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lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

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Sabs
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Sabs »

Hi Lena,

Entgiftung ist vielleicht zu intensiv im Moment.
Gesunde Ernährung ist super und es gibt auch pflanzliche Beruhigungsmittel die einigen helfen oder auch das ein oder andere NEM.
Du kannst dich mal belesen zu ashwagandha, Baldrian, passionsblume, Tulsitee, Hafer, Hopfen.
Es ist bei jedem unterschiedlich was hilft, du musst alles sehr vorsichtig und einzeln antesten.

Mir hat übrigens die Eindosierung nicht geholfen, trotzdem würde ich es - an deiner Stelle - versuchen, denn es könnte große Erleichterung bringen und ist im Prinzip das Einzige, dass das Potenzial hat schnell große Erleichterung zu bringen.
Ich habe zu lange an der Hoffnung festgehalten und es dann zulange genommen, obwohl ich paradox reagiert habe, jetzt schleiche ich es langsam aus.
Würde es max ein paar Wochen und nur bei guter Verträglichkeit probieren.
Edit: manchen hilft auch Magnesium oder omega 3

Gruß Sabs
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Towanda
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Towanda »

Hallo Lena,

Entgiftungen und auch radikale Ernährungsumstellungen können imEntzug triggern, sind also meist nicht zu empfehlen. Grade diese Selleriekur ist ein großer Eingriff in den Körper, die schon für Gesunde, nicht Belastete Menschen oft sehr schwierig ist. Wir sind aber grade viel empfindlicher, deshalb empfiehlt sich, sehr vorsichtig zu sein mit solchen Dingen.

Viele Grüße, Towanda
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27.07.20 - 0,25 mg Mirtazapin wurde kinesiologisch ausgetestet, deshalb nun ein größerer Schritt, der Test ergab, daß ich absetzen kann, habe ich mich nicht getraut
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Weitere Medikamente:
Wegen Fluorchinolone-Schädigung jede Menge NEMs
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Wenn eine Schraube locker ist, hat das Leben etwas mehr Spiel.
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von lena0053 »

Ihr Lieben,
vielen Dank für eure Antworten. Vllt lasse ich es wohl dann auch mit dem Selleriesaft, schmeckt eh schrecklich 😃.

Heute war ein besserer Tag. Viele Symptome waren da aber ich habe versucht sie einfach sein zu lassen und nicht Tod zu denken. Das wird mir nicht immer gelingen aber heute hat es ganz gut geklappt.

Ich bin wirklich sehr dankbar wieviele mir hier antworten und Anteil nehmen.

Hier noch ein paar Symptome die wirklich sehr komisch sind (aber nicht schlimm) kennt die jemand?:
-Kurz bevor es wieder ‚noch schlimmer‘ wird habe ich ein ganz seltsames Gefühl im oder unter dem Mund. Ich kann es garnicht richtig beschreiben. Es ist nicht richtig taub auch nicht richtig als hätte ich was im Mund eher ein Druck vielleicht.

- Ich fühle mich manchmal ‚schief‘. Egal ob ich sitze liege oder stehe. Beim Gehen schaue ich dann ob der Boden schief ist. Im Liegen fühlt es sich an als wäre die Matratze schräg.

- meine Fingerkuppen sehen dauerhaft so aus als wären sie zu lange im Wasser gewesen.

- wenn ich etwas digitales lese und dann auf eine andere Seite mit anderer Schriftart komme bin ich völlig ‚irritiert‘
als könnte ich den Wechsel nicht richtig verarbeiten.

-orangene Sauce auf weißem Teller unter grellem Licht macht mich praktisch Wahnsinnig auch hier wieder Kurzschluss und Art DR 😃🙈 das darf man eigentlich keinem erzählen...

Es gibt noch mehr so komische „Kleinigkeiten“ die fallen mir aber gerade nicht ein 😃

Gute Nacht!
2008 Diagnose Panikstörung Agoraphobie

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2008- April 2020 Einnahme Citalopram (Zumeist 20mg, auch mal 10mg und 30mg). Innerhalb von 10 Tagen abgesetzt.

