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Der Bann durch die Medikamente - Medication spellbinding

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Oliver
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Der Bann durch die Medikamente - Medication spellbinding

Beitrag von Oliver »

Vielen Dank an edgar für diesen Beitrag.

Hallo zusammen,

ich möchte kurz den Begriff des medication spellbinding auf deutsch übersetzen bzw. erläutern, über den ich kürzlich im 2013 erschienenen Buch von Dr. Peter Breggin "Psychiatric drug withdrawal" gelesen habe und den ich sehr wichtig finde. Der Begriff und die Erläuterung dazu finden sich auch unter folgendem Link:

http://www.breggin.com/index.php?option ... iew&id=187

Medication spellbindung lässt sich ins Deutsche gar nicht so leicht übersetzen. Ich würde es am ehesten mit

Bann durch bzw. fesselnder Anziehungskraft von Medikamente/n

übersetzen.

"Psychiatrische Medikamente und alle Medikamente oder Drogen, die die Psyche beeinflussen, ziehen das Individuum in ihren Bann, in dem sie die schädlichen Wirkungen auf Gefühl und Verstand maskieren bzw. verhüllen. Wenn die Person eine Nebenwirkung auf die Psyche erfährt, wie Wut oder Traurigkeit, wird er oder sie die Nebenwirkung wahrscheinlich etwas anderem als dem Medikament zuschreiben, vielleicht Angehörigen die Schuld geben oder der eigenen psychischen Erkrankung.Menschen, die Psychopharmaka einnehmen, behaupten oft, dass sie sich besser als je zuvor fühlen, während in Wirklichkeit ihr Verstand, ihr Gefühlsleben und ihr Verhalten beeinträchtigt sind. Im Extremfall bringt der Bann durch die Medikamente auf der anderen Seite gut funktionierende und ethisch (denkende und handelnde, Anm. des Übersetzers) Menschen dazu, kriminelle Taten zu verüben, Gewalt auszuüben oder Selbstmord zu begehen."


Ergänzung zum Thema "medication spellbinding":

Aus dem Buch "Psychiatric Drug withdrawal" von Peter R. Breggin, MD, Seite 109, 110:

Deutsche Übersetzung:

"Medication spellbinding" (der Bann durch die Medikamente) ist sehr verbreitet und erscheint wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad bei den meisten Behandlungen mit Psychopharmaka. "Medikation spellbinding" kommt häufig während des Absetzens bzw. des Entzugs von Medikamenten vor, indem es bei den Patienten verursacht, dass sie es versäumen, gefährliche Absetz- bzw. Entzugsreaktionen zu erkennen oder richtig einzuschätzen."
Ich sag jetzt auch einfach mal in meiner Signatur Hallo und Tschüss :)

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Herbstwind
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Re: Der Bann durch die Medikamente - Medication spellbinding

Beitrag von Herbstwind »

Das für das Thema.

Ich litt auch darunter. Machte alles mögliche für meinen Zustand verantwortlich, nur nicht die Medikamente. Sogar die Pubertät.
Leider unterstützen Ärzte das noch.

Als ich wegen körperlicher Nebenwirkungen von Fluvoxamin öfters in Krankenhaus fuhr, sagte man mir dort einmal sogar, dass aufgrund der Tatsache, dass ich ein Antidepressivum einnahm, meine Beschwerden von einer psychischen Erkrankung herrühren müssten.

Normalerweise hätte meine Straftat und der ganze Zustand verhindert werden können, wenn man die Medikamente kritisch hinterfragt hätte.
Es war leider tatsächlich so, dass ich dachte, diese schlimmen Dinge tun zu müssen.

Eine Freundin von mir nahm auch SSRIs und wurde immer suizidaler. Weder sie noch ich könnten sie warnen, weil wir dachten, Antidepressiva seien ja - im Vergleich zu Neuroleptika - harmlose Psychopharmaka. Ich weiß nicht, ob sie noch lebt. Ich versuche es erfolglos herauszufinden.
Auch habe ich damals, wenn ich nach meiner Einschätzung gefragt wurde, problemlos anderen Menschen Antidepressiva empfohlen.

