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Seit das ADFD gegründet wurde, haben sich die Verschreibungen von Psychopharmaka ungefähr verdreifacht! Die Gründe warum diese Substanzen verschrieben werden sind sehr unterschiedlich. Es wäre interessant und hilfreich für die Gemeinschaft und auch Außenstehende, einen besseren Einblick in die Verschreibungshintergründe zu bekommen. Darum ...


... macht bitte alle bei unserer Umfrage zum Verschreibungsgrund mit :)


Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Straycat »

Hallo Marie-Fleur,

leider ist es häufig nicht so, dass man automatisch auf die Dosis, auf der es einem zuletzt gut ging, zurückkehren kann und die Probleme sind gelöst. Bei PP gilt NICHT die Regel: Mehr hilft mehr.
Dein ZNS hat über die letzten Monate sicherlich schon damit begonnen, sich an die reduzierte Dosis anzupassen. Wenn du nun wieder eine sehr viel höhere Dosis einnimmst, dann bringst du es uU noch mehr aus dem Takt.
Ich würde noch einige Tage abwarten und wenn sich dann nichts ändert, vielleicht auf 6mg steigern, aber keinesfalls gleich wieder auf 37,5mg!

Ich drücke dir fest die Daumen, dass es bald besser wird :hug:
Liebe Grüße,
Cat
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Danke, liebe Cat, dann versuche ich das so.

Wie geht es dir mittlerweile? Fühlst du dich mit dem Absetzen über den Berg? Und wie kommst du mit deinen Depressionen zurecht?

LG Marie-Fleur
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Susanne1978
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Susanne1978 »

Liebe Maire Fleur. Lese ich das richtig, dass du von Februar bis August bis jetzt von 150 mg auf 0 gegangen bist? Hast du das Forum erst hinterher gefunden? Ich frage nur, weil ich tatsächlich etwas „geschockt“ bin..... :cry: Ich komme auch von 150 mg und peile eine Dauer von 6 Jahren.....

Ich kann dich wirklich sehr gut verstehen, dass es dir schlecht geht. Ich fühle mit dir.... Wie es mit dem eindosieren aussieht, da kann ich dir leider keinen adäquaten Rat geben. Ich hoffe das jemand anderes das kann.

Liebe Grüße
Susanne
Seit ca. 1998 nehme ich Antidepressiva
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03/2017 nehme ich 150 mg Venlafaxin

01.12.2018 = abzgl. 5% = 142,50 mg
01.02.2019 = abzgl. 10% = 128,25 mg
01.03.2019 = abzgl. 10% = 115,50 mg
01.04.2019 = 112,50 mg
01.06.2019 = abzgl. 5% = 106,88 mg
11.07.2019 = abzgl. 5% = 101,54 mg
10.08.2019 = 100,00 mg
11.09.2019 = abzgl. 5% = 95,00 mg
29.10.2019 = abzgl. 8% = 87,50 mg
Einnahme vergessen am 18.12.19!
12.01.2020 = abzgl. 5% = 83,00 mg
18.02.2020 = abzgl. 10% = 75,00 mg
01.05.2020 = abzgl. 10% = 67,50 mg
02.07.2020 = abzgl. 7,5% = 62,50 mg
26.08.2020 = abzgl. 10% = 56,25 mg
23.10.2020 = abzgl. 10% = 50,00 mg
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Straycat »

Liebe Marie-Fleur,

vielen Dank, dass du dich erkundigst :)
Bei mir geht das Absetzen mal besser mal schlechter. Ebenso mit den Depressionen.
Aber es gibt bestimmte Muster und die zu kennen hilft schon sehr damit umzugehen - wobei mir das auch mal besser und mal schlechter gelingt :)
Wenn ich das Gefühl habe, es wird nie wieder besser (meistens am Tiefpunkt einer Depression), dann weiß ich dennoch vom Kopf her, dass es wieder besser wird. Das lässt mich dann darauf vertrauen und die Welle über mich hinweg rollen zu lassen. Aber es ist zeitweise schwierig, das will ich nicht kleinreden.
Hast du denn Strategien, die dir gegen die depressiven Symptome helfen?

