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"Die Stimme der Patienten", Artikel über AD-Entzug und Fehldiagnosen beim Absetzen von Anne Guy & Horowitz

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Niemandsland
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"Die Stimme der Patienten", Artikel über AD-Entzug und Fehldiagnosen beim Absetzen von Anne Guy & Horowitz

Beitrag von Niemandsland »

Hallo ihr Lieben,

dieser Artikel wurde am 24. September 2021 im Therapeutic Advances in Psychopharmacology veröffentlicht.

Autoren sind Anne Guy, Marion Brown, Stevie Lewis und Mark Horowitz.

Dr. Anne Guy ist an der All Party Parliamentary Group for Prescribed Drug Dependence und der CEP beteiligt (http://cepuk.org/). Marion Brown ist Therapeutin im Ruhestand und Anwältin von geschädigten Patienten und ist verantwortlich für die schottische Petition im hinblick auf Psychpharmaka-Entzug. Stevie Lewis hat einen schweren Paroxetin-Entzug erlitten und hat die walisische Petiton gestartet. Dr. Mark Horowitz braucht wohl keine Vorstellung mehr, er gehört momentan zu den engagiertesten Forschern zum Thema Entzug und ist selbst Betroffener.


"The ‘patient voice’: patients who experience antidepressant withdrawal symptoms are often dismissed, or misdiagnosed with relapse, or a new medical condition"

"Die Stimme der Patienten: Patienten, bei denen Antidepressiva-Entzugssymptome auftreten, werden oft abgetan oder mit einem Rückfall oder einer neuen Erkrankung fehldiagnostiziert"



PDF (englisch): https://journals.sagepub.com/doi/pdf/10 ... 5320967183


Zusammenfassung übersetzt:

"Hintergrund:

Das Absetzen von Antidepressiva verursacht häufig Entzugssymptome, die schwerwiegend und lang anhaltend sein können. Die Leitlinien des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) wurden kürzlich aktualisiert, um dies zu reflektieren; jedoch wurden Entzugssymptome (Absetzsymptome) viele Jahre lang als "gewöhnlich leicht und selbstlimitierend über eine Woche" charakterisiert. Infolgedessen wurden Entzugssymptome möglicherweise als Rückfall einer zugrundeliegenden Erkrankung oder als Neuauftreten einer anderen medizinischen Erkrankung fehldiagnostiziert, was jedoch nie untersucht wurde.

Methode:

Dieser Artikel skizziert die Themen, die sich aus den Antworten von 158 Personen ergeben, die auf eine offene Aufforderung, die Erfahrungen mit dem Entzug von verschriebenen psychotropen Medikamenten zu beschreiben, für Petitionen an das britische Parlament antworteten. Die Schilderungen umfassen Polypharmazie (hauptsächlich Antidepressiva und Benzodiazepine), aber wir konzentrieren uns auf Antidepressiva wegen des relativen Mangels an Bewusstsein über deren Entzugseffekte im Vergleich zu Benzodiazepinen. Es wurde eine Mixed-Methods-Analyse angewandt, einschließlich eines "Lean Thinking"-Ansatzes, um gemeinsame Fehlerpunkte zu evaluieren.

Ergebnisse:

Zu den identifizierten Themen gehören: ein Mangel an Informationen, die den Patienten über das Risiko eines Antidepressiva-Entzugs gegeben wurden; Ärzte, die die Symptome eines Entzugs nicht erkennen; Ärzte, die schlecht über die sinnvollsten Methoden zum Absetzen der verschriebenen Medikamente informiert sind; Patienten, bei denen ein Rückfall der zugrundeliegenden Erkrankung oder andere medizinische Erkrankungen als der Entzug diagnostiziert werden; Patienten, die Rat außerhalb der regulären Gesundheitsversorgung suchen, einschließlich in Online-Foren; und signifikante Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit derjenigen, die einen Entzug erleben.

Diskussion:

Es zeigen sich mehrere verbesserungswürdige Punkte: die Notwendigkeit einer Aktualisierung der Leitlinien, um den verschreibenden Ärzten zu helfen, Antidepressiva-Entzugssymptome zu erkennen und den Prozess der informierten Zustimmung zu verbessern; eine größere Verfügbarkeit von nicht-pharmakologischen Optionen zur Bewältigung des Leidensdrucks; eine größere Verfügbarkeit von Best-Practice-Beispielen für das Ausschleichen von Medikamenten wie Antidepressiva; und die entscheidende Bedeutung von Patienten-Rückmeldungen. Obwohl die in dieser Analyse erfassten Patienten möglicherweise schwerwiegendere Medikamentenentzugserfahrungen als der Durchschnitt darstellen, verdeutlichen sie die derzeitige Unzulänglichkeit der Gesundheitssysteme bei der Erkennung und Bewältigung des verschriebenen Medikamentenentzugs sowie das Patientenfeedback im Allgemeinen."



