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SSRI-induzierte Gleichgültigkeit / "emotionale Nebenwirkungen" wie Gefühlsverflachung

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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SSRI-induzierte Gleichgültigkeit / "emotionale Nebenwirkungen" wie Gefühlsverflachung

Beitrag von Murmeline » Freitag, 26.02.16, 21:56

Original:
SSRI-INDUCED INDIFFERENCE
by Randy A. Sansone, MD, and Lori A. Sansone, MD
Psychiatry (Edgemont) 2010;7(10):14–18
Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/article ... _10_14.pdf

Übersetzung Murmeline

Zusammenfassung
In der bestehenden Literatur werden selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) gelegentlich im Zusammenhang mit den beiden Verhaltensweisen Apathie (Zustand der Abwesenheit von Emotionen und Interessen, der Gleichgültigkeit bzw. Teilnahmslosigkeit) und emotionaler Abstumpfung gebracht.

Während diese beiden Zustände häufig als separate Einheiten beschrieben werden, sind jedoch beide Syndrome gekennzeichnet durch Gleichgültigkeit und können daher werden unter dem Begriff "SSRI-induzierte Gleichgültigkeit" gefasst werden. Es ist wenig bekannt über die Epidemiologie (Verbreitung und dem Verlauf von Krankheiten und deren verursachenden Faktoren) oder Ätiologie (Ursache von Erkrankungen und ihren auslösenden Faktoren) und es wurden nur wenige empirische Untersuchungen durchgeführt.

Dieses Syndrom kann durch Kliniker und Patienten zu selten erkannt werden (mangelnde Einsicht, vor allem bei Kindern und Jugendliche), und wird durch einen schleichenden Beginn, Dosisabhängigkeit (d.h. höhere Dosen führen eher zu den Symptomen) und einer vollständigen Rückbildung der Symptome nach dem Absetzen des SSRI gekennzeichnet.

Aus dem Inhalt:

Nach einer Studie von Bolling und Kohlenberg berichteten ungefähr 20 Prozent von 161 Patienten, die SSRI einnahmen, von Apathie und 16,1 Prozent beschrieben einen Verlust von Ambition.

nach einer Studie von Fava mit US-amerikanischen und italienischen Teilnhemern, berichteten fast 1/3 unter Behandlung mit Antidepressiva von Apathie, davon 7,7 % von mittleren bis starken Beeinträchtigungen und 40 % von Motivationsverlust, davon 12 % von von mittleren bis starken Beeinträchtigungen.
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insanity
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Re: SSRI-indizierte Gleichgültigkeit

Beitrag von insanity » Freitag, 04.03.16, 18:10

Schön dass es dazu eine Studie gibt.
Hab darunter sehr gelitten. :(
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Diagnose: Depressionen, aktuell keine Symptomatik (Juli 2017)
Fluoxetin
Mär'14-Jul'14: 20-40 mg anfangs starke Übelkeit
bei jeder Erhöhung vermehrt Suizidgedanken, die nach einigen Tagen weg waren; im Verlauf zwar Besserung, die Ende Mai in schwerste Depressionen umschlugen
Venlafaxin (retard)
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14.12. 37,5 mg erzwungene Aufdosierung durch Klinik. Kügelchenmethode sei nicht praktikabel. Dazu einige Tage unretadiert. Schwindel, Kopfschmerzen
08.04.2017 25 mg leichte Antriebslosigkeit, sonst keine Symptome die direkt darauf zurückzuführen wären
Promethazin, Dipiperon, Seroquel
jeweils 10-20 mg (Seroquel 25-50mg) keine oder zu viel Wirkung
Trimipramin
Dez '14-Anfang 2016: 10-40 mg
Feb '15-heute
Pille: Maxim (Valette)
0,03 mg Ethinylestradiol; 2 mg Dienogest
Jul'15-heute keine Probleme

immer wieder Probleme mit niedrigen HB/Eisenspeicher, gut behandelbar mit Eisentabletten.

Jeanette
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Re: SSRI-indizierte Gleichgültigkeit

Beitrag von Jeanette » Sonntag, 06.03.16, 15:54

Sehr interessant, und vielen Dank für den Artikel.
Es "beruhig" mich schon fast, dass ich es mir nicht einbilde, und es diese Problematik bei der Einnahme gibt.
Auch ich leide sehr darunter, und habe mein AD aus dem Grund radikal abgesetzt. Obwohl es mir gut geholfen hat, aber ich wollte keine leere Hülle mehr sein, und nehme lieber ab und an meine "seelischen Schmerzen" in Kauf.

