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Im Laufe der Zeit haben sich einige Mitglieder gefunden, die Interesse haben, eine lokale Selbsthilfegruppe aufzubauen. Gleichzeitig wird immer häufiger nachgefragt, ob solche Angebote bereits existieren. In unserer neuen Rubrik "Selbsthilfegruppen" wollen wir Angebot und Nachfrage zusammenführen und unser virtuelles Anliegen in Form von persönlichen Treffen und Austausch auf "lebendige Füße" stellen.


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you can’t heal what you don’t feel

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you can’t heal what you don’t feel

Beitrag von Murmeline » Donnerstag, 14.05.15, 17:22

Übersetzung eines Beitrages von http://www.beyoundmeds.com von Murmeline
Quelle: http://beyondmeds.com/2015/04/15/oliver-sacks/

Der Ehemann von Monica, Paul Woodward, schreibt Monica Cassini (Langzeitentzug nach jahrelanger Polymedikation)

Oliver Sacks schrieb über einer aktuellen Phase seiner Krebsbehandlung im Endstadium und was er schreibt gibt etwas Aufschluss über das, womit Du (Monica) jeden Tag zu kämpfen hast.

Sacks: "Das vegitative Nervensystem (VNS), welches ohne jemals zu schlafen jedes Organ und Gewebe im Körper überwacht, teilt einem mit, wer man ist."

Das VNS ist somit das körpereigene System der Selbstwahrnehmung. Als solches kann es als Sitz des Bewusstseins gesehen werden, weil die Erfahrung, wie es uns geht, ist eng mit Gefühl, wer wir sind, verbunden.

Sacks:
Kurioserweise hast das Gehirn selbst keine Sinnesorgane, deshalb kann man schlimme Störungen hier haben, und fühlt dennoch kein Unwohlsein. Daher würde Ralph Waldo Emerson, der in seinen Sechzigern Alzheimer bekommen hat, sagen: "Ich habe meine geistigen Fähigkeiten verloren, aber mir geht sehr gut."

Im frühen zwanzigsten Jahrhunderts wurden zwei allgemeine Bereiche des vegitativen Nervensystems erkannt: der "sympathischen" Teil, der durch die Erhöhung der Herzleistung, das Schärfen der Sinne und das Anspannen der Muskeln ein Tier auf Handlung vorbereitet (in Extremsituationen beispielsweise lebensrettender Kampf oder Flucht); und das entsprechenden Gegenstück, der "parasympathischen" Teil, der die Aktivität in den „hauswirtschaftlichen“ Teilen des Körpers (Darm, Nieren, Leber, etc.) erhöht, das Herz verlangsamt und Entspannung und Schlaf fördert. Diese beiden Teile der VNS arbeiten in der Regel in einer glücklichen Gegenseitigkeit; daher ist die angenehme Müdigkeit, die einer schweren Mahlzeit folgt, eben nicht die Zeit, um ein Rennen zu laufen oder sich in einen Kampf zu stürzen. Wenn die beiden Teile der VNS harmonisch zusammenarbeiten, dann man fühlt sich "gut" oder "normal".

Niemand hat darüber eloquenter geschrieben als Antonio Damasio in seinem Buch „The Feeling of what happens“ und in vielen nachfolgendem Büchern und Artikeln. Er spricht von einer "Kernbewusstsein", einem Grundgefühl, wie man ist, was schließlich zu einem vagen, impliziten Gefühl des Bewusstseins führt.

Vor allem dann, wenn die Dinge im Körper schief gehen, wenn eine Homöostase (Selbstregulierung eines Gleichgewichtszustandes) nicht eingehalten werden kann; wenn die autonomen Balance eine starke Schlagseite zu einer Seite oder der anderen hat, dann bekommt dieses Kernbewusstsein, das Gefühl, wie man ist, eine aufdringliche, unangenehme Qualität, und nun wird man sagen: "Ich fühle mich schlecht, etwas stimmt nicht." In solchen Zeiten sieht auch niemand mehr gut aus.

Da Wohlfühlen eine homöostatische Grundlinie ist, ist es natürlich eine Art unterschwelliges Bewusstsein - etwas, dass nur durch seine Abwesenheit auffällt. (mehr unter: http://www.nybooks.com/articles/archive ... -disorder/)
Unwohlsein, auf der anderen Seite, ist von Natur aufdringlich. Man könnte lernen, wie man damit umgeht, aber wir Menschen sind nicht dafür geschaffen, uns daran zu gewöhnen. Der Zweck der VNS ist es, der es unmöglich macht, Unwohlsein zu normalisieren (EDIT: ich verstehe das so: denn Ungleichgewicht ist Unwohnwohlsein und der Körper versucht immer und immer wieder, dieses auszugleichen und ins Gleichgewicht zu bringen).

Eine Verletzung der VNS ist einfach die schlimmste Art von Verletzungen, weil es die Fähigkeit betrifft, Verletzungen zu spüren. Man kann alle Arten von Verletzungen und Krankheiten haben, bei denen das Gefühl des Unwohlseins zeitweise auftritt, aber es definitiv sehr quälend wenn etwas die Fähigkeit, Wohlsein zu spüren, so stark betrifft.

Es scheint mir allerdings, was Dich rettet und auf dem Weg zu Deiner Heilung voranbringt, ist Deine Bereitschaft Dein Unwohlsein zu fühlen. Wie Du sagst, man kann nichts heilen, was man nicht fühlt. (As you say, you can’t heal what you don’t feel)

Ich denke, für "normale" Menschen ist es nicht nur schwierig, sich vorzustellen, sich ständig unwohl zu fühlen, es ist definitiv auch nicht etwas, was man sich vorzustellen wünscht.

Ich weiß, Du sagst oft, Du fühlst Dich gebrochen, aber paradoxerweise zeigt Dein Gefühl des Unwohlseins an, dass Dein VNS funktioniert, wie es sollte. Doch während andere Formen der Heilung im Hintergrund stattfinden können, ist die Heilung der VNS zwangsläufig ein Vordergrundprozess, der alle Deine Aufmerksamkeit fordert.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Murmeline für den Beitrag (Insgesamt 6):
OliverClarissapadmaedgarConvoyLinLina
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
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