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Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

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Nennt mich Tony
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Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Nennt mich Tony »

Hallo, mein Name ist Tina und ich bin 42 Jahre alt. Ich wohne mit meinen beiden Kindern und meinem Lebensgefährten in Österreich.

Das eigentlich Drama begann schon im Frühjahr 2010, als ich 3 Monate nach der Geburt meiner Tochter die Diagnose erhalten habe, dass sie vermutlich aufgrund eines Gendefekts im Laufe ihres Lebens erblinden wird. Damit kam ich einfach nicht klar. Bis zum Spätsommer 2010 habe ich eine Somatisierungsstörung entwickelt inkl. leichter Depression und Panikattacken.

Im Herbst 2010 wurde mir bei einem 2 wöchigen Klinikaufenthalt Sertralin, Atarax und Zyprexa verschrieben. Atarax und Zyprexa war ich beim verlassen der Klinik schon wieder los. Sertralin blieb mir mit 100mg.

Ich habe dann relativ bald auf 50mg Sertralin reduziert und blieb jahrelang ohne Probleme auf dieser Dosis. Als ich 2014 mit meinem Sohn schwanger war, habe ich innerhalb von 3 Monaten abgesetzt, damit mein Kind nicht mit Entzugserscheinungen auf die Welt kommt. Mir ging es eigentlich ganz gut. Vermutlich haben die Hormone der Schwangerschaft und die sowieso ständig vorhandene Müdigkeit, die so ein Neugeborenes mit sich bringt, die Entzugserscheinungen kaschiert.

Im Februar 2016 bin ich irgendwann weinend in der Küche gesessen und habe mir gedacht, die Welt bricht zusammen. Ich fühlte mich elend und sah Hilfe in der erneuten Einnahme von 50mg Sertralin. Hätte ich mich damals schon informiert, wäre mir einiges erspart geblieben. Nun gut, so war es eben.

2018 ging es mir hervorragend und mir war klar, ich will das Zeug nicht lebenslang nehmen müssen. Ich habe dann relativ schnell, innerhalb von 2 Monaten, von 50mg auf 0 reduziert. Nach ca. 4 Wochen fing es an mir langsam und schleichend schlechter zu gehen. Zu Beginn waren es Schlafstörungen und Müdigkeit. Später kamen unerträgliche Kopfschmerzen hinzu, die durch kein Medikament weggingen. Oft wusste ich spontan nicht mehr wo ich war oder hatte vergessen, was ich eben noch getan hatte. Ich hatte schlimme Gedächtnisprobleme. Ich landete im Juli 2018 wieder in der Klinik allerdings auf der Neurologie wg. der Kopfschmerzen. Alle Ärzte waren sich einig, dass das unmöglich von dem Entzug des Sertralin kommen könnte, da das ja „schon“ 3 Monate her war.

Da ich mich zu dieser Zeit selbst zu informieren begann, war mir sehr schnell klar, dass das alles vom Entzug kam. Also blieb mir aus meiner Sicht nichts anderes übrig, als wieder auf 25mg einzudosieren. Was ich auch tat.

Im September 2018 war ich soweit wieder stabil und startete ich mit meinem Langzeitentzug mit der 10% Methode. Seither ist nichts mehr wie es war. Aktuell bin ich bei ca. 2mg von den ursprünglich 25mg. Seit Mai diesen Jahres nehmen die Entzugserscheinungen massiv zu. Vor allem mein Gedächtnis ist scheinbar schwer betroffen. Ich kann mir kaum mehr Namen merken, im Grunde nicht mal mehr 3 Sachen oder Wörter am Stück.

Ich muss mir alles aufschreiben. Ich habe Wortfindungsstörungen und leide unter Erschöpfung, bin manchmal verwirrt. Mein Kopf fühlt sich an, als wäre Watte darin. Ich bin weinerlich, instabil und fühle mich allgemein sehr unwohl. Scheinbar habe ich das große Pech sehr schwer vom Entzug betroffen zu sein. Es ist wirklich schwierig geworden im Alltag zu verheimlichen, wie schwer mir alles fällt. Vor allem im Job, da ich ständig Fehler mache, an die ich mich nicht mal erinnere. Auch das 10 Finger System fällt mir zunehmend schwerer. Fehlerfreies Tippen ist undenkbar geworden. Einfach furchtbar. Ich war jemand, der dafür bekannt war, sich alles zu merken und alles zu wissen und nun bin ich ein Schatten meiner selbst. Die letzten beiden Jahre haben mich verändert und mir mein Selbstwertgefühl und meine Selbstsicherheit genommen.

Ich überlege ernsthaft, ob ich nicht wieder eindosiere und einfach lebenslang diese verfluchten Tabletten nehme, oder zumindest noch 23 Jahre bis zur Rente. Dann habe ich Zeit mich dem Entzug hinzugeben und muss nicht mehr funktionieren. Scheinbar ist mein Gehirn nachhaltig geschädigt. Ich wäre bei jetztigenm Tempo im April 2021 auf 0. Ich mache mir große Sorgen, dass sich auch danach keine Besserung mehr einstellen wird und ich mit so viele Jahre umsonst geplagt habe und mir nichts anderes übrig bleiben wird, als wieder Sertralin zu nehmen.

