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Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

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Katharina
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Katharina » Mittwoch, 02.11.16, 23:20

Guten Abend!


Roulette.

Ob die Herren Docktoren ihre eigen Schlafmittel nehmen müssen,
um ruhigen Gewissens schlafen zu können?

Ein kluger Arzt wird kein AD nehmen.

Hauptsache ans Licht damit.

Grüße
Katharina
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Filzblume » Freitag, 19.05.17, 22:54

Liebes Forum,

bei diesem Bericht bin ich ganz bei Euch. Ich habe schon in Bezug darauf etwas gepostet unter "Erfahrungsberichte - 17 Jahre Fluspirilen - jetzt seit 7 Monaten clean." Da habe ich auch ein wenig die Problematik von psychiatrischen Behandlungen angeschnitten. Dies aber mal jetzt im Einzelnen:

75 Sitzungen Psychotherapie für die Katz

Mal abgesehen davon, dass ich knapp zwei Jahre nach dem Ausbruch meiner Psychischen Probleme erst eine Therapie angefangen habe ist schon starker Tobak. Wie diese Sitzungen sich jedoch gestalteten ist aus heutiger Sicht eine reine Geldmaschine gewesen. Das Kernproblem war, dass ich mich nicht abgrenzen konnte, nicht geblickt habe wie einige Menschen ticken (Emotionale Erpressung uvm.) und dazu erzogen wurde, immer lieb und artig zu anderen zu sein und Hauptsache niemand konnte unseren Eltern aufs Butterbrot schmieren, dass wir uns vielleicht doch daneben benommen haben könnten. Also alles für die Leute. Auch wurden unsere Grenzen als Kinder von allem und jedem heftig überschritten - von den Eltern erst recht -, nur wir durften uns nie abgrenzen. So mutiert man dann zu einem eher vollkommen ferngesteuerten Menschen.

Bei o. g. Therapie habe ich diese Probleme (vielleicht nicht so so perfekten Worten) auch immer wieder angesprochen. Doch ich bekam lediglich den Rat, aktiv zu leben. Es ist noch gar nicht so lange her, dass jemand meinte mich anpacken zu müssen. Erstmal an Stellen, die für fremde Finger nichts sind und auch so meinte er sich bedienen zu können. Ich habe echt nicht gewusst, wie ich das jetzt abwehren soll. Ich war vollkommen ratlos und verunsichert. Zu guter Letzt ging dann der Whats App-Terror los. Irgendwann begriff ich, was dieser Mensch da gerade machte. Er schob mir den schwarzen Peter zu und ich war es ja schuld, dass er mich angefasst hatte und so einen Senf. Ich habe das Gespräch beendet (das einzig Richtige) und ihn gesperrt. Ich fühlte mich sowas von schlecht und voller Schuld.

Diese Geschichte habe ich meinem Therapeuten dann erzählt. Da kam gar nichts von ihm. Nur ein "ja und jetzt?". Und wieder und wieder der Tenor "führen Sie ein aktives Leben!". :sports:

Jeder halbwegs normal denkende Mensch hätte mich gefragt, warum ich mich nicht gewehrt habe und hätte mir das Problem aufgezeigt und sicherlich auch ganz schnell herausgefunden, woher diese Handlungsunfähigkeit kam. :frust:

Ebenso wie diese Geschicht habe ich dem Therapeuten das Kernproblem praktisch auf dem Silbertablett geliefert - leider nicht in perfekten Worten wie oben geschrieben. Es kam in Bezug darauf absolut nichts von ihm. Noch deutlicher werden kann man nicht. Ich gehe als Mensch zu so einer Therapie, um sowas zu beackern, wenn ich selbst den Fehler im System nicht finden oder sehen kann. Deswegen bin ich Patient.

