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xxs: 14 Jahre Citalopram

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xxs
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xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Hallo zusammen, :)

Zur aller erst möchte ich mein schlechtes Deutsch entschuldigen. Deutsch ist nicht meine Muttersprache und ich habe die Sprache auch nie in der Schule erlernt. Hoffe man versteht mich dennoch einigermaßen.

Ich habe mich dazu entschieden, dieser Beitrag zu verfassen, weil ich hier im Forum selbst sehr viele nützliche Informationen gefunden habe und ich denke jede Erfahrung, jeder Beitrag, auch irgendwann, irgendwie jemand anderen helfen kann. Und auch weil ich nicht zu dem glücklichen gehöre, für die das Kapitel AD beendet ist. „Die letzte Meile“ fehlt noch und diese möchte ich nun anpacken. Gemeinsam mit euch! Und dieses Mal hoffentlich richtig und erfolgreich. Den wer kann einem besser verstehen und weiterhelfen als diese großartige Community hier!

Der beginn

Alles begann vor ca. 14 Jahre. Ich war damals 27 und habe vor kurzem eine Umschulung begonnen, als mir eines Tages, mitten im Unterricht, plötzlich schlecht wurde. Ich konnte mich nicht mehr auf das Unterricht konzentrieren und hatte das Gefühl ich stehe neben mir. Ich konnte mich irgendwie selbst beobachten. Dieses bedrohliche Gefühl gepaart mit einer sich schnell ausbreitende Hitzegefühl in meinem Körper, jagte mir dermaßen Angst ein, dass ich den Unterricht (fluchtartig) verlassen musste.

Die anstehen Autofahrt (20 km) wurde zu einer richtigen Herausforderung. Ich konnte mich weiterhin sehr schlecht konzentrieren und hatte mittlerweile große Mühe die Augen offen zu halten. Wollte sogar zwischenzeitlich anhalten, um kurz zu schlafen. Bin dann doch weitergefahren und irgendwie zum Glück auch heil heim angekommen. Aber hier wurde nichts besser. Nein, im Gegenteil! Daheim ging’s erst richtig ab! Ich hatte das Vergnügen, ein erster Blick in der Hölle zu werfen. Die nächsten Stunden wurde es mir so schlecht, dass ich felsenfest davon überzeugt war, ich werde den heutigen Tag nicht überleben. Ein Chaos der Gefühle. Herzrasen, Herzschmerzen, Kurzatmigkeit, Atemnot, Erbrechen, Angst und das Gefühl verrückt zu werden, begleiteten mich auf eine nicht mehrende wollende Odyssee des Grauens.

Allmählich schwanden aber meine Kräfte. Ich konnte mich nicht mehr dagegen wehren, nicht mehr kämpfen und so überließ ich mich meinem Schicksal. Ich kann mich noch sehr gut erinnern. Ich habe mich tatsächlich im Bett hingelegt: zum Sterben!!!

Aber anstatt (wie erwartet) zu sterben, ging es paradoxerweise ab diesem Moment Bergauf. Die Anspannung ließ nach, der Magen beruhigte sich, die Angst vorm Sterben verschwand. Ein kleiner Hoffnungsschimmer machte sich breit. Ich könnte möglicherweise, mit ein wenig Glück doch überleben! Und so wurde es mir allmählich besser bis irgendwann der Spuck vorbei war.

„Der Kampf meines Lebens“ ging geradezu ende! k.O., aber glücklich doch überlebt zu haben, bin ich irgendwann eingeschlafen.

So ungefähr würde ich meine erste Panikattacke beschreiben.

Jetzt im Nachhinein betrachtet stellt sich für mich die Frage. Was ist damals passiert? War es von Anfang an eine Panikattacke? War die Panikattacke nur das Ergebnis eins gesundheitlichen Problems? War es Stress, Überforderung? Fragen, auf die ich leider keine Antwort mehr finden werde, denn ich machte damals mein erster großer Fehler – „Ich habe nicht den Notruf angerufen und auch in den nächsten Tagen habe ich nichts unternommen!“

In den nächsten Tagen ging es mir allmählich besser. Keine unmittelbare Panikattacken, aber ich habe bereits dem Monster erschaffen à die „Angst von der Angst“ war geboren. Allzeit präsent hatte sie mich ab jetzt im Griff. Ahnungslos wie ich zu dem Zeitpunkt war, konnte sie ohne Gegenwehr die Kontrolle übernehmen. Die Kontrolle über meine Gedanken, mein Handeln, mein Leben. :marionette:

Zuerst hatte ich Schwierigkeiten wieder im Unterricht zurückzukehren oder Auto zu fahren. Später, durch weitere Panikattacken auch in andere Situation. Reisen, Freunde treffen, Hobbys… Alles was früher als normal, locker und spaßig bezeichnete, war plötzlich nur noch beängstigend, anstrengend, mühsam und konnte nur noch mit viel Überwindung bewerkstelligt werden. Ich kapselte mich immer mehr ab, nahm nur noch widerwillig an das Gesellschaftliche Leben teil, zog mich immer mehr zurück, in die „vermeintlich sichere“ vier Wände.

Das erste Rendezvous

Bis jetzt habe ich nur ein einzige Mal Hilfe im Anspruch genommen. Einmal ging mir so dreckig, dass ich nach der Arbeit direkt in der Notaufnahme gefahren bin und sagte, es geht mir schlecht und ich habe Herzschmerzen. Den, außer mit meiner Frau habe ich bis Dato mit niemand darüber gesprochen. Und auch hier im Krankenhaus hat sich das nicht geändert. Ich hatte regelrecht Angst als ein psychisch kranker abgestempelt zu werden. Es wurden die üblichen Tests (EKG, Blutbild) gemacht – alles ohne Befund - und ich wurde wieder mit dem Worten - „sie habe wahrscheinlich NUR eine Panikattacke gehabt“, entlassen.

Nach weiteren Wochen voller Ängste, Verzweiflung und Panik kam irgendwann der Zeitpunkt wo ich zu der Erkenntnis kam: Ich schaffe das nicht alleine! Ich brauche Hilfe!
Und so habe ich mich dazu entschlossen, einen Termin beim Psychiater zu vereinbaren.
Während der erste (telefonische) Terminvereinbarung fragte die Praxisassistentin was er mir den fehlte. Ich antwortete: „Ich leide unter Panikattacken!“. So banal das auch klingen mag, für mich fühlte sich schon alleine dieser kurze Austausch sowas von erleichtern an. Ich stand nicht mehr allein mit meinem Problem da. Der erste Schritt wurde gemacht.
Das erste Gespräch dauerte ca. 10 Minuten, wenn überhaupt. Keine körperliche Untersuchung angeordnet oder zumindest danach gefragt. Keine Abarbeitung der Ereignisse. Keine Therapie Empfehlung. Stattdessen die Diagnose sofortige “generalisierte Angststörung mit Panikattacken” und (ohne Aufklärung natürlich) eine IMAP Spritze in dem Allerwertesten! Ob‘s geholfen oder nur ein Placebo Effekt war, kann ich heute nicht mehr beurteilen. Wahrscheinlich aber eher: im Arsch für 'n Arsch!
Es folgten weitere Besuche und weitere Spritzen, bis “der Spezialist” irgendwann meinte die IMAP-Spritzen könnten Spätfolgen haben und ich sollte jetzt doch lieber ein Medikament (Citalopram) nehmen. Zusätzlich (in den ersten zwei Wochen) auch noch Alprazolam.
Ob er mich damals über die Gefahren (Abhängigkeitspotential) von Benzodiazepinen aufgeklärt hat oder ich mich selbst darüber informiert habe, kann ich mich nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall weiß ich, dass ich (zum Glück) bestens über die Risiken informiert war und dementsprechend sehr vorsichtig damit umgegangen bin. Das hat ihm auch genervt, weil ich jedes Mal die Thematik angesprochen habe. Anstatt mich darüber aufzuklären, warum ich mich keine Sorge machen muss, hieß es dann - „Ich soll mich nicht so anstellen. Man wird nicht so schnell abhängig davon”. Meine eigenen Recherchen ergaben aber was anderes. Ich wurde schnell misstrauisch und ab diesen Zeitpunkt war die (eigentlich so wichtige) Arzt-Patient-Vertrauensverhältnis zerrüttet.
Erwähnenswert ist vielleicht noch ein kurzes Tête-à-Tête mit Escitalopram. Auf meine bitte! Weil ich irgendwo gelesen habe, es wäre Nebenwirkungen Ärmer. Ich glaube wir haben das Citalopram in einer oder zwei Wochen ausgeschlichen und dann auf Escitalopram gewechselt. Mir ging es aber damit so schlecht, dass wir das Experiment kurzerhand bereits nach einer Woche abgebrochen haben und zurück zum Citalopram gewechselt sind.
Vielleicht auch das Geräusch in meine Ohren (Meeresrauschen. Als ob man eine Muschel ans Ohr hält. Kennt bestimmt der eine oder andere), der immer auftauchte, wenn ich das Kopf nach hinten lehnte. Es wurde alles Mögliche untersucht aber nichts gefunden. Auf die Idee, dass es irgendein Zusammenhang zwischen Citalopram und das Geräusch besteht (obwohl das Geräusch genau in diesem Zeitpunkt auftauchte), kam ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Das war damals aber auch mein kleinstes Problem. Ich nahm dann den Zustand so hin und dieses Geräusch begleitet mich übrigens bis heute.