Aus der anfänglichen Euphorie, als ich den Entzug gestartet habe, ich die Ernüchterung geworden, dass die Medikamente mein Leben verändert haben. Ich kann euch aktuell leider nichts Positives erzählen, hoffe aber hier auf Austausch.
Zuletzt geändert von Straycat am 24.09.2020 12:26, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Benutzername im Titel ergänzt
Nov. 2010 zuerst 50mg, dann auf 100mg Sertralin erhöht. Eindosierung in der Klinik. Diagnose Somatisierungsstörung, leichte Depression und Angststörungen

Mai 2011 Reduzierung auf 50mg Sertralin -
Einnahme unverändert bis April 2014 ohne Probleme

April 2014 - Juni 2014 schnelles Absetzen wg. Schwangerschaft von 50mg auf 0 - problemlos, vermutlich maskiert durch die Hormone

Februar 2016 Eindosierung 25mg Sertralin wg. Instabilität und vermeintlicher Rückkehr der ursprünglichen Depression

März 2016 Erhöhung auf 50mg Sertralin

Anfang April 2018 Absetzversuch
Start Reduzierung auf 25mg Sertralin
Mitte April 2018 Reduzierung auf 12.5mg Sertralin
Anfang Mai 2018 Reduzierung auf 0

Mitte Juli 2018 Zusammenbruch wg. Kaltentzugs. Extreme Kopfschmerzen, Derealisation, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, schlechte Laune, extreme Müdigkeit, Antriebslosigkeit
Eindosierung auf 50mg Sertralin

August 2018 Reduzierung auf 25mg Sertralin

September 2018: Start Langzeitentzug
mit der Wiegemethode
Ausgangswert 25mg Sertralin aka 0.077g

20.9.2018 0,0693g
7.11.2018 0,062g
26.12.2018 0.055g
4.2.2019 0.050g
18.3.2019 0.045g
29.4.2019 0.040g
(1oder 2x Zwischenschritte nicht notiert)
22.7.2019 0.030g (Reizblase als neues Symptom)
26.8.2019 0.025g
13.9.2019 0.027g wieder etwas hochdosiert, da massive Schlafprobleme auftraten
14.10.2019 0.024g
18.11.2019 0.021g
23.12.2019 0.019g
28.1.2020 0.017g
1.3.2020 0.015g (Herzrhythmusstörungen als neues Symptom)
4.4.2020 0.013g
5.5.2020 0.011g (3.57mg)
1.6.2020 0.010g (3.25mg) (Kopfschmerzen täglich)
1.7.2020 0.009g (2.92mg) (Magnesium, Kaliumeinnahme wegen Herzrhythmusstörungen)
1.8.2020 0.008g (2.60mg)

Seit März 2020 vermehrt Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. etwas hochdosieren oder länger auf dieser Dosis bleiben?

21.9.20 0.007g (2.15mg) schlimme Gedächtnisprobleme, tlw. Desorientierung, Wortfindungsstörungen, Schlafprobleme beim durchschlafen

24.9.2020 0.009g
25.9.2020 0.010g

30.9.2020 eindosieren auf 0.015 g, seit Tagen spät. 1 Std. nach dem einschlafen wach. Müde, erschöpft, unkonzentriert, vergesslich, Gefühl ausgebrannt zu sein, private Sorgen der letzten Monate nehmen überhand, abends 0.5mg Temesta

1.10.2020 klarer im Kopf, entspannter, klare Besserung des Zustands. Ob von der Erhöhung oder vom Benzo ist unklar

7.10.2020 Erhöhung auf 0.015 beibehalten. Seit 4 Tagen Easy Sleep Tee abends. Schlaf hat sich deutlich verbessert. Allgemeinbefinden ist gut

10.10.20 Erhöhung auf 0.018g. weiterhin easy sleep Schlaftee. Schlaf hat sich verbessert, ist aber weit weg von normal. Stimmung besser, aber nicht gut.

17.10.20 zu den Durchschlaf sind jetzt auch Einschlafstörungen dazu gekommen.tagsüber erschöpft, müde, reizbar, Gedankenkarusell
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Re: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Straycat »

Liebe Tina :)

herzlich willkommen in unserer Runde :)
Du scheinst dich schon sehr gut informiert zu haben.
Ich finde es sehr gut, dass du den Ärzten nicht blind vertraut hast, sondern auf deinen Körper und dich gehört hast. Ich teile deine Ansicht, dass das damals Entzugssymptome waren (und leider auch heute noch sind).

Wenn ich mir deine Signatur ansehe, bist du seit März trotz Zunahme der Symptome relativ konsequent weiter mit der Dosis heruntergegangen. Meine Vermutung wäre, dass die Absetzschritte für dein bereits durch die vorhergehenden Entzüge sensibilisiertes ZNS immer noch etwas zu groß und zu rasch waren. Manche Betroffene können da einfach nur langsamer vorgehen. Vielleicht haben sich die Symptome durch das weitere Reduzieren aufsummiert und nun schlagen sie mit voller Wucht zu.
Wäre vielleicht mal eine längere Stabilisierungspause eine Idee?
Ich habe das auch schon gelegentlich gemacht und oft hat es gut geholfen. Auch von anderen Betroffenen liest man immer wieder, dass ihnen solche Pausen manchmal gut tun.
Es ist auch so, dass manche "Hürden" beim Reduzieren schwerer zu verkraften sind, als andere. Also manchmal hängt man dann etwas bei einer Dosis und danach geht es dann wieder leichter voran.

Da du deine letzte Reduktion Anfang August hattest, würde ich jetzt nicht mehr aufdosieren, aber die Dosis wie geschrieben mal einige Zeit halten, um deinem ZNS die Chance zu geben, dass es "nachzieht" und wieder zu mehr Stabilität findet.

Ein anderer Ansatzpunkt könnte die Messmethode sein: Je niedriger die Dosis wird, umso schwerer wird es, mit einer Feinwaage eine exakte Dosierung hinzubekommen. Viele Feinwaagen messen in dem Bereich auch nicht mehr so genau.
Wäre es für dich vielleicht eine Möglichkeit auf die Wasserlösmethode umzusteigen?
Vielleicht würdest du damit exaktere Dosierungen hinbekommen.

