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dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

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dercoach
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Re: dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

Beitrag von dercoach »

Hallo Foxly und Finchen,

vielen Dank für eure Hinweise und Anregungen! In guten Phasen kann ich das auch sehr gut umsetzten, aber in schlechten weiß ich einfach überhaupt nicht mehr weiter...

Ich erkenne auch einfach keine Zusammenhänge, wann es gut ist und wann schlecht. Zum Beispiel sitze ich in einem Seminar was über ein paar Stunden geht: Während des Seminares gibt es Phasen, da geht es mir gut ich hab nicht dieses Bauchgefühl und kann mich super drauf konzentrieren und dann auf einmal wieder nicht, alles bricht zusammen ich würde am liebsten nur noch raus und heulen. Das kann dann ein paar mal in den Stunden wechseln, obwohl doch die Situation immer das gleiche ist.

Ich hab immer wieder die Vermutung, dass in meinem Körper etwas abläuft was es antriggert, weil sonst kann ich mir diese unerklärlichen komplett Beschwedefreien-Momente kaum erklären. Beim Arzt kam jedoch nur Testosteronmangel (der sich langsam wieder steigert) und Vitamin D Mangel heraus - die restlichen Werte sehen gut aus, natürlich weiß ich aber nicht welche Werte vielleicht doch noch relevant sein könnten...

Gestern hatte ich zum Beispiel einen sehr durchwachsenen Morgen und Vormittag, ich hab mich schon darauf eingestellt das es wieder ein Horrortag wird...und dann ganz unverhofft hat sich die Stimmung einfach so aufgehellt, ich hab mein Fahrrad genommen und hab das so genossen. Vielleicht beneiden mich jetzt einige weil es vermeintliche Fenster sind, aber ich hab das Gefühl, dass dieser ständige Wechsel ohne irgendwelche Einflussmaßnahmen verrückt macht - mir wär eine langsame stetige Verbesserung lieber - ist das sonst nicht so?

Alles Gute euch!

Dercoach
04/2017 - 1 Panikattacke und Entwicklung zur Angststörung
08/2018 - 10 mg Escitalopram
02/2019 - 04/2019 Wochenweise Reduktion um 1 mg auf 1mg
04/2019 - 08/2019 1mg
08/2019 - sofortiges hoch dosieren auf 10mg (Zusammenbruch aufgrund neuem Job in neuem Land)
08/2019 - 03/2020 - 10mg
03/2020 - 06/2020 - 7,5 -> 5 -> 2,5 -> 0 mit der Methode ein Tag nehmen, den nächsten nicht (von Psychiater empfohlen).

Erste Woche nach dem Absetzten fühle ich mich klar und beinahe wie vor der ganzen Thematik. Aber nach einer Woche:

-schwer depressive Phase, Verzweiflung, unerträgliche innere Unruhe, Verzweiflung, Zwangsgedanken, Wut, Stimmungsschwankungen

Dann auf einmal Ruhe (wohl das erste Fenster) für ca. 3 Tage, so glücklich, gelassen und klar wie noch nie. Kurz darauf kompletter Einbruch.
Ululu
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Re: dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

Beitrag von Ululu »

Hallo Dercoach,

Ich verstehe gut, dass dich dieses Auf und Ab nervt und du versuchst, Gründe dafür zu finden.

Leider ist aber gerade dieser extrem wechselhafte Verlauf absolut typisch für Absetzsymptome.
Das kennen fast alle hier so.

In der Regel wird bei körperlichen Untersuchungen auch absolut nichts gefunden. :?
Worüber man ja eigentlich froh sein sollte. :wink:

Dein Gehirn baut sich gerade um, heilt sich quasi selbst und da das Gehirn nahezu alle Prozesse steuert, können eben auch die unterschiedlichsten Symptome auftreten.

Viele glauben dann, dass sie schwer krank sind, weil es sich auch definitiv so anfühlt. Die gute Nachricht ist aber, dass Absetzerscheinungen nicht lebensbedrohlich sind, auch wenn man das oft meinen könnte bei der Heftigkeit mit der sie auftreten können.

