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Braucht die liebe Kakerlake Theodora wirklich 10 Neuroleptika?

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
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schreibling
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Braucht die liebe Kakerlake Theodora wirklich 10 Neuroleptika?

Beitrag von schreibling » Freitag, 29.07.16, 9:25

Braucht die liebe Kakerlake Theodora wirklich 10 Neuroleptika?

eine traurige Geschichte von schreibling
intellektueller Anspruch: mittel

Es war einmal eine Kakerlake. Sie lebte in der Küche von Peter mit noch ein paar anderen Kakerlaken und es ging ihr gut. Sie fand genug zu fressen und führte bisher ein glückliches Kakerlakenleben.

Bis eines Tages etwas ganz Schreckliches geschah. Denn eines Tages stieß Peter im Internet zufällig auf einen Artikel, wie man eine Kakerlake mit Bluetooth fernsteuert:

(Bitte an dieser Stelle bei google Kakerlake fernsteuern eingeben und lesen)

Aufmerksam las er sich den Artikel durch. Er bestellte sich bei der Konkurrenz ein Steuergerät und einen Chip, fing sich eine Kakerlake aus seiner Küche – die Kakerlake Theodora, und mit viel Mühe pflanzte er ihr sorgfältig den Chip ein.

Nach links – so steuerte Peter seine Kakerlake Theodora und schon lief die Kakerlake nach links. Eigentlich wollte sie überhaupt nicht laufen, sondern stehen bleiben, aber sie MUSSTE nach links laufen, auch wenn sie stehen bleiben wollte und so fühlte sich die Kakerlake zum ersten Mal in ihrem Leben fremdgesteuert.

Peter machte das richtig Spaß und so spielte er mit Theodora des Öfteren herum. Theodora musste nach links laufen, nach rechts laufen und manchmal musste Theodora auch tanzen. Sie hatte noch nie vorher in ihrem Leben getanzt. Einmal zündete Peter ein Stück Papier an, legte es auf ein kleines Blech und ließ die Kakerlake Theodora direkt auf das brennende Stück Papier zulaufen. Theodora erlitt Höllenängste, schwitzte und zitterte und war kurz vor dem Zusammenbrechen. Kurz bevor sie das heiße Blech mit dem brennenden Stück Papier erreichte, änderte Peter mit seiner Steuerung ihre Laufrichtung und löschte das Feuer. Dieses Experiment wiederholte er des Öfteren und fand das lustig.

„Es geht mir so schlecht. Ich leide an Ängsten. Ich schwitze und ich fühle mich so oft fremdgesteuert. Es geht mir so schlecht“, jammerte Theodora ihrem Hausarzt vor. „Ich überweise dich zum Psychiater Dr. Weiß-alles“, sagte ihr Hausarzt.

„Es geht mir so schlecht.“, klagte Theodora mit schmerzverzerrtem Gesicht dem netten Psychiater Dr. Weiß-alles. „Ich fühle mich so oft fremdgesteuert. Ich fühlte mich so fremdgesteuert, dass ich auf ein Stück brennendes Papier zugelaufen bin. Erst in letzter Minute bin ich in eine andere Richtung gelaufen. Ich zitterte und schwitzte vor Angst und bekam kaum Luft. Das passierte schon mehrmals“ „Du bist eindeutig psychisch krank. Du hast eine Psychose. Eine Psychose ist eine Stoffwechselstörung im Gehirn. Aber Gott sei Dank gibt es heute schöne Medikamente dagegen“, erklärte Dr. Weiß-alles freundlich, denn er verfügte über großes Fachwissen.

Auf seinem Tisch stand die sehr wertvolle blühende Orchidee Claudine. Sie war ein Geschenk des sehr, sehr, sehr freundlichen Pharmaindustrievertreters Matthias, der immer so schöne Geschenke mitbrachte und manchmal noch viel schönere wie letztens die neue Rolex, die Dr. Weiß-alles für die Teilnahme an einer wissenschaftlich völlig wertlosen Studie bekommen hatte. Aus Sicht der Pharmaindustrie war der Zweck der Studie lediglich, die Bestechung zu vertuschen, denn offiziell würde Dr. Weiß-alles sich nicht bestechen lassen – dazu war er ein zu guter Arzt.

Die Orchidee Claudine konnte sprechen und nur Dr. Weiß-alles konnte es verstehen. „Nimm ein neueres Medikament“, flüsterte die Orchidee Claudine, „denn du weißt, die neuen Medikamente sind immer viel besser als die alten. Das erkennst du daran, dass sie viel teurer sind als die alten. Das ist immer so und gilt auch für Neuroleptika. Die alten Neuroleptika haben auch noch so schreckliche Nebenwirkungen – die neuen haben kaum welche. Und wenn, dann haben sie in etwa solche wie Kamillentee. Sie verursachen auch keine Langzeitschäden wie die schrecklichen Spätdyskinesien. Das haben wir in unserer selbstfinanzierten Langzeitstudie über 3 Wochen, zwei Tage und 4 Stunden genauestens erforscht. Am besten du nimmst gleich fünf Medikamente, denn wir haben wissenschaftlich analysiert: Viel hilft viel! Und noch viel mehr hilft noch viel mehr! Am meisten hilft ganz, ganz, ganz viel“, säuselte Claudine.