Ich würde aber nicht alles auf einmal probieren, also am besten zunächst mal eine Absetzpause und möglichst viel Ruhe für das ZNS.

Ich stelle dir gleich auch noch unseren Begrüßungstext ein. Den wirst du vermutlich schon kennen, da du dich schon recht gut eingelesen hast :)

Ich wünsche dir sehr, dass du zu etwas Ruhe kommst und die Symptome nachlassen!
Und gib nicht die Hoffnung auf - es kann im Entzug auch mal hakeliger werden und dann wird es wieder besser :hug:
Alles Liebe,
Straycat
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Re: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Straycat »

Begrüßungstext:

Hallo Tina,

willkommen im ADFD.

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Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüße
Cat
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Nennt mich Tony »

Hallo Straycat!

Danke für die nette Begrüßung. Ja, ich habe schon einiges hinter mir. Ich habe bereits über die Wasserlösmethode nachgedacht, da sie mir genauer erscheint. Mit dem Wiegen stoße ich tatsächlich an meine Grenzen und bin mir oft unsicher, ob die Dosis genau stimmt. Ich werde mir das mal näher ansehen. Tatsächlich habe ich diesen Montag wieder reduziert. Ich habe das Gefühl, dass ich endlich fertig werden möchte. Vermutlich hast du aber Recht und ich sollte geduldig bleiben, bis ich stabil bin. Meine Befürchtung ist, dass das noch alles sehr lange dauern wird. Wenn der Weg, den man hinter sich hat schon ein so langer ist, muss man aufpassen, dass man das Ziel nicht aus den Augen verliert, auch wenn es nicht zu sehen ist.
Nov. 2010 zuerst 50mg, dann auf 100mg Sertralin erhöht. Eindosierung in der Klinik. Diagnose Somatisierungsstörung, leichte Depression und Angststörungen

Mai 2011 Reduzierung auf 50mg Sertralin -
Einnahme unverändert bis April 2014 ohne Probleme

April 2014 - Juni 2014 schnelles Absetzen wg. Schwangerschaft von 50mg auf 0 - problemlos, vermutlich maskiert durch die Hormone

Februar 2016 Eindosierung 25mg Sertralin wg. Instabilität und vermeintlicher Rückkehr der ursprünglichen Depression

März 2016 Erhöhung auf 50mg Sertralin

Anfang April 2018 Absetzversuch
Start Reduzierung auf 25mg Sertralin
Mitte April 2018 Reduzierung auf 12.5mg Sertralin
Anfang Mai 2018 Reduzierung auf 0

Mitte Juli 2018 Zusammenbruch wg. Kaltentzugs. Extreme Kopfschmerzen, Derealisation, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, schlechte Laune, extreme Müdigkeit, Antriebslosigkeit
Eindosierung auf 50mg Sertralin

August 2018 Reduzierung auf 25mg Sertralin

September 2018: Start Langzeitentzug
mit der Wiegemethode
Ausgangswert 25mg Sertralin aka 0.077g

20.9.2018 0,0693g
7.11.2018 0,062g
26.12.2018 0.055g
4.2.2019 0.050g
18.3.2019 0.045g
29.4.2019 0.040g
(1oder 2x Zwischenschritte nicht notiert)
22.7.2019 0.030g (Reizblase als neues Symptom)
26.8.2019 0.025g
13.9.2019 0.027g wieder etwas hochdosiert, da massive Schlafprobleme auftraten
14.10.2019 0.024g
18.11.2019 0.021g
23.12.2019 0.019g
28.1.2020 0.017g
1.3.2020 0.015g (Herzrhythmusstörungen als neues Symptom)
4.4.2020 0.013g
5.5.2020 0.011g (3.57mg)
1.6.2020 0.010g (3.25mg) (Kopfschmerzen täglich)
1.7.2020 0.009g (2.92mg) (Magnesium, Kaliumeinnahme wegen Herzrhythmusstörungen)
1.8.2020 0.008g (2.60mg)

Seit März 2020 vermehrt Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. etwas hochdosieren oder länger auf dieser Dosis bleiben?

21.9.20 0.007g (2.15mg) schlimme Gedächtnisprobleme, tlw. Desorientierung, Wortfindungsstörungen, Schlafprobleme beim durchschlafen

24.9.2020 0.009g
25.9.2020 0.010g

30.9.2020 eindosieren auf 0.015 g, seit Tagen spät. 1 Std. nach dem einschlafen wach. Müde, erschöpft, unkonzentriert, vergesslich, Gefühl ausgebrannt zu sein, private Sorgen der letzten Monate nehmen überhand, abends 0.5mg Temesta

1.10.2020 klarer im Kopf, entspannter, klare Besserung des Zustands. Ob von der Erhöhung oder vom Benzo ist unklar

7.10.2020 Erhöhung auf 0.015 beibehalten. Seit 4 Tagen Easy Sleep Tee abends. Schlaf hat sich deutlich verbessert. Allgemeinbefinden ist gut

10.10.20 Erhöhung auf 0.018g. weiterhin easy sleep Schlaftee. Schlaf hat sich verbessert, ist aber weit weg von normal. Stimmung besser, aber nicht gut.

17.10.20 zu den Durchschlaf sind jetzt auch Einschlafstörungen dazu gekommen.tagsüber erschöpft, müde, reizbar, Gedankenkarusell
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Jamie »

Hallo nennt mich Tony, :)

ich würde den letzten Reduktionsschritt sofort wieder rückgängig machen, evtl. muss später auch noch weiter aufdosiert werden.
Es muss manchmal gar nicht viel sein, um eine Besserung zu erlangen.

