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Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

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Marie-Fleur
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Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Liebes Forum,

ich möchte euch gerne um Rat fragen. Hier ist meine Geschichte:

Mit Unterbrechungen habe ich über 20 Jahre lang verschiedene Antidepressiva genommen, zuletzt Venlafaxin. Entgegen dem Wunsch meiner Ärzte war ich immer um eine möglichst geringe Dosis bemüht bzw. hatte den Wunsch ohne ADs auszukommen. Daher habe ich häufiger auf- und abdosiert bzw. ganz unterbrochen, am längsten während Schwangerschaft und Stillzeit.

Beim Reduzieren oder Absetzen hatte ich nie Probleme, obwohl ich dies in der üblichen Geschwindigkeit tat, also über wenige Wochen. Mit meinem heutigen Wissen vermute ich, dass die jeweils nach einigen Monaten einsetzenden Rückfälle zeitverzögerte Entzugsymptome oder Rebounds waren. Es ließ sich aber immer auch ein äußeres Ereignis finden, dass das Wiederauftreten einer starken Depression plausibel machte. Dann ging es von vorne los mit den Tabletten.

2019 hatte ich zwei Absetzversuche von Venlafaxin, jeweils innerhalb von 4-6 Wochen, die problemlos verliefen, bis nach etwa 3 Monaten wieder eine starke Depression auftrat. Als Ursache haben ich und meine Ärztin meine belastende berufliche Situation vermutet. Erstmals war ich aufgrund von Depressionen mehrere Wochen arbeitsunfähig.

Schweren Herzens (da mir trotz allem meine Berufstätigkeit wichtig ist und ich sehr lange im Unternehmen war) habe ich mich Ende 2019 zur Kündigung entschlossen. Die berufliche Auszeit wollte ich zum Absetzen nutzen. Nach ausgiebigen Recherchen habe ich mich zum Absetzen über Tapering Strips entschieden. Damit habe ich von Feb 2020 bis Aug 2020 von 150 mg auf Null reduziert. Ich bin jetzt also seit 4 Wochen auf Null.

Ich weiß, dass dies nach ADFD-Richtlinien bei meiner lanjährigen Einnahme viel zu schnell war. Während des Reduzierens hatte ich, wie zuvor, keine Probleme. Dadurch, dass Entzugserscheinungen bei mir erst Monate später eintreten, ist es schwer, den Zeitpunkt zum Gegensteuern zu erkennen. Aus meiner heutigen Sicht hätte ich Stabilisierungsphasen einbauen sollen.

Im Rückblick kann ich auch erkennen, dass etwa ab Juli eine Verschlechterung der Stimmung eintrat, anfangs durchaus noch im Bereich des Normalen. Erst seit etwa zwei Wochen geht es mir richtig schlecht. Ich habe kaum körperliche Beschwerden, sogar der Schlaf ist ok, aber ich fühle mich sehr stark depressiv. Körperlich bin ich zwar erschöpft, schaffe aber mit vielen Pausen und äußerster Kraftanstrengung mein Pensum. Es sind die Gedanken und Gefühle, dir mir Angst machen – das Wahrnehmen des absoluten Nichts, der großen Leere, der Einsamkeit. Angst, es einfach nicht mehr ertragen zu können. Dazu kann ich nicht klar denken, kann mir nichts merken und mich nicht konzentrieren. Ich kann es schwer in Worte fassen. In den Schilderungen von Sunyata habe ich mich sehr gut wiedergefunden.

Wie ist eure Einschätzung? Sollte ich noch mal eine Minidosis eindosieren oder besser ausharren?

Vielen Dank schon mal und liebe Grüße
Marie-Fleur

PS: Ich bin 55, verheiratet und habe eine Tochter im Teenager-Alter.
Zuletzt geändert von simonb am 02.09.2020 16:43, insgesamt 1-mal geändert.
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simonb
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von simonb »

Hallo Marie- Fleur,

willkommen im ADFD.

Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum:

Das ADFD ist ein Selbsthilfeforum und lebt vom gegenseitigen Austausch von Betroffenen untereinander. Mit der Anmeldung hast du dich für gelebte Selbsthilfe und aktiven Austausch auf der Basis der bereitgestellten Informationen entschieden.

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Bitte beachte, dass im Forum keine medizinischen Ratschläge gegeben werden. Du entscheidest dich selbstverantwortlich, ob du etwas von den Erfahrungen anderer Betroffener umsetzen möchtest.

Auch Teammitglieder sind keine medizinischen oder psychologischen "Berater", "Profis", "Fachleute" oder "Experten"! Wie alle anderen Teilnehmer auch, sind sie selbst Betroffene oder Angehörige und beteiligen sich, soweit es ihre Kräfte zulassen, am Austausch und geben Erfahrungen weiter.

Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva und Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen

Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.

Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen

Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen Umgang mit dem Entzug und Gesundheit. Eine Übersicht über ausgewählte Themen findest du unter Was finde ich wo im Forum? Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
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Damit die Beiträge besser lesbar sind, füge bitte Absätze und Leerzeilen ein.

Es kann etwas dauern, bis du eine persönliche Antwort auf dein Anliegen bekommst, bitte habe dann etwas Geduld.

Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Dein Thread befindet sich aktuell in der Rubrik "Hier bist du richtig". Sobald du im Forum "angekommen" bist, wird er von einem Moderator in die passende Rubrik Antidepressiva absetzen/ Benzodiazepine absetzen/ Neuroleptika absetzen verschoben.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüße Simon
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simonb
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von simonb »

Hallo Marie_Fleur :)

Es kann gut sein, das deine Einbrüche in der Vergangenheit mit dem zu schnellen Absetzen des Venla zu tun hatten.
Auch ist es möglich, das die Absetzsymptome erst nach ein paar Monaten richtig zuschlagen.
Ich habe das beim Venla auch mal so erlebt.

Du hast viel zu schnell abgesetzt, aber das weisst du wahrscheinlich selber.
4 Wochen ist das jetzt her, und man sagt so das man bis 6 Wochen nach Absetzen noch einen Versuch zur Wiedereindosierung machen kann.
Ich würde an deiner Stelle wiedereindosieren, mit einer geringen Menge des Venla.
Viele nutzen bei Venla die "Kügelchenmethode" um kleinere Dosierungen herzustellen.

Ich kann die leider noch nicht sagen, mit welcher Dosis du versuchen solltest wiedereinzudosieren.
Am besten du wartest ab, bis sich hier noch andere erfahrene Mitglieder melden.

Lg Simon
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Sabs
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Sabs »

Hi Marie-fleur,
Auch ich bin ein Venlaopfer..
Es geht mir sehr schlecht, leider habe ich zur Depression zusätzlich noch körperliche Entzugserscheinungen, die mir ziemlich deutlich machen, dass es nicht nur die grunderkrankung sein kann.
Ich würde fast ALLES dafür geben, Venla nochmal verträglich Eindosieren zu können, glaube mir, im schlimmsten Fall wartet echt die pure Hölle nach so einem schnellen Entzug :-(
Dosiere unbedingt wieder ein und setze dann ganz behutsam ab.
Du könntest nach 4 Wochen auf 0 mit 2mg starten.
Kennst du die Kügelchenmethode? Es ist recht komfortabel mit Venla niedrig zu dosieren.

Kannst ja mal in meinem Thread lesen, ich vertrage Venla nicht mehr und habe deshalb ein neues AD, weil ich nicht mehr essen konnte.
Tja, außer, dass ich wieder essen kann, hat das neue AD nicht geholfen.
Ich wollte auch ohne ADs leben, mittlerweile bereue ich meine Entscheidungen zutiefst und weiß nicht, ob ich jemals wieder fit werde.
Diese Gefahr solltest du nicht riskieren.

Alles Gute Sabs
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Jamie
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Jamie »

Hallo Marie-Fleur,

auch von mir willkommen :).

