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Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Bittchen
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Bittchen »

Liebe Elisabeth,

wenn ich dich lese, dann meine ich ,ich würde über meinen Nikotinentzug schreiben.
Denn ich habe auch mit 65 Jahren, nach 50 Jahren starkem Rauchen ,endlich diesen Dreck lassen dürfen.
Es war nicht leicht, aber nie mehr deinem Körper in irgendeiner Form Nikotin zuzuführen, um die Sucht zum Stillstand zu bringen, das ist bei stark Abhängigen der richtige Weg.
Denn Sucht ist nicht heilbar !!!
Wenn es mir ganz schlecht ging und ich einen ganz starken Jeeper hatte, habe ich schon Mal eine Kräuterzigarette geraucht.
Die gibt es in der Apotheke,wie alle Nikotinersatzmittel.
Ein Thor wer da was falsches denkt.
Die ist auch ohne Nikotin
Die schmeckte furchtbar, rocht wie ein Joint ,aber ich bildete mir ein, die würde mich beruhigen.
Zuckerfreie Bonbons lutschen und ein Glas Wasser auf ex trinken half auch oft.
Zu der Zeit war ich sehr depressiv und ich konnte nicht raus.
Den Entzug habe ich dann so ausgesessen.
Der starke Wille ist entscheidend !!!
Deinen Körber nicht weiter vergiften zu wollen und diesen Weg des Nikotinentzuges zu Ende zu gehen.
Das ist nicht leicht nach so vielen Jahren, aber es geht.
Da bin ich sehr stolz, das geschafft zu haben.
Seit über 6 Jahren habe ich nie mehr an einer Zigarette gezogen und mir geht es dabei sehr viel besser.
Denn ich war auf dem Weg, die letzten Jahre ??? mit einer Sauerstoffflasche rum laufen zu müssen .
Bleibe stark, rauche nicht, du schaffst das.
Jeder Tag ohne Nikotin, zählt auf deinem Weg zu Besserung.
Es geht vorbei.

Liebe Grüße
Brigitte

PS.Ich weiß nicht ob ich dir den Link schon geschickt habe ?
https://www.stop-simply.de/nichtraucherforum/
Melde dich da an, eine kleine Spende von 5 -10 Euro langt da schon.
So ein Selbsthilfeforum aufrecht zu halten, kostet ja auch Arbeitskraft und Geld.
Der Gründer da will ja auch nicht kostenlos arbeiten.
Da bekommst du sehr viele Informationen.
Der Austausch da, hat mich sehr motiviert durchzuhalten.
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Vorgeschichte:
Als junge Frau hatte ich schon zwei Suizidversuche,18 u.24.Jahre,1968 verbunden mit schmerzhaften Trennungen.

1986 nach der Geburt von der dritten Tochter das erste Mal Diagnose durch Frauenarzt ,Depression.


Medikationsverlauf:


Seit Feb.1992 trockene Alkoholikerin.Halbes Jahr später depressive Phase. Hausarzt spritzt alle 4 Wochen Imap.


1994 erneut starke depressive Symptome,jüngste Tochter hatte bald Kommunion,ich wollte funktionieren.
Hausarzt verschreibt das 1.Mal Aurorix(Mao-Hemmer),hat schnell gewirkt.
Ich hatte eine kurze Hypomanie. In den langen Jahren immer Mal wieder,jetzt schon ein paar Jahre nicht mehr.
Eingenommen bis 2004,dann keine Wirkung mehr.

2004,das erste Mal Akut-Psychiatrie, umgestellt worden auf Trevilor(Venla),immer wenn Wirkung nach ließ, erhöht worden,bis 300 mg.


Dann Inkontinenz und weitere Nebenwirkungen,zu schnell ausgeschlichen.
Umgestellt auf Escitalopram,zwischendurch Citralopram,
Nach ein paar Jahren wieder abgesetzt,immer zu schnell,i

2009 erneut schwere Episode,Hausarzt verschreibt wieder Aurorix,wirkt nicht mehr.
Auch 2009,endlich Psychotherapie,
Psychiater verschreibt Sertralin 25 mg, sehr starke Nebenwirkungen,Zittern,Unruhe,Angst,Selbstmordgedanken,so dass ich erneut,während der Psychotherapie, in die Akut- Psychiatrie muss.
Entlassung mit 50 mg Sertralin. als Nebenwirkung ,starken Durchfall.


Dann ohne Ausschleichen ,Umstellung auf Citalopram 40 mg. dann umgestellt auf 20 mg Es-Citalopram,

Absetzversuche scheitern immer wieder,da erneutes Auftreten der Krankheit diagnostiziert wird.

Absetzverlauf:
Anfang 2017 : Vom neuen Hausarzt ließ ich mir dann Tropfen verschreiben und reduzierte jede Woche einen Tropfen.
Seit Mai 2017 ohne Ad.

3.12.2017 Versuch der Wiedereindosierung von 0,5 mg Escitalopram - starker Durchfall, wieder weggelassen


Seit Ewigkeiten 125 mg L-Thyroxin gegen Unterfunktion der SD.

aktuelle Symptome
Jetzt bin ich in eine, angeblich leichte, Überfunktion geraten.
Symptome sind starke Schlafstörungen,Gereiztheit,Wut ,innere Unruhe und Beben,Kribbeln in Füßen und Waden,schwitzen,sehr trockener Mund,immer Durst.
Plaque in Halsschlagader ,vorgestern beim Endokrinologen fest gestellt,auch Polyneuropathie ,wird in beiden Beinen vermutet.

