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Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

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FineFinchen
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Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von FineFinchen » Sonntag, 07.04.19, 18:19

Hallo Ihr,

hier ist der übersetzte Artikel zu den Peer-Gruppen. Wo ich mir nicht sicher war, habe ich den Text angemarkert.

Ich fang dann mit dem nächsten an.

Schönen Abend
Finchen

**********************************************************


Übersetzung von https://www.madinamerica.com/2019/03/pe ... pressants/

Erklärung:
Peer-Support-Gruppen: Menschen mit ähnlichen Erfahrungen (Berufen o.ä.) die sich gegenseitig Unterstützung leisten
Definition aus https://www.spektrum.de/lexikon/psychol ... stem/11292

Peer-Support-Gruppen hatten Recht, die Richtlinien waren falsch: Dr. Mark Horowitz zur Reduzierung der Antidepressiva
In einem Interview mit MIA diskutiert Dr. Horowitz seine aktuelle Arbeit - warum es Monate oder sogar Jahre dauern kann, Antidepressiva abzusetzen.

Ich hatte vor kurzem das Glück, Dr. Mark Horowitz zu interviewen. Dr. Horowitz ist ausgebildeter Psychiater und Forscher und hat kürzlich zusammen mit Dr. David Taylor eine Studie über den Entzug von Antidepressiva verfasst, die in der Lancet Psychiatry veröffentlicht wurde, über die wir hier bei Mad in Amerika geschrieben haben (siehe https://www.thelancet.com/journals/lanp ... X/fulltext). Ihr Artikel deutet darauf hin, dass das Ausscheichen von Antidepressiva über Monate oder sogar Jahre hinweg erfolgreicher ist, um Entzugserscheinungen zu vermeiden – besser als eine als eine schnelle Beendigung innerhalb von zwei bis vier Wochen.

Dr. Horowitz schließt derzeit seine psychiatrische Ausbildung in Sydney, Australien, ab und hat am Institute of Psychiatry am King's College, London, in Neurobiologie der Antidepressiva promoviert. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RADAR-Studie des University College, London. Im Mittelpunkt seiner Forschungsarbeit stehen pharmakologisch fundierte Ansätze zum Ausschleichen von Medikamenten. Er plant, Studien über die besten Methoden beim Ausschleichen von Medikamenten durchzuführen, um faktengestützte Leitlinien zur Unterstützung von Patienten und Ärzten zu entwickeln.

Was folgt, ist eine Abschrift unseres Gesprächs, die zur Klarheit aufbereitet wurde.

Dr. Horowitz: Willkommen. Freut mich, Sie kennenzulernen.

Peter Simons: Freut mich auch. Ich bin neugierig auf Ihr Interesse an diesem Thema und ihren fachlichen Hintergrund.

Dr. Horowitz: Mein Hintergrund ist die Psychiatrie und Forschung. Ich bin nicht nur Psychiater, sondern auch Patient, so wie viele Menschen. Ich habe mich allerdings erst dann wirklich für dieses Thema interessiert, als es mich selbst betraf. Nach vielen Jahren der Einnahme eines Antidepressivums, erreichte ich den Punkt, an dem ich versuchte, es abzusetzen. Ich nahm das Antidepressivum etwa 12 Jahre lang. Ich versuchte abzusetzen, aus meiner Sicht relativ langsam, nach den mir bekannten Richtlinien und geriet in alle möglichen Schwierigkeiten. Das war für mich eine große Überraschung.

Ich hatte noch nie von Entzugserscheinungen durch Antidepressiva gehört, nicht an der medizinischen Fakultät, nicht während meiner psychiatrischen Ausbildung. Aber als ich unglaubliche Schlaflosigkeit, Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten und ein sehr schnell schlagendes Herz und Angst hatte, war ich mehr als überrascht. Ich war mir nicht ganz sicher, was ich davon halten sollte. Ich stieß auf einen Artikel auf den Webseiten der Mental Elf. Dort war ein Bericht über Entzugserscheinungen von Antidepressiva ](Fava et al. (2015) systematic review about antidepressant withdrawal symptoms). Ich habe anhand meines Erlebens viel von dem wiedererkannt, was in diesem Papier stand. Und das führte mich auf eine kleine Reise.

Nachdem ich also das erste Mal versucht hatte abzusetzen, ging ich tatsächlich wieder auf die Medikation zurück, weil ich einfach nicht damit umgehen konnte, was geschah. Es war wahrscheinlich die unangenehmste Erfahrung meines Lebens - definitiv die unangenehmste Erfahrung meines Lebens. Und das war eigentlich ein Grund, warum ich letztendlich von London nach Australien gezogen bin. Ich bin ein bisschen „nerdig“ (ein kleiner Streber) und mein Ansatz bestand darin, alles zu lesen, was ich über Antidepressiva-Entzugserscheinungen fand. Ich durchkämmte die akademische Literatur und die klinischen Leitlinien und fand im Wesentlichen die gleiche Botschaft, dass es empfohlen wurde, über zwei bis vier Wochen auszuschleichen mit dem Hinweis darauf, dass es bei manchen Menschen länger dauern könnte. Aber es gab überhaupt keine Details darüber, was länger bedeutete oder was langsamer bedeutete oder wie es überhaupt zu tun war. Also ging ich auf Patientenwebseiten, um zu verstehen, was los war.

