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samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

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samadhi
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samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

Beitrag von samadhi »

Hallo liebe ADFD Member,

Ich nenne mich hier einfach mal Theo. Zuersteinmal möchte ich mich schonmal bedanken. Es ist nun schon ein Weile her, dass ich dieses Forum entdeckt habe und im Stillen mitlese. Auf der einen Seite ist es hart, plötzlich damit konfrontiert zu werden, wie schmerzvoll und langwierig der Prozess des Loskommen von PP für einen gewissen Prozentsatz an Menschen doch sein kann ( etwas, was mir nie in den Sinn gekommen wäre, bis es mich dann nun scheinbar selber erwischt hat). Auf der anderen Seite ist es beruhigend zu sehen, dass man nicht alleine ist und auch die doch durchaus zahlreich vorhandenen Erfolgsgeschichten geben Grund zur Hoffnung. Zudem ist mir durch die vielen Informationen, die ich in kurzer Zeit hier gewonnen habe, bereits so eines klargeworden im Hinblick auf meinen Zustand in der Vergangenheit und meine nun doch recht akute Problematik. Da ich hier nun doch recht viel geschrieben habe. Wer sich nicht unbedingt die Zeit nehmen will meine ganze Vorgeschichte zu lesen, kann auch einfach beim zweiten Absatz einsteigen, in welchem ich auf meine aktuelle Situation eingehe und wo auch meine eigentliche Fragestellung liegt :)

Vorgeschichte
Ich bin 27 Jahre alt und nehme nun bereits seit über 5 Jahren Antidepressiva. Los ging es im März 2015 mit einem zwölfwöchigen Klinikaufenthalt nach einer ausgeprägten Lebenskrise, welche mich in eine tiefe Depression gestürzt hat. Im Rahmen der Behandlung wurde ich auf 60mg Cymbalta bzw. Duloxetin eingestellt. Ich muss sagen, dass ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass mir die Medikation sehr geholfen hat. Einerseits dabei die damals recht akute Krise zu überwinden, andererseits aber auch dabei allgemein fester im Leben zu stehen. Ich hatte immer schon einen Hang dazu, stark in Wellen zu funktionieren, mit phasenweiser Antriebs u. Hoffnungslosigkeit sowie Angstzuständen, was mich zwar nie sonderlich gestört hat, womit ich mir jedoch auch schon häufig selber im Weg gestanden habe.

Durch die Einnahme der 60mg Cymbalta, welche ich also auch nach abklingen meiner akuten Symptomatik in der Klinik beibehielt, fühlte ich mich nun lange Zeit deutlich resilienter gegenüber äußerem und emotionalem Stress und allgemein stärker. Ich konnte zwar merklich feststellen, dass ich irgendwo einfach nur abgestumpft war ( was es auch schwer machte tatsächliche Freude zu empfinden ), jedoch war dies ein Preis den ich bereit war zu zahlen. Zu groß war die stetige Angst nach Absetzen der Medikamente wieder in ein Loch zu fallen und diesen Zustand der emotionalen Stabilität, welchen ich so nie kannte, aufs Spiel zu setzen. Zumal ich nach meinem Klinikaufenthalt einen ziemlichen Lauf hatte. Ich konnte mein Bachelorstudium, trotz eines durch die Behandlung verlorenen Semesters, sehr erfolgreich abschließen. Habe mehrere sehr aufwühlende Ereignisse ohne größere Krise durchgestanden und bin inzwischen für ein Masterstudium nach Portugal gezogen, wo ich nun schon seit zwei Jahren lebe.

Für mich hat Cymbalta (gefühlt) also immer das getan was es sollte. Dies war selbst der Fall, nachdem mein behandelnder Psychiater Mitte 2018 die Dosis von 60mg ohne Übergang auf 30mg reduzierte. Mir ging es weiterhin gut und sogar noch etwas besser als normal, da die leichte Anorgasmie, welche bei mir stets die einzige bewusst empfundene Nebenwirkung von Cymbalta darstellte, deutlich nachliess. Ende 2018 bin ich dann also für mein weiteres Studium ins Ausland gezogen. Hier ging es mir dann nur zunehmend besser und ich fühlte mich erstmals seit Jahren schlichtweg angekommen und glücklich. Psychisch erkrankt zu sein war für mich, abgesehen von der Tatsache, dass ich nach wie vor Medikamente nahm, also kein wirkliches Thema mehr. Ich fühlte mich nun gut genug aufgestellt, um meinem langjährigen Begleiter Cymbalta den Rücken zu kehren, wenn auch vorsichtig. Ich ließ mir also ab Ende 2019 Cymbalta nun nur noch in der Dosierung 20mg verschreiben, mit dem Vorhaben, das Medikament nach einer Weile auf der kleinsten erhältlichen Dosis ganz wegzulassen.

