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 ! Nachricht von: Oliver
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Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Oliver
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Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Oliver »

Ich habe mich auf die Bemerkung eines Forumsmitgliedes hin, dass Prof. Ulrich Hegerl so eine Art SSRI-Absetzexperte sei, mal ein wenig im Netz und auf den Seiten des Kompetenznetzes Depression umgeschaut. Und ich kann nicht behaupten, dass mir gefällt, was ich gefunden habe. Ganz im Gegenteil: Ich ärgere mich mehr und mehr über die Vorgehensweise des Kompetenznetzes und dessen Sprecher Ulrich Hegerl. Ich habe nicht das Gefühl, dass die fünf Millionen Euro Förderungsgelder vom Bund dort gut angelegt sind. Die SSRI-Problematik wird kategorisch geleugnet und es wird nach wie vor stark auf deren Verschreibung gedrängt. Es gibt sogar Programme, die Hausärzte dazu anleiten öfter Depressionen zu diagnostizieren und dann SSRI (zumindest wird dazu geraten) zu verschreiben - ich halte das für verantwortungslos, es werden definitiv schon jetzt zu vielen und den falschen Menschen SSRI verschrieben. Wer weiß, auf was für wackeligen Beinen die gesamte biologische Sichtweise der Depressionen steht, kann derartiges Vorgehen nicht gutheißen, da unterm Strich mehr Schaden als Gutes angerichtet werden könnte.

Als Beispiel mal Folgendes:

Es gibt ein Screening-Subprojekt, welches folgendermaßen zusammengefasst wird:
Ein Subprojekt des Kompetenznetzes „Depression“ hat gezeigt, dass einfache Screening-Fragebögen es den Hausärzten ermöglichen, schneller und gezielter Depressionen zu erkennen. Die Fragebögen können z.B. vom Patient bereits im Wartezimmer ausgefüllt werden und umfassen oft nicht mehr als fünf einfache Fragen. Die Antworten des Patienten lassen gezielte Rückschlüsse auf mögliche psychiatrische Erkrankungen zu.
Schneller und gezielter Depressionen erkennen mit fünf Fragen :shock: ich denke eher, dass solche Aktionen dazu führen, dass noch mehr Leute als depressiv diagnostiziert werden, welche einfach nur unglücklich sind (dazu gibt es in unserer Gesellschaft ja auch genug Gründe) oder in einer ernsten Krise stecken. Diesen werden dann SSRI verschrieben, welche ihnen eventuell mehr Probleme bereiten als das sie helfen. Man könnte jetzt natürlich argumentieren, dass das ja sicher alles viel ausgefeilter und komplexer ist - ist es aber leider nicht.
Hier ist der Komplette Text von "Screening im Wartezimmer" nachzulesen: http://www.mmw.de/pdf/mmw/103414.pdf

Hegerls Meinung nach, werden nur 10% der Depressionen erkannt und er findet, dass die Hausärzte einfach mal jeden mit diesem Fragebogen im Wartezimmer konfrontieren sollten:

Bild

Wer da weniger als 13 Punkte hat, der wird, schwupps durch folgendes Schema gemangelt:

Bild

Wenn die Depression dann erstmal diagnostiziert ist, soll der Arzt informieren - da sind einige ganz nette Sachen dabei, aber hier wurde ich stutzig:
Im ärztlichen Gespräch sollte daher der Patient über die eingeleiteten Schritte informiert werden. (Warum Antidepressiva? Was werden die nächsten Schritte sein?)
Warum Antidepressiva ... es sollen also auf jeden Fall Antidepressiva verschrieben werden :shock: Auf welcher Grundlage?

Es gibt auch noch ein Video vom Kompetenznetz (für 40 EURO), welches folgendermaßen angepriesen wird:
In diesem Video werden die biologischen Grundlagen der Depression erläutert und Informationen zur Pharmakotherapie vermittelt
1. Die biologischen Grundlagen der Depression sind bis heute nicht nachweisbar, sondern nur sehr wackelige Konstrukte aus den 1950ern (siehe auch Mythos: Depressionen als Stoffwechselstörung im Gehirn oder Darf man LSD und SSRI vergleichen? (Abschnitt "LSD und eine klitzekleine Geschichte der Psychopharmaka") oder Literaturtips ). Die einzigen, die immer noch ernsthaft mit den biologischen Ursachen der Depression wedeln (wo sie noch dürfen ;) ), sind die Hersteller von ADs und Ärzte die es nicht besser wissen (wollen).