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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Sabs »

Hi Lena,
Schön, dass es gestern okay war.
Ich mach kurz, die Symptome sind bekannt im entzug.
Es gibt hier eine Liste mit möglichen absetzsymptomen, da findest du alles beschriebene.
Ich selbst habe auch taubheitgefühle zB auf der Zunge.
Die anderen Symptome zeigen, dass dein ZNS Reiz-Verarbeitungsschwierigkeiten hat.
Diese Symptome müssen dich nicht ängstigen und sie werden schwächer und verschwinden irgendwann.

Gruß Sabs
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von lena0053 »

Hallo!
Heute war ich bei dem Schilddrüsenspezialisten. Es war der Horror! Ich kann nicht ein Mal mehr zum Arzt gehen ohne völlig durchzudrehen. Obwohl mein Mann dabei war. Alle Symptome werden tausend Mal stärker. Dauernd nur die Gedanken ich schaffe das nicht ich halte das nicht aus. In solchen Situationen überlege ich ob ich wohl doch einfach wieder die gute alte Panikstörung habe... Sonst würde ich doch nicht so reagieren nur weil ich das Haus verlasse, unter Menschen gehe.

Insgesamt meinte dieser einige meiner Symptome könnten durch aus von der Schilddrüse kommen. Auch dass das L Thyrox vom HA einfach halbiert worden sei sei nicht gut gewesen. (Das hat übrigens der selbe Arzt veranlasst de meinte ich könne die Citalopram innerhalb von 10 Tagen absetzen) Ich sei schlecht eingestellt. Bin gespannt ob sich tatsächlich was verbessert.

Jetzt liege ich abends um halb neun völlig Tod in meinem Bett. Alles in mir summt und vibriert und ich habe das Gefühl ein Laster hat es sich auf mir bequem gemacht. Zum Glück ist mein Sohn schnell eingeschlafen...

Ich nutze diesen Thread gerade als ne Art Tageszusammenfassung hoffe das ist ok...

Gute Nacht!
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Sabs »

Hey,
Also diese überforderungsgefühle außer Haus, habe ich auch und viele andere auch.
Der Kopf geht zu und Panik mit fluchttendenz macht sich breit.
Ich hatte das vorher NOCH NIE!
Gehört also zumindest bei mir definitiv nicht zur Erkrankung, sondern stammt nur vom Entzug.
Also kann es bei dir auch so sein.

Gruß Sabs
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Straycat »

Hallo Lena,

bei mir ist es ganz ähnlich wie bei Sabs :) Auch ich bekam diese "Fluchtzwang-Attacken" erst im Entzug.
Und ich kann dir berichten, dass sich das bei mir schon stark gebessert hat. Es kommt viel viel seltener und wenn dann auch nicht mehr so heftig wie zu den schlimmen Zeiten.

Dass du danach völlig fertig bist, ist auch ganz normal. Es ist ja enorm anstrengend für den Körper in so einem alarmierten Zustand zu sein.
Gönn dir möglichst viel Ruhe! Das braucht dein Körper jetzt.

Du kannst deinen Thread sehr gerne wie ein Tagebuch nutzen - das machen hier sehr viele Foris. Das kann auch hilfreich sein, um im Nachhinein Geschehnisse nochmal zu analysieren (also zB wann war es besonders schlimm, welche Symptome kommen so nicht mehr vor, was hat sich verändert usw.).

Alles Gute,
Cat
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von lena0053 »

Liebe Sabs, liebe Cat!

Wie lange macht ihr beiden das denn schon mit? Wie schafft ihr es da so gut mit umzugehen?

LG
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Straycat »

Liebe Lena,

meinen Fast-Kaltentzug habe ich 2016 hingelegt, 2017 war es dann besonders schlimm für ca. 6 Monate (wobei es da auch innerhalb der Zeit stetig besser wurde). Seither habe ich diese Angstzustände nur noch sehr selten.

