, wie in der Pubertät, als ich mich wegen gewissen „Dingen“ nicht so richtig auf den Unterricht konzentrieren konnte.

Es ist nur alle paar Wochen mal aber irgendwie doch beunruhigend. Gerade, wo ich das schreibe, merke ich, dass sich das so ließt, wie wenn jemand seine Triebe nicht unter Kontrolle hat. Ganz schön blöd, kann man eigentlich keinem erzählen.

Mein Schlafverhalten hat sich definitiv seit Mirtazapin verändert. Es ist zwar nicht so wie während der Depression, dass ich einfach ewig wachliege und in Summe 1-2 Stunden Schlaf zusammenkratzen kann. Aber ich würde es so beschreiben, dass nur Halbschlaf möglich ist. Ich träume einen Traum nach dem anderen. Diese Träume haben immer dasselbe Muster: Es sind Szenarien, in denen ich mir depressiv vorkomme und nichts auf die Reihe kriege, so sehr ich es auch versuche. Irgendwann im Traum bemerke ich dann, dass es ein Traum ist und er endet. Dann bin ich kurz wach und es geht mit leicht geändertem Drehbuch wieder von vorne los.

LG
Michael
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Was tun, wenn die Depression zurückkommt?
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