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Zweifel Psychopharmaka zu nehmen - Angst/Panikstörung?

Was gibt es für andere Behandlungsformen? Was hast Du ausprobiert? Was hilft Dir? Antidepressiva, Benzodiazepine, Neuroleptika und andere Psychopharmaka können manchmal kurzfristig helfen, sind aber keine dauerhafte Lösung.
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gRo12
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Zweifel Psychopharmaka zu nehmen - Angst/Panikstörung?

Beitrag von gRo12 » Sonntag, 22.04.18, 17:25

Hallo Community,

ich bin 21 Jahre alt, männlich und habe ein relativ komplexes Problem.
Ich hatte bis vor 8 Wochen keinerlei nennenswerte Beschwerden, weder körperlich noch psychisch. Stehe eigentlich mitten im Leben, habe mein Abi letztes Jahr absolviert und fange voraussichtlich Ende diesen Jahres an zu Studieren.

Vor 8 Wochen konsumierte ich eine moderate Menge Cannabis (bin seit drei Jahren Gelegenheitskonsument, max. 1 Joint im Monat) und hatte einen Horrortrip der mich ganz schön mitnahm. Die Tage drauf fühlte ich mich sehr Unwohl, es war allerdings noch erträglich. Eine Woche später suchte mich ein heftiger Infekt (mit 40 Grad Fieber) heim und da ich die Symptome nicht zuordnen konnte bekam ich es mit der Angst zu tun, was eigentlich mit mir los sei. Mit der Zeit baute sich eine Benommenheit auf. Das mündete dann irgendwie in eine nächtliche sehr starke Panikattacke bei welcher vor allem die Angst "verrückt zu werden" im Vordergrund stand (hatte sowas derartiges noch nie in meinem Leben). In den Tagen nach der Panikattacke ratterte mein Gedankenrad ununterbrochen, was ich den haben könnte. Ich war sehr schreckhaft, ängstlich, geräuschempfindlich,...
Die Benommenheit war immernoch da, und zwar 24/7. Als hätte ich Watte im Kopf. Kann schlecht klar denken und hab ein verändertes Zeitgefühl. Ich verbrachte fast fünf Wochen hauptsächlich im Bett, am Googlen was ich denn haben könnte. Das zentrale Problem war eben die Benommenheit, die ständig da war. War natürlich bei vielen Ärzten, da ich auch einiges an körperlichen Symptomen hatte, und es wurde viel abgeklärt aber nichts gefunden.
Ein paar wenige Sachen werden bald noch untersucht (z.b. EBV, Vitamine, Eisen,...), allerdings denke ich mittlerweile, dass das größtenteils psychisch bedingt ist.

Zu meinem Zustand jetzt: seit knapp zwei Wochen komme ich mehr und mehr auf die Beine. Angst/Panikattacken habe ich seit 4 Wochen keine mehr. Das Unwohlsein lässt auch immer mehr nach. Das einzige was konstant anwesend ist: die Benommenheit. Ich kann sie jetzt zwar immer besser ignorieren und habe auch keine Angst mehr vor ihr, belastend ist sie natürlich trotzdem.

Soweit so gut, jetzt zu meiner eigentlichen Frage.
Mein Hausarzt hat mir relativ schnell nach einigen körperlichen Untersuchungen Opipramol 50mg, eine Abends verschrieben. Er meinte, es hätte nichts mit dem Cannabis zu tun und sei lediglich eine "Disfunktion des Parasympatikus".
Ein Neurologe/Psychiater diagnostizierte bei mir jedoch eine "Angststörung mir depressiven Symptomen" (auch unabhängig von Cannabis) und verschrieb mir Citalopram und Opipramol. Als ich ihm sagte, dass es mir schon seit einer Woche besser gehen würde und ich keine Angstzustände hätte, meinte er schroff ich solle mich von anderen Ärzten behandeln lassen, wenn ich keine Medikamente nehmen würde. Es sei sowieso egal wann ich die Angststörung behandeln würde, solange ohne Medikamente würde sich nichts verbessern und nichts verschlechtern.

Ich habe bisher keinerlei Psychopharmaka genommen, weil ja mein Hauptproblem die Benommenheit ist und die ja meistens durch solche Medikamente verstärkt wird.
Habe bei einer suchtmedizinischen Ambulanz angerufen und einen Termin mit einer Psychotherapeutin gemacht der aber erst in knapp 4 Wochen ist.

Jetzt wollt ich euch fragen, was ist eure Einschätzung? Würdet ihr die Medikamente nehmen? Irgendwie widerstrebt es mir jetzt schon Psychopharmaka zu nehmen vor allem wenn ich hier in dem Forum lese was alles für NW's/Entzugserscheinungen auftreten können. Wenn dann würde ich eventuell zu Johanniskraut greifen (was ja auch nicht ohne ist, aber zumindest nicht bei Nebenwirkungen (Häufig): Benommenheit stehen hat). Der Psychiater wollte davon nichts hören. Laut ihm hat Johanniskraut viel stärkere NW als Citalopram.
Ich hoffe ihr könnt mir einen Rat geben.

