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Liebe ADFDler,

wir wünschen Euch eine schöne Osterzeit mit möglichst entspannten Feiertagen und schönem Wetter.

Das Team ist während dieser Zeit u wahrscheinlich auch etwas länger anhaltend, aus verschiedenen Gründen personell stark unterbesetzt, so daß hauptsächlich nur administrative Aufgaben erledigt werden können.

Wir bitten Euch deshalb, verstärkt gegenseitig nach Euch zu schauen u zu unterstützen.

Danke für Euer Verständnis, liebe Grüße vom Team

---

An unsere neuen Mitglieder: Bitte lest euch zunächst selbst in unsere grundlegenden Absetzinfos ein: Antidepressiva absetzen | Benzodiazepine absetzen | Neuroleptika absetzen

starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Stell Dich bitte hier vor, wenn Du Probleme mit Psychopharmaka hast, Infos brauchst oder noch nicht weißt, ob Du abdosieren solltest.
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starvinginthebelly
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starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von starvinginthebelly »

Hallo Zusammen!,


ich bin seit einiger Zeit stiller Mitleser in diesem Forum und habe mich durchgerungen mich zu registrieren und meinen "Weg" mal hier zu teilen, was mir ehrlich gesagt etwas schwer fällt, aber mal sehen wo es hinführt. Ich habe während meiner Krankheitszeit leider wenig Austausch mit Menschen gehabt die einen ähnlichen Verlauf hatten/haben.

Einleitung, ich bin m, 36 und seit etwas mehr als 3 Jahren Arbeitsunfähgig aufgrund einer psychosomatischen Erkrankung ( Depression, Angsstörung, Panikstörung mit Panikattacken, Somatisierungsstörung; aktuelle offizielle Diagnose: Angst und Depression gemischt).

Bevor ich Krankgeschrieben (vor ca. 4 Jahren) wurde, hatte mein Hausarzt den Verdacht ich hätte eine "leichte depressive Episode" und schickte mich zum Psychiater. Dieser versicherte mir das eine KVT nicht indiziert sei und verschrieb mir Citalopram 20mg. Ich hatte damals von PP, speziell SSRI, keine Ahnung und vertraute natürlich dem Arzt. Ich verspürte nur leichte NW und kaum Wirkung.

Nach Rücksprache mit dem Psychiater hieß es, dies sei normal und ich erwecke den Eindruck dass es mir deutlich besser geht, also weiter nehmen. Knapp 10 Monate auf Citalopram bekam ich einen heftigen grippalen Infekt der mit Antibiotika behandelt werden musste. Nach 4 Tagen Antibiotika bekam ich von einer Sekunde auf die Nächste etwas was bis heute als Panikattacke gedeutet wird.

Mir war schwindelig, mir wurde Schwarz vor Augen, ich musste sehr stark Würgen (ohne Erbrechen), mir war extrem Übel und extrem heiß. Ich ging sofort in die Notaufnahme. Dort wurde ich gecheckt und es wurde *trommelwirbel* nichts gefunden. Wurde nach hause geschickt, ich machte mir ehrlich gesagt wenig sorgen da ich ja untersucht wurde und auch sonst nicht so ängstlich bin (naja, war).

Die Symptome blieben (Übelkeit, Schwindel, Würgen, Grippegefühl, Schwäche, Erschöpfung).
Ich ging zum Hausarzt der mich ebenfalls beruhigte. 2 Monate vergingen, es blieb. Ich ging zum Psychiater und berichtete. Er sah keinen Zusammenhang mit meiner psychischen Erkrankung, schlug aber vor das Citalopram jetzt nach fast einem Jahr abzusetzen, und zwar direkt

-> Anmerkung: Ich hatte damals Citalopram als Tropfen bekommen (ja die gab es damals und nein kein Escitalopram) und hatte nach dem "Panikzwischenfall" die Dosis langsam verringert (wurde mir auch vom Psychiater gesagt, ich könne da selbst dosieren wenn ich im Bereich von 1-2 mg bleibe) und war zu diesem Zeitpunkt auf 7 mg gekommen, sprich 13mg in 8 Wochen reduziert.
Es folgten ca. 4-5Wochen schwere Absetzerscheinungen zu meinen persistierenden Symptomen. Kurze Zeit später dann Globusgefühl im Hals. Alles mündete in der Diagnose Somatisierungsstörung.