Schade, dass noch nicht alle Ärzte davon wissen. Meiner zumindest kannte meine Problematik gar nicht, was den Verlust von Gefühlen anbelangt.
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Diagnose: depressive Verstimmungen, aber nicht durchgehend. Mal schlimmer, mal weniger vorhanden. Je nachdem, was und wie viel auf mich einprasselt.

Juni 2015 - Februar 2016 = Duloxetin retardiert, 30mg.

Seit Februar 2016 kalten Entzug, weil die aufgetretene Emotionslosigkeit unerträglich geworden ist, möchte keine gefühlsose, innerlich tote Hülle mehr sein. Das "Dämpfen" war einfach zu wirkungsvoll.

Keinerlei körperlichen Absetzungssymptome,
psychische Absetzsymptome sind Ängste, Unwohlsein, Weinerlichkeit, Traurigkeit, erhöhte Aggressivität.

Nehme noch 20mg retardiert Medikinet Aduld, weil ich unter Konzentrationsschwäche leide, aber das nehme ich schon viele Jahre, mal zwischendurch, dann wieder gar nicht mehr, damit hatte ich noch nie irgend etwas.
Nehme ich eigentlich nur bei Bedarf.

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Emotional side-effects of selective serotonin reuptake inhibitors: qualitative study

Beitrag von Murmeline » Montag, 07.03.16, 6:28

Hinweis von Mitglied Wort
Weitere Studie zur emotionalen Abgestumpftheit durch SSRI: http://bjp.rcpsych.org/content/195/3/211

Emotional side-effects of selective serotonin reuptake inhibitors: qualitative study
Jonathan Price, Victoria Cole, Guy M. Goodwin
The British Journal of Psychiatry Aug 2009, 195 (3) 211-217; DOI: 10.1192/bjp.bp.108.051110

Auszüge übersetzt von Murmeline

Hintergrund
Einige Menschen, die SSRI Antidepressiva einnehmen, berichten, dass ihre Emotionen abstumpfen. Dieses Phänomen wird kaum verstanden.

Methode
Qualitative Studien, Daten wurden durch individuelle Interviews, Gruppeninterviews und Validierungsinterview gesammelt, außerdem wurden Patientenwebsiten nach relevanten Beiträgen durchsucht

Ergebnisse
Es gibt starke Beweise dass einige Menschen die SSRI einnehmen, signifikante emotionale Symptome erfahren, die sie auf das Antidepressivum zurückführen. Die emotionalen Symptome können unter sechs Schlüsselthemen beschrieben werden. Ein siebtes Thema repräsentiert den Einfluss dieser unerwünschten Arzneimittelwirkungen auf den Alltag der Betroffenen und ein achtes Thema umfasst die Gründe, warum die Betroffenen diese Symptome auf das Antidepressiva zurückführen. Die meisten Teilnehmer konnten einen Unterschied zwischen emotionalen Nebenwirkungen der Antidepressiva und emotionalen Symptomen aufgrund ihrer Depression oder psychischen Störung machen.

Schlußfolgerung
Emotionale Nebenwirkungen sind ein Phönomen, welches Teil der Gedanken von Betroffenen über ihre Medikation ist. Diese Nebenwirkungen haben einen Einfluss auf die Fähigkeit des Betroffenen zur Alltagsbewältigung und spielen eine Rolle in ihren Entscheidungen über die weitere Einnahme von Antidepressiva.


Die acht Schlüsselthemen:
1. Einfluss auf alle Emotionen:
diese seien flacher, emotionale Reaktionen auf Situationen aller Art seien verändert. Sehr häufige Beschreibungen dieses Phänomens: Gefühle seien "abgestumpf", "flach" oder vollständig "blockiert", "leer" und "flach". Emotionene werden mehr kognitiv und intellektuell empfunden, nicht mehr auf der Gefühlsebene. Einige berichten, die Emotionen fühlten sich künstlich an und

2. Reduktion positiver Emotionen:

diese seien weniger häufig und intensiv. Die Teilnehmer berichteten von der Reduktion in einer Vielzahl von positiven Emotionen, einschließlich Glück, Freude, Aufregung, Vorfreude, Leidenschaft, Liebe, Zuneigung und Begeisterung.

