Klick auf das Kreuzchen um das hier auszublenden ->

Liebe Fories, liebe Interessierte,

seit 1.8.2019 gibt es Änderungen im Forum. Es ist nur noch teilweise öffentlich zugänglich. Ohne Anmeldung können nur die Rubriken "Informationen", "Neue Teilnehmer" sowie "Erfahrungsberichte" gelesen werden.

Die anderen Rubriken sind nur noch für registrierte Mitglieder einsehbar. Dazu gehört auch der Bereich "Ausschleichen von Psychopharmaka" mit Dokumentation der einzelnen Verläufe (Tagebücher) zum Absetzen von Antidepressiva, Neuroleptika und Benzodiazepinen. Hier findet Ihr alle Neuerungen und Änderungen. Hier steht alles Wichtige für noch nicht registrierte Interessierte.

Wir sind ein Selbsthilfeforum. Wer sich registriert, um einen eigenen Thread zu eröffnen, entscheidet sich auch dafür, sich aktiv mit den bereitgestellten Informationen auseinanderzusetzen. Neue Mitglieder bitten wir daher, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Grundlagentexte durchzulesen und anzueignen. Wer nach der Registrierung nur still mitlesen will, ist auch willkommen.

Ein Dankeschön an alle, die sich bereits aktiv in den Erfahrungsaustausch einbringen. Gegenseitige Unterstützung stärkt jede Selbsthilfegruppe.

Euer ADFD-Team

BBC-Bericht zu unerwünschten Wirkungen und Entzug von Antidepressiva

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
Antworten
Murmeline
Moderatorenteam
Beiträge: 14744
Registriert: Sonntag, 11.01.15, 13:50

BBC-Bericht zu unerwünschten Wirkungen und Entzug von Antidepressiva

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 19.10.16, 9:51

Heute wurde ein BBC-Artikel zum Thema veröffentlicht, im Rahmen einer Aktion von Betroffenen, die sich an das Parlament wenden.

Die Mischung:
Betroffene berichten von schlimmsten Zuständen, Psychiater wie Dr. David Healy, der sich seit Jahren mit dem Thema befasst, benennt die Risiken, eine Hausärztin betont, dass Antidepressiva für einen Teil der Behandelten wichtig und unerlässlich seien und Entzugsproblematiken vermutlich doch bei vielen Betroffenen etwas mit der Grundproblematik zu tun hätten und die Pharmafirmen äußern sich auf Anfrage nicht zum Thema.

Trotz aller Schwächen ein Artikel, wie man ihn im deutschsprachigen Raum bisher nicht findet.

Quelle: http://www.bbc.com/news/health-37682355
BBC, 19.10.2016, Autorin: Lesley Ashmall, Übersetzung: Murmeline

Extreme Nebenwirkungen von Antidepressiva

Menschen, die sagen, ihr Leben sei durch die häufigsten verschriebenen Antidepressiva (bekannt als SSRIs) ruiniert worden, tragen ihre Fälle am heutigen Mittwoch vor das Parlament. Einige Nutzer sagen, dass die Tabletten sie suizidal gemacht haben.

"Ich habe anfallähnliche Symptome bekommen, meine Muskeln machten gerade, was sie wollten" erzählt Claire Hanley dem Victoria Derbyshire-Programm der BBC und berichtet von den Auswirkungen, die Antidepressiva auf ihren Körper hatten.

Sie habe mit der Einnahme begonnen, als sie sich um ihre schwerkranke Mutter kümmern und sich gleichzeitig für ihre Abschlussprüfungen an der Universität Cambridge vorbereiten musste, erlitt aber schwere Nebenwirkungen, nachdem ihrem Hausarzt eine stärkere Dosis der Tablette verschrieben hatte. "Innerhalb von zwei Wochen habe ich zweimal versucht hatte, mir das Leben zu nehmen", sagt sie.

"Ich fühlte mich desorientiert und krank und hatte Verdauungsprobleme und Infektionen, es war wirklich extrem. Ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll zu berichten. Das, woran ich mich erinnere, ist, dass ich auf dem Schlafzimmerboden in einem halb bewusstlosen Zustand mit einem Anfall lag nach starken Krämpfen".

