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Seit das ADFD gegründet wurde, haben sich die Verschreibungen von Psychopharmaka ungefähr verdreifacht! Die Gründe warum diese Substanzen verschrieben werden sind sehr unterschiedlich. Es wäre interessant und hilfreich für die Gemeinschaft und auch Außenstehende, einen besseren Einblick in die Verschreibungshintergründe zu bekommen. Darum ...


... macht bitte alle bei unserer Umfrage zum Verschreibungsgrund mit :)


Wenn das eigene Leben in Scherben liegt?!

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
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dragon4277
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Wenn das eigene Leben in Scherben liegt?!

Beitrag von dragon4277 »

Nun aus einer einfachem Burn-out wurde dann eine reine Paranoia, die dann in einer schweren paranoid Halluzinatorischen Schizophrenie mit schwerer depression Endete.

Heute geht es mir gut als vor einigen Jahren.

Von Beruf bin ich approbierter Arzt und hatte vollstes vertrauen in die Medizin. Und als Jungspurn setzte ich mich dann ins Zeug und arbeitet Tag und Nacht bis der Burn-out kam. Natürlich wurde ich medikamentös therapiert, aber das war erst der Anfang. Bis ich dann so massive sediert wurde das gar nichts mehr ging.

Es war sicherlich nicht der verdienst der Ärzte des deutschen sozial systems oder sonst irgendwelchem "normalem" system das mich aus diesem Alptraum raushalf. Es war die eigeninitiative. Nachdem alles was man an mir ausprobiert hat fehlgeschlagen war, hab ich die eigeninitiative ergriffen und fand dieses Forum, welches mir genug informationen und anstazpunkte gab, um mich dann aus meinem DIlemma herrausgeholt hat.

Heute bin ich immer noch am reduzieren. Aber ich bin nicht mehr massive sediert. Psychisch instabil bin ich auch nicht mehr (bis auf das bewuste schnelle reduzieren). Ich bin auf lebenszeit berenntet und bekomme Grundsicherung. ALS Arzt wohlgemerkt. Keine Kinder keine Familie. Alleine. Mit einem Gehirn das mit legalen Drogen zerfressen wurde und erst so langsam nach 4 Jahren der reduktion zu sich kommt.

Ich schaue in den Spiegel und sehe einen fetten man der aussieht wie schwanger. Fast weibliche Brüste hat. Der mit jeder bewegung an muskelschmerzen klagt, als wäre er 70 Jahre alt. Die Haare ganz weiss. DIe Zähne verfault und verfärbt. Und das alles lag nicht einmal daran das ich ungepflegt bin. Ein Junger statlicher Mann der ein wrack geworden war. Aus einem Alptraum aufgewacht und immer noch nicht ganz bewust geworden ist, wem oder was er eigentlich entkommen ist. Die Angst jedesmal zum Arzt zu gehen und dann in die klapse gesteckt zu werden, weil man zu ehrlich ist und das reduzieren auf unverständniss stöst.

Mir gehts in relation gut. Was mit meinem leben anfangen.

Es ist vielleicht schicksal. Ich habe viele Menschen getroffen die wie ich an Burn-out aktuell leiden, und in das mahnmal der Therapie geraten sind oder noch geraten werden.

Es geht auch anders sagte ich. Das recht auf 18 Monate Krankengeld voll ausnutzten. Das recht auf arbeitslosen geld 1 voll ausnutzten. Und bei bedarf auch ein wenig Hartzt 4.

Es ging auch anders. Jetzt habe ich mehr als 5 Personen aus so einer Situation herrausgeholfen. Mit viel ruhe und mühe und geduld. Und nach knapp drei Jahren führen sie Ihr leben weiter als ob nichts gewesen wäre.

Ihre Familie gerette. Ihre Arbeit gerette. Ihre Kinder oder Eltern oder ehepartner heilfroh darüber wie gut es diesem doch so kranken unheilbaren Menschen geht.

Manche von diesen Personen sind sehr dankbar uber die unterstutzung. Ich brauch sie nur anzurufen und schon renne sie zu mir um mir zu helfen. Und manche sehr undankbar sogar bösartig.

Und trotzdem in meinem Herzen ein tiefer Schmerz. Mitlerweile habe ich sovielen Menschen geholfen, aber mein Leben liegt in Scherben. Ein dicker Fetter Mann, mit einer Gynäkomastie. bitter Arm keine Frau keine Kinder graue Harre. Mit jeder bewegung ächzt er vor schmerzen. Mit verfaulten zähnen, und einem Mundgeruch und einem Körpergestank. trotz instensiver pflege und 4 stündigem sport täglich. 13 Jahre seines lebens verloren an die er sich nicht einmal richtig erinnert. Wenn leute über anekdoten reden. redet er über den wahn. Er ist gut als Freund und helfer. aber nicht gut genug als partner, geschäftspartner oder sonst irgendwas.