3. Reduktion negativer Emotionen
Es wird berichtet von weniger emotionalen Schmerzen oder Leiden; Wut, Reizbarkeit oder Aggression und Angst bzw. Sorgen. Andere negative Emotionen wie Scham, Schuld und Enttäuschung waren auch zu einem gewissen Grad erwähnt. Obwohl eine Verringerung dieser negativen Emotionen in der Regel zunächst eine Erleichterung zu einem bestimmten Zeitpunkt war für viele Teilnehmer, wurde es mit der Zeit als unerwünschte Nebenwirkung empfunden, die ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Die Teilnehmer beschrieben die Notwendigkeit, in der Lage zu sein, negative Emotionen zu fühlen, wenn es angemessen war, wie Trauer oder Sorge. Einige waren nicht in der Lage mit negativen Emotionen zu reagieren, wie zum Beispiel nicht weinen zu können, wenn dies angemessen gewesen wäre oder auf schlechte Nachrichten angemessen zu reagieren.

4. Emotionale Losgelöstheit
Die meisten Teilnehmer beschrieben ein Gefühl emotionaler Losgelöstheit oder des Abgetrenntseins. Einige Teilnehmer beschrieben sich von ihrer Umgebung gelöst, und beschrieben Gefühle wie "in der Schwebe", von "Unwirklichkeit" oder "Trennung" und das Gefühl, als ob sie ein "Zuschauer" und nicht Teilnehmer seien. Einige Teilnehmer beschrieben, sie würden nur wie ein "Zombie" oder "Roboter" funktionieren , mit reduzierten oder fehlenden emotionalen Reaktionen. Einige Teilnehmer beschrieben das Gefühl losgelöst von ihren eigenen Emotionen und Instinkten zu sein. Die meisten Teilnehmer beschrieben, dass diese emotionale Distanz zu einer Ablösung von anderen Menschen führte. Genauer gesagt, fühlte sie reduzierte Sympathie und Empathie, und fühlte sich während der sozialen Interaktionen abgelöst. Insbesondere beschrieben viele Teilnehmer eine emotionale Loslösung von ihren Freunden und Familie, einschließlich ihrer Partner oder Kinder.

5. "Mich kümmert nichts mehr"
Fast alle Teilnehmer beschrieben, dass ihnen Dinge, die ihnen früher wichtig waren, plötzlich nichts mehr bedeuteten. Sie kümmerten sich weniger um sich selbst, um andere Menschen und um die Folgen ihres Handelns.

Viele Teilnehmer beschrieben ein allgemeines Gefühl der Gleichgültigkeit. Viele Teilnehmer beschrieben sich als apathisch und unmotiviert. Einige Teilnehmer waren der Meinung, dass sich ihre sensible, sicherheitsbewusst Seite verringert hatte und sie sich einfach nicht so viel über die Konsequenzen sich ihres Verhaltens kümmerten. Als Ergebnis können sie in einer wenigerer vorsichtigen Art und Weise verhalten. Einige Teilnehmer gingen weiter, und erwähnten Gedanken an Selbstverletzung oder Selbstmord, welche sie zumindest teilweise auf Gefühle der emotionalen Distanz und emotionale Taubheit im Zusammenhang mit Antidepressiva einordneten.

6. Veränderte Persönlichkeit
Einige Teilnehmer waren der Meinung, ihre Persönlichkeit habe sich in irgendeiner Weise verändert oder sei verloren gegangen, sie fühlten sich wie eine Muschel (eine leere Hülle). In gewisser Weise waren sie nicht die Person, die sie vorher waren. Teilnehmer berichteten, dass bestimmte Aspekte ihrer Persönlichkeit, vor allem emotionale Aspekte, verändert oder verloren gegangen war, so dass sie zu einer andere Person wurden. Diese Änderungen wurden von den Teilnehmern ihren SSRI Antidepressiva zugeschrieben. Einige Teilnehmer glaubten, dass sie durch das Antidepressiva Verhalten gezeigt haben, das eigentlich nicht ihrem Charakter entsprach. Ein Teilnehmer glaubt, dass die Medikamente ihre Persönlichkeit dauerhaft verändert hatte, auch über das Absetzen hinaus.