Hier begannen jetzt die Probleme, auch wenn mir das auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war. Ich hatte bereits in 2019 ständig mit Infekten zu kämpfen und mit einer Verschlimmerung meiner Psoriasis/Psoriasis Arthritis . Diese Tendenz steigerte sich ab Anfang 2020 in unermessliche. Ich war oder fühlte mich ständig krank. Meine Haut sah furchtbar aus und ich hatte ständig mit Gelenkschmerzen zu kämpfen. Dazu kamen immer wieder phasenweise starke Magenprobleme, Übelkeit, Schmerzen in der Brust und extreme Schlaflosigkeit. Zudem hatte ich wieder sehr häufig mit Panikattacken und Angstgefühlen zutun.

Eine Problematik mit der ich zwar schon in Teenagerjahren zutun hatte, von der ich aber ab einem gewissen Zeitpunkt nahezu komplette Ruhe hatte. Ich wurde wieder depressiv, da es mir von meinen Lebensumständen her eigentlich soweit sehr gut ging, mein Körper aber einfach nicht mitziehen wollte. Ich fühlte mich zunehmend körperlich krank trotz vieler Arztbesuche in diesem Jahr und der stetigen Rückversicherung durch die behandelnden Ärzte, dass mir abgesehen von den häufigen Infekten nichts fehle.

Ich probierte vieles aus, gesunde Ernährung, Sport, alles mögliche an Vitaminen und sogar ein 12 tägiges Wasserfasten, nichts half mir wirklich nachhaltig. Irgendwann schimmerte es mir dann, eine der wenigen Stellschrauben in meinem leben, and welchen ich noch nicht gedreht hatte, war Cymbalta. Ich schoss mich extrem ein auf den Gedanken, dass das Medikament für meine Probleme verantwortlich ist. Ich beschloss die Medikation schnellstmöglich abzusetzen.

Aktuelle Situation
Im Juli habe ich also die 20mg Cymbalta nahezu kalt abgesetzt. Ich habe noch für zwei Wochen täglich die nach Gefühl halbe Menge an Kügelchen aus den Kapseln genommen. Dann für zwei Wochen jeweils täglich ein Viertel der Menge an Kügelchen. Ich wog mich auf der sicheren Seite, da ich ja grundsätzlich schon langsamer ausgeschlichen habe als offiziell empfohlen. Im Nachhinein ist mir natürlich klar, dass dies viel zu schnell war - gerade auch vor dem Hintergrund, dass die ganzen Beschwerden die ich seit Anfang des Jahres hatte, wie ich inzwischen vermute, bereits erste Entzugserscheinungen darstellten.

Während der Dosisreduktion von 20mg und die ersten Tage auf 0mg hatte ich nur leichte Beschwerden. Einige Tage Brainzaps ( welche ich durch verpasste Dosen bereits kannte), leichte Reizbarkeit, Muskelschmerzen und etwas mehr Angstgefühle. Das ganze legte sich jedoch recht schnell und mir ging es für ca. 4 Wochen wirklich ausgesprochen gut. Ich fühlte mich über den Berg und war weiter darin Bestärkt, dass die lange Einnahme von Cymbalta für meine Beschwerden verantwortlich war. Ab der fünften Woche auf 0mg ging es dann schleichend los mit Magen-Darm Problemen, Muskelschmerzen, vermehrter Angst, Gefühlen von Depersonalisation bzw. neben sich stehen und Gedächtnisproblemen.

Ab Woche 6 steigerte sich das ganze noch einmal deutlich zu einer absoluten Hölle. Depersonalisation und Brain Fog zu dem Punkt, dass es mir schwer viel einfachsten Konversationen zu folgen, extreme Angst und Panikattacken, starke depressive Gedanken, wie ich sie bis dato noch nicht kannte, und ( am unerträglichsten) das permanente Gefühl keine Luft zu bekommen. Es wurde dann weiter so schlimm, dass ich am 16.09. eine befreundete Ärztin in Deutschland anrief, welche mir spontan riet Cymbalta wieder einzunehmen.