2. Sehr interessant auch wieder, dass in dem Video nur Informationen zur Pharmakotherapie vermittelt werden, obwohl sich die kognitive Verhaltenstherapie als mindestens genauso effektiv, ohne gefährliche Nebenwirkungen und Abhängigkeitspotential mit nachhaltigerer Wirkung herausgestellt hat.

Das mittlerweile bekannte Abhängigkeitspotential von SSRI erwähnt Herr Hegerl nirgends. Auch die mittlerweile bis nach Deutschland geschwappten Zweifel am günstigen Risiko/Nutzen-Verhältnis von SSRI werden nirgends erwähnt. Mir kommt das Kompetenznetz Depression eher vor wie ein weiteres Marketingorgan der Pharmas - da passt es ganz gut, dass das angegliederte Diskussionsforum für Patienten von Pfizer (Zoloft - ein SSRI) gesponsort wird. In diesem Forum werden Informationen wie sie hier zur Verfügung stehen gezielt zensiert oder als radikales Geschwafel abgetan. Jede weiterführende kritische Diskussion über Antidepressiva wird von Forumsmitgliedern und den Moderatoren abgewürgt.

Oliver
Zuletzt geändert von Oliver am 02.07.2005 11:46, insgesamt 14-mal geändert.
Oliver
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Absetzprobleme gibt es laut Hegerl nicht

Beitrag von Oliver »

Hier ein paar Beispiele, wie kategorisch Ulrich Hegerl - der Sprecher des Kompetenznetzes Depression - jegliche mögliche Problematik bei SSRI (er spricht einfach ganz allgemein von Antidepressiva :shock:) verleugnet (Mehr Infos zu Herrn Hegerl).

Herr Hegerl meint zur Abhängigkeit von ADs hier mal ganz pauschal:
Prof. Dr. Ulrich Hegerl hat geschrieben: Viele Menschen haben Angst vor Medikamenten und fürchten, abhängig zu werden. Diese Sorge ist aber unbegründet, erklärt Prof. Dr. Hegerl, der Sprecher des bundesweiten Forschungsprojektes Kompetenznetz Depression ist. Antidepressiva - das sind Medikamente, die speziell gegen die Depression wirken - machen im Gegensatz zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln nicht abhängig.
Oder hier
Prof. Dr. Ulrich Hegerl hat geschrieben: Im Gegensatz zu anderen Psychopharmaka wie chemischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln machen Antidepressiva weder abhängig noch verändern sie die Persönlichkeit.
oder hier
"Bei mittelschweren und schweren Depressionen ist die Behandlung mit Antidepressiva dringend geboten", sagt Prof. Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Poliklinik der Universität München. Moderne Präparate seien keine "chemische Keule", machten nicht abhängig und wirkten gezielt gegen die Depression.
Schon alleine die Tatsache, dass er in seinen "Aufklärungstexten" alle Antidepressiva völlig undifferenziert in einen Topf wirft ist meiner Meinung nach eine unverzeihliche Simplifikation der Thematik.

Aber jetzt kommt der Hammer! SSRI sind für Herrn Hegerl 'ne dufte Sache. Bei Johanniskraut muss man seiner Meinung nach aber vorsichtig sein :shock: (Quelle)
Ulrich Hegerl warnt:"Die Präparate mit hohen Mengen des Wirkstoffes gibt es nur in der Apotheke und sollten nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden. Es gibt nämlich einige Nebenwirkungen, zum Beispiel Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten." Bei tiefen Depressionen kann das Naturheilmittel allerdings nichts ausrichten. Hier ist der Einsatz anderer, speziell gegen Depressionen wirkender Arzneien angezeigt. "Viele Menschen haben Angst vor Medikamenten und fürchten süchtig zu werden. Diese Sorge ist aber unbegründet. Im Gegensatz zu Schlaf- oder Beruhigungsmitteln machen Antidepressiva nicht abhängig", erklärt der Experte.
Da warnt er also ... bei Johanniskraut! Bei SSRI muss man wohl nicht warnen (obwohl im Beipackzettel noch nicht mal die Hälfte von dem drinsteht was wirklich auf Dich zukommen kann, wenn Du es einnimmst).