Wie man damit umgeht ist vielleicht zT auch Übungssache. Mir helfen Atemtechniken, mäßige Bewegung, manchmal auch Singen oder Summen.
Wir haben hier auch einen Thread zum Thema Umgang mit Angst und Panik.
Vielleicht findest du dort auch etwas hilfreiches.
Solche Threads findest du übrigens auch gut über die Übersicht "Was finde ich wo im Forum?"

Liebe Grüße,
Cat
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von lena0053 »

Hallo

Keiner glaubt daran. Und ich habe nicht die Kraft und die Argumente vom Gegenteil zu überzeugen.

Gut Nacht
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Straycat »

Hallo Lena,

wen meinst du mit keiner? Deine Familie und Angehörige?
Für die haben wir hier einen Text zum lesen. Findest du im "Was finde ich wo?" Thread unter A wie Angehörige.
Vielleicht wäre es eine Idee ihnen den Text mal zum Lesen zu geben?

Liebe Grüße,
Cat
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von lena0053 »

Liebe Cat,
nein meine Familie glaubt mir. Sie glauben nur dass ich mit meinem Fokus auf die Symptome alles sehr viel schlimmer mache als es eigentlich ist.


Und das mag stimmen. Die letzten beiden Tage hat sich das „Höllentor“ (ich finde keinen anderen Ausdruck) etwas geschlossen. Nicht weil die körperlichen Symptome sich verbessert hätten sondern weil ich es ein kleines bisschen aus mir raus geschafft habe- mich bewusst meiner Umwelt zugewandt habe. Heute konnte ich meine Vorlesung (Dank Corona per Video) mitmachen und nur anfangs war die Stimme da die mir einflüstern wollte ich könne das nicht schaffen. Ich habe mich nicht von meinen körperlichen Symptomen und der damit einhergehenden Angst abends sofort ins Bett jagen lassen.

Ich weiß nicht was das für eine Stimme ist die mir seit Monaten erzählt ich könne die kleinsten Kleinigkeiten wie Duschen, mich mit anderen Menschen zusammensetzen oder die Spülmaschine ausräumen nicht schaffen. Plötzlich war sie da. Sie ist so mächtig dass sie meinen Körper völlig lahm legen kann. Ich habe noch nie in meinem Leben solche Erschöpfungsmomente erlebt wie zurzeit.
Aber die Stimme wird kleiner. Hat nicht mehr ganz so viel macht und ich schaffe es jetzt manchmal einige Dinge trotzdem zu tun.

Ich habe jetzt schon keine Ahnung wie oft mit dieser Stimme in meinem Kopf geduscht. Mir jedesmal gezeigt dass sie lügt und trotzdem ist es nach wie vor sehr schwer wenn sie da ist als Lügner zu identifizieren- immer wieder glaube ich ihr.

Heute hat sie mir gesagt ich könne unmöglich diese Vorlesung schaffen. Ich habe sie geschafft und in der Pause geduscht 😃

Ich zittere, vibriere, habe das Gefühl nicht atmen zu können, fühle mich Krank und vor meinen Augen flackert es aber ich habe keine Angst. Ich will mich nicht mehr klein kriegen lassen. Ich will nicht mehr der eigentliche Fall für die Psychiatrie sein. Ich will mein Leben zurück. Also Stimme halt dein Mund.

Gute Nacht
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Jamie »

Hallo lena, :)

bei psychischen Störungen, aber auch als PP-Nebenwirkung und Entzugssymptom können solche Gedanken wie die deinen auftauchen.
Wenn du das von früher nie kanntest, spricht viel für Entzug.

Je nach Ausprägung nennt man diese Gedanken Zwangsgedanken oder intrusive Gedanken bzw. von einer höheren Warte aus gesehen kann man auch sagen, dass dein Ego dir gerade schön das Leben zur Hölle macht, indem es dir permanent dein Versagen suggeriert.