News bei Mad in America über den Artikel: https://www.madinamerica.com/2020/12/li ... xperience/


Liebe Grüße

Niemandsland
Zuletzt geändert von Niemandsland am 11.05.2021 19:41, insgesamt 3-mal geändert.
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2021 Wichtige Umfrage über Antidepressiva-Entzug, BITTE TEILNEHMEN: viewtopic.php?p=411512#p411512
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Re: "Die Stimme der Patienten", Artikel über AD-Entzug und Fehldiagnosen nach dem Absetzen von Anne Guy & Horowitz

Beitrag von Niemandsland »

Hallo ihr Lieben,

im British Journal of General Practice (wird von tausenden Allgemeinmedizinern in England gelesen), ist zum oben genannten Artikel ein kurzer Meinungsartikel von Marion Brown und Stevie Lewis erschienen.

Veröffentlicht hier: https://bjgplife.com/2020/12/03/the-pat ... s-and-fnd/

Übersetzung im Ganzen folgt, da er sehr kurz ist.


Liebe Grüße

Niemandsland
Zuletzt geändert von Niemandsland am 11.05.2021 19:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Die Stimme der Patienten", Artikel über AD-Entzug und Fehldiagnosen nach dem Absetzen von Anne Guy & Horowitz

Beitrag von Niemandsland »

"Wir schreiben als Petenten der 2017 gestarteten öffentlichen schottischen und walisischen Parlamentspetitionen, um unsere anhaltende Besorgnis über Fehldiagnosen insbesondere von Antidepressiva-Abhängigkeit und -Entzug auszudrücken.

Es ist inzwischen anerkannt, dass Antidepressiva, insbesondere SSRIs und SNRIs, das zentrale Nervensystem beeinflussen, abhängig machen und Nebenwirkungen, unerwünschte Wirkungen und Entzug verursachen können (Public Health England 2019 Dependence and withdrawal associated with some prescribed medicines: an evidence review)

Im Jahr 2019 veröffentlichte das Royal College of Psychiatrists (RCPsych) eine Stellungnahme zu Antidepressiva.1 Im September 2020 veröffentlichten sie ein Faltblatt zum Thema "Absetzen von Antidepressiva", das vom Royal College of General Practitioners (RCGP), dem Royal College of Pharmacists und NICE unterstützt wird.

Unser kürzlich veröffentlichtes Forschungspapier "The 'patient voice': patients who experience antidepressant withdrawal symptoms are often dismissed, or misdiagnosed with relapse, or a new medical condition" (Die Stimme der Patienten: Patienten, die Antidepressiva-Entzugssymptome erleben, werden oft abgetan oder mit einem Rückfall oder einer neuen Krankheit fehldiagnostiziert), das wir zusammen mit Anne Guy und Mark Horowitz verfasst haben, fasst Patientenaussagen zusammen, die für unsere Petitionen veröffentlicht wurden, und wurde von der All Party Parliamentary Group for Prescribed Drug Dependence in Auftrag gegeben.

Dieses Papier verfolgt 158 gesammelte Patientenberichte über die Ätiologie der Entwicklung aller Arten von verschreibungspflichtigen medikamentenbezogenen "Symptomen", die auf verschiedene Weise als "Rückfall", andere Krankheiten, "unerklärliche Symptome" und/oder "funktionelle" Störungen fehldiagnostiziert wurden. Das Papier hebt acht "Fehlerpunkte" hervor, an denen das System zu einer Verschlimmerung der Probleme geführt hat, für Patienten und Verordner.

Wir sind alarmiert über den kürzlich erschienenen BMJ "Practice Pointer" von Stone et al, der Hausärzte dazu ermutigt, funktionelle neurologische Störungen (FND) "zu erkennen und zu verstehen". Wir haben auf diesen BMJ-Artikel geantwortet - ebenso wie Jill Nickens, Mitbegründerin der Akathisia Alliance for Education and Research Akathisia Alliance for Education and Research. Unsere anhaltende Sorge ist, dass Hausärzte weiter dazu angeleitet werden, Fehldiagnosen zu stellen und die lebenswichtigen Hinweise auf schwerwiegende verschriebene Arzneimittelwirkungen, einschließlich lebensbedrohlicher Akathisie, zu übersehen, und dass dies zu vermeidbaren Schäden, chronischen Erkrankungen, Behinderungen und Todesfällen führt. Die folgenden wesentlichen Fragen (für Behandler und Patienten) sind nicht in der von Stone et al. vorgeschlagenen Fragenliste enthalten:

Wie sieht die Medikationsgeschichte der Person aus - von den ersten verschriebenen Medikamenten an und dann über einen langen Zeitraum?