Wenn du weißt, dass die Absetzsymptome möglicherweise mit Monaten Verspätung zuschlagen (was weder untypisch noch unmöglich ist, weil sich die Rezeptoren erst nachgelagert langsam remodellieren), dann wäre es der sinnvollere Ansatz gewesen, einen Entzug sehr langsam zu gestalten und ggf. Pausen einzulegen, da dein Hirn anscheinend nachträglich immer viel Zeit braucht, die Prozesse zu verarbeiten.
Aber das hast du ja selbst schon bemerkt, insofern dient diese Info vor allem deinem möglicherweise weiteren Vorgehen.

Ich würde dir wie meine VorschreiberInnen dringend eine Wiedereinnahme empfehlen, ab 4-6 Wochen auf 0 steigt das Risiko von Unverträglichkeitsreaktionen und du befindest dich da an der Grenze.
Mein Vorschlag bewegt auch auch bei 1-3mg, vielleicht 2mg für den Start.

Dann eine Dosis suchen, die zum Stabilisieren ausreicht und noch einmal sehr langsam absetzen.

Viele Grüße
Jamie
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Susanne1978
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Susanne1978 »

Marie-Fleur hat geschrieben: 02.09.2020 15:24 2019 hatte ich zwei Absetzversuche von Venlafaxin, jeweils innerhalb von 4-6 Wochen, die problemlos verliefen, bis nach etwa 3 Monaten wieder eine starke Depression auftrat. Als Ursache haben ich und meine Ärztin meine belastende berufliche Situation vermutet. Erstmals war ich aufgrund von Depressionen mehrere Wochen arbeitsunfähig.
Hallo Marie Fleur, willkommen im Club....
Naja, problemlos verlief doch dein absetzen nicht, sonst würdest du doch nicht wieder in eine Depression gerutscht sein? Wobei ich bezweifle, dass es eine Depression ist, sonder eher ganz klar eine Entzugserscheinung....

So ging es mir damals mit dem Sertralin auch. Und ich wurde auf Venla eingestellt. Ich bin froh jetzt diesen Weg zu gehen mit der 10% Methode....

Hoffenltich kannst du dich bald stabiliseren....

LG Susanne
:wink: -------------------- :wink:
Seit ca. 1998 nehme ich Antidepressiva
Doxepin, Sertralin, Venlafaxin

03/2017 nehme ich 150 mg Venlafaxin

01.12.2018 = abzgl. 5% = 142,50 mg
01.02.2019 = abzgl. 10% = 128,25 mg
01.03.2019 = abzgl. 10% = 115,50 mg
01.04.2019 = 112,50 mg
01.06.2019 = abzgl. 5% = 106,88 mg
11.07.2019 = abzgl. 5% = 101,54 mg
10.08.2019 = 100,00 mg
11.09.2019 = abzgl. 5% = 95,00 mg
29.10.2019 = abzgl. 8% = 87,50 mg
Einnahme vergessen am 18.12.19!
12.01.2020 = abzgl. 5% = 83,00 mg
18.02.2020 = abzgl. 10% = 75,00 mg
01.05.2020 = abzgl. 10% = 67,50 mg
02.07.2020 = abzgl. 7,5% = 62,50 mg
26.08.2020 = abzgl. 10% = 56,25 mg
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Marie-Fleur
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Hallo,

vielen Dank euch allen für eure hilfreichen Antworten.

Ich habe mich zum Wiedereindosieren von 2 mg entschieden. Mit dieser Entscheidung geht es mir heute schon besser, da das Hadern mit dem ob ja oder nein ein Ende hat.

Gerade habe ich meine erste 3-Wochen-Ration an 2 mg Kapseln nach der Kügelchenmethode erstellt. Das ist schon ein sehr mühseliges und fehlerträchtiges Prozedere – man verzählt sich schnell und die Kügelchen springen herum.

Falls Betroffene aus der Mitte Deutschlands (Rhein-Main) hier mitlesen und an einem persönlichen Austausch interessiert sind, würde ich mich über eine Nachricht freuen.