Das trifft oft auf Menschen zu, die von der Tendenz her ambitioniert, leistungsorientiert, ehrgeizig und / oder mit Hang zum Perfektionismus sind, aber nicht nur.

Wenn man eine Panikattacke hat und das nicht richtig erkennt, denkt man, jetzt sterbe ich. Ich sterbe.
Wenn man zigmal die Panikattacke hatte und diese überlebt hat und es in dem Moment schafft zu abstrahieren, und das ist die beste Methode im Umgang mit PA, dann sagt man sich - >>Panik, okay schön, du bist da, aber du kriegst mich nicht klein. Ich werde nicht sterben, das erzählst du mir nur immer und ich werde jetzt XYZ machen und dann verschwindest du auch wieder und auch das überstehe ich<<.

Was du so schilderst, habe ich den Eindruck, dass deine Gedanken in diese Richtung auch gehen und du hast anhand deines Erfolgserlebnisses gestern ja gemerkt, dass es geht.
Das kann man als hoffnungsvolles Zeichen sehen, wenngleich dieses psychische innere Niederringen solcher permanenten Katastrophen- und Versagensgedanken natürlich extrem geistig und körperlich erschöpft, zum Entzug noch dazu.
Es ist ein andauernder Kampf im Kopf und der Gedanken; und das ist brutal ermüdend und schlauchend und passt perfekt zu deinen Schilderungen.

Ich kenne dich nicht, aber ich jedenfalls bin stolz auf dich, dass du das gestern alles geschafft hast :hug:

Viele Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


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Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Foxly »

Hallo Lena,

ich kann mich Jamie nur anschließen! Toll, dass Du das gestern geschafft hast!

Und glaub mir, es wird irgendwann weniger, genau wie Jamie geschrieben hat, wenn man sich dieser dummen Stimme stellt und sie entlarvt.

Ich kann das ein wenig aus meiner Perspektive heraus verstehen. Ich hatte vor der PP-Einnahme NIE iwelche Angststörungen, Zwangsgedanken oder ähnliches, was Du als "innere Stimme" beschreibst und Jamie eben Dein "Ego" genannt hat, das Dir aktuell Streiche spielt. Nach jahrzehntelanger Einnahme von Escitalopram erlebe ich jetzt im Entzug genau das Gleiche, was Du beschrieben hast. Und ja, auch diese absolute Kraftlosigkeit kenne ich, und zwar nicht nur durch die Gedanken (die immens schlauchen und Energie zocken), sondern auch wirklich messbar auf körperlicher Ebene. Es mögen bei mir noch andere Aspekte mit hineinspielen (wie der aktuell katastrophale Schlaf), aber viele Deiner geschilderten Symptome kommen mir doch sehr vertraut vor.

Ich denke mittlerweile wirklich, dass Zeit der allerwichtigste Faktor im Entzug/Heilungsprozess ist, bei einem länger, beim anderen etwas weniger lang. Alle Versuche, den Prozess ungeduldig iwie beschleunigen zu wollen, sind zumindest bei mir bislang immer gescheitert. Und dennoch gibt es tatsächlich iwann wieder Augenblicke des positiven Erlebens. Fortschritte finden nicht im Hau-Ruck-Verfahren statt, sondern eher schleichend, manchmal kaum bemerkbar.

Ich habe in einer aktuell wieder deutlich schlechteren Phase mein Tagebuch "befragt" und da ist dann doch zumindest eine positive Tendenz zu erkennen. Vielleicht kann das auch Dir helfen?

Geduld, Glaube an die eigenen Heilungskräfte, dieses Forum hier :group: , ein (hoffentlich) verständnisvolles und liebes Umfeld und ein liebevoller Umgang mit sich selbst sind wohl die wichtigsten Zutaten, um zu heilen.