Schlußendlich habe ich solche Situationen wie mit dem Menschen, der einfach zupackte noch ein paar Mal herbeigeführt. Das Ergebnis war klasse. 4 von 5 Personen konnten sich nicht benehmen. Hura, eine Spielwiese für mich. Ich konnte üben "nein" zu sagen. Und das habe ich auch getan. Und siehe da, war gar nicht so schlimm, wenn die Personen dann beleidigt waren. War nicht mein Problem, wenn sich andere nicht beherrschen können. Innerlich habe ich mich sowas von amüsiert, es war herrlich!

75 Sitzungen lang hat dieser Therapeut der Krankenkasse bequem und langfristig das Geld aus den Taschen gezogen. So ein Aufwand war niemals nötig. Ebenso die Reha-Kliniken. Denen habe ich das Kernproblem auch aufs Silbertablett gelegt. Steht auch in den Berichten. Wurde aber nicht weiter drauf eingegangen. Scheinbar alles OK so?!?!? :frust: Aber dafür hat man mir dann andere Probleme einreden wollen. Vor allem mein kinderloses Single-Leben, was ich jetzt nicht wirklich schlimm finde - eher sehr angenehm. Komisch, irgendwie müssen die sich alle abgesprochen haben! Da kommt jeder Arzt mit um die Kurve. Und das gerade mal bei 3 Minuten Patientengespräch in 5 Tagen Krankenhaus wegen Verdacht auf MS und Borreliose! Au Backe, wäre das so einfach, gäbe es dieses Forum nicht, keiner braucht Medis. Ach ich vergaß, die wollen doch mit den Medis Geld verdienen!! Ja dann mal ganz schnell einen Grund kreiren!

Als das mit den Psychischen Störungen anfing, war ich gerade mal 30 Jahre jung. Hätte man mir damals gesagt, dass ich mehr als mein zu dem Zeitpunkt halbes Leben damit verbringen muss, die Medis loszuwerden, das Kernproblem zu erkennen und in der Zielgeraden einlaufe - ich denke ich hätte jeden gefragt, ob er nicht ganz dicht ist. :evil: 17 Jahre Quälerei, was in max drei Jahren durch gewesen wäre. Aber maximal!!! Soll aber jetzt nicht heißen, das prinzipiell jede Psychiatrische Behandlung nichts ist. Die Tagesklinik und die letzte Therapeutin haben wirklich gute Arbeit geleistet. Nur leider soooooviele Jahre zu spät.

Gruß

Eure Filzblume
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padma
2000 - 2016 Fluspirilen 1x pro Woche 1,2 ml - immer wieder mit Unterbrechungen, Krankheitsbild somatoforme Störungen
2006 Fluspirilen für 9 Monate abgesetzt - nichts passiert, alles ok, zwischenzeitlich Bachblütentropfen genommen, Fluspirilen dann wieder genommen wegen Schicksalsschlag
2009 - 2013 Doxepin 125 mg nach zweimaligem Schicksalsschlag
2013 - Doxepin entzogen, 6 Wochen Hölle (Kribbeln im Kopf, max 2 Stunden nachts geschlafen, Gedankenüberschläge, Knochenschmerzen, Unruhe, extrem geräuschempfindlich, reizüberflutet, TV gucken nicht möglich, Übelkeit
2002 - Mitte 2016 sporadisch Zolpidem, dann aber auch heftig aber keine Probs beim Absetzen, da es nicht kontinuierlich genommen wurde
seit 11. Oktober 2016 - Fluspirilen wird nicht mehr hergestellt, Kaltenzug, Schwindelgefühl, Konzentrationsstörungen, Knochenschmerzen, Muskelverspannungen,Ohrensausen, Übelkeit, Durchfall, Harndrang trotz leerer Blase, TV gucken nicht gut, Musik hören ok, Gespräche folgen ganz schlecht, Lesen OK. Zwischenzeitlich wurde Fluoxetin eingesetzt - nach der zweiten Tablette sofort sein gelassen - Blitzgewitter im Kopf, Boxhandschuh im Magen

September 2017 - noch einmal Fluspi eindosiert 1,0 ml. Dann im 2-3Wochen-Takt immer um 0,1 ml reduziert. Seit Anfang Dez. 2017 fertig mit der Reduzierung. Mitte Januar 2018 - es kommen erste Absetzsymptome. Macht nicht wirklich Freude.