Mir wurde von meinem Psychiater (nach mehreren Monaten) eine Therapie empfohlen, aber leider ohne Aufklärung. Ich dachte in so einer Therapie wird nach der Ursache in meiner Vergangenheit gebohrt, auf was ich sowas von keiner Lust hatte. Eine Verhaltenstherapie wäre sicherlich Sinnvoll gewesen, aber ich wusste nicht, dass es sowas auch gibt und gesagt wurde es mir auch nichts. Den Umgang mit Panikattacken hatte ich mittlerweile im Griff, also was soll mich so eine Therapie bringen fragte ich mich. Da, dass Vertrauensverhältnis sowieso zerrüttet war, habe ich da auch nicht groß nachgebohrt. Ich lehnte es ab und ging nie wieder hin. Das Citalopram bekam ich ab jetzt von meinem Hausarzt verschrieben.

Die Jahre vergingen. Ich hatte die Panikattacken weitgehend im Griff bis vor ungefähr vier Jahre (also nach 10 Jahre Citalopram Dauereinnahme) erstmal der Gedanke kam, ich bräuchte die Medikamente nicht mehr.

Das Citalopram

So, nun versuche ich (aus meiner heutigen Sicht) zu erklären, was das Citalopram bei mir bzw. mit verursacht hat. Das ist nicht wirklich leicht, den vieles ist noch immer schwammig und für mich nicht genau zuordenbar.

Ich bin der Meinung, dass Citalopram (ADs) NICHT nur ein Placebo Effekt hat (haben). Aber ich bin auch der Meinung, dass das Citalopram (ADs) auch nicht so eine “heilende” Wirkung hat/haben, wie uns gepredigt wird. Es verbringt keine Wunder und im Prinzip nichts was auch nicht mit einer Therapie erreicht werden kann (auf Panikattacken bezogen).
Der Wunsch ein Medikament zu bekommen das schnelle Linderung verschafft ist Nachvollziehbar und wird natürlich von der Pharmaindustrie ausgenutzt.

Citalopram hat meine Panikattacken nicht geheilt, sondern nur geschwächt. Sie traten auch während der Aufnahme auf, aber in einer abgeschwächten Form. Genauer betrachtet, eigentlich ein perfekter Zustand für jemanden der wie ich keine Therapie gemacht hat. Ich musste mich weiterhin damit auseinandersetzen, lernen damit umzugehen, an mich arbeiten. Der Unterschied zu Therapie: es dauert viel länger, Langzeitnebenwirkungen und der Horror Ausschleichprozess. Genug Gründe sich also eine Therapie vorziehen. Und wenn die Therapie nicht wirkt, kann man immer noch auf ADs greifen. Aber egal ob ADs oder Therapie. Wer nicht erkennt, dass er an sich arbeiten muss, etwas ändern muss, hat mMn. ein sehr großes Risiko rückfällig zu werden.

Ausschleichen

Die erste zwei Fehlversuche sind schnell erklärt. Beide habe ich unternommen, weil ich der Meinung war, ich brauche das Medikament nicht mehr. Beides male mit keinen bzw. nur geringes wissen über dem Ausschleichprozess.

Ich habe beides mal nach dem gleichen Schema ausgeschlichen (40mg-30mg-20mg-10mg-0mg). An die Zeitabstände kann ich mir nicht mehr erinnern. Jedenfalls waren sie viel kürzer als das was hier im Forum empfohlen wird.

Folgende zwei Punkte sind mir gut in der Erinnerung dabeigeblieben und sind mMn. auch für den weiteren Verlauf interessant bzw. Relevant:

Bei dem beide Ausschleichversuche gab es überhaupt keine Probleme. Ausser „Brain Zaps“ sind mir keine Symptome in Erinnerung geblieben bzw. nicht als Symptome damals erkannt.

Beides Male finden die richtige Probleme erst nach ca. 5 Wochen an. Dann aber so heftig, dass ich innerhalb vor Tagen abgebrochen haben.

Bei dem dritten und aktuellen Ausschleichversuch gibt es ein wichtiger Punkt der sich geändert hat - “der Grund”. Es war nicht mehr das Gefühl ich brauche das Medikament nicht, sondern es waren verschiedene körperliche Beschwerden. Beschwerden wo ich zum ersten Mal vermutete, es könnte was mit der Einnahme des Medikaments zu tun haben. Konkret ging’s um folgende körperliche Beschwerden: Herzschmerzen (meistens im liegen), unerklärliche (und fast nicht mehr kontrollierbare) Blähungen und schmerzen im unteren rechten Bereich (Darm?).

Mit dem Wissen, dass eine Dosisreduktion im Hochdosisbereich mir keine Probleme bereit, habe ich die Dosis um 10 mg auf 30 mg reduziert und die Beschwerden wurden besser!

Also fiel der Beschluss weiter zu reduzieren.

Mittlerweile habe ich das Forum hier entdeckt und mich auch ein wenig (hätte ich nur mehr Zeit investiert) eingelesen. Ich habe mich in dem weiteren Verlauf zwar an der Empfehlung – 10% alle 4 bis 6 Woche - gehalten, aber ich habe trotzdem im 10 mg Schritte reduziert.

Weitere Dosisreduktionen bewirkten das gleiche. Die oben genannten Beschwerden nahmen in der Intensität ab bis sie am Ende bei 10 mg fast vollständig verschwunden sind.

08.03.2019 - 27.06.2019 (17 W) 30mg
28.06.2019 - 06.02.2020 (32 W) 20 mg
07.02.2020 - 16.06.2020 (19 W) 10 mg

Ausflug

Irgendwann dachte ich, okay, jetzt kannst ja mal das Zeug weglassen. Von den Wochen her (19 W auf 10 mg) passt es auch, also versuchst mal.

Die Tage vergingen, eine Woche, zwei Wochen und mir ging es blenden. Ich war sehr Ausgeglichen, keine Spur von einer Angsterkrankung. Ich merkte wie gerne ich mich wieder mit Freunde getroffen habe. Wie gerne ich was unternommen habe. Gerne ist vielleicht das falsche Wort. Eher sorgenfrei. Ein perfekter Zustand, wenn man es so nennen will. Ich habe tatsächlich während den ganzen Jahren vergessen wie sich “normal, beschwerdefrei” anfühlt. Ein wunderbares Gefühl für den es sich auf jeden Fall zu kämpfen lohnt.
Mittlerweile sind ca. sechs Wochen vergangen seitdem ich auf null war. Letze Arbeitswoche vor dem langersehnten Urlaub. Wir haben vier Tage im Südtirol gebucht und die ganze Familie, vor allem die Kinder, freuten sich riesig darauf. In den letzten Tagen wurde ich aber irgendwie aggressiv. Ich war ständig unzufrieden. Bei der Arbeit wegen Kleinigkeiten aufgeregt und ich konnte mich nicht mehr auf meine Aufgaben konzentrieren. Ein paar Tage später bin ich auch nochmals sehr schnell müde geworden und musste mich fast jede Stunde kurz hinlegen (Homeoffice machte es möglich). Aus diese kurze Päuschen (unter 10 min) wurde ich aber sofort herausgerissen. Schwer zu beschreiben. Ich wurde sofort wach, wie unter Strom mit Kurzatmigkeit und Bewegungsdrang. Fühlte sich total komisch an. Spätestens jetzt hätten meine Alarmglocken läuten müssen. Haben sie aber nicht. Ich dachte nur: zum Glück habe ich bald Urlaub, denn ich bin wirklich Urlaubsreif! Erst wo ich richtig depressiv wurde und die erste Panikattacken hier war, habe ich es verstanden. Ich dachte nur - dass kann doch wohl nicht sein! Nicht jetzt. Nicht vor dem Urlaub.

Gefährlicher Kurzschluss

Die daraus resultierende Kurzschuss-/Panikreaktion hieß: so schnell wie möglich wieder auf 40 mg hoch

Zwei Tage, 10 mg, zweit Tage 20 mg, alles unter Alprazolam. Die Dosis ließ sich noch einigermaßen aushalten. Ab dem 5 Tag war ich bei 30 mg und um euch klar zu machen wie es mir ging. Ich habe mir “nur” eine Panikattacke bzw. eine Depression gewünscht! Ich dachte das ist ein Klacks, gegenüber das was ich gerade erlebte. Dieses Mal habe ich nicht nur ein Blick in der Hölle geworfen. Nein! Dieses Mal dürfte ich der Hölle gastieren. Mit Übernachtung!!! Ob es bereits eine „Citalopram“ Unverträglichkeit war? Höchst wahrscheinlich. Ab dem dritten Tag wurde es allmählich besser. Zumindest mal am Abend. Ich muss erwähnen, dass während mein Horror Trip, die täglich Alprazolam eingenommen habe. Max. 1,5mg am Tag. Und ein Tag ohne könnte ich mir in dieser nicht mal ansatzweiße Vorstellen.

In zwei Tage sollte ich aber die Reise nach Italien antreten. Der Gedanke stresste und machte alles nur noch schlimmer. Ich habe meiner Frau gesagt, dass wenn es mir nicht besser geht ich nicht mitfahren werde. Natürlich hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Sie kann das alles nicht verstehen, was ich sehr gut nachvollziehen kann. Ein Tag vor der Abreise ging es mir zwar immer noch schlecht aber ich konnte mir zumindest Vorstellen unter Alprazolam mitzufahren. Das Problem: mein Alprazolam ging zu neige.