Ich versuche, aufkommende negative Gedanken zu stoppen, indem ich dann versuche, iwas zu machen, was meine Aufmerksamkeit bündelt, fordert. Manchmal werde ich da richtig kreativ, weil ich viele Dinge, die ich vor dem Entzug gerne gemacht habe - wie z.B. Sport oder Lesen - im Moment (noch) nicht kann. Ich bin insgesamt etwas geduldiger mit mir geworden, ich war/bin wohl auch eher ein ehrgeiziger Mensch, ein Mensch, der immer möchte, dass es ALLEN gut geht und der sich dabei manchmal selbst ein wenig übersieht.

Jedenfalls ist ein freies "floaten" der Gedanken, Leerlauf meines Gehirns im Augenblick eher kontraindiziert. Dann beginnt nämlich dieses Gedankenkarussell. Auch meditieren klappt noch nicht so ganz, diese ganzen "Abschaltgeschichten" nicht, weil sich dann sofort wieder diese doofe, vorlaute "Stimme", wie Du sie nennst, vordrängelt und die Szene beherrscht.

Vielleicht kannst Du mit diesen Gedanken/Ideen etwas anfangen, iwas davon für Dich gebrauchen.........
Ich wünsche Dir alles Liebe und vor allem spürbare Erfolge auf Deinem Weg!
Gabs
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-> Oktober 2020 Symptome des Infekts klingen langsam ab, aber Entzugssymptome weiterhin vorhanden, manche minimal besser, zu viele noch sehr einschränkend. Massiv leide ich unter mangelndem (Tief-)schlaf und unter einer anhaltenden fürchterlichen fatigue.
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Sabs »

Hi Lena,
Ich bin nun seit 9 Monaten in der Hölle - wie schafft man das?! Manchmal hab ich keine Ahnung, aber ich kann mich meinen Vorrednern anschließen.
Man gewöhnt sich ein wenig daran, lernt mit der Situation umzugehen und dann wird es ja auch stetig besser, furchtbar langsam, aber doch es wird besser.
Oft war es einfach nur aushalten und überleben, mittlerweile gibt es wieder gute Momente, aber es reicht noch nicht aus, um zu sagen "es geht mir wieder einigermaßen gut".

Mir hilft Meditation, das Forum, Dinge trotz "der Stimme" tun und manche NEMs.
Mir geht es vor allem Morgens sehr schlecht, da kann ich mir immer sagen "der Abend kommt, dann wird es besser" und natürlich ist das allerwichtigste die Hoffnung, dass es besser wird.
Wenn ich diese manchmal nicht habe, ist der Zustand kaum zu ertragen - wenn ich Hoffnung habe, geht es viel besser.

Gruß Sabs
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von lena0053 »

Ihr Lieben,
vielen Dank für eure Antworten. Es hilft tut aber auch weh. Ich kann nicht verstehen wie es so eine Menge Menschen geben kann denen es nach der Einnahme von AD‘s so geht und trotzdem keiner der „Fachleute“ (Ärzte, Psychiater etc.) daran glaubt. Man fühlt sich so allein gelassen und hätte nie dringender Hilfe gebraucht!!

„Die Stimme“ Würde ich nicht als Perfektionisten beschreiben. Bei mir ist es eher die große Angst das jetzt einfach alles vorbei ist. Ich kann mit Symptomen einfach nicht umgehen. Immer die Angst was als Nächstes schlimmes passiert- oder eben einfach gar nichts mehr.

Heute hat sich das Tor langsam aber sicher wieder geöffnet. Zuerst nur die Depression darüber wie abhängig ich von anderen Menschen bin. Das ich nicht in der Lage bin auch nur eine Stunde mit meinem Sohn alleine zu sein. Die Angst davor das irgendwann der Tag kommen wird das ich mit ihm alleine sein muss. Es kann nicht immer jemand da sein. Das geht nicht.