Was ich auch lustig finde ist die mantraartige Wiederholung des Statements "... machen nicht abhängig ..." das erzählt er überall. Immer wieder. Ungefragt.

Auch in der Presseinformation des Kompetenznetzes Depression muss er es noch mal betonen:
Prof. Dr. Ulrich Hegerl hat geschrieben: Diese Medikamente haben einen schlechten Ruf. Zu Unrecht: Im Gegensatz zu den Befürchtungen vieler Menschen kann klar festgestellt werden, dass Antidepressiva nicht abhängig machen und die Persönlichkeit nicht verändern.
Also: Wer der Meinung ist, dass der Herr Hegerl da was nicht ganz mitbekommen hat, kann ihm ja gerne eine Mail schreiben.

Oliver
Zuletzt geändert von Oliver am 19.11.2006 00:19, insgesamt 3-mal geändert.
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Suizid

Beitrag von Oliver »

SSRI können Selbstmordgedanken auslösen. Das Beweisen die Analysen der Rohdaten der klinischen Studien z.B. von GSK. Sogar gesunde Freiwillige wurden unter dem Einfluss von Paroxetin oder erst kürzlich Duloxetin in Studien suizidal. Trotzdem hält Herr Hegerl es sogar für nötig eine Stellungnahme zu veröffentlichen, welche diese Möglichkeit weit von sich weist. Wir haben Peter Ankarberg einen schwedischen Experten mit seiner Argumentation konfrontiert und er hat uns die Schwachstellen der Studien aufgezeigt, welche Hegerl nennt, um seine Postion zu untermauern.

Siehe: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Oliver
Zuletzt geändert von Oliver am 25.06.2005 22:28, insgesamt 2-mal geändert.
Murmeline
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Murmeline »

Ulrich Hegerl hat seine Ansichten bis heute nicht geändert:
In der Behandlung einer mittelschweren oder schweren Depression befürwortet Hegerl den Einsatz von Medikamenten: "Antidepressiva sind momentan die beste Behandlung, die wir haben." So führt er weiter aus, dass aufgrund des Versorgungsengpasses, der in Deutschland herrscht, mehr Menschen auf diese Weise geholfen werden könne. Da ein Psychotherapeut im Jahr nur etwa 50 bis 60 Patienten versorgen könne, Fachärzte mit Medikamenten jedoch 800 bis 1000 Menschen erreichen würden. Obwohl er auch die Psychotherapie als wichtige Behandlungsmethode anerkennt, macht er deutlich, Antidepressiva würden entgegen der häufig geäußerten Kritik nicht abhängig machen und seien auch nicht persönlichkeitsverändernd.

Stattdessen würden sie lediglich Ungleichgewichte von Botenstoffen im Gehirn wieder ins Gleichgewicht bringen.
http://mephisto976.de/news/medikamente- ... -ruf-51716
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Murmeline »

Ach, so:

Mitgliedschaft in Beratungsgremien:
Mitglied in Advisory Boards (Lilly Deutschland GmbH, Lundbeck Deutschland, Takeda Pharmaceuticals, Otsuka Pharma GmbH)
http://www.bundesaerztekammer.de/filead ... Hegerl.pdf

Ob so etwas eine differenzierte Stellungsnahme verhindert?