Es ist über 20 Jahre her, seit sie zum ersten Mal die Tabletten nahm, aber Frau Hanley sagt, sie leidet immer noch unter den Folgen eines Cocktail von Medikamenten, die Ärzten verschrieben haben, um die Nebenwirkungen der ursprünglichen Antidepressiva zu behandeln. Sie sagt, sie habe konstante Muskelschmerzen und Müdigkeit und verbringt die meisten Tage im Bett.

Es wird vermutet, dass etwa 1 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen als Folge der SSRIs erlebt. Die Arzneimittel sollen den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen, die Symptome der Depression verbessern. Einige Experten glauben jedoch, dass viel mehr Menschen als bisher angenommen unter negative Folgen leiden.

Prof. David Healy (psychiatrische Abteilung an der Universität Bangor) glaubt, dass die Medikamente "einen von vier Menschen ängstlicher machen, anstatt diese Symptome zu reduzieren". "Manche Betroffene werden sehr agitiert und manche werden als Folge davon suizidal", sagt er. "Die Medikamente können das Problem auslösen, das sie eigentlich behandeln sollen".

Die Pharmafirmen lehnte eine Stellungnahme ab, aber Dr. Sarah Jarvis, ein Hausärztin in West London, ist sehr daran interessiert, darauf hinzuweisen, dass Ärzte Antidepressiva nicht leichtfertig verschrieben würden. Sie betont auch die wichtige Rolle, die die Behandlung mit Medikamenten für einige Menschen mit Depressionen spielen kann - unbehandelte "mittelschweren Depressionen und schweren Depressionen können Leben zerstören und kosten auch regelmäßig Leben".

Dr. Jarvis fügt hinzu, dass für die meisten Menschen, die Medikamente wirksam sind. "Ich denke, Menschen mit schweren Depressionen müssen manchmal zwei oder drei [verschiedene Arten von Antidepressiva], ausprobieren, bevor sie eines finden, dass ihnen hilft, aber für die meisten Menschen können wir etwas finden, was ihnen hilft, wo der Nutzen die Risiken überwiegt", sagt sie.

Aber nach Meinung einiger Experten, wie Prof. David Healy, entstehen unerwünschte Wirkungen von Antidepressiva nicht nur, wenn jemand sie nimmt, sondern auch, wenn sie versuchen, die Dosis zu reduzieren oder die Tabletten ganz abzusetzen. "Es gibt eine große Zahl von Menschen - und es scheinen mehr Frauen als Männer zu sein -, die große Schwierigkeiten haben, wenn sie versuchen, die Dosis zu reduzieren", sagt er. "Und wenn sie die Behandlung stoppen, können sie furchtbar agitiert und suizidal werden."

"Wenn man sich die klinischen Studien anschaut, die, die die Ausschleichphase umfassen, dann ist dies eine risikoreiche Zeit". "Das ist der Punkt, an dem die Person am ehesten Selbstmord begeht, oder in der es am wahrscheinlichste ist, schreckliche Dinge zu tun."

Gemma (Pseudonym) sagt, ihre Entzugserscheinungen waren so schlimm, dass sie nun das Medikament wieder einnimmt. "Mir wurde gesagt, Antidepressiva abzusetzen sei kein Problem", sagt sie. "Aber ich war in einem total Chaos. Ich kam an einen Punkt, wo ich konnte kaum funktionieren konnte. Ich war unglaublich ängstlich ... Ich war sehr ängstlich, die ganze Zeit, ich war sehr panisch, sehr agitiert, ich konnte kaum schlafen.."

Gemma hatte den ärztlichen Rat gefolgt und setzte die Tabletten langsam ab, aber sie litt dennoch an schwerwiegende Folgen. Sie sagt: "Ich war wie versteinert, ich weinte mir die Augen aus, ich wusste nicht, was um Himmels willen mit mir passiert. Ich vermutete, es könnte das Medikament sein, aber ich dachte, dass ich eine Art von unheilbaren Krankheit habe. Ich wusste überhaupt, was los ist. "

Gemma hat schließlich beschlossen, die Medikamente wieder einzunehmen, und die Entzugserscheinungen sind schnell verschwunden."Ich war schockiert. Die Migräne, die Muskelschmerzen. Alles hörte sofort auf", sagt sie.