Zuerst mein Hausarzt angerufen. Die Praxis war wg. Urlaub geschlossenen. Danach mein Psychiater (den ich seit Jahre nicht mehr besuchte). Der war mittlerweile in Rente. Der neue hätte erst in November ein freier Termin für mich. Was mache ich jetzt bloß? Panik machte sich breit!! In meiner Not habe ich mich kurzerhand dazu entschieden die ambulante Station der Psychiatrie zu besuchen.

Ich bin dort angekommen (noch nie dort gewesen) und habe der Empfangsdame erzählt was los ist. Ein kurzer Anruf ihrerseits. Ich habe Glück! Ein Arzt hat sofort Zeit für mich. Ein älterer, sympathischer Arzt, kurz vor der Rente. Ich erzähle ihm kurz meine Geschichte und dass ich morgen mit aller Gewalt nach Italien fahren will und ich mich bewusst dafür entscheide die Tage mit Alprazolam zu überbrücken. War zwar nicht so begeistert über meine Idee, aber hatte durchaus Verständnis. Er meinte aber Tavor wäre besser und hat mir eine N3 Packung Tavor 1 mg Expidet verschrieben. Ich soll 1mg morgens, 1mg abends und 1-2mg beim Bedarf nehmen und wir sehen uns wieder in zwei Wochen. Gut dachte ich mir. Hauptsache Benzos.
Spätnachmittag, sobald ich merkte, dass das Alprazolam nachlässt, gleich mal das neue Zeug ausprobiert. Erstmal 0,5 mg, ne Stunde gewartet… cool… es geht mir besser… keine Probleme mit der Umstellung, also gleich nochmal 0,5 mg hinterhergeschmissen. Es wurde noch besser. Alles wie weggeblassen. Noch 20 mg Citalopram hinterher. Das ging auch erstaunlich gut. Placebo lässt grüßen! Also Frau informiert, dass ich morgen mitfahren werde. Ich habe sie auch über die Benzos abgeklärt und das, wenn wir zurückkommen, mich wahrscheinlich ein Entzug mit möglichen Nebenwirkungen erwartet.
Ich konnte tatsächlich ein paar stressfreie Tage mit meiner Familie verbringen können. Keine Nennenswerte negative Erlebnisse während dieser Zeit.

Zurück aus dem Urlaub und nicht mehr unter Zugzwang realisierte ich was meine Kurzschlussreaktion eingerichtet hat. 2 mg Tavor und 40 mg Citalopram täglich.

Aufbauarbeiten

Okay. Zeit alles wieder alles zurecht zu biegen!

Zuallererst merkte ich, dass das Tavor viel besser zu mir passt. Im Gegenteil zu Alprazolam, sediert es mich das Tavor überhaupt nicht und es gab auch kein „Mini-Entzug“ zwischen der einnahmen. Obwohl die Halbwertszeiten vom Alprazolam und Lorazepam ziemlich gleich sind und 1mg Lorazepam ca. 0,5mg Alprazolam entspricht. 0,5 mg Alprazolam würde mich für gewöhnlich ordentlich sedieren.

Ich hatte überhaupt kein Gefühl für dieses Medikament und überhaupt kein Plan wie ich es schnell los werden kann. Also kurzerhand entschieden wieder zurück auf Alprazolam umzuswitchen.

In die nächsten 3 Wochen habe ich das Alprazolam ausgeschlichen (2 Wochen) und das Citalopram auf 10mg reduziert.

Es war kein leichter Weg. Zwei Medikamente gleichzeitig zu reduzieren und das noch in so einer so kurzen Zeit ist nichts was man nachahnen sollte. Es ging wahrscheinlich nur deswegen gut (nicht spurlos), weil ich nur für eine relativ kurze Zeit die höhere Citalopram Dosis bzw. das Alprazolam genommen habe. Und ich habe auf meinen Körper gehört. Hätte der länger gebraucht bzw. wären die Symptome nicht auszuhalten, hätte ich ihm auch mehr Zeit gegeben.

In übrigens würde ich bei Bedarf wieder auf Benzos zurückgreifen. Nur ich werde immer beim Alprazolam bleiben. Den zum einem fühle ich mich unter Alprazolam nicht wirklich wohl (im Gegenteil zu Tavor) und zum zweiten habe ich nach der Einnahme immer ein „mini-entzug“ der auch nicht gerade Lustig ist. Das bringt mich u.a. dazu, Benzos auch nur wirklich in Notfall zu nehmen. Klar wir können jetzt darüber diskutieren was ein Notfall ist. Ich denke das bedeutet für jeder was anderes, aber solange ich (der Meinung bin) den Konsum im Griff (zu) haben (seit 14 Jahren), sehe ich bei mir kein Problem. Ich nehme (wenn nicht gerade sowas wie oben beschrieben passiert), durchschnittlich wenn’s hoch kommt max. 1 mg Alprazolam im Jahr. Wenn überhaupt. In den letzten Jahren habe ich die Dinger überhaupt nicht gebraucht und sie weggeschmissen, weil sie abgelaufen sind.

Angekommen

Ich bin mittlerweile seit vier Wochen wieder beim 10 mg Citalopram.

Vor einer Woche habe ich mich dazu entschieden auf die Wasserlösliche Methode zu wechseln (ohne Dosisreduktion). Die Umstellung verlief gut aber anscheinend nicht Problemlos.

Seit der Umstellung gibt es Reihe von Symptomen, wenn auch nur in einer sehr abgeschwächten Form.

Was mir aktuell am meisten aktuell Sorge bereitet ist diese Nervosität, Aggressivität wie ich sie damals im August, bevor ich Abgestürzt bin, erlebt habe. Wir haben jetzt auch wieder Stress bei der Arbeit und ich bin generell ein impulsiver Typ, der sich kein Blatt vor dem Mund nimmt. Dennoch sind meine Reaktionen z.Z. übertrieben. Also ich vertrage überhaupt kein Stress mehr. :bad-mood:

Anscheinend habe ich aber z.Z. auch ein Problem mit Geräusche. Der Wecker z.B.!!! Seit zwei Tage drehe ich durch, wenn bei meinem Sohn im Zimmer der Wecker klingelt und er weiterschläft. Heute war auch der Suppenlöffel von meiner Frau (immer, wenn Sie damit den Teller berührte) so eine Nervensäge.

Ich weiß jetzt nicht ob die Umstellung an sich oder mein Körper, durch die Umstellung, nicht mehr die komplette Menge an Wirkstoff bekommt (also quasi eine mini Reduzierung). Ich nähere mich aber auch an meine beliebte 5 Wochen Marke, seitdem ich wieder auf 10 mg. Hmm. Eigentlich irrelevant :D Die Symptome sind eben da. Aber neugierig bin ich trotzdem. :whistle:

Unbekanntes Terrain

Bin gespannt wie sich das alles entwickelt und stehe quasi unter (die eigene) Beobachtung :D
Ich finde es schon mal gut, dass ich das alles als Symptome erkenne und kann so zumindest entgegenwirken. Schon alleine, dass ich meiner Frau sagen könnte - hey, da stimmt gerade was nicht. Nimm mich bitte nicht ganz ernst. – kann Goldwert sein.

Vielleicht hat aber jemand noch ein Tipp für mich.

Wer es geschafft hat diese elend lange Text bis zum Ende zu Lese und mich einigermaßen auch Verstanden hat, der verdient mein aller höchster Respekt!

Vielen Dank für euere Zeit und einen wunderschönen Abend gewünscht

Freundliche Grüße
Nikko :)
Zuletzt geändert von Murmeline am 22.10.2020 20:10, insgesamt 2-mal geändert.
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Sabs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Sabs »

Hi :-)
Dein Text war ist toll geschrieben und sehr verständlich..
Da hast du ja viele dosiswechsel hinter Dir. Ich schätze, Du solltest nun mal eine längere Zeit vergehen lassen, bevor Du weiter reduzierst und wir hoffen mal, dass du dich damit stabilisierst.

Wünsche dir alles Gute. Grüße saba
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xxs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Hallo saba, :)

Vielen Dank. War mit nicht sicher ob’s verständlich ist. Es war mir aber wichtig die ganze Story zu schreiben.

Ja, ich werde noch abwarten mit der nächsten Reduktion.
Diese Nervosität und Geräuschempfindlichkeit müssen erstmal verschwinden. Erst danach entscheide ich wie es weitergeht.

Schöne Grüße und ein schönes Wochenende gewünscht.
Nikko :)

BTW:

Mich beschäftigen zurzeit zwei Fragen und ich finde nicht viel darüber. Vielleicht kann mir jemand die Fragen beantworten:

1. Kann es sein, dass bei einer Dosisänderung, in den ersten Tagen ein gewissen Placeboeffekt auftritt. Erwartungshaltung?

2. Kann es sein, dass es ein Zusammenhang gibt, zwischen: Körpergewicht, Stoffwechseln, eine zu hohe Dosis und die Zeitspanne zwischen eine Änderung (bzw. Weglassen des Medikaments) und das auftreten der ersten Symptome (bei mir immer nach ca. 5 Wochen)?

Vielen Dank schon mal :)
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Sabs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Sabs »

Hi,
Zu 1. Diese nonplacebo-symptome kenne ich auch! Es könnte aber ebenso tatsächlich Symptome sein

2. Diese Frage verstehe ich tatsächlich nicht ganz.
Ich versuchs mal mit ner Antwort. Jeder Körper reagiert ja individuell und verändert auch seine Reaktion.
Manche vertragen AD xy super, andere erleben dadurch horrortrips (als Beispiel).
Ich selbst habe venlafaxin 11 Jahre gut vertragen und nach dem Kaltentzug plötzlich extrem unerträglich darauf reagiert.
Ich glaube nicht, dass es zB mit dem körpergewicht zutun hat, aber doch sicher mit dem Stoffwechsel und der eigenen biochemie.

