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Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 18.09.2020 20:18
von Itrysohard
Hallo ihr lieben <3,

ich finde es so stark von euch, dass ihr euch nicht unterkriegen lasst. Eure alleinige Präsenz und den Kampf den ihr tagtäglich gewinnt gibt mir so unendlich viel Kraft!

Ich heiße Noah und bin 21Jahre alt, ich habe nun eine 2 1/2 Jährige "Antidepressiva" Geschichte hinter mir, sie hält bis heute noch an aber in sehr abgemilderter Art und weiße.

Ich kann euch gar nicht sagen wie viel kraft ihr mir gerade in diesem Moment gebt, ich bin von Zuhause weggezogen und habe eine Ausbildung zum Fachinformatiker begonnen, was mir sehr gut gefällt aber mit dem Strattera wurde ich von meiner Mutter komplett alleine gelassen, Sie hat es mir als Kind verschrieben ohne zu wissen, was das eigentlich für ein Medikament ist.

Ich weiß auch gar nicht wo ich anfangen soll endlich Menschen mit denen ich mich austauschen kann. Also ich weiß nicht, ich glaube es wäre am besten wenn ich meine Geschichte jetzt nicht nochmal wiederhole, die steht glaub ich normalerweise in der Info drinnen.

Bei mir ist es ich, dachte und denke immer noch zum Teil das die Symptome für immer bleiben aber mittlerweile bin ich mir sicher das es nur extrem lange dauert, ich muss ehrlich sagen es ist ein Shock für mich gewesen als mir das passiert ist und ich realisiert habe was das Medikament (temporär) hoffentlich temporär aus mir gemacht hat.

Ich werde öfters schreiben ich bin nur so unendlich glücklich Menschen gefunden zu haben die genau wissen von was ich rede.

Einen erträglichen Abend allen und glaubt mir wir sind so unendlich viel stärker als wir oft meinen

Ich herz euch alle <3 <3 <3

Mit liebevollen Grüßen

Noah

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 19.09.2020 09:22
von Bittchen
Lieber Noah,

schön hier von dir hier zu lesen.
Auch für mich ist es sehr erschreckend wie mit Kindern verfahren wird und weiter PP verschrieben werden.
Aber wir Mütter wollen nur das Beste für unsere Kinder ,wenn sich das dann als falsch heraus stellt, ist das oft nicht einfach zu verarbeiten.
Auch ich habe bei meiner jüngsten Tochter diese Erfahrung machen müssen.
Aber heute könnte auch sie eine Erfolgsstory hier schreiben, wir, meine Familie und ich ,sind sehr stolz auf sie.
Da glaube ich nicht an böse Absicht bei den Psychiatern, denn das darf ich nicht zu Ende denken.
Aber heute sind Ärzte sehr viel besser informiert und gerade bei Kinder auch vorsichtiger.
Sie müssen allerdings auch gut informiert sein wollen und das unabhängig von der Pharmaindustrie.

Bei dir fällt mir nur noch das Wort Respekt !!! ein, vor dem was du so hin bekommst.
Es würde mich freuen wieder von dir wieder lesen zu dürfen.
Alles Gute für dich und weiterhin viel Erfolg auf deinem eingeschlagenen Weg.

Liebe Grüße
Brigitte

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 23.09.2020 17:54
von Foxly
Hallo an alle,

habe in meiner aktuellen Verzweiflung hier bei den Langzeitbetroffenen gelesen und das hat mir wieder Mut gemacht, iwie (wie weiß ich noch nicht so recht) durchzuhalten!

Es macht mich traurig, zu sehen, wie viele tolle Menschen sich mit diesem Irrsinn so lange rumschlagen müssen; aber auch stolz, Teil Eurer tollen community sein zu dürfen (und das geht leider nur mit der doofen und unnötigen Erfahrung, die wir hier alle machen müssen)

Schön, dass es Euch gibt
Gabs

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 28.09.2020 07:38
von Itrysohard
Hallo liebe Coummunity,

vor einer Woche ist etwas sehr positives passiert, ich saß in der Arbeit und aufeinmal hat es sich angefühlt als hätte sich ein kognitiver Korken gelöst, es ist schwer zu beschreiben.