Ein Seminar, bei dem man konzentriert sein muss, ist für dein Gehirn übrigens ganz sicher Stress. Eine Zeitlang kann dein Gehirn das wohl schon wieder leisten, was an sich schon eine gute Leistung ist, wenn man unter Absetzsymptomen leidet
Irgendwann kommt dann quasi der Overkill und dein Gehirn wehrt sich und kann nicht mehr "normal" arbeiten.

Das wird sich legen, nach und nach und eben oft in Wellen. Ich denke aber, du bist auf einem guten Weg.
Es braucht halt Geduld und das ist verdammt schwer, ich kenne das.
:)

LG Ute
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dercoach
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Re: dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

Beitrag von dercoach »

Hallo Ute,

Danke für deine Nachricht - Ja für mich so schwer zu verstehen, weil ich bin ehrlich - ich befinde mich gerade in einer Psychotherapeutischen Ausbildung und jeder Dozent oder Lehrbuch spricht eher von langsamen Besserungen bei Erkrankungen. Vielleicht da als kleiner Sidefact: einer unserer Dozenten sagt immer, wenn er eine Depression bekommen würde, würde er sich lieber mit der Krampftherapie behandeln lassen als jemals PP zu nehmen...das sagt schon einiges...

Gut, wenn man aber von der Absetzthematik ausgeht, liegt ja auch keine wirkliche Erkrankung (mehr) vor - schwierig das abzugrenzen nimmt man aber den klassischen ICD zur Hand, müssen Symptome ja auch über eine bestimmte Zeit konstant auftreten...

Lg dercoach
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Erste Woche nach dem Absetzten fühle ich mich klar und beinahe wie vor der ganzen Thematik. Aber nach einer Woche:

-schwer depressive Phase, Verzweiflung, unerträgliche innere Unruhe, Verzweiflung, Zwangsgedanken, Wut, Stimmungsschwankungen

Dann auf einmal Ruhe (wohl das erste Fenster) für ca. 3 Tage, so glücklich, gelassen und klar wie noch nie. Kurz darauf kompletter Einbruch.
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Re: dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

Beitrag von Ululu »

Hallo Dercoach,
dercoach hat geschrieben: 19.11.2020 18:44 Gut, wenn man aber von der Absetzthematik ausgeht, liegt ja auch keine wirkliche Erkrankung (mehr) vor - schwierig das abzugrenzen nimmt man aber den klassischen ICD zur Hand, müssen Symptome ja auch über eine bestimmte Zeit konstant auftreten...
Das ist ein Irrglaube. :wink: Absetzsymptome haben sehr wohl eine körperliche Ursache. Sind also quasi eine "echte" Krankheit. :o
Sie entstehen ja durch ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn, das dadurch ausgelöst wird, dass man Stoffe, die auf dieses System eingewirkt haben, weg lässt.
Durch Neuroadaption hat sich das Gehirn an diese Stoffe "gewöhnt" und kommt nun durcheinander.
:(
Leider wird das nur nicht anerkannt, weil man das nicht wirklich nachweisen kann, ohne den armen Menschen im Gehirn herumzubohren.
Deswegen gibt es auch keinen ICD.
dercoach hat geschrieben: 19.11.2020 18:44 einer unserer Dozenten sagt immer, wenn er eine Depression bekommen würde, würde er sich lieber mit der Krampftherapie behandeln lassen als jemals PP zu nehmen...
So weit würde ich nicht gehen. :shock: aber man sollte schon wissen, worauf man sich mit den Medikamenten einlässt. Sie können nicht heilen, im besten Fall Symptome deckeln und sind oftmals sehr schwer wieder los zu werden. Zudem sind sie nicht für eine Langzeiteinnahme gedacht und sind nach langer Einnahmezeit noch schlechter abzusetzen.

Das sollte jeder Patient wissen, wenn man ihm solche Medikamente verordnet. In meinen Augen liegt eben da das Problem.

LG Ute
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Re: dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

Beitrag von Jamie »

Hallo, :)

doch es gibt mittlerweile einen ICD Code, allerdings verklausuliert.
Ich kenne eine gut informierte Patientin, die es sich mit großer Beharrlichkeit "herausdiskutiert" hat, ihn auch bestätigt zu bekommen.
Um zu zeigen, dass nicht sie "psychisch krank" ist, sondern krank gemacht worden ist.