Ich wünsch dir noch einen schönen Abend!
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Jasmin19 »

Liebe Marie-Fleur,
es tut mir sehr leid, dass es dir so schlecht geht und möchte dir gern ein bisschen Kraft und ein liebe Umarmung schicken :hug:
Ich verstehe so gut wie schwer abzuwarten ist wenn man das Gefühl hat es kaum mehr auszuhalten (ich empfinde die Angst und Unruhe immer am Schlimmsten) und keiner sagen kann wie lange es noch so weitergeht. Hast du wenigstens kurze Momente in denen es etwas leichter ist und du ein bisschen durchschnaufen kannst ? Hast du jemanden dem du sagen kannst wie schlecht es dir geht, damit du dich damit nicht ganz alleine fühlst?
Mir hilft in so schlimmen Momenten manchmal wenn ich nur versuche mich auf den Atem zu konzentrieren.
Ganz liebe Grüße
Jasmin
Diagnosen : rezidivierende depressive Episoden und komplexe PTBS

Medikamente: ab ca. 1992 : Saroten; ab ca. 2002 Fluoxetin (und Saroten); ca. 2006 Fluoxetin abgesetzt; ca. 4 Monate später Venlafaxin (150 mg); zusätzlich Saroten -niedrig dosiert- zum Schlafen; später Saroten abgesetzt.
ca. 2014 Wechsel von Venlafaxin auf Citalopram (da Absetzversuch Venlafaxin gescheitert und nach Meining der Therapeutin Citalopram ganz einfach abgesetzt werden könnte); seit 2015 wieder Wechsel zu Venlafaxin 75 mg

Absetzversuche : seit ca. 2011 mehrere Male (mal durch Reduktion um jeweils 37,5mg alle 6 - 8 Wochen; mal jeden 2.Tag Halbierung oder Weglassen des Antidepressivas; einmal mit Kügelchen zählen - alle 4 Wo (max.) 10 % der Ursprungsdosis - kurz vor Null massiver Einbruch; war praktisch nicht mehr lebensfähig).

Seit Anfang 2018 Reduktion Venlafaxin 75 mg ca. alle 4 Wochen um 10 % der letzten Dosis (bei 37,5 mg längere Pause), bis Ende Juli 2019 auf 55 Kügelchen. Symptome: starke innere Unruhe und Gereiztheit; Ängste und zwanghafte Grübelgedanken; Verzweiflung. Am 10.08.2019 aufdosiert auf 60 Kügelchen.

01.11.2019 : 57 Kügelchen (15,39 mg)
29.11.2019 : 54 Kügelchen (14,58 mg)
27.12.2019 : 51 Kügelchen (13,77 mg)
27.01.2020 : 48 Kügelchen (12,96 mg)
19.03.2020 : 44 Kügelchen (11,88 mg)
23.04.2020 : 40 Kügelchen (10,8 mg)
01.06.2020 : 36 Kügelchen (9,72 mg)
08.06.2020 : Präperatwechsel 30 Kügelchen (10 mg)
06.07.2020 : 28 Kügelchen (9,33 mg)
27.08.2020 : 26 Kügelchen (8,66 mg)
28.09.2020 : 24 Kügelchen (8 mg)
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von simonb »

Hallo,

ich würde ganz vorsichtig machen. Es ist ja auch nicht gesagt, das du das Venlafaxin noch in der höheren Dosierung verträgst.
Ist die Unruhe stärker geworden, seit du statt 2 mg jetzt 4 mg nimmst, oder hat es damit eher nichts zu tun?
Venlafaxin wirkt stark antreibend und kann auch starke Unruhe auslösen.

Wie du weiter vorgehst musst du selber entscheiden, ich würde nicht vorschnell handeln, sondern erst mal die Optionen abwägen.
Gruß Simon
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Marie-Fleur
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Hallo,

danke euch allen ganz herzlich für eure Antworten.