Nun sind 3 Jahre vergangen, ich habe 10 Wochen Tagesklinik hinter mir, ca. 230 Stunden Psychoanalyse und nehme seit über einem Jahr Opipramol. Die Symptome sind allesamt mehr oder weniger unverändert da und ich werde von Jahr zu Jahr "bettlägriger". Davor konnte ich trotz meiner Erkrankung immernoch Freunde sehen, spazieren, Sport machen usw.. es war zwar sehr sehr hart aber ich hab mich immer druchgerungen, seit einem Jahr nun aber kann ich quasi nur noch Einkaufen, Essen und ins Bett.

Und ja, ich habe schon lange "depressive Symptome", seit ca. 10 Jahren schon, wobei mein Therapeut meint dass ich das aufgrund von Traumata schon von Geburt an habe. Trotzdem habe ich ein verdammt gutes Abi geschafft sowie zweimal erfolgreich studiert (teilweise überlappend). Anfangs hatte mein HA mir Johanniskraut verschrieben, was ich ich völlig entspannt nehmen konnte, allerdings vertrage ich es seit meiner Citalopramzeit überhaupt nicht mehr.

Und jetzt sitze ich in der Zwickmühle. Über PP habe ich leider zuviel gelesen und Erfahrungsberichte gehört, zudem schleicht sich der Gedanke ein das meine extreme Verschlechterung durchaus mit dem Citalopram zu tun haben könnte. Die einzige Möglichkeit die meine Behandler mir anbieten sind aber leider genau Diese. Die Methoden wie PMR, autogenes Training, Meditation, Sport, Ernährung, etc etc... Mache ich weiterhin aber naja, leider erfolglos. Und natürlich schleicht sich mir der Gedanke ein, dass ich nun eben unheilbar bin und dies erst der Anfang meiner Krankheit ist.

Hatt jemand ähnliches durchlebt? So einen Verlauf mit Antibiotika und trotz langjähriger Behandlung "kein Fuß in die Tür bekommen" ?

Würde mich freuen wenn es einen Austausch gibt. Ansonsten hoffe ich niemanden gelangweilt zu haben oder irgendwem auf den Schlips getreten zu haben.

Danke fürs lesen und Alles Gute!
Zuletzt geändert von Jamie am 09.04.2021 08:16, insgesamt 3-mal geändert.
Grund: Absätze zur besseren Lesbarkeit eingefügt
Medis:

03.2017 : Citalopram 10mg
04.2017 : Citalopram 20mg
01.2018 : Citalopram reduktion schrittweise
02.2018 : Citalopram 7mg
03.2018: Citalopram 0mg

01.2020: Opipramol 100mg
06.2020: Opipramol 50mg
seit 08.2020 Opipramol 100mg
Niemandsland
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Re: starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von Niemandsland »

Hallo starvinginthebelly,

willkommen im ADFD.

Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum:

Das ADFD ist ein Selbsthilfeforum und lebt vom gegenseitigen Austausch von Betroffenen untereinander. Mit der Anmeldung hast du dich für gelebte Selbsthilfe und aktiven Austausch auf der Basis der bereitgestellten Informationen entschieden.

Im Forum ist der Selbsthilfeaspekt zentral. Es ist sehr wichtig, dass du dich bemühst, dir selbstständig die wichtigsten Informationen anzueignen. Wenn du in den nachfolgenden Verlinkungen nicht fündig wirst, benutze bitte auch die Suchfunktion (rechts oben auf der Seite - Lupensymbol).

Bitte beachte, dass im Forum keine medizinischen Ratschläge gegeben werden. Du entscheidest dich selbstverantwortlich, ob du etwas von den Erfahrungen anderer Betroffener umsetzen möchtest.

