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Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Freitag, 10.08.18, 19:55
von sl76
Hallo Lukas,

das sind sehr weise Worte die du Da geschrieben hast.

In gewisser Weise haben ja fast alle hier unter dem, von dir mit den treffenden Worten, beschriebenen Gesundheitssystem zu leiden.

Man muss sich einfach mal vor Augen halten was für Leute da über die Gesundheit einer ganzen Gesellschaft entscheiden.
Genau wie in anderen Bereichen der Politik haben auch dort Lobbyisten das eigentliche Sagen.
Aktuelle News dazu gibt es bei www.mezis.de. So z.B. dieser Artikel:

https://mezis.de/pressemitteilung-neuer ... maspitzen/


Und genau aus diesen Gründen finde ich den Aufklärungsbogen gut und wichtig. Je mehr Menschen davon erfahren und dementsprechend bewusster über Ihre Gesundheit und über die ihnen teilweise auferlegten Behandlungsmethoden informiert werden umso besser.

Ich glaube ganz fest daran, dass sich irgendwann etwas ändern wird, es werden immer mehr Menschen gibt die sich informieren und hinterfragen und nicht einfach hinnehmen.

Ein ganz großes Lob an Edgar. Das ist ein riesiger Schritt in die richtige Richtung, von dem wir alle profitieren können.

Viele Grüße

Sebastian

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Donnerstag, 30.08.18, 9:01
von edgar
Lieber Markus,

zu Deiner Frage, warum wir den Punkt der Wirksamkeit nicht unterbringen konnten:

Es ging nicht darum, was wir belegen konnten, was wir ja konnten, wie Du auch ausführst, sondern letztlich darum, einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben konnten. Und die anderen Punkte waren schon harte Kämpfe. Letztlich muss man froh sein, dass die beteiligten Klinikärzte eine Vorreiter-Rolle einnehmen und auch den Mut dazu hatten. Es bestanden und bestehen bei einigen noch Bedenken, weil sie sich bzgl. der Entzugsproblematik in einer Außenseiterrolle befinden, weil die Masse das immer noch ignoriert bzw. die Definition von Abhängigkeit das Problem ist, was wir ja auch ausführen. Wir werden daher sehen, wie die Erfahrungen am 30.11.18 bei der DGPPN-Vorstellung sein werden.

Ich war übrigens mehrere Male in der Entstehungszeit des Bogens kurz davor wegen der Wirksamkeitsthematik zu sagen, dass ich aussteige, weil ich die Nicht-Erwähnung für falsch halte. Ich habe mich dann aber dagegen entschieden, weil ich versuchen wollte, noch bei anderen Punkten Einfluss zu nehmen, was ich sonst nicht mehr hätte tun können.

Deine Super-Idee, den Bogen den beiden Organisationen vorzulegen, werde ich weitergeben und gebe dann über das Feedback Bescheid.

Liebe Grüße
Edgar

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Montag, 24.09.18, 15:55
von annemika
Liebe Admins,
danke für die bereitgestellten Infos zum Absetzen und dass Ihr dafür gesorgt, dass endlich solch in Dokument der Öffentlichkeit kommuniziert wird. Allerdings fehlt bei den psychischen Absetzerscheinungen die Depression. Bitte versucht dem Dokument bei den Absetzsymptomen die D E P R E S S I O N hinzuzufügen. Sonst ist es für mich und wahrscheinlich für viele andere lückenhaft. Ich war nämlich vor dem Absetzen NIE depressiv, da ich das Pschopharmakon aufgrund einer anderen Problematik verschrieben bekam. Heute werden Psychopharmaka ja für alles mögliche eingesetzt. Unwissend wie ich war nahm ich es einige Monate und wollte dann absetzen. Und ich bekam die schlimmste Depression, die man sich vorstellen kann. Seit damals (seit 5 Jahren) scheitert es immer wieder, wenn ich die nächsten Schritte zu schnell setze, an einer aufkeimenden Depression. Ich habe auch andere Symptome wie starke Akatisie, Herzprobleme, Migräne, furchtbarbe Schwäche in den Gliedern, iaber die depressive Symptomatik ist eine der schlimmsten.

LG Annemika

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Freitag, 16.11.18, 14:04
von edgar
Liebe Annemika,

die Depression ist erwähnt auf Seite 8.

Lieber Markus,

der Aufklärungsbogen ist insgesamt eine Kompromiss-Lösung geworden, mit der ich insgesamt leben kann, weil er sonst gar nicht zu Stande gekommen wäre und wichtige Infos nicht bis zum Patienten vorgedrungen wären. Es stand ein paar Mal auf der Kippe und drohte, nicht zu Stande zu kommen. Es ging also in einigen Bereichen gar nicht darum, wer die besseren Argumente hat bzw. dies auch belegen kann, sondern ob das die andere Seite wollte oder nicht. Das war auch so mit dem Punkt der Wirksamkeit.