Die Website, die bei weitem am hilfreichsten war, war Surving Antidepressants, die von Altostrata betrieben wird. Es ist eine wunderbare Quelle mit einer unglaublichen Anzahl von Menschen, die daran beteiligt sind. Ich denke, es gibt Hunderttausende von Beiträgen und Zehntausende von Menschen, die alle über ihre Erfahrungen sprechen, die genau wie meine waren. Und, als ich auf diese Website ging, war es das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, dass ich die Dinge im Griff hatte. Und bald erfuhr ich, dass die Menschen ihre Medikamente viel langsamer absetzten, als die empfohlenen Richtlinien es zuließen. Ich fing an, ihren Ratschlägen zu folgen und dachte, es sei nützlich, dass diese Leute da waren. Aber wie kommt es, dass ich dafür auf Peer-Support-Websites gehen muss, wenn es so viele Ärzte und Psychiater und Professoren gibt? Warum ist das so? Warum gibt es die besten Informationen in einem Peer-Support-Netzwerk?

Auf dieser Seite stieß ich auf ein Diagramm, das einen Sinn für das zu machen schien, was mit den Menschen geschah. Und das war die Grafik, die sozusagen das Herzstück meines Artikels in der Lancet Psychiatry war: diese Art von hyperbolischer Beziehung zwischen der Dosis des Antidepressivums und der Wirkung auf die Rezeptoren. Im Wesentlichen, wenn Sie die Dosis erhöhen, ist der Effekt nicht linear, er schwächt sich langsam ab. Und die wichtigste Auswirkung beim ganz langsamen Absetzen von Medikamenten ist, dass bei sehr niedrigen Dosen Veränderungen sehr schnell an den Rezeptoren auftreten. Tatsächlich, als ich dieses Diagramm auf der Website sah, verschluckte ich mein Essen, das passte genau zu dem, was die Leute erlebten. All diese Leute reden darüber, wie sie Schwierigkeiten haben, das letzte Stück ihrer Medikamente abzusetzen, wie sie noch langsamer vorgehen mussten. Und es passte irgendwie so gut zu mir, dass ich dachte, die Leute sollten davon wissen. Als ich die Arbeit schrieb wandte ich mich an einen ausgezeichneten Professor, mit dem ich in der Vergangenheit gearbeitet hatte und wir schrieben die Arbeit gemeinsam.

Peter Simons: Vielen Dank, dass Sie Ihre persönlichen Erfahrungen und die Auswirkungen auf Ihre Forschungsinteressen teilen. Es ist wirklich erstaunlich. Und es ist überraschend, dass es jemanden mit dieser persönlichen Erfahrung braucht, um sagen zu können: Hey, da ist diese große Lücke in unserer Forschungsliteratur. Warum? Ich bin gespannt, welche Gedanken Sie sich über das Fehlen von Informationen in der Fachliteratur gemacht haben, wenn es darum geht Antidepressiva abzusetzen.

Dr. Horowitz: Ich denke, es gibt eine ganze Reihe von Gründen. Erstens kommt es darauf an, wie Ärzte denken. Ich glaube, wenn ich das Entzugssyndrom nicht erlebt hätte, wäre ich selbst sehr misstrauisch gewesen. Ich denke, wenn ein Patient zu mir gekommen wäre [bevor ich eigene Erfahrungen gemacht habe] und gesagt hätte, dass er große Schwierigkeiten habe, ein Antidepressivum auszuschleichen, wäre ich wahrscheinlich geneigt, ihm nicht zu glauben. Mein Verständnis von Antidepressiva ist durch meine medizinische Ausbildung geprägt gewesen: relativ harmlose Substanzen, die einigermaßen wirksam sind. So hatte ich sie eingeschätzt. Wenn mir die Leute also gesagt hätten, dass sie mit diesen harmlosen Medikamenten so große Probleme hätten, wäre ich sehr skeptisch gewesen. Und ich denke, das ist einer der Gründe, warum Ärzte diesem Thema skeptisch gegenüberstehen.

Zweitens, alle Psychiater, die ich kenne, sind sehr wohlgesinnte Menschen, die ihren Patienten helfen wollen. Sie wollen das Gefühl haben, dass sie einen guten Job machen. Ich denke, wenn es also Kritiken oder Einzelberichte oder Studien gibt, die zeigen, dass die Medikamente, die den Patienten verschrieben werden, Nebenwirkungen haben oder nicht so effektiv sind, wie sie es sich wünschen, ist es schwierig, das zu akzeptieren.

Und drittens wurde dem Absetzen des Medikaments einfach nicht die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wie der Beginn der Medikamentierung. Das hat auch mit den Prioritäten der Pharmaindustrie zu tun: Sie führen Studien durch, um die Zulassung ihrer Medikamente zu erhalten. Die Medikamentierung lieg in ihrem Eigeninteresse. Und das beinhaltet nicht unbedingt all die Dinge, die für den Patienten am besten sind. Wir haben also den Umstand, dass es mehr als 500 Studien zum Beginn/Einsatz einer Behandlung mit Antidepressiva gibt und weniger als 10 zu Entzugserscheinungen beim Ausschleichen. Ich denke, dass dieser Unterschied den Grad der mangelnden Aufmerksamkeit von Pharmaunternehmen und der wissenschaftlichen Fachwelt darstellt. Ich glaube, einige dieser Faktoren sind der Grund, warum Ärzte das Problem so spät erkannt haben, aber ich muss sagen, ich denke, das ändert sich. Wissen Sie, ich glaube, Patienten und Interessengruppen waren recht erfolgreich, ihrer Stimmen Gehör zu verschaffen, und ich denke, dass die psychiatrischen Hochschulen (Universitäten) diesem Thema jetzt mehr Aufmerksamkeit schenken.

Peter Simons: Gibt es das schon oder denken Sie, dass es bald ein Kapitel über den Entzug von Antidepressiva in einem psychiatrischen Lehrbuch oder so etwas geben wird?