Viele von Ihnen haben uns (die BBC) kontaktiert, um uns Ihre Erfahrungen beim Absetzen von Antidepressiva mitzuteilen. Hier sind ein paar Auszüge:

Brigitte, aus Exeter, sagte: "Ich konnte nicht mehr gehen und erlebe die abscheulichsten Sinnesempfindungen Meine Muskeln brannten, ich hatte Gesichtszuckungen, habe nachts schrecklich schwitzt und meine Stirn fühlte sich taub an"

Jason, aus Australien, sagte: "Ich habe meine Antidepressiva vor 17 Monate abgesetzt, und bin immer noch in der Recovery-Phase. Ich bin nicht in der Lage, zu arbeiten oder zu studieren. Meine Genesung schwankt dramatisch - einige Tage kann ich kaum funktionieren oder aus dem Bett. Ich habe so etwas in meinem ganzen Leben noch nie erlebt, so grausame, schreckliche und störende Empfindungen."

Pauline, aus Hertfordshire, sagte: "Ich sehe aus und fühle mich wie eine Drogenabhängige, ich kann meine Augen nicht fokusieren. Meine Augen sind wie Schlitze, selbst wenn ich nicht weine. Ich kann nicht schlafen, und weil es scheint, meine Körper erkennt, dass er das Medikament nicht bekommt, ist jeder Tag für mich die Hölle auf Erden. "

Christine sagte: "Die Müdigkeit ist so schlimm, dass ich am Nachmittag ins Bett gehen muss und sehr wenig tun kann, ich fühle mich schwindlig, mir ist übel, ich leide unter verschwommenem Sehen und Schmerzen auf der Rückseite meines Kopf und oben am Kopf".

Für Dr. Jarvis wäre es jedoch eine Überraschung, wenn die Symptome bei allen Betroffenen mit den Medikamenten zusammenhängen würden, auch wenn einige Personen unter länger andauernden Nebenwirkungen von Antidepressiva leiden können - monatelang oder gelegentlich Jahre.

"Was wir bedenken müssen, ist, dass einige Patienten, die Medikamente eingenommen haben, sehr verletzlich waren, sie waren davor schon sehr ängstlich, und es kann sehr schwierig sein, zu sagen, was Angst ist und was durch die Tabletten ausgelöst wurde", sagt sie.

Aber für Frau Hanley müssen die Gefahren von medizinischen Fachleuten ernster genommen werden. "Es kann eine Minderheit sein, die diese extremen Reaktionen hat, aber sie existieren", sagt sie. "Wenn man in den Packungsbeilagen sucht, und diese erklärt, dass bei 1 von 100 diese Symptome auftreten können, dann könnte diese eine Person Ihre Patienten sein. Es gibt diese Fälle"

Oliver
Gründer
Beiträge: 9107
Registriert: Freitag, 10.10.03, 23:58

Re: BBC-Bericht zu unerwünschten Wirkungen und Entzug von Antideprssiva

Beitrag von Oliver » Mittwoch, 19.10.16, 10:41

Hallo,

dazu fällt mir ein, dass es vor 12 Jahren auch mal sowas ähnliches gab - auch von Healy initiiert: Anhörung im englischen Parlament zum Einfluss der Pharmas.

Alles Gute
Oliver
Bitte beachten: Bitte melde Beiträge, die gegen die Regeln verstoßen über einen Klick auf das Ausrufezeichen oben rechts im problematischen Beitrag und erkläre in der Meldung was das Problem ist. Das Team wird sich dann darum kümmern. Da das Team nur ehrenamtlich in der Freizeit aktiv ist, kann das allerdings auch mal dauern.
Forenregeln | Über das ADFD | Was dieses Forum ist und was es nicht ist

Murmeline
Moderatorenteam
Beiträge: 14744
Registriert: Sonntag, 11.01.15, 13:50

Re: BBC-Bericht zu unerwünschten Wirkungen und Entzug von Antidepressiva

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 19.10.16, 11:08

Moin Oliver,

Diese Aktion ist wohl von Betroffenen initiiert und wird von einer BBC-Jornalistin unterstützt?!
Weiß nicht, wie sehr Healy da diesmal involviert ist.

Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

Murmeline
Moderatorenteam
Beiträge: 14744
Registriert: Sonntag, 11.01.15, 13:50

Re: BBC-Bericht zu unerwünschten Wirkungen und Entzug von Antidepressiva

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 19.10.16, 21:12

Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

Antworten