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Vortioxetin

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
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Matt2000
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Registriert: Donnerstag, 03.09.15, 8:53

Vortioxetin

Beitrag von Matt2000 » Donnerstag, 01.10.15, 10:37

Wollte mal einen kleinen Erfahrungsbericht über Vortioxetin (Brintellix) schreiben , eines der neusten SSrIs auf dem Markt.

Mir wurde es Anfang Mai verschrieben, weil ich auf alle anderen gängigen Präperate nicht ansprach.

Ich begann mit 5 mg, nahm es 5 Tage ein , nichts passierte, keine Besserung aber auch keine Verschlechterung.
Danach begann ich auf anraten meines Neurologen mit 10 mg. Passiert ist die ersten 3 Wochen auch garnichts, nur das meine Stimmung immer schlechter wurde. Ich war nur noch am weinen, dachte oft an Selbstmord, sah kein Sinn mehr in meinem Leben, begann Schuldgefühle zu entwickeln.

In meiner Verzweifelung wendete ich mich an eine Tagesklinik. Hier wurde sofort seitens des Oberarztes gefragt, wie hoch man es noch dosieren könne, weil anscheinend die Depression durch das Medikament noch nicht gelindert wurden. Als ich sagte, das ich vorher 6 Wochen Fluoxetin nahm, in einer Dosierung von 30 mg, minte man nur das sei viel zu wehnig. Als ich anmerkte , das ich diese Mittel eigendlich wegen einer Angststörung einnahm, und ich noch nie Depressionen hatte, wurde gesagt , das sei der Symthomwandel über die Zeit. Ich nahm Brintellix in der Tagesklinik also weiter ein, meine Stimmung verschlechterte sich immer weiter, sodas man Mirtazapin dazunahm.

Ich wurde sehr träge schon bei 15 mg, hatte Schwindel , den ganzen Tag fast wie benommen...

Es wurde immer schlimmer.. bis ich selbst die Notbremse zog...

Ich setzte Br*ntellix ab, von 10 auf 5 mg ,und nach 1 Woche 5mg auf 0.

Meine Stimmung hob sich etwas, meine Suiziedgedanken verschwanden fast völlig.. Aber... Ich glaube ich habe einen Preis dafür bezahlt.

Ich kann nicht mehr gut schlafen, bin den ganzen Tag nur noch benebelt, habe meist Morgens ab und zu noch depressive Einbrüche (aber Gott sei Dank bis jetzt ohne Suiziedgedanken), habe ANgst und Unruhezustände, friere oft und habe Muskelzittern.

Bin jetzt seit 7 Wochen weg von dem Teufelszeug. So super, wie es vom Hersteller beschrieben wird, und wie einfach man es doch absetzten kann, wird dann ja wohl auch nicht stimmen.

Es war das letzte mal das ich ein SSrI angefasst habe, in meiner Signatur kann man ja nachverfolgen, was ich alles schon geschluckt hab.

Für mich ist Br*ntellix ein Absoluter Flop.

Habt ihr mit dem Wirkstoff auch schon Erfahrungen gemacht?
2006-2014 Fluoxetin 10mg.

2014- über 4 Wochen ausgeschlichen (keine Probleme)

11.2014- Venlafaxin 75- 150mg. (keine Wirkung/unvereinbare Nebenwirkungen)

1.2015- Auf Anleitung des Neuro 150 mg Venla. kalt abgesetzt und fliegender wechsel
auf 10 mg. Escitalopram. Folge: Verdacht auf Serotoninsymdrom //
1. Woche KH.
1.2015 Wegen unertragbarer Symthome versuch erst 3. Wochen mit Tavor, dann mit 15 mg.
Doxepin zu puffern.

1.2015 Nach 3. Wochen Escitalopram kalt abgesetzt wegen zu starker Nebenwirkungen //
fliegender Wechsel auf Paroxetin 5 mg. + 10 mg. Doxepin
Nach der 4ten Dosis starke Depressionen und Suiziedgedanken// sofort abgesetzt.