Und nachts wenn ich einsam in den spiegel schaue und mir die tränen langsam von meinen Augen kullern, frage ich mich,

muste das sein?

LG Dragon
2003 Diagnose reine Paranoia
- Zyprexa 5-10mg
J01/2005 Zyprexa abgesetzt auf anraten des Docs ohne auschleichen rückfall+ verschlimmerung ->
03/2005 Diagnose Schizophrenie
-Zyprexa 5mg
2009 Zyprexa 5mg abgesetzt neu Risperdal 2mg ->(schwere Depressionen)
03/2011 Risperdal abgesetzt 15mg abilify -> Entzug
04/2011 wieder Risperdal 2mg
03/2012 Risperdal 2mg Seroquel Prolong 600mg (noch schwerere Depression gewichtzunahme)
09/2012 kalter Entzug von Risperdal und Seroquel Prolong (hat 3 Monate gedauert) mit unterstützung von Amisulprid 200mg
10/2013 Amisulprid 300mg
10/2014 amisulprid 200mg
11/2015 amisulprid 150mg
06/2016 Pantoprazol von 40mg auf 20mg
04/2017 Pantoprazol 0mg
04/2017 amisulprid 200mg um Absetztpsychose bei Pantoprazol absetzung zu verhindern bald wieder auf 150mg
04/2018 nach langem hin und her und mehrfachen entzugserscheinungen
Pantoprazol 40mg und Amisulprid 150mg (muss mich sehr lange von dieser odyssee erholen)
10/2018 100mg Amisulprid
11/2018 150 mg Amisulprid (Wegen heftiger Erkältung)
03/2019 137 mg AMisulprid (wasserlösemethode)
03/2019 150 mg Amisulprid aufdosiert wegen absetztpsychose
10/2019 125 mg Amisulpird (100mg + 1/2 50mg)
dragon4277
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Re: Wenn das eigene Leben in Scherben liegt?!

Beitrag von dragon4277 »

Danke Katharina für die aufmunternden worte.

Ich habe aktuell für meine Situation ein wunderbares leben. Einen Bruder eine Schwägerin und zwei wunderbare Nichten (8 und 16) mit denen ich durch dick und dünn gehe.

Ich hab hier bewust die ausgangssituation und das endprodukt so positive und negative beschrieben, um zu zeigen das der verlauf durchaus anders sein könnte.

Und das man nicht unbedingt allem und jedem vertrauen sollte was einen akademischen grad hat.

Eins muss jedem bewustsein. Medizinisches personal sind handlanger der krankenkassen und sie arbeiten im intresse der krankenkassen und weniger im sinne der Patienten.

Wenn ein ARzt sagt "Warum gehen sie denn nicht arbeiten" heist das noch lange nicht das man gesund ist sondern die krankenkasse übt gerade druck aus um den Patienten wieder in zu einem zahlenden kunden zu machen.

Ich hab schon erlebt wie ein Patient mit Tavor 2,5mg+ 4 weiteren psychopharmaka animiert wurde zu arbeiten in einem chemiewerk in dem er maschienen bedienen muss. Krankenkasse kein intresse. die rentenbehöre hat ihn für gesund erklärt usw.

LG Dragon
2003 Diagnose reine Paranoia
- Zyprexa 5-10mg
J01/2005 Zyprexa abgesetzt auf anraten des Docs ohne auschleichen rückfall+ verschlimmerung ->
03/2005 Diagnose Schizophrenie
-Zyprexa 5mg
2009 Zyprexa 5mg abgesetzt neu Risperdal 2mg ->(schwere Depressionen)
03/2011 Risperdal abgesetzt 15mg abilify -> Entzug
04/2011 wieder Risperdal 2mg
03/2012 Risperdal 2mg Seroquel Prolong 600mg (noch schwerere Depression gewichtzunahme)
09/2012 kalter Entzug von Risperdal und Seroquel Prolong (hat 3 Monate gedauert) mit unterstützung von Amisulprid 200mg
10/2013 Amisulprid 300mg
10/2014 amisulprid 200mg
11/2015 amisulprid 150mg
06/2016 Pantoprazol von 40mg auf 20mg
04/2017 Pantoprazol 0mg
04/2017 amisulprid 200mg um Absetztpsychose bei Pantoprazol absetzung zu verhindern bald wieder auf 150mg
04/2018 nach langem hin und her und mehrfachen entzugserscheinungen
Pantoprazol 40mg und Amisulprid 150mg (muss mich sehr lange von dieser odyssee erholen)
10/2018 100mg Amisulprid
11/2018 150 mg Amisulprid (Wegen heftiger Erkältung)
03/2019 137 mg AMisulprid (wasserlösemethode)
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Arianrhod
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Re: Wenn das eigene Leben in Scherben liegt?!

