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Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

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Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von MariQuaz » Mittwoch, 01.11.17, 9:18

Ihr Lieben,

ich hoffe mein Beitrag ist hier nicht komplett fehl am Platz (ansonsten bitte löschen).
Ich bin Psychologie-Studentin der Uni Hamburg und schreibe meine Masterarbeit zum Thema "Absetzen von Psychopharmaka". Dazu werde ich eine Online-Befragung durchführen und bin momentan dabei, einen kurzen Fragebogen zu entwickeln, der erfolgreiches Absetzen erfassen soll.
Bevor ich wild drauflos formuliere, dachte ich mir, ich frage lieber mal Betroffene, was sie unter "erfolgreichem Absetzen" verstehen.
Darum meine Frage nun an euch: Was gehört für euch alles zu erfolgreichem Absetzen?
Keine Medikamente mehr zu nehmen? Aber vielleicht auch Dinge wie eine bessere Lebensqualität? Eine gute Problembewältigung? Ein guter Umgang mit Symptomen? Oder gar keine Symptome? ...?
Was unterscheidet erfolgreiches Absetzen von nicht erfolgreichem Absetzen aus eurer Sicht?
Ich bin dankbar über jeden Anregung und werde versuchen, eure Anmerkungen in den Fragebogen einzubauen.

Liebe Grüße,
Mariana
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von LinLina » Mittwoch, 01.11.17, 9:46

Liebe Mariana :-)

willkommen im Forum :-) schön dass du deine Arbeit über dieses Thema schreiben möchtest, und toll, dass du bei uns nachfragst.

Leider werden oft Betroffene gar nicht gefragt bei der Anfertigung von Studien, obwohl wir sehr viel Erfahrungswissen haben.

Hast du noch weitere Vorstellungen was deine Fragestellung angeht? Ich verstehe, es geht dir um "erfolgreiches Absetzen" aber hast du schon eine Grundthese, eine Fragestellung für deine Arbeit?

Zu deiner Frage: Für mich hat erfolgreiches Absetzen u.a. folgende Aspekte:

1) Praktisch gesehen hat man denke ich erfolgreich abgesetzt, wenn man auch nach 6-12 Monaten nach null keinen heftigen Rebound oder verzögerten Entzug erfahren hat. Also wenn der Entzug nachhaltig war, und der Körper sich an die fehlende Substanz anpassen konnte. Setzt man schneller ab als der Körper sich physiologisch anpassen kann, ist der Absetzprozess oft nicht nachhaltig sondern führt häufig zur Wiedereinnahme oder neuer Medikation.

2) Erfolgreich absetzen bedeutet für mich nicht symptomfreiheit ohne Medikamente, sondern einen alternativen Umgang mit Symptomen und Lebenskrisen zu finden und daran zu wachsen.

3) Erfolgreich absetzen bedeutet für mich möglichst nachhaltige und länger andauernde Medikamentenfreiheit (ausgenommen evtl. selbstbestimmte Kurzzeiteinnahme zu Intervention z.b. bei extremen Krisen, psychotischen Episoden, Bedarfsmedikation wenn individuell ein guter, selbstbestimmter Umgang damit gefunden wurde)

4) Erfolgreich absetzen kann für viele bedeuten, dass sich die subjektive Lebensqualität verbessert, da man nach Jahren wieder richtig fühlen kann und die Nebenwirkungen der Medikamente endlich nachlassen, obwohl man vielleicht nach dem Absetzen (erstmal) nicht mehr arbeitsfähig ist. Für andere verschlechtert sich zunächst die subjektiv empfundene Lebensqualität, auch durch entzugsbedingte Symptome oder Nebenwirkungen die individuell auch nach null lange anhalten können, aber viele empfinden das Absetzen dennoch als erfolgreich, denn sich z.b. endlich einzugestehen, dass dieser Job nicht gut tut, man es der Familie nicht immer recht machen muss, anstatt mithilfe von Substanzen immer weiter über Grenzen zu gehen, ist erstmal nicht leicht aber letztlich oft ein wichtiger Schritt.
Leider wird viel zu oft allgemein nur die Arbeitsfähigkeit und die Fähigkeit dem Leistungsanspruch der Gesellschaft zu genügen betrachtet, anstatt individuell zu schauen was es braucht, um sich seelisch zu stärken und physisch gesund zu werden. Damit verbunden ist für mich der nächste Punkt:

5) nicht zuletzt ist für mich Absetzen erfolgreich, wenn es zu mehr Selbstbestimmung, Selbstermächtigung und Selbstliebe führt, weg von Schubladen in die man durch Medikamenteneinnahme schnell kommt, weg von dem Denken, sich selbst als seelisch dauerhaft schwach und defekt zu sehen, und nur mithilfe von Substanzen funktionieren zu können. Also wenn es auch zu einer inneren Transformation und Reife führt, zumindest in manchen Bereichen.

Liebe Grüße
Lina
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Eva
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von Eva » Mittwoch, 01.11.17, 10:14

Hallo!

LinLinas Ausführungen ist kaum etwas hinzuzufügen. Super, ich unterschreibe Satz für Satz.

Höchstens eines: Für mich gehört auch der niemals entmutigt über Bord geworfene Weg dahin schon zum erfolgreichen Absetzen.

LG Pons
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Zolpidem und Bromazepam abgesetzt.
Ein halbes Jahr später kurzen Rückfall mit beidem zum Schlafen gehabt.
Anfang Juli 2018 100 mg Trimipramin - aus Verzweiflung (vielleicht auch Dummheit?) und wider besseres Wissen; es folgen starke und belastende Nebenwirkungen. Daher, und weil mir die Einnahme einfach nicht geheuer war, der Wunsch abzusetzen.
23.08.18 : Hab's bis hierher schon auf 75 mg geschafft, nun weiter ca. alle 5 Tage 1/2 Tablette = 12,5 mg weniger
06.09.18: 50 mg Trimi. erreicht - gehe nun langsamer vor.

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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von Rosenrot » Mittwoch, 01.11.17, 12:50

Liebe Mariana, :)

vielen Dank für dein Interesse und Engagement.

Erfolgreiches Absetzen bedeutet für mich in erster Linie, meine Selbstbestimmung zurück zu erlangen und nicht länger durch Absetzsymptome in meiner Alltagsfähigkeit bedroht zu sein.

Es bedeutet unbedingt, medikamentenfrei zu sein, aber ich muss nicht symptomfrei sein.

Ich bin durchaus bereit, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, wenn ich nur wieder ein Leben in Freiheit und Würde führen kann.

Erfolgreiches Absetzen bedeutet für mich, nicht länger als Material für die wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie missbraucht zu werden.

Alles Gute für dich und deine Arbeit.

Rosenrot
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 01.11.17, 18:10

Moin Mariana,

auch ich möchte mich LinLina anschließen, besonders Punkt 5: Erfolgreiches Absetzen bedeutet, für mich die Verantwortung über meine seelische Gesundheit, über meine Psyche und auch meinen Körper (wenn man das denn getrennt sehen will) zurückzugewinnen.
was wäre dementsprechend nicht-erfolgreiches Absetzen?
Nicht , wenn man im Absetzprozess wieder Medikamente einschleicht oder höhersetzt, weil man sieht, es geht erstmal nicht. Das ist KEIN MIsserfolg, KEIN Scheitern, dass ist ein wohlüberlegter kluger Rückschritt. Mit dem Kopf durch die Wand - das macht das ZNS nicht mit.
MariQuaz hat geschrieben:Was gehört für euch alles zu erfolgreichem Absetzen?
Keine Medikamente mehr zu nehmen? Aber vielleicht auch Dinge wie eine bessere Lebensqualität? Eine gute Problembewältigung? Ein guter Umgang mit Symptomen? Oder gar keine Symptome? ...?
Ich möchte anfügen, dass ich selbst von der Serotonin- und von der Dopaminhypothese nicht überzeugt bin. Ein Psychiater hat es so ausgedrückt: "EIn Auto, das zu schnell fährt, kann man aufhalten, in dem man ihm in die Reifen schießt." Psychopharmaka unterdrücken Symptome, weil sie viele höheren Funktionen des Gehirnes unterdrücken, das gilt besonders für die Neuroleptika, bei den Antidepressiva kenne ich mich nicht gut aus.
Ich halte psychische Symptome für psychisch , das heißt, sie können überhaupt erst verschwinden, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben; sicher kann eine Psychotherapie dabei helfen, da ranzukommen.
Das heißt, erfolgreiches Absetzen ist mit viel eigener Arbeit verbunden. Oft muss man unerfreulichen, schwierigen Dingen ins Gesicht sehen.