Wann sind die "unerklärlichen"/"funktionellen" Symptome zum ersten Mal aufgetreten, insbesondere im Zusammenhang mit den verordneten Medikamenten, d.h. die Möglichkeit von unerwünschten Medikamentenwirkungen oder Entzug?


Unsere eigenen Untersuchungen zeigen, dass "in dieser Stichprobe [von 158 Fällen] 25 % der Patienten mit Antidepressiva-Entzug, die sich bei ihrem Hausarzt vorstellten, mit MUS [medizinisch unerklärliche Symptome], einer 'funktionellen neurologischen Störung' [FND] oder einem 'chronischen Müdigkeitssyndrom' CFS diagnostiziert wurden. Viele der Anzeichen und Symptome, die mit diesen medizinisch unerklärten Störungen verbunden sind und die im häufig verwendeten PHQ-15 erfasst werden, überschneiden sich mit den Symptomen eines Antidepressiva-Entzugs, einschließlich Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Herzrasen, Schwindel, Kopf- und Rückenschmerzen".

In den "Top Ten Tips" der RCGP für Allgemeinmediziner heißt es: "Nummer 3. MUS machen bis zu 20% der hausärztlichen Konsultationen aus. 25% verbleiben in der Primärversorgung für mehr als 12 Monate". Die Royal College of Psychiatrists schätzt, dass "etwa 1 von 4 Menschen, die ihren Hausarzt aufsuchen, solche Symptome haben" und "In einer neurologischen Ambulanz ist es 1 von 3 Patienten oder mehr"... "Ein anderer gebräuchlicher Begriff ist 'funktionell' - die Symptome sind auf ein Problem in der Funktionsweise des Körpers zurückzuführen, obwohl die Struktur des Körpers normal ist".

Wir fordern Hausärzte auf, unser "Die Stimme der Patienten"-Artikel zu lesen, sich auf die neuen Informationen über das "Absetzen von Antidepressiva" zu beziehen und das Royal College of General Practitioner aufzufordern, dringend aktualisierte Leitlinien für alle verschreibenden Ärzte zu erstellen, die diese veröffentlichten und neuen Erkenntnisse widerspiegeln.

Der BJGP-Artikel "Guidance for psychological therapists: information for GPs advising patients on antidepressant withdrawal" (Anleitung für Psychotherapeuten: Informationen für Allgemeinmediziner, die Patienten zum Absetzen von Antidepressiva beraten) des Autors Stevie Lewis ist relevant. Patienten werden zunehmend von ihren Verordnern verlangen, dass sie ihr Bedürfnis nach informierter Autonomie unterstützen, um ihre Antidepressiva-Belastung zu managen und zu reduzieren, um weiteren Schaden zu minimieren.

Wir fordern die verschreibenden Ärzte dringend auf, ihre Patienten auf mögliche Nebenwirkungen von Antidepressiva und/oder potenzielle Probleme bei der Dosisänderung und dem Absetzen von Antidepressiva hinzuweisen, bevor sie einem Patienten ein Antidepressivum verschreiben - und bevor sie die spätere Entwicklung von "unerklärlichen" "funktionellen" Symptomen auf psychosomatische "medizinisch unerklärte" oder "funktionelle" Syndrome und Störungen zurückführen. Dies ist entscheidend für die so wichtige Arzt-Patienten-Beziehung, für eine ordnungsgemäß informierte Einwilligung - und für die Reduzierung von verschriebenen Medikamentenschäden und dem daraus resultierenden Chaos im Nervensystem."



- Marion Brown und Stevie Lewis
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Murmeline
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Re: "Die Stimme der Patienten", Artikel über AD-Entzug und Fehldiagnosen beim Absetzen von Anne Guy & Horowitz

Beitrag von Murmeline »

Marie Brown ist übrigens Angehörige. Es zeigt sich mal wieder, dass persönliche Betroffenheit (selbst oder in der Familie) den Blick für die Problematik schärft.

Hier ein Statement von ihr:
viewtopic.php?p=173055#p173055

Grüße, Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

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