Lilly Deutschland:
Cymbalta: Duloxetin (Antidepressivum)
Fluctin: Fluoxetin (Antidepressivum)
Parkotil: Pergolid (Parkinson-Krankheit)
Strattera: Atomoxetin (Behandlung der ADHS)
Zyprexa: Olanzapin (Atypisches Neuroleptikum)
https://de.wikipedia.org/wiki/Eli_Lilly_and_Company

Lundbeck Deutschland
Brintellix®
Cipralex®
Cipramil®
Escitalopram Lundbeck
Nortrilen®
Parkinsan®
Selincro®
Serdolect®
Sycrest®
Taxilan®
http://www.lundbeck.com/de/praeparate/praeparate

Takeda Pharmaceuticals
BRINTELLIX (U.S.)
http://www.takeda.com/products/list-02.html

Otsuka Pharma GmbH
Abilify
https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%8Ctsuka_Seiyaku
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Murmeline »

Hier immerhin betont er die "zwei Seiten":
Die Depression wird sowohl von der körperlichen, genauer der neurobiologischen Seite her als auch von der psychischen und psychosozialen Seite her erklärt und auch behandelt. Wie bei den zwei Seiten einer Medaille ergänzen sich auch hier die beiden Betrachtungsweisen. (...) Und dabei möchte ich ausdrücklich betonen, dass die Psychotherapie bei der Behandlung von Depressionen auch sehr wichtig ist. Es gibt kognitive Verhaltenstherapien, die den Betroffenen im Hier und Jetzt helfen, die das Rollenverhalten verändern können, in den Menschen das Nein-Sagen lernen, in denen man sich prüfen und feststellen kann, ob man sich im Leben immer wieder in Situationen manövriert, in denen man überfordert ist.

Aber, natürlich:
Man kann Depressionen gut mit Medikamenten behandeln. Aber wir Deutschen sind Schlusslicht in Europa was die Bereitschaft angeht, Anti-Depressiva zu nehmen. Bei uns denken die meisten Menschen, Anti-Depressiva hätten schwere Nebenwirkungen oder würden in die Abhängigkeit führen. Das entspricht nicht den Tatsachen.
http://www.forschung-fuer-unsere-gesund ... ennen.html
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LinLina
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von LinLina »

Danke für die Beiträge!!! Oje, dieser Fragebogen von der WHO, damit wird ja fast jeder Kranke zum Depressiven. Das ist unheimlich. Und die Äußerungen von Prof. Hegerl. Ohne Worte.
Im Absetzprozess seit 2014: Lorazepam (Benzo) erfolgreich abgesetzt. Mirtazapin aktuell (seit Sommer 2018) 0,005 mg.

Ich bin zur Zeit nicht im Forum aktiv. Bei Fragen und Bitten an das Team an padma, Ululu69 oder murmeline wenden.

Hinweis: Alle meine Aussagen dienen der allgemeinen Information und begründen sich auf Erfahrungswerte - meine eigenen, und die anderer Betroffener - und die wenigen bekannten Studien zur Absetzproblematik. Ich bin weder Ärztin noch Psychologin. Meine Erfahrungen und Tipps sind daher keine medizinische Beratung und können eine solche nicht ersetzen.
Alex61
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Alex61 »

Antidepressiva werden absolut verharmlost, und ich wünschte ich hätte mehr darüber gewußt.
Aber es hätte mir nix genutzt, da der neu aufgesuchte Hausarzt einfach mit Infusionen arbeitete, und damit das Unheil seinen Lauf nahm.....

Viele Grüße
Alex
Oliver
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Oliver »

Moin,

bin ich grad drüber gestolpert: ein podcast mit Herrn Hegerl, wo er immer noch sein altes Liedchen singt: https://www.youtube.com/watch?v=SVR-6vP_QLY

Hier ist der Twitterthread dazu, falls jemand dort dazu kommentieren möchte:

Es wird immer von einer mysteriösen Gegenseite gesprochen und Depression heute wird erwähnt. Für Hegerl sind das alles immer sehr persönliche Erfahrungsberichte, die leider leider den Leuten unnötige Angst vor den tollen, sicheren, gut wirksamen ADs einjagen wollen ...

Er verwendet weiterhin die Insulinanalogie und nennt Depressionen eine "Gehirnkrankheit".

Es gilt für Herrn Hegerl immer noch der Grundsatz: wenn es hilft, war es das Medikament, wenn es schadet, war das ein ganz doller Einzelfall und wahrscheinlich war der Patient schuld.

lg
Oliver
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Oliver »

Moin,

Hier ist ein interessanter Bericht vom ARD mit der Frage: "Ist die Deutsche Depressionshilfe unabhängig von der Pharmabranche?"

https://youtu.be/2lQs2TQCfx0

lg
Oliver
Dietrich
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Dietrich »

Hi!
"Prof. Dr. Ulrich Hegerl hat geschrieben:
Im Gegensatz zu anderen Psychopharmaka wie chemischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln machen Antidepressiva weder abhängig noch verändern sie die Persönlichkeit."

