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PGAD - Ärzteblatt 50/2019 Medizinreport v 13.12.2019

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Annanas
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PGAD - Ärzteblatt 50/2019 Medizinreport v 13.12.2019

Beitrag von Annanas »

Hallo zusammen,
zu PSSD gibt es bereits Threads - verweisen möchte ich jetzt speziell auf PGAD (deshalb fettgedruckt dargestellt), mE gibt es hier eine hohe Dunkelziffer, zumal nicht die sexuelle Erregung im Vordergrund stehen muß - wie ich bspw im amerikanischen Forum (surviving antidepressants) gelesen habe.
LG Anna

Quelle: Dtsch Arztebl 2019; 116(50): A-2346 / B-1926 / C-1869 Medizinreport v 13.12.2019

Auszug:
Antidepressiva können Krüger zufolge sowohl kurzfristige als auch langfristige Effekte auf die sexuelle Funktion haben. Eine Erhöhung des serotonergen Tonus im synaptischen Spalt führe oftmals zu einer sexuellen Inhibition, die vor allem über 5HT1B-, 5HT1C- und 5HT2C-Rezeptoren vermittelt werde. In der Folge komme es zu unter der Behandlung auftretenden sexuellen Dysfunktionen.

Dauerhafte sexuelle Dysfunktion

Von einer Post-SSRI Sexual Dysfunction (PSSD) – die vorwiegend bei Männern auftritt – spricht man, wenn eine unter der Behandlung aufgetretene sexuelle Dysfunktion nach Absetzen der Therapie bestehen bleibt. Eine Umfrage in einem dem Thema PSSD gewidmeten Internetforum mit 532 Teilnehmern ergab eine mögliche PSSD bei 183 Teilnehmern und eine sehr wahrscheinliche PSSD bei 23 Teilnehmern, davon aber nur 20 % Frauen (17). Im Juni 2019 hat die EMA die persistierende sexuelle Dysfunktion nach SSRI- und SNRI-Therapie anerkannt, mittlerweile tragen einige SSRI einen Warnhinweis (18).

Bei Frauen könne in seltenen Fällen eine Persistent Genital Arousal Disorder (PGAD) auftreten, zu deren Ätiopathologie und klinischen Merkmalen bislang wenig bekannt sei, berichtete Krüger (siehe Kasten [19]). Sein Fazit: Die alleinige Erhöhung des serotonergen Tonus dämpft recht gut negative Emotionen – aber eben auch positive – und zusätzlich die Libido und andere Sexualfunktionen. Die Patienten sollten deshalb über die mögliche nachhaltige Beeinträchtigung der Sexualität auch nach Beendigung einer SSRI-Behandlung aufgeklärt werden.

Als Persistent Genital Arousal Disorder (PGAD) bezeichnet man eine anhaltende sexuelle Erregung der Genitalien und Klitoris über einen längeren Zeitraum. Es sind fast ausschließlich Frauen betroffen. Durch einen Orgasmus geht die Erregung nicht zurück. Sie tritt unabhängig vom echten sexuellen Verlangen der Patientin auf. Die anhaltende sexuelle Erregung wird im Alltag als störend empfunden und erzeugt einen beträchtlichen Leidensdruck. Eine Onlinebefragung von 103 Frauen mit PGAD ergab, dass mögliche Trigger sexuelle Stimulation, Masturbation, Stress und Angst sind. Die Frauen beschreiben die Empfindungen als schmerzhaft, wobei darunter auch Dysästhesie und Allodynie fallen. Bei einigen Patientinnen kommen Schmerzen beim Wasserlassen, Symptome, die einer interstitiellen Zystitis ähneln, ein Restless-Legs-Syndrom und eine Pudendus-Neuralgie hinzu.
Zuletzt geändert von Straycat am 10.09.2020 11:20, insgesamt 1-mal geändert.
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