Dr. Horowitz: Das hoffe ich doch. Ich weiß, dass es in Großbritannien, wo diesbezüglich ein weitaus größeres Bewusstsein als in den USA besteht, derzeit zwei Untersuchungen gibt: Die NICE-Richtlinien, die sozusagen die nationalen Richtlinien für Depressionen sind, werden überprüft, und ich weiß, dass sie sich dabei mit der Reduzierung und dem Entzug von Antidepressiva befassen; und es wird auch eine weitere Forschung, von Public Health England, einem anderen nationalen Institut, durchgeführt.

Darin ist ein Teil der Untersuchung von Entzugssymptomen enthalten. Ob das zu besseren Leitlinien oder mehr Aufmerksamkeit führen wird, weiß ich nicht, aber es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Deshalb bin ich mir etwas unsicher, was die nächsten Schritte sein werden. Ich denke, es gibt Hinweise darauf, dass das Gremium dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenkt. Ich bin mir nicht sicher, zu welchen konkreten Schritten es führen wird.

Peter Simons: Was hoffen Sie, wie Ärzte und das medizinische Umfeld darauf reagieren könnten? Ich meine, Ihre persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass Sie Ihre Informationen zum Ausschleichen der Antidepressiva durch das Internet und durch Unterstützung von Kollegen erhalten haben. Welche Hoffnung haben Sie für die Zukunft, wenn es darum geht, dass die Medizin das versteht und mit ihren Patienten zusammenarbeitet?

Dr. Horowitz: Ich hoffe, sie hören besser zu. Ich hoffe, sie unternehmen einiges: Ich wünsche mir, dass sie mehr Studien über Entzugserscheinungen durchführen, um herauszufinden, wer genau unter diese Entzugserscheinungen leidet, bei welchen Medikamenten sie auftreten, wie lange die Patienten damit behandelt wurden - alle Arten von Details, die geklärt werden müssen. Und dann natürlich den nächsten Schritt, wie man sie vermeiden kann – dazu trägt hoffentlich unsere Studie bei. Ich denke, es müssen Studien durchgeführt werden, um herauszufinden, welcher Teil der Patienten einen sehr langsamen Reduzierungsverlauf benötigt. Welche Art der Reduzierung ist am wirkungsvollsten? Ich denke, wenn diese Studien vorliegen, wird man in der Lage sein, haben, die Leitfäden und die tägliche Arbeitspraxis der Psychiater zu verändern.

Ich hoffe, da die Durchführung solcher Arbeitspapiern natürlich einige Zeit in Anspruch nimmt, dass zwischenzeitlich ein wenig mehr Bewusstsein für Entzugserscheinungen dazu führt, dass Psychiater die Fragen ihrer Patienten in einer verständnisvolleren Weise annehmen. Ich habe Geschichten über Menschen gehört, die zu ihrem Psychiater gingen und deren Berichte angezweifelt wurden. Ihnen wurde gesagt, dass ihre Krankheit zurück sei. Das ist natürlich ein Dilemma.

Es besteht immer die Möglichkeit, dass eine zugrunde liegende Erkrankung wieder auftritt, wenn Sie ein Medikament absetzen. Es gibt Möglichkeiten, Entzugserscheinungen von einem Rückfall zu unterscheiden. Dinge, merkwürdige Symptome wie Schwindel und Stromschläge und wie plötzlich sie auftreten. Ich hoffe also, dass ein etwas größeres Bewusstsein einen unmittelbaren Einfluss auf die Art und Weise haben wird, wie Psychiater auf Patienten reagieren, wenn diese Schwierigkeiten haben, Medikamente abzusetzen. Und eben nicht nur davon ausgehen, dass es sich um einen Rückfall handeln muss, sondern auch an die Möglichkeit denken, langsamer zu reduzieren, was meiner Meinung nach den Patienten helfen dürfte, ohne so viel Schwierigkeiten (von den Medikamenten) loszukommen, wie sie es bislang erleben.

Peter Simons: Vielen Dank. Ihre Studie spricht sehr detailliert über die neurobiologischen Prozesse, die der Beendigung der Medikamenteneinnahme zugrunde liegen. Es ist ziemlich technisch. Glauben Sie, Sie könnten etwas davon für den Laien zusammenfassen?

Dr. Horowitz: Ok, das könnte der „Schlummerteil“ sein. Erstens, ich denke, man sollte erwähnen, dass die Neurobiologie weniger erforscht ist. Wissen Sie, ich habe die kleinen Teile, die verfügbar waren, zusammengesetzt. Ich denke, die umfangreiche Erklärung ist, dass jedes Medikament, das einen Neurotransmitter im Körper erhöht, zu einer Herunterregulierung seiner Rezeptoren führen wird. Das Fachwort ist Homöostase. Wenn Sie ein sehr lautes Geräusch hören, passt sich Ihr Trommelfell an, so dass alle Geräusche etwas leiser wahrgenommen werden. Und das Gleiche geschieht im Körper, wenn ein Medikament wie ein Antidepressivum die Menge an Serotonin im Körper erhöht, die Serotoninrezeptoren des Körpers regulieren sich wahrscheinlich nach unten.

Wir haben einige Beweise in die Studie aufgenommen, die zeigen, dass es Hinweise dafür gibt, dass der Serotoninspiegel mit der Zeit abnimmt. Es ist wahrscheinlich, dass, wenn Sie das Medikament absetzen und der Serotoninspiegel wieder normal wird, diese Senkung vom Körper als Serotoninmangel wahrgenommen wird. Etwa so als wenn Sie von einem sehr lauten Konzert kommen, alles hört sich sehr leise an. Wenn Sie also Ihr Antidepressivum ziemlich schnell absetzen, sind Sie an die hohen Serotoninwerte gewöhnt. Plötzlich sind Sie bei dem angelangt, was für andere Menschen normal ist, was aber für Sie zu niedrig ist - das ist eine ziemlich vereinfachte Sicht auf das, was vor sich geht. Das ist jedoch die vorherrschende Meinung auf dem Gebiet.