Beantwortet das in etwa deine Frage? :-)

Gruß Sabs
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xxs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Hi Sabs,

vielen Dank schon mal.

Genau. nonplacebo-symptome. Sowas vermute ich in dem ersten Tagen bei mir auch. Wie gesagt. Bei mir sind es wie normale Symptome, aber nur in eine abgeschwächte Form. Werde ich mal in der Zukunft näher betrachten.

Zum Punkt zwei sollte ich mal tatsächlich erstmal versuchen zu erklären wie ich auf dieser Idee kam. Gar nicht so einfach :D

Also, es ist die eigene Erfahrung und ich habe mit mehreren Leuten gesprochen, die es auch so erlebt haben. Bevor ich dieses Forum entdeckt habe, habe ich mich dersoffener in andere Foren aufgehalten und da haben wir auch viel über das Thema Entzug gesprochen. Auch Betroffene die falsch bzw. überhaupt nicht von Ihren Ärzten aufgeklärt wurden und so ihr Medikament weglassen bzw. falsch Ausschleichen, ohne dass sie wissen was sie erwartet. Interessant ist aber, dass sehr viele ein gewisses delay zwischen dem "Weglassen" und “dem Auftreten der Symptome haben”. Was ich auch so, nach mehrmalige Fehlversuche bestätigen kann.

Interessant dabei ist, dass diese Zeitspanne bei jedem Versuch relativ gleich lang ist. Also in meinem Fall sind es immer ca. 5 Wochen bis die Symptome auftreten. Und das schon in den drei gescheiterten Versuchen.

Nun ich habe mit eine paar ein Betroffene gesprochen, die die gleiche Erfahrung gemacht haben.

Ich muss dazu sagen, es waren nicht viele. Ich denke drei oder vier Personen. Also nicht so, dass man daraus wirklich ein Muster erkennen kann.

Und weil die Frage mich immer beschäftigte und ich nicht verstanden konnte warum die Symptome so zeitversetzt auftreten, habe ich aber nach einem Muster gesucht und Fragen gestellt.

Dabei ist mir aufgefallen, dass bei Personen mit einem langsamen Stoffwechsel und eher korpulent, die Symptome eher später auftreten als bei die, die eher ein schnellerer Stoffwechsel besitzen und eher dünn sind.

Gut dann kam jemand dazu, bei dem dieses Muster nicht passte. Also habe ich mir überleg an was konnte es noch liegen.

Und da kommt eine weitere Erkenntnis im Spiel.

Beim letzten Ausflug auf 40mg und wieder zurück ist mir aufgefallen, dass viele Symptome von denen ich Jahrelang dachte, es sind Krankheits-Symptome (z.B. innere Anspannung die sich wie Angs anfüllt, verschiedene Missempfindungen auf der Haut, in den Muskel oder Knochen), eigentlich nichts anderes als Citalopram Nebenwirkungen waren. Also war die Dosis über die ganze Jahren bei mir zu hoch. Diese Symptome habe ich ab 20mg. Bei 10mg verschwinden sie.

Nun die Idee: wenn zu viel z.B. Serotonin genommen wird und der Körper es nicht unmittelbar braucht, wird bestimmt einiges davon ausgeschieden, aber bestimmt auch (für schlechte Zeiten) einiges im Körper gelagert (Fett, Knochen, Gewebe, usw.). Und deswegen die Frage ob es eine Abhängigkeit zwischen Dosis und Stoffwechseln geben kann. Jeder Körper legt quasi Reserven an, die eine gewisse Zeit ausreichen. Wenn diese dann aufgebraucht sind und kein Nachschub kommt, dann krachtes.

Also das Erkenntnis: Wenn der Körper viel mehr (z.B. Serotonin) bekommt als nötig, kann er auch mehr Reserven zur Seite schaffen. Bzw. wenn ein Körper eher dazu tendiert Reserven zu lagern (z.B. als Fett), dann wir auch eben mehr Serotonin gebunkert. Und so resultieren eben dieses delay, der bei jeder unterschiedlich ist.

Ich hoffe du kannst jetzt ein wenig besser verstehen was ich meine. :)

Grüße
Nikko
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Straycat »

Hallo Nikko,

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Bitte beachte, dass im Forum keine medizinischen Ratschläge gegeben werden. Du entscheidest dich selbstverantwortlich, ob du etwas von den Erfahrungen anderer Betroffener umsetzen möchtest.

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Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva und Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen


Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.

Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen

Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen Umgang mit dem Entzug und Gesundheit. Eine Übersicht über ausgewählte Themen findest du unter Was finde ich wo im Forum? Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

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Es kann etwas dauern, bis du eine persönliche Antwort auf dein Anliegen bekommst, bitte habe dann etwas Geduld.

Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Dein Thread befindet sich aktuell in der Rubrik "Hier bist du richtig". Sobald du im Forum "angekommen" bist, wird er von einem Moderator in die passende Rubrik Antidepressiva absetzen/ Benzodiazepine absetzen/ Neuroleptika absetzen verschoben.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüße
Cat
Meine Geschichte und mein Absetzweg:
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Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.
Straycat
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Straycat »

Hallo Nikko :)

zu deinen Fragen:
Ich weiß nicht, ob es am Stoffwechsel liegt, aber auch hier im ADFD liest man von vielen Betroffenen, dass sich die Absetzsymptome oft erst mit einer gewissen Verzögerung zeigen. Wie lange es dauert, kann sehr unterschiedlich sein.
Wenn du bemerkst, dass die Absetzsymptome bei dir immer erst nach 5 Wochen so richtig zuschlagen, dann würde ich an deiner Stelle die Phasen zwischen den Reduktionen entsprechend lange machen. Also erst dann erneut reduzieren, wenn du dich wieder stabiler fühlst :)

Danke, dass du deine Geschichte so ausführlich beschrieben hast und mit uns hier teilst.
Du hast wirklich schon einiges durchgemacht. Aber es ist toll, dass du nun schon so weit fortgeschritten bist auf deinem Weg des Absetzens :)

Du hast ja auch berichtet, dass du Citalopram schon öfters versucht hast abzusetzen und dabei wohl zu schnell unterwegs warst. Je öfter man einen Entzug durchmacht, umso eher kann es auch sein, dass das ZNS gereizter ist und sensibler auf einen neuen Reduktionsversuch reagiert. Das nennt sich "Kindling Effekt".
In Anbetracht deiner Versuche das Citalopram abzusetzen in der Vergangenheit, finde ich es eine gute Idee, dass du die 10mg nun kleinschrittig mittels Wasserlösmethode absetzen willst. Auch, dass du zunächst mal nur auf das Wasserlösen umgestiegen bist ohne gleichzeitig zu reduzieren, war sicherlich eine gute Entscheidung.

Ich würde an deiner Stelle mal etwas abwarten, bis sich dein ZNS an die Wasserlösemethode gewöhnt hat.

Was Nocebo-Effekte angeht: Ich vermute schon, dass die auch mit hinein spielen können. Aber das ist immer schwer abzuschätzen, was neurophysiologisch bedingt ist und was durch die Psyche ausgelöst wurde.
Da so viele Menschen allerdings Absetzsymptome erleiden, ohne dass sie überhaupt wissen, dass es diese gibt, tendiere ich eher in den meisten Fällen dazu, eine neurophysiologische Ursache bei solchen Symptomen zu vermuten.
Ich hatte zB meine ersten Absetzsymptome, ohne je davor von sowas gehört zu haben. Erst im Nachhinein habe ich verstanden, was das war. Da kann also nein Nocebo-Effekt eingesetzt haben.
Aber natürlich, kann man durch eine Erwartungshaltung bestimmte Symptome sicherlich auch verstärken.

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute :)
Liebe Grüße,
Cat
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Jamie »

Hallo xxs,

willkommen :).

Es ist sehr viel komplizierter und vielschichtiger mit dem Serotonin, m. Er. sind wir da in manchen Gebieten nicht über Grundlagenforschung hinaus.

1) Serotonin kann gespeichert werden, das stimmt.
2) Es besteht vermutlich (aber nicht in Studien nachgewiesen, zumindest mir nichts bekannt) eine gewisse Korrelation zu den Punkten Einnahmedauer und Dosis. Lange Einnahmen, da lagert sich sicher mehr ein; die Frage ist nur, ob es wirklich Serotonin und nicht das SSRI ist, das eingelagert ist. Denn Serotonin ist ein Stoff, der nur an ganz bestimmten Stellen im Körper vorkommt / eingelagert wird (Darm zB); im Gehirn jedoch ist er ziemlich präsent. Er wird teilweise rasch abgebaut; wirklich gespeichert wird er im ZNS in der Präsynapse, wobei die Synapsen, wenn zu viel Serotonin da ist, in der Regel einen Downregulationsmechanismus anschmeißen (Rezeptorenrunterregulierung), um eine Homöostase zu erreichen
3) Gewicht und Größe der Person lassen keine Aussagen über Dosis, Absetzsymptome, Zeit des Auftretens von Absetzsymptomen, Nebenwirkungen etc. zu
4) Der Leberstoffwechsel hat eine Bedeutung, zB ob man langsam, normal oder schnell auf dem Enzymsystem CYP2D6 metabolisiert (CYP2D6 baut SSRI ab).
5) Hochkomplexe, hoch-individuelle Empfindlichkeit des ZNS auf chem. Eingriffe
u.v.m.