Ich bemitleide mich schon den ganzen Tag. Dann kommen wieder körperliche Symptome. Fühle mich krank- ohne beschreiben zu können was eigentlich das Problem ist. Ich kann nicht sagen mir tut der Fuß weh oder mir ist schlecht. Ich fühle mich einfach seltsam. Damit einher dieses Gefühl von Gefahr. Dann Angst. Wovor hast du denn Angst? Es ist doch immer jemand da! Es kann dir nichts passieren. Das höre ich fast täglich. Aber es passiert mir etwas. Ich werde in meine Einzelteile zerlegt und danach klammere ich mich an diesen fest um wenigstens ein paar Teile von mir behalten zu können. Und kaum habe ich diese in mühsamer Tagearbeit wieder mehr recht als schlecht zusammengeklebt kommt ES wieder. Und zerlegt mich erneut.

Und nicht mal im Ansatz habe ich Worte dafür was eigentlich passiert. Heute Abend saß ich wieder da heulend vor meinem Mann. Ich kann nicht mehr da passier was mit mir ich werde verrückt... Mein Gehirn ist kaputt.

Ich hatte wirklich Hoffnung die letzten Tage. Jetzt habe ich langsam keine Kraft mehr die Stücke wieder zu kleben. Wozu auch sie werden eh wieder innerhalb von Sekunden in sich zusammenfallen.

Gute Nacht
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Foxly »

Liebe Lena,

auch wenn es sicher ein eher schwacher Trost ist, aber ich finde es schon mal super, dass Du Deinem (eigentlich unbeschreiblichen) Zustand Worte und Ausdruck verleihen kannst.

Ich finde, Du drückst es sehr gut aus und zumindest Menschen, die ähnliches durchstehen oder durchgestanden haben, können damit absolut etwas anfangen. Bei allen anderen, die diesbezüglich keinerlei Erfahrungen haben (und hoffentlich auch nie machen müssen, denn leider ist man da sehr schnell "drinnen") ist es schon etwas schwieriger, diesen fürchterlichen Zustand auch nur annähernd zu verstehen.

Wir wissen ja selbst nicht, was da grad passiert - genau wie Du schreibst. Ja, sachlich, faktisch wissen wir das vielleicht schon irgendwann dank der vielen guten Informationen hier im Forum, aber es ist dann doch noch einmal etwas anderes, das auch nachfühlen, ertragen und erklären zu können.

Vielleicht druckst Du Dir ein paar Informationen hier aus (ich finde den Artikel der DGSP e.V. .z.B. recht gut verständlich, das Handout für Angehörige hier im Forum auch). Mir hat das geholfen, mich nicht dauernd in so einer komischen Rechtfertigungsschleife mir selbst und meinen Allernächsten gegenüber zu fühlen. Ich hab den wichtigsten Menschen in meinem Leben das in die Hand gedrückt und mir selbst auch ein Exemplar ausgedruckt, das ich gelegentlich in die Hand nehme und wieder weiß "Aha, der Sch.... ist es immer noch".

Meine Therapeutin habe ich auch großzügig mit Material versorgt und sie ist zum Glück sehr aufgeschlossen und begleitet mich vorbildlich. Leider erfahren auch das nur die wenigsten und ich bin sehr dankbar dafür. Alle anderen Ärzte meide ich mittlerweile weitestgehend, die meisten sind leider unbelehrbar und mir fehlt die Kraft (noch), mich mit soviel Ignoranz auseinanderzusetzen. Ich finde es aber langfristig schon wichtig, diesbezüglich mehr Öffentlichkeit herzustellen! Vielleicht ist das ja ein Projekt für später........

Und ich finde es toll, dass Du Unterstützung durch Deine Familie hast!!!! Es ist auch für die unmittelbaren Angehörigen nicht immer leicht und es ist wichtig, dass sie die passenden Informationen bekommen, um auch längerfristig "dabei zu bleiben"!

Positiv finde ich auch, dass Du immer wieder Situationen erlebst, in denen Du das Gefühl hast "ganz" zu sein und nicht in Deine "Einzelteile zerlegt" zu werden. Halt Dich daran soweit möglich fest!