Mir scheint, dass du trotz Beschwerden immer weiter runter gegangen bist, was dazu führt, dass sich die Symptome kumulieren können. Oft läuft das eine Weile noch im Hintergrund, bis plötzlich auf einmal ein großer Knall kommt.
Ich vermute, du bist eigentlich schon lange nicht mehr stabil und jetzt ist es eben gecrasht.
Ich überlege ernsthaft, ob ich nicht wieder eindosiere und einfach lebenslang diese verfluchten Tabletten nehme, oder zumindest noch 23 Jahre bis zur Rente.
Es kann auch sein, dass du, wenn du irgendwann eine Dosis gefunden hast, auf der du dich stabiler fühlst, wirklich mal ein Jahr (oder X) nichts daran ändern solltest, sondern einfach alles so belässt.
Einfach, damit du mal durchschnaufen kannst und wieder Mut gewinnen kannst, es vielleicht in Zukunft noch mal anzugehen.
Es verurteilt dich auch keiner, wenn du die Entscheidung treffen solltest, für die nächsten Jahre deines Lebens ein AD weiterzunehmen, sofern du dies gut informiert tust.
Es ist dein Leben und deine Entscheidung. Wichtig ist nur, dass man weiß, was man tut :).

Viele Grüße und willkommen im Forum
Jamie
...........SIGNATUR...............


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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Nennt mich Tony »

Jamie hat geschrieben: 24.09.2020 19:30 Hallo nennt mich Tony, :)

ich würde den letzten Reduktionsschritt sofort wieder rückgängig machen, evtl. muss später auch noch weiter aufdosiert werden.
Es muss manchmal gar nicht viel sein, um eine Besserung zu erlangen.

Mir scheint, dass du trotz Beschwerden immer weiter runter gegangen bist, was dazu führt, dass sich die Symptome kumulieren können. Oft läuft das eine Weile noch im Hintergrund, bis plötzlich auf einmal ein großer Knall kommt.
Ich vermute, du bist eigentlich schon lange nicht mehr stabil und jetzt ist es eben gecrasht.
Ich überlege ernsthaft, ob ich nicht wieder eindosiere und einfach lebenslang diese verfluchten Tabletten nehme, oder zumindest noch 23 Jahre bis zur Rente.
Es kann auch sein, dass du, wenn du irgendwann eine Dosis gefunden hast, auf der du dich stabiler fühlst, wirklich mal ein Jahr (oder X) nichts daran ändern solltest, sondern einfach alles so belässt.
Einfach, damit du mal durchschnaufen kannst und wieder Mut gewinnen kannst, es vielleicht in Zukunft noch mal anzugehen.
Es verurteilt dich auch keiner, wenn du die Entscheidung treffen solltest, für die nächsten Jahre deines Lebens ein AD weiterzunehmen, sofern du dies gut informiert tust.
Es ist dein Leben und deine Entscheidung. Wichtig ist nur, dass man weiß, was man tut :).

Viele Grüße und willkommen im Forum
Jamie
Hallo Jamie,

ich denke, du hast völlig recht. Es geht mir seit Februar schon nicht gut und seit Mai auffällig schlecht, aber ich wollte unbedingt durchhalten und keine Schwäche zeigen. Völlig deplatzierter Ehrgeiz, nicht wahr?

Wenn du von wieder eindosieren sprichst, wäre dann deiner Meinung nach eher eine Dosis von Februar/März, sinnvoll, als es mir noch besser ging, oder wäre der Schritt zu hoch auf einmal?

1.3.2020 0.015g (Herzrhythmusstörungen als neues Symptom)

Von der Menge her entspräche das in etwa der doppelten Dosis von heute, also ca 4mg.

Liebe Grüße Tina
Nov. 2010 zuerst 50mg, dann auf 100mg Sertralin erhöht. Eindosierung in der Klinik. Diagnose Somatisierungsstörung, leichte Depression und Angststörungen

Mai 2011 Reduzierung auf 50mg Sertralin -
Einnahme unverändert bis April 2014 ohne Probleme

April 2014 - Juni 2014 schnelles Absetzen wg. Schwangerschaft von 50mg auf 0 - problemlos, vermutlich maskiert durch die Hormone

Februar 2016 Eindosierung 25mg Sertralin wg. Instabilität und vermeintlicher Rückkehr der ursprünglichen Depression

März 2016 Erhöhung auf 50mg Sertralin

Anfang April 2018 Absetzversuch
Start Reduzierung auf 25mg Sertralin
Mitte April 2018 Reduzierung auf 12.5mg Sertralin
Anfang Mai 2018 Reduzierung auf 0

Mitte Juli 2018 Zusammenbruch wg. Kaltentzugs. Extreme Kopfschmerzen, Derealisation, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, schlechte Laune, extreme Müdigkeit, Antriebslosigkeit
Eindosierung auf 50mg Sertralin

August 2018 Reduzierung auf 25mg Sertralin

September 2018: Start Langzeitentzug
mit der Wiegemethode
Ausgangswert 25mg Sertralin aka 0.077g

20.9.2018 0,0693g
7.11.2018 0,062g
26.12.2018 0.055g
4.2.2019 0.050g
18.3.2019 0.045g
29.4.2019 0.040g
(1oder 2x Zwischenschritte nicht notiert)
22.7.2019 0.030g (Reizblase als neues Symptom)
26.8.2019 0.025g
13.9.2019 0.027g wieder etwas hochdosiert, da massive Schlafprobleme auftraten
14.10.2019 0.024g
18.11.2019 0.021g
23.12.2019 0.019g
28.1.2020 0.017g
1.3.2020 0.015g (Herzrhythmusstörungen als neues Symptom)
4.4.2020 0.013g
5.5.2020 0.011g (3.57mg)
1.6.2020 0.010g (3.25mg) (Kopfschmerzen täglich)
1.7.2020 0.009g (2.92mg) (Magnesium, Kaliumeinnahme wegen Herzrhythmusstörungen)
1.8.2020 0.008g (2.60mg)

Seit März 2020 vermehrt Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. etwas hochdosieren oder länger auf dieser Dosis bleiben?