Letztlich gibt es eine nachvollziehbare Erklärung für zeitversetzt einsetzende Symptome und die besteht darin, dass das ZNS / Gehirn erst nachgelagert auf Dosisänderungen reagiert.
Das Gehirn checkt zwar schnell, dass jetzt zB weniger eines Stoffs da ist, aber ab dann geht der ganze Trubel erst los.
Es werden nachgelagert Rezeptoren hoch- und runtergefahren, ändern sich Transportwege, Signale und Neurotransmitterinteraktionen etc. Und jede Änderung führt zu weiteren Änderungen in weiteren Regelkreisen und so weiter.
Über Feedbackmechanismen wird alles wieder ans Gehirn zurückgefunkt, woraufhin dies weitere Maßnahmen zur Einleitung einer Homöostase einleitet, sodass der Kreislauf munter weiter geht.

Hinzu kommen dann noch die o.g. Punkte und auch die Überlegungen, die du angestellt hast.
Deswegen ist es wirklich gar nicht selten, dass bei manchen Menschen erst nach 4-6 Wochen vermehrt Symptome auftauchen.
Andere wiederum merken es schon am nächsten Tag, bsp.weise bei Venlafaxin gibt es manche Betroffene, die sogar noch am gleichen Tag merken, dass etwas nicht stimmt.
Wir bekommen hier öfters Entzugssymptome geschildert, wenn man mal eine einzige Tablette vergessen hat; das liegt auch an der nur kurzen HWZ.

Viele Grüße
Jamie
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Guten Anend zusammen,

zuerst Cat, danke für die einfühlsame Worte. Tut gut und macht Mut. :)
Straycat hat geschrieben:Je öfter man einen Entzug durchmacht, umso eher kann es auch sein, dass das ZNS gereizter ist und sensibler auf einen neuen Reduktionsversuch reagiert.
Das kann ich auch so tatsächlich bestätigen. Und nicht nur die Reduktion, sondern auch das Wieder-Einschleichen wird es anscheinend immer schwieriger. Also das letzte Einschleichen war echt ein Horrortrip. Ich denke viel schlimmer geht es nicht. Aber diesbezüglich wurde ich auch immer wieder mal eines Besseren belehrt. Noch schlechter geht anscheinend immer.
Straycat hat geschrieben:Was Nocebo-Effekte angeht: Ich vermute schon, dass die auch mit hinein spielen können. Aber das ist immer schwer abzuschätzen, was neurophysiologisch bedingt ist und was durch die Psyche ausgelöst wurde.

Da so viele Menschen allerdings Absetzsymptome erleiden, ohne dass sie überhaupt wissen, dass es diese gibt, tendiere ich eher in den meisten Fällen dazu, eine neurophysiologische Ursache bei solchen Symptomen zu vermuten.

Ich hatte zB meine ersten Absetzsymptome, ohne je davor von sowas gehört zu haben. Erst im Nachhinein habe ich verstanden, was das war. Da kann also nein Nocebo-Effekt eingesetzt haben.

Aber natürlich, kann man durch eine Erwartungshaltung bestimmte Symptome sicherlich auch verstärken.
Nur damit wir uns richtig verstehen. Ich meine hiermit Symptome die in die ersten zwei-drei Tage nach der Reduktion auftauchen. Diese ähneln dann der "normale" Absetzsymptome, haben aber eine eher niedrige Intensität und es tauchen keine neu unbekannte auf.

Ich habe mir überlegt, ich mache mir mal bei der nächsten Dosisreduktion den Spaß und bitte meine Frau, dass die mir die Wasserlösung vorbereitet. Sie darf dann entscheiden ob Sie was abzieht oder es bei der gleichen Dosis belässt. Erst nach z.B. einer Woche soll sie mir sagen wie viel es tatsächlich drin war. Ob Sie das mitmacht? :D Muss irgendwie gut argumentieren. Parfüm, Blumen, etc. :D
Jamie hat geschrieben:
1) Serotonin kann gespeichert werden, das stimmt.

2) Es besteht vermutlich (aber nicht in Studien nachgewiesen, zumindest mir nichts bekannt) eine gewisse Korrelation zu den Punkten Einnahmedauer und Dosis. Lange Einnahmen, da lagert sich sicher mehr ein; die Frage ist nur, ob es wirklich Serotonin und nicht das SSRI ist, das eingelagert ist. Denn Serotonin ist ein Stoff, der nur an ganz bestimmten Stellen im Körper vorkommt / eingelagert wird (Darm zB); im Gehirn jedoch ist er ziemlich präsent. Er wird teilweise rasch abgebaut; wirklich gespeichert wird er im ZNS in der Präsynapse, wobei die Synapsen, wenn zu viel Serotonin da ist, in der Regel einen Downregulationsmechanismus anschmeißen (Rezeptorenrunterregulierung), um eine Homöostase zu erreichen

3) Gewicht und Größe der Person lassen keine Aussagen über Dosis, Absetzsymptome, Zeit des Auftretens von Absetzsymptomen, Nebenwirkungen etc. zu
4) Der Leberstoffwechsel hat eine Bedeutung, zB ob man langsam, normal oder schnell auf dem Enzymsystem CYP2D6 metabolisiert (CYP2D6 baut SSRI ab).
5) Hochkomplexe, hoch-individuelle Empfindlichkeit des ZNS auf chem. Eingriffe
u.v.m.
Da muss ich dir insoweit Recht geben, dass meine Theorie eher darauf basiert, dass das SSRI (also ein bestimmter Stoff aus dem Medikament) gelagert wird bzw. der Körper wandelt überschüssiges in einem speicherbaren Stoff. Ich denke auch nicht das Serotonin oder Dopamin, oder sonstiges als Botenstoff in seiner Chemische Form gespeichert wird.
Jamie hat geschrieben:
Letztlich gibt es eine nachvollziehbare Erklärung für zeitversetzt einsetzende Symptome und die besteht darin, dass das ZNS / Gehirn erst nachgelagert auf Dosisänderungen reagiert.
Das Gehirn checkt zwar schnell, dass jetzt zB weniger eines Stoffs da ist, aber ab dann geht der ganze Trubel erst los.
Es werden nachgelagert Rezeptoren hoch- und runtergefahren, ändern sich Transportwege, Signale und Neurotransmitterinteraktionen etc. Und jede Änderung führt zu weiteren Änderungen in weiteren Regelkreisen und so weiter.
Über Feedbackmechanismen wird alles wieder ans Gehirn zurückgefunkt, woraufhin dies weitere Maßnahmen zur Einleitung einer Homöostase einleitet, sodass der Kreislauf munter weiter geht.
Hier ist der Punkt wo ich meine Fragen habe und mehr oder weniger diese "nachgelagert" quasie nicht akzeptieren kann oder will. Ich weiß: Sturkopf :D

Der ganze Prozess den du beschreibst, stimme ich zu. Es kommt der irgendwann der Punkt wo er merkt. hup, da gibt es eine Änderung und eine Homöostase einleitet, sodass das Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Und dann geht der ganze Mist los, bis es irgendwann das Gleichgewicht hergestellt ist. Durch das langsame Ausschleichen wirken wir entgegen und wir geben ihm die Zeit für eine Schritt für Schritt Regeneration.
Wir sind uns einig, dass unsere ZNS sehr empfindlich ist. Sowohl das somatische als auch das vegetative Nervensystem reagiert quasi live auf äußerliche Einflüsse. Die Nervenzellen nehmen eine Information war und übersetzen es quasi on the fly in einem elektronischen Signal, das an das ZNS weitergeleitet wird und die Reaktion folgt Prompt.

Ich kann mir also nicht vorstellen, dass ein System, dass so empfindlich, so sensibel, so komplex ist, so spät merkt das er quasi gehackt wurde und er jetzt ein Hardreset einleiten muss um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Vielleicht stimmt es tatsächlich. Ich muss mich da auch ein wenig mehr einlesen. Aber für mich bleibt es schwer nachvollziehbar. Also die ausgelagerte Homöostase.
Jamie hat geschrieben:
Andere wiederum merken es schon am nächsten Tag, bsp.weise bei Venlafaxin gibt es manche Betroffene, die sogar noch am gleichen Tag merken, dass etwas nicht stimmt.
Wir bekommen hier öfters Entzugssymptome geschildert, wenn man mal eine einzige Tablette vergessen hat; das liegt auch an der nur kurzen HWZ.
Hier wären wieder dann wieder zum einen bei der Dosis. Also im niedrig Dosis Bereich, kann ich mir das sehr gut vorstellen. Auch bei einem vorgeschrittenen Entzug wo quasi das ZNS auf dem Stoff wartet. Da ist bereits nichts mehr im Körper gespeichert woher sich das ZNS bedienen kann.
Oder eben das was ich oben mit Cat besprochen habe. Ein gewisses Nocebo-Effekt das in den ersten Tagen beim Absetzen auftritt.

Das ist sehr gut mit dem Placebo-Effekt beim Benzos zu vergleichen der auch so vom Prof. Morschitzky auf panikattacken.at beschrieben wurde.