Erst einmal will ich versuchen ohne erneutes PP auszukommen.
Kein PP hat mich stabilisiert ,eigentlich hatte ich immer nur Nebenwirkungen,wie Inkontinenz und Schleimhautbluten erneut auftraten,beschloss ich auszuschleichen.
Auch Sehstörungen,Magengeschwüre,mit Teerstuhl hatte ich in den letzten drei Jahren .
Foxly
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Foxly »

Liebe Elisabeth,

erstmal wow! Drei Wochen ist schon richtig, richtig toll für eine ehemalige Langzeitraucherin!

Ich kenne diese Quälerei auch, aber glaub mir, es hört wirklich irgendwann auf! Ganz weg ist die Lust auf eine Zigarette wohl nie, aber die Situationen werden deutlich seltener, die positiven Effekte deutlich mehr!

Ich habe auch 40 Jahre geraucht und habe es - auch nach mehreren Anläufen - geschafft. Ich weiß also, wovon Du schreibst. Allerdings war das bei mir VOR dem Entzug der PP.

Ich weiß ja nicht ob es Dir möglich ist, aber mir hat tatsächlich Sport (ein Ausdauersport wie joggen, walken, schwimmen.....) sehr geholfen, aus dem einfachen Grund, dass man dort recht schnell Fortschritte erfährt und so die Motivation aufrecht halten kann.

Anfangs hatte ich immer (insbesondere bei der Arbeit) das Gefühl des Gehetztseins bis ich gemerkt habe, dass mir die Zigarettenpausen fehlten. Also bin ich artig im ähnlichen Rhythmus wie vorher beim Rauchen vor die Tür gegangen (ich habe nie drinnen geraucht) und habe statt einer Zigarette mehrere tiefe Atemzüge genommen, ganz in Ruhe.

Jede/r hat da wohl so seine eigenen Strategien und Krücken. Letztlich musst Du es für Dich im Kopf klar bekommen und es niemals als einen Verzicht/einen Verlust betrachten, sondern stets als einen Gewinn, Gewinn an Gesundheit, an Freiheit, an Unabhängigkeit. Mir hat diese Denkweise sehr geholfen.

Dir viel Erfolg! Sei jeden einzelnen Tag, den Du wieder geschafft hast, stolz auf Dich und halt durch!

Alles Liebe
Gabs
„Wäre mein Leben ein Film, hätte ich das Kino schon verlassen“
(Aus „Sag den Wölfen ich bin zuhause“ von Carol Rifka Brunt)
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Elisabeth54
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Elisabeth54 »

Liebe Brigitte und liebe Gabs,

Ich danke euch für eure motivierenden Beiträge.

Ja, ich bin sehr stolz auf mich obwohl diese Woche teilweise sehr hart war.
Aber jetzt habe ich schon so viel hinter mir, dass ich auf alle Fälle durchhalten will.

Mein körperlicher Zustand ist die letzten Monate so schlecht geworden, dass meine Angst immer größer wurde. Leider schaffe ich es nicht momentan Sport zu machen, denn dafür bin ich zu schwach und zu erschöpft. Allerdings schaffe ich es mittlerweile fast jeden Tag wenigstens 45 Minuten einen flotten Spaziergang zu machen und ich arbeite wieder ein paar Stunden in der Woche.

Jetzt hoffe ich, dass die Unruhe und die depressive Phase schnell vorübergehen.
Nach dem AD Entzug werde ich auch diesen Entzug schaffen.