21.9.20 0.007g (2.15mg) schlimme Gedächtnisprobleme, tlw. Desorientierung, Wortfindungsstörungen, Schlafprobleme beim durchschlafen

24.9.2020 0.009g
25.9.2020 0.010g

30.9.2020 eindosieren auf 0.015 g, seit Tagen spät. 1 Std. nach dem einschlafen wach. Müde, erschöpft, unkonzentriert, vergesslich, Gefühl ausgebrannt zu sein, private Sorgen der letzten Monate nehmen überhand, abends 0.5mg Temesta

1.10.2020 klarer im Kopf, entspannter, klare Besserung des Zustands. Ob von der Erhöhung oder vom Benzo ist unklar

7.10.2020 Erhöhung auf 0.015 beibehalten. Seit 4 Tagen Easy Sleep Tee abends. Schlaf hat sich deutlich verbessert. Allgemeinbefinden ist gut

10.10.20 Erhöhung auf 0.018g. weiterhin easy sleep Schlaftee. Schlaf hat sich verbessert, ist aber weit weg von normal. Stimmung besser, aber nicht gut.

17.10.20 zu den Durchschlaf sind jetzt auch Einschlafstörungen dazu gekommen.tagsüber erschöpft, müde, reizbar, Gedankenkarusell
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Jamie »

Hallo Tina, :)

nein ich meinte damit, von den 2,15mg zurück zu gehen auf die Dosis davor (2,60mg).
Und dann schauen, ob das ausreicht.
Völlig deplatzierter Ehrgeiz, nicht wahr?
Im Entzug definitv ja ;). Der Körper lässt sich nicht erpressen, der macht einfach :haha: , wenn ihm das Tempo nicht passt.


Grüße
Jamie

---
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Nennt mich Tony »

Hallo Jamie,

danke, dass du dir die Mühe machst so schnell zu antworten. Ich werde das auf alle Fälle versuchen und sehen, ob das genügt.

Liebe Grüße Tina
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Mai 2011 Reduzierung auf 50mg Sertralin -
Einnahme unverändert bis April 2014 ohne Probleme

April 2014 - Juni 2014 schnelles Absetzen wg. Schwangerschaft von 50mg auf 0 - problemlos, vermutlich maskiert durch die Hormone

Februar 2016 Eindosierung 25mg Sertralin wg. Instabilität und vermeintlicher Rückkehr der ursprünglichen Depression

März 2016 Erhöhung auf 50mg Sertralin

Anfang April 2018 Absetzversuch
Start Reduzierung auf 25mg Sertralin
Mitte April 2018 Reduzierung auf 12.5mg Sertralin
Anfang Mai 2018 Reduzierung auf 0

Mitte Juli 2018 Zusammenbruch wg. Kaltentzugs. Extreme Kopfschmerzen, Derealisation, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, schlechte Laune, extreme Müdigkeit, Antriebslosigkeit
Eindosierung auf 50mg Sertralin

August 2018 Reduzierung auf 25mg Sertralin

September 2018: Start Langzeitentzug
mit der Wiegemethode
Ausgangswert 25mg Sertralin aka 0.077g

20.9.2018 0,0693g
7.11.2018 0,062g
26.12.2018 0.055g
4.2.2019 0.050g
18.3.2019 0.045g
29.4.2019 0.040g
(1oder 2x Zwischenschritte nicht notiert)
22.7.2019 0.030g (Reizblase als neues Symptom)
26.8.2019 0.025g
13.9.2019 0.027g wieder etwas hochdosiert, da massive Schlafprobleme auftraten
14.10.2019 0.024g
18.11.2019 0.021g
23.12.2019 0.019g
28.1.2020 0.017g
1.3.2020 0.015g (Herzrhythmusstörungen als neues Symptom)
4.4.2020 0.013g
5.5.2020 0.011g (3.57mg)
1.6.2020 0.010g (3.25mg) (Kopfschmerzen täglich)
1.7.2020 0.009g (2.92mg) (Magnesium, Kaliumeinnahme wegen Herzrhythmusstörungen)
1.8.2020 0.008g (2.60mg)

Seit März 2020 vermehrt Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. etwas hochdosieren oder länger auf dieser Dosis bleiben?

21.9.20 0.007g (2.15mg) schlimme Gedächtnisprobleme, tlw. Desorientierung, Wortfindungsstörungen, Schlafprobleme beim durchschlafen

24.9.2020 0.009g
25.9.2020 0.010g

30.9.2020 eindosieren auf 0.015 g, seit Tagen spät. 1 Std. nach dem einschlafen wach. Müde, erschöpft, unkonzentriert, vergesslich, Gefühl ausgebrannt zu sein, private Sorgen der letzten Monate nehmen überhand, abends 0.5mg Temesta

1.10.2020 klarer im Kopf, entspannter, klare Besserung des Zustands. Ob von der Erhöhung oder vom Benzo ist unklar

7.10.2020 Erhöhung auf 0.015 beibehalten. Seit 4 Tagen Easy Sleep Tee abends. Schlaf hat sich deutlich verbessert. Allgemeinbefinden ist gut

10.10.20 Erhöhung auf 0.018g. weiterhin easy sleep Schlaftee. Schlaf hat sich verbessert, ist aber weit weg von normal. Stimmung besser, aber nicht gut.

17.10.20 zu den Durchschlaf sind jetzt auch Einschlafstörungen dazu gekommen.tagsüber erschöpft, müde, reizbar, Gedankenkarusell
Nennt mich Tony
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Nennt mich Tony »

Liebe Mitleser!