Obwohl man es weißt, dass eine Wirksamkeit erst nach ca. 20 min. eintritt, geht es einem jedes mal erstaunlich besser bereits nach einer Minute. Dieses Placebo Effekt habe ich komischerweise auch nachdem ich ein Arzt besuche. Es geht mir danach besser. Wenn ich nicht auf Kriegsfuß mit die Ärzteschaft wäre, würde ich jeden Tag währen dem Entzug ein Besuch in der Praxis organisieren nur damit es mir besser geht :D

Für mich ist das alles neu und ehrlich gesagt ein wenig spannend. Hätte ich nie erahnen können was alles dahintersteckt. Mann will ja am Anfang quasi nur ein Medikament weglassen. Und dann das erwachen. Boahh.
Für euch bestimmt schon alles 1000 Mal durchgekaut und jeder Neuling kommt immer mit dieselbe Fragen und Theorien. :D

Verzeihung bitte und danke trotzdem für euere Zeit :)

Schöne Grüße
Nikko
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Jamie »

Hallo xxs, :)

Ich kann mir also nicht vorstellen, dass ein System, dass so empfindlich, so sensibel, so komplex ist, so spät merkt das er quasi gehackt wurde und er jetzt ein Hardreset einleiten muss um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Das hatte ich ja auch nicht geschrieben und in sofern ist deine Aussage kein Widerspruch zu meinen Ausführungen.
Ich schrieb ja, dass das das Gehirn sehr schnell merkt, aber die ganzen Prozesse, die dann angeleiert werden, ziehen weitere Regelkreisänderungen nach sich und das zieht sich oft über Wochen hin. Das Rezeptoren runter- und hochregulieren zum Beispiel dauert Wochen, nicht Tage.

Deswegen muss man zB auch Betablocker ausschleichen, und zwar unbedingt, sonst kann es zu Blutdruckkrisen kommen (Betablocker sind ein griffiges Beispiel für Rezeptorenupregulation nach Medikamentierung (https://www.diepta.de/news/praxis/wisse ... en-539107/).

Es mag Menschen geben, die ihren Körper beim Absetzen irgendwann sehr gut kennen; zB hier im Forum gibt es zahlreiche.
Die wissen dann schon, dass zB Woche 3 immer besonders heikel ist, weil da die meisten Symptome kommen oder aber es geschieht in Woche 5.
Man hat keinen Einfluss darauf, was das ZNS da mit einem macht.
Andererseits gibt es ja auch Menschen, die gut und ohne Probleme mit sehr viel weniger zeitl. Abständen reduzieren können; es ist einfach nicht geklärt, warum es beim einen so beschwerlich ist und beim anderen gut klappt.

PS. Ein ZNS ist kein Computer ;) Ein Hardreset würde für mich erfolgen, wenn man kalt absetzt / Cold Turkey vollzieht.
Das empfiehlt ein ITĺer glaub ich nur im Notfall und wir schon gleich gar nicht ;), es sei denn es sprechen lebensbedrohliche Gründe dagegen, noch einen Tag länger ein AD einzunehmen. Solche Entscheidungen sollten nur in enger Absprache mit dem Arzt erfolgen; Kaltentzug kann eine ganz üble Sache werden.

PS2. Als ehem. Benzoabhängige (8 Jahre, niedrige Dosis, aber abhängig) kann ich den Satz mit dem "es wirkt nach einer Minute" nicht bestätigen, weder physiologisch noch psychologisch.
Das mag bei ungewöhnten Panikattacklern sehr viel eher klappen, aber nicht bei Substanzgewöhnten.

Schönen Abend
Jamie
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Hallo Jamie,

vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst :)
Das hatte ich ja auch nicht geschrieben und in sofern ist deine Aussage kein Widerspruch zu meinen Ausführungen.
Ich schrieb ja, dass das das Gehirn sehr schnell merkt, aber die ganzen Prozesse, die dann angeleiert werden, ziehen weitere Regelkreisänderungen nach sich und das zieht sich oft über Wochen hin. Das Rezeptoren runter- und hochregulieren zum Beispiel dauert Wochen, nicht Tage.
Ich versuche mich gerade ein wenig in der Materie einzuarbeiten, damit ich auch wirklich verstehe was du meinst. :D Und Entschuldige bitte meine allgemeine meine Naivität. Basiert auf Unwissenheit. Mir ist durchaus bewusst, dass das ganze nicht so einfach sich erklären lässt wie ich es gerne hätte.

Ich bin gerade mich ein wenig einzulesen, was ein SSRI überhaut bewirkt. Wenn ich jetzt nicht alles falsch verstanden habe, hat ein SSRI kein kein direkter Einfluss auf das Serotonin Spiegel im Körper. Eher nur indirekt, weil es das 5-HTT Protein (der, wenn ich richtig versanden habe, für dem Transport des Serotonin aus der Zelle verantwortlich ist) hemmt. Also findet eine unter Regulierung statt? Habe ich bis hier das Prinzip richtig verstanden?

Ich versuche mal zu beschreiben (mit einfache Worten) wie ich deine Erklärung verstehe. Korrigiere mich bitte. Also das ZNS merkt die Änderung (keine Unterregulierung bzw. eine geänderte Unterregulierung) und leitet eine Autoregulierung ein, so dass wieder ein Gleichgewicht entsteht. Dieses gesamte Prozess braucht Zeit, verläuft aber vom Person zu Person unterschiedlich sowohl was das Zeitliche auch Intensität betrifft. Während dieser Prozess, treten irgendwann Nebenwirkungen auf, dass heißt aber nicht dass der Prozess erst dann anfängt.
PS. Ein ZNS ist kein Computer ;) Ein Hardreset würde für mich erfolgen, wenn man kalt absetzt / Cold Turkey vollzieht.
Das empfiehlt ein ITĺer glaub ich nur im Notfall und wir schon gleich gar nicht ;), es sei denn es sprechen lebensbedrohliche Gründe dagegen, noch einen Tag länger ein AD einzunehmen. Solche Entscheidungen sollten nur in enger Absprache mit dem Arzt erfolgen; Kaltentzug kann eine ganz üble Sache werden.
Nein ist er nicht. Nehme ich nur gerne als Beispiel. Berufskrankheit :P
PS2. Als ehem. Benzoabhängige (8 Jahre, niedrige Dosis, aber abhängig) kann ich den Satz mit dem "es wirkt nach einer Minute" nicht bestätigen, weder physiologisch noch psychologisch.
Das mag bei ungewöhnten Panikattacklern sehr viel eher klappen, aber nicht bei Substanzgewöhnten.
War auch so gemeint. Also beim Panikattacken. Ein Bezoentzug (länger als 2 Wochen) hatte ich noch nie, kann mir aber auch nicht Vorstellen das beim n Entzug sowas auftritt. Also ich meine der Placeboeffekt tritt nicht auf. Ein Nocebo-Effekt in den ersten Tagen wäre auch möglich. Gut, die meist kurze HZW bei dem Bezos sorgen auch so rechtzeitig für Symptome. Beim Diazepam vielleicht. Dennoch, dass mit dem Nocebo-Effekt war eher auf SSRI bezogen und auch da eher bei den jenige die wissen wann Symptome zu erwarten sind. Bei mir sind diese Erste-Tage-Symptome erst nach meinem Horror-Trip im August aufgetaucht. Vorher hatte ich nie in den ersten Tage Symptome und auch dann nicht wenn ich mal mein Citalopram vergessen habe. Erst dann wo ich nicht wusste was kommt wenn ich jetzt was ändere, hatte ich komischerweise auch ab dem ersten Tag Symptome (bekannte und einer Abgeschwächte Form).

Ich habe mir gestern den Artikel zum SSRI-Entzug inkl. langanhaltende Post-Entzugs-Störungen gelesen und die (persistente) Post-Entzugs-Störungen zeigen mir wie hoch der Preis sein kann. Klar nicht muss und eher selten. Dennoch.

Und für ich stelle mir tatsächlich die Frage was ich überhaut anstreben soll. Dosisreduzierung oder die "null". Echt schwierig.
Ich habe mir ein paar viele , Verläufe angeschaut. Nicht gerade aufmunternd. Viele leiden so schrecklich schon während dem Entzug und nachdem null ist es selten ein Ende im Sicht. Was man so auf dem ersten Blick nicht (immer) erkennt ist der Mensch dahinter. Ich meine ich bin ein Familienvater, habe zwei Kinder, ein Job, Verantwortung. Ich denke viele hier sind in einer ähnlicher Situation und ich frage mich wie sie das schaffen? Ein Entzug ist immer :censored: aber ist stelle mir vor, dass im hohe Alter, wenn die Kinder außer Haus sind und vielleicht man auch nicht mehr jeden Tag in Büro antanzen muss, also wenn die Verantwortung Großteils wegfällt, ist zumindest der Zeitpunkt günstiger. Klar, jeder muss für sich selber entscheiden. Ich denke ich werde erstmal diese Entscheidung nach hinten verschieben und den Verlauf abwarten. Nur ich finde es ist nicht verkehrt sich mit der Frage "Was bin ich bereit zu bezahlen?" sich zu beschäftigen.

Einen schönen Abend und weiterhin ein schönes Wochenende wünsche ich euch allen.
LG
Nikko
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Ajnevs »

Lieber Nikko,

diese Frage stelle ich mir auch immer "Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen".

Meine Entscheidung ist, dass ich ganz ganz langsam im Entzug vorgehen, um die Symptome gering zu halten.

Und wenn ich dann halt erst mit 60 auf 0 bin, dann ist das so.

Mein ZNS reagiert sehr sensibel, meist erst nach 5-6 Wochen so richtig schlimm. D.h. ich brauche eher 8- 12 Wochen nach jedem Schritt um mich zu stabilisieren.