@Susanne: Ich kannte das ADFD-Forum bereits vor Beginn des Absetzens, habe dort aber nur sporadisch gelesen. Viel häufiger habe ich in dem anderen Depressionsforum gelesen, in dem viele sich durch PP gestützt fühlen. Das Problem ist doch, dass sich die Meinungen/Studien/Erfahrungsberichte sowohl von Wissenschaftlern als auch von Betroffenen oft fundamental widersprechen. Wem soll man da glauben? Ich dachte, mich mit den Taperings Strips für einen praktikablen und sicheren Mittelweg entschieden zu haben. Die Dosisreduktion entsprach dem vorgegebenen Absetzplan auf dem Bestellformular für die Streifen. Ich hätte das vermutlich individuell anpassen können, es kam mir aber nicht in den Sinn. Körperliche Absetzsymptome hatte ich bis dahin nicht, die Monate später folgende Depression hatte ich nicht als solche gedeutet. Während der Reduktion mit den Streifen ging es mir auch gut. Erst jetzt geht es mir so miserabel, dass ich am liebsten wieder Tabletten nehmen würde, nur damit es aufhört. Es ist der psychische Schmerz, der mich so quält. Wie läuft es denn bei dir mit dem langsameren Absetzen? Bist du weitgehend beschwerdefrei?

@Jasmin: Tatsächlich habe ich gestern ganz lange mit meiner Schwägerin telefoniert und darüber gesprochen. Das tat gut, keine Frage. Sie hat mir auch angeboten, dass ich jederzeit wieder anrufen kann. Bis heute Morgen war es seit letzter Woche durchgehend schlimm, mit Ausnahme der Abende. Ich war dann im Pilateskurs und in der Sauna, das scheint mir gut getan zu haben, die Beklemmung ist etwas gewichen. Mich auf den Atem zu konzentrieren, das versuche ich oft frühmorgens, wenn ich voller Unruhe im Bett liege. Aus Verzweiflung bete ich sogar das Vaterunser, dabei bin ich gar nicht gläubig, aber das habe ich als Kind getan.

@Straycat: Ja, gegen die „normalen“ Depressionen habe ich schon Strategien entwickelt – Waldspaziergänge, Zeitunglesen im Bett, heulen, jammern und klagen und sich danach wieder aufraffen und weitermachen. Am meisten hilft mir, wenn ich mich in der Normalität der Anderen einklinken kann – ins Büro gehen und im Alltagsrhythmus mitschwingen. Nach dem verheulten Wochenende kommt wieder der Montag.

@Simon: Ich glaube nicht, dass die Unruhe von den Tabletten kommt. Es ist ja ein Gefühlsgemisch aus Unruhe, Beklemmung, Angst, und Schmerz und das kommt eher von meiner inneren Weltuntergangsstimmung. Ich habe für morgen einen Telefontermin bei Dr. Ansari vereinbaren können.

Danke euch vielmals und alles Gute
MF
Zuletzt geändert von Marie-Fleur am 30.09.2020 17:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Susanne1978
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Susanne1978 »

Hallo meine Liebe, das langsame reduzieren bekommt mir bisher sehr gut. Allerdings merke ich das mein Körper alle Kraft braucht um sich anzupassen. Sprich, ich muss mich mittags kurz hinlegen.

Aktivitäten strengen mich an, da muss ich dosiert gucken was ich mache.

Bald gehe ich 50 mg und werde da bis zum neuen Jahr bleiben. Ich habe grosse Angst das sich alles irgendwann aufstaut und ich total einknicke. Deswegen die lange Pausen.

Alles gut für dich.
Susanne
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03/2017 nehme ich 150 mg Venlafaxin

01.12.2018 = abzgl. 5% = 142,50 mg
01.02.2019 = abzgl. 10% = 128,25 mg
01.03.2019 = abzgl. 10% = 115,50 mg
01.04.2019 = 112,50 mg
01.06.2019 = abzgl. 5% = 106,88 mg
11.07.2019 = abzgl. 5% = 101,54 mg
10.08.2019 = 100,00 mg
11.09.2019 = abzgl. 5% = 95,00 mg
29.10.2019 = abzgl. 8% = 87,50 mg
Einnahme vergessen am 18.12.19!
12.01.2020 = abzgl. 5% = 83,00 mg
18.02.2020 = abzgl. 10% = 75,00 mg
01.05.2020 = abzgl. 10% = 67,50 mg
02.07.2020 = abzgl. 7,5% = 62,50 mg
26.08.2020 = abzgl. 10% = 56,25 mg
23.10.2020 = abzgl. 10% = 50,00 mg
imFor
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von imFor »

Hallo Marie-Fleur,

ich hoffe sehr, daß es Dir mittlerweile besser geht und der Beschwerdemix geringer geworden ist?

