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Roadrunner30: Absetzschwierigkeiten NASSA (Mirtazapin)

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Roadrunner30
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Roadrunner30: Absetzschwierigkeiten NASSA (Mirtazapin)

Beitrag von Roadrunner30 »

Hallo,

Ich bin ganz neu hier. Ich nehme zum 2.mal seit 5 Jahren ein NASSA - Medikament ein.

Nachdem ich Langzeitnebenwirkungen vermutet habe, wollte ich sie letztes Jahr mit Hilfe einer Ärztin in einer Klinik absetzen. Da ich nur noch 1/4 der Tablette genommen habe, meinte die Ärztin, ich solle sie ganz weglassen. Nach 4 Tagen fiel ich in ein massives Depressions Loch mit Suizidgedanken, dass ich das Antidepressiva wieder nahm. Versuch gescheitert. Weitere Hilfe bekam ich keine!

Wieder zu Hause versuchte ich dies Problem mit meiner Psychiaterin zubesprechen. Auch diese meinte, ich könne das Medikament einfach weglassen. Ich erschrak sehr und erklärte ihr, dass ich das schon versucht habe und sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe.
Also informierte ich mich im Netz und würde fündig. Tatsächlich darf man Antidepressiva nicht einfach so absetzen. Auch eine Freundin riet mir, es gaaaaanz langsam, über Wochen/Monate auszuschleichen. Das tat ich dann.

Seit 2 Wochen habe ich es nicht mehr genommen. Dann ging es mir immer schlechter. Ich schlief immer schlechter, war sehr unruhig, umtriebig. Konnte nicht mehr abschalten, kam nicht zur Ruhe. Alles war mir zuviel. Alles störte mich. Wie im Hamsterrad. Ich entschloss mich, wieder Antidepressiva zu nehmen, nur um mal wieder erholsam schlafen zu können. Am nächsten Morgen hatte ich massive Suizidgedanken. Ich weinte nur noch, verstand die Welt nicht mehr. Es war furchtbar. Ich rief meine Verwandtschaft an, die teilweise wenig Verständnis zeigte.
Durch Gespräche allerdings ging es mir besser.

Ich überlebte den Tag irgendwie, ich lebe alleine, und gegen Abend ging es mir wieder besser. Mein Problem hat sich aber nicht gelöst. Da ich immer noch das Bedürfnis habe, von den Antidepressiva loszukommen.
Hat jemand vielleicht hilfreiche Ideen, wie man unterstützend natürliche Stoffe einsetzen kann, und welche?
Über Antworten würde ich mich sehr freuen.
Zuletzt geändert von padma am 16.11.2020 18:30, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Titel um Wirkstoffnamen ergänzt
Jamie
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Re: Roadrunner30: Absetzschwierigkeiten NASSA

Beitrag von Jamie »

Hallo Roadrunner,

willkommen im Forum :).

Verrätst du uns, wie das Medikament heißt? ;)

Du schreibst, du hast langsam ausgeschlichen.
Langsam kann ziemlich relativ sein, kannst du uns in etwa die Schritte und Zeiträume schildern?
Von welcher Dosis aus bist du runtergegangen und wie hast du es gemacht (Tablette gewogen?).

Was sind deine Symptome, die dich am meisten belasten?

Diese Infos sind wichtig für uns, sonst können wir dir keinen Tipp geben.

Viele Grüße, ich schicke dir gleich noch unseren Begrüßungstext
Jamie
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Re: Roadrunner30: Absetzschwierigkeiten NASSA

Beitrag von Jamie »

Hallo Roadrunner :)

willkommen im ADFD.

Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum:

Das ADFD ist ein Selbsthilfeforum und lebt vom gegenseitigen Austausch von Betroffenen untereinander. Mit der Anmeldung hast du dich für gelebte Selbsthilfe und aktiven Austausch auf der Basis der bereitgestellten Informationen entschieden.

Im Forum ist der Selbsthilfeaspekt zentral. Es ist sehr wichtig, dass du dich bemühst, dir selbstständig die wichtigsten Informationen anzueignen. Wenn du in den nachfolgenden Verlinkungen nicht fündig wirst, benutze bitte auch die Suchfunktion (rechts oben auf der Seite - Lupensymbol).