Vorgestern war ich bei meiner Hausärtztin, da ich tagelang kaum mehr als 1 oder 2 Stunden geschlafen habe. Zuerst wollte sie mir Trittico verschreiben, da Antidepressiva nicht abhängig machen würden und das gut zusätzliche zum Sertralin gehen würde. Ich habe dankend abgelehnt und ihr gesagt, dass ich mir sicher bin, dass AD abhängig machen, denn sonst hätte ich keine Probleme beim absetzen. Dann kam der Vorschlag ein Benzo auszuprobieren. Für ein oder 2 Tage, damit ich wieder mal aus dem Gedankenkarusell aussteigen kann.

Dem habe ich zugestimmt, weil ich echt verzweifelt bin. Ich habe das Gefühl so müde und verwirrt zu sein, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Vorgestern Abend habe ich dann das 1. Mal in meinem Leben 0.5mg Temesta genommen. Es war wie sie sagte: ein schönes, leichtes Gefühl. Die sorgen waren einen Tag lang verschwunden. Ich konnte schlafen, war tagsüber leistungsfähig, gut gelaunt, konnte klar denken.

Ich habe aber unglaublich großen Respekt vor Beruhigungsmitteln, da ich weiß, wie schnell man abhängig wird und wie furchtbar der Entzug ist.

Pflanzliche Mittel mit Hopfen, Baldrian und Melatonin (1mg) scheinen mir nicht zu helfen, also habe ich heute wieder schlecht geschlafen, bin müde und unkonzentriert.

Eines hat sich aber geändert. Ich weiß jetzt, dass mein Gehirn noch funktioniert. Dieser eine Tag Pause hat mir gezeigt, dass ich hinter der Depression noch immer die Alte bin. Es ist sowas wie das Licht am Ende des Tunnels.

Das Sertralin habe ich auf 0.015g erhöht und hoffe, dass ich damit im Laufe der kommenden Woche sowas wie Stabilität einstellt. Ich überlege auch, wieder auf 25mg zu erhöhen, sollte es nicht so sein. Das Ssri scheint mein ZNS langfristig und nachhaltig verändert zu haben. Vielleicht muss Ich das akzeptieren und eine lebenslange Einnahme hinnehmen.

Wie ihr seht, bin ich sehr unsicher im Augenblick. Ich werde mal Ende kommender Woche berichten, wie es mir geht.

Ich dank euch fürs Lesen. Lg Tina
Nov. 2010 zuerst 50mg, dann auf 100mg Sertralin erhöht. Eindosierung in der Klinik. Diagnose Somatisierungsstörung, leichte Depression und Angststörungen

Mai 2011 Reduzierung auf 50mg Sertralin -
Einnahme unverändert bis April 2014 ohne Probleme

April 2014 - Juni 2014 schnelles Absetzen wg. Schwangerschaft von 50mg auf 0 - problemlos, vermutlich maskiert durch die Hormone

Februar 2016 Eindosierung 25mg Sertralin wg. Instabilität und vermeintlicher Rückkehr der ursprünglichen Depression

März 2016 Erhöhung auf 50mg Sertralin

Anfang April 2018 Absetzversuch
Start Reduzierung auf 25mg Sertralin
Mitte April 2018 Reduzierung auf 12.5mg Sertralin
Anfang Mai 2018 Reduzierung auf 0

Mitte Juli 2018 Zusammenbruch wg. Kaltentzugs. Extreme Kopfschmerzen, Derealisation, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, schlechte Laune, extreme Müdigkeit, Antriebslosigkeit
Eindosierung auf 50mg Sertralin

August 2018 Reduzierung auf 25mg Sertralin

September 2018: Start Langzeitentzug
mit der Wiegemethode
Ausgangswert 25mg Sertralin aka 0.077g

20.9.2018 0,0693g
7.11.2018 0,062g
26.12.2018 0.055g
4.2.2019 0.050g
18.3.2019 0.045g
29.4.2019 0.040g
(1oder 2x Zwischenschritte nicht notiert)
22.7.2019 0.030g (Reizblase als neues Symptom)
26.8.2019 0.025g
13.9.2019 0.027g wieder etwas hochdosiert, da massive Schlafprobleme auftraten
14.10.2019 0.024g
18.11.2019 0.021g
23.12.2019 0.019g
28.1.2020 0.017g
1.3.2020 0.015g (Herzrhythmusstörungen als neues Symptom)
4.4.2020 0.013g
5.5.2020 0.011g (3.57mg)
1.6.2020 0.010g (3.25mg) (Kopfschmerzen täglich)
1.7.2020 0.009g (2.92mg) (Magnesium, Kaliumeinnahme wegen Herzrhythmusstörungen)
1.8.2020 0.008g (2.60mg)

Seit März 2020 vermehrt Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. etwas hochdosieren oder länger auf dieser Dosis bleiben?

21.9.20 0.007g (2.15mg) schlimme Gedächtnisprobleme, tlw. Desorientierung, Wortfindungsstörungen, Schlafprobleme beim durchschlafen

24.9.2020 0.009g
25.9.2020 0.010g

30.9.2020 eindosieren auf 0.015 g, seit Tagen spät. 1 Std. nach dem einschlafen wach. Müde, erschöpft, unkonzentriert, vergesslich, Gefühl ausgebrannt zu sein, private Sorgen der letzten Monate nehmen überhand, abends 0.5mg Temesta

1.10.2020 klarer im Kopf, entspannter, klare Besserung des Zustands. Ob von der Erhöhung oder vom Benzo ist unklar

7.10.2020 Erhöhung auf 0.015 beibehalten. Seit 4 Tagen Easy Sleep Tee abends. Schlaf hat sich deutlich verbessert. Allgemeinbefinden ist gut

10.10.20 Erhöhung auf 0.018g. weiterhin easy sleep Schlaftee. Schlaf hat sich verbessert, ist aber weit weg von normal. Stimmung besser, aber nicht gut.