Dr. Weiß-alles holte seinen Rezeptblock hervor und schrieb 5 atypische teure Neuroleptika auf. Dass die Lebenserwartung psychisch Kranker unter den neuen Neuroleptika noch weiter zurückgegangen zu sein scheint, wusste er nicht. Er wollte seiner Patientin Theodora etwas Gutes tun. „Irgendwie sagt Claudine immer das gleiche“, dachte er genervt, „aber wo sie Recht hat, hat sie Recht, denn dasselbe habe ich ja bei meiner letzten wissenschaftlichen Fortbildung/Informationsveranstaltung bei der Pharmaindustrie auch gelernt“ dachte er weiter und er erinnerte sich: „ wo es so schönes Essen gab in dem komfortablen 6 Sterne-Luxushotel.“

Plötzlich hörten sie alle ein leises Klingeln. Es waren die Kassen der Pharmaindustrie-Interessenvertretung, deren Hauptsitz 5 km entfernt liegt und deren Einkommen vom Gewinn der Pharmaindustrie abhängt. „Immer dieses Gebimmel“, dachte die Orchidee Claudine genervt, denn ständig klingelte es. Aber natürlich freute sie sich auch, denn je mehr es klingelte, desto besser machte sie ihre Arbeit. Auch die Politiker freuten sich immer über das Klingeln. Je mehr es klingelte, desto größer waren die Steuereinnahmen.

Peter betrachtete mit gerunzelter Stirn sein Steuergerät für seine Kakerlake Theodora. Es reute ihn, dass er zu seinem Vergnügen der Theodora solch einen Schrecken eingejagt hatte, denn er hatte jetzt neuerdings ein Herz für Tiere. Das hatte er doch letztens dieser ganz total attraktiven Petra erzählt und die fand das so toll, dass er ein Herz für Tiere hatte und wollte sich gerade deswegen in ihn verlieben. Denn sie träumte schon ihr ganzes Leben von einem Mann mit einem Herz für Tiere. Was, wenn Petra seine grausigen Freveltaten mitbekam, wie sollte er Petra dann ins Bett kriegen? Er beschloss, das nicht wieder zu tun und so warf er vorsichtshalber das Steuergerät in den Müll und er entfernt auch den Chip wieder, den er Theodora eingebaut hatte. Es fiel ihm sehr schwer, denn er fand seine Experimente richtig gut. Auch behandelte er die Kakerlake Theodora ab sofort ganz lieb und streichelte sie oft, zumindest, wenn das Petra sah.

Am Abend nahm die Kakerlake Theodora zum ersten Mal in ihrem Leben Neuroleptika. 5 verschiedene. Alle sehr teuer.

Daraufhin bekam die Kakerlake Theodora sehr viel Hunger. Sie konnte nicht mehr richtig denken und nahm jeden Tag zu. Sie hatte nach 3 Monaten ihr Gewicht vervierfacht, sodass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. 19 von 24 Stunden schlief sie, weil sie so müde war. Außerdem war ihr ständig schwindlig. Mit anderen Worten: es ging ihr nicht gut.

Sie klagte ihr Leid ihrem Psychiater Dr. Weiß-alles. „Es ist die Krankheit“, erklärte Dr. Weiß-alles und fuhr fort: „Es gibt so schöne Internetforen. Da gibt es sogar anonyme Vertreter der Pharmaindustrie, die dort Ratschläge geben. Da lernst du, wie du die vielen Krankheitserscheinungen und wenigen Nebenwirkungen besser aushalten kannst“, empfahl Dr. Weiß-alles klug. „Nicht das ADFD.org! Nicht das ADFD.org!! So ziemlich jedes andere deutsche Forum!“, warnte ihn seine Orchidee Claudine. „Keinesfalls das ADFD.org!“, wiederholte Dr. Weiß-alles wohlwollend und wunderte sich über das Klingeln der Kassen der Pharmaindustrie-Interessenvertretung.

Theodora ging es nicht besser. „Das muss an den Medikamenten liegen“, kam ihr irgendwann in den Sinn und sie lief wieder zu Dr. Weiß-alles. „Ich möchte die Medikamente nicht mehr nehmen. Ich bin ja auch schon lange nicht mehr fremdgesteuert“, klagte sie. „Wenn du die Medikamente nicht mehr nimmst, kommt die Krankheit wieder“, erklärte Dr. Weiß-alles der Kakerlake Theodora mit hoch erhobenen Zeigefinger und ernstem Gesicht. „Du hast eine Stoffwechselstörung im Gehirn und wenn du die Medikamente nicht nimmst, wirst du wieder richtig krank. Du musst sie lebenslang nehmen. Du musst dankbar sein, dass es heute solche guten Medikamente gibt!“, mahnte er weiter. Er meinte es ehrlich, denn er hatte sehr lange studiert, wo er großes Fachwissen erworben hatte und er machte laufend Fortbildungen, auch sogar bei der Pharmaindustrie und auch Claudine freute sich. Theodora dachte an die Ängste, die sie aushalten musste, als sie auf das Feuer zugelaufen war und schwieg.