Viele Grüße
Marie-Fleur
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Straycat
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Straycat »

Liebe Marie-Fleur,

auch von mir noch herzlich willkommen im ADFD :hug:

Ich setze auch Venla nach der Kügelchen-Methode ab. Das Prozedere ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber man findet schnell Möglichkeiten, wie man das mit dem Kügelchenzählen möglichst einfach gestalten kann. Am besten man teilt die Kügelchen in kleine Gruppen zu 10-20 Kügelchen auf einem dunklen Untergrund (ich habe zB so eine schwarze Dipschale, mit mehreren Bereichen, die eignet sich gut).

Was die zeitversetzten Absetzsymptome betrifft: Die habe ich auch immer wieder beim Venlafaxin. Seit Mai bin ich auf der gleichen Dosis und letzte Woche hatte ich auch wieder eine Welle mit eindeutigen Absetzsymptomen. Das ist leider nicht so selten...

Ich drücke dir die Daumen, dass die Wiedereindosierung hilft und du dann langsam und behutsam vom Venla wegkommen kannst :)

Liebe Grüße,
Cat
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Guten Morgen,

es fällt mir schwer, mich in einem anonymen öffentlichen Forum auszudrücken und ich möchte euch auch nicht die Ohren vollheulen. Ich bin jetzt allerdings in einer tiefen Depression gelandet und fühle mich sehr krank.

Tue ich wirklich das Richtige? Auch wenn mich die Tabletten zum Zombie machen, so nehmen sie mir doch wenigstens den Schmerz.

Sollen das wirklich Absetztsymptome sein? Alles was ich spüre, ist der tiefe Schmerz der Depression, das innere Wundsein, die Sinnlosigkeit und die Verweiflung, es nicht mehr aushalten zu können.

Meine Absetzsymptomik ist so anders als die hier meist beschriebenen - körperlich habe ich kaum Beschwerden, aber psychisch ist es die Hölle. Wie schätzt ihr das ein?

Danke für euren Rat, liebe Grüße
Marie-Fleur
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Jamie
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Jamie »

Hallo Marie-Fleur, :)

es gibt Menschen, die vor allem auf psychischer Ebene Absetzsymptome haben.

Es ist aber auch so, dass AD nicht heilen können.
Das heißt wenn man sie einnimmt und dann weglässt und zwischenzeitlich nicht an den Ursachen gearbeitet und verstanden hat, weshalb man eigentlich psychische Probleme (Depressionen) hat, dann kann es sein, dass all das mit dem Weglassen des Präparats auch wieder aufflammt.
Das AD kann Seelenschmerzen nicht heilen, höchstens lindern - du schreibst es ja selbst.

Es ist deine Entscheidung, wie du weiter verfährst.
Noch bist du ja in einer Phase, in der du es gerade mit der Wiedereinnahme probierst - eventuell sind die 2mg noch nicht hoch genug?
Wir respektieren jede Entscheidung, die du triffst, Hauptsache du bist informiert.
Wenn du zu dem Schluss kommst, dass du aktuell noch nicht bereit bist ohne AD zu leben, geht das für uns auch völlig in Ordnung.
Wichtig ist jetzt erst einmal, dass du dich irgendwie stabilisieren kannst :hug:.

Hast du denn einen Therapeuten, mit dem du deinen Seelenschmerz besprechen kannst?

Wenn du möchtest, verschieben wir deinen Thread in die Rubrik "AD absetzen" - da können dann nur angemeldete Teilnehmer mitlesen.

Viele Grüße
Jamie
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Danke für deine Antwort, Jamie.

Die Ursachen einer Depression kann man ja nur vermuten. Was die auslösenden Faktoren bei mir betrifft – ja, die kenne ich. Natürlich versuche ich so gut es geht, diesen aus dem Weg zu gehen. Aber das geht nicht immer und es ist eine Gratwanderung, denn vieles davon hat mit dem Kontakt oder Nichtkontakt mit Menschen zu tun und sich ganz davon zurückziehen ist eben auch keine Lösung.