Das liegt einfach daran, dass die Nebenwirkungen nicht so offensichtlich sind und man durch die Wirkung selbst sorglos und gewissenlos werden kann. Jedenfalls war es bei mir und ein paar anderen so.

Gruß, Herbstwind
Psychopharmaka, die ich eingenommen habe:

09/1995 - 04/1996: Haloperidol, 21 Tropfen pro Tag (2,1 mg) wegen Wutanfällen, die ich hatte, weil ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Heimweh hatte), Promethazin gegen die durch Haloperidol ausgelösten Schlafstörungen, Levomepromazin als Bedarfsmedikation

Ende 1999 - Frühling 2000: Sulpirid gegen Schwindel (der eigentlich Erschöpfung war) und zur Antriebssteigerung, 200 mg pro Tag

Juni 2001 - Sommer 2002: Fluvoxamin, erst eindosiert auf 125 mg pro Tag, dann wegen Unruhe 75 mg pro Tag
Sommer 2002 - Februar 2003: Fluvoxamin 300 mg pro Tag

Herbst 2002: ca. 4 Wochen lang zusätzlich Clomipramin (geringe Dosis, um ein Serotonin-Syndrom zu vermeiden)
Zusätzlich Lorazepam und/oder Diazepam und/oder Oxazepam als Bedarf

Februar 2003 - April 2004: Paroxetin, erst 20, später 40 mg oder mehr (genaue Dosierung weiß ich nicht mehr)
Zusätzlich Lorazepam und/oder Diazepam und/oder Oxazepam als Bedarf, außerdem kurzzeitig Levomepromazin und Promethazin als Festmedikation, sowie später als Bedarf

März 2003 - Mai 2003: Risperidon, (Dosierung weiß ich nicht mehr genau, ich glaube 2 mg pro Tag)

Seit Juli 2003: Carbamazepin Retard, anfangs geringe bis normale Dosis, später 1200 mg pro Tag, von Mitte/Ende 2004 bis Frühsommer 2006 auf 900 mg pro Tag reduziert, seitdem offizielle Erhaltungsdosis
Anfangs kurzzeitiger Wechsel auf Valproat, dann aber wieder zu Carbamazepin Retard zurück, obwohl weder das eine noch das andere gegen die Wirkung der SSRI-Antidepressiva ankamen. Dafür wurden sie mir aber gegeben bzw. offiziell gegen eine Persönlichkeitsstörung, mein Verhalten war aber so extrem wegen der SSRI-Antidepressiva.

Sommer 2003 - Anfang 2005: Chlorprothixen als Bedarfsmedikation (Dosierung weiß ich nicht mehr genau, ich glaube, es waren 50 mg)

August 2003 - September 2003: Perazin (Dosierung weiß ich nicht mehr)

Herbst 2003: Ca. 4 Wochen lang Ziprasidon (Dosierung weiß ich nicht mehr)

April 2004 - Juli 2004: Escitalopram (Dosierung weiß ich nicht mehr)

Seit 2005: Promethazin als Bedarf, zwischendurch Pipamperon als Bedarf, Letzteres aber nie genommen, dann wieder Promethazin als Bedarf

April 2012 - Mai 2012: Haloperidol 10 mg pro Tag

Seit November 2014: Diazepam als Bedarf

Von September 2015 - Februar 2019: Carbamazepin Retard eigenmächtig reduziert (die genauen Schritte weiß ich nicht mehr, ich habe von September 2015 - Februar 2016 langsam runterdosiert) bis auf 150 mg pro Tag. Seit Februar 2019 wieder offizielle Dosis

Ende Januar 2021 - Mitte März 2021 : Carbamazepin Retard von 2 Mal 450 mg pro Tag reduziert auf 2 Mal 150 mg pro Tag

Seit Mitte Juni 2021: komplett ohne Psychopharmaka
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