2.2015 Fliegender Wechsel auf 10 mg. Fluoxetin nach 1 W. 20 mg.,nach 1 W. 30 mg.
+ 10 mg. Doxepin.//Paradoxe Reaktionen Suiziedales Verhalten, starke Depressionen,
Schmerzen, keine Kraft mehr, schlimme Panikattacken, Appetitsverlust + Erbrechen
Innerhalb von 2 Wochen bis auf 5 mg. reduziert.

5.2015 Fliegender Wechsel auf 5 mg. Brintellix, erst keine Besserung
Nach 5 Tagen Erhöhung 10 mg. + 10 mg. Doxepin.
Erste manische Phase für 2 Wochen, dann Absturtzt in Depression, Gefühl wie auf Droge.

6.2015 Aufnahme TK. Nur noch geweint, starke Stimmungsschwankungen, 2. Suiziedversuche,Depressionen
Appetitverlust, Übelkeit, beginn von DR /DP // Gefühl für sich total verloren, Angst vor mir selber.

6.2015 Absetzten Doxepin// ersetzt durch 15 mg. Mirtazapin.

7.2015 Entlassung TK (Diagn. Persönlichkeitsstörung) Medikation: 10 mg. Brintellix, 15 mg. Mirtazapin, 20 mg.
Prometazin.

7.2015 Vorstellung ambulant in einer Klinik// Vom Professor als Bipolar II eingestuft. Zusätzlich 50 mg.
Lamotrigin.

8.2015 Nach 3 Wochen Lamotrigin Nebenwirkungen wie Nasenbluten, Unruhe, Zittern im Gesicht.
8.2015 Im Urlaub Notbremse gezogen: Nur noch Suiziedgedanken, Lichtempfindlich, nichts mehr gegessen, starke DR/DP
Angst vor Psychose. DR // Ich habe NICHTS ! mehr wargenommen !
Brintellix für 2 Wochen auf 5 mg. dann abgestezt
Lamotrigin kalt abgesetzt.
Mirtazapin in 3 Wochen von 15 auf 3,75 mg. (absetzten bis Heute nicht möglich !)

9.2015 Stesstoleranz nimmt immer weiter ab, grundloses Weinen stellt sich ein, DR/DP werden immer schlimmer.Depressionen mit Suiziedgedanken, Verzweifelung, Albträumen, komisches Verhalten, Störung mit Anderen.

Murmeline
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Re: Vortioxetin

Beitrag von Murmeline » Donnerstag, 01.10.15, 15:30

Hallo Matt,

danke für Deinen Erfahrungsbericht zu Brintellix / Vortioxetin.

Ich lese hin und wieder im Netz zum Thema. Am wunderlichsten finde ich einen Psychiater, der jetzt etwa 10 Leute auf Brintellix "umgestellt" hat, und das leider bei fast allen abrechen musste, weil es statt der versprochenen kognitiven Verbesserung laut Herstellerangaben und Pharmavertreter vermehrt zu affektiven Störungen kam. Aus meiner Sicht kein Wunder, wenn man das eine Medikament schnell rausnimmt und das andere rein. Medikamente werden zudem nicht an Patienten getestet, die schon vorher divrese Medikamente hatten oder noch andere Medikamente nehmen.

Bei der Bewertung von Brintellix halte ich mich an das arznei-telegramm:
Der Zulassung in Europa liegen zwölf randomisierte Kurzzeitstudien über sechs bis acht Wochen zu Grunde. Fünf Untersuchungen verlaufen negativ. Auffällig ist, dass Vortioxetin in den Studien, die in Nordamerika durchgeführt wurden, deutlich schlechter abschneidet. Vorteile oder auch nur Gleichwertigkeit gegenüber anderen etablierten Antidepressiva sind nicht hinreichend belegt. Variante ohne besonderen Stellenwert. Wir können derzeit keine Indikation für das Me-too-Antidepressivum erkennen.
http://www.arznei-telegramm.de/db/wkstx ... in&ord=uaw

Grüße, Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

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Murmeline
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Re: Vortioxetin

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 21.10.15, 21:53

Hallo Matt.