Ganz liebe Grüße von Elisabeth
Juni 2017 Burnout (keine Medikamente)
Oktober 2018 Operation an der Halsschlagader
Danach Angstzustände und Panikattacken
Ende Oktober 2018 Citalopram vom Hausarzt
November 2018 eine Woche Psychatrie
Citalopram abgesetzt und dafür 15mg Mirtazipin
nach 1 Woche entlassen und Mirtazapin reduziert auf 7,5 mg wegen Nebenwirkungen
10.12.18 Mirtazapin komplett abgesetzt auf Empfehlung vom Hausarzt wegen Nebenwirkungen
13.12.18 Total schlechter Zustand - Doxepin 25 mg erhalten (angeblich gut verträglich)
27.12.18 Doxepin reduziert auf 12,5 wegen Herzrasen
09.01.19 8wöchiger Aufenthalt in einer psychosamtischen Klinik
auf Aponal (Doxepin) 10 mg umgestellt.
Nach anfänglichen Krisen hat sich mein Zustand im Laufe des Aufenthalts stabilisiert
28.02.19 Aponal kalt abgesetzt - laut den Klinikärzten kein Problem, ist ja nur eine geringe Dosis.
06.03.19 Entlassung - Zustand katastrophal verschlechtert.
14.03.19 Aponal 10 mg wieder eingenommen.
07.04.19 reduziert auf 9 mg
21.04.19 reduziert auf 8 mg
07.05.19 Umstellung auf Tropfen (5 mg Tablette + 3 mg Tropfen)
10.05.19 Nur noch Tropfen
12.05.19 reduziert auf 7,5 mg
21.05.19 reduziert auf 7,0 mg
31.05.19 reduziert auf 6,5 mg
04.06.19 reduziert auf 6,0 mg
09.06.19 reduziert auf 5,0 mg
15.06.19 reduziert auf 4,0 mg
23.06.19 reduziert auf 3,0 mg große Entzugsprobleme
03.07.19 aufdosiert auf 3,5 mg
17.07.19 Fahrrad-Unfall - Rippen gebrochen und Lungenflügel zusammengefallen
5 Tage Krankenhaus - kleine OP (Schlauch in der Lunge) werde vollgedröhnt mit Schmerzmitteln
Ibuprofen, Novalgin und irgend ein Opiat
29.07.19 reduziert auf 3,0 mg
nehme nur noch Ibuprofen für die Schmerzen (3-4 Stück)
Nach ein paar Tagen geht es mir immer schlechter
06.08.19 aufdosiert auf 3,5 mg - keine Veränderung
08.08.19 aufdosiert auf 4,0 mg - keine Veränderung
9 Wochen Absetzpause zum stabilisieren
10.10.19 reduziert auf 3,75 mg
01.12.19 reduziert auf 3,5 mg
31.12.19 reduziert auf 3,0 mg
27.01.20 reduziert auf 2,5 mg
18.02.20 reduziert auf 2,0 mg
25.03.20 reduziert auf 1,75 mg
15.04.20 reduziert auf 1,5 mg
08.05.20 reduziert auf 1,25 mg
06.06.20 reduziert auf 1,0 mg
23.07.20 reduziert auf 0,5 mg
15.08.20 NULL :party2:


Probleme:
Seit dem Absetzen noch folgende Symptome
Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, keine Kraft, keine Energie und oft antriebslos.
Sport ist immer noch ein Fremdwort.....
Ohrgeräusche, Sehstörungen ist aber schon besser geworden.
Magen und Darmprobleme. Essen nach wie vor schwierig. Ich esse zwar relativ regelmäßig,
Aber meistens ohne Appetit.
Muskelzucken am Hals, Engegefühl in der Brust, starkes Herzklopfen, brennende Nervenschmerzen, Taubheitsgefühl in den Fingern, Verspannungen usw usw

Zusätzliche Medikamente
Betablocker BisoHexal 1,25 mg morgens — ausgeschlichen und seit 14.10.2020 auf NULL

Komplett Medikamentenfrei
Nehme noch einige NEMs um diverse Mangelerscheinungen zu regulieren.
Josh
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Josh »

Guten Morgen,
zum Thema Langzeitbetroffene,
27 Monate nach Null!
Erschöpfung immer noch spürbar
Rauschen in den Ohren
Brain Zeps
Hände schälen sich
Sehprobleme
Früh morgens schlechte Laune und Lustlosigkeit sowie Antrieb fehlt

Ab Mittag so 12:00 geht es sichtbar besser!
Nur mal zur Information, warte immer noch auf den Durchbruch!
Im übrigen wer mich verfolgt hat,
meine Frau hat jetzt 18 Monate nach Null auch fast die gleichen Probleme bekommen wie ich !
Müdigkeit
Meckern
Lustlosigkeit
Antrieb fehlt
Usw ... !
Daran sehe ich das es eindeutig vom absetzen kommt !
Liebe Grüsse
Und schönes Wochenende

Josh
Dezember 2014 Operation Leistenbruch!
Bis dahin 3 x Woche Sport über 30 Jahre!
Schwimmen 40 Bahnen a 25 m Graulen ohne Probleme und anschließend ganz normal weiter gelebt, Einkaufen oder Freunde getroffen!

Nach OP Depression, Ängste, Panikattacken , idiotische gedanken!
keiner geholfen nur antidepresiva im oktober
2015 angefangen ( escitalopram 1 -20 tropfen)
früher immer mal down , job verlust , stress , umzug und
soweiter ! mit johannneskraut und homöopathie behandelt! hat im allgemeinen 20 jahre geklappt!
dann Op und ab da kein Menschen mehr wie früher!
nehme
MG
OPC ca 200 reines
Vitamin C 1000 mg
Omega3 2g
D3 mit K2
Multivitaminpräparat mit Mineralstoffen
B Komplex
Selen
Astaxanthin

Da OP Unmengen an B12 und anderen B Vitaminen verbraucht
außerdem Magnesium und Glutamin

Angefangen Oktober 2015 ( 1-20 Tropfen)
Abgesetzt ab
Januar 2017
Und hier die letzten Schritte
2,3 mg am 11 .Februar 2019
2 mg am 20. Februar 2019
1 mg am 20. März 2019
0.5 mg am 30.April 2019
0,25 mg 3.Juni 2019
0 28. Juni 2019
seit dem immer wieder mit Absetzsynthome
Sehprobleme bei Stress oder Anstrengung
Muskeln zucken nur noch ganz leicht
Erschöpftung
Denken ist Stress
Antriebslosigkeit ab und an
Tinnitus
Früh geht gar nix
Hände schälen sich bei Stress

Seit 28.06.2021 2 Jahre auf Null :party2:
Foxly
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Foxly »

Hallo Elisabeth,

gaaanz toll, Dein Vorsatz, durchzuhalten und auch diesen Entzug zu schaffen. Bravo und alle Achtung!