In gewisser Weise ist das, was die Menschen beim Entzug empfinden, dem Empfinden ähnlich, wenn ihr Serotonin aufgebraucht ist. Sie können das bei Menschen provozieren, indem Sie einen Mangel an (Serotonin) Vorläufer in ihrer Ernährung erzeugen. Einige Personen werden mehr schlechte Laune entwickeln. Ein interessanter Aspekt, den ich mit Verwunderung zur Kenntnis genommen habe, war, dass Serotonin am Gleichgewichtssinn beteiligt ist, so dass Menschen bei einem niedrigen Serotoninspiegel seekrank wurden. Das ist aus einer kleineren Studie bekannt. Es besteht also die Möglichkeit -bisher nur als Hypothese- dass einige der Entzugssymptome, wie Schwindel oder elektrische Impulse im Kopf (bei Bewegung des Kopfes) vielleicht in Zusammenhang mit der Seekrankheit stehen. Immer unter Berücksichtigung der Rolle, die Serotonin in diesem System spielt.
Nun, ich würde sagen, all diese Ideen sind irgendwie spekulativ. Es gibt keine detaillierten Studien, die aufzeigen, was genau der Zusammenhang zwischen diesen unterschiedlichen Rezeptoren und Symptomen ist. Aber es ist der Grundgedanke. Und dann war ein weiterer Punkt, an den ich vorher auch nicht gedacht hatte: es gibt Serotoninrezeptoren außerhalb des Gehirns - es gibt Serotoninrezeptoren im Darm. Und es ist möglich, dass einige der Magen-Darm-Probleme, an denen einige Menschen leiden, mit diesen Serotonin-Rezeptoren zusammenhängen. Ja, das ist mein neurowissenschaftlicher Ansatz.

Peter Simons: Das ist großartig. Eine sehr klare Art und Weise, die Neurobiologie zu erklären, warum bestimmte Entzugserscheinungen auftreten können. Ich danke Ihnen dafür. Der andere Teil Ihrer Arbeitspapier ist eine Art Erklärungsansatz für die nichtlineare Beziehung zwischen der Dosis die Sie absetzen und derjenigen, die Sie noch zu reduzieren haben. (Bitte überprüft den letzten Satz – ich bin mir unsicher, ob ich richtig übersetzt habe. Im Original: And then the other part of your study is sort of an explanation of this nonlinear relationship between, as you taper off of the antidepressant, the dose that you have.) Der Einfluss auf die Neurobiologie ist immer noch sehr stark, auch wenn man sich in sehr kleinen Dosierungen bewegt. Können Sie das ein wenig näher erläutern?

Dr. Horowitz: Also denke ich, dass das eine der Kernaussagen der Studie. Das von mir erwähnte Diagramm ist im Wesentlichen eine Gehirn-Bildgebungs-Studie (???), die das Verhältnis zwischen der Menge des Antidepressivums und seiner Fähigkeit, den Serotonin-Transporter zu blockieren, untersucht hat. Der Serotonin-Transporter steuert, wie viel Serotonin zwischen den Neuronen vorhanden ist und wie die SSRI's (die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die Hauptklasse der verwendeten Medikamente), wirken, indem sie diesen Transporter blockieren. Das (diese Blockade) erhöht die Serotoninmenge zwischen den Synapsen.

Das Schaubild zeigt eine Hyperbel, an die sich die Leute von der High School erinnern, sozusagen ein umgedrehtes "U", so dass die Kurve mit zunehmender Dosis sehr schnell ansteigt und dann ziemlich abflacht. Das Interessante ist, dass sehr winzige Mengen an Antidepressiva - und mit winzig meine ich nur 1/40stel oder 1/50stel einer normalen Dosis (von z.B. einer normalen 20 Milligramm Citalopram-Dosis) einer normalen Dosierung gleichkommen können. Dosierungen von nur 0,5 Milligramm haben ganz erhebliche Auswirkungen auf diesen Serotonin-Transporter. Eine Dosis 1/40 der Größe einer normalen Dosis hat also tatsächlich etwa ein Viertel der Effekte am Rezeptor.

Ich habe Ärzte lachen gehört, als sie davon hörten, wie geringe Dosierungen Patienten eingenommen haben, bevor sie ihre Medikamente endgültig absetzten. Sie erfuhren von Dosen, die für sie trivial klangen. Aber ich denke, was die Daten der Hirnbildgebung zeigen, ist, dass so niedrige Dosen nicht trivial sind. Und für mich geht es darum, wie groß der Sprung auf Null ist. Also möchte ich ein kurzes Beispiel durchgehen. Wenn Sie zum Beispiel Citalopram einnehmen und Ihre Dosierung halbieren, dann sind Sie in Bezug auf die Wirkung auf die Rezeptoren eigentlich nur um eine sehr geringe Menge zurückgegangen. Aber wenn Sie dann von dieser halben Dosis auf Null gehen, sind Sie eine riesige Menge heruntergegangen. Um Ihnen einen Kontext zu geben: wenn Sie von sagen wir 20 Milligramm auf 10 Milligramm reduzieren, senken Sie die Wirkung um weniger als 10%. Wenn Sie jedoch von 10 Milligramm auf Null reduzieren, beträgt die Reduzierung mehr als 70%.

Dies gibt dann eine Richtlinie dafür, was gleichmäßige Reduzierung bedeutet. Ich denke, dass viele Leute meinen, ein gleichmäßiger Rückgang wäre von 20 Milligramm auf 15, 10, fünf und dann auf Null - das ist ein gleichmäßiger Rückgang entlang der Dosis. Aber womit wir in der Studie argumentieren ist, dass eine gleichmäßiger Reduzierung eine gleichmäßiger Senkung der Auswirkungen auf die Rezeptoren bedeutet. In der Praxis heißt das also, dass Sie um immer kleinere Mengen runtergehen. So zum Beispiel, von 20 auf 10 auf 5, auf 2,5, auf 1,25,, 0,6 ,auf 0,3 bevor man die Einnahme beendet. Entschuldigung für all die vielen Zahlen!