7. Hilfreiche und nichthilfreiche Effekte auf den Alltag
Nicht Hilfreich Effekte:
Einige Teilnehmer waren besorgt, die Abstumpfung ihrer Emotionen und damit ihrer täglichen Sorgen, könne Probleme verschleiern oder zu verbergen. Es wurden Bedenken geäußert, dass dies möglicherweise verhindere, dass sie ihre eigenen emotionalen Probleme zu lösen, verhindere, dass sie sich mit anderen Problemen oder Fragen auseinandersetzen, die eigentlich ihre Aufmerksamkeit einfordern, und das dies "vertusche", wer sie wirklich waren.

»Nur nicht darum kümmern," hatte eine wenig hilfreiche Auswirkung auf die täglichen Aufgaben, es führte in finanzielle Problemen und zu Problemen bei der Arbeit oder Schule. Emotionale Ablösung von der Familie und reduzierte emotionale Ansprechbarkeit hatte eine wenig hilfreiche Auswirkungen auf das Familienleben und auf die wahrgenommene Qualität der Kindererziehung. Reduzierte Inspiration, Vorstellungskraft, Motivation und Leidenschaft für und Freude an der kreativen Aktivitäten hatte sich negativ auf einige Teilnehmer ausgewirkt. In einigen Teilnehmern hatten emotionale Nebenwirkungen zu reduzierter Kontaktfreudigkeit geführt. Emotionale Abflachung, emotionale Distanz zu anderen Menschen, und weniger Sorgen um die Bedürfnisse anderer Menschen und Gefühle hatten wenig hilfreiche Auswirkungen auf die Beziehungen innerhalb der Familie. Einige Teilnehmer gaben zu bedenken, dass die emotionale Distanz und reduziert Angst durch Antidepressiva mitbedacht werden müssten, wenn man versucht, wichtige Lebensentscheidungen zu treffen, vor allem diejenigen mit einer emotionalen Komponente.

Hilfreiche Effekte:


Allerdings beschrieben einige Teilnehmer hilfreiche Auswirkungen auf ihren Alltag , die sie den emotionalen Nebenwirkungen zugeschrieben . Zum Beispiel kann die Reduktion bestimmter emotionalen Reaktionen, wie Wut, Aggression oder Angst, eine positive Wirkung auf die persönlichen Beziehungen haben. Viele Teilnehmer glaubten, dass die emotionale Distanz und reduziert Angst ihnen half, einen Schritt zurück aus ihrer Gesamtsituation zu gehen und klarer und objektiver zu denken. Dies half ihnen bei der Herstellung von guten Entscheidungen Tag zu Tag, half ihnen erfolgreicher mit anderen Menschenumzugehen und verbessert ihr Selbstvertrauen.

8. "Die Antidepressiva lösen das in mir aus"

Die emotionalen Wirkungen (in den obigen Schlüsselthemen zusammengefasst wurden) von den Teilnehmern ihren SSRI Antidepressiva zugeschrieben, entweder insgesamt oder teilweise. Zu beachten ist, dass einige der emotionalen Wirkungen ähnlich den Symptomen einer Depression sind - zum Beispiel verminderte positive Emotionen, Interesse und Motivation. Einige Teilnehmer bemerkte zu dieser Schwierigkeit. Tatsächlich beschrieben einige Teilnehmer Ähnlichkeiten zwischen dem SSRI-induzierten Zustand und Depression selbst, und warfen die Überlegung auf, dass das Medikament möglicherweise eine Art von Depression berstärken oder auslösen könne. Weitere Teilnehmer waren unsicher, ob das Antidepressivum oder eine Veränderung ihrer Lebensumstände die Ursache für Veränderungen in ihrer emotionalen Erfahrungen waren. Allerdings fühlten die meisten Teilnehmer sich in der Lage, emotionale Nebenwirkungen aus ihrer Depression oder einer anderen Krankheit, von der SSRI-induizierten Veränderungen zu unterscheiden, aus mehreren Gründen einschließlich der folgenden:

1. Weitere Präsenz oder Fortbestehen eines emotionalen Syndrom, auch wenn der Betroffene einer Verbesserung der psychischen Ausgangslage empfand. Einige Teilnehmer beschrieben das Vorhandensein oder das Fortbestehen eines emotionalen Symptoms, obwohl sie ihre Krankheit als vollständig verbessert oder gelöst wahrgenommen haben. Diese Teilnehmer gaben an, dass ihr Mangel an Interesse und der Mangel an Fürsorge, mit verminderten positiven Emotionen kombiniert, weiter vorhanden waren, trotz der Abwesenheit von irgendwelchen Gefühlen des emotionalen Schmerzes oder einer Depression. Vielmehr wurden alle Gefühle und Emotionen reduziert.