Wie war denn der Telefontermin mit Herrn Ansari?
Hat er Dir weiterhelfen können?

Ich wünsche Dir alles Gute !!!

Viele Grüße,
Imfor
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Marie-Fleur
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Hallo Imfor,

lieb, dass du nachfragst! Ich wage es kaum zu sagen – gestern Vormittag hat sich der Nebel plötzlich gelichtet. Ich merke, wie fragil alles noch ist, aber dieser depressive Kloß im Hals ist momentan weg. Kann es kaum glauben. Ob dies mit meiner Dosiserhöhung zusammenhängt (von 4 auf 8 mg)?

Das Gespräch mit Dr. Ansari letzte Woche hat mir Hoffnung gemacht. Er vertritt teilweise andere Ansichten als das Forum, z.B. hält er nichts von Mikrodosen. Er sieht zwei Möglichkeiten – Entzug aushalten oder auf die minimal wirksame Dosierung von 37,5 mg gehen. Außerdem hat er mir eine Reihe von NEM genannt, die man ausprobieren kann, ob sie einem helfen (z.B. Ginseng, Rosenwurz, Ashwagandha) – 7 Tage lang einnehmen und falls keine positive Wirkung spürbar, wieder weglassen und ein anderes testen.

Wie geht es dir jetzt? Dein Entzug ist ja schon eine Weile her, wenn ich das richtig sehe.

VG Marie-Fleur
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Straycat
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Straycat »

Hallo Marie-Fleur,

schön zu lesen, dass es dir etwas besser geht :)
Marie-Fleur hat geschrieben: 08.10.2020 19:55 z.B. hält er nichts von Mikrodosen. Er sieht zwei Möglichkeiten – Entzug aushalten oder auf die minimal wirksame Dosierung von 37,5 mg gehen.
Das halte ich für einen sehr bedenklichen Ratschlag, ehrlich gesagt. Denn 37,5mg ist nicht die "minimal wirksame Dosis". Es ist lediglich die minimalste Dosis, die es fertig dosiert zu kaufen gibt in der Apotheke, aber mitnichten die geringste Dosis, die Auswirkungen auf das ZNS zeigt.
Auch im unteren Dosisbereich wirken SSRI/SNRI noch sehr stark auf das Gehirn ein. Das sieht man auch an der Rezeptorenbelegung. Hier findest du die Grafik für Venlafaxin.

Da sieht man sehr gut, dass im Dosisbereich unterhalb von 37,5mg immer noch sehr viele Serotonintransporter belegt sind.
Deswegen passt sich das ZNS auch nicht "von jetzt auf gleich" an, wenn man von einer so hohen Dosis wie 37,5mg auf 0mg springt und es kommt zu Absetzsymptomen.

Die Aussage über die "minimalst wirksame Dosis" ist eigentlich Diktion der Pharmaindustrie, die meint eine antidepressive Wirkung "ihrer" Medikamente nachgewiesen zu haben - und die wird eben ab 37,5mg "belegt". Dass der Nachweis der antidepressiven Wirkung von SSRI/SNRI auch eine sehr fragliche Geschichte ist, ist ein anderes Thema, auf das ich hier gar nicht auch noch eingehen will ;-)

Ich würde mich jedenfalls durch solche Ratschläge von Herrn Ansari - auch wenn sie vielleicht in bester Absicht gemacht wurden - nicht vom langsamen Ausschleichen abbringen lassen oder dazu verleiten lassen direkt wieder auf 37,5 mg hochzudosieren.