Aber ich will nicht über mich quatschen, meine Botschaft ist: mach keinen Plan, probier es aus mit 10% reduzieren, schau was passiert, hör auf deinen Körper, gib dir Zeit. Sei nicht zu ungeduldig mit dir. Vllt. gehen auch nur 5%.
Vllt kannst du alle 4 Wochen reduzieren, vllt. nur alle 8.
Eigentlich auch spannend...wenn es nicht so nervig wäre.

Dein Leben ist JETZT, daher würde ich versuchen, die Lebensqualität im JETZT trotz Entzug hochzuhalten.

Es ist großartig, wie weit du schon gekommen bist. Damit hast du ja schon sehr viel erreicht.

Machst du jetzt eigentlich eine Therapie?

Ich finde es toll, wie intensiv du dich mit dem Thema auseinandersetzt; mir ist das oft zu anstrengend.

Viele Grüße
Svenja
Diagnose: Wochenbettdepression (Juli 2015)

Einnahme von Duloxetin und Fluanxol ab Aug 2015
ab Januar 2016 insgesamt 120 mg Duloxetin, 2mg Fluanxol

Reduktion ab Frühjahr 2017: Duloxetin jeweils um 30 mg alle 3 Wochen nach Absprache mit der Ärztin, Fluanxol um je 0.5 mg

im Juni 17 Duloxetin auf 30 mg reduziert und Fluanxol auf 0 mg; heftige Absetzsymptome ; Klinikaufenthalt erforderlich

Dortige Aufdosierung auf 120 mg Duloxetin und 1 mg Fluanxol

Nach Absprache mit meiner Ärztin zunächst Fluanxol erfolgreich abgesetzt zum Ende 2017

Beginn der Reduktion des Duloxetin Ende 17
- 3 Monate 105 mg
- 3 Monate 90 mg
- 3 Monate 75 mg
- 3 Monate 60 mg

ab Dez 18 Reduktion auf 45 mg - stärkere Entzugssymptome als vorher

19.12.18 Erhöhung auf 46 mg Duloxetin

30.12.18 Erhöhung auf 48 mg Duloxetin - Einschlafprobleme, Reizbarkeit, Ohrgeräusche

08.01.2019 Erhöhung auf 50 mg

01.03.2019 Reduktion auf 47.5 mg
14.04.2019 Reduktion auf 45 mg
02.06.2019 Reduktion auf 40 mg
08.07.2019 Reduktion auf 35 mg
05.08.2019 Reduktion auf 31 mg
23.09.2019 Reduktion auf 28 mg
10.10.2019 Erhöhung auf 28.5 mg

November 2019 Absetzen der Anti-Baby-Pille

27.03.2020 Reduktion auf 27 mg
Seit Woche 5 verstärkt Entzugssymptome; neu dabei: Kopfschmerzen, Nackenverspannungen

Ab Mai über 3 Wochen 0.5 mg reduziert (3 Kügelchen, wöchentlich eins weggelassen) - 26.5 mg
Entzugssymptome vorhanden, aushaltbarer, kürzere und mildere Wellen bekannter Symptome, getriggert durch den Hormonstatus (Tage über den Eisprung waren furchtbar!)

07.07.2020 26 mg
09.09.2020 26.5 mg
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Hallo und guten Morgen Svenja, :)

also, du darfst sehr gerne über dich auch quatschen :wink: Ich lese sehr gerne und bin froh darüber, die ganze Thematik auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu dürfen.
diese Frage stelle ich mir auch immer "Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen".

Meine Entscheidung ist, dass ich ganz ganz langsam im Entzug vorgehen, um die Symptome gering zu halten.

Und wenn ich dann halt erst mit 60 auf 0 bin, dann ist das so.

Mein ZNS reagiert sehr sensibel, meist erst nach 5-6 Wochen so richtig schlimm. D.h. ich brauche eher 8- 12 Wochen nach jedem Schritt um mich zu stabilisieren.

Aber ich will nicht über mich quatschen, meine Botschaft ist: mach keinen Plan, probier es aus mit 10% reduzieren, schau was passiert, hör auf deinen Körper, gib dir Zeit. Sei nicht zu ungeduldig mit dir. Vllt. gehen auch nur 5%.
Vllt kannst du alle 4 Wochen reduzieren, vllt. nur alle 8.
Eigentlich auch spannend...wenn es nicht so nervig wäre.
Also hast du einen ähnlicher delay wie ich (ca. 5 Wochen) :D .Interessant zu lesen, wie lange es dauert bist du dich (einigermaßen) stabilisierst. Ich hatte bis dato überhaupt keine Anhaltspunkte diesbezüglich. Ich weiß natürlich, dass diese Zeiten nicht unbedingt für mich gelten müssen. Dennoch. Vielen Dank.

Das mit "Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen" ist natürlich Ansichtssache. Es gibt wahrscheinlich die Partei "Gesundheit geht über alles" und eben diejenigen die sagen "Ich gehe das Risiko ein und nehme Medikamente weiter, auch wenn ich weiß es tut meiner Gesundheit nicht unbedingt gut". Jede Entscheidung kann mMn. gut argumentiert werden und ich persönlich sehe hier ich kein richtig oder falsch. Da gibt es viele Komponenten die zu der eine oder andere Entscheidung führen können.

Interessant finde ich aber ein Rückblick über meine Gedanken (vor all nicht zu langer Zeit). Ich habe die Medikamenten 14 Jahre!!! lang eingenommen. Und wenn ich ehrlich sein soll, nicht wirklich Gedanken darüber gemacht was ich eigentlich mache. Irgendwann kam der Zeitpunkt und die Entscheidung auszuschleichen und ab dann ging's mir auf einmal nicht mehr schnell genug. Sowas wie "Ohh mein Gott, jetzt bin ich Wach geworden. Das Zeug ich scheiße und ich will es so schnell wie möglich weg". Über dieser Denkmuster bin ich zum Glück mittlerweile weg. Ja, das Zeug ich Mist und ich will es weg haben. Muss dennoch ein gewisses Balance in meinem Leben behalten. Und wenn ich's nicht weg bekommen oder nicht ganz weg bekommen oder es noch 10 Jahre dauert bis ich auf Null bin, dann ist es eben so.

Wenn du meine Geschichte gelesen hast, wirst du gemerkt haben, dass ich im Sommer bereit war Benzos über längere Zeit einzunehmen. Den Risiko bin ich eingegangen um meiner Kinder, meiner Familie ein "normales Familienurlaub" bieten zu können. Wenn ich nicht mitgefahren wäre, wären bestimmt alle enttäuscht aber sie hätten auch Verständnis dafür gehabt. Aber das war/ist nicht das was ich wollte/will. Und um das geht es im Prinzip. Was einem im Leben wichtig oder wichtiger ist. Und bei mir ist es anscheinend meine eigene Gesundheit nicht an der erste stelle. Ich bin anscheinend nicht bereit ein großes Opfer zu bringen, für das was ich im Leben als wichtig erachte. Gut, klar, ohne Gesundheit fällt alles anderes auch. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht's bei mir eben anders aus.
Machst du jetzt eigentlich eine Therapie?
Nein mache ich nicht. Zum einem wusste ich überhaut nicht was für eine Therapie ich machen soll. Ich habe in all den Jahren sehr viel an mich gearbeitet. Muster erkannt und geändert, Entspannungsübungen gelernt, mit Panikattacken gelernt umzugehen, sie unter Kontrolle zu halten und ich habe mittlerweile auch keine Angst von der Angst mehr. Ich fühle mich Gesund und ich denke nicht das eine Verhaltenstherapie mir viel bringen wird. Vielleicht eine Therapie wo nach dem Grund nachgeforscht wird. Aber will ich das? Ich weiße es nicht. Eine Verhalten-Therapie wäre mM. am Anfang an, vor 14 Jahre, Goldwert gewesen.
Ich finde es toll, wie intensiv du dich mit dem Thema auseinandersetzt; mir ist das oft zu anstrengend.
:D Das geht auch nur jetzt, weil ich zur Zeit sehr stabil bin. Aber ja ich tue mit generell schwer mit Sachen die ich nicht verstehe. Wobei die Materie echt Schwerkost ist. :wacko:

Wünsche dir, euch einen schönen Sonntag :)

Grüße
Nikko
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Susanne1978 »

Hallo Nikko, nach jeder Reduktion, kommen bei mir die Symptome nach ca. 6 Wochen. Da ich eine Frau bin, habe ich auch noch die Probleme mit dem Zyklus. Die Hormone spielen auch da rein.

Was mich stutzen lässt, uns Frauen wird gesagt eine Schwangerschaft unter Medikamente ist tabu, größtenteils. Wie sieht es eigentlich bei Männern aus, verändert sich das Sperma? Ist das zu verantworten?

Außerdem, hast du dich mal mit den ganzen Mikronährstoffen auseinandergesetzt? Die Medikamente sind Energieräuber, kommt Stress dazu, wird der Körper an seine letzten Reserven gehen. Diese aufzufüllen ist auch für einen selbst sehr wichtig. Was bringt es wenn das Auto tip top in Schuss ist, aber nicht fährt weil das Benzin alle ist. Leider steckt diese Materie in den Kinderschuhen. Viele Ärzte wissen darüber nicht Bescheid. Ich musste sehr weit fahren um endlich mal einen Arzt zu gelangen der dem Beachtung schenkt. Und was sagte meine Fachärztin? „Ach Gott, da haben sie interessantes testen lassen“.....
Also, es wurde wieder belächelt als Hirngespinst abgetan. Denn alles was nicht aus der Schulmedizin kommt, kann ja nicht in Ordnung sein.