Ich war gestern meiner Tochter zuliebe mit zu einer Einladung zum Essen. Wir waren früher sehr gut mit dieser Familie befreundet. Seit 2, 3 Jahren bin ich nach jedem Treffen am Heulen, weil mich die Kaltschnäuzigkeit, das Desinteresse, das Nichtwahrgenommenwerden in meinem etwas anderen Sein so schmerzt. Ich versuche gar nichts zu erwarten, und bin doch immer wieder tief verletzt.

Ich glaube, dass man daran nur bedingt „arbeiten“ kann. Jeder Mensch hat essenzielle Bedürfnisse. Nicht mit allem, was man zum Leben braucht, kann man sich selbst versorgen, manches muss auch von außen kommen. Man ist abhängig von der Freundlichkeit Anderer. Das macht es so schwierig, wenn man depressiv ist. Man bekommt sehr wenig von außen, wo man es doch so nötig hätte.

Ja, ich versuche mich zu stabilisieren. Ich esse gesund, nehme Fischöl und Vitamin D, bewege mich regelmäßig, gehe an die frische Luft, treffe mich mit einzelnen Menschen, gehe meinen Aufgaben nach, versuche alles, um Schaden von meiner Tochter abzuwenden.

Und doch reicht das alles nicht. Seit Jahren reicht es nicht, was ich tue. Es hört nie auf. Es wird nie besser. Disziplin führt nicht zu Lebensfreude. Die lässt sich nicht erzwingen.

Es ist einfach unendlich schwer, nach so vielen Enttäuschungen mit den unterschiedlichsten Theorien noch an irgendetwas Heilbringendes zu glauben.

Um zum Thema zurückzukehren: ja, ich werde wohl weiter aufdosieren und mich auf die Suche nach der „Wohlfühl-“ oder besser Schmerzstilldosis machen.

Und ja, ich habe momentan sogar eine Therapeutin, die mich beim Absetzen begleitet.

Ich danke euch.

Marie-Fleur
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Jadenfit
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Jadenfit »

Hallo Marie-Fleur,

ich selbst habe nie eine "echte Depression" erlebt, aber wie du (wenn du magst) meiner Signatur entnehmen kannst, habe ich ein AD genommen und mir wurde es kalt entzogen. Ich verstehe daher, was du zum Teil durchmachst.

Mir tut es unendlich leid zu lesen, dass dein Umfeld dich nicht so wahrnimmt, wie es sich gehörte. Ich denke, dass die Menschen, die nie solche Gefühle erlitten haben, leider kaum dazu in der Lage sind, Verständnis aufzubringen.

Das wäre vlt so, als wenn mir eine schwarze Familie erzählen würde, dass sie keinen Arbeitsplatz oder Ähnliches erhalten (obwohl ich denke, dass ich dennoch genug Empathie hätte) - aber hier sieht man ja direkt, wo die "Ursache" dafür liegt. Bei deinem Leid und dem vieler anderen hier nicht... :(

Ich wünsche dir viel Kraft, wenn du vlt. an etwas Höheres glaubst, dann auch, dass du darin oder in etwas anderem einen Sinn - auch in deiner aktuellen Situation - finden kannst. :)

Liebe Grüße
Jaden
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Jasmin19
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Jasmin19 »

Liebe Marie-Fleur,
ich habe auch "nur" psychische Absetzsymtome und hatte bei einem früheren Absetzversuch (habe damals alle 4 Wo 10 % der Ursprungsdosis reduziert) kurz vor Null auch Symptome einer ganz schweren Depression (wie ich sie sonst noch nie erlebt habe). Ich wusste damals nicht dass es Absetzsymtome sind und habe das Venlafaxin sofort wieder auf 75 mg aufdosiert; erst jetzt ist mir bewusst dass es Absetzsymtome waren (weil ich auch vor den AD nie annähernd in so einem schlimmen Zustand war; hat mir sehr Angst gemacht weil ich nicht glaube dass ich das lange überlebt hätte). Ich will damit sagen, dass - meiner Erfahrung nach - durch zu schnelles Absetzen Symptome einer schlimmsten Depression auftreten können....; bei mir war es noch während des Absetzprozesses aber ich habe in diesem Forum auch schon mehrmals gelesen dass bei manchen Menschen die Symptome erst einige Zeit nach Null so schlimm werden wenn zu schnell abgesetzt wurde. Ich weiß nicht ob du auch vor dem Venlafaxin bzw. vor den AD so schwere Depressionen hattest ? (für mich muss ich leider sagen, dass ich als junger Mensch die Medikamente sehr leichtfertig angefangen habe).