Und 45 Minuten Spaziergang ist auch schon mal super! Sicher spürst Du auch dabei nach und nach, dass Du besser Luft bekommst und insgesamt an Kondition zulegst. Das ist für den Anfang völlig ausreichend!

Ich drück Dir die Daumen!
Alles Liebe
Gabs
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Foxly
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Foxly »

Hallo Josh,

das ist ja interessant (und gleichermaßen schade), dass Deine Frau, die den Entzug doch bislang ganz gut gepackt hatte, plötzlich nach so langer Zeit doch auch wieder Symptome zeigt.

Es bleibt eine Blackbox mit tausend Unbekannten........

Ich hoffe nun für Euch BEIDE, dass die Symptome sich rasch verabschieden!

Alles Liebe
Gabs
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Josh
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Josh »

Hallo Gabs, genau das hätte ich nie gedacht!
Ein kleinen Vorteil hat es , sie versteht jetzt was in den letzten 24 Monaten mit mir los war und warum und das ich es nicht ändern oder abstellen konnte!
Schönes Wochenende

Grüße
Josh
Dezember 2014 Operation Leistenbruch!
Bis dahin 3 x Woche Sport über 30 Jahre!
Schwimmen 40 Bahnen a 25 m Graulen ohne Probleme und anschließend ganz normal weiter gelebt, Einkaufen oder Freunde getroffen!

Nach OP Depression, Ängste, Panikattacken , idiotische gedanken!
keiner geholfen nur antidepresiva im oktober
2015 angefangen ( escitalopram 1 -20 tropfen)
früher immer mal down , job verlust , stress , umzug und
soweiter ! mit johannneskraut und homöopathie behandelt! hat im allgemeinen 20 jahre geklappt!
dann Op und ab da kein Menschen mehr wie früher!
nehme
MG
OPC ca 200 reines
Vitamin C 1000 mg
Omega3 2g
D3 mit K2
Multivitaminpräparat mit Mineralstoffen
B Komplex
Selen
Astaxanthin

Da OP Unmengen an B12 und anderen B Vitaminen verbraucht
außerdem Magnesium und Glutamin

Angefangen Oktober 2015 ( 1-20 Tropfen)
Abgesetzt ab
Januar 2017
Und hier die letzten Schritte
2,3 mg am 11 .Februar 2019
2 mg am 20. Februar 2019
1 mg am 20. März 2019
0.5 mg am 30.April 2019
0,25 mg 3.Juni 2019
0 28. Juni 2019
seit dem immer wieder mit Absetzsynthome
Sehprobleme bei Stress oder Anstrengung
Muskeln zucken nur noch ganz leicht
Erschöpftung
Denken ist Stress
Antriebslosigkeit ab und an
Tinnitus
Früh geht gar nix
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Luisa52
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Luisa52 »

Liebe Langzeitbetroffene
Nach langsamster Reduktion und heute ein Jahr nach Null 🎊 geht es mir nach der letzten Welle im Frühjahr (Medikamente und OP triggerten mich) anhaltend 😊 gut, kein Vergleich zu den beschwerlichen Jahren davor.
Die psychischen Symptome sind fast verschwunden und jene, die ab und zu auftreten, gleichen normalen Stimmungsschwankungen und sind zu ertragen.

Nicht die Hoffnung auf Heilung aufgeben, immer wieder weiter machen ..... der Weg aus dem Entzug lohnt sich, auch wenn er steinig ist und lange dauert, .....bis endlich Heilung sich spürbar einstellt.
Ich wünsche euch alles Gute ..... und ich lasse den Entzug los.
Luisa
Vorgeschichte:

2015 Ängste, Depression hervorgerufen durch die Einnahme von Tavor (1x /d für 5 Tage) wegen Flugangst und Herzbeschwerden. Amitriptilin kurzfristig 25 mg, dann rasch in 4 Monaten vorsichtig problemlos abgesetzt
01/2016 burn-out erneute Einnahme kurzfristig Amitriptilin, ohne Erfolg
02/16 Doxepin Trp. Zügig abgesetzt wegen Nebenwirkungen
03/16 Zusammenbruch Aufnahme in Psychiatrie für 5 Wo. Escitalopram 10 mg für 3 Wo.heftigste Nebenwirkungen tägl. Suizidgedanken, wenn Wirkspiegel offenbar max. hatte. Dann auf meinen Wunsch abgesetzt
04/16 Venlafaxin 37.5 mg Retard Suizidalität gebessert
05/16 - 07/16 ambulant bis 3x 37.5 mg aufdosiert, schnell wieder auf 2x 37.5 mg da Nebenwirkungen wie Unruhe, Rastlosigkeit, Gedankenkreisen, Schlaflosigkeit, Zwangsgedanken, Gefühl unter Drogen zu sein, kam einfach nicht runter.
07-12/16 von 2x auf 1x 37.5 mg reduziert, in langsamen Schritten Kü. rausgenommen.
Reduktion zeigte immer Absetzsymptome, von 3x37.5 mg auf 1x37.5 mg aber gut geschafft.
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Bittchen
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Bittchen »

Liebe Luisa,

ich danke dir sehr, für deine so viel Hoffnung machenden Worte in diesem Thread.