„Ich war schon lange nicht mehr fremdgesteuert“, weinte Theodora das nächste Mal bei Dr. Weiß-alles. Sie hatte gelesen, dass diese Medikamente, wenn sie überdosiert sind (z.B. Seroquel 2342mg) und viele verschiedene auf einmal (z.B. 10 Neuroleptika) gegeben werden, massiv das Leben verkürzen. “Es geht mir heute noch schlechter als früher, bevor ich auf das Feuer zugelaufen bin, denn ich will lange leben!“ Sorgenvoll schüttelte Dr. Weiß-alles den Kopf. „Ich habe ein Recht auf Medikamentenfreiheit“, rief Theodora selbstbewusst in leicht aggressivem Ton, denn sie war eine moderne emanzipierte starke Kakerlake. Notgedrungen musste er ihr mit seinem ganzen fachlichen Wissen helfen, weil sie dummerweise zu ihrem eigenen Schaden ja nun mal dieses Recht hatte. „Man muss diese Medikamente langsam absetzen“; sprach er und machte einen Plan. „Innerhalb von 3 Wochen – also ganz langsam“, erklärte er. „Zwei Wochen! Zwei Wochen! „, korrigierte ihn die Orchidee Claudine leise und erschrocken. „Im Beipackzettel von Seroquel steht zwei Wochen! Zumindest stand so etwas dort vor einigen Jahren“, rief sie. „Das haben wir von der Pharmaindustrie alles mit unseren eigenen, von uns finanzierten wissenschaftlichen Studien wissenschaftlich erforscht!“, rief Claudine und wieder klingelten die Kassen der Pharmaindustrie-Interessenvertretung. „Innerhalb von zwei Wochen“, sprach Dr. Weiß-alles zu seiner Patientin Theodora und wiederholte:“Innerhalb von zwei Wochen“. Dr. Weiß-alles guckte ganz sorgenvoll. Er wusste aus seiner langjährigen beruflichen Erfahrung, dass, wenn man die Medikamente absetzt, dann die Krankheit wiederkommt. Er hatte es viele Male persönlich in seiner Praxis erlebt.

Also setzte die Kakerlake Theodora unter fachärztlicher Anleitung ihre Neuroleptika-Tabletten ab. Nicht auf einmal – nein. Ganz langsam. Alle in zwei Wochen. Es ging ihr sehr schlecht. Sie erlitt fürchterliche Entzugserscheinungen: grauenvolle Ängste und sie schlief auch nur noch höchstens 44 Minuten jede Nacht. Manchmal fror sie und zitterte. Zuweilen hatte sie auch leicht aggressive Phasen und ihr Blutdruck erhöhte sich auch.

„Es ist deine Krankheit“, sagte jedesmal ihr Psychiater Dr. Weiß-alles. „Wenn du deine Tabletten wieder nimmst, hört das auf.“ Aber das wollte Theodora nicht. „Oder machen die Medikamente abhängig? Dann sind es vielleicht Entzugserscheinungen?“, wollte Theodora wissen. „Nein, die Medikamente machen nicht abhängig“, sagte Dr. Weiß-alles, denn so stand es in seinen Büchern und so hatte er es auf seinen Fortbildungen/Informationsveranstaltungen gelernt.

Nach etwa 4 ½ Monaten dachte die Kakerlake Theodora eines Morgens: „Ich bin Napoleon und führe meine Armee in den Krieg.“ Sie marschierte voller Elan und voller Mut immer gerade aus und fiel irgendwann vom Küchentisch. Dabei hatte sie noch Glück, denn sie landete nicht auf dem Küchenboden, sondern auf einem Stuhl, der glücklicherweise dort stand. Am Kopf hatte sie eine große Beule. Auf dem Stuhl fing sie an zu tanzen. Auch essen wollte sie nicht mehr, denn Peter hatte alle Krümel, die in der Küche herumlagen, vergiftet – zumindest glaubte sie das. Sie wurde noch dünner und hörte gar nicht mehr auf zu tanzen, bis sie völlig erschöpft und kraftlos liegen blieb.

Theodora hatte eine Supersensitivitätspsychose, eine Entzugspsychose – ausgelöst durch Neuroleptika. Ausgelöst durch falsches, weil zu schnelles Absetzen.
Zitate von Josef Bäuml, Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis:
…, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis der Einfluss der Neuroleptika auf das Zentralnervensystem abgeklungen ist.
… dass die Blockade der Dopaminrezeptoren … bis zu 6 Monate andauern kann.
Die meisten Wiedererkrankungen ereignen sich 3-7 Monate nach dem Absetzen der Neuroleptika.
Theodora hatte eine Psychose, die sie, wenn sie niemals Neuroleptika genommen hätte, niemals kriegen würde. Diese Entzugspsychose kommt tlw. erst mehrere Monate nach dem vollständigen Absetzen.