Vielleicht sollte Herr hegerl mal einfach eine schöne depotspritze Zyprexa bekommen um zu sehen wie bekömmlich das Zeug ist.
Sorry aber das is zum k......
Grüße dirk
09/2018 Psychiatrie
DIAGNOSE 1: Somatoforme Funktionsstörung
Quetiapin 100 mg
10/2018 zuhause Versuch Prozac 20 mg
2 Wochen
Beginn zusätzlicher Symptome PSSD
11/2018 Experimente mit NEM auch Joha, nochmal
kurz Quetiapin, dann medifrei

05/2019 Privatklinik für Somatoforme
Funktionsstörung
DIAGNOSE 2: Somatizierung mit Wahnanteilen und
Depression
2.5 mg Abilify 5 Monate wegen
Angst- und Panikattacken , heute weiß
ich; dies war immer noch Prozacentzug

10/2019 Absetzen von Abilify mit totalen Crash
Pssd, DP/DR, Anhedonie, Aphaty,
Herzprobleme, Schlaflosigkeit, Durchfall

12/2019- 03/2020
Uniklinik Mainz/Psychiatrie wegen
Suizidgedanken
Versuche mit Moclo 600 mg,
Lithium 1125 mg, Ketamin 8 Injektionen

DIAGNOSE 3: Schwere Depressionen mit
psychotischen Anteilen

Spätestens jetzt war klar, dass längst nicht mehr meine Grunderkrankung das Problem war; sondern die Medis

seit 04/2020 PP-frei
06/2020 Versuch mit B3 doof gelaufen
07/2020 Verzicht auf weitere NEM-Versuche. Heilung kommt hoffentlich auf natürlichem Weg. Zwischendurch immer mal wieder Fenster und Hoffnung. Seit 11/2020 pensioniert :(

12/2020 nachdem ich 4 Wochen nochmal geraucht hab kompletter Setback mit Symptomverschlimmerung
= absolute Hölle

04/2021 langsame Erholung vom Crash
Clarissa
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Clarissa »

Hallo, Dirk.

Das habe ich damals all meinen ungläubigen Psychiatern vorgeschlagen, die mich von immer neuen "harmlosen" PP überzeugen wollten und mir die NW nicht abnahmen: Nehmen Sie das mal eine Woche selbst.Totales Unverständnis: wieso, WIR brauchen sowas doch nicht!

Seit ich die PP los bin, hat mich kein Psychiater mehr zu Gesicht bekommen.

VG von Clarissa
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Dietrich
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Dietrich »

Hi Clarissa!
Ja die Herrschaften sind zu erhaben bzw. wissen genau wie gut das Zeug ist.
Als ich im letzten Winter in der Psychiatrie der uniklinik mainz war hatte ich öfters so Gespräche mit dem Oberarzt oder zum Teil sogar mit dem chefarzt. Geil waren als die Antworten auf Fragen wie:"erklären Sie mir dann bitte vorher die wirkweise von Lithium!???"... "das weiß man nicht soooo genau...., ABER es wirkt!" das erinnerte mich dann immer an loriot oder monty python. Total die Witzfiguren. Oder auch krandios als sie mir EKT vorgeschlagen haben.... Antwort auf Fragen echt immer die gleiche sch.... "man sieht ja nicht genau was es sooo macht, aber es is voll gut!" pfff ich hab regelmäßig ekt leute gesehen die aussahen als hätten sie ein Kampf mit einem preisboxer gehabt. Teilweise nach 20 Sitzungen immer noch nix merkten an positiver Wirkung. Ich glaub diesen Affen nix mehr (sorry für die Wortwahl).
Grüße dirk
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Depression
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Suizidgedanken
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Lithium 1125 mg, Ketamin 8 Injektionen

