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Neue Langzeitstudie zu PTBS: SSRI nicht hilfreich

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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LinLina
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Neue Langzeitstudie zu PTBS: SSRI nicht hilfreich

Beitrag von LinLina » Freitag, 15.04.16, 15:06

Studie: http://www.psychiatrist.com/JCP/article ... 09932.aspx

In dieser kürzlich veröffentlichten Studie über PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) wurden verschiedene Therapieverfahren, die Einnahme von Escitalopram (ein SSRI), Placebo und Teilnehmer, die keine Behandlung wünschten, nach wenigen Monaten und nach 3 Jahren nach Symptomen befragt.

Ergebnis: Nur die verlängerte Expositionstherapie und die kognitive Therapie trugen zu einer schnelleren Verbesserung der Symptome bei. Nach 3 Jahren konnten jedoch keine signifikanten Unterschiede mehr nachgewiesen werden - alle untersuchten Betroffenengruppen hatten sich durchschnittlich gleichermaßen erholt bzw. nicht erholt:

Zitate aus: http://psylex.de/stoerung/ptbs/vr-therapie.html#5
PTBS-Therapieverfahren im Vergleich

Frühe PTBS-Behandlung beschleunigt Erholung, kann den Vorsprung aber nicht halten

14.04.2016 Eine in The Journal of Clinical Psychiatry veröffentlichte Studie der New York University verglich verschiedene Behandlungsmethoden bei Personen (ohne militärischen Hintergrund) mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS).

In der Studie erhielten 232 Teilnehmer, die nach einem einmaligen Erlebnis PTBS entwickelten, über 12 Wochen entweder verlängerte Expositionstherapie, kognitive Therapie, Behandlung mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Escitalopram oder Placebo einen Monat nach dem traumatischen Ereignis. Auch die Gruppe der Teilnehmer wurde beobachtet, die keine der Behandlungen mitmachen wollte. Alle wurden dann nach 5 und 36 Monaten erneut untersucht.[...]

Die Gruppen, die verlängerte Exposition und kognitive Therapie erhielten, zeigten eine deutliche Verringerung der Symptome nach fünf Monaten (61 % schnitten besser als die Teilnehmer der anderen Gruppen ab), und ihre Symptome blieben niedrig über drei Jahren.

Die anderen Gruppen, einschließlich derjenigen, die die Behandlung abbrachen, erreichten aber nach drei Jahren dasselbe niedrige Symptomniveau.

D.h.: Kognitive Therapie und Exposition verkürzten deutlich die Zeit der Genesung, senkten aber nicht die PTBS-Prävalenz während der 3 Jahre.
[...]

Das genaue Abschneiden der Gruppen anhand der Punkte auf der Clinician-Administered PTSD Scale (CAPS), die PTBS und PTBS-Symptome erfasst:

Verlängerte Expositionsbehandlung: Durchschnittliche Punktzahl zu Beginn: 73,59; nach fünf Monaten Behandlung: 28,59; nach 36 Monaten: 31,51 [20,25-42,78].
Kognitive Therapie: Durchschnittliche Punktzahl zu Beginn: 71,78; nach fünf Monaten Behandlung: 29,48; nach 36 Monaten: 32,08 [20,74-43,42].
SSRI Escitalopram: nach drei Jahren: 34,31 [16,54-52,07].
Placebo: nach drei Jahren: 32,13 [20,15-44,12].
Keine Intervention: nach drei Jahren: 30,59 [19.40-41,78].[...]

Die Betrachtung der Werte zeigt, dass mit SSRI-behandelte Betroffene nach 3 Jahren durchschnittlich sogar über etwas mehr Symptome berichteten, auch wenn dieses Ergebnis sicher nicht statistisch signifikant ist.

Ich persönlich schließe aus diesem Ergebnis, dass evtl. schon zuvor vorhandene Faktoren wie das individuelle Umfeld, der persönliche Umgang mit dem Erlebten, und andere Ressourcen wahrscheinlich wesentlich wichtiger sind als die in der Studie angebotenen Hilfen.

Liebe Grüße,
Lina

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