Eines Tages schnappte sich Petra, die Freundin von Peter, die Kakerlake Theodora, weil es mit der nicht besser wurde und brachte sie zu Dr. Weiß-alles. „Was führt dich zu mir?“, fragte dieser. „Ich bin Gott. wau, wau“, lallte Theodora und versuchte, mit einem ihrer Beine einen großen Kreis zu zeigen, was allerdings nicht so recht klappen wollte. „Es ist ihre Krankheit“, erklärte Dr. Weiß-alles Petra, die sich große Sorgen machte. „Sie wollte unbedingt ihre Tabletten absetzen. Ich habe ihr gesagt, dass dann die Krankheit wiederkommt, aber sie wollte nicht auf mich hören.“, erklärte er Petra. „Welches Datum ist heute?“, fragte er die Kakerlake Theodora, denn er wollte sie testen. „Schsch.. schokoladen …pudding“, sabberte Theodora nach zwei Minuten und fing an zu tanzen. „Sie muss in die Klinik“, sagte Dr. Weiß-alles und schrieb eine Einweisung in die Psychiatrie.

So landete Theodora in der Psychiatrie. Auf der Einweisung stand:
endogene Psychose / Dekompensation

Dort in der Klinik wurde sie fixiert, denn sie wollte um sich schlagen. Weil sie in ihrem Wahn dachte, der freundliche Oberarzt Klaus sei die Kakerlake Fridolin aus Peters Küche und Fridolin wollte ihr schon immer an die Wäsche. Das hatte er nämlich schon mehrmals versucht; Fridolin war irgendwie sehr lästig. Denn bei den Kakerlaken ist es wie bei den Menschen.

Das Personal war hilfsbereit und sehr freundlich, denn die Kakerlake Theodora war ja keine schwierige Patientin. Die Ärzte vermuteten aufgrund ihrer großen praktischen Erfahrung sofort, dass die ehemaligen verordneten 5 Medikamente nicht ausreichend geholfen hatten und gaben ihr nun 10 andere. „Du brauchst diese guten Medikamente, denn du hast eine Stoffwechselstörung im Gehirn. Du musst sie lebenslang nehmen!“, mahnten die Ärzte ständig und meinten es gut. Und die Kakerlake Theodora glaubte es, denn die Ärzte waren für sie Autoritäten – Götter in weiß. Nach 6 Wochen wurde sie einigermaßen klar im Kopf aus der Klinik zurück nach Hause zu Peter und Petra entlassen. Sie war wieder hinreichend normal bis auf ihr Gedächtnis. Sie konnte sich schlecht etwas merken, vergaß vieles viel zu schnell und es war ihr des Öfteren schwindlig.

Weiterhin ging es ihr schlecht. Sie litt irgendwann auch noch an Unruhe, zeitweiligen leichten Angstattacken, hörte manchmal leise Stimmen, die ihr freundlich zuflüsterten :“Dein Leben ist doch irgendwie sinnlos“ und hatte Albträume, denn wenn man Neuroleptika nimmt, besonders mehr als 3 auf einmal, führt das oft zu vermehrten psychotischen Symptomen.
Zitat aus: „Neuroleptika reduzieren und absetzen“ ; S.18, Broschüre der DGSP
Außerdem kommt es häufig zu einer verstärkten (!) Psychosesymptomatik, vor allem bei drei oder mehr Neuroleptika. Hinzu kommt oft eine Verschlechterung der Hirnleistung … und weitere schwerwiegende Störungen.
Die Kakerlake Theodora hatte jetzt erkannt:“Ich brauche meine Medikamente. Ich muss sie lebenslang nehmen, denn sonst kommt die Krankheit wieder“ und ihr ambulanter Psychiater Dr. Weiß-alles freute sich sehr darüber, dass seine Patientin nun endlich zur Vernunft gekommen war.

Braucht die Kakerlake Theodora wirklich 10 Neuroleptika?

An dieser Stelle endet die Geschichte von der Kakerlake Theodora.



Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte über unsere Ärzte verlieren:
Wir haben, wie ich finde, auch viel mit ihnen gemeinsam:
Sie sind genau wie wir Opfer der Pharmaindustrie, die Einfluss auf ihre Meinung/ ihr Wissen/ ihre Fachzeitschriften/ ihre Lehrbücher/ ihre Universitätsdozenten usw. nimmt und damit auch auf ihr Handeln, welches dadurch leider zu oft, zumindest was Medikamente betrifft, zum Schaden ihrer Patienten gereicht.
Kein Mensch auf dieser Welt handelt immer richtig – wir nicht und auch unsere Ärzte nicht.
Aus ihrer Sicht wollen die allerallermeisten Ärzte uns helfen.
Ärzte sind generell sehr, sehr intelligent (relativ zur Normalbevölkerung) und Therapeuten sind von Natur aus zusätzlich noch liebe empathische Menschen.
Das ist meine persönliche Meinung – sie kann falsch sein.
Ich selbst habe meinen Ärzten auch viel, viel Gutes zu verdanken und sie haben mir auch schon sehr, sehr oft geholfen.


