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padma
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Lexikon

Beitrag von padma »

hallo,

hier findet ihr kurze Erläuterungen zu Fachbegriffen, die im Forum öfters verwendet werden. Nach und nach werden weitere Einträge hinzu kommen.
Um zu einem Eintrag zu kommen, click den Anfangsbuchstaben an und scroll dann runter.

Informationen zu Psychopharmaka findet ihr in den Medikamentensteckbriefen

An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei LinLina, die viel Arbeit in dieses Lexikon gesteckt hat.

liebe Grüsse,
das ADFD Team



Übersicht:

A Abhängigkeit, Absetzgrippe, Absetzsyndrom, Acetylcholin, Agonist/Antagonist, Akathisie, Altostrata, anticholinerg, Antidepressiva, Ashton Manual,
B Bioverfügbarkeit, Benzodiazepine, Brain Fog, Brain Zaps,
C Chemisches Ungleichgewicht, circardian, Cortisol,

D Depersonalisation/Derealisation, Dopamin, Dyskinesie,
E Enthemmtes Alarmsystem, "Entzug-Normal" Zustand, Enzymatischer Abbau,
F Flitterwochen Effekt

G GABA (Gamma-Aminobuttersäure), Genotypisierung, "Gereiztes" Zentrales Nervensystem, Glutamat,
H Halbwertszeit, Histamin-Intoleranz,
I iatrogen, Interaktion (Arzneimittel),
J

K Kaltentzug, Kindling Effekt, Kumulation,
L
M Malignes neuroleptisches Syndrom, Metabolische Nebenwirkungen, Metabolit, Monoaminooxidase-Hemmer,

N Neuroadaption, Neuro-Emotionen, Neuroleptika, Neuroleptische Potenz, neurophysiologisch, Neuroplastizität, Neurotransmitter, Noradrenalin,
O Off-Label-Use,
P Paradoxe Reaktion, Phasenprophylaktika, Placebo, - effekt, poop-out, Protrahierter Entzug,
Prozac Bridge, PSSD (Post-SSRI Sexual Dysfunction)

Q QT-Verlängerung,
R Rebound Symptome, retard, Rezeptor,
S Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin, Serotininsyndrom, Serotonintransporter, Skills, Steady State, Supersensitivitätspsychose, Symptomtrigger, Synapse/ Synaptischer Spalt,

T Tapering, Trizyklische Antidepressiva,
U
V Vegetatives Nervensystem,

W Wellen und Fenster,
XY
Z Z-Drugs, Zentrales Nervensystem,
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

A

Abhängigkeit, Absetzgrippe, Absetzsyndrom, Acetylcholin, Agonist/Antagonist, Akathisie, Altostrata, anticholinerg, Antidepressiva, Ashton Manual,


Begriff

Abhängigkeit

Synonyme
Gewöhnung, körperliche/psychische Abhängigkeit, Sucht

Erklärung
Beim Absetzen vieler Medikamente, insbesondere bei Psychopharmaka aber auch bei Cortison und Beta-Blockern, treten aufgrund der Anpassung des Körpers an die regelmäßig zugeführte Substanz verschiedene Entzugssymptome auf. Zudem kann es zu einer Toleranzentwicklung kommen, das bedeutet die Wirksamkeit lässt trotz gleichbleibender Dosis nach. Dies entspricht einer körperlichen Abhängigkeit.

Psychische Abhängigkeit (Sucht) beinhaltet unter anderem das starke Verlangen, die entsprechende Substanz immer wieder zuzuführen (sog. Craving) und teilweise Kontrollverlust.

Der Sinn der grundlegenden Unterscheidung in suchterzeugende Benzodiazepine und „nur“ Absetzerscheinungen erzeugende Medikamente wie Antidepressiva und Neuroleptika ist aber aufgrund unserer Erfahrungen mehr als fraglich.