DIAGNOSE 3: Schwere Depressionen mit
psychotischen Anteilen

Spätestens jetzt war klar, dass längst nicht mehr meine Grunderkrankung das Problem war; sondern die Medis

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07/2020 Verzicht auf weitere NEM-Versuche. Heilung kommt hoffentlich auf natürlichem Weg. Zwischendurch immer mal wieder Fenster und Hoffnung. Seit 11/2020 pensioniert :(

12/2020 nachdem ich 4 Wochen nochmal geraucht hab kompletter Setback mit Symptomverschlimmerung
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Herbstwind »

Hallo!
Dietrich hat geschrieben: 23.10.2020 08:40Vielleicht sollte Herr hegerl mal einfach eine schöne depotspritze Zyprexa bekommen um zu sehen wie bekömmlich das Zeug ist.
Zyprexa ist zwar kein Antidepressivum, aber die Idee ist gut. 😄

Gruß, Herbstwind
Psychopharmaka, die ich eingenommen habe:

09/1995 - 04/1996: Haloperidol, 21 Tropfen pro Tag (2,1 mg) wegen Wutanfällen, die ich hatte, weil ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Heimweh hatte), Promethazin gegen die durch Haloperidol ausgelösten Schlafstörungen, Levomepromazin als Bedarfsmedikation

Ende 1999 - Frühling 2000: Sulpirid gegen Schwindel (der eigentlich Erschöpfung war) und zur Antriebssteigerung, 200 mg pro Tag

Juni 2001 - Sommer 2002: Fluvoxamin, erst eindosiert auf 125 mg pro Tag, dann wegen Unruhe 75 mg pro Tag
Sommer 2002 - Februar 2003: Fluvoxamin 300 mg pro Tag

Herbst 2002: ca. 4 Wochen lang zusätzlich Clomipramin (geringe Dosis, um ein Serotonin-Syndrom zu vermeiden)
Zusätzlich Lorazepam und/oder Diazepam und/oder Oxazepam als Bedarf

Februar 2003 - April 2004: Paroxetin, erst 20, später 40 mg oder mehr (genaue Dosierung weiß ich nicht mehr)
Zusätzlich Lorazepam und/oder Diazepam und/oder Oxazepam als Bedarf, außerdem kurzzeitig Levomepromazin und Promethazin als Festmedikation, sowie später als Bedarf

März 2003 - Mai 2003: Risperidon, (Dosierung weiß ich nicht mehr genau, ich glaube 2 mg pro Tag)

Seit Juli 2003: Carbamazepin Retard, anfangs geringe bis normale Dosis, später 1200 mg pro Tag, von Mitte/Ende 2004 bis Frühsommer 2006 auf 900 mg pro Tag reduziert, seitdem offizielle Erhaltungsdosis
Anfangs kurzzeitiger Wechsel auf Valproat, dann aber wieder zu Carbamazepin Retard zurück, obwohl weder das eine noch das andere gegen die Wirkung der SSRI-Antidepressiva ankamen. Dafür wurden sie mir aber gegeben bzw. offiziell gegen eine Persönlichkeitsstörung, mein Verhalten war aber so extrem wegen der SSRI-Antidepressiva.

Sommer 2003 - Anfang 2005: Chlorprothixen als Bedarfsmedikation (Dosierung weiß ich nicht mehr genau, ich glaube, es waren 50 mg)

August 2003 - September 2003: Perazin (Dosierung weiß ich nicht mehr)

Herbst 2003: Ca. 4 Wochen lang Ziprasidon (Dosierung weiß ich nicht mehr)

April 2004 - Juli 2004: Escitalopram (Dosierung weiß ich nicht mehr)

Seit 2005: Promethazin als Bedarf, zwischendurch Pipamperon als Bedarf, Letzteres aber nie genommen, dann wieder Promethazin als Bedarf

April 2012 - Mai 2012: Haloperidol 10 mg pro Tag

Seit November 2014: Diazepam als Bedarf

Von September 2015 - Februar 2019: Carbamazepin Retard eigenmächtig reduziert (die genauen Schritte weiß ich nicht mehr, ich habe von September 2015 - Februar 2016 langsam runterdosiert) bis auf 150 mg pro Tag. Seit Februar 2019 wieder offizielle Dosis

Ende Januar 2021 - Mitte März 2021 : Carbamazepin Retard von 2 Mal 450 mg pro Tag reduziert auf 2 Mal 150 mg pro Tag

Seit Mitte Juni 2021: komplett ohne Psychopharmaka
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitrag von Herbstwind »

Hallo Alex61!
Alex61 hat geschrieben: 15.11.2015 19:25da der neu aufgesuchte Hausarzt einfach mit Infusionen arbeitete, und damit das Unheil seinen Lauf nahm.....
Gibt es Antidepressiva als Infusion?