Zum Nachdenken für diejenigen, die moralischer und klüger als unsere Ärzte sein wollen:

Vor dem Supermarkt LÜDL begegneten sich Wilma und Carola, zwei alte Schulfreundinnen, beide ehemalige Arzthelferinnen. Carola hatte später Theologie studiert. „Also weißt du, wie finde ich denn das, dass die Ärzte Geschenke nehmen?! Noch dazu von der Pharmaindustrie! Da werden sie doch im Interesse der Pharmaindustrie beeinflusst!“, empörte sich Wilma. „Es nehmen doch viele Menschen Geschenke“, erwiderte Carola eher gelassen. „Hast du noch nie Geschenke genommen?“ Wilma überlegte und sagte:“Nein; eigentlich nicht“. „Auch keine Treuepunkte vom Supermarkt PÖNNY?“, scherzte Carola. „Nun ja, das schon. Aber das hat keinen Einfluss auf mein Kaufverhalten. Ich habe ja auch nicht mehr gekauft, als wenn ich die Treuepunkte nicht genommen hätte. Man kann ja auch nicht mehr essen als das, was reinpasst“, antwortete Wilma. „Nun, das glaube ich dir sogar.“, sagte Carola. „denn du kaufst ja jetzt auch beim LÜDL.“ „Also weißt du“; druckste Wilma herum, „eigentlich kaufe ich fast nur noch bei LÜDL. „Warum das denn?“, wollte Carola neugierig wissen. „Na, es gibt doch jetzt bei LÜDL diese tollen kleinen Figuren; wenn man für 15 Euro dort kauft, kriegt man eine und die finden meine Kinder so toll!“ „Siehst du, wenn du frei sein willst in deinen Entscheidungen und Handlungen, darfst du keine Geschenke annehmen. Diesmal war es aber nicht so schlimm. Aber wenn du auf kleine Geschenke schon nicht verzichten kannst, wie könntest du es dann auf größere?“



Quellen:
• die in dem Forum ADFD.org (Absetzforum) erwähnte Literatur und die Erfahrungen seiner Mitglieder
• Dr. Gunter Frank „Schlechte Medizin ein Wutbuch“
• Peter C. Gotzsche „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert“
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Re: Braucht die liebe Kakerlake Theodora wirklich 10 Neuroleptika?

Beitrag von Murmeline » Freitag, 29.07.16, 9:49

Hallo Schreibling,

vielen Dank, dass du diese Geschichte mit uns teilst. Auf deinen Wunsch hin wurde der Thread für Kommentare geschlossen.

Viele Grüße, Murmeline
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Murmeline für den Beitrag:
Katharina
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
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schreibling
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die drei Vampire

Beitrag von schreibling » Mittwoch, 18.07.18, 16:02

Die drei Vampire

eine Geschichte von schreibling, diesmal mit happy end


Inhalt:

• Die Vampire des Friedhofs “Zur seligen Ruh‘“
• Das psychiatrische Krankenhaus
• Der „Freiwillige Intelligenztest“ des Dr. Pillengeil
• Die Herzklinik
• Die Compliance-Formel
• Das liebe Team und die lieben Mitglieder des Forums ADFD.org
• Die Nacht vom 2.7.2017 auf den 3.7.2017
• Happy End





Es war einmal ein Friedhof. Er hieß “Zur seligen Ruh’“.


Plötzlich klappten die Sargdeckel auf,
uns're Geschichte nimmt ihren Lauf …




Auf diesem Friedhof wohnten auch die Vampire Depri, Benzo und Schizo, von denen unsere Geschichte erzählt.


Korrekterweise handelt es sich bei den dreien sowie ihren Freunden um Halbvampire, denn die Menschen, die von ihnen geschädigt werden, verwandeln sich nicht in Vampire und leben auch weiter.
Außerdem fließt durch die Adern der drei richtiges Halbvampirsblut und sie wohnen auch auf einem Friedhof.
Wir wollen sie im Folgenden trotzdem Vampire nennen, denn ihr Vater war ein leibhaftiger Vampir.



Tagsüber schiefen sie in ihren Gräbern und des Nachts flogen Depri, Benzo und Schizo immer in das nächstgelegene Krankenhaus, welches sich praktischerweise neben dem Friedhof “Zur seligen Ruh’“ befand. Es hieß:
Ein durchschnittliches Krankenhaus für die Seele– wie alle anderen auch in Deutschland



Es handelte sich um eine psychiatrische Klinik. Die meisten Patienten waren verrückt, total ängstlich oder schwerst depressiv. Oder alles zusammen.


Natürlich wurden sie nach den neuesten medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen von den Ärzten u.a. mit AD, Benzos, Schlafmitteln und NL behandelt, weil diese segensreichen Medikamente ja so gut helfen und auch niemals abhängig machen. Und weil es auch nichts Besseres gibt, als lebenslang Psychopharmaka zu konsumieren. Weil sonst die Krankheit wiederkommt. Und schädlich sind Psychopharmaka auch überhaupt kein bisschen.