17.10.20 zu den Durchschlaf sind jetzt auch Einschlafstörungen dazu gekommen.tagsüber erschöpft, müde, reizbar, Gedankenkarusell
krasiva
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von krasiva »

Hallo Tina,

herzlich willkommen auch von mir hier bei uns in Forum! :group:

Ich kenne deine Medis nicht (reduziere Neuroleptika), kenne aber Symptome die du geschildert hast sehr gut. Wegen Unkenntnis (wenn ich noch nicht in Forum gewesen bin) habe ich zunächst zu schnell reduziert. Das legte sich aber, wenn ich eine Absetzpause begann mit der kleinen Aufdosierung und allen NEM'S (nahrungsergänzungsmittel außer stibium d6, die in meiner Signatur stehen, die helfen mir stabil zu sein und nachts gut zu schlafen).
Die Pause habe ich 6 Monate eingehalten. Ab da reduziere ich jede 8 Wochen (wie mir hier vorgeschlagen wurde) und wenn mir nicht gut geht reduziere ich nicht (!!) und warte bis mir ganz gut geht.

Eines wäre mir bei alldem was du schilderst wichtig: es scheint mir, dass du dich ziemlich unter Druck setzst (mit reduzieren auch wenn dir schlecht geht und jetzt, dass du dich in einer Woche stabil fühlen muss). Das ist - meiner Erfahrungen nach - im Entzug sehr kontraproduktiv. Versuche von Tag zu Tag zu leben und in kleinen Schritten vorzugehen. Und wenn du paar Schritte schon gegangen bist (aber erst dann!!!) schaue zurück. Und belohne dich (alltäglich) für alles was du in dieser Richtung tust.

Noch eine Frage: hast du eine Methode / Technik, die dich entspannt? Manche meditieren, manche machen körperliche Übungen, die anderen malen, basteln, gärtnern, gehen spazieren... Mir hilft es sehr alltäglich mind. 1-e Std.-e auf der frischen Luft in der Natur zu sein, außerdem progressive Muskeltraining nach Jacobson.

Wichtig ist mir auch viel frisches Obst und Gemüse in der Ernährung. Das tut so gut. Zucker triggert mich z.B. sehr.
Und alltägliches Rhythmus: immer zu gleicher Zeit schlafen zu gehen und die Schalfhygiene. Nach meiner Erfahrung: wenn ich NEM's angefangen habe zu nehmen und aufdosierte, hat sich alles wieder schnell gelegt. Ich bin ohne benzos oder neuroleptika (zusätzlich) zu meinem Schlafrhythmus zurück gekommen. Es hat aber etwas gedauert.
Wichtig dabei ist auch: sehr (!!!) auf die individuelle trigger zu achten. Meiner Erfahrung nach hilft in der Entzug am meisten gewisse routine im Alltag zu haben, die man nur bisschen ab und zu verändert. Und sich viel viel Ruhe und immer wieder Pausen zu gönnen.
Wenig Reize hilft auch sehr (z.B. Computer und fernsehen Pausen, Geräusche Pausen - z.B. computer und fernsehen ohne ton... - sehr gut sind auch die Zeiten ganz ohne Gerüsche und computer oder Fernseher z.B. für paar Wochen - wenn man das paar Wochen durchgezogen hat merkt man den Unterschied z.B.).

Ich hoffe, ich könnte dir etwas helfen. Und bitte, übe dich in Geduld und gebe nicht auf. Das wird schon.

Herzliche Grüße,

krasiva :)
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Nennt mich Tony
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Nennt mich Tony »

Hallo ihr Lieben!

Ich bin sooooo müde. Es war eigentlich mein ganzes Leben lang so, dass egal wie schlecht es mir ging, ich immer schlafen konnte. Was für ein Segen das war, merke ich erst jetzt.

Ich schlafe seit Wochen kaum mehr. Ich bin nach spät. 90min munter und wälze mich die halbe Nacht hin und her und kann kaum wieder einschlafen. Der Wecker ist unbarmherzig und klingelt dennoch um 6h morgens. Ich bin erschöpft. So richtig erschöpft. Aktuell nehme ich ca. 5mg Sertralin (0.018mg der Ausgangsdosis) und überlege nochmal aufzudosieren auf ca. 10mg. Meint ihr bringt das was?

Ich weiß nur eines, wenn ich nicht bald schlafen kann, drehe ich durch. Dazu kommt, dass ich wirklich großen privaten Stress habe. Die Belastung ist enorm. Meine Beziehung steht kurz vor dem Ende, meine behinderte Tochter macht mir Sorgen durch den Absetzprozess bin ich kaum belastbar. Alles doof zur Zeit. Ich wünsche mir einfach 8 Std. Schlaf am Stück. Es ist gefühlt Monate her, dass ich das erleben durfte. Danke fürs Zuhören!