Es ist wie als wäre seit 2 Jahren eine schwarze unüberwindbare Decke auf meinem Geist die alles blockiert und schlecht macht, die mich leiden lässt und die mir die Buntheit im leben genommen hat.

Diese Decke ist vor einer Woche zum teil aufgebrochen es war wie ein Zoomen mit der Kamera auf einmal war ich wieder "mehr da, mehr ich".

Dieses Erfolgserlebnis wollte ich gerne mit euch teilen, allen eine einigermaßen erträgliche Woche.

Herz euch alle

Mit liebevollen Grüßen

Noah

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 28.09.2020 09:41
von Straycat
Hallo Itrysohard,

das klingt wirklich sehr sehr schön :) Ich freue mich für dich!
Auch ich hatte mal so ein Erlebnis (nicht ganz so plötzlich, wie du, aber auch relativ zügig). Das war nach mehreren Monaten nach den schlimmen protrahierten Entzugserlebnissen in 2017 - auf einmal schien sich da auch eine wirklich massive dunkle Wolkendecke zu lichten. Ein schönes Gefühl :)

Ich hoffe, es geht bei dir weiter bergauf - meine Daumen sind fest gedrückt!!

Alles Liebe,
Cat

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 28.09.2020 10:20
von Bittchen
Lieber Noah,

es freut mich sehr für dich und es ist ja nicht selten, dass sich innerhalb von Sekunden der Nebel lichtet.
Sehr wünsche ich dir ,dass es für immer so bleibt und du unbeschwert dein Leben genießen kannst.

Liebe Grüße
Brigitte

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 29.09.2020 12:05
von Foxly
Lieber Noah,

auch ich freue mich über Deinen Fortschritt und darüber, dass Du diesen mit uns teilst! Das macht Mut!

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass dieser Zustand anhält, das tiefste Tal durchschritten ist!

Alles Liebe
Gabs

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 30.09.2020 08:53
von Dietrich
Hallo langzeitbetroffene!
Wenn ich diesen thread so überfliege frag ich mich was aus den betroffenen vom anfang geworden ist?! Ich meine wenn es stimmt dass alles irgendwann besser wird Muessten diese doch irgendwann ihre erfolgsgeschichte veröffentlicht haben?
Grüße dirk

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 30.09.2020 10:19
von Bittchen
Lieber Dietrich,

Erfolgsgeschichten gibt es reichlich, auch ich habe schon mal sehr früh geschrieben, dass es mir sehr viel besser ging.
Das war ein Fenster und ich konnte mich damals eine Zeit erholen.
Das war so nach einem Jahr nach null,glaube ich, das ist aber bei jedem auch anders.
Dann kam erneut eine Welle, das gehört ja zum Ausstieg oft dazu.
Wir sind ja durch die Einnahme der PP nicht geheilt.
Das heißt nicht dass die Grunderkrankung wieder zurück ist, aber es fühlt sich leider so an,
solange sich unser ZNS nicht ganz regeneriert hat.
Das nutzen die Ärzte ja oft aus, um uns immer wieder PPs zu verschreiben.
Sie wissen es oft auch nicht besser, es ist ja von der Pharmaindustrie so gewollt.
Ich unterstelle da nicht nur böse Absicht.
Bei mir war das so, geholfen hat mir das auf Dauer nicht.
Im Gegenteil, heute weiß ich, dass ich erst durch die PP in diese Misere geraten bin.
Bei mir wurde die Diagnose Rezidivierende Depressionen gestellt, die sich dann chronifiziert hatten.

Jetzt über drei Jahre nach null, geht es mir erheblich besser, wie mit PP .
Das ist für mich eine sehr starke Erfolgsgeschichte nach meiner Meinung und mehr wie ich je zu hoffen gewagt hätte nach über 30 Jahren PP.
Trotzdem bleibt die Angst vor einem Rückschlag, wenn ich mich überfordere und zuviel Stress ausgesetzt bin.
Dann habe ich auch wieder Einbrüche.
Die ich aber auch ohne PP, mit Ruhe und Geduld zu bewältigen weiß.
Das wünsche ich dir auch.