Liebe Grüße,
Cat
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Jasmin19 »

Liebe Marie-Fleur,

es freut mich sehr, dass es dir besser geht !
Vielleicht waren es bei dir doch verspätete Absetzsymtome und durch die leichte Aufdosierung auf 8 mg konnten diese abgefangen werden. Ich wünsche dir sehr, dass es so bleibt und du dich auf dieser Dosis stabilisieren kannst !
:party2:

Liebe Grüße
Jasmin
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Medikamente: ab ca. 1992 : Saroten; ab ca. 2002 Fluoxetin (und Saroten); ca. 2006 Fluoxetin abgesetzt; ca. 4 Monate später Venlafaxin (150 mg); zusätzlich Saroten -niedrig dosiert- zum Schlafen; später Saroten abgesetzt.
ca. 2014 Wechsel von Venlafaxin auf Citalopram (da Absetzversuch Venlafaxin gescheitert und nach Meining der Therapeutin Citalopram ganz einfach abgesetzt werden könnte); seit 2015 wieder Wechsel zu Venlafaxin 75 mg

Absetzversuche : seit ca. 2011 mehrere Male (mal durch Reduktion um jeweils 37,5mg alle 6 - 8 Wochen; mal jeden 2.Tag Halbierung oder Weglassen des Antidepressivas; einmal mit Kügelchen zählen - alle 4 Wo (max.) 10 % der Ursprungsdosis - kurz vor Null massiver Einbruch; war praktisch nicht mehr lebensfähig).

Seit Anfang 2018 Reduktion Venlafaxin 75 mg ca. alle 4 Wochen um 10 % der letzten Dosis (bei 37,5 mg längere Pause), bis Ende Juli 2019 auf 55 Kügelchen. Symptome: starke innere Unruhe und Gereiztheit; Ängste und zwanghafte Grübelgedanken; Verzweiflung. Am 10.08.2019 aufdosiert auf 60 Kügelchen.

01.11.2019 : 57 Kügelchen (15,39 mg)
29.11.2019 : 54 Kügelchen (14,58 mg)
27.12.2019 : 51 Kügelchen (13,77 mg)
27.01.2020 : 48 Kügelchen (12,96 mg)
19.03.2020 : 44 Kügelchen (11,88 mg)
23.04.2020 : 40 Kügelchen (10,8 mg)
01.06.2020 : 36 Kügelchen (9,72 mg)
08.06.2020 : Präperatwechsel 30 Kügelchen (10 mg)
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von imFor »

Hallo Marie-Fleur,

das ist ja super, daß sich die psychischen Absetz/Entzugsbescchwerden gebessert haben, wie schön!

Aber ehrlich gesagt, sehe ich die Empfehlungen von Herrn Ansari auch ähnlich wie Cat etwas kritisch...

Wenn bei Wiedereindosierung die eindosierte Menge zu hoch angesetzt wird, kann das Risiko ansteigen, auf die wieder eindosierte Menge
paradox, d.h mit einer Verschlimmerung der psychischen sowie körperlichen Symptomatik zu reagieren.
Und ja, tatsächlich kann dann bereits die Dosierung von 37,5 mg zuviel sein.
Es können sogar schon wenige mg zuviel sein...
Wohlgemerkt: das kann passieren, muß aber nicht.
Nur hier im Forum haben viele diese Erfahrung gemacht und ich tatsächlich auch.
Obwohl es erstmal absurd u. widersinnig erscheint, wird es verständlich, wenn man berücksichtigt, daß das ZNS während der Zeit auf 0
bereits einige Anpassungsarbeiten u. Veränderungen in den Rezeptoren, Stoffkreisläufen, etc. im Gehirn vorgenommen hat.
Wenn man dann wiedereindosiert u. u.U. zu hoch, reagiert das "System", das sich dann ja wieder an die nun neue Dosierung anzupassen
versucht mit Streßsymptomen u. eben den Verschlimmerungen.
(Ich hoffe, ich habe das einigermaßen nachvollziehbar/ richtig erklärt, falls nicht, bitte ich um Korrektur von den Moderatoren)

Also, ich möchte Dir keine Angst machen. Es könnte ja auch sein, daß Du die Dosis von 37,5 vertragen würdest. Und natürlich könnte es
auch so sein, daß Du den Entzug auf 0 in wenigen Wochen überstanden hast.
Aber es kann eben auch zu diesen seltsamen paradoxen Reaktionen kommen beim Eindosieren von "nur" 37,5 mg.
Und es kann eben auch so sein, daß man sehr einschränkende psychische o./u. körperliche EntzugsBeschwerden entwickelt während des
Entzugs und der eben doch länger andauert als "nur" ein paar Wochen/Monate...