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Re: Zweifel Psychopharmaka zu nehmen - Angst/Panikstörung?

Beitrag von Jamie » Sonntag, 22.04.18, 19:18

Hallo gRo12, :)

das ADFD ist psychopharmaka-kritisch. Wir werden dir hier nicht raten diese Medikamente einzunehmen, erst recht wenn du dich bereits auf dem Weg der Besserung befindest.

Cannabis, ich bin übrigens sehr für die Legalisierung insbesondere im medizinischen Bereich, kann leider Psychosen und andere seelische Störungen auslösen. Den Horrortrip nanntest du bereits.
Ich schreibe das explizit, weil es leider diese negative Seite des Cannabis gibt; wir haben hier schon unzählige Kiffer mit Drogenpsychose beraten müssen :(

Da du bis zu dem Vorfall halbwegs glücklich und zufrieden warst, gehe ich sehr stark davon aus, dass du massiv mit den Nachwirkungen dieses Trips zu tun hast.
War das Zeug evtl. verunreinigt oder zu stark?
Du darfst es nie wieder anrühren, hörst du? Das nächste Mal könnte es nicht nur einen Horrortrip, sondern eine handfeste Psychose werden!

Ich tippe mal, dass dein Gehirn bei dem Trip richtig schön überschwemmt worden ist mit Botenstoffen und sich quasi richtig erschöpft hat; Stichpunkt Tachyphylaxie.
Bis sich in deinem Oberstübchen alles wieder sortiert und die Rezeptoren neu reguliert haben, können viele Wochen bis Monate gehen, da gehe ich kein bisschen mit deinem Arzt konform.
Ich glaube, das sind anhaltende Nachwirkungen bei dir.

Bitte google in bezug auf deine Benommenheit auch mal die Begriffe Derealisation und Depersonalisation; beides kommt häufig im Nachentzugszustand von Drogen vor.

Wenn du mich fragst, so würde ich meinem Gehirn Zeit zum Heilen geben und auf gar keinen Fall irgendwelche AD nehmen.
Es ist neuroplastisch und kann sich regenerieren.
Überlaste dich nicht, lebe achtsam, Finger weg von allen bewusstseinsverändernden Stoffen (auch Alkohol) und wenn du dich unterstützen willst, dann probiere es vielleicht mal mit etwas mildem Pflanzlichen wie Passionsblume und mit Fischöl / Omega 3 Fettsäuren. Die kann das Gehirn gut gebrauchen und direkt einbauen.

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Re: Zweifel Psychopharmaka zu nehmen - Angst/Panikstörung?

Beitrag von gRo12 » Sonntag, 22.04.18, 19:58

Danke dir Jamie für das schnelle Antworten!

Jamie hat geschrieben:
Sonntag, 22.04.18, 19:18
das ADFD ist psychopharmaka-kritisch.
Okey hatte das so gar nicht auf dem Schirm. Danke für den Hinweis.

Jamie hat geschrieben:
Sonntag, 22.04.18, 19:18
weil es leider diese negative Seite des Cannabis gibt
Genau, ich verstehe die Ärzte nicht, die meinen es habe damit nichts zu tun :?
Kommt mir nämlich auch so vor. Wäre ja ein unglaublicher Zufall genau jetzt eine Angststörung aus heiterem Himmel...

Jamie hat geschrieben:
Sonntag, 22.04.18, 19:18
War das Zeug evtl. verunreinigt oder zu stark?
Es war das erste mal, dass ich bei anderen Leuten geraucht habe und das Zeug war schon fertig gerollt... :frust: . Verunreinigt weniger aber
es war auf jedenfall sehr stark. Habe nur 3(!) Züge genommen, zwar schon ordentlich auf Lunge, aber trotzdem. Von Zitteranfällen, Herzrasen bishin zu starker Nervosität war alles drin. War jetzt nicht komplett weggetreten und hatte auch keine Todesangst aber hat mich echt mitgenommen.


Jamie hat geschrieben:
Sonntag, 22.04.18, 19:18
[...]Derealisation und Depersonalisation; beides kommt häufig im Nachentzugszustand von Drogen vor.
Das habe ich mir auch schon irgendwie gedacht, das Problem ist halt, dass ich die Leitsymptome (Sich oder seine Umwelt als fremd empfinden) einfach nicht habe. Es ist einfach starke Benommenheit, so als wäre mein Gehirn einfach vernebelt. Die Definition auf Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Benommenheit) kommt dem schon sehr Nahe mit fast allen aufgelisteten Symptomen. Zusätzlich eben noch dieses veränderte Zeitgefühl (was glaube ich dadurch zustande kommt, dass die Informationsaufnahme etwas eingeschränkt ist). Von daher kann ich echt nicht sagen ob es jetzt wirklich Derealisation ist...
Sollte aber meine Symptome auch schon als Derealisation gelten, dann ist es schon sehr wahrscheinlich, dass ich genau das habe...hoffe mal die Drogenpsychologin kann mir da dann weiterhelfen.