Der Punkt ist, dass Sie, um die Entzugserscheinungen gering zu halten, wahrscheinlich die Schritte immer kleiner machen müssen. Es ist so interessant, denn das ist genau das, was die Menschen im Internet herausgearbeitet haben – sie empfehlen pro Monat einen gewissen Prozentsatz zu reduzieren mit dem Ergebnis, das dem entspricht, was ich beschrieben habe. Ich glaube immer noch, dass es für Menschen, die keinen wellenförmigen Verlauf wollen, essentiell ist, langsam und mit ganz geringen Mengen abzusetzen, bis zu einer sehr kleinen Restmenge, von der aus sie dann aufhören können.

Peter Simons: Das ist eine sehr anschauliche Erklärung. Ich weiß das zu schätzen. Ich bin jetzt neugierig, wie es weitergeht. Haben Sie eine gute Resonanz auf Ihre Studie erhalten? Wie haben die Menschen reagiert?


Dr. Horowitz: Nun, es war interessant. Ich habe viel Zuspruch von Patienten erhalten, die die von uns beschriebene Methode als etwas wiedererkannt haben, das sie bereits anwenden und jetzt durch die Veröffentlichung und der Wissenschaft bestätigt wurde. Mehrere Psychiater haben mich angeschrieben und haben nach der Studie und deren Anhängen gefragt, um einen Plan zu haben, ihren Patienten beim Absetzen der Antidepressiva zu helfen. Das ist gut, das war unsere Absicht.

Das Royal College of Psychiatrists in Großbritannien, hat einigen Pressemitteilungen Kommentare hinzugefügt, in denen sie, wie ich sagen würde, die Arbeit vorsichtig begrüßten. Sie haben erkannt, dass die Arbeit die Pharmakologie (Wirkung?) der Medikamente aufzeigt. Es wird verdeutlich, warum Patienten die Symptome, die sie bei niedrigen Dosen wahrnehmen, überhaupt haben können. Sie ist auch eine Aufforderung, diesem Problem mehr Beachtung beizumessen. In einem Artikel in der Daily Mail sagte der Sprecher des Royal College, dass das College festgestellt hat, dass Entzugserscheinungen von Antidepressiva ein Problem sind. Ich hoffe, dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sie dieser Frage mehr Beachtung schenken werden.

In Großbritannien wurde diesem Thema sicherlich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Es gab eine aktuelle Sendung der BBC, eine Reihe von Artikeln, die in Zeitschriften veröffentlicht wurden, die in den britischen Medien viel Aufmerksamkeit erregt haben. Ich denke also, dass das Thema ins Blickfeld der Bevölkerung gerückt ist und sich im Bewusstsein des Kollegiums verankert. Ich würde also sagen, dass die bisherigen Antworten positiv waren, und zwar sowohl von Patienten als auch von Ärzten und dem Royal College. Ich hoffe, dass es in Zukunft einige Fortschritte gibt.
Peter Simons: Ich weiß, dass Sie an der RADAR-Studie beteiligt sind, einer Studie über das Absetzen von Antipsychotika ist. Ist das richtig?
Dr. Horowitz: Das ist richtig, ja. Es ist eine sehr interessante Studie, die versucht, eine frühere Studie zu replizieren, eine Studie, die in Holland durchgeführt wurde.

Kann man einen eine erhöhtes Rückfallrisiko vermeiden, wenn Sie die Antipsychotika bei Patienten mit einer chronischen psychotischen Erkrankung langsam senken? Und auf lange Sicht, können Sie ihr soziales Handeln verbessern? Und genau das hat diese Vorstudie gezeigt, dass Patienten, die langfristig langsam von ihren Antipsychotika entwöhnt wurden, bessere soziale Ergebnisse zeigten als Patienten, die das Medikament weiterhin einnahmen. Es ist also eine fantastische Studie.

Peter Simons: Wie sieht der Zeitplan für diese Studie aus? Ist es eine Studie, die gerade läuft?

Dr. Horowitz: Ja, sie wird von Dr. Joanna Moncrieff geleitet und wird noch ein paar Jahre laufen. Insgesamt ist es ein fünfjähriges Programm, also sind wir jetzt etwas in der Mitte und es sollte sehr interessant werden.

Peter Simons: Bezogen auf Ihre persönliche Arbeit, werden Sie weiterhin an Antidepressiva-Entzugs- oder Entzugserscheinungen im Allgemeinen arbeiten?

Dr. Horowitz: Wir - David Taylor und ich - arbeiten an ähnlichen Papieren für einige der wichtigsten Klassen von Psychopharmaka. Daher wird unser nächstes Paper über einen pharmakologisch fundierten Weg sein, um Antipsychotika abzusetzen. Und dann der folgende, der sich auf Benzodiazepine beziehen wird.

Wahrscheinlich wird der größte Teil meines Fokus‘ auf Antidepressiva liegen, aber ich habe festgestellt, dass die Diagramme und Beziehungen, die wir für Antidepressiva aufgezeigt haben, für andere Medikamente gelten. Und ich denke zweifellos, dass das ein sehr wenig erforschtes Gebiet ist - wie und wann man Medikamente absetzt. Es gibt eine Menge Daten darüber, wie man eine Behandlung damit beginnt, jedoch benötigt der Bereich, wenn es um das Ausschleichen geht (wann, wie) viel mehr Aufmerksamkeit. Ich hoffe, ich kann meine berufliche Tätigkeit diesem Gebiet widmen.