2. SSRI-Antidepressiva sorgen dafür, dass sich Emotionen "chemikalisch" anfühlen. Einige Teilnehmer waren der Meinung, emotionale Nebenwirkungen von ihrer Depression oder eine andere Erkrankung zu unterscheiden, weil es sich wie "ein chemisches Gefühl" anfühlte, ein künstliches Gefühl.

3. Auswirkungen von Dosisänderungen oder Wechsel des SSRI Antidepressivum auf der emotionale Syndrom. Einige Teilnehmer spürten einen speziellen zusammenhang in Bezug auf Veränderungen in ihrer emotionalen Erfahrungen und Veränderungen in der Medikation (Typ oder Dosis). Es war nicht möglich, aus den Daten zu ermitteln, ob bestimmte SSRI eher ein emotionale Syndromauslösen, aber einige Teilnehmer berichteten, mehr emotionale Nebenwirkungen aufbestimmte SSRIs.

4. Auswirkungen des Absetzens des SSRI Antidepressivum auf der emotionalen Syndrom. Einige Teilnehmer, die zweitweise medikamente nahmen und zeitweise keine, berichteten von einer Rückkehr ihrer emotionalen Erfahrungen beim/nach dem Absetzen.

5. Der zeitliche Verlauf des emotionalen Syndrom. Viele Teilnehmer berichteten über zwei unterschiedliche Zeitverläufe des emotionalen Syndrom. Einige Teilnehmer beschrieben, dass sie diese Effekte kurz während der frühen Stadien der Einnahme ihrer Medikation erfahren und daß es anschließend verringert. Viele Teilnehmer bemerkt diese emotionalen Nebenwirkungen jedoch erst später, oft erst als sie begannen, sich von ihrer Krankheit zu erholen. Einige Teilnehmer waren der Ansicht, dass die "Abflachung" hilfreich war, und früheren emotioanlen Stress linderte. Es wurde dann jedoch zu einem unerwünschter Nebeneffekt, als ihren emotionalen Zustand insgesamt verbesserte, und sie besser mit dem Stress umgehen konnten, aber immernich andauernd mit emotionaler Verflachung konfontiert.

Da sie ihr emotionales Syndrom dem SSRI Antidepressivum zugeschrieben, hatten viele Teilnehmer geprüft, ob sie das AD weiter einnehmen sollten.
Einige berichteten davon, die Pros und Contras einander gegenübergestellt zu haben (Verbesserungen/Erleichterungen vs. emotionale bzw. körperliche Nebenwirkungen).

Die Einstellung der Teilnehmer zur Fortsetzung der Behandlung zu einer Zeit, als sie anfingen unter emotionale Nebenwirkungen zu leiden, war gemischt. Viele Teilnehmer beurteilten ihre emotionale Nebenwirkungen als unerwünscht, waren aber immer noch bereit, ihre SSRI weiterhin zu nehmen, wegen der subjektiv empfundenen Verringerung des Risikos eines Rückfalls. Sie betrachtet daher die Nebenwirkungen weniger dramatisch als die Krankheit, die sie behandeln sollte. Allerdings haben einige Teilnehmer eine starke Präferenz zum Ausdruck bringen können, das gesamte Spektrum der Emotionen zu spüren. Folglich berichteten einige Teilnehmer, dass das emotionale Syndrom für sie ein Grund war, ein Absetzen in Erwägung zu ziehen oder tatsächlich abzusetzen.

Die Beschreibung emotionaler Nebenwirkungen ist nicht auf SSRI limitiert sondern betrifft auch SNRI und Lithium.


Ärzte sollte emotionale Nebenwirkungen in Betracht ziehen und sie routinemäig bei Patienten zu Beginn der Behandlung erwähnen, wie zum Beispiel auch Kopfschmerzen, Angst und Magen-Darm-Störungen. Zu beachten ist, obwohl bei einigen Personen diese emotionalen Nebenwirkungen früh auftreten, können sie bei anderen ein verspätetes Phänomen zu sein, das erst nach einer teilweisen oder vollständigung Erholung der psychsichen Krise auftritt.