Gruß, Herbstwind
Psychopharmaka, die ich eingenommen habe:

09/1995 - 04/1996: Haloperidol, 21 Tropfen pro Tag (2,1 mg) wegen Wutanfällen, die ich hatte, weil ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Heimweh hatte), Promethazin gegen die durch Haloperidol ausgelösten Schlafstörungen, Levomepromazin als Bedarfsmedikation

Ende 1999 - Frühling 2000: Sulpirid gegen Schwindel (der eigentlich Erschöpfung war) und zur Antriebssteigerung, 200 mg pro Tag

Juni 2001 - Sommer 2002: Fluvoxamin, erst eindosiert auf 125 mg pro Tag, dann wegen Unruhe 75 mg pro Tag
Sommer 2002 - Februar 2003: Fluvoxamin 300 mg pro Tag

Herbst 2002: ca. 4 Wochen lang zusätzlich Clomipramin (geringe Dosis, um ein Serotonin-Syndrom zu vermeiden)
Zusätzlich Lorazepam und/oder Diazepam und/oder Oxazepam als Bedarf

Februar 2003 - April 2004: Paroxetin, erst 20, später 40 mg oder mehr (genaue Dosierung weiß ich nicht mehr)
Zusätzlich Lorazepam und/oder Diazepam und/oder Oxazepam als Bedarf, außerdem kurzzeitig Levomepromazin und Promethazin als Festmedikation, sowie später als Bedarf

März 2003 - Mai 2003: Risperidon, (Dosierung weiß ich nicht mehr genau, ich glaube 2 mg pro Tag)

Seit Juli 2003: Carbamazepin Retard, anfangs geringe bis normale Dosis, später 1200 mg pro Tag, von Mitte/Ende 2004 bis Frühsommer 2006 auf 900 mg pro Tag reduziert, seitdem offizielle Erhaltungsdosis
Anfangs kurzzeitiger Wechsel auf Valproat, dann aber wieder zu Carbamazepin Retard zurück, obwohl weder das eine noch das andere gegen die Wirkung der SSRI-Antidepressiva ankamen. Dafür wurden sie mir aber gegeben bzw. offiziell gegen eine Persönlichkeitsstörung, mein Verhalten war aber so extrem wegen der SSRI-Antidepressiva.

Sommer 2003 - Anfang 2005: Chlorprothixen als Bedarfsmedikation (Dosierung weiß ich nicht mehr genau, ich glaube, es waren 50 mg)

August 2003 - September 2003: Perazin (Dosierung weiß ich nicht mehr)

Herbst 2003: Ca. 4 Wochen lang Ziprasidon (Dosierung weiß ich nicht mehr)

April 2004 - Juli 2004: Escitalopram (Dosierung weiß ich nicht mehr)

Seit 2005: Promethazin als Bedarf, zwischendurch Pipamperon als Bedarf, Letzteres aber nie genommen, dann wieder Promethazin als Bedarf

April 2012 - Mai 2012: Haloperidol 10 mg pro Tag

Seit November 2014: Diazepam als Bedarf

Von September 2015 - Februar 2019: Carbamazepin Retard eigenmächtig reduziert (die genauen Schritte weiß ich nicht mehr, ich habe von September 2015 - Februar 2016 langsam runterdosiert) bis auf 150 mg pro Tag. Seit Februar 2019 wieder offizielle Dosis

Ende Januar 2021 - Mitte März 2021 : Carbamazepin Retard von 2 Mal 450 mg pro Tag reduziert auf 2 Mal 150 mg pro Tag

Seit Mitte Juni 2021: komplett ohne Psychopharmaka
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