Ich begann sofort mit der Medikation, und siehe da, mir ging es bereits am nächsten Tag absolut normal und ich war plötzlich nahezu euphorisch. Dieser Zustand hielt für ca. 5 Tage an. Dann ging es wieder schleichend los mit Kopfschmerzen, extremer Übelkeit, Stimmungsschwankungen. Ich hielt dies Zunächst für die typischen Symptome bei erstmaliger Einnahme von PP. Mein Körper war ja nun doch eine ganze Weile ohne Medikamente.

Im Verlauf einiger Tage wurde die Symptomatik deutlich ausgeprägter. Übelkeit und Kopfschmerzen gingen zwar zurück, jedoch schlugen die kognitiven Symptome voll ein und steigerten sich zunehmend. Ich habe nun gerade mit erheblichen Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen zu kämpfen, extremem Schwindel und dem starken Gefühl von Depersonalisation, in Wellen, über ca. 70% des Tages. Sämtliche Aktivitäten, welche über im Bett liegen hinausgehen, kosten extrem viel Kraft. Ich habe mich noch nie so erlebt und erkenne mich selbst nicht wieder. Den einen Tag habe ich im Supermarkt plötzlich komplett die Orientierung verloren. Ich gehe soweit zu sagen, dass die Symptomatik aktuell sogar schlimmer ist als auf 0mg Cymbalta ( abgesehen davon, dass die extremen Gefühle von Depression und Verzweiflung ausbleiben - wenigstens das scheint dieses `Medikament´zu verhindern.)

Was mir zudem auffällt ist, dass es mir morgens die ersten Stunden tatsächlich ganz gut geht. Ich nehme dann gegen 10 oder 11 meine 20mg Tablette und 2 bis 3 Stunden später geht das starke Gefühl neben sich zu stehen los. Könnte es sein, dass die Entscheidung nach 6 Wochen Entzug auf meiner alten Dosis einzusteigen falsch war, und das 20mg jetzt einfach viel zu viel für mein Gehirn und das ZNS sind? Ich mache mir wirklich große Sorgen, dass ich mich jetzt bereits im protrahierten Entzug befinde und eine ganze Weile mit diesem Zustand leben muss. Weiterhin frage ich mich, ob meine aktuelle Dosis nicht einfach zu viel ist und es nicht besser gewesen wäre, es vielleicht erst mit 5 oder 10mg probiert zu haben zum stabilisieren. Wäre das vielleicht eine Möglichkeit einfach nochmal weniger zu nehmen und zu schauen wie es dann geht, oder wäre das zu viel für meinen Körper, nachdem ich nun schon wieder seit gut 3 Wochen auf 20mg bin?

Ich bin für jegliche Hilfe und Ratschläge dankbar. Ich bin wirklich verzweifelt, da mein klarer Verstand und mein Intellekt stets mein Kapital waren und ich nun aber kaum noch geradeaus denken kann, geschweige den komplexe Tätigkeiten ausführen. Dies ist umso schlimmer dadurch, dass ich vor 3 Monaten die einmalige Chance bekommen habe hier ein Promotionsstudium aufzunehmen, welches in zwei Wochen beginnt. Ich mache mir extreme Vorwürfe, dass ich mir durch dieses spontane `Absetzexperiment´ nun unter Umständen meine nähere Zukunft verbaut habe. Mit einigen Symptomen würde ich ja zurecht kommen, dieser stetige Nebel im Kopf wirft mich jedoch leider komplett aus der Bahn.

Ich weiß ich habe hier nun ziemlich viel geschrieben, mir war es jedoch auch wichtig - allein schon, um mich aus Gründen der Höflichkeit umfassend vorzustellen - an dieser Stelle ein detailliertes Bild abzuliefern.
Nochmals vielen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben um sich mit meinem Text auseinanderzusetzen.

Liebe Grüße und alles Gute
Theo
Zuletzt geändert von padma am 06.10.2020 13:07, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel um Benutzernamen und Wirkstoffnamen ergänzt, Leerzeilen der besseren Lesbarkeit wegen, eingefügt
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Re: samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

Beitrag von Towanda »

Hallo samadhi,

willkommen im ADFD.

Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum:

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Im Forum ist der Selbsthilfeaspekt zentral. Es ist sehr wichtig, dass du dich bemühst, dir selbstständig die wichtigsten Informationen anzueignen. Wenn du in den nachfolgenden Verlinkungen nicht fündig wirst, benutze bitte auch die Suchfunktion (rechts oben auf der Seite - Lupensymbol).