Liebe Grüße
Brigitte

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 30.09.2020 10:44
von Dietrich
Hi Brigitte!
Erst mal danke fuer deine Antwort. Ich hab diese Diskussion schon öfter geführt und die Leute erzählen mir etwas von meiner grunderkrankung.
Ich glaub daran nicht. Klar hatte ich auch vorher mal. Phasen in meinem Leben in denen ich depersonaliziert war und dies ganz ohne PP. Aber ich war nie so kaputt und aphatisch wie jetzt.
Im Endeffekt hab ich mich nach 40 Jahren Lebenszeit auf diese Medikamente eingelassen. Auch weil meine beiden Brüder mir erzählt haben wie gut der sch.... Ihnen hilft. Mich hat es zerstört. Ein Jahr mit 7 Präparaten und mein Leben is im Eimer. Das psychiatriesystem ist das aller letzte. Ich hab einfach eine Menge Wut in mir. Seit 5 Monaten nehme ich nix. Ja ich weiß, noch garnicht Langzeit. Aber ich hab im Sept. 2018 damit angefangen und direkt Nebenwirkungen ausgebildet.
Ich bins eben einfach leid. Kein Bock mehr auf die stories. Ich kann alle die Worte nicht mehr hoeren:
Entzug, depression, grunderkrankung, downstream, epigenetic change, Pssd, ssri, Psychiater, zns, Panik und aengste, psyche, Therapie, Achtsamkeit, rezeptoren, absetzsymptom, Synapsen, Serotonin, Dopamin........
Und die tausend anderen. Ich hab 40 Jahre ohne das gelebt und gearbeitet, Familie gegründet etc. So im Eimer wie jetzt war ich noch nie. Noch nicht mal mit den Straßendrogen in meiner Jugend.
Naja, sorry fuer den pessismus aber hier sind ja auch jeden tag menschen denen es ewig nicht besser geht. Hatte eben wieder ein schluesselerlebnis gestern nachmittag was mir gezeigt hat wie zombie haft ich immer noch bin.
Grüße und alles Gute dirk

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 02.10.2020 16:51
von Bittchen
Lieber Dietrich,

ja, "zombihaft" ? habe ich mich auch gefühlt,guter Vergleich, das erste Jahr nach dem Entzug, auch bin schon über ein viertel Jahrhundert älter wie du.
Das Thema hat mich also noch länger begleitet, da bin ich nicht stolz drauf ,weil ich noch länger auf das falsche Pferd gesetzt habe wie du.
Deine Wut verstehe ich, die hatte ich auch.
Aber auch du kannst das jetzt irgendwie aushalten, wenn du das willst und schauen wie es dir weiterhin geht.
Straßendrogen in deiner Jugend ?
Da hast du ,nach meinem Eindruck, deine Gefühle schon damals nicht aushalten können, ohne dich zu betäuben.
Was ist damals schon falsch gelaufen, auch weil du von deinen Brüdern schreibst ?
Darüber würde ich zuerst nachdenken.
Deine Probleme kann ich leider nicht beurteilen, du aber auch nicht, solange du nicht weißt wie du dich ohne PP fühlst.
Das kannst du erst mit der Zeit, wenn sich dein Körper und deine Seele regeneriert haben.

Weiterhin alles Gute für dich und liebe Grüße
Brigitte

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 03.10.2020 09:00
von Dietrich
Hallo Brigitte!
Ja du hast recht. Hab mich ordentlich sediert eine gewisse Zeit in meinem Leben. Zwischendurch natürlich auch Party gemacht. Das is 20 Jahre her und mir ging zwischendurch ganz gut.
Jetzt fühlt es sich so an als wären die PP der finale streich gewesen. Wie gesagt illegale Drogen haben mich nie so zerstört hinterlassen. Ich werd natürlich weiterleben und hoffen das ich wieder einigermaßen normal werde.
Dir auch weiterhin alles gute

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 17.02.2021 14:45
von ReneB

Re: Thread für Langzeitbetroffene - Hoffnung und Unterstützung

Verfasst: 20.02.2021 22:32
von Foxly
Hallo ReneB,

danke für den link. Ich hoffe sehr, dass zeitnah weitere Studien folgen werden und somit die Grundlage für die Anerkennung dieses fürchterlichen Leidens geschaffen wird. Es sind mittlerweile einfach zu VIELE betroffen, als dass man es noch länger ignorieren oder gar leugnen kann.

Alles Liebe (auch für Deine Mum)
Gabs