Peter Simons: Großartig. Vielen Dank. Möchten Sie noch etwas zu Ihrer Studie oder zum Absetzen von Antidepressiva im Allgemeinen sagen, zu dem wir heute nicht gekommen sind?

Dr. Horowitz: Der nächste Schritt ist, dass ich eine Förderung beantragen möchte, um die Idee der Studie zu testen Wir haben die Hypothese aufgestellt, dass, wenn Patienten das Medikament langsam und kleinschrittig reduzieren auf hyperbolische Weise, wie von uns vorschlagen, dass die Entzugserscheinungen wahrscheinlich reduziert werden. Ich denke, es gibt einige Beweise dafür, dass bei Patienten, die in kleinen Schritten über längere Zeiträume reduzieren weniger Entzugserscheinungen auftreten. Studien, bei denen die Patienten über sehr viele Monate, sechs, neun, zwölf Monate, entwöhnt wurden zeigen bessere Ergebnisse. Es gibt auch Studien, wo die Patienten auf sehr niedrige Dosen heruntergehen, die so niedrig sind wie die, die wir vorschlagen, und die auch bessere Ergebnisse erzielen. Aber ich schätze, um die Richtlinien wirklich zu beeinflussen und um wirklich die Informationen zu haben, die auf Patienten angewendet werden könnten, müssen wir diese Studie durchführen. Wir wollen also eine Gruppe von Patienten haben und vergleichen, was die NICE-Richtlinien vorschlagen. Also Reduzierung über vier Wochen, vielleicht acht Wochen, und vergleich mit unserer vorgeschlagenen Methode über viele Monate, vielleicht variabel, auch eine Art Empfehlung an den Einzelnen, um zu sehen, was die Menschen brauchen. Mein Ziel ist es, diesen Schritt zu gehen.

Peter Simons: Das klingt so, als ob das eine große Ergänzung der Forschungsliteratur zum Thema Beendigung der AD Einnahme. Ich hoffe, dass Sie die Mittel erhalten, um diese Studie durchführen zu können. Nochmals vielen Dank, Dr. Mark Horowitz, dass Sie heute mit mir gesprochen haben.

Dr. Horowitz: Danke, Peter.
Zuletzt geändert von Murmeline am Montag, 08.04.19, 18:21, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Link zur Studie ergänzt
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Re: Übersicht Zeitspenden: Mitarbeit Willkommen!

Beitrag von Annanas » Sonntag, 07.04.19, 19:21

Danke Finchen :) für die viele Arbeit.
LG Anna

FineFinchen
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Re: Übersicht Zeitspenden: Mitarbeit Willkommen!

Beitrag von FineFinchen » Sonntag, 07.04.19, 19:29

Gerne geschehen, Anna :)

Liebe Grüße
Finchen

Muck
Beiträge: 134
Registriert: Montag, 12.11.18, 15:30

Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von Muck » Montag, 08.04.19, 7:50

Hallo Finchen

Auch von mir vielen Dank.
Ich finde es ganz toll das du dir soviel Arbeit machst um uns alle
daran teilhaben zu lassen die nicht so perfekt im englischen sind.

Liebe Grüße
Muck
Symptome: (...); Diagnose: (...)


1. Symptome

Schwindel
Benommenheit
Schwitzen besonders stark nachts
Kälteschauer fast nur nachts
Blähungen
Sodbrennen
Muskel und Gelenkschmerzen überall
Zuckungen
Sehstörungen verschwommen oder Dinge bewegen sich
Einschlafen der Hände in der Nacht
Albträume
Akustische Halluzinationen Nachts
Seltsame Wellen durch den ganzen Körper Nachts
Blutdruck schwankend
Lustlosigkei
Gedankenkreisen
Übelkeit
Nesselsucht urplötzlich
Wespenstichallergie
Würgeanfälle
Kalte Hände und kalte Füße
Unruhe
Konzentrationsschwäche
Mundtrockenheit
Mundbrennen
Schwächegefühl in armen und Beinen
Vergesslichkeit
Verspannungen
Schnell Argressiv
Tinnitus
Ohrendruck
Angst mehr als früher
Juckreiz

Diagnose

Fibromylagie
Generalisierte Angststörung
Mittelschwere Depression
Somatisierungsstörungen



Medikation: (Wirkstoff XXmg, Dauer) (>>) (Wirkstoff XXmg, Dauer) >> (usw.)


2. Medikation


Bis Februar 2013 nur immer Naturheilmittel
Februar 2013 Citalopram 20 mg eingeschlichen mit 10 mg
Ca. 2 Jahre genommen dann von heute auf morgen auf10 mg runter
Symptome vor Citalopram und nun kein großer Unterschied
September 2017 oft die Einnahme vergessen dann nicht mehr genommen
Also auf 0 wie ich heute weiß Kalter Entzug
2018 für 6 Wochen Hormonpflaster keine Besserung
13.11.2018 Omep 40 mg Magnetfans 150 mg Passivligatropfen bei Bedarf
Bisoprolol 5 mg

u]Zusätzlich:[/u] (Wirkstoff XXmg, Start (wofür/wogegen));


3. Zusätzliches

Keine

Bisherige Absetzversuche: (Wirkstoff XXmg, wie abgesetzt, warum gescheitert)


4. BieherigevAbsetzversuche

Mein erster

Absetzverlauf (Startdatum, Startdosierung): (Dauer XXmg) (>>) (Dauer XXmg) (>>) (usw.)


5. Absetzverlauf

Siehe Punkt 6

Katharina
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Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von Katharina » Montag, 08.04.19, 15:22

Liebe Finchen!

Ich bedanke mich für Deine Mühe
diesen Beitrag übersetzt zu haben.

Er macht Hoffnung für die Zukunft.