Die Situation mit Deinem kleinen Sohn kann ich mir sehr gut vorstellen. Das ist wirklich hart und tut mir sehr leid! Gibt aber auch Kraft, dran zu bleiben und vollständig zu genesen.

Lass Dich nicht schrecken von den vielen langwierigen Verläufen hier im Forum, denn wie jemand schon geschrieben hat (sorry, kenn die Quelle grad nicht), treffen sich natürlich hier eher die etwas stärker Betroffenen und Leidenden. Deshalb gibt es das Forum ja überhaupt, weil es da draußen so wenig Hilfe gibt und offenbar auch Menschen, bei denen der Entzug etwas glimpflicher abgeht.

Es wird der Tag kommen, an dem auch wir das Ganze als eine fürchterliche Phase in unserem Leben abhaken dürfen.

Liebe Lena, auch wenn Du Dir das im Moment nur punktuell vorstellen kannst, ich bin sicher, Du schaffst das!
Alles Liebe
Gabs
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von lena0053 »

Liebe Gabs,
Foxly hat geschrieben: 26.09.2020 15:29 Es wird der Tag kommen, an dem auch wir das Ganze als eine fürchterliche Phase in unserem Leben abhaken dürfen.
leider kann ich das im Moment so tatsächlich nicht vorstellen!! Es ist praktisch unvorstellbar irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können weil das Lebensgefühl so flöten gegangen ist. Die eigene Identität hat sich einfach verabschiedet.

Ich habe gerade deinen Thread gelesen und finde es beeindruckend wie unglaublich stark du bist. Es gibt wenige Nächte in denen ich nicht schlafen kann, die Tage danach sind noch schlimmer. Unvorstellbar also wie es dir gehen muss!!! Das tut mir sehr leid! Und trotzdem schaffst du es dankbar für Dinge zu sein- soweit bin ich leider noch nicht.


Der Tag heute war nicht gut. Mein Mann und mein Sohn waren unterwegs. Schlimm wird es wenn ich Angst davor habe dass sie wieder heim kommen- dann merke ich um so mehr das alles „anders“ ist. Wenn ich alleine bin und vor mich hin dümple ist dieses Gefühl nicht so stark.

Symptome im Kopf waren heute wieder stärker. Beim lesen springen die Zeilen hoch und runter. Flimmern vor den Augen. Alles gedämpft und weit weg. Manchmal habe ich Angst das mein Gehirn sich „aufhängt“ ohne reset Knopf.
Verzweiflung war auch stark. Hoffnungslosigkeit, Wehmut.

Tinnitus und vibrieren bemerke ich kaum noch da sie ständige Begleiter sind.

Aber es gibt auch Symptome die momentan nicht mehr da sind. Das alles hört jetzt auf, es gibt keinen nächsten Moment mehr habe ich glaube ich schon ne gute Woche nicht mehr gespürt. Auch die extremste körperliche Erschöpfung wie ganz am Anfang gibt es nur noch in mittlerer Ausprägung...

Es gibt ein davor und ein danach. Davor als ich noch gelebt habe. Danach als ich nur noch überlebt habe. Was kommt nach dem danach?

Um Gabs als Vorbild zu nehmen:
Ich bin dankbar dass ich keine körperlichen Schmerzen habe, ich bin dankbar dass ich so eine tolle Familie habe. Ich bin dankbar dass ich wieder Hörbücher hören kann.


Gute Nacht
2008 Diagnose Panikstörung Agoraphobie

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2008- April 2020 Einnahme Citalopram (Zumeist 20mg, auch mal 10mg und 30mg). Innerhalb von 10 Tagen abgesetzt.

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lena0053
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von lena0053 »

Hallo.