Abschließende Diagnose: 2009 einen Schrank gekauft. Dieser Schrank war voller Giftstoffe, die sich Anfangs in Form vom innerer Unruhe und Blasenentzüngung gezeigt haben. 1,5 Jahr regelmäßig Antibiotika wegen der ständigen Blasenentzündung genommen und anscheinend damit den Darm abgeschossen. Mit dem Schrank kamen aber auch Unverträglichkeiten gegenüber Chemikalien. Wurde aber zunächst als Psychosomatik abgetan und ordentlich Fluspi gespritzt. Und schon war der Teufelskreis da.

Vorläufiges Endergebnis:
MCS-Syndrom (Multiple Chemikalien Sensibilität). Wohlmöglich verstärkt durch einen verkorksten Darm (Leaky-Gut-Sydrom) was diffuse Lebensmittelunverträglichkeitenund Allergien zurfolge hat. Die zweite Möglichkeit ist ein Enzymmangel, welches Giftstoffe verarbeitet. Wenn Schadstoff-Exposition dann gerät die Leber unter Stress. Sehr unangenehm. Ursächlich jedoch die lange Gabe von Fluspirilen.

In eigener Sache: Alles, was ich hier schreibe sind meine subjektiven Erlebnisse. Ich kann und will nur das schreiben, was mir geholfen hat bzw. mir gut tut. Wenn jemand daraus einen Nutzen ziehen kann, ist das sehr schön und damit das Ziel erreicht. Wem es nicht hilft oder wer mit dem was ich schreibe nicht konform ist - dann ist es eben so. Denn wir dürfen auf keinen Fall verallgemeinern. Jeder hier hat eine andere Geschichte, an anderes Umfeld, andere Möglichkeiten. Alles sehr individuell. Also ist es auch nicht schlimm, wenn ich den einen oder anderen Beitrag auch nicht für mich annehmen kann oder will. Immerhin ist ein Forum lediglich ein Austausch und keine Muss-Nummer. Thank you for reading!

Katharina
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Re: Meine Sicht auf die AD-Problematik als ehem. Mitarbeiter der Psychiatrie

Beitrag von Katharina » Freitag, 19.05.17, 23:23

Liebe Filzblume!

Ich habe eine Problematik die Deiner ähnelt.
Es tut mir sehr sehr leid das Du an einen für Dich unangemessen Therapeuten geraten bist und so lange.

Hilft Dir jetzt jemand anderes?

Ich weiß das man sich nicht wehren kann, ich kenne die Scham
Ich kenne das, dass der andere meint, Schuld bist Du das er so handeln musste.

Ich bin da heraus gestiegen nach langer Zeit des Nicht Wissens, alles mit Tabletten im Unterbewussten gehalten.
Dann Entzug ( falsch,stationär kalt )
und dann habe ich den richtigen Therapeuten gefunden, so dass ist das alles erkennen besprechen und hinter mir lassen konnte.

Nur wenn etwas geschieht, oder schwer erinnert, leide ich noch sonst nicht.

Es ist wichtig so gesund wie möglich damit zu werden, ich habe das in einer Zeit durch lebt in der ich keinerlei Medikamente nahm.

Ich hätte nie
"Nein " sagen gelernt, wäre nie erwachsen geworden.
Bei mir geschah das vor dem 3ten Lebensjahr, deshalb kompliziert.

Aber nie zu spät!!!

Lass das nicht auf Dir sitzen.
Suche bis man Dich so unterstützt wie Du es brauchst.

Beim nächsten Therapeuten wirst Du es sofort spüren
wenn er nicht richtig ist und Du wirst sofort gehen.

Kämpfe für Dich.

Katharina
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