Weiterführende Links
* Antidepressiva machen abhängiger als man denkt!
* Abhängig von Antidepressiva?(Arzneitelegramm)
* http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21992148[/url]




Begriff

Absetzgrippe

Abkürzung
----

Synonyme
Entzugsgrippe, Paxil Flu

Erklärung
Unter einer Absetzgrippe versteht man entzugsbedingte Symptome, die einer Grippe sehr ähneln. Dazu gehören z.B. laufende / verstopfte Nase, Halsschmerzen, Reizhusten/ trockener Husten/ Räuspern, Schmerzen, fiebriges Gefühl,Grippe-Gefühl. Fieber ist möglich, tritt aber eher selten auf.

Bei einer Absetzgrippe handelt es sich nicht um einen echten Infekt. Im Einzelfall kann es schwierig sein, eine Absetzgrippe von einem Infekt zu unterscheiden.

Die Absetzgrippe wird auch als Paxil Flu (Flu,englisch für Grippe) bezeichnet, weil sie erstmalig beim Absetzen von Paroxetin (Paxil) beschrieben wurde.

Weiterführende Links
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Begriff

Absetzsyndrom/-erscheinungen

Synonyme
Entzugserscheinungen, Entzugssyndrom

Erklärung
Gesamtheit an Symptomen, die durch das Reduzieren oder vollständige Absetzen von Psychopharmaka neu auftreten oder sich verstärken. Absetzerscheinungen können sowohl kurz nach der Reduktion auftreten oder auch erstmals nach Wochen oder sogar Monaten auftauchen. In schweren Fällen können sie chronisch verlaufen und die Betreffenden in ihrer Lebensqualität stark einschränken. Der biochemische Hintergrund ist nicht genau bekannt. Ursache ist aber wahrscheinlich die verzögerte Anpassung verschiedener Rezeptoren an die Dosisveränderung und eine daraus folgende Instabilität.

Weiterführende Links
* SSRI-Absetzsyndrom
* http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=19&t=9345
* Grundlagen-Artikel Absetzsyndrom
* Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom
* Symptome im Langzeitentzug (Monica Cassani)
* Neuroleptika Absetzsymptome





Begriff

Acetylcholin

Abkürzung
ACh

Synonyme
Azetylcholin, Vagusstoff, (englisch: acetylcholine)

Erklärung
Acetylcholin ist ein biogenes Amin und spielt als Neurotransmitter eine zentrale Rolle bei der Regulation vieler Körpervorgänge. Er befindet sich sowohl im zentralen als auch peripheren Nervensystem. Im peripheren Nervensystem vermittelt Acetylcholin die Erregungsübertragung von den Nerven auf die Muskeln. Im zentralen Nervensystem spielt Acetylcholin eine wichtige Rolle bei der Erhöhung der Aufmerksamkeit beim Aufwachen, Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit, Lernen und dem Bilden von Erinnerungen.

Acetylcholin wirkt an zwei Typen von cholinergen Rezeptoren, dem nicotinischen Acetylcholinrezeptor und dem muskarinischen Acetylcholinrezeptor.

Das anticholinerge Syndrom wird als Nebenwirkung durch anticholinerg wirkende Medikamente hervorgerufen. Zu diesen gehören z.B. Propofol, Neuroleptika, Atropin, Antihistaminika, Benzodiazepine, trizyklische Antidepressiva sowie Opiate. Dabei kommt es zur weitgehenden Ausschaltung des Parasympathikus.

Weiterführende Links
* Acetylcholin - Wikipedia
* Acetylcholin - flexikon.doccheck.com




Begriff

Agonist/Antagonist

Erklärung

Agonist (altgriechisch agonistēs „der Tätige, Handelnde") bezeichnet in der Pharmakologie eine Substanz (Ligand), die durch Besetzung eines Rezeptors die Signalübermittlung in der zugehörigen Zelle aktiviert.