Eeeehrlich!!!




Damit die Ärzte diese ihre Weisheiten nicht ständig zu wiederholen brauchten, durften die Patienten im entspannten Zustand jeden Tag als freiwillige Therapie eine Stunde lang eine Schallplatte anhören (Endlosschleife) mit nur sechs Sätzen:


Psychopharmaka sind das Beste, was es gibt.
Psychopharmaka helfen supersupersupertoll.
Psychopharmaka machen nicht abhängig.
Ich brauche Psychopharmaka lebenslang.
Wenn ich Psychopharmaka reduziere oder absetze, kommt die Krankheit wieder.
Psychopharmaka sind überhaupt kein bisschen schädlich.



Nach einer Stunde durfte jeder Patient bei einer extra dafür ausgebildeten Krankenschwester (nebenberufliche Ausbildung) einen freiwilligen Test (er hieß in der Klinik „Freiwilliger Intelligenztest“) absolvieren.
Wenn auch nur eine einzige Antwort falsch war, durfte der Patient noch einmal die freiwillige Schallplatten-Therapie eine Stunde lang wiederholen – bis zu selbigem „Freiwilligen Intelligenztest“.
Bis auf weiteres. Im Extremfall wochenlang. Alles absolut freiwillig.



Die freiwillige Schallplatten-Therapie und der „Freiwillige Intelligenztest“ waren beide total freiwillig, aber sobald ein Patient Anzeichen zeigte, sich zu weigern, daran teilzunehmen, wurde ihm sofort und nachhaltig von Seiten der dadurch in Zorn geratenen Ärzteschaft unter Zuhilfenahme von Hypnose mit Medikamentenerhöhung bzw. Entlassung gedroht.


Den genialen „Freiwilligen Intelligenztest“ hatten die Ärzte zusammen mit den Psychologen, zwei Ergotherapeuten und drei Krankenschwestern in anstrengender Teamarbeit innerhalb nur eines Vierteljahres entwickelt.



Chef der Arbeitsgruppe „Freiwilliger Intelligenztest“ war übrigens Dr. Pillengeil, welcher vor kurzem auf einem 4-wöchigen Lehrgang der Pharmafirma „TaugtNix - pharm“ sein Wissen vervollkommnete, indem er dort an der wichtigen Fortbildung teil nahm zum Thema:

Wie kann ich die Zustände in der Psychiatrie derart unzumutbar gestalten,
dass alle Patienten möglichst viele zusätzliche Psychopharmaka dringend benötigen,
die sie bei zumutbaren Zuständen NIEMALS brauchen würden?


Seit kurzem ist er zurück mit vielen guten Ideen, wie:

• 12-Mann-Zimmer
• in jedes Zimmer ein Radio, aus welchem es jede Nacht richtig schön laut schnarcht
• Schlafen mit offenen Türen bei grellem Licht aus dem Flur
• in jedes Zimmer ein geräuschvoll pumpendes Sauerstoffgerät – 24 Stunden täglich
und noch viele, viele andere gute wirkungsvolle Ideen.





Der anspruchsvolle „Freiwillige Intelligenztest“ war sehr kompakt (sozusagen total geballtes Wissen) und bestand deshalb bewusst aus nur sechs Fragen:


Was ist das Beste, was es gibt?
(Antwort: Psychopharmaka sind das Beste, was es gibt.)

Wie helfen Psychopharmaka?
(Antwort: Psychopharmaka helfen supersupersupertoll.)

Was machen Psychopharmaka nicht?
(Antwort: Psychopharmaka machen nicht abhängig.)

Wie lange brauchst du Psychopharmaka?
(Antwort: Ich brauche Psychopharmaka lebenslang.)

Was kommt wieder, wenn du Psychopharmaka reduzierst oder absetzt?
(Antwort: Wenn ich Psychopharmaka reduziere oder absetze, kommt die Krankheit wieder).

Was sind Psychopharmaka überhaupt kein bisschen?
(Antwort: Psychopharmaka sind überhaupt kein bisschen schädlich.)




Eine schizophrene Patientin, die auch an depressiven und ängstlichen Phasen litt und zeitweise schlecht schlafen konnte, machte nun schon die fünfzehnte Stunde die Schallplatten-Therapie.
Aber das war auch völlig richtig, so fanden die Ärzte.
Hatte sie doch auf die Frage: “Wie helfen Psychopharmaka?“ bereits vierzehn Mal mit „supertoll“ geantwortet, wo doch die richtige Antwort „supersupersupertoll“ lautete.
„Sie braucht noch ein bisschen Schallplatten-Therapie“, fanden die Ärzte völlig zu Recht – darin war sich das ganze Stationspersonal einig.