Vielen Dank.
Liebe Grüße
Katharina
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Murmeline
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Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von Murmeline » Montag, 08.04.19, 18:22

Danke dir, Finchen.
Hab die Übersetzung auch gleich mal getwittert:
https://twitter.com/irisheffmann/status ... 35168?s=21

FineFinchen
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Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von FineFinchen » Montag, 08.04.19, 18:38

Prima, Iris :)

Ich folge Dir dann mal auf Twitter! :D
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gelblack
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Registriert: Sonntag, 21.06.15, 8:23

Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von gelblack » Sonntag, 14.04.19, 9:07

Hallo Finchen :) :)

Danke für das Übersetzen …

Ich habe vor kurzem gehört dass die Frühverrentung aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren massiv zugenommen hat.
Nachdem die Verabreichung von PPs Mainstream geworden ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sehr viele der AntragstellerInnen im Problemfeld der PP gelandet sind.

Ein Milliarden Grab wirtschaftlich und eine katastrophale Lebenssituation für die Betroffenen

… ich bin nun seit 1,5 Jahren auf Null, habe sehr langsam ausgeschlichen und bin noch immer im Entzug nach Null (PAWS) unterwegs. Ich hoffe auf die 2 bis 2,5 Jahre Karenzzeit und dass dann dieser Spuk endgültig vorbei ist. Vieles an Symptomen ist besser geworden oder hat sich verabschiedet. Schlafstörungen, Stressintoleranz (no Sports), Kopfrauschen, dramatisieren von Ereignissen, die der Vergangenheit angehören etc. nerven noch immer.

Ich finde es erschreckend wie langsam die Erkenntnis in der Ärzteschaft darüber wächst welchen wahnsinnigen Schaden diese Medikamente anrichten … dass diese Medikamente problematisch sind geht bereits seit den 80igern durch die Presse.
Und ich glaube, dass wenn wissenschaftliche Erkenntnisse endlich den Durchbruch bringen, sich die Pharmaindustrie mit den Krankenkassen und der Regierung solidarisieren werden um den wirtschaftlichen Schaden durch ein massenhaftes Klagen Betroffener auf Entschädigung abzuwenden. Das ist ein Pulverfass …

Alles Gute für Euch, baldige Genesung und viel Kraft, Akzeptanz und Ausdauer.

:hug: gelblack

Hier noch ein Ausschnitt aus einem Artikel … Link darunter.

Nach Daten der Rentenversicherung leidet fast jede zweite Frau (49 Prozent), die neu eine Erwerbsminderungsrente bekommt, an einer seelischen Erkrankung. Bei den Männern, die wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aus dem Job ausscheiden, sind es 36,5 Prozent.

https://rp-online.de/leben/gesundheit/p ... d-16468645
► Text zeigen
0,00mg seit 25.09.2017

Clarice
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Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von Clarice » Sonntag, 14.04.19, 11:10

Liebe Finchen,
danke für die tolle Übersetzungsarbeit! :party2:

Ein sehr interessantes Interview!

LG Clarice
Aktueller Stand:
28.07.2019 0,5 mg E.
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Maus 66
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Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von Maus 66 » Mittwoch, 17.04.19, 11:55

Hallo Finchen,
vielen lieben Dank für die Übersetzung!
Was da steht ist wirklich ein Fortschritt und vor allem, wenn jemand als Arzt und Psychiater es am eigenen Leib erlebt hat, ist das ein ganz anderes Ding.
Er hat das Absetzen von Antidepressiva so gelernt wie ich und ups, plötzlich stimmt da was nicht, da kommt man ins Grübeln.
Der Artikel gibt Hoffnung, dass ein Bewusstsein dafür entwickelt wird, achtsamer mit Psychopharmaka umzugehen.
LG Maus
Aktuelle Medikation:
3 Tropfen CBD Öl 10% am Morgen
Bei Bedarf: Zolpidem 5mg, höchstens 1 x im Monat..zur Zeit ca 3x im Monat.....abgesetzt seit 12.5.2017!
Opipramol: seit 5.12.2016.. 0mg..seit dem 25.3. wieder 50-0-0-75... seit Ende März wieder 125mg..0-25-0-100!
Thyroxin 88mg 1-0-0-0, seit ca 3 Wochen nur noch 75mg....seit 12.5.2017 100mg!
Seit 17.1.2016 Natürliches Progesteron: 0-0-0-200mg oral, seit 3 Wochen Blähbauch und Magen Darm Probleme..
früher 100mg vaginal alle 14 Tage....seit Mai, 100mg vaginal
Transdermales Pflaster Estradot: 50mg..seit 2 Wochen 37,5mg...seit 1 Woche wieder auf 50mg!
Bei Bedarf 10mg Promethazin..abgesetzt
Seit 20.6. 2017!!
Opipramol: 0-50-0-100
Lyrica: 0-0-0-75
Seit 1.8. 2017!
Opipramol: 0-25-0-100
Lyrica:0-0-0-50mg
Seit 5.11. 2017:
Opipramol: 0-12,5-0-75
Seit 1.9.2017
Lyrica: 0-0-0-25
Thyroxin:100mg
Progesteron oral:
0-0-0-200mg
Estradiol50 transdermal
2x wöchentlich
Seit 3.12.2017
20mg Lyrica Lösung
Seit 5.12.2017
Opipramol:
6,25-0-0-75
Lyrica Lösung 20mg/1ml
Seit 26.1.18
0,4mg
Seit 3.2.2018
Opipramol
0-0-0 75mg
Seit 26.2.18
Pregabalin : 0
Seit 1.5.2018
Opipramol
0-0-0-68,75mg
Seit 1.7.2018
0-0-0-60mg
Seit 1.10.2018
Opipramol
0-0-0-54mg
Seit 15.11.2018
Opirpramol
0-0-0-50mg
Seit 19.1.2019
0-0-0-45mg
Seit 29.7.2019
0-0-0-42mg
Seit Juli 2019
CBD Öl Tropfen 10%
3-0-0-0

sybsilon
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Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von sybsilon » Freitag, 19.04.19, 9:34

Hallo Finchen,

lieben Dank für die tolle Übersetzung.
Du bist ein Schatz.