liebe Grüße Arian
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von Eva » Mittwoch, 01.11.17, 19:02

Hallo!
Ich bin durchaus bereit, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, wenn ich nur wieder ein Leben in Freiheit und Würde führen kann.
Toller Satz. Merke ich mir, auch z. B. als mögliche Antwort, wenn hier die Frage auftaucht: "Warum sollte ich in meinem Alter noch aufhören mit den PP?" Es geht um Freiheit und Würde in jedem Alter, ja!

LG Pons
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von micha68 » Mittwoch, 01.11.17, 19:15

Hallo Mariana,

für mich gehört vor allem zum erfolgreichen Absetzen, das ich mich wieder spüren kann, das ich wieder weinen und lachen kann, wieder Gesprächen folgen und Gespräche führen kann. Nicht mehr so steif bin. Das ich kein ferngesteuerter Roboter mehr bin!

Ich bin zwar noch nicht Psychopharmaka frei, aber die letzten Reduktionsschritte haben mir wieder viel mehr Körpergefühl gegeben und dadurch betrachte ich die bisherigen Schritte schon als erfolgreiches Absetzen. Meine Lebensfreude ist zurück und ich bin dankbar das die Medikamente es nicht geschafft haben mich zu zerstören!

Dir alles Gute und viel Erfolg bei Deiner Arbeit!
Micha
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von Eva » Freitag, 03.11.17, 18:18

Hallo,

als kleine Anfügung noch von mir: Für mich (nicht für alle) bedeutet auch eine dauerhafte und deutliche Reduzierung schon einen Absetzerfolg.

Gruß, Pons
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von MariQuaz » Mittwoch, 22.11.17, 21:45

Ihr Lieben,

vielen lieben Dank für eure hilfreichen und ausführlichen Rückmeldungen und entschuldigt bitte, dass ich mich erst jetzt dazu melde (ich dachte, ich kriege eine Rückmeldung per Mail, wenn mein Beitrag gepostet und beantwortet wurde, und war bis heute zu blöd um einfach mal trotz fehlenden Mails selber im Forum nachzuschauen :-P).

@LinLina: Im Endeffekt wird es in meiner Arbeit darum gehen, herauszufinden, wodurch sich erfolgreiche Absetzer von nicht erfolgreichen Absetzern unterscheiden. Dazu werde ich eine Online-Befragung durchführen und verschiedene Dinge erfragen wie z.B. Umstände zum Zeitpunkt des Absetzens, Art und Weise des Absetzens, soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit, ...
Da ich selber kein Freund von Psychopharmaka bin, hoffe ich, mit den Ergebnissen meiner Befragung für das Absetzen von Psychopharmaka plädieren zu können, indem ich aufzeige, 1 ) dass es überhaupt möglich und machbar ist (indem sich in meiner Stichprobe hoffentlich genug erfolgreiche Absetzer befinden :-P), 2) WIE es möglich ist (indem ich hoffentlich Faktoren identifiziere, die mit erfolgreichem Absetzen zusammenhängen), 3) und dass es sich lohnt.