Erst heute habe ich Einiges in deinem sehr informativen Thread gelesen.
Dabei sehe ich Parallelen zu meinem heutigen Leben.
Den Entzug zu überstehen, das als positive Weg, hin zu einem besseren Leben zu sehen, das ist die richtige Einstellung.
Es ist immer wieder anders, der Zeitraum und der Heftigkeit der Symptome sind auch unterschiedlich.
Was zählt ist, dass wir alle heilen.
Je jünger der Entzug angegangen wird umso besser.
Nicht immer stimmt der moderne Ausspruch "Alles ist gut", denn das ist ja nicht das Ziel.
Aber klar und ohne PP weiter machen zu dürfen, das ist ein sehr positives Gefühl, egal in welchem Alter wir sind.
Weiterhin alles Gute.
Liebe Grüße
Brigitte
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Vorgeschichte:
Als junge Frau hatte ich schon zwei Suizidversuche,18 u.24.Jahre,1968 verbunden mit schmerzhaften Trennungen.

1986 nach der Geburt von der dritten Tochter das erste Mal Diagnose durch Frauenarzt ,Depression.


Medikationsverlauf:


Seit Feb.1992 trockene Alkoholikerin.Halbes Jahr später depressive Phase. Hausarzt spritzt alle 4 Wochen Imap.


1994 erneut starke depressive Symptome,jüngste Tochter hatte bald Kommunion,ich wollte funktionieren.
Hausarzt verschreibt das 1.Mal Aurorix(Mao-Hemmer),hat schnell gewirkt.
Ich hatte eine kurze Hypomanie. In den langen Jahren immer Mal wieder,jetzt schon ein paar Jahre nicht mehr.
Eingenommen bis 2004,dann keine Wirkung mehr.

2004,das erste Mal Akut-Psychiatrie, umgestellt worden auf Trevilor(Venla),immer wenn Wirkung nach ließ, erhöht worden,bis 300 mg.


Dann Inkontinenz und weitere Nebenwirkungen,zu schnell ausgeschlichen.
Umgestellt auf Escitalopram,zwischendurch Citralopram,
Nach ein paar Jahren wieder abgesetzt,immer zu schnell,i

2009 erneut schwere Episode,Hausarzt verschreibt wieder Aurorix,wirkt nicht mehr.
Auch 2009,endlich Psychotherapie,
Psychiater verschreibt Sertralin 25 mg, sehr starke Nebenwirkungen,Zittern,Unruhe,Angst,Selbstmordgedanken,so dass ich erneut,während der Psychotherapie, in die Akut- Psychiatrie muss.
Entlassung mit 50 mg Sertralin. als Nebenwirkung ,starken Durchfall.


Dann ohne Ausschleichen ,Umstellung auf Citalopram 40 mg. dann umgestellt auf 20 mg Es-Citalopram,

Absetzversuche scheitern immer wieder,da erneutes Auftreten der Krankheit diagnostiziert wird.

Absetzverlauf:
Anfang 2017 : Vom neuen Hausarzt ließ ich mir dann Tropfen verschreiben und reduzierte jede Woche einen Tropfen.
Seit Mai 2017 ohne Ad.

3.12.2017 Versuch der Wiedereindosierung von 0,5 mg Escitalopram - starker Durchfall, wieder weggelassen


Seit Ewigkeiten 125 mg L-Thyroxin gegen Unterfunktion der SD.

aktuelle Symptome
Jetzt bin ich in eine, angeblich leichte, Überfunktion geraten.
Symptome sind starke Schlafstörungen,Gereiztheit,Wut ,innere Unruhe und Beben,Kribbeln in Füßen und Waden,schwitzen,sehr trockener Mund,immer Durst.
Plaque in Halsschlagader ,vorgestern beim Endokrinologen fest gestellt,auch Polyneuropathie ,wird in beiden Beinen vermutet.

Erst einmal will ich versuchen ohne erneutes PP auszukommen.
Kein PP hat mich stabilisiert ,eigentlich hatte ich immer nur Nebenwirkungen,wie Inkontinenz und Schleimhautbluten erneut auftraten,beschloss ich auszuschleichen.
Auch Sehstörungen,Magengeschwüre,mit Teerstuhl hatte ich in den letzten drei Jahren .
Wachstum
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Wachstum »

Hi,

ich reihe mich hier nun auch einmal ein in die Gruppe der Langzeitabsetzdyndrom-Betroffenen.
Vor etwa 2 Jahren hatte ich in meinem Thread ( viewtopic.php?t=15478 ) berichtet, dass ich den Eindruck hatte, den Entzug weitgehend überstanden zu haben. Das war 12 Wochen nach 0 mg, im August 2019 hatte ich Doxepin final abgesetzt. Leider war das nur der Anfang einer bis heute andauernden Leidensgeschichte. Die anfangs noch vorhandene Hoffnung, das ganze wäre in einigen Wochen/Monaten durchgestanden, verflüchtigte sich mit den Monaten mehr und mehr.