Bitte beachte, dass im Forum keine medizinischen Ratschläge gegeben werden. Du entscheidest dich selbstverantwortlich, ob du etwas von den Erfahrungen anderer Betroffener umsetzen möchtest.

Auch Teammitglieder sind keine medizinischen oder psychologischen "Berater", "Profis", "Fachleute" oder "Experten"! Wie alle anderen Teilnehmer auch, sind sie selbst Betroffene oder Angehörige und beteiligen sich, soweit es ihre Kräfte zulassen, am Austausch und geben Erfahrungen weiter.

Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva und Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen

Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.

Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen

Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen Umgang mit dem Entzug und Gesundheit.

Eine Übersicht über ausgewählte Themen findest du unter Was finde ich wo im Forum? Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "hallo" zu beginnen und einem Gruß zu beenden.
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Wenn du Kraftausdrücke verwenden willst, benutze dafür bitte den censored smiley, also z.B. sch :censored: Beachte bitte auch unsere Regeln.

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Es kann etwas dauern, bis du eine persönliche Antwort auf dein Anliegen bekommst, bitte habe dann etwas Geduld.

Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Dein Thread befindet sich aktuell in der Rubrik "Hier bist du richtig". Sobald du im Forum "angekommen" bist, wird er von einem Moderator in die passende Rubrik Antidepressiva absetzen/ Benzodiazepine absetzen/ Neuroleptika absetzen verschoben.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,

viele Grüße,

Towanda
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27.07.20 - 0,25 mg Mirtazapin wurde kinesiologisch ausgetestet, deshalb nun ein größerer Schritt, der Test ergab, daß ich absetzen kann, habe ich mich nicht getraut
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Re: samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

Beitrag von Straycat »

Hallo Samadhi,

willkommen bei uns im Forum :)
Ich erkenne mich selbst in vielem, das du beschreibst, wieder.

Für mich klingt die Symptomatik, die du beschreibst, sehr stark nach Absetzsymptomen.
Wie du selbst schon vermutest, vermute auch ich, dass die Wiedereinstiegsdosis von 20mg zu hoch gewählt war. Auch dass sich die Symptome verstärkt nach der Einnahme des Duloxetin zeigen, spricht in meinen Augen dafür, dass die Dosis einfach zu hoch ist.

Du warst zum Zeitpunkt der Wiedereinnahme bereits 6 Wochen auf 0mg, richtig?
Diese Dosis von 20mg nimmst du nun seit 16.09. wieder ein (also fast 3 Wochen)?

Eventuell wäre es einen Versuch wert die Dosis zu reduzieren und zu schauen, ob du dich auf weniger mg besser stabilisieren kannst.
Aus dem Bauch heraus würde ich es an deiner Stelle wohl mal mit ca. 5mg probieren. Aber bei einer bereits erfolgten Wiedereindosierung, bei der die Dosis zu hoch gewählt wurde und die nun auch schon wieder 3 Wochen dauert, ist es immer schwer die richtige Dosis zu erraten, auf der sich der Betroffene dann stabilisieren kann. Denn das ZNS ist an dem Punkt häufig schon ziemlich gereizt, weshalb es schwer ist vorauszusagen, auf welcher Dosis du wieder Ruhe in dein System bringen kannst. Vielleicht schreibt auch noch jemand eine andere Meinung dazu :)
Hier findest du übrigens unsere FAQ zum Wiedereindosieren falls du sie noch nicht kennst.

Individuelle Dosierungen lassen sich bei Kügelchenpräparaten, wie Duloxetin, sehr einfach mit der Methode des Zählens der Kügelchen herstellen. Details dazu findest du in den Einführungstexten, die dir Towanda :) verlinkt hat.
Auf jeden Fall ist ein Reduzieren nach Augenmaß (wie du es in der Vergangenheit gemacht hast) nicht sehr sinnvoll, da dadurch häufig starke Dosisunterschiede zustande kommen, die dann wiederum Unruhe in das ZNS bringen. Das soll natürlich kein Vorwurf sein! Man weiß es ja leider oft nicht besser in dem Moment :(

Ich möchte dir möglichst viel Kraft für diese schwierige Zeit schicken :fly:
Alles Liebe,
Cat
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Re: samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

Beitrag von Jamie »

Guten Abend :)

Wie straycat :) schrieb, habe auch ich das Gefühl, dass die Wiedereinstiegsmenge zu hoch war / ist.

Bei 3 Wochen auf 20mg würde ich aber nicht direkt auf 5mg runtergehen, sondern Stufen einbauen.
Vielleicht 3 Tage 15mg, 3 Tage 10mg und dann auf die 5mg gehen oder falls man merkt, dass schon zwischenzeitlich etwas besser wird, pausieren und beobachten.