LG sybsilon
Diagnose: Angst-Panikstörung
06/14 Venlafaxin 37,5 mg
07/14 Venlafaxin 75 mg
08/14 Venlafaxin 112,5 mg
10/14 Venlafaxin 75 mg
dann bis 02/15 Venlafaxin reduziert auf 37,5 mg
seit 14.2.15 auf anraten von Ärztin auf "0".
Seit Dezember 14 Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Kreislaufprobleme, Ohnmachtsangst, Gangunsicherheit, elektrische Schläge im Magen, Panikattacken, Kribbeln Arm und Bein links, Massive Nackenprobleme. Herzrasen, Extrasystolen und starke Stimmungsschwankungen.
von 1.6.15-28.7.15 wieder Psychiatrieaufenthalt. 3 Wochen Mirtazapin erst 15mg dann 30mg aber wegen RLegs abgesetzt, dann Doxepin 25mg nacher Woche 50mg und nach ein paar Tagen auf 75mg aber wegen massiver Magenschmerzen, Suizidgedanken und RLegs auch abgesetzt.
Seit 20.7.15 Medikamentenfrei.
aktuelle Symptome: kribbeln, ziehen in Beinen und Armen, Leichte Übelkeit( nicht immer), sehr nervös, sehr geräuschempfindlich, vermehrte Panikattacken. Ab und zu Herzstolpern, aber nicht mehr so häufig. Das Haus zu verlassen fällt mir schwer.
Oktober 2015 :
Immer wieder Gangunsicherheit, leichter Schwindel und Übelkeit. Das löst Angst und Panik bei mir aus.
Einen Versuch mit Laif900 (Johanniskraut) gestartet aber wieder abgesetzt wegen Symptomverstärkung.
Ab 04.11.2015 Aufenthalt psychosomatische Klinik
Seit 19.1.16 wieder zu Hause. In der Klinik 3 Tage Trimipramin 12,5mg ausprobiert, aber zu starke NW.
Seit 27.1.16 Wiedereingliederung im Job, Beginn mit 4Std am Tag, danach sehr erschöpft, aber ansonsten wenig Symptome. Gegen Abend (ab ca.18.00Uhr) inneres Frieren und ganz leichte Übelkeit mit leichtem Magendrücken.
Stand 13.2.2016: Magenprobleme mit Rückenschmerzen, Rücken übersät mit großen Pickeln, Schlafprobleme, nach Vit.D Einn. Panikattacke.
4.3.16 Im Moment Welle/sehr erschöpft. Blutuntersuchung :B12=350, Vitamin D =18,1, Ferritin=15,5. Von Eisentabletten schon nach 1Tag Herzrasen mit Panikattacke. Abgesetzt. Ich vertrage absolut gar nichts mehr.
6.4.16 habe noch leichte Stimmungsschwankungen, Frieren in den Abendstunden nach der Arbeit (ca. 17-19 Uhr), Energiebereich schwankt sehr, Nackenschmerzen. Seit 1.4.16 nehme ich Nachtkerzenöl Kapseln, und ich habe das Gefühl sie tun mir gut.
18.6.16 Ich habe wenig Energie. Arbeite wieder voll seit 8.3., aber es strengt sehr an. Kann abends und am Wochenende Nichts unternehmen. Bei Anstrengung kommt leichte Übelkeit. Kann meine Vitaminspeicher nicht auffüllen da ich noch immer Nichts vertrage .:zombie: .Gefühle sind sehr gleichgültig und irgendwie macht mir alles keinen Spaß und ist sinnlos.
Seit 14.2.2015 "0" Venlafaxin
Seit 20.7.2015 "0" Mirtazapin und Doxepin
Seit 21.7.2015 definitiv medikamentenfrei!!!!
Zustand 21.7.2016: sehr erschöpft, leichte Übelkeit hin und wieder, kribbeln in linker Hand und Fuß und linke Gesichtshälfte. Psyche ganz o.k.! Blutwerte 21.7.2016: Vit.B12 253;Ferritin 19,5;Vit.D 31.
18.8.16:Entfernung Kupferspirale
Zustand 24.8.16: Seit 2 Tagen total erschöpft, Kopfrauschen, Nackenschmerzen, Übelkeit aber nicht vom Magen verbunden mit depressiver Stimmung, fast keinen Geruch und Geschmackssinn. Kein Durst- und Hungergefühl.
16.10.16: Zustand viel besser seit Kupferspirale entfernt. Ausschlag auf Rücken nahezu weg. Übelkeit weniger, depressive Stimmung nur noch etwas in der Zeit um die Regel. Brauche noch viel Ruhe und vertrage keine Hektik und Stress mehr. Energie etwas mehr vorhanden.
20.3.17 Vitamin D und B12 vertrage ich wieder.
20.12.17 Übelkeit so gut wie weg.

eradis
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Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von eradis » Samstag, 18.05.19, 19:28

Hallo,

ich habe das jetzt erst gefunden, eigentlich über einen Artikel in "der Welt". Schön, es auch hier lesen zu können.
Danke!
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Juna
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Re: Interview mit betroffenem Psychiater über Entzug und peer support

Beitrag von Juna » Sonntag, 26.05.19, 17:02

Liebe Finchen,

auch hier wieder "Hut ab", DANKE!

LG
Juna
BildIch entziehe nicht wie empfohlen, bitte nicht nachmachen!!!Bild

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