Bis heute leide ich unter einer quasi „Dauer-Welle“ mit seltenen Unterbrechungen, meist nur wenige Stunden oder mal einen ganzen Tag. Dabei sind alle Variationen drin, mal geht es mir morgens sehr schlimm und es wird dann im Laufe des Tages besser, manchmal geht es mir morgens gut und es wird im Laufe des Tages schlechter, die Symptome wechseln sich ab, mal sind die körperlichen Symptome im Vordergrund, manchmal die Psychischen/Neurologischen. Manchmal ist meine Stimmung den ganzen Tag so schlecht, dass ich nur noch weinen kann, und ich fühle mich schwer depressiv, am nächsten Tag ist davon manchmal nichts mehr vorhanden, ich fühle mich gut und nutze die Fenster, um irgendetwas zu erledigen. Manchmal stehen eher Ängste im Vordergrund. Inzwischen ist das Ganze nur noch ein schwer zu differenzierender Brei aus gestörten Empfindungen, mein Eindruck ist, dass die Schädigung des Nervensystems sich chronifiziert hat und eher schlimmer als besser geworden ist. Ich kann es kaum noch als „Absetzsymptome“ wahrnehmen, eher als ein tiefgreifend und nachhaltig geschädigtes Nervensystem, was diverse groteske Symptome umfasst, die alle Bereiche des Menschseins umfasst und mit Worten kaum zu beschreiben sind.

Was habe ich konkret für Symptome? Nun, Worte reichen dafür kaum aus, es ist wie gefoltert und gequält werden, wie eine andauernde Vergewaltigung meines Nervensystems, als würden alle meine Nerven wie blank liegen, wie Kabel ohne Isolierung, sterben kann kaum schlimmer sein:

- Brainzaps, meist morgens beim Aufwachen für ca- 1 Minute. Wenn ich beim Aufwachen Brainzaps habe, kann ich davon ausgehen, dass der Tag übel wird.
- Brainfog, Gefühl wie Watte im Kopf, Benommenheit, Mattheit, Stumpfheit, auch körperlich, Gefühl wie nach einem Saunagang oder hohes Fieber, Derealisierung/Depersonalisierung, absolutes Erschlagen sein, Bewegung kaum noch möglich, teilweise kann ich keinem Satz mehr folgen, schwere kognitive Einschränkungen, in schweren Wellen manchmal Blackouts bzw. umfassende Erinnerungslücken, Verwirrung, „weggetreten“ sein.
- Dann auch das Gegenteil: Aufgekratzheit, sich Aufgeputscht und berauscht fühlen, Ruhelosigkeit, Rastlosigkeit, wie ein „Rush“ (eher angenehm).
- Überempfindlichkeit auf alles, was das Nervensystem reizt, inklusive Stress, Gefühl eines hochgradig gereizten Nervensystems.
- Neuroemotionen, Angst, Wut, Ungeduld, Trauer, Schuld, Scham, die völlig grundlos kommen und sich willkürlich abwechseln.
- Gefühl von absoluten Unwohlsein im Körper, als ob alles in mir „falsch“ ist, Vibrieren aller Zellen, als würden sie „falsch schwingen“, Gefühl von völliger Überforderung und Reizüberflutung, Licht- und Geräuschempfindlichkeit bis hin zur Unerträglichkeit.
- Schlaflosigkeit, bizarres Träumen, gefühlt die ganze Nacht.
- Manchmal Morgentief, Gefühl als würde die Welt untergehen, bessert sich oft innerhalb von 1-2 Stunden, bis es dann ab frühen Nachmittag wieder schlechter wird.
- Unterschiedlichste Körpersymptome, Schmerzen überall, Verspannungen, Blockaden, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Hautprobleme, entzündete, gereizte Augen/Augenlieder, Druckgefühl im Kopf, Kribbeln von Körperteilen, Gänsehaut, „Haare stehen zu Berge“, Schwankschwindel usw.

Das war jetzt nur ein Auszug aus den schwer zu beschreibenden Zuständen, ihr kennt sie ja selbst. Wenn man mich fragt, was ich für Absetzsymptome habe, fällt es mir schwer, diese konkret zu benennen, weil es eher ein Insgesamtzustand ist, der sich ständig grotesk verändert. Ich kenne mich quasi gar nicht mehr „normal“.Trotz dieser ganzen Symptome habe ich (nach dem ich 2018 einen schweren Zusammenbruch durch Retraumatisierung erlebt habe, ich leide an einer komplexen PTBS seit 2010, und dann in eine weit entfernte Stadt zu meiner Partnerin gezogen bin und ein neues Leben angefangen habe) die ganze Zeit über gearbeitet, beginnend ca. 4 Wochen nach dem finalen Absetzen des Doxepins, in einem für mich neuen Arbeitsfeld. Das war anfangs herausforderund und schwer, tat mir doch aber im Großen und Ganzen gut und hat mir Unabgängigkeit und Autonomie ermöglicht. Mein befristeter Vertrag lief dann dieses Jahr im August aus und ich hatte einen neuen Job. Leider musste ich ihn nach 4 Wochen beenden, weil ich durch den Stress der neuen (größeren) Verantwortung so getriggert wurde, dass ich in eine sehr heftige Welle geriet, in der ich bis heute bin. Da ich in den vergangenen 2 Jahren nicht „geheilt“ bin, habe ich entschieden, den Stressfaktor Arbeit nun auszumerzen und erstmal nicht zu arbeiten.

Was habe ich noch gemacht/gelassen?