Ärzte sollten daher auch regelmäßig nach emotionalen Nebenwirkungen fragen, wenn siedie weitere Verschreibung von Antidepressiva beurteilen. Dies könnte ein breites Screening mit Fragen umfassen und dann, falls erforderlich, mehr spezifischere Fragen, die die Art und das Ausmaß des Problems charakterisieren, das Ausmaß, in dem der Betroffene die Nebenwirkungen dem Antidepressiva zuweist und darauf aufbauend die Entscheidung über eine weitere behandlung mit SSRI treffen.
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Re: SSRI-indizierte Gleichgültigkeit

Beitrag von Katharina » Montag, 07.03.16, 13:59

Liebes Team,

Vielen Dank für diese zutreffende Darstellung !
Es tut gut es auf dem Papier zu sehen.
Man spinnt nicht mehr. ;(

Katharina
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kugayama
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Re: SSRI-induzierte Gleichgültigkeit

Beitrag von kugayama » Dienstag, 26.04.16, 16:40

kann man das eigentlich auch auf Medikamente wie Seroquel übertragen bzw dessen Absetzungsproblemik?

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Re: SSRI-induzierte Gleichgültigkeit

Beitrag von Jamie » Dienstag, 26.04.16, 17:22

Hallo kugayama,

ja, kann man, wobei Seroquel als atypisches NL wie alle NL ein besonderes Risiko von Abstumpfung birgt.
Das ist der Gruppe der Neuroleptika (NL) zueigen, - dass diese besonders massiv in die Gefühlswelt eingreifen (meist Dämpfung, Roboterhaftigkeit, Gefühlsleere, Abstumpfung, Gleichgültigkeit, keine Gefühle empfinden können, kein angemessener Gefühlsausdruck, Menschen berichten sich wie abgestorben zu fühlen und dergl.)

Grüße
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kugayama
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Re: SSRI-induzierte Gleichgültigkeit

Beitrag von kugayama » Dienstag, 26.04.16, 19:14

Jamie hat geschrieben:Hallo kugayama,

ja, kann man, wobei Seroquel als atypisches NL wie alle NL ein besonderes Risiko von Abstumpfung birgt.
Das ist der Gruppe der Neuroleptika (NL) zueigen, - dass diese besonders massiv in die Gefühlswelt eingreifen (meist Dämpfung, Roboterhaftigkeit, Gefühlsleere, Abstumpfung, Gleichgültigkeit, keine Gefühle empfinden können, kein angemessener Gefühlsausdruck, Menschen berichten sich wie abgestorben zu fühlen und dergl.)
Hallo Jamie,
übel. Hast du meinen Thread gelesen viewtopic.php?f=35&t=11428 ?
Denkst du, dass Dosisverringerung auch den Effekt haben kann, dass er gefühlsleer ist?

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Re: SSRI-induzierte Gleichgültigkeit

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 26.04.16, 20:08

Ich hab Dir hier was geschrieben: viewtopic.php?f=35&t=11428&p=137894#p137894
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Re: SSRI-induzierte Gleichgültigkeit

Beitrag von Alex77 » Dienstag, 25.04.17, 11:56

Ich beschäftige mich gerade mit dem Zusammenhang Ausschleichen von Citalopram und mein überschwemmt werden von Emotionen und Unmengen Energie, die ich erstmal wieder in die richtigen Bahnen lenken muss!! Ich hatte ganz vergessen, dass es diese Vielfalt an Gefühlen und diesen Antrieb bei mir überhaupt gibt und mich total auf die angstlösender Wirkung fixiert. Ich dachte es hilft mir in meiner Mutterrolle und anfangs war es ja auch wie ein positives Wegfallen von "Scheuklappen".
Ich hätte nie gedacht, dass sich das so verselbständigt. Selbst sexueller Lust kommt zurück. Ich bin so happy!