Es ist für Außenstehende nicht einfach, dies zu beurteilen; wir äußern uns vorrangig aufgrund von Erfahrungswerten - letztlich muss immer der Betroffene selbst in sich reinspüren, ob ein vorgeschlagener Tipp zu ihm passt.

Viele Grüße und willkommen im Forum
Jamie
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Re: samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

Beitrag von samadhi »

Guten Abend ihr Lieben,

zunächst einmal vielen lieben Dank für die schnellen Antworten, das freundliche Willkommenheißen und die netten Worte.
Das bedeutet mir wirklich sehr viel!
Straycat hat geschrieben: 06.10.2020 15:28 Du warst zum Zeitpunkt der Wiedereinnahme bereits 6 Wochen auf 0mg, richtig?
Diese Dosis von 20mg nimmst du nun seit 16.09. wieder ein (also fast 3 Wochen)?
Genau, nehme jetzt seit ca. 3 Wochen wieder die ursprünglichen 20mg. Wobei ich sagen muss, abgesehen von 3 Tagen.
Wie in meinem ersten Post erwähnt ging es mir die ersten paar Tage, nachdem ich wieder auf Cymbalta war, wirklich blendend. Dann stellten
sich aber schleichend wieder die Symptome wie beim Entzug ein. Ich dachte mir dann auch noch: `vielleicht sind die 20mg jetzt sogar zu wenig zum Stabilisieren´. Das hatte nämlich auch meine Ärztin so angedeutet, als ich nach Rücksprache mit ihr wiedereindosiert habe. Ich erhöhte dann kurz auf 40mg morgens. Mir war dann an diesen 3 Tagen allerdings derart übel, dass ich nicht essen konnte und habe über drei Nächte verteilt vielleicht 6 Stunden geschlafen. Habe da gemerkt, dass erhöhen ganz sicher der Holzweg ist und bin bei den 20mg geblieben.

Ich kam dann schon von mir aus auf den Gedanken, dass selbst die 20mg vielleicht zu viel sind. Ich war an diesem Punkt jedoch schon derart bedient, dass ich von Experimenten erstmal genug hatte. Dazu kam dann noch der Einfluss von einer amerikanischen Facebook Cymbalta Selbsthilfegruppe (welche ich inzwischen aus diverse Gründen wieder verlassen habe), in der von Wiedereindosieren generell abgeraten wurde, nach dem Duktus, das würde alles noch auf lange Zeit viel viel schlimmer machen. Absolute Schwarzmalerei. Ich war und bin dadurch einfach nur voller Zweifel. Deshalb bin ich jetzt auch entsprechend froh, dass, basierend auf den bisherigen Rückmeldungen (und vermutlich dahinterstehenden Erfahrungen aus erster oder zweiter Hand), die Wiederaufnahme der Medikation grundsätzlich also kein absolutes No-Go ist.

Dadurch, dass ihr mir ratet, nochmal etwas mit der Dosierung zu spielen, da diese durchaus auch zu hoch sein kann, habe ich jetzt auch ein Stück weit meine Angst davor verloren.
Jedenfalls gibt es in meinen Augen mehrere Gründe, welche dafür sprechen könnten, dass die Dosis zu hoch ist. Einerseits habe ich das Gefühl, dass die Symptome tatsächlich mit der Einnahme von Duloxetin zusammenhängen. Ich kann förmlich fühlen wie das Medikament anflutet. Ich nehme vormittags die Kapsel und nach zwei bis drei Stunden starten die Beschwerden und steigern sich dann zum späten Nachmittag an Intensität. Gegen Mitternacht, wenn ich in der Regel zu Bett gehe, geht es dann meistens schon wieder eine ganze Ecke besser. Cymbalta hat ja soweit ich weiß eine sehr kurze Halbwertszeit von ca. 12 Stunden, richtig?
Dazu könnte das auch erklären, warum ich mich zu Anfang der Wiedereinnahme ersteinmal so gut gefühlt habe. Obwohl ich direkt mit 20mg eingestiegen bin, musste sich ein konstanter Titer von +- 20mg im Blut ja zunächst aufbauen. Als dieser dann tatsächlich erreicht war ging es mir gleich schlechter.
Straycat hat geschrieben: 06.10.2020 15:28 Auf jeden Fall ist ein Reduzieren nach Augenmaß (wie du es in der Vergangenheit gemacht hast) nicht sehr sinnvoll, da dadurch häufig starke Dosisunterschiede zustande kommen, die dann wiederum Unruhe in das ZNS bringen. Das soll natürlich kein Vorwurf sein! Man weiß es ja leider oft nicht besser in dem Moment
So sehe ich es jetzt definitiv auch. Bin ja jetzt auch schon was schlauer und weiß, dass für manche Menschen selbst Fluktuationen von 1-2 Kügelchen einen Unterschied machen können. Werde das auf jeden Fall nichtmehr aus Bequemlichkeit halbherzig angehen. Ich habe mich gestern Abend gleich hingesetzt und aus dem Inhalt von 5 Kapseln den Mittelwert and Kügelchen ermittelt. Dieser liegt bei meinem Präparat von Glenmark bei 113 Stück pro 20mg Kapsel.