„Psychiatriepatienten begreifen eben extrem schwer“, erkannte zuerst der Oberarzt und dann mussten es die anderen vom Fachpersonal auch alle erkennen, sonst bekamen sie erst eine Rüge und nach drei Mal eine Abmahnung, denn der Oberarzt war sozusagen der Zeus unter den Göttern in Weiß auf Station.


In dieser Klinik namens
Ein durchschnittliches Krankenhaus für die Seele– wie alle anderen auch in Deutschland
war eben "MITDENKEN" angesagt.
Und das gilt von alters her ganz besonders für Patienten.






Jede Nacht kamen die Vampire Benzo, Depri und Schizo durch die offenen Fenster hereingeflogen und stillten ihren Hunger bzw. Durst auf Blut von den Patienten. Die Patienten waren mit Psychopharmaka abgefüllt und merkten es nicht, dass ihnen Blut abgesaugt wurde.
Das fanden die Vampire praktisch, und so lief es lange Zeit, seit vielen Jahren, seit es die Klinik gab.



Doch dann passierte etwas ganz Grauenvolles.
Die Klinik wurde verlegt.
An einen anderen Ort.
Die Vampire wussten davon nichts.
Auch, dass sie gerade einen Psychopharmaka-Kaltentzug vor sich haben würden, wussten sie nicht.



Aus der ehemaligen psychiatrischen Klinik wurde eine Herzklinik. Statt der psychiatrischen Patienten, vollgepumpt mit Psychopharmaka, verweilten dort auf einmal Bluthochdruck-Patienten, vollgepumpt mit vielen verschiedenen Medikamenten, die den Blutdruck senkten.



Eines Tages, als die Vampire Depri, Schizo und Benzo eines Tages wie gewohnt die Patienten aussaugten, merkten sie nicht, dass sie ihre gewohnten Psychopharmaka nicht mehr bekamen, stattdessen aber Blutdrucksenker noch und nöcher.




So nahm das Unglück seinen Lauf.




Die Vampire Depri, Benzo und Schizo litten auf einmal an Schwindel, ausgelöst durch die Blutdrucksenker, denn ihr ansonsten normaler Blutdruck war jetzt viel zu niedrig.
So ist Depri schon vier Mal umgekippt und Benzo schon zweimal mit dem Kopf gegen eine Straßenlaterne geknallt. Schizo ist sogar schon einmal vom Himmel gefallen. Auf einen Misthaufen.



Der Vampir Depri hatte in der Psychiatrie nur das Blut depressiver Frauen zu sich genommen. Jahrelang. So wurde er AD-abhängig. Nach dem Kaltentzug hatte er größtenteils seine Kräfte verloren. Sein Leben findet er des Öfteren sinnlos, und er weint auch viel. Auch wegen Dingen, über die er früher lachen musste.


Der Vampir Benzo, der stets Benzodiazepinabhängige angezapft hatte, leidet jetzt an schlimmsten Ängsten. Er traut sich auch des Öfteren nicht mehr, sein Grab zu verlassen vor lauter Angst und zittert fast ständig. Manchmal quälen ihn schreckliche Panikattacken.
Er leidet ganz fürchterlich. Immerzu.


Dem Vampir Schizo hatten es die schizophrenen Patienten angetan.
Schon nach relativ kurzer Zeit der Abstinenz von NL bekam er eine paranoide Psychose – eine Entzugspsychose. Und so hat er sich eines Tages in der akuten Psychose Zutritt zu den Gewächshäusern der Kleingartensparte „Frühlingslust“ verschafft und saugt jetzt schon seit drei Wochen die Tomaten aus. Sie sind schließlich rot wie Blut. Es ist schlimm um ihn bestellt. Ob er noch jemals wieder normal wird – so wie früher?




Für die kommende Zeit bedeutete das für die Vampire Depri, Benzo und Schizo also: grauenvolle Zeiten!
Und die grauenvollen Zeiten schienen niemals zu enden.




Weil es nun Depri, Benzo und Schizo so dermaßen schlecht ging, ließen sie sich eines Tages aus freien Stücken von dem ambulanten Psychiater Dr. Psychopille in das nächstgelegene psychiatrische Krankenhaus namens:
Ein durchschnittliches Krankenhaus für die Seele– wie alle anderen auch in Deutschland
einweisen.


Hier durften sie die Segnungen der modernen Psychiatrie aus Sicht der Ärzte kennen lernen.
Und tatsächlich halfen ihnen Psychopharmaka, denn sie verloren nach einiger Zeit all ihre psychiatrischen Symptome und Entzugserscheinungen.
Aber dafür bekamen sie Nebenwirkungen und die waren auch nicht ganz ohne.



Allerdings, und das gefiel ihnen überhaupt nicht, wurden sie mithilfe einer Psychotherapie auf Rinderblut umgestellt, denn Menschen durften sie ab sofort nicht mehr aussaugen, weil die Ärzte Angst hatten um die anderen Patienten und nicht wollten, dass denen ein Leid geschähe.
Eine Blutumstellung (im Grunde Ernährungsumstellung) – tief verankert im Unterbewusstsein.