An Deiner Stelle würde ich tatsächlich auf der jetzt gewählten Dosierung bleiben u. zwar für mehrere Wochen, gerade wenn Du eine
Verbesserung bemerkt hast. Es kann in den kommenden Tagen auch evtl. mal wieder etwas schlechter werden, aber wenn ich Du wäre,
würde ich die Dosierung erstmal so halten, eben weil Du diesen Lichtblick hattest und das eigentlich ein Zeichen dafür ist, daß sich diese
Lichtblicke zukünftig häufen werden, weil sich das ZNS gut anpasst und Du immer stabiler wirst.
Wenn Du magst, schreib Dir ein Befindlichkeitstagebuch, mir hilft das sehr u. man behält den Überblick.
Und wenn Du Dich stabilisiert hast, kannst Du neu überlegen, wie Du dann weiter reduzierst.

Was ich auch noch hinzufügen möchte, weil ich es tatsächlich erst bei meinem vierten AD-Entzug u. erst rückblickend bemerkt habe (leider...):
Das ZNS kann auf jede Dosisveränderung mit Streß-Symptomen psychischer u. körperlicher Art reagieren. Egal, ob rauf- oder runter-
dosiert wird (auch das liegt an den Anpassungsvorgängen an die wechselnden Dosierungen) Zwar nur in dem Fall, wenn es sehr sensibel reagiert, aber es ist evtl. gut, das zu wissen.

Zu den Mitteln, die Dir Herr Ansari empfohlen hat, würde ich Dir grundsätzlich raten, sie erstmal nur in Mini-mengen anzutesten, ob Du sie verträgst.
Weil - potentiell - auch da eine psych./ körperl. Verschlimmerung der Beschwerden möglich ist, wenn das ZNS grad eh empfindlich reagiert.
Aber es kann natürlich auch so sein, daß Du es verträgst und das wäre ja schön.
Ich kann Dir nur schreiben, was ich an Erfahrungen habe, wobei ich tatsächlich im Laufe meiner EntzugsKarriere (aktuell das vierte Mal SSRI/ SSNRI
und nein... ich bin noch nicht durch, befinde mich auf 12,5 mg mit spez. EntzugsBeschwerdemix...) immer empfindlicher geworden bin.
Ich will Dir keine Angst machen, aber speziell auf Ashwaghanda habe ich mal stark paradox reagiert mit plötzlich extremem u. stundenlang anhaltenden Angst/ Panik-zustand, Übelkeit, Erbrechen u. Verwirrtheit.
Ich schreibe dies nur, weil es eben passieren kann und man möglichst vorsichtig antesten sollte. Ich habe damals "einfach" eine ganze Kapsel eingenommen, weil ich es nicht wußte. Zur Beruhigung für Dich: alle paradoxen Reaktionen ebben auch wieder ab, selbst die kuriosesten Beschwerden lassen i.d. R. wieder nach, wenn man das Mittel sofort absetzt.

Ich hoffe, ich habe Dich jetzt nicht mehr verwirrt als informiert...
Und klar, Du kannst natürlich auch alles so machen, wie der Herr Ansari vorschlägt, das bleibt ja Dir überlassen.
Aber vielleicht konnte ich Dir ein wenig weiterhelfen.

Ich wünsche Dir weiterhin gute Besserung und drücke die Daumen !!
Viele Grüße,
imFor
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Liebe imFor,

danke dir für deine Antwort. :)

Bezüglich der Dosierung werde ich das auch so machen, wie du es beschreibst, also erst mal auf der jetzigen Dosierung bleiben. Ich schreibe auch ein Befindlichkeitstagebuch. Dennoch finde ich es schwierig, die Befindlichkeiten über Tage oder Wochen zu vergleichen. War das wirklich so letzten Mittwoch, dass alles heller wurde, oder habe ich mir das nur eingebildet? Ist es jetzt wieder schlechter oder habe ich mich nur an das etwas Hellere gewöhnt und empfinde es deshalb nicht mehr so deutlich? Schwierig ...

