Klick auf das Kreuzchen, wenn Du die Meldung gelesen hast ->

Achtung: In der nächsten Zeit kann es zu unangekündigten und längeren Ausfällen des Forums kommen. Mehr infos in der Ankündigung.
Aktuell:
Umfrage an Langzeit- und Schwerbetroffene im Entzug

Bitte mitmachen, eure Meinung ist uns wichtig


Bist Du neu und weißt nicht, wie du anfangen sollst?

Registriere Dich zunächst und wähle einen Benutzernamen, der mit Deinem echten Namen möglichst wenig zu tun hat, wenn Du anonym bleiben möchtest. Du darfst als Benutzernamen keine Marken- oder Medikamentennamen verwenden. Wenn Du ganz auf Nummer sicher gehen willst, verwende am Besten auch eine Wegwerf-Emailadresse. Wenn Du genaueres wissen möchtest, lies bitte auch unsere Regeln.

Stelle Dich und Dein Anliegen dann in einem neuen Thema vor. Du kannst als neu registrierter erstmal nur im Bereich "Hier bist Du richtig" schreiben. Beachte bitte, dass der Beitrag solange unsichtbar bleibt, bis jemand aus dem Team ihn freigeschaltet hat. Da wir hier viel zu tun haben, kann das eine Weile dauern.

Hier klicken, um Dich zu registrieren.

Hier klicken, um neues Thema im Bereich "Hier bist Du richtig" zu erstellen".

Bitte lies zunächst die "Erste Hilfe" für Deine Medikamentengruppe: Antidepressiva | Benzodiazepine | Neuroleptika

Euer ADFD Team

Erfahrungsbericht SSRI-Entzug Pharmakologe DAVID TAYLOR

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Antworten
Murmeline
Team
Beiträge: 12676
Registriert: Sonntag, 11.01.15, 13:50
Hat sich bedankt: 14258 Mal
Danksagung erhalten: 12711 Mal

Erfahrungsbericht SSRI-Entzug Pharmakologe DAVID TAYLOR

Beitrag von Murmeline » Donnerstag, 03.11.16, 15:31

Taylor D: Truth withdrawal, Open Mind (National Association for Mental Health, London E14), September/October 1999, 16 Quelle

Die jüngste Ausgabe des British National Formulary besagt, dass das Absetzen einiger Antidepressiva, den neueren spezifischen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRIs), zum Beispiel Kopfschmerzen, Übelkeit, Parästhesie (Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Extremitäten), Schwindel und Angst verursachen können. Das klingt jetzt nicht sooo schlecht, oder? Andere Standardtexte versichern uns, dass das Antidepressiva-Entzugs-Syndrom meist mild und kurzlebig ist. Klingt noch besser könnte man sagen.

Während dieser Hinweis mehr oder weniger wahr ist, gibt er uns fast keinen Einblick in die Realität eines Antidepressiva-Entzuges. Ich weiß das, nicht weil ich darüber gelesen habe, sondern weil ich jeden Tag mit Menschen spreche, die einen Entzug durchmachen, und vielleicht am wichtigsten, weil ich selbst Absetzssymptome bei einem Antidepressivum erlebt habe.

Die Wahrheit ist, dass für viele Menschen Antidepressiva-Entzugssymptome weder mild noch kurzlebig sind. Für etwa sechs Wochen litt ich an Symptome, die waren - wenn es gut war - störend und - wenn es schlimm war - eine Tortur. Und das trotz eines vorsichtigen Absetzplanes. Ich erlebte keine Kopfschmerzen oder Parästhesien, aber dafür andere schwerwiegende Symptome. Der Schwindel, den ich fühlte, variierte von einem leichten Wackeln zu der erschreckenden Unfähigkeit, ohne Unterstützung aufzustehen. Meistens konnte ich den Kopf nicht drehen, ohne eine lähmende Übelkeit zu bekommen. Daneben ertrug ich einen mehr oder weniger ständig spürbaren Herzschlag und ein starkes Grippegefühl. Als all dies nachließ, war ich kurzmütig und launisch, und das blieb so für weitere zwei Wochen oder mehr.

Keine meiner Gespräche mit anderen, die Antidepressiva abgesetzt haben, führte dazu, dass ich glaube, meine Erfahrung seien einzigartig oder sogar ungewöhnlich. In der Tat scheint diese Schwere der Symptome bei einigen Substanzen häufig zu sein (z. B. Paroxetin und Venlafaxin). Ältere trizyklische Medikamente sind oft sehr giftig und haben viele Nebenwirkungen, aber sie scheinen nicht solche schweren Reaktionen auf das Absetzen zu induzieren (ich habe damit auch Erfahrung).

Warum wird dieses Problem nicht weiter anerkannt? Warum sagen Kliniker weiterhin Menschen, dass Entzugserscheinungen mild sind und nicht wirklich zu befürchten?

Vielleicht, weil es eine Tendenz unter Klinikern gibt, glauben zu wollen, dass diese neue Medikamente harmlose Allheilmittel sind. Wir täten gut daran zu denken, dass Valium und Lorazepam ebenfalls lange DIE Antwort auf fast jedes Problem waren. Von Prozac (Fluoxetin) und ähnlichen Medikamente wird gleiches angenommen: das perfekte Heilmittel für fast jeden psychischen Zustand.

Vielleicht macht all dieses Wunschdenken Kliniker blind für die negativen Aspekte neuer Antidepressiva. Wir werden so überzeugt, dass die neuen Medikamente in jeder Hinsicht besser sein müssen als die alten, welche sie ersetzen, dass wir nicht sehen, was vor unseren Augen liegt: dass neue Therapien auch Nachteile haben können.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Murmeline für den Beitrag (Insgesamt 6):
MockingjayLinLinapadmaSiggiAnnanasHypeastrum

Oliver
Gründer
Beiträge: 8377
Registriert: Freitag, 10.10.03, 23:58
Hat sich bedankt: 5626 Mal
Danksagung erhalten: 2227 Mal

Re: Erfahrungsbericht SSRI-Entzug Pharmakologe DAVID TAYLOR

Beitrag von Oliver » Freitag, 04.11.16, 0:10

Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Oliver für den Beitrag (Insgesamt 2):
Murmelinepadma
Bitte beachten: Bitte melde Beiträge, die gegen die Regeln verstoßen über einen Klick auf das Ausrufezeichen oben rechts im problematischen Beitrag und erkläre in der Meldung was das Problem ist. Das Team wird sich dann darum kümmern. Da das Team nur ehrenamtlich in der Freizeit aktiv ist, kann das allerdings auch mal dauern.
Forenregeln | Über das ADFD | Was dieses Forum ist und was es nicht ist

Antworten