- Traumatherapie, Arbeit mit inneren Anteilen/Egostates
- Immer wieder Phasen von täglicher Meditation
- Seit einiger Zeit Joggen, bin mir aber nicht sicher, ob das triggert
- Täglich hohe Dosen Omega 3 Fettsäuren
- CBD in niedrigen bis sehr hohen Dosen (30-300 mg / Tag)
- Atemübungen („4-17-11 Atmung“, sehr effektiv um das Nervensystem zu beruhigen)
- „Klangtherapie“, verschiedene Klangschalen auf den Körper stellen und spielen, eine Art Skill, beruhigt ebenfalls das Nervensystem sehr.
- Alle Arten von Entspannungsübungen und geführten Meditationen
- Seit Mai 2021 trinke ich keinen Alkohol mehr, leider habe ich in den ersten 1,5 Jahren des Absetzsyndroms immer wieder Alkohol getrunken, weil der Leidensdruck so groß war und Alkohol gegen die Symptome half, sie aber 2 Tage später mit voller Wucht verstärkt zurückkamen. Ich habe dann immer mal wieder Phasen von einigen Wochen gehabt, in denen ich nichts getrunken habe, die Symptome wurden aber nicht besser, so dass ich irgendwann frustriert war und wieder was getrunken habe („So hatte ich wenigstens ab und zu mal Spaß“). Wahrscheinlich hat der Alkohol meinen Absetzsyndrom-Verlauf bzw. die Heilung massiv gestört.
- Seit 2 Jahren nehme ich hin und wieder Alprazolam, ich weiß, dass Benzos hier sehr kritisch gesehen werden, ich sehe sie auch selbst sehr kritisch, jedoch verhelfen mir 1 mg stets zu 2 Tagen Symptomreduktion, was ich manchmal brauche, wenn ich am Verzweifeln bin. Ich kann mit Benzos ganz gut umgehen denke ich, ich bin in den 2 Jahren nicht abhängig geworden und nehme sie nur in Abständen, die eine Abhängigkeitsentwicklung ausschließen. Da ich aber nicht weiß, ob sie den Heilungsprozess stören und ich langsam keine Ahnung mehr habe, was ich noch machen/lassen soll, werde ich sie wohl auch bald weglassen.
- Medizinisches Cannabis: mein Psychiater verschreibt mit THC-haltiges Indica-Cannabis, welches wenig bis gar nicht psychoaktiv/“psychedelisch“ wirkt, sondern beruhigend/sedierend. Ich nehme abends davon sehr geringe Mengen, seitdem kann ich wieder schlafen und es geht mir psychisch insgesamt besser. Ob das den Heilungsprozess stört, weiß ich nicht, ich habe nicht den Eindruck.

Mehr fällt mir gerade nicht ein. Wenn jemand noch Tipps hat, was ich noch machen/lassen könnte, würde ich mich sehr freuen. Ansonsten kann ich mir kaum noch vorstellen, dass dieser Cocktail an Symptomen wieder restlos verheilt, an diesem Gedanken verzweifle ich zuneghmend. Zwar weiß ich, dass angeblich „jeder heilt“ und es nur eine Frage der Zeit sein soll, aber es fühlt sich nicht danach an und wird auch nicht besser. Wenn ich dann mal (selten) einen Tag oder ein paar Stunden gar keine Symptome habe, bekomme ich wieder einen Eindruck, dass ein symptomfreies Nervensystem bei mir grundsätzlich noch möglich ist… bis wieder alles in sich zusammen bricht. Dann frage ich mich: wie soll man sicher sein, dass das wirklich reversibel ist? PSSD ist ja bei manchen auch irreversibel, warum sollten die ganzen anderen Symptome, die sich nach einer dermaßen heftigen Schädigung des Gehirns/Nervensystems anfühlen, reversibel sein? Klar, Neuroplastizität usw… aber wenn sich einfach keine Besserung einstellen will? Mir kommen immer mehr Zweifel daran, ob das alles restlos wieder verschwindet, ich kann es mir fast nicht vorstellen und glaube inzwischen eher, dass mindestens eine große Hypersensitivität bleiben wird, falls die Symptome mal ausheilen. Dann gibt’s aber auch immer mal wieder Fälle, wo Menschen nach mehreren Jahren über sehr plötzliche, drastische Verbesserungen berichten.
Ich weiß nicht, wie man so dauerhaft leben soll.
Diagnose: komplexe posttraumatische Belastungsstörung

Ausbruch der psychischen Erkrankung erstmals 8/2010, damals diagnostiziert als Panikstörung, Agoraphobie, rezidivierende Depression

3/2012 Einnahmebeginn Mirtazapin, Aufdosierung bis auf 45 mg
5/2014 Einnahmebeginn zusätzlich Sertralin, Aufdosierung bis auf 200 mg
3/2015 Überlappend Sertralin 200 mg raus, Escitalopram 20 mg rein innerhalb von ca. 6 Wochen
10/2015 bis 11/2016 Ausschleichen von zunächst Mirtazapin, dann Escitalopram

11/2016 bis 6/2018 Psychopharmakafrei

6/2018 Aufgrund schwester Krise durch Retraumatisierung Einnahmebeginn Doxepin 30 mg
1/2019 bis 2/2019 Reduktion Doxepin von 30 mg auf 20 mg in zwei Schritten
Dietrich
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Dietrich »

