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Netzwerk Stimmenhören / Kongress / Schwerpunkt Psychopharmaka absetzen

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Netzwerk Stimmenhören / Kongress / Schwerpunkt Psychopharmaka absetzen

Beitrag von Murmeline » Donnerstag, 03.08.17, 11:42

Für Menschen, die unter ihren Stimmen leiden, kann als Therapieoption die Einnahme von Medikamenten, sogenannten Neuroleptika, dienen. Dabei gilt die Grundregel: So hoch dosiert wie nötig, so niedrig dosiert wie möglich. Wichtig ist es, bei der Einnahme von Medikamenten sich damit wohl zu fühlen. Man muss dabei bedenken, dass bei etwa einem Drittel der Betroffenen die Stimmen ganz verschwinden, bei einem weiteren Drittel treten sie in den Hintergrund und bei dem letzten Drittel zeigen die Medikamente keine Wirkung. Mitunter fühlen sich manche Stimmenhörer/-innen aber von den Nebenwirkungen beeinträchtigt und suchen nach Alternativen. In diesem Zusammenhang steht der Gedanke daran, die Medikation zu reduzieren vielleicht auch im Raum.

3 Fragen möchte der Kongress beantworten:
1. Welche Alternativen gibt es also für die Betroffenen, denen Medikamente nicht oder nur unzureichend helfen?
2. Welche Risiken und Nebenwirkungen können Neuroleptika haben?
3. Und zu guter Letzt: Wie kann die Reduktion der Medikamentendosis gelingen?
Quelle und weitere Infos:
http://www.stimmenhoeren.de/wp-content/ ... _final.pdf
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Stimmenhören - eine alte Art zu denken?

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 18.07.18, 19:28

ich schreibe es mal hier herein, damit ich es wieder finde, denn immer wieder trifft man auf Menschen, die Stimmen hören und sich dabei sehr ängstigen.
Die Stimmen können natürlich gemein und böse klingen, aber die bloße Tatsache des Stimmenhörens ist nicht schlimm.
Stimmen als alte Art zu denken:
Stimmen hören - von Natur aus?

Nimmt man die Theorie von Julian Jaynes hinzu, wonach Stimmenhören in früheren Zeiten der Menschheitsgeschichte eine übliche Form den Denkens war, könnte man entsprechend von einem Rückgriff des Gehirns auf ein altes Programm sprechen - analog einem Computer, bei dem Word 7 abgestürzt ist und der sich nun mit Word 4 behelfen muss. Haben Menschen, die keine Stimmen hören, eine Fähigkeit verlernt, oder haben die Stimmenhörer eine Anpassungsleistung nicht mit vollzogen?.....

Die Entwicklung unserer neurologischen Strukturen ist zu keinem Zeitpunkt endgültig abgeschlossen. Wir verfügen über Milliarden Nervenzellen mit nahezu unendlich vielen Verknüpfungen. Die Gleichzeitigkeit von fördernden und hemmenden Impulsen macht die Vielfalt unberechenbar. Die verschiedenen Bahnen werden unterschiedlich bedient. Bestimmte Verknüpfungen laufen mit der Zeit schon fast automatisch, schleifen sich ein und brauchen nur noch einen geringen auslösenden Reiz. Andere kommen selten zum Zuge oder werden vielleicht nur "aus Versehen" assoziativ gereizt. Die Übertragungen geschehen mit Hilfe verschiedener chemischer Substanzen, die in einem komplizierten Wechselverhältnis stehen.

Da sich die Nervenzellen zudem in unterschiedlichem Tempo ständig erneuern, ergeben sich ständig Veränderungen im Gesamtsystem. Das Gehirn hat außerdem eine große "Plastizität" gegenüber Störungen oder Verletzungen bewiesen. Fallen bestimmte größere Verbindungen oder Areale aus, können diese mit bestimmten quantitativen Einbußen und qualitativen Veränderungen kompensiert werden. ....

Stimmen kein Anzeichen für Psychose , aber für innerseelische Konflikte
Beim Stimmenhören ist das Sprachzentrum aktiv. Das Gehirn spiegelt ein inneres Sprechen, einen inneren Dialog. Normalerweise können wir leicht unterscheiden zwischen innerlich und äußerlich Gehörtem. Doch beim Stimmenhören scheint die Rückkopplung zur eigenen Erfahrung nicht ohne weiteres zu gelingen.