Auch an der freiwilligen Schallplatten-Therapie der Klinik mussten Depri, Benzo und Schizo teilnehmen.
Sie lernten sehr schnell.
Schon nach kurzer Zeit wussten sie:


Psychopharmaka sind das Beste, was es gibt.
Psychopharmaka helfen supersupersupertoll.
Psychopharmaka machen nicht abhängig.
Ich brauche Psychopharmaka lebenslang.
Wenn ich Psychopharmaka reduziere oder absetze, kommt die Krankheit wieder.
Psychopharmaka sind überhaupt kein bisschen schädlich.





Natürlich glaubten sie dem psychiatrischen Fachpersonal jedes Wort.
Den niveauvollen Test (er hieß in der Klinik „Freiwilliger Intelligenztest“) bestanden sie auf Anhieb gleich beim ersten Mal.



Von den Ärzten bekamen sie Psychopharmaka noch und nöcher eingeflößt.




Weil sie weder eine eigene Meinung noch irgendwelche Ahnung hatten, wurden sie als „compliant“ eingestuft und bald entlassen.


Ein schizophrener Patient (Mathematikstudent) entwickelte daraufhin sofort eine Formel, schrieb sie auf einen Zettel und klebte den an die Tür des Oberarztes.


keM + kA = bVfC
keine eigene Meinung + keine Ahnung = beste Voraussetzungen für Compliance


Umkehrformel:
eM + A = bVfN (mit N = Noncompliance)


woraufhin er auf Geheiß des Oberarztes sofort ein paar zusätzliche Pillen dringendst brauchte wegen dieses psychotischen Vorfalls, der ja ein leider ein Symptom seiner schweren Krankheit war. Der Oberarzt war ihm nicht böse, denn der Patient war ja schwer gestört und brauchte eben nur ein paar mehr von den guten und hilfreichen Pillen; dann würde es besser mit ihm werden, da war er sich sicher.




Ab sofort sollten Depri, Benzo und Schizo Dauerpatienten des ambulanten Psychiaters Dr. Psychopille sein, denn sie waren ja schwer „psychisch krank“.



Sie kehrten zurück auf den Friedhof “Zur seligen Ruh’“.
„Wir trinken ab sofort nur noch Rinderblut“, verkündeten sie ihren entsetzten Vampirs-Freunden Prolle und Vornehm, woraufhin diese vermuteten, Depri, Benzo und Schizo seien seit dem Klinikaufenthalt endgültig und hoffnungslos verrückt geworden.
Auch, weil diese ab sofort seltsamerweise nur noch Kühe aussaugen wollten.



Der Vampir Prolle war ein junger, moderner Vampir. Er besaß ein Smartphone und stieß eines Tages im Internet auf das Absetzforum ADFD.org.
Dort lernte er vieles über Abhängigkeiten von Psychopharmaka und auch, wie man davon loskommen oder sie zumindest reduzieren kann.
Prolle teilte sein Wissen mit seinen Freunden Depri, Benzo und Schizo und die drei wurden Mitglieder im Forum ADFD.org.



Nach den Vorgaben des lieben Teams des Forums ADFD.org und anderer ADFDler setzten Depri, Benzo und Schizo höchstens 5-10% der Dosis in mindestens 4-6 Wochen ab. Manchmal blieben sie noch wesentlich längere Zeit auf einer Dosis, um zu stabilisieren. Manchmal auch sehr lange Zeit.
Irgendwann waren die drei Psychopharmaka-frei.




Sie hatten es geschafft und es ging ihnen so gut wie schon seit 80 Jahren nicht mehr.
Vor 80 Jahren gab es noch keine Psychopharmaka.



Vor lauter Freude über ihre neugewonnene Psychopharmaka-Freiheit feierten sie zusammen mit all den anderen Vampiren in der Nacht vom 2.7.2017 zum 3.7.2017 eine ordentliche Fete auf dem Friedhof “Zur seligen Ruh’“ und störten dabei versehentlich gehörig die Friedhofsruhe.
Der Champagner floss in Strömen bis gegen Morgen der Vampir Depri rief: “Zurück in die Särge ihr Lieben, der Sonnenaufgang naht!“



Plötzlich klappten die Sargdeckel zu
auf dem Friedhof “Zur seligen Ruh’“




Die Krankheit ist bei Depri, Benzo und Schizo übrigens NIE wiedergekommen.



:party2: :party2: :party2: Happy End. :party2: :party2: :party2:






An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass ich durchaus der Meinung bin, dass es Menschen mit psychiatrischen Symptomen bzw. Diagnosen gibt, die von moderaten Dosen Psychopharmaka profitieren können, z.B. einige Psychotiker.
Euer schreibling
Zuletzt geändert von padma am Mittwoch, 18.07.18, 16:55, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: in den richtigen thread geschoben, Titel angepasst
Inhalt:

1. Braucht die liebe Kakerlake Theodora wirklich 10 Neuroleptika?
für Psychotiker

2. Die drei Vampire
für traumatisierte Psychotiker mit vielen Aufenthalten auf der Geschlossenen

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