Auch Teammitglieder sind keine medizinischen oder psychologischen "Berater", "Profis", "Fachleute" oder "Experten"! Wie alle anderen Teilnehmer auch, sind sie selbst Betroffene oder Angehörige und beteiligen sich, soweit es ihre Kräfte zulassen, am Austausch und geben Erfahrungen weiter.

Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva und Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen

Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.

Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen

Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen Umgang mit dem Entzug und Gesundheit. Eine Übersicht über ausgewählte Themen findest du unter Was finde ich wo im Forum? Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "hallo" zu beginnen und einem Gruß zu beenden.
Wenn du dich für eine Antwort bedanken möchtest, kannst du auf den Daumen hoch Button rechts oben in dem jeweiligen Beitrag klicken.

Wenn du Kraftausdrücke verwenden willst, benutze dafür bitte den censored smiley, also z.B. sch :censored: Beachte bitte auch unsere Regeln.

Damit die Beiträge besser lesbar sind, füge bitte Absätze und Leerzeilen ein.

Es kann etwas dauern, bis du eine persönliche Antwort auf dein Anliegen bekommst, bitte habe dann etwas Geduld.

Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Dein Thread befindet sich aktuell in der Rubrik "Hier bist du richtig". Sobald du im Forum "angekommen" bist, wird er von einem Moderator in die passende Rubrik Antidepressiva absetzen/ Benzodiazepine absetzen/ Neuroleptika absetzen verschoben.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüße

Niemandsland
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"Alt ist man erst, wenn man mehr Freude an der Vergangenheit hat als an der Zukunft!"

Euer Behandler erkennt Entzugssymptome nicht an? Zeigt ihm diese Patienteninformation -> viewtopic.php?p=401827#p401827
Felia
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Re: starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von Felia »

Hallo starvinginthebelly,
Deine Situation ist leider, dass was häufig durch Antidepressiva entsteht. Eine lediglich leichte, gutbehandelbare Depression wurde durch die Antidepressiva verschlechtert und chronifiziert. Und jetzt hast du plötzlich noch 2 weitere krankheitsdiagnosen an der Backe und gelangst nicht mehr in dein normales Leben. Es ist so furchtbar wie oft das passiert.
Selbst die Behandlungsleitlinien sagen mittlerweile keine ad, bei leichten depressionen und trotzdem verordnen Ärzte ads wegen jedem pieps. Hat man dann Nebenwirkungen, ein irritiertes zns, und absetzsymtome...hat man prompt noch ein paar weitere Diagnosen und man fragt sich wie es plötzlich dazu kommen konnte, dass man in kurzer zeit so ein frack geworden ist.
Es gibt ein buch indem eine frau beschreibt was ihr wiederfahren ist. Sie nahm ssri wegen Burnout und bekam dann ängste unter ssri. Die anschließend nach absetzen verschwunden sind. Die Ärztin wollte nur aufdosieren und hat den Zusammenhang zu den ad nicht erkannt. Man weiss nie wie man auf AD reagiert. Ich denke es ist sinnvoll, dass du abdosiert. Wichtig, langsam absetzen. Ein trauma kann natürlich auch eine rolle spielen wenn es dir nicht gut geht. Allerdings zweifle ich an, dass Ad da eine Lösung sind. LG Felia