Beitrag von Arianrhod »

hallo Dragon,

das tut mir soo Leid.
Ich selbst war in einer ähnlichen Situation , die Episode hatte 10 Jahre gedauert, aber im Spiegel sehe ich eine Frazu, die 25 Jahre älter aussieht.
Einige Sachen habe ich allerdings in Angriff genommen und teilweise hinter mir,
doch Schritt für Schritt,
nur wenig,
nicht zu vergleichen mit dem Tempo, was ich früher vorlegte:
1) Zahnarzt. Ja, verfaulte Zähne kann man ersetzen, reparieren, es ist langwierig, aber mittlerweile ist das Gebiss saniert. Weil ich im Sommer weniger Schmerzen habe, hatte ich nur im Sommer Termine. Und ich hatte mit dem Zahnarzt besprochen, dass ich Pausen brauche - wurde alles gemacht.
Mittlerweile gehe ich nur noch Kontrolle und Prophylaxe,
ich möchte dir Mut machen, mit einem Zahnarzt offen zu reden und nicht vor Scham garnix zu tun.....


2) Interessen:
Es ist richtig, dass man irgendwie nicht die gleichen Sachen tut wie andere Erwachsene: Job, Urlaub, Anektoten . Auf der anderen Seite kann man nur noch das tun, zu was man lustig ist. Ich bin meistens in der Uni , belege Seminare, die mich interessieren , lese, tüdle im Internet bin , gebe jungen Leute gute Ratschläge.
Du bist aus dem Hamsterrad draußen. Es hat lange gesdauert, bis ich das realisieren konnte.

3) Kein Geld

Was würdest du denn umbedingt tun wollen, für was du Geld brauchst?
Hast du schon daran gedacht, angehenden Medizinern Nachhilfe zu geben?

4) Schmerzen

shit- Schmerzen. :censored: Es gibt einfach nix, was so wirklich gegen Schmerzen ist.
ich habe zumindest einen guten Osteopathen, der mir ab und zu weiterhilft.
Die KK würden mir auch eine ambulante Reha bezahlen - mach ich evtl. im Sommer - Antrag stellen.

5) Familie
Kommt vielleicht noch. Warum nicht? Nur weil man dick ist, ist das kein Grund. Vielleicht wirst du keine eigene Familie haben, aber du hast deine Nichten.

liebe Grüße Arian
[spoil]2005 mit Burnout und Depression in eine Tagesklinik gekommen.

Zuerst einmonatige Behandlung mit diversen Antidepressiva: Doxepin, Mirtazipin, Sulprid,
hypomane Reaktion
wobei die AD sofort und ohne Ausschleichen von den Ärzten abgesetzt wurden.


Verschiedene Diagnosen: schizoaffektive Psychose, Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung


Erst 2 Jahre Behandlung mit Amisulprid . Zu schnell auf eigene Faust abgesetzt.
Schwere Supersensitivitätspsychose .

Einstellen auf verschiedene Neuroleptika: Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol
Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
u.a. Berentung, 60 kg Gewichtszunahme
seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... 47#p120447
Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
Pregabalin habe ich am 7.9.2016 endgültig ausgeschlichen.

Die Anzahl meiner Dauermedikamente beträgt gerade "0". :)

Ich weiß mittlerweile 2019 , dass ich Asperger- Autistin bin .
FineFinchen
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Registriert: 08.04.2015 17:34
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Re: Wenn das eigene Leben in Scherben liegt?!

Beitrag von FineFinchen »

Meine Gedanken dazu:

Wenn das eigene Leben in Scherben liegt,

ist es Zeit, innezuhalten, sich zu bemitleiden, sich zurückzuziehen, Trost zu empfangen, nachzudenken, Kraft zu sammeln, um dann das einzig Mögliche zu tun:

aufzustehen.

Anders funktioniert leben/Leben nicht.

Nachdenkliche Grüße
vom Finchen <3
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