Viele Grüße
Edgar

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Donnerstag, 09.05.19, 12:51
von Pomegranate
Hallo Edgar,

danke für dein Engagement! Nach einem eher ernüchternden Psychiaterbesuch gestern stelle ich mir mal wieder die Frage, wie man die Fachärzte dazu bewegen kann, ihren Patienten mehr Glauben zu schenken, wenn diese von schweren und langanhaltenden Absetzverläufen berichten. Nun bin ich hierauf gestoßen und wollte mich mal erkundigen, ob der Aufklärungsbogen der DGPPN vorgestellt worden ist, und falls ja, was die Reaktionen sind. :)
edgar hat geschrieben:
Freitag, 03.08.18, 23:47
Insgesamt ist aus meiner Sicht der Aufklärungsbogen aber enorm wichtig und ein echter Fortschritt. Er soll noch in diesem Jahr bei der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) vorgestellt werden.
edgar hat geschrieben:
Sonntag, 05.08.18, 16:40
Wie die DGPPN auf den Aufklärungsbogen reagieren wird, kann mit Spannung erwartet werden.
Viele Grüße

Pom

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Donnerstag, 16.05.19, 19:05
von edgar
Hallo Pom,

das Feedback der DGPPN war insgesamt sehr, sehr gut mit großem Lob. Allerdings sagte man dort: "Mit Ausnahme der körperlichen Abhängigkeit". Dass dieser Punkt auf Widerstand stößt, war zu erwarten.

Liebe Grüße
Edgar

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Sonntag, 02.06.19, 19:41
von carlotta
Hallo Ihr,

zum Aufklärungsbogen gab es kürzlich bei n-tv einen Artikel:
https://www.n-tv.de/regionales/rheinlan ... 60686.html

Auszüge:
Es sei ein wichtiger Meilenstein, "dass erstmals Psychiatriekritiker wie ich und leitende Chefärzte von Kliniken einen gemeinsamen Text formulieren". [Zitat von Peter Lehmann, der am Aufklärungsbogen mitgewirkt hat.]
[...]
Erste Untersuchungen zur Wirksamkeit der neuen Bögen zeigten, dass diese von Patienten als sehr hilfreich bewertet würden, sagte Markus Wakulat, Sprecher des Landeskrankenhauses mit seinen Standorten wie der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach und der Rheinhessen-Fachklinik in Alzey.
Liebe Grüße
Carlotta

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Donnerstag, 01.08.19, 18:32
von carlotta
Hallo,

gestern lief in SWR Aktuell Rheinland-Pfalz ein Beitrag über den AD-Aufklärungsbogen:
https://swrmediathek.de/player.htm?show ... 5056a12b4c

Der Beitrag ist noch bis 30. Juli 2020 in der Mediathek abrufbar.

Allerdings ist der Schluss etwas - naja, macht Euch selbst ein Bild.

Liebe Grüße
Carlotta

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Donnerstag, 01.08.19, 21:08
von Annanas
Hallo Carlotta :),
Oje, der Schluß ist nicht gerade optimal, der suggeriert subtil, daß der Aufklärungsbogen zu einer Entscheidung für die Einnahme beiträgt.
Wenn man nur diesen kurzen Filmausschnitt sieht u zudem den Inhalt des Bogens nicht in Gänze kennt, geht man wahrscheinlich davon aus, daß AD die Mittel der Wahl sind.... :( !

Ich weiß nur eins, hätte mir meine Ärztin damals diesen Aufklärungsbogen gegeben, hätte ich nie AD genommen, schon aufgrund der Angabe einer körperlichen Abhängigkeit u Schwierigkeiten beim Absetzen.

Das finde ich mehr als schade, daß das in dem Fernsehbeitrag so undifferenziert dargestellt wurde.

Liebe Grüße von Anna

Re: Aufklärungsbogen Antidepressiva

Verfasst: Donnerstag, 01.08.19, 21:24
von carlotta
Liebe Anna,

ich sehe das exakt wie Du und finde es auch mehr als schade. Im Sinne eines ausgewogenen Journalismus wäre zu erwarten gewesen, dass sie bei zweien zumindest einen Patienten zeigen, der sich aufgrund der Lektüre gegen Medikamente entschieden hat. Nun ja.

Man könnte den Eindruck bekommen, der Redakteur hat sich nicht wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt bzw. den Bogen u. U. gar nicht komplett gelesen. (Bei dem heutigen Zeitdruck und der Arbeitsverdichtung in den Redaktionen würde mich das nicht wundern - was keinesfalls eine Entschuldigung sein soll.)
Annanas hat geschrieben:
Donnerstag, 01.08.19, 21:08
Ich weiß nur eins, hätte mir meine Ärztin damals diesen Aufklärungsbogen gegeben, hätte ich nie AD genommen, schon aufgrund der Angabe einer körperlichen Abhängigkeit u Schwierigkeiten beim Absetzen.
Geht mir genauso. Ich habe ja seinerzeit vor der ersten Einnahme zig Mal nachgefragt von wegen NW und Abhängigkeit. Und sogar während der Einnahme bei merkwürdigen Symptomen immer wieder ob eines Zusammenhangs. Wurde immer alles bagatellisiert bzw. negiert. So läuft das eben.

Liebe Grüße
Carlotta