Aber da muss jeder seinen Weg gehen und seinen Weg finden.

Ich habe mich für das langsame und achtsame ausschleichen einschieben, weil nach 20 Jahren einfach genug ist. Ich weiß ja gar nicht wer ich ohne Medikamente bin?!

Lg Susanne
Seit ca. 1998 nehme ich Antidepressiva
Doxepin, Sertralin, Venlafaxin

03/2017 nehme ich 150 mg Venlafaxin

01.12.2018 = abzgl. 5% = 142,50 mg
01.02.2019 = abzgl. 10% = 128,25 mg
01.03.2019 = abzgl. 10% = 115,50 mg
01.04.2019 = 112,50 mg
01.06.2019 = abzgl. 5% = 106,88 mg
11.07.2019 = abzgl. 5% = 101,54 mg
10.08.2019 = 100,00 mg
11.09.2019 = abzgl. 5% = 95,00 mg
29.10.2019 = abzgl. 8% = 87,50 mg
Einnahme vergessen am 18.12.19!
12.01.2020 = abzgl. 5% = 83,00 mg
18.02.2020 = abzgl. 10% = 75,00 mg
01.05.2020 = abzgl. 10% = 67,50 mg
02.07.2020 = abzgl. 7,5% = 62,50 mg
26.08.2020 = abzgl. 10% = 56,25 mg
23.10.2020 = abzgl. 10% = 50,00 mg
xxs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Hallo Susanne,
Wie sieht es eigentlich bei Männern aus, verändert sich das Sperma? Ist das zu verantworten?
Ich habe nicht vor langen Zeit ein Bericht gelesen, der aussagt dass SSRIs die Spermienqualität beeinflusst.

https://www.deutsche-apotheker-zeitung. ... nqualitaet
Außerdem, hast du dich mal mit den ganzen Mikronährstoffen auseinandergesetzt? Die Medikamente sind Energieräuber, kommt Stress dazu, wird der Körper an seine letzten Reserven gehen. Diese aufzufüllen ist auch für einen selbst sehr wichtig. Was bringt es wenn das Auto tip top in Schuss ist, aber nicht fährt weil das Benzin alle ist. Leider steckt diese Materie in den Kinderschuhen. Viele Ärzte wissen darüber nicht Bescheid. Ich musste sehr weit fahren um endlich mal einen Arzt zu gelangen der dem Beachtung schenkt. Und was sagte meine Fachärztin? „Ach Gott, da haben sie interessantes testen lassen“.....
Also, es wurde wieder belächelt als Hirngespinst abgetan. Denn alles was nicht aus der Schulmedizin kommt, kann ja nicht in Ordnung sein.

Aber da muss jeder seinen Weg gehen und seinen Weg finden.
Mit Mikronährstoffe nicht. Was ich nehme ist Orthomol Vital M. Ich kaufe immer eine 30er Packung und mache jeweils ein 15 tägiger Kur im Herbst und im Frühling. Das Hilft mir sehr gut gegen Abgeschlagenheit, Nerven, Konzentration.
Ich weiß ja gar nicht wer ich ohne Medikamente bin?!
Wenn du wüsstest wie gut ich dich verstehe. Siehe mein letzter Ausflug auf "null"
Ausflug

Irgendwann dachte ich, okay, jetzt kannst ja mal das Zeug weglassen. Von den Wochen her (19 W auf 10 mg) passt es auch, also versuchst mal.

... Ich merkte wie gerne ich mich wieder mit Freunde getroffen habe. Wie gerne ich was unternommen habe. Gerne ist vielleicht das falsche Wort. Eher sorgenfrei. Ein perfekter Zustand, wenn man es so nennen will. Ich habe tatsächlich während den ganzen Jahren vergessen wie sich “normal, beschwerdefrei” anfühlt. Ein wunderbares Gefühl für den es sich auf jeden Fall zu kämpfen lohnt.
So schön, wäre da plus nicht die andere Seite :(

Liebe Grüße
Nikko
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xxs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Guten Abend zusammen,

es sind mittlerweile ca. 6 Wochen seit der letzte Dosis Änderung vergangen und ich überlege in einer Woche die Reduktion fortzusetzen. 1 mg weniger. Also auf 9mg Citalopram zu gehen.
Wie bereits erwähnt, habe ich am 15.10.2020 bereits auf die Wasserlösliche Methode umgestellt, ohne dabei die Dosis zu ändern. Die ausgelösten Symptome – u.a. Nervosität und Geräuschempfindlichkeit - sind mittlerweile komplett verschwunden.

Seit 27.10.2020 bis am Samstag nehme ich noch NEM (Orthomol Vital M). Ich dachte es könnte nicht schaden den Körper vor der Reduktion zu stärken und ich wollte nicht unbedingt Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, wenn auch mit Symptomen zu rechnen wäre. Dabei ist mir aufgefallen, dass die NEM bei mir leichte Symptome hervorrufen. Das ist mit früher nie aufgefallen! Es sehr leichte Symptome, nichts Dramatisches. Dennoch merke ich die Einnahme und deswegen möchte ich auch noch eine Woche mit der weitere Reduktion warten.

Wenn ich nicht spätestens nächste Woche reduziere, wäre der nächstmögliche Zeitpunkt für eine Reduktion bei mir erst Anfang Februar 2021. Was würdet Ihr sagen? Jetzt noch ein mg runter, oder (nach dem ganzen Drama im August-September), lieber erst Anfang Februar 2021 weitermachen?

Wahrscheinlich wichtig zu erwähnen: Ich fühle mich z.Z. Stabil. Sowohl Psychisch als auch Physisch.

Vielen Dank schon mal und einen schönen Abend gewünscht.

LG
Nikko
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Sabs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von Sabs »

Hi,
Schön, dass es dir gut geht.
Ich denke du kannst die nächste Reduktion wagen.
Orthomol ist doch aber auch ein Nem und wenn es bei dir Symptome auslöst, würde ich es weg lassen.

Gruß Sabs
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xxs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Hi Sabs,

danke für dein Feedback und deine Einschätzung :)

Bzgl. Orthomol- Jep. Muss ich mal schauen. Wie gesagt ich nehme diese 2 im Jahr für 15 Tage und die helfen mir sehr gut, gerade was Konzentration, Müdigkeit angeht. Momentan sind die angetriggerte Symptome nicht wirklich ein Problem und der Nutzen überwiegt (noch). Aber, klar. Ich muss mal schauen wie es später wird und ggf. drauf verzichten. Auf jeden Fall werde ich generell auf NEM verzichten, wenn mir nicht gut geht.

nice day wünsche ich dir
LG
Nikko
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xxs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Hallo zusammen, :)

Ich würde euch gerne Zeigen wie ich die “Wasserlösliche-Methode” einsetze. Für den Fall, dass sich jemanden, schwer tut mit Luftbläschen, mit einer Hand abziehen, etc. Wenn bereits bekannt, bitte den Beitrag löschen.

Benötigte Utensilien: Spritze, Waage, magnetischer Mischbecher.
Ich habe bewusst keine Links zu dem Artikeln veröffentlich.

Beispiel: 1 mg vom 10 mg reduzieren.

10 mg Medikament = 150 mg Wasser
1 mg (gewünschte Abziehmenge) Medikament = (150 mg Wasser / 10 mg Medikament = 15 mg Wasser (1%) x 1 mg Medikament = 15 mg Wasser)

Prozess:

1. 150 mg Wasser im Becher wiegen.
2. Medikament hinzugeben.
3. Warten bis das Medikament aufgelöst wurde (ggf. Ab und zu rühren lassen) - Citalopram braucht 10 Minuten.
4. Becher auf der Waage stellen und das automatische Rühren einschalten.
4. TARE Taste drücken (Waage auf 0 stellen)
5. 15 mg mit der Spritze abziehen (Waage zeigt –15 mg an) - Video mit dem Abziehen

Vorteile:

- Man bleibt immer bei einer Einheit --> mg
- Es ist unwichtig ob sich Luftbläschen entwickeln.
- Konstantes Rühren.
- Zum Abziehen können beide Hände benutzt werden.

Nachteile:

- zusätzliche kosten

INFO:

Ich habe für den Becher nur ein Akku benutzt. Vorgesehen sind zwei, aber dann dreht es zu schnell und das Wasser spritzt. Es handelt sich um eine parallele Schaltung. Das heiß man kann (am einfachsten der fehlende Akku mit einer Büroklammer ersetzen. Ich persönlich benutze ein Akku und keine Batterie. Batterien sind ein wenig stärker (glaube 1.5 V) gegenüber Akkus 1.2 V. Man müsste testen wie strakt der Motor mit einer Batterie dreht. Akku läuft seit einem Monat und müsste noch nicht getauscht werden.

Umbaufoto: Batterie überbrücken mit Büroklammer

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Nikko
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xxs
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Re: xxs: 14 Jahre Citalopram

Beitrag von xxs »

Guten Abend zusammen,

schon krass die Antwort des ZNS wenn mann versucht Absetzsymptome mit Benzos zu deckeln :whistle:

Heute um 10:00, 0,25 mg Alprazolam genommen, jetzt Zahle ich die Rechnung. :?

Die Grippeähnliche Symptome sind Gefühlt 10x stärker zurück.

Mein Kopf brennt als hätte ich 100 Grad Fieber. Der Körper friert und ich brauche zwei decken hier.

Gerade geppent aber ich fühle mich so als hätte ich gerade ein 10 Stunden Marsch hinter mir.

LG
Nikko
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