Ich selber hätte gar nicht die Kraft dazu gehabt da ellenlang zu diskutieren und mir war irgendwann auch die Diagnose egal, aber ich finde es gut und wichtig.
Y88.0
Folgezustände nach Verabreichung von Arzneimitteln, Drogen und biologisch aktiven Substanzen, die bei therapeutischer Anwendung unerwünschte Nebenwirkungen verursachten
https://www.dimdi.de/static/de/klassifi ... 85-y89.htm

Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


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Re: dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

Beitrag von dercoach »

Hallo zusammen,

dieses flaue Gefühl im Magen begleitet mich leider weiterhin und löst immer wieder die Gedankenspiralen „ich halte das nicht mehr aus“ oder „das wird nie wieder besser“, dann steuere ich immer geradewegs auf die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Die vermeintlichen Fenster haben sich jetzt auch eher rar gemacht und wurden durch komische Gedankengänge ersetzt, die besonders vor dem Einschlafen ablaufen. Gedanken die garkeinen Sinn ergeben und wild gewürfelt sind, so als würde mein Bewusstsein schon abschalten und das Gehirn arbeitet weiter mit irgendwelchen Assoziationen. Macht mir durchaus Angst besonders auf den Bezug „werde ich jetzt wirklich verrückt“...

Auch die Corona Situation macht mir zu schaffen, mein Antrieb ist eigentlich ausgeprägt, aber man kann nichts wirklich machen gehen und seine soziale Kompetenzen zu trainieren. Man fühlt sich durchaus langsam einsam....

Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr seid auf eurem richtigen Weg!

Grüße! Euer Coach
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Re: dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

Beitrag von Straycat »

Hallo dercoach,

Keine Sorge, du wirst nicht verrückt!
Dieses "Katastrophisieren" ist leider sehr typisch für den Entzug und kennen hier viele. In jeder Welle denkt man dann, dass es nie besser wird.

Mir hilft dagegen Tagebuch schreiben, damit ich sehe, dass nach jeder Welle irgendwann auch wieder ein Fenster kam und kommen wird :hug:

Alles Gute,
Cat
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Re: dercoach: Escitalopram - Kaltentzug oder wieder eindosieren

Beitrag von dercoach »

Hallo zusammen,

ich wollte mich mal wider melden!

Ich habe fast eine Woche lang ein Fenster gehabt und hatte sehr viel Schub in meiner Selbständigkeit zu arbeiten. Hab viele neue Projekte angestoßen und weiterentwickelt, bin auch sehr viel auf Social Media tätig. Ich danke Gott dafür, dass ich ein paar Tage so erleben durfte (auch wenn ich nicht an Gott glaube :roll: :roll: :roll:

Die Ablenkung und Erfolgserlebnisse während der Arbeit haben mir wohl dieses Fenster beschert. Vielleicht konnte ich aber auch nur wegen dem Fenster, die Dinge endlich wieder angehen. Leider muss ich aber sagen, dass meine Arbeit nicht rentabel ist und mich das jedes Mal heftig nach unten zieht - so auch wieder dieses Mal...Ich denke: „Wow das wird den Kunden gefallen!“. Tatsächlich gefällt es den Kunden auch, aber sie sind nicht bereit dafür zu bezahlen, weil andere es kostenlos anbieten. Ich biete Online-Kurse an...

Auf einmal stellt man alles in Frage, ist verzweifelt und fragt sich, warum man diese ganze :censored: seit Jahren überhaupt mitmacht. Ich hab zwar ein Ingenuiersstudium in der Tasche, traue mir aber kein Bürojob mehr zu, denn dort hat alles angefangen: Panikattacken, Ängste und Depression. Ich hab Angst das eine Anstellung es noch schlimmer wieder macht.

Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll. Ich kenn mich nicht, weiß nicht was ich möchte, was meine Leidenschaft ist, was mir gut tut. Ich hab das Gefühl nur noch zu existieren und versuche jeden Tag zu überstehen.

Vielleicht hat der ein oder andere einen Denkanstoß für mich ...

Danke Euer
Dercoach
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