Ich habe heute jedenfalls nur 10mg also 56 Kügelchen eingenommen und muss sagen, dass heute bereits ein deutlich besserer Tag war. Ich bin natürlich erstmal etwas Vorsichtig, da dies natürlich auch immer bloß ein Placeboeffekt sein kann. Ich werde das ganze zunächst zur nächsten Woche hin beobachten und die Dosis von 10mg beibehalten. Wenn ich dann merke, dass die Symptomatik grundsätzlich abnimmt , werde ich es dann vielleicht sogar mal mit lediglich 5mg versuchen, wenn ich weiterhin das Gefühl habe, dass Beschwerden und die Einnahme von Cymbalta zusammenhängen.
Werde hier definitiv weiter berichten wie es mir in nächster Zeit ergeht! :)
Jamie hat geschrieben: 06.10.2020 21:25 Es ist für Außenstehende nicht einfach, dies zu beurteilen; wir äußern uns vorrangig aufgrund von Erfahrungswerten - letztlich muss immer der Betroffene selbst in sich reinspüren, ob ein vorgeschlagener Tipp zu ihm passt.
Das glaube ich gerne. Wir sind nunmal unterm Strich alle Individuen mit unterschiedlichster Physiologie, Lebensumständen, Krankengeschichte etc.
Ich denke am Ende des Tages ist stets das wichtigste, sich in die Lage zu Versetzen auf den eigenen Körper zu hören, dies jedoch auch stets mit einer gewissen Distanz, da man sich sonst schnell darin verliert, permanent das eigene Befinden zu überwachen.

Wozu ich bereits seit zwei Wochen übergegangen bin, ist dass ich meinen Zustand in eine Art Logbuch festhalte. Was dabei in meinen Augen wirklich wichtig ist, dass ich lediglich Positives festhalte...Tage an denen gewisse Symptome fehlen, Anzahl and stunden die problemlos waren und Augenblicke in denen ich mich tatsächlich nahezu normal gefühlt habe. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass der Fokus auf das Positive der Schlüssel zu Heilung ist, so schwer das in manchen Momenten auch sein mag.


Abschließend nochmals Danke für die erste Hilfestellung, die ich hier bereits bekommen habe! :hug:

Liebe Grüße
Theo
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Re: samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

Beitrag von Straycat »

Hallo Theo,

das mit dem Logbuch ist in jedem Fall eine gute Idee. So kann man besser nachvollziehen wann welche Symptome einsetzen und auch wieder aufhören. Außerdem kann es eine wichtige Stütze sein, wenn man sich in einer Welle befindet und das Gefühl hat, dass alles nur noch schlechter wird.

Wenn du dich auf den 10mg besser fühlst, würde ich sie jetzt mal einige Tage halten und dann sehen, wie es dir damit geht.

Liebe Grüße,
Cat
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Re: samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

Beitrag von Towanda »

Hallo Theo,

denkst Du bitte dran, eine Signatur anzulegen? Wie das geht steht oben im Begrüßungstext.

Es ist für die Mitlesenden und -schreibenden sehr mühsam, erst alle Deine Beiträge zu lesen, um zu wissen, wo Du jetzt mit dem Medikament stehst.

Danke!

Viele Grüße, Towanda
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Re: samadhi: Cymbalta (Duloxetin): Hilfe nach falschem Absetzversuch

Beitrag von padma »

 ! Nachricht von: padma
hallo Waldmeister,

ich habe dir hier viewtopic.php?f=35&t=17840 einen eigenen thread erstellt. Clicke auf den link, da kommst du zu deinem Beitrag und erhälst auch Antworten
LG padma
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