Weiterhin fühlt sich alles sehr nach Depression an. Nur durch die andauernden Reaktionen im Magen/Darm-Bereich merke ich, dass etwas anders ist. Meist gelingt es mir, einigermaßen ruhig zu bleiben. Ich bemühe mich um Annahme dessen, was ist. Das fällt mir allerdings sehr schwer. Lieber möchte ich wütend aufschreien: "Was soll dieser Sch****? Wozu diese Quälerei? Das ergibt doch alles keinen Sinn!" Ich kann nur versuchen, durch Tätigsein meinen düsteren Gedanken so wenig Raum wie möglich zu geben. Kämpfen wir weiter ...

Liebe Grüße und hoffentlich helle Tage für dich!
Marie-Fleur
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von pegie »

Hallo Marie-Fleur,
Dennoch finde ich es schwierig, die Befindlichkeiten über Tage oder Wochen zu vergleichen
Falls es Dir hilft: Es gibt eine Art Checkliste für die Zeit des Absetzens - zumindest nutzt sie mein Psychiater. Sie stammt aus einer wissenschaftlichen Arbeit von 2015
https://journals.sagepub.com/doi/10.117 ... 5315612334
und beinhaltet die DESS (Discontinuation-Emergent Signs and Symptoms (DESS) Scale). Sie wird gemeinsam wöchentlich ausgefüllt und mit der Vorwoche verglichen. Falls Dir Englisch nichts ausmacht ...
https://1drv.ms/b/s!AgRBOg3ABogNgYEkhcGFiBUCEt1vaA

Liebe Grüße
pegie
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von padma »

hallo zusammen, :)

in der Art haben wir hier was: https://www.antidepressiva-absetzen.de/Stufe_3.html

(Bitte beachten, dass der dazugehörige Stufenplan überholt ist).

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, im :schnecke: Tempo ausgeschlichen
Absetzverlauf:
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1.1.2020: 0 mg, Die :schnecke: steht auf dem Kilimanjaro :D



Was finde ich wo im Forum
Infoartikel: Antidepressiva absetzen
FAQ: Alles, was Ihr übers Absetzen wissen müsst!




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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

pegie
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von pegie »

Hallo padma,
Vielen Dank!
Liebe Grüsse
pegie
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Marie-Fleur
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

Liebes Forum,

ich weiß mir nicht mehr zu helfen, die psychischen Symptome sind kaum noch aushaltbar. Vermutlich handelt es sich um Neuroemotionen. Was ratet ihr mir, soll ich weiter aufdosieren?

Was mich extrem belastet, ist die Situation mit meiner Tochter. Sie ist 15, leider in G8 und jetzt in der Oberstufe mit Kurssystem und hohen Anforderungen konfrontiert. Sie ist sehr sensibel und weniger belastbar als Gleichaltrige. Ihre Noten rutschen in den Keller und sie tut sich schwer mit dem Kurssystem, d.h. ständig neue Leuten, sie vermisst den Klassenverbund, frühere Freundinnen wollen nichts mehr von ihr wissen, sie fühlt sich ausgeschlossen. Sie kommt oft weinend nach Hause, lässt Stunden ausfallen wegen psychosomatischer Beschwerden. Das sind meine eigenen Erfahrungen, ich verkrafte das nicht. Manchmal sagt sie Dinge wie "Ich hasse mein Leben". Ihr Halt zu geben, Mut zu machen, meinen eigenen Zustand bestmöglich zu kaschieren, das alles überfordert mich total. Ich bin nervlich am Ende. Am liebsten würde ich sie bei jemanden in Obhut geben, der ihr Lebensmut und Lebensfreude vermitteln kann. Ich bin die falsche Person in dieser Zeit.

Bin ziemlich verzweiftelt.

LG Marie-Fleur
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Marie-Fleur
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Marie-Fleur »

PS: Oder auf ein anderes AD wechseln, das leichter abzusetzen ist als Venlafaxin?
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Sabs
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Re: Marie-Fleur:Absetzen von Venlafaxin nach Langzeiteinnahme

Beitrag von Sabs »

Hi :-)
Es gibt kein leicht abzusetzendes AD, tut mir leid.
Vielleicht kannst du versuchen, den Schmerz deiner Tochter nicht zu sehr auf dich zu übertragen, dadurch geht es dann euch beiden schlecht, das hilft niemandem.

Gruß Sabs
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