Edit: Antibiotika werden auch von manchen nicht vertragen, wenn es flourchinolone waren , da ist es sogar häufig so, dass dadurch psychische Symptome losgetreten werden können...
Diagnose: Rezidivierende Depression nun auch Angststörung. Seid mehr als 10 Jahren ssri. Erste Jahre Citalopram, dann Escitalopram. Teilweise bis 20 mg. Meiste Zeit 15 mg. März 2018 auf 0 gesetzt. Ab Ende Februar 2019 Wiedereinnahme Escitalopram 10 mg und zusätzlich Mirtazipin 15 mg.
► Text zeigen
..............................................
Aktueller Reduktionsverlauf: microtapering:alle 3 Tage 0,01 mg reduziert, zu schnell
27.04.20 7,5 mg Mirtazipin in einem Schritt:kein microtapering
05.05.20 auf 8,5 mg erhöht weil Unruhe und Bluthochdruck zu stark wurden
13.07.20 Start erster Versuch brassmonkey Methode: 2,5 % Reduktion Mirtazipin= 8,29mg , ich werde vermutlich 2 Wochen halten anstatt, wie eigentlich vorgesehen, nur eine Woche
27.07.20 2,5 % Senkung= 8,08 mg Mirtazipin
Nach wie vor 8,5 mg Escitalopram
20.08.20 2,5 % Reduktion = 7,87 mg Mirtazipin
03.09.20 2,5 % Reduktion = 7,67 mg Mirtazipin
10.09.20 " = 7,50 mg Mirtazipin
04.11.20 weiter mit Escitalopram von 8,5 mg auf 5 mg
Weiterhin 7,5 mg Mirtazipin
15.01.21 aus Verzweiflung und Ungeduld nächster
Riesenschritt: 2,5 mg Escitalopram
Innerhalb von weiteren 2 Wochen auf 2,3
Escitalopram
27.02.21 2,5 mg Escitalopram, weiterhin 7,5 mg
Mirtazipin
07.04.21 2,2 mg Escitalopram, 7,5 mg Mirtazapin
starvinginthebelly
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Re: starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von starvinginthebelly »

Hallo Felia,

vielen Dank für deine Antwort!

tatsächlich fühlt es sich so an, als ob das SSRI meine "Krankheit" so verschlimmert hätte dass ich nun in diesem Zustand bin. Was bei Ärzten leider oft auf Abwehr trifft, wobei ich sagen muss dass ich mein Vertrauen in die Medizin/Wissenschaft nicht unbedingt an den Nagel hängen möchte, obwohl ich oft viele Gründe dazu hätte. Auch ich dachte dass ich durch das Absetzen nach einer Weile wieder zur "Normalität" gelangen könnte, war im Endeffekt dann fast 2 Jahre ohne SSRI und leider hat sich da mein Zustand wie beschrieben eher verschlechtert, obwohl ich, wie ich finde, einen guten Therapeuten habe. Ich bin nun leider an einem Punkt wo es schwer ist so weiter zu machen und weiß weder vor noch zurück. Die nächsten Überlegungen wären SSRI (oder SSNRI) wieder einzudosieren und dann extrem langsam abzusetzen (wobei ich das nach 2 Jahren AD-Abstinenz fragwürdig finde), trizyklische AD nehmen oder weiterhin mit wenig Opipramol und Psychoanalyse durchzuhalten.

Und nein es waren keine Fluorchinolone, es war Amoxicillin. So sachen wie Darmsanierung, Probiotika etc hab ich schon durch, aber seit dem habe ich weiterhin Magen-/Darmbeschwerden.

Zum Teil kann ich kaum glauben dass es Menschen gibt die mit SSRI/SSNRI kaum NW hatten und einen "Heilungserfolg"... ist zwar paradox aber selbst hier im Forum scheint mir dass immer nur für eine gewisse Zeit gut gegangen zu sein.

Viele Grüße!

edit:

Der nächste Schritt der mir von medizinischer Seite angeraten wird ist: Venlafaxin und eine Reha. Von Venlafaxin habe ich bisher nur "extreme" Erfahrungeberichte die allesamt "schlecht" endeten vor allem beim Versuch des Absetzens, obwohl die Wirkung teilweise gut war überwogen im Nachhinein die Nachteile. Und bei einer Reha kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen was in 4-6Wochen passieren soll ausser dass ich evtl. nachgebe und doch auf ein modernes Antidepressivum "einsteige".
Zuletzt geändert von starvinginthebelly am 08.04.2021 22:36, insgesamt 1-mal geändert.
Medis:

03.2017 : Citalopram 10mg
04.2017 : Citalopram 20mg
01.2018 : Citalopram reduktion schrittweise
02.2018 : Citalopram 7mg
03.2018: Citalopram 0mg