Bitte beachte, dass im Forum keine medizinischen Ratschläge gegeben werden. Du entscheidest dich selbstverantwortlich, ob du etwas von den Erfahrungen anderer Betroffener umsetzen möchtest.

Auch Teammitglieder sind keine medizinischen oder psychologischen "Berater", "Profis", "Fachleute" oder "Experten"! Wie alle anderen Teilnehmer auch, sind sie selbst Betroffene oder Angehörige und beteiligen sich, soweit es ihre Kräfte zulassen, am Austausch und geben Erfahrungen weiter.

Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva und Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen

Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.

Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen

Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen Umgang mit dem Entzug und Gesundheit. Eine Übersicht über ausgewählte Themen findest du unter Was finde ich wo im Forum? Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "hallo" zu beginnen und einem Gruß zu beenden.
Wenn du dich für eine Antwort bedanken möchtest, kannst du auf den Daumen hoch Button rechts oben in dem jeweiligen Beitrag klicken.

Wenn du Kraftausdrücke verwenden willst, benutze dafür bitte den censored smiley, also z.B. sch :censored: Beachte bitte auch unsere Regeln.

Damit die Beiträge besser lesbar sind, füge bitte Absätze und Leerzeilen ein.

Es kann etwas dauern, bis du eine persönliche Antwort auf dein Anliegen bekommst, bitte habe dann etwas Geduld.

Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Dein Thread befindet sich aktuell in der Rubrik "Hier bist du richtig". Sobald du im Forum "angekommen" bist, wird er von einem Moderator in die passende Rubrik Antidepressiva absetzen verschoben.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüße
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Re: Roadrunner30: Absetzschwierigkeiten NASSA

Beitrag von Roadrunner30 »

Hi,
Mirtazapin habe ich genommen. Am meisten störte mich mein verändertes Essverhalten. Mirtazapin macht bekanntlich Appetit. Und man nimmt davon zu. Beim 1. Mal nahm ich 15mg, nahm 9 kg zu.
Beim 2.mal nur 7,5 mg. Das reduzierte ich immer mehr und nahm zum Schluß rein intuitiv Krümel. Aber immer so, dass ich noch schlafen konnte. Nachdem ich massive Magen/Darmkolliken bekommen habe, wollte ich der Chemie ganz abschwören. Da ich gerade in der Corona Phase meinen Job verloren habe und zu Hause bin, nutzte ich die Gelegenheit, Mirtazapin nach und nach sein zu lassen.
Ich merke, dass meine Nerven blank liegen, ich mich sehr dünnhäutig fühle, überhaupt keinen Stress mehr vertrage, unruhig, nervös, getrieben bin. Der Schlaf ist sehr oberflächlich und unterbrochen, also nicht erholsam. Ängste und Anspannungenn nehmen wieder zu. Dann Antriebslosigkeit, Erschöpfung, das Gefühl der Überforderung.
Jamie
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Re: Roadrunner30: Absetzschwierigkeiten NASSA (Mirtazapin)

Beitrag von Jamie »

Hallo Roadrunner,

okay, Mirtazapin :).

Du schreibst leider nicht, in welchen zeitlichen Abständen du reduziert hast, aber ich vermute, das war viel zu schnell. Für 7,5mg hätte man auch circa 1,5 Jahre gebraucht, du warst sicher schneller unterwegs.
Ich merke, dass meine Nerven blank liegen, ich mich sehr dünnhäutig fühle, überhaupt keinen Stress mehr vertrage, unruhig, nervös, getrieben bin. Der Schlaf ist sehr oberflächlich und unterbrochen, also nicht erholsam. Ängste und Anspannungenn nehmen wieder zu. Dann Antriebslosigkeit, Erschöpfung, das Gefühl der Überforderung.
Das sind typische Absetzsymptome.

Seit wann bist du auf 0mg?
Je nach Antwort auf diese Frage würde ich dir vorschlagen, über eine Wiedereindosierung einer kleinen Menge nachzudenken um zu schauen, ob das die Symptome abpuffert.