Ob und wie wir hören, entscheidet nicht unser Ohr, sondern unser Gehirn. Stimmenhörer hören akustische Signale, obwohl dem Ohr nichts vorliegt

Wenn sich die Stimmen verdichten


Offensichtlich können Stimmen ihre Art und Lautstärke verändern, können als Spiegel der eigene Befindlichkeit diene und verschiedene kompensatorische Funktionen übernehmen. Sie können aber noch etwas: Sie können sich, wenn das innere Verstehen - aus welchen Gründen auch immer - misslingt, verdichten und außer Kontrolle geraten. Thomas Bock, Diplompsychologe und Leiter der Sozialpsychiatrischen Ambulanz der Universitätsklinik Hamburg, sieht hier den fließenden Übergang zur Psychose. Nicht das Hören von Stimmen wäre demnach kennzeichnend für eine Psychose, sondern die Unmöglichkeit, sich mit ihnen zu arrangieren.
Hilfe wenn die Stimmen belasten:
Die Fähigkeit der Psychologen und Psychiater, das Arrangement des Patienten mit seinen Stimmen zu verstehen und zu stützen, ihm in der Integration oder in der Abgrenzung von den Stimmen zu helfen, entscheidet mit darüber, ob die ihm unheimlichen Kräfte Oberhand gewinnen beziehungsweise ob sich eine physiologische Eigendynamik entwickeln kann. Die kulturelle Offenheit für besonderes Seelenleben bestimmt mit, ob, wann und wie ein Mensch, der Stimmen hört, "in die Psychose abgedrängt" wird.

Dieses Verständnis von Stimmen verlangt der Psychiatrie und jedem einzelnen psychiatrisch/psychotherapeutisch Tätigen eine individuelle Auseinandersetzung mit dem subjektiven Erleben des Patienten ab.
http://www.schreiben10.com/referate/Psy ... N-reon.php


Zur Theorie : http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13531921.html

https://ethologiepsychologie.wordpress. ... ewustsein/


liebe Grüße Arianrhod
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Re: Netzwerk Stimmenhören / Kongress / Schwerpunkt Psychopharmaka absetzen

Beitrag von Offene Reise » Donnerstag, 19.07.18, 20:00

Hey lieber Arianrhod,

spannend, was du dir da rausgesucht hast. Ich höre ja Stimmen, wobei ich sagen muss, dass ich sie höre und sehe, weil sie verschiedene Farben, Formen und Charaktere annehmen. Dazu kommt noch, dass ich eine synesthetische Wahrnehmung habe, wie ich neuerdings entdeckt habe. In meinem Fall haben meine Gefühle auch Formen und einen Charakter und geben Geräusche von sich, bzw. reden mit mir.
Seitdem ich dafür offen bin, Synesthet zu sein, kann ich "wesensgerecht" mit meinen Gefühlen umgehen, die ja auch in Form von Stimmen auftauchen können. Und so komme ich auch viel besser klar, gerade mit schmerzhaften Emotionen. Man könnte meinen, je mehr ich meine "verrückte" Seite annehme, desto funktionaler werde ich... :P

Medikamente würde ich als kontraproduktiv empfinden, da ich ja darauf angewiesen bin, meine Gefühle deutlich wahrzunehmen, um überhaupt gut klarkommen zu können.

Die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung ist echt faszinierend...

LG

Lukas
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Meine Erfahrungsberichte
Ein Jahr nach dem Absetzen
Update: zwei Jahre danach
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Wiedersehen mit Lukas (SWR) Mein Erfahrungsbericht zwei Jahre nach den Medikamenten
Wie wirksam sind Psychotherapien? (Dlf Kultur) Ergänzung zur Sendung im SWR2

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Die ersten Tage nach meiner Traumasitzung

Erfolgreiche Absetzung
Seit Anfang 2015 ganz frei von Medikamenten (einige Jahre Erfahrung mit Olanzapin, dann lange mit Abilify, für kurze Phasen zusätzlich auch mit ADs und Lithium)

Ich bitte euch um Verständnis, dass meine PN-Funktion ausgeschaltet ist. Euch allen viel Kraft und Ausdauer!

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