01.2020: Opipramol 100mg
06.2020: Opipramol 50mg
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starvinginthebelly
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Re: starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von starvinginthebelly »

beziehungsweise... wenn ich davon ausgehen kann, dass das Citalopram mein ZNS so "geschädigt" hat dass sich meine Depression chronifiziert und expandiert hat... ist dies dann reversibel, also kann ich wieder gesund werden oder "wars das" ?
Medis:

03.2017 : Citalopram 10mg
04.2017 : Citalopram 20mg
01.2018 : Citalopram reduktion schrittweise
02.2018 : Citalopram 7mg
03.2018: Citalopram 0mg

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Jamie
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Re: starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von Jamie »

Guten Morgen, :)

Amoxicillin ist zwar kein Fluorchinolon, kann aber trotzdem neurologische / psychische Nebenwirkungen auslösen
Schwindelgefühl, Kopfschmerzen
Erregung, Angst,
Schlaflosigkeit, Verwirrtheit, Verhaltensänderung, Benommenheit,
Dysästhesie
Krampfanfälle (siehe Abschnitt 4.4),
reversible Hyperaktivität
http://fachinformation.srz.de/pdf/arist ... letten.pdf

Ich vermute, dass dir das Medikament in Kombination mit dem schweren Infekt und der eh schon prekären Vorsituation damals den Rest gegeben hat, wenngleich vermutlich nicht ursächlich, sondern eher als "letzter Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt."

Hast du schon mal etwas von postviraler Fatigue gehört?
https://www.quarks.de/gesundheit/medizi ... nstnehmen/
Inwieweit wurde dies unter den Ärzten mal thematisiert?
Man hört aktuell in Bezug auf Covid unter Long Covid häufiger davon, aber es gab es immer schon.
Schwere Virusinfekte wie zB das Pfeiffersche Drüsenfieber etc. sind bekannt dafür, noch Monate bis Jahre später diese postvirale Fatigue bzw. auch andere Symptome auslösen zu können.

Angesichts der Konstellation mit den AD und der Grunderkrankung ist das von mir Geschriebene nur eine Ergänzung bzw. zusätzlicher Hinweis; es ist naheliegender, dass du eher wegen dem Citalopram in einer so misslichen Lage bist, aber ich wollte einfach der Vollständigkeit halber noch die o.g. Ergänzungen aufführen, denn vielleicht mischen sich hier Themen.

Ich kann angesichts des Leidensdrucks verstehen, dass man nun nach weiteren Medikamenten (Psychopharmaka) oder Lösungen sucht, aber mir fällt nichts ein, was da helfen könnte, mal abgesehen davon, dass wir hier keine Medikamentenempfehlungen geben.
Wenn Traumata die Ursache sind, wäre hier mit Therapie anzusetzen (was du bereits tust) und du nimmst ja auch bereits Opipramol, was offensichtlich auch nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Alle AD des SSRI oder SNRI-Typs wirken tendenziell antriebsteigernd und pushend; wenn du nicht einmal mehr Johanniskraut verträgst, welches chemisch gesehen Ähnlichkeit mit SSRI hat, dann bin ich mir wirklich nicht sicher, inwieweit ein solcher Versuch nicht nach hinten los geht.
Manche Nervensysteme sind nach AD-Gaben so gereizt, dass man sie nie wieder einem AD aussetzen darf; das ist leider auch ein Teil der Wahrheit, die Psychiater aber gerne ausblenden.
Es gibt Gehirne, die absolut keinen chemischen Eingriff (mehr) tolerieren; auch dieses Körpersignal sollte man nicht ignorieren. Oft sind das aber auch Menschen (oft, nicht immer), die auch ansonsten sehr empfindlich mit anderen Stoffen (Nahrung, Reize, Nahrungsergänzung etc.) sind.

Viele Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


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Re: starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von starvinginthebelly »

Guten morgen Jamie,

danke Dir für deine informative Antwort!