Viele Grüße und bitte lege eine Signatur an
Jamie
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Re: Roadrunner30: Absetzschwierigkeiten NASSA (Mirtazapin)

Beitrag von Roadrunner30 »

Hallo,
Ich habe tatsächlich wieder mit einer Niedrigdosierung angefangen. Die Reduzierung verlief über Monate.
Danke für die Antwort. War sehr hilfreich!
Liebe Grüße
Stefanie
AntiAD
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Re: Roadrunner30: Absetzschwierigkeiten NASSA (Mirtazapin)

Beitrag von AntiAD »

Liebe Stefanie guten Morgen,

auch ich befinde mich im Mirtazapin Entzug und kann deine Situation gut nachempfinden. Ich bin jetzt 90 Tage von dem Gift weg und mir geht es schon um einiges besser. Ich kämpfe zwar noch mit starken Symptomen, aber im Vergleich zur Anfangs (bzw Mittel) Phase sind sie viel schwächer geworden.

Außenstehende werden, bei aller Empathie, nicht verstehen können durch welche Hölle wir gehen. Sei deinen Verwandten deshalb nicht böse oder von ihnen enttäuscht. Aber das bist du ja nicht wie es scheint.

Du fragst nach Skills/Hilfsmitteln um die Sache erträglicher zu machen. Was mir sehr half und nach wie vor hilft sind Meditation, Achtsamkeit und progressive Muskelentspannung. Es braucht eine Zeit damit warm zu werden, bei dir bestimmt weniger als bei mir (ich tat mich ziemlich schwer bzw war ungeschickt), aber sie reißen einen aus dem Grübeln, helfen beim einschlafen und erhöhen die innere Ruhe.

Auch das Schreiben und Lesen im Forum hat mir sehr geholfen und tut es noch. Ich bekam wertvolle Tipps und lernte sehr liebenswerte Menschen kennen.

Ein gesunder Lebensstil mit wenig zusätzlichen Reizungen deines Nervensystems rundet die Sache ab. Dein Körper leistet im Entzug außergewöhnliches und das Gehirn heilt in Fenstern und Wellen.

Tägliche moderate Bewegung an der frischen Luft halte ich auch für sehr wichtig. Am Anfang schaffte ich gerade mal ein paar Schritte, gerade wegen Schwäche und Schwindel, aber ich bin schon deutlich fitter und laufe auch ohne Betreuung jetzt viel entspannter.

Gib dir und deinem Körper Zeit. Du schaffst es. Bist auf dem richtigen Weg. Glaube an dich. Ich tue es.

Liebe Grüße dein AntiAD
Oktober 2018 Diagnose Burnout, Depression
Seitdem arbeitsunfähig und in Therapie (einzel und Gruppe)

Meine Medikamentengeschichte:
Ab 10/2018 7,5 mg Mirtazapin
Ab 12/2018 15 mg Mirtazapin
Ab 3/2019 Schlafprobleme, Herzneurose
4/2019 Reduziert, nach Rücksprache mit Psychologen auf 7,5
5/2019 auf Null
Unruhe, Herzneurose, Panikattacken
6/2019 7,5 mg Mirtazapin, nach Rücksprache mit Hausarzt
7/2019 15 mg Mirtazapin
3/2020 auf 7,5 reduziert
4/2020 0
Unruhe, Angst
5/2020 wieder 7,5 und dann 15 mg Mirtazapin
Unverträglichkeitssymptome im Juni 2020, Herzrythmusstörungen, zittrig, schwach
Daraufhin reduziert auf 7,5 mg und als die Brustschmerzen zu heftig wurden am 24.08.2020 abgesetzt.

Andere PP: Escitalopram, Citalopram, Pipamperon,... kurz bzw. versuchsweise

Seitdem (24.08.2020) frei von Medikamenten.

September 2020 das Forum entdeckt und gesehen, dass ich zu viel hin und her gesprungen bin. Die Ärzte und Psychiater hatten mich dahin gehend nicht gewarnt, sondern sprachen von "kleiner Dosis" usw.

Mein thread:
viewtopic.php?t=17803
Antworten