Ich traue mich kaum das zu sagen aber ich habe das Gefühl es wird ein kleines bisschen besser. Alle Symptome sind noch da aber nicht mehr so ausgeprägt. Vielleicht habe ich mich auch einfach nur daran gewöhnt 🥴. Die ganz schlimmen Tage sind definitiv nicht mehr so schlimm wie sie schon waren.

Schwindel ist kaum noch da. Die letzten Tage eher Grippegefühle- die hat mein Mann aber auch und mein Sohn verhält sich auch kränklich.

Nicht im Ansatz würde ich auf die Idee kommen das Haus zu verlassen. Aber eine Weile ohne meinen Sohn alleine zu sein geht.

Auch bin ich Phasenweise nicht mehr ganz so benebelt und habe ein paar lichte Momente.

Ich denke manchmal über andere Dinge als meinen Zustand nach (kaum zu glauben).

Eine Stimme in mir sagt dass ich nicht zu Hoffen beginnen soll- um so härter der nächste Tiefschlag...

Eine hypochondrische Frage. Ich habe ja so Dinge wie „Ich kann nicht spazieren gehen, kann kein Schritt laufen, überlebe das nicht...“. Ich neige dazu meinen Körper eher zuviel zu schonen damit „ja nichts passiert“.

Rein körperlich bin ich ja gesund. Auch wenn ich mich nicht so FÜHLE. Gehe ich also auf Konfrontation? (Spazieren gehen, Supermarkt, Auto fahren, Menschen treffen...) wie früher bei der Agoraphobie (die ja definitiv auch wieder da ist) oder ist das beim Entzug anders?

Gute Nacht
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Straycat
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Re: lena0053: Kaltentzug nach 12 Jahren Citalopram

Beitrag von Straycat »

Hallo Lena,

ich freue mich zu lesen, dass es zumindest einen Hauch einer Besserung gibt.
Ich neige auch dazu mich nie "zu früh freuen zu wollen", aber es kann auch gut sein, die Verbesserungen bewusst wahrzunehmen. Klar sind Rückschritte dann umso härter, aber man kann in den guten Phasen ja auch etwas Kraft tanken und wieder Hoffnung schöpfen :)
lena0053 hat geschrieben: 28.09.2020 21:51 Rein körperlich bin ich ja gesund. Auch wenn ich mich nicht so FÜHLE. Gehe ich also auf Konfrontation? (Spazieren gehen, Supermarkt, Auto fahren, Menschen treffen...) wie früher bei der Agoraphobie (die ja definitiv auch wieder da ist) oder ist das beim Entzug anders?
Das ist eine gute Frage und wie bei fast allem im Entzug gibt es da keine "one-fits-all"-Lösung.
Manche triggert schon das geringste Ereignis, anderen tut etwas Ablenkung gut.

Als ich 2017 mein "Knock out" hatte, habe ich von Woche zu Woche und Monat zu Monat immer kleine Schrittchen weiter gewagt. Anfangs nur allein sein stundenweise. Dann auch mal kleine Hausarbeiten. Dann mal einmal runter zum Postkasten und zurück, dann bis zur Bank unten im Park, dann bis zum Supermarkt (aber noch nicht hinein), dann die erste Runde einkaufen... Die Fortschritte waren winzig und anfangs kaum wahrnehmbar. Oft kamen auch wieder mal Rückschritte, aber alles in allem habe ich mich so dann wieder in einen Alltag zurückgekämpft.

Ich würde es an deiner Stelle mal in kleinen Dosen ausprobieren. Schau einfach, was dir gut tut und bleibe achtsam, was dich überfordert - verlange nicht zu viel von dir. Im Entzug ist das ZNS wirklich sehr "beschäftigt" und da darf man sich ruhig eine Extraportion Ruhe gönnen.
Aber mir hat es auch geholfen, kleine Herausforderungen zu meistern - die waren dann aber im Winzig-Bereich, wie eben Geschirrspüler ausräumen oder so etwas. Also nicht zu viel auf einmal ;-)

Ich wünsch dir weiter alles Gute!
Liebe Grüße,
Cat
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