Ich kenne durch den Absetzprozess auch die Angst es nicht mehr auszuhalten und dass ich so empfindsam gegenüber Bemerkungen/Verhaltensweisen von anderen reagiere (hatte ich vor den AD nicht; wenn es vermehrt auftritt und ich langsamer reduziere wird es auch immer wieder besser bzw. verschwindet).

Ich schreibe das nur weil ich mich selbst auch immer wieder frage was bei mir Absetzsymtome sind und was eine "psychische Probelmatik/Erkrankung" und so einen schlimmen Zustand wie du ihn beschreibst habe ich nur mehrmals bei Absetzen erlebt. Es ist Wahnsinn was diese Medikamente im Gehirn/ZNS anrichten können und dass einige Menschen über viele Jahre absetzen müssen.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen dass es bei dir bald wieder etwas leichter wird.

Liebe Grüße
Jasmin
Diagnosen : zuerst "Angst und depressive Störung gemischt"; dann rezidivierende depressive Episode und komplexe PTBS

Medikamente: ab ca. 1997 : Saroten; ab ca. 2001: Fluoxetin (und Saroten); ab ca. 2005 Wechsel von Fluoxetin zu Venlafaxin (zuerst 75mg, dann 150 mg);
ca. 2014 Wechsel von Venlafaxin auf Citalopram; seit 2015 wieder Venlafaxin 75 mg

Absetzversuche : seit ca. 2011 mehrere Male (mal durch Reduktion um jeweils 37,5mg alle 6 Wochen; mal jeden 2.Tag Halbierung oder Weglassen des Antidepressivas; einmal mit Kügelchen zählen - alle 4 Wo 10 % der Ursprungsdosis - kurz vor Null massiver Einbruch; war praktisch nicht mehr lebensfähig).

Seit Anfang 2018 Reduktion Venlafaxin ca. alle 4 Wochen um 10 % der letzten Dosis (bei 37,5 mg längere Pause), bis Ende Juli 2019 auf 55 Kügelchen. Symptome: starke innere Unruhe und Gereiztheit; Ängste und zwanghafte Grübelgedanken; Verzweiflung. Am 10.08.2019 aufdosiert auf 60 Kügelchen.

01.11.2019 : 57 Kügelchen (15,39 mg)
29.11.2019 : 54 Kügelchen (14,58 mg)
27.12.2019 : 51 Kügelchen (13,77 mg)
27.01.2020 : 48 Kügelchen (12,96 mg)
19.03.2020 : 44 Kügelchen (11,88 mg)
23.04.2020 : 40 Kügelchen (10,8 mg)
01.06.2020 : 36 Kügelchen (9,72 mg)
08.06.2020 : Präperatwechsel 30 Kügelchen (10 mg)
06.07.2020 : 28 Kügelchen (9,33 mg)
27.08.2020 : 26 Kügelchen (8,66 mg)
Jamie
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Jamie »

Hallo Marie-Fleur, :)

deine Zeilen berühren mich, weil sie ein Thema anschneiden, an dem ich lange geknabbert habe.
Es ist auch noch nicht zu Ende geknabbert, aber einige Erkenntnisse habe ich gewonnen, die ich dir gerne mitteilen würde - vielleicht kannst du etwas für dich rausziehen.
Ich war gestern meiner Tochter zuliebe mit zu einer Einladung zum Essen. Wir waren früher sehr gut mit dieser Familie befreundet. Seit 2, 3 Jahren bin ich nach jedem Treffen am Heulen, weil mich die Kaltschnäuzigkeit, das Desinteresse, das Nichtwahrgenommenwerden in meinem etwas anderen Sein so schmerzt. Ich versuche gar nichts zu erwarten, und bin doch immer wieder tief verletzt.