Die Infos über Amoxicillin hatte ich beim Arzt besprochen, er sieht aber keinen Zusammenhang... ich lass das mal so stehen....

Hatte auch schon die Querverbindung zu CFS bzw. mittlerweile +Long Covid ins Auge gefasst. Leider ist darüber bei meinen hiesigen Ärzten nichts bekannt, die einen haben nie davon gehört, die anderen stellen dies in die selbe Ecke wie Alternativmedizin, Homöopathie und Geistheiler, was ich schwer nachvollziehen kann da es offensichtlich wissenschaftlich dokumentierte Fälle gibt.

Ein Internist der sich ein wenig damit befasst hat, bot mir an per Bluttest mein ATP bzw. Status der Mitochondrien zu checken, allerdings als Privatzahler zu ca. 200€. Bei entsprechenden Werten sollten dann Nährstoffe, Vitamine, spezielle Zucker und Nahrungergänzungsmittel eingenommen werden, ebenfalls zum Selbstkostenbeitrag von ca. 150-200€ monatlich. Leider bin ich durch die Krankheit nicht mehr in der Lage einem Beruf nachzugehen und lebe von Grundsicherung da ich von der Krankenkasse ausgesteuert wurde, daher fällt dieses erstmal flach.

Ein paar Sachen habe ich aber probieren können: Vit D, Vit B12, Magnesium. Was jetzt kommt klingt wahrscheinlich ziemlich komisch: Ich habe bei jedem dieser "Ergänzung" eine heftige Verschlechterung meiner Symptomatik erlitten! Schmerzen in der Brust und deutlich stärkere Erschöpfung. Klingt furtchbar? is auch so. Kommentar von medizinischer Seite: Achselzucken bzw. nicht möglich. Die für mich spürbarste Veränderung erlange ich nur wenn ich mich streng Vegan ernähre, das ist wirklich das Einzige was Effekt hat, Kommentar Ärzte: Achselzucken, kein Zusammenhang.

Im Moment bleibt mir tatsächlich nur die Psychoanalyse, in der Hoffnung die Traumata zu verstehen und in soweit regulieren zu können dass sie keinen Einfluss auf meine Gesundheit mehr haben. In wie weit das gelingt steht natürlich in den Sternen und da ich noch maximal 80Stunden habe bevor ich quasi 2 Jahre "Sperre" für Psychotherapie habe. Was ich im übrigen ein absolutes Unding finde, dass Patienten die eine Indikation für Psychotherapie haben, unabhängig vom Therapieerfolg in ein "Therapiefreies Intervall" gezwungen werden.

Danke nochmals für die Antworten hier!

Alles Gute und Grüße!
Medis:

03.2017 : Citalopram 10mg
04.2017 : Citalopram 20mg
01.2018 : Citalopram reduktion schrittweise
02.2018 : Citalopram 7mg
03.2018: Citalopram 0mg

01.2020: Opipramol 100mg
06.2020: Opipramol 50mg
seit 08.2020 Opipramol 100mg
Ululu
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Re: starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von Ululu »

Hallo starvinginthebelly,

es ist nicht ungewöhnlich, dass ein gestresstes Zentrales Nervensystem auf jeden Einfluss von außen reagiert, auch auf Nahrungsergänzungsmittel.
Selbst dann, wenn ein Mangel nachgewiesen wurde.
:evil:
Ich an deiner Stelle würde deshalb, wenn überhaupt, dann nur bei bestehenden Mängeln Vitamine oder andere NEM zu mir nehmen und dann immer erst sehr vorsichtig, mit einer sehr geringen Dosis, testen, ob ich es vertrage.

LG Ute
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starvinginthebelly
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Re: starvinginthebelly: Vorstellung / Angst und Depression / seit 3 Jahren Krankgeschrieben

Beitrag von starvinginthebelly »

Hallo Ute,

vielen Dank für die Antwort :)

Grüße!
Medis:

03.2017 : Citalopram 10mg
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01.2018 : Citalopram reduktion schrittweise
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