Hey Wachstum!
:( Das hoert sich echt net gut an. Ich teile den Eindruck mit dir das es einfach eine Schädigung ist. Krass find ich auch dass du das Gefühl hast Genussmittel hätten es verschlimmert. Geht mir ebenfalls so. Ich kann immo auch nicht mehr glauben dass alle heilen.
Ich würd gerne noch was erhebendes schreiben, was mir allerdings nicht möglich ist. Fühl dich verstanden. Vorallem auch in der Tatsache erst zu denken alles verbessert sich um dann in einen Dauerausnahmezustand zu verfallen. Sorry und Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung.
Grüße Dietrich
09/2018 Psychiatrie
DIAGNOSE 1: Somatoforme Funktionsstörung
Quetiapin 100 mg
10/2018 zuhause Versuch Prozac 20 mg
2 Wochen
Beginn zusätzlicher Symptome PSSD
11/2018 Experimente mit NEM auch Joha, nochmal
kurz Quetiapin, dann medifrei

05/2019 Privatklinik für Somatoforme
Funktionsstörung
DIAGNOSE 2: Somatizierung mit Wahnanteilen und
Depression
2.5 mg Abilify 5 Monate wegen
Angst- und Panikattacken , heute weiß
ich; dies war immer noch Prozacentzug

10/2019 Absetzen von Abilify mit totalen Crash
Pssd, DP/DR, Anhedonie, Aphaty,
Herzprobleme, Schlaflosigkeit, Durchfall

12/2019- 03/2020
Uniklinik Mainz/Psychiatrie wegen
Suizidgedanken
Versuche mit Moclo 600 mg,
Lithium 1125 mg, Ketamin 8 Injektionen

DIAGNOSE 3: Schwere Depressionen mit
psychotischen Anteilen

Spätestens jetzt war klar, dass längst nicht mehr meine Grunderkrankung das Problem war; sondern die Medis

seit 04/2020 PP-frei
06/2020 Versuch mit B3 doof gelaufen
07/2020 Verzicht auf weitere NEM-Versuche. Heilung kommt hoffentlich auf natürlichem Weg. Zwischendurch immer mal wieder Fenster und Hoffnung. Seit 11/2020 pensioniert :(

12/2020 nachdem ich 4 Wochen nochmal geraucht hab kompletter Setback mit Symptomverschlimmerung
= absolute Hölle

04/2021 langsame Erholung vom Crash
Wachstum
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Registriert: 06.07.2018 22:37
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Wachstum »

Danke für deine Nachricht!
Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber diese Unwissenheit macht mich fertig. Ich würde inzwischen jede Dauer in Kauf nehmen, wenn ich wüsste: nach Zeitpunkt X ist es vorbei. Lieber mit diesem Wissen noch 5 Jahre leiden als nicht zu wissen, ob das überhaupt noch mal vollständig ausheilt.
Wie geht ihr mit dieser Unwissenheit und dem Kontrollverlust um?
Diagnose: komplexe posttraumatische Belastungsstörung

Ausbruch der psychischen Erkrankung erstmals 8/2010, damals diagnostiziert als Panikstörung, Agoraphobie, rezidivierende Depression

3/2012 Einnahmebeginn Mirtazapin, Aufdosierung bis auf 45 mg
5/2014 Einnahmebeginn zusätzlich Sertralin, Aufdosierung bis auf 200 mg
3/2015 Überlappend Sertralin 200 mg raus, Escitalopram 20 mg rein innerhalb von ca. 6 Wochen
10/2015 bis 11/2016 Ausschleichen von zunächst Mirtazapin, dann Escitalopram

11/2016 bis 6/2018 Psychopharmakafrei

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Foxly
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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Beitrag von Foxly »

Hallo Wachstum, hallo Dirk,
Vorallem auch in der Tatsache erst zu denken alles verbessert sich um dann in einen Dauerausnahmezustand zu verfallen.
Ja, Dirk, ganz genauso geht es mir über zwei Jahre nach null auch. Es fordert wirklich alles an Hoffnung und Zuversicht aus allen Ecken. Mitunter unmöglich......
Aber diese Unwissenheit macht mich fertig. Ich würde inzwischen jede Dauer in Kauf nehmen, wenn ich wüsste: nach Zeitpunkt X ist es vorbei.
Auch das, Wachstum, kann ich nachvollziehen, teile ich mit Dir.

Ich habe übrigens die ganze Zeit des Entzugs und nach null weder Alkohol getrunken noch geraucht (eine Ausnahme, von der ich hier iwo geschrieben hatte) noch sonstige iwie psychoaktive Substanzen konsumiert. Und doch geht es mir genauso besch.... :censored: wie Euch.

Alle Durchhalteparolen und gut gemeinten Ratschläge laufen iwann komplett ins Leere. Allein Verständnis und Mitgefühl und das Teilen gemeinsamer Hoffnung, iwann doch noch zu den "GewinnerInnen" zu gehören, bauen manchmal wieder für einen Moment auf.

Deshalb schreibe ich Euch das hier.

Alles Liebe
Gabs
„Wäre mein Leben ein Film, hätte ich das Kino schon verlassen“
(Aus „Sag den Wölfen ich bin zuhause“ von Carol Rifka Brunt)
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