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Wie langsam ist langsames Absetzen?

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Wie langsam ist langsames Absetzen?

Beitrag von LinLina » Mittwoch, 20.04.16, 12:59

Wie langsam ist langsames Absetzen?

Übersetzung von "The Slowness of Slow Tapers" - von Rhi Griffith -

https://beyondmeds.com/2012/06/06/slowtaper/

"Ich poste Beiträge hier bei Surving Antidepressants und (manchmal, nicht ganz so oft) bei BenzoBuddies. Ich habe jedenfalls in den letzten Jahren sehr viel mehr Zeit in anderen Benzo-Foren verbracht als in diesem. Eine Sache, die mir dort sehr oft auffällt, sind Betroffene die sich sehr beeilen ihre Medikamente so schnell wie möglich loszuwerden. Noch gefährlicher (meiner Meinung nach) sind Betroffene, die andere dazu drängen so schnell wie möglich auf Null zu kommen.

Einerseits verstehe ich den Wunsch, schnell von den Medikamenten wegzukommen, andererseits denke ich es wird nicht genügend über die möglichen Vorteile eines extrem LANGSAMEN Absetzens gesprochen.

Letzte Woche hat in einem anderen Forum jemand über einen Betroffenen gesprochen der, nach vielen Versuchen und großen Einschränkungen, 25 mg Valium extrem langsam absetzt. Er geht davon aus, dass der Absetzprozess 12 Jahre dauern wird. Ich war so erleichtert das zu lesen. Ich wünschte, ich könnte mit ihm Kontakt aufnehmen. Manchmal fühle ich mich so sehr als "einsame Stimme" wenn ich über dieses Thema spreche (besonders in den Benzo-Gemeinschaften, weniger hier).

Nach 20 Jahren auf mehreren verschiedenen, wechselnden Medikamenten arbeite ich mich nun langsam von 5 Substanzen herunter. Ich gehe davon aus dass es 8 Jahre dauern wird um alle abzusetzen. Ich ahne, dass ich möglicherweise eine kleine Dosis eines Medikaments sogar noch länger nehmen muss (Lamictal), hoffe aber sehr, dass es nicht so kommen wird. Ich erzähle keinen Unsinn oder übertreibe. Ich setze nun schon seit 28 Monaten ab. Ich weiß wie mein Körper reagiert. Meine Einschätzung basiert auf nachvollziehbaren Informationen.

Ich habe gesehen, dass wie sehr diese Medikamente Betroffene beeinträchtigen, und wie schwer es ist, sie wieder abzusetzen, extrem unterschiedlich sein kann. Meine Therapeutin kennt viele Menschen die Antidepressiva abgesetzt haben und sagt, die Erfahrungen decken das ganze Spektrum ab (von mühelos bis hin zur Absetzhölle) sogar bei identischer Medikamentenvorgeschichte. (Der größte Nachteil von Absetzberatung im Internet ist, dass die meisten Menschen bei ihren Ratschlägen von ihrer eigenen Erfahrung ausgehen. Da die persönliche Erfahrung so unterschiedlich ist, kann der Rat eines einzelnen, basierend auf was bei ihm funktioniert hat, für dich möglicherweise der schlechteste Rat überhaupt sein.)

Ich glaube es ist wichtig, Betroffene die Absetzen wollen mit der Möglichkeit eines über viele Jahre gehenden Prozesses vertraut zu machen. Besonders wenn sie bereits misslungene Versuche hinter sich haben oder bereits Probleme mit Reduktionen oder Medikamentenwechseln hatten. Das hört man nicht gerne, aber es ist es wert sich mit dem Gedanken anzufreunden. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich schon gehört habe "Jahrelang abzusetzen ist für mich nicht akzeptabel" oder ähnliches. Also ist es besser, den Rest des Lebens Medikamente zu schlucken, als einige Jahre lang abzusetzen?

Und wie oft hören wir von Betroffenen, die immer und immer wieder versuchen von den Medikamenten los zu kommen, und immer wieder eindosieren mussten, aber niemals ein extrem langsames Absetzen mit langen Abständen zwischen den Reduktionen versucht haben? Auf lange Sicht verbringen diese Leute Jahre während sie versuchen die Medikamente abzusetzen, leiden, sind oft sehr durch die Symptome beeinträchtigt, landen in der Klinik, und so weiter - und haben letztendlich überhaupt keine Zeit gewonnen.

Ich fühle mich nicht besonders großartig während dieses langen Absetzprozesses, ich muss meine Aktivitäten und mein Leben mehr einschränken als es mir lieb ist. Aber zumindest kann ich meine Arbeitsstelle erhalten, ich habe gute Zeiten (nach langen Absetzpausen) und ich habe ein Minimum an sozialem Leben. Ich hasse es, dass mein Leben für Jahre auf diese Weise eingeschränkt sein wird, aber ich weiß dass die einzige Alternative großes Leid und Arbeitsunfähigkeit bzw. Lebensunfähigkeit bedeuten würde.