Du hast gefragt:
Kennt wer wen der auch schon Brintellix genommen hat oder nimmt?
Ich habe eine zeitlang hier mitgelesen: da sind die meisten wieder abgesprungen:
https://www.depri.ch/f12/neues-antidepr ... ost3491404

Viele hatten von anderen Medikamenten schnell auf Brintellix gewechselt - und das hat meistens nicht geklappt.

Grüße Murmeline
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mopmop
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Re: Vortioxetin

Beitrag von mopmop » Dienstag, 12.07.16, 20:30

Hallo Alle Zusammen,

ich habe mich bis dato noch nie in einem Forum zu Wort gemeldet, aber aus gegebenem Anlass und auch Eigennutz, möchte ich mich nun zu Wort melden.

Ich nehme Brintellix nun seit einigen Monaten und bin hochgradig zufrieden damit. Ich habe zuvor kaum noch meinen Alltag bewältigen können und hatte selbst in mir sonst gewohnten Situation Panikataken. Escitalipram hat bei mir überhapt nicht geholfen, meine Libido hat sich verabschiedet, ich hatte steetig Heißhunger und meine Stimmung war kaum bis garnicht besser.
Dank Brintellix bin ich nahezu die Alte - bis auf die Erfahrung nun zu Wissen was es heißt Depressiv zu sein. Ich bin mittlweiweile bester Stimmung und meine Libido hat sich fast normalisiert. Theoretisch habe ich sogar weniger Hunger.

Nun zu dem Grund meiner Meldung hier: Mein Psychiater hat mir berichtet, dass das Medikament eventuell vom Markt genommen werden soll :shock: Weil es im Vergleich zu anderen Medikamenten sehr teuer ist! das Wäre für mich der absolute Horror. So schnell ein Medikament gefunden zu haben was mir so gut hilft war einer enorme Erleichterung und hat mir viele Ängste genommen. Und vor allem hat es mir so gut geholfen, dass ich "nur" ein Halbes jahr meines Studiums verloren habe und wieder den Mut habe weiter zu machen.
Laut meinem Psychiater könnte es Helfen, wenn man beim Spitzenverband der Krankenkassen Meldung macht wie hilfreich dieses Medikament ist und vor allem wie wenig Nebenwirkungen man im Vergleich zu anderen Medikamenten hat. Je mehr sich dort zu Wort melden desto besser natürlich :)

https://www.gkv-spitzenverband.de/


Ich hoffe das ich unter euch ein paar Anhänger finde, die auch Motiviert sind sich dort zu melden und dafür zu "kämpfen", dass dieses prima Mittel nicht vom Markt genommen wird, nur weil die Krankenkassen nicht so viel Geld für unsere Gesundheit ausgeben wollen.

Ich werde in Jedem Fall einfach mal eine Mail an den Spitzenverband schicken, in der Hoffnung, dass es hilft und uns dieses tolle Medikament weiter erhalten bleibt.

Lieben Gruß und einen schönen abend euch Allen!!! :-)

Jamie
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Re: Vortioxetin

Beitrag von Jamie » Dienstag, 12.07.16, 20:39

Hallo mopmop,

willkommen hier :)

Das ADFD ist psychopharmaka-kritisch, wir sind also keine Fans davon, respektieren es aber, wenn uns Menschen schreiben, dass sie davon profitieren.
Wir melden uns noch detaillierter zu deinem Anliegen, ich möchte nur nicht, dass du enttäuscht bist, wenn wir hier nicht frohlockend Halleluja rufen :roll: .

Es gibt evtl. Möglichkeiten für dich, dennoch an das Medikament zu kommen. Ich schreibe dir die Tage dazu.

Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


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Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


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