Ich glaube, dass man daran nur bedingt „arbeiten“ kann. Jeder Mensch hat essenzielle Bedürfnisse. Nicht mit allem, was man zum Leben braucht, kann man sich selbst versorgen, manches muss auch von außen kommen. Man ist abhängig von der Freundlichkeit Anderer. Das macht es so schwierig, wenn man depressiv ist. Man bekommt sehr wenig von außen, wo man es doch so nötig hätte.
Zuerst einmal hast du vollkommen recht. Wir leben nicht für uns alleine.
Wir sind Menschen, die den Kontakt zu anderen suchen; wollen angenommen, respektiert und wertgeschätzt werden, benötigen Kommunikation und Austausch, Zuneigung, Liebe und Wärme.
Wir benötigen dies, wenn es uns gut oder normal geht, und erst recht dann, wenn es uns schlecht geht.

Leider ist es aber so, dass das oft nicht das ist, was wir bekommen, obwohl wir es so dringend brauchen.
Du schreibst es ja selbst.
Sei es aus Ignoranz, Unwissenheit, Ablehnung, Unkenntnis, mangelnder Empathie, Hilflosigkeit oder sonstwelchen Gründen.

Wenn du dein Sein, deine Existenz und Wohlbefinden von anderen Menschen abhängig machst, zumal noch von solchen, die dich möglicherweise überhaupt nicht verstehen, weil sie keinen blassen Schimmer von psychischen Erkrankungen oder schweren existentiellen Krise haben, dann bist du immer von deren Reaktion abhängig, die dich nähren, - aber auch zutiefst enttäuschen kann.
Der einzige Weg aus dieser Abhängigkeit heraus ist, dass man sich selber das gibt, was man braucht.
Ganz viel Liebe, Verständnis, gut-zu-sich-sein von Marie-Fleur für Marie-Fleur.
Und gesegnet seien die Menschen, die noch eins zwei verständige Freunde oder Familienmitglieder haben, die auch annähernd in der Lage sind, einen solchen Zustand nachzuvollziehen und versuchen zu helfen und zu unterstützen. Diese Menschen können sich glücklich schätzen.

In Krisen zeigt sich der wahre Charakter, das gilt für Corona genau so wie für Menschen, die plötzlich schwer körperlich und / oder psychisch erkranken.
Oft bleibt am Ende vom sog. Freundeskreis dann nicht mehr viel übrig.
Ein Teil der Menschen kann es einfach nicht nachvollziehen, einem anderen Teil ist es schlicht zu anstrengend und unangenehm und ein weiterer Teil ist so hilflos, dass er wahlweise den Rückzug antritt oder alles überspielt / ignoriert / übergeht.

Wenn es dir nach diesen Besuchen so schlecht geht, solltest du sie meiden.
Du bist noch zu verletzlich um dir zu sagen, ich erwarte erst gar nichts - weil danach brichst du ja dann doch in Tränen aus, weil du so enttäuscht bist (du hast also eigentlich doch noch gehofft und etwas Anderes erwartet); und das kann ich nur zu gut verstehen.
Es ist einfach bitter und ich habe auch schon leider zu viele solcher Situationen selbst erleben müssen. Ich kann mir das einfach nicht mehr geben. Und will auch nicht mehr.
Aber ich habe schon mehr Abstand als du.

Ich möchte dir aber auch versichern, dass du mit dieser Lage wahrlich nicht alleine bist.
Hier im Forum wissen viele, wovon du schreibst.
Lass deinen Kummer gerne hier, wenn es dir hilft :hug:.

Und schenke dir selbst all das, was andere dir nicht geben können.
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Herzlichst,
Jamie
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Marie-Fleur
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Lieber Jaden, liebe Jasmin, liebe Jamie,

danke vielmals für eure Antworten und euer Mitgefühl.

Ich fühle mich ruhiger heute, nachdem gestern der Sturm wild tobte. Ich habe auch auf 4 mg erhöht.