LG,
Alex77
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LinLinaMurmelineJamiepadmaDane
1999 erster Verdacht Borderline durch einen
niedergelassenen Psychiater auf Grund meiner
Anamnese und der Suchtsymptomatik

1999/
2000 stationäre Langzeittherapie Sucht

etwa
2002-
2009 Versuche der Medikation mit Atosil, Mirtazapin,
SSRI und Doxepin

2010 Mini-Me bekommen

etwa
2013-
heute auf Grund starker Angstzustände alleinerziehend
und wiederkehrender depressiver Symptome
Einschleichen Citalopram von 10mg auf 30mg,
mit im ersten Jahr vor Allem angstlösender
Wirkung und dem Gefühl sich mehr der Welt
öffnen können

seit
Anfang
2016 zunehmende innere Unruhe, Stumpfheitsgefühl,
zunehmend fahrig und Einschlafstörungen
inklusive der Überlegung Krückstock Citalopram
runter zu dosieren um Ist-Zustand zu überprüfen

1'2017 ADFD-Forum gefunden :-)

seit 11.02.2017 von 30mg Citalopram auf ca 22,5mg
runter
22.02.2017 runter auf 20mg Citalopram
31.03.2017 runter auf 15mg Citalopram
seit 20.04. 10mg Citalopram
seit 30.04. 5mg Citalopram
seit ca 12.06.17 auf Null :zombie:

Melina 17
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Re: SSRI-induzierte Gleichgültigkeit / "emotionale Nebenwirkungen" wie Gefühlsverflachung

Beitrag von Melina 17 » Sonntag, 23.09.18, 12:22

Hi Alex,

ich vermute mal, du bist hier nicht mehr aktiv, wenn ich auf`s Datum gucke, aber ich dachte mir, versuch`s mal. Du hast sehr schnell entzogen..würd mich wirklich interessieren, ob das langfristig geklappt hat.

Könntest du das eventuell näher beschreiben wie das war mit der Gefühlsrückkehr, ab welchem Zeitpunkt und so, und ob gewisse Gefühle nicht dann auch schwierig waren?

Ich freu mich für dich, daß du auf 0 gekommen bist und hoffe, daß es dir weiterhin gutgeht.

lg

Melina
1994 erste Einnahme Doxepin ca 5mg zum Schlafen
1996-1997 Doxepin 20mg, Absetzen problemlos, jedoch ein Jahr gedauert, bis ich mich wieder wie "ich selbst" fühlte
Herbst 2004 erneute Einnahme von Doxepin wegen schwerer depri, raufdosiert auf 100mg
Frühling 2005 Abdosieren von Doxepin, Einschleichen von Citalopram ca 30mg
Frühling 2006 abruptes Absetzen von Citalopram, nach 4 Wochen extreme Depri, wieder Einnnahme; paar Wochen später Ausschleichen über ca 4 Wochen, nach drei Monaten schwere Depri
immer mal wieder Reduktion versucht, kam auch mal bis ca 7,5 mg, aber immer wieder depri, im Lauf der jahre Einnahme zwischen 10 und 40 mg (auch zwischendurch escitalopram)
ca Mai 2018 nach wasserlösmethode in 10% über 4 Wochen von 15 auf 7 mg reduziert, dann instabil geworden, wieder auf 10 mg hochgegangen
09.09.18 auf 9 mg Citalopram reduziert
17.09. zusätzlich 6 bzw 12 mg Doxepin abends zum schlafen (brauch ich oft im Herbst)
ca Anfang Oktober 2018 gleichmäßige Einnahme Doxepin 12,5 mg
24.10.18 8mg Citalopram

Blumenwiese
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Re: SSRI-induzierte Gleichgültigkeit / "emotionale Nebenwirkungen" wie Gefühlsverflachung

Beitrag von Blumenwiese » Sonntag, 23.09.18, 19:07

Hallo,

Ich hatte bei Paroxetin und auch jetzt beim Quetiapin das Problem, dass die Gefühle wenig vorhanden waren/ sind.

Nachdem ich das Paroxetin abgesetzt hatte, war sofort die Freude wieder spürbar und das sehr intensiv. Ich hatte nach der langen Einnahmezeit total vergessen, dass es dieses Gefühl gibt.

Beim Quetiapin spüre ich schon nach der Dosisverringerung von 300 auf 150 mg eine deutliche Besserung. Ich kann viele Dinge wieder mehr genießen und mich auch ab und an freuen.

Liebe Grüße
Blumenwiese
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Diagnosen u. vorherige Medikation:
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Quetiapin Retard Verlauf:
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Aktuell:
Quetiapin Retard 150 mg 0-0-1-0
Bedarf: Promethazin bis zu 50 mg/Tag
*********************************
Sonstige Medikamente:
Movicol 1-2 Beutel pro Tag, Grazax u. SliTONE Ultra zur Desensibilisierung geg. Pollenallergie, Cranberry Kapseln, Magnesium 450 mg
Bedarf: Ibulysin 684 mg

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