Jamie hat geschrieben:
Sonntag, 22.04.18, 19:18
Wenn du mich fragst, so würde ich meinem Gehirn Zeit zum Heilen geben und auf gar keinen Fall irgendwelche AD nehmen.
Es ist neuroplastisch und kann sich regenerieren.
Überlaste dich nicht, lebe achtsam, Finger weg von allen bewusstseinsverändernden Stoffen (auch Alkohol) und wenn du dich unterstützen willst, dann probiere es vielleicht mal mit etwas mildem Pflanzlichen wie Passionsblume und mit Fischöl / Omega 3 Fettsäuren. Die kann das Gehirn gut gebrauchen und direkt einbauen.
Vielen Dank für die Tips! Klar, Cannabis habe ich seit dem sowieso nicht mehr angerührt (es widert mich regelrecht an) und werde es auch nie wieder tun. Alkohol erst wenn der Spuk hoffentlich komplett vorbei ist. Manche rennen damit ja jahrelang herum.
Aber du hast recht, vielleicht braucht das einfach Zeit.


P.S.: Aber ist ja krass wie die Ärtze drauf sind :oops: ohne viel zu fragen schnell eine Diagnose...
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Re: Zweifel Psychopharmaka zu nehmen - Angst/Panikstörung?

Beitrag von Daniel89 » Sonntag, 05.08.18, 13:13

Hallo gRo12,

ich will dir mal vorab gratulieren, dass du eine gesunde Skepsis gegenüber Psychopharmaka hast und dich eingehend informierst, bevor du zu diesen greifst! :) Ich bin kein Experte und kann / will daher auch nur meine persönliche Erfahrung mit dir teilen.

Im Zuge einer Existenzkrise und längeren Depression vor sieben Jahren (ich war damals 22) bekam ich erstmals Antidepressiva verschrieben. Die Diagnose bipolar-II wurde binnen zehn Minuten gestellt und es wurde mir auch vermittelt, dass eine medikamentöse Behandlung unausweichlich ist. Die Medikamente hatten zahlreiche Nebenwirkungen (u.a. bekam ich Panikattacken), weshalb ich sie selbst absetzte. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir psychisch wieder gut, da sich meine Lebensumstände zum positiven entwickelt haben. Durch das rasche Absetzen wurde ich allerdings schwer depressiv und begab mich erneut in Behandlung und nehme seitdem wieder Medikamente.

Zusammengefasst: Die AD's haben mich innerhalb kurzer Zeit abhängig gemacht und keine nennenswerte positiven Effekte gehabt. Dafür haben sich unzählige Nebenwirkungen eingestellt, die meine Psyche bis heute stark belasten.

In deiner Situation solltest du meiner Meinung nach bedenken, dass es eine bewusstseinsverändernde Droge war, die all diese Symptome ausgelöst hat. Psychopharmaka sind aus meiner Sicht nichts anderes - sie sind Betäuber. Wenn ich als Arzt Betäuben als ein effektives Mittel sehe, könnte ich genau so gut meinen Patienten empfehlen, ihre Sorgen mit Alkohol hinunter zu spülen.

Du bist ein junger, gesunder Mensch und hast dein ganzes Leben noch vor dir. Medikamente, die dich zum Langzeitabhängigen machen, sind das letzte, was du brauchst. Die Zustände, die das Cannabis ausgelöst hat, scheinen sich deiner Beschreibung nach langsam wieder zu legen - nicht zuletzt, weil du dich mit deiner Situation aktiv auseinandersetzt. Deine Psyche ist stark, gib ihr noch Zeit und unterstütze sie weiter bei ihrer Genesung so gut es geht. Hier im Forum gibt es zahlreiche Vorschläge, wie man auf natürlichen Weg für seine psychische Gesundheit sorgen kann.

Liebe Grüße
Daniel

PS: Hab jetzt erst gesehen, dass der Thread schon älter ist. Ich hoffe, du hast dich gut erholt und kannst dein Leben wieder in vollen Zügen genießen. :)
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Jamie
Aktuelle Diagnose: bipolare-II Störung (F31.8), Ängstlich-vermeidende (selbstunsichere) Persönlichkeitsstörung (F60.6)
Aktuelle Medikation: Lamutrigin (150mg), Burpropion (150mg), Mirtazapin (30mg), Escitalopram (10mg)
Aktuelle Symptome: Angstzustände, betäubtes Selbstbewusstsein, Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Gedankenkreisen, Nervosität, öfters auftretende leichte Übelkeit und Mundtrockenheit.
Selbstdiagnose: Bipolar II seit früher Jugend, mit geringen Auswirkungen auf den Alltag. Falsche fachärztliche Indikation seit 2011, wodurch ich alle zusätzlich diagnostizierten Zustände erlitt.
Ziel: Sämtliche Medikamente ausschleichen ab Mitte Juli 2018.
Absetzverlauf: Seit 18.7. Escitalopram 10mg um 10% reduziert (Wasserlösmethode).

Gesamter Behandlungsverlauf: https://adfd.org/austausch/viewtopic.ph ... 79#p258779

Zusammenfassung Behandlungsverlauf:
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