Liebe Grüße
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von Flummi » Freitag, 05.01.18, 22:17

Hallo,
Das ist wirklich schön, dass Ihr an diesem Projekt arbeitet.
Für mich bedeutet Erfolgreiches Absetzen auch wie bei einigen anderen, dass ich nicht unbedingt auf 0 sein muss, aber dass ich bei jedem Absetzschritt weiss, mein Gehirn funktioniert nach einer Zeit wieder normal. Zu lange dachte ich Neuroleptika müsste man länger bis für immer nehmen. Dabei fand ich den Vergleich mit Schmerztabletten, die man am Wochenende nimmt, weil der Zahnarzt gerade zu hat bis Montag, viel passender.
Viel zu viele Jahre habe ich verloren und mir durch diese Dopamintheorie ein Stigma aufdrücken lassen, ich wäre anders und müsste das nehmen (obwohl mir immer unwohl mit dieser These war). Eigentlich sollte man die Tabletten nur akut nehmen und dann (im Gegensatz zu leichten Schmerztabletten) langsam ausschleichen.
Ich freue mich über jeden Schritt und das ist erfolgreiches Absetzen für mich.
Alles Gute für Eure Arbeit!
Herzliche Grüsse,
Claudia
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Re: Was bedeutet "erfolgreiches Absetzen" für euch?

Beitrag von Neverthelessw11 » Samstag, 06.01.18, 10:56

Guten Morgen,

für mich bedeutet erfolgreiches Absetzen, dass ich mein Medikamentendosis peu a peu reduziere, ohne dabei meine Alltagsfähigkeit zu verlieren. Wenn ich auf Null kommen sollte, aber arbeitsunfähig bin, dann war ich in meinen Augen nicht erfolgreich.
[Soll nicht heißen, dass "man" unerfolgreich ist, wenn der Entzug so schlimm ist, dass man nicht mehr alltagskompatibel ist. Aber für meine eigene spezielle Situation ist es einfach so, dass mein Leben vorgehen muss].

Heißt, dass ich gut damit Leben kann die nächsten drei Jahre mit meinem Seroquel beschäftigt sein kann und auch, dass ich akzeptieren kann, wenn ich vielleicht die Null nicht erreiche, sondern bei einer sehr kleinen Dosis (zB. 50 mg Prolong oder 25 mg unretardiert) bleibe. Dann ist das für jetzt halt mein Etappenziel. Und im Zweifel werde ich meinem Körper dann auch nochmal Jahre geben, bis er bereit ist die letzten mg ohne Terror herzugeben. Ich habe Zeit, aber viel zu verlieren.

Ich beneide die Menschen, die nicht mehr arbeiten gehen müssen, aber gerade die Leute sind nicht zu beneiden. (ich hoffe ihr versteht wie ich das meine: Es ist der Wunsch nach ganz langer Freiheit von den imensen Zwängen der Arbeit und des Studiums, nicht die Behauptung, dass es gut ist arbeitsunfähig zu sein).

Ich glaube der Faktor überhaupt, ist die Informiertheit VOR dem Absetzen. Hätte ich vor 2 Jahren gemacht, was mein Neurologe wollte (von 150 in 50er Schritten jede Woche reduzieren, also in 3 Wochen auf Null), dann würde es mir nicht so gut gehen wie es gerade ist. Fast alle Horrorlebensgeschichten hier beruhen auf unwissendem zu schnellen/kalten Entzug weil die Ärzte nicht aufklären.

Und das zweite ist die Geduld. Man muss wissen und sich zügeln können.

Soweit meine Gedanken...
LG Never
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Neverthelessw11 für den Beitrag (Insgesamt 3):
LinLinaArianrhodFlummi
Medikamente zu Beginn: Seroquel (Quetiapin retardiert) 150 mg + Seroquel (Quetiapin unretardiert) 25 mg abends bei Bedarf

Grund der Medikamenteneinnahme: Somatisierungsstörung, Angststörung + (daraus resultierende Verzweiflung aka) Depressionen

Psychiatrieaufenthalte:
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Absetzgründe:
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Absetzverlauf: :schnecke:-Tempo von Beginn an
Beginn des Absetzens am 24.11.2017 bei 150 mg Seroquel Retardiert
Aktueller Stand des Absetzens: Retardiert: 0 - 0 - 100 + Unretardiert: 0 - 0 - 0
Zwischenstufen (Immer Anpassung an Klausuren und Uniplanung):
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Experimente mit NEM: Keine Aktiven.
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