Lg Tina
Nov. 2010 zuerst 50mg, dann auf 100mg Sertralin erhöht. Eindosierung in der Klinik. Diagnose Somatisierungsstörung, leichte Depression und Angststörungen

Mai 2011 Reduzierung auf 50mg Sertralin -
Einnahme unverändert bis April 2014 ohne Probleme

April 2014 - Juni 2014 schnelles Absetzen wg. Schwangerschaft von 50mg auf 0 - problemlos, vermutlich maskiert durch die Hormone

Februar 2016 Eindosierung 25mg Sertralin wg. Instabilität und vermeintlicher Rückkehr der ursprünglichen Depression

März 2016 Erhöhung auf 50mg Sertralin

Anfang April 2018 Absetzversuch
Start Reduzierung auf 25mg Sertralin
Mitte April 2018 Reduzierung auf 12.5mg Sertralin
Anfang Mai 2018 Reduzierung auf 0

Mitte Juli 2018 Zusammenbruch wg. Kaltentzugs. Extreme Kopfschmerzen, Derealisation, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, schlechte Laune, extreme Müdigkeit, Antriebslosigkeit
Eindosierung auf 50mg Sertralin

August 2018 Reduzierung auf 25mg Sertralin

September 2018: Start Langzeitentzug
mit der Wiegemethode
Ausgangswert 25mg Sertralin aka 0.077g

20.9.2018 0,0693g
7.11.2018 0,062g
26.12.2018 0.055g
4.2.2019 0.050g
18.3.2019 0.045g
29.4.2019 0.040g
(1oder 2x Zwischenschritte nicht notiert)
22.7.2019 0.030g (Reizblase als neues Symptom)
26.8.2019 0.025g
13.9.2019 0.027g wieder etwas hochdosiert, da massive Schlafprobleme auftraten
14.10.2019 0.024g
18.11.2019 0.021g
23.12.2019 0.019g
28.1.2020 0.017g
1.3.2020 0.015g (Herzrhythmusstörungen als neues Symptom)
4.4.2020 0.013g
5.5.2020 0.011g (3.57mg)
1.6.2020 0.010g (3.25mg) (Kopfschmerzen täglich)
1.7.2020 0.009g (2.92mg) (Magnesium, Kaliumeinnahme wegen Herzrhythmusstörungen)
1.8.2020 0.008g (2.60mg)

Seit März 2020 vermehrt Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. etwas hochdosieren oder länger auf dieser Dosis bleiben?

21.9.20 0.007g (2.15mg) schlimme Gedächtnisprobleme, tlw. Desorientierung, Wortfindungsstörungen, Schlafprobleme beim durchschlafen

24.9.2020 0.009g
25.9.2020 0.010g

30.9.2020 eindosieren auf 0.015 g, seit Tagen spät. 1 Std. nach dem einschlafen wach. Müde, erschöpft, unkonzentriert, vergesslich, Gefühl ausgebrannt zu sein, private Sorgen der letzten Monate nehmen überhand, abends 0.5mg Temesta

1.10.2020 klarer im Kopf, entspannter, klare Besserung des Zustands. Ob von der Erhöhung oder vom Benzo ist unklar

7.10.2020 Erhöhung auf 0.015 beibehalten. Seit 4 Tagen Easy Sleep Tee abends. Schlaf hat sich deutlich verbessert. Allgemeinbefinden ist gut

10.10.20 Erhöhung auf 0.018g. weiterhin easy sleep Schlaftee. Schlaf hat sich verbessert, ist aber weit weg von normal. Stimmung besser, aber nicht gut.

17.10.20 zu den Durchschlaf sind jetzt auch Einschlafstörungen dazu gekommen.tagsüber erschöpft, müde, reizbar, Gedankenkarusell
Sabs
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Sabs »

Hi,

Puuh, du bist ja furchtbar belastet, das tut mir leid :-(

Das Problem mit sertalin ist, dass es antriebssteigernd wirkt - bei mir war es beispielsweise so, dass ich nach Kaltentzug auf mein Medi plötzlich ganz anders und sehr stark reagiert habe, heißt ich bekam extreme Unruhe und Früherwachen davon, obwohl ich es 11 Jahre problemlos vertrug. Eventuell hast du jetzt ein ähnliches Problem.
Wenn du trotzdem aufdosieren willst, dann AUF KEINEN FALL so massiv auf einmal, taste dich mg für mg ran.

Gruß Sabs
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Straycat
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Re: Nennt mich Tony: Sertralin Langzeitentzug

Beitrag von Straycat »

Hallo Tina,

ich muss zugeben, ich blicke bei deiner Signatur leider nicht wirklich durch :-o
Die Angaben mit Gramm und mg - was ist da jetzt aktuell?

In der Signatur sollten vor allem die mg-Angaben des Medikaments stehen.
Wenn du bzw. von einer 10mg Tablette die Hälfte einnimmst, sollte in der Signatur dann 5mg stehen. Verstehst du?
Sonst ist es schwierig nachzuvollziehen, wieviel mg des Wirkstoffs du derzeit einnimmst. Das Tablettengewicht stimmt ja logischerweise nicht mit der mg-Anzahl in der Tablette überein. Und deswegen ist das Tablettengewicht für das Absetzen auch eher zweitrangig. Aussagekräftig ist nur die mg-Anzahl.

Aus deinem letzten Post entnehme ich, dass du derzeit 5mg Sertralin einnimmst. Ich würde es an deiner Stelle nicht verdoppeln auf 10mg. Einerseits wäre die Dosissteigerung sehr groß (+100%), was das ZNS meistens nur noch mehr reizt. Andererseits kann Sertralin, wie Sabs :) schrieb, antriebssteigern wirken, also würde eine Dosissteigerung vielleicht eher das Gegenteil bewirken (also nicht zu mehr und besserem Schlaf führen).

Schlafprobleme können einerseits Absetzsymptome sein, aber wenn ich lese, wie belastend deine Situation derzeit ist (Stress in der Beziehung und mit deiner Tochter), dann würde es mich nicht wundern, wenn sich auch das negativ auf deinen Schlaf auswirkt.
Wir haben einen Thread zum Thema Schlafprobleme. du findest ihn im "Was finde ich wo?" Thread unter S wie Schlaf verlinkt. Vielleicht findest du dort ja auch hilfreiche Tipps?

Alles Gute,
Cat
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