Zu Jasmins Frage, ob die Depression vor AD-Einnahme auch so schlimm war: Sie war anders schlimm. Ich war Mitte 20, allein im Ausland und hatte keine Ahnung, was mit mir geschieht. Das war mit großer Angst verbunden und führte auch zu einer Herzneurose, der Angst in öffentlichen Räumen einen Herzinfarkt zu erleiden.

Die ganz schweren Depressionsphasen danach hatte ich tatsächlich nur in medikamentenfreien Zeiten. Und sie besserten sich immer nach Wiedereinnahme der ADs. Das lässt zweierlei Interpretation zu: Es handelte sich um stark zeitverzögerte Absetzsymptome. Oder eben um die Ursprungserkrankung, die durch die Medikamente zumindest in den Spitzen, wenn auch nicht auf Dauer, gemindert wurde.

Nach meiner zweiten Fehlgeburt 2009 hatte ich zum Beispiel eine schwere Depression. Waren das zeitverzögerte Entzugssymptome durch das Absetzen Monate vorher? Ich kann das nicht sagen.

Meine Depression heute ist weniger von Angst bestimmt als von der Erschöpfung und der gefühlten Sinnlosigkeit dieses ewigen Kampfes um psychisches Gleichgewicht. Es ist so ermüdend. Die Waagschale des Leids und der Schwere füllt sich wie von alleine, die Waagschale der Zuversicht und der Leichtigkeit muss mühsam gepäppelt werden und gewinnt doch selten die Oberhand.

Es gibt Krankheiten, die nur gelindert und nicht geheilt werden können. Vielleicht gehört meine Depression dazu. Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll. Vieles klingt plausibel. Ich fühle mich hierhin und dorthin gezogen und will einfach nur Ruhe.

Danke an alle hier im Forum. Habt einen schönen Sonntag.

Marie-Fleur
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Sabs
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Sabs »

Hi,
Auch meine absetzsymptome äußern sich am schlimmsten psychisch - das wollte ich nu dalassen.
Ich hatte auch vor AD eine schreckliche Depression und doch war sie anders, denn ich konnte in der Klinik an den therapien teilnehmen, ich konnte malen und basteln.
Jetzt bin ich gefangen in Unruhe, Angst und Antriebslosigkeit.
Mir geht es also schlechter, als vor den ADs, das ist echt daneben :-(
Wenn es absetzbedingt ist, wird es besser.
Und wenn es besser ist, kannst zumindest wieder Dinge tun (wie Kunst oder Sport) die die Depression erleichtern.
Aber ja, wir werden immer mehr für Wohlbefinden leisten müssen, als andere. Das habe ich mittlerweile akzeptiert, denn es gibt auch Gutes daran :
Ich kann gute Momente deutlich intensiver und dankbarer wahrnehmen, ich habe einen inneren Motor, der mich immer wieder antreibt, Dinge zu tun, die mich weiter bringen und ich kann meine Depression kreativ verarbeiten.
Oben genanntes leider zurzeit nicht und ich warte sehnsüchtig darauf, dass es wieder so wird.
Ich wieder handlungsfähig bin und meinen Depressionen etwas entgegen setzen kann.

Gruß Sabs
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Marie-Fleur
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Hi Sabs,

ich danke dir für deine Nachricht, aber es tut mir leid, dass du auch mit psychischen Symptomen zu kämpfen hast.

Du bist ja schon recht lange im niedrigen Bereich – haben sich die depressiven Symptome bei dir denn über die Zeit verändert? Stellst du Verbesserungen fest? Und woran merkst du, dass die Symptome absetzbedingt sind?

Ich finde es toll, dass du kreativ sein kannst – das ist etwas, was ich mir für mich auch sehr wünschen würde. Bei mir funktioniert der Antrieb momentan nur über den Kopf, nach dem Motto „Laufen ist gut für dich, also raus mit dir“. Selbst beim Essen geht es jetzt schon in diese Richtung – seien wir mal ehrlich, wer hat denn schon groß Lust auf Quark mit Fischöl zum Frühstück?

Liebe Grüße
Marie-Fleur
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