Und ich möchte, dass auch die Ärzte davon erfahren. Bei allem was ich bisher gelesen habe, habe ich nur von einer handvoll Ärzte gehört die jemandem gesagt haben, dass es Jahre dauern könnte von einem Medikament runter zu kommen. Sogar Dr. Breggins empfiehlt eine Geschwindigkeit die mich in die Klinik bringen würde, und er ist noch ziemlich vorsichtig mit seinen Empfehlungen für einen Arzt (Ich glaube er sagt, was?, 10% alle 2 Wochen? Ja, wenn ich so schnell reduzieren würde könntet ihr mich gleich in die Notaufnahme bringen).

Ich sage nicht, dass jeder so lange braucht. Ich denke, so wie Altostrata es an anderer Stelle geschrieben hat, es ist eine Glockenkurven-Verteilung, und ich befinde mich im langsamen Bereich. Aber ich finde, Betroffene sollten wissen dass dieser langsame Bereich existiert und wenn ihr Körper ihnen sagt dass sie dort dazugehören, dann sollten sie wissen, dass das auch in Ordnung ist und man damit umgehen kann. Sie sollten sich nicht so fühlen als würde etwas mit ihnen nicht stimmen weil sie so langsam voran gehen wie sie es brauchen.

Und wenn sie vorher große Schwierigkeiten hatten und bisher noch niemals wirklich ein extrem langsames Absetzen über Jahre in Betracht gezogen haben, ist es vielleicht etwas was sie ernsthaft in Erwägung ziehen sollten.

Also los geht's ;-)"


Eine weitere Übersetzung eines schönen Beitrags von Rhi über den individuellen Absetzprozess findet ihr hier

Fang klein an und höre auf deinen Körper!
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Re: Wie langsam ist langsames Absetzen?

Beitrag von lunetta » Mittwoch, 20.04.16, 20:58

Hallo!

Danke für diesen Beitrag!

Genau meine Worte;)

LG
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Re: Wie langsam ist langsames Absetzen?

Beitrag von Katharina » Montag, 25.04.16, 20:48

Vielen Dank, LinLina!

Was Du beschreibst, überdenke ich gerade zur Minute nachdem ein halber Tropfen Escitalopram zu viel war.

Es geht einem durch den Kopf, nee dann lasse ich alles wie es ist, der Weg mit dem geringen Widerstand.

Jedoch der Wunsch nach Erfolg, nach Eigenständigkeit, nach Unabhängigkeit die Sehnsucht nach Medikamentenfreiheit, ok für den Diabetes das Insulin, zum Beispiel oder Schilddrüsenmedikamente, das ist ein ganz anderes Thema.

Frei sein von Substanzen die in meinem Kopf wirken, die mich anders machen, das werde ich ändern und beenden, das werde und möchte ich gerne erreichen.

Ebenso wie ich keine psychischen Höllentouren haben möchte mit einer Entscheidung über Jahrzehnte bereit zu sein, auszuschleichen, was die Enttäuschung des Eindosierens, dessen Nebenwirkung, das wieder Herabsetzen und diesen Nebenwirkungen etc.

Linear wird es so oder so selten sein, welcher Vorgang ist schon linear.
Zwei Fussballspieler, gleich fit gleich alt gleiche Verletzung - der eine mußte ein halbes Jahr zur KG, der andere nur 4 Wochen, Bindegewebebeschaffenheit, Disziplin und so viele andere Faktoren machen uns so ungleich wie wir sind.

Wenn ich dann in den Urlaub fliege ohne Angst im Hinterkopf, was wenn die Psychomedis verloren gehen oder was auch immer damit geschehen kann usw. nicht mehr not-wendig ist..;
Das wird ein großes Gefühl sein.


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Re: Wie langsam ist langsames Absetzen?

Beitrag von Lisamarie » Sonntag, 01.05.16, 18:19

Hallo Hartmann

Hab dir einen eigenen Thread aufgemacht, den findest du hier.

viewtopic.php?f=16&t=11457
Lg Petra
2012 noch 5 Monate Mirtzapin,Pipamperon,Levomepromaxin
Bis auf die Praxiten von heute auf morgen kalt abgesetzt, erste Absetzbeschwerden nach sechs Wochen, aber dann
6 Monate heftigste Absetzproblematik.Magendarm 30 Kilo in vier Monaten abgenommen.Halbes Jahr bettlägerig.Schwer suzidal zum stabilisieren fast ein Jahr gebraucht.
Oxazepam reduzieren von umgerechnet 50 mg Diazepam:
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Pulsatilla
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Re: Wie langsam ist langsames Absetzen?

Beitrag von Pulsatilla » Freitag, 24.03.17, 14:15

Liebe LinLina,

Danke für diesem sehr wichtigen und wahren beitrag!

Etwas, das ich auch nicht gerne höre, aber wahrscheinlich auch auf mich zutreffen könnte. Da meine hirnchemie wg restless-leg-syndrom ohnehin nicht richtig funktioniert und nun auch noch borrelien in ZNS und wahrscheinlich auch gehirn habe.. .
Sie sollten sich nicht so fühlen als würde etwas mit ihnen nicht stimmen weil sie so langsam voran gehen wie sie es brauchen.
Ja das ist sehr wichtig.. . für alle.. . .. . beratende wie betroffene.. .

Lieb gruss Pulsatilla
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"Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch 7 Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe!" (Eckart von Hirschhausen)
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