Ein Agonist kann sowohl eine körpereigene Substanz sein (z.B. Hormon, Neurotransmitter) als auch ein nicht-körpereigener Wirkstoff, der einen bestimmten Botenstoff in seiner Wirkung nachahmt bzw. ersetzt, in dem er an seinen Rezeptor bindet und dadurch die gleiche Reaktion auslöst, wie der Neurotransmitter selbst.

Agonismus ist das Wirkprinzip von Medikamenten, die als Ersatz eingesetzt werden, wenn die körpereigene Transmittersubstanz fehlt oder vermindert ist (z.B. L-Dopa bei Dopaminmangel). Psychopharmaka benutzen dieses Wirkprinzip um die Signalübertragung zu verstärken.

Von einem Partialagonisten spricht man, wenn der Transmitter in seiner Wirkung nur teilweise nachgeahmt oder ersetzt wird.

Als Antagonisten (altgriechisch antagōnistēs = Nebenbuhler, Feind) bezeichnet man eine Substanz, die die Wirkung eines Agonisten hemmt.

In der Pharmakologie bezeichnet Antagonist eine Substanz, die die Wirkung eines chemischen Stoffes (z.B. eines Neurotransmitters), dadurch verhindert, dass sie an seinen Rezeptor bindet und diesen blockiert. Ein Antagonist löst selbst keine pharmazeutisch bedeutsame Wirkung aus.

siehe auch "Neurotransmitter", "Rezeptor"

Weiterführende Links
* Agonist - Wikipedia
* Antagonist - Wikipedia
* Antagonist - flexikon.doccheck




Begriff

Akathisie

Abkürzung
---

Synonyme
Sitzunruhe, (engl. akathisia)

Erklärung
Akathisie ist ein Gefühl der massiven inneren Unruhe, das als sehr quälend empfunden wird. Akathisie kann sich als körperliches Unbehagen oder als Unfähigkeit zum stillen Sitzen, Stehen oder Liegen zeigen. Sie kann auch weniger offensichtlich sein und sich als konstantes und störendes Unbehagen im Geist, bis hin zu einer intensiven emotionalen Aufruhr zeigen. Die Betroffenen leiden oft unter innerem als auch motorischem Getriebensein und tigern ruhelos umher.

Akathisie wird oft irreführend als Bewegungsstörung beschrieben, aber es gibt keine unwillkürlichen Bewegungen wie bei tardiver Dyskinesie oder Parkinsonismus. Sie bildet sich normalerweise auch wieder zurück.

Akathisie ist eine komplexe Nebenwirkung von verschiedenen psychotropen Substanzen einschließlich Antidepressiva und Neuroleptika. Sie kann innerhalb von Stunden nach Beginn der Behandlung auftreten, oder erst nach Wochen oder Monaten. Auch bei Dosisänderungen und beim Absetzen kann eine Akathisie auftreten.

Als Symptome können u.a. auftreten: Unruhe; Angst; Panikattacken; Schlafstörungen; Gefühl der Notwendigkeit, sich zu bewegen (Bewegungsdrang); Gefühl aus der Haut springen zu wollen; dunkle und unangenehme Gedanken; konstante Ruhelosigkeit, das Gefühl emotional unruhig oder unzufrieden mit dem Leben zu sein; emotionales Aufgewühltsein; Zittrigkeit; aggressive Impulse; Suizidalität.

Weiterführende Links
* Akathisia vom RxISK Medical Team (Übersetzung)




Begriff

Altostrata

Synonyme
Kate

Erklärung
„Altostrata“ oder auch „Kate“ sind Pseudonyme einer vom Langzeit-Entzugssyndrom betroffenen US-Amerikanerin. Sie ist Gründerin der Webseite Surviving Antidepressants, wo Betroffene Informationen und Unterstützung zum Absetzen von Antidepressiva bekommen.
Altostrata hat sich umfassend mit der Problematik des Entzugssyndroms beschäftigt und wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Thema in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit diskutiert wird.


Weiterführende Links
* Surviving Antidepressants
* Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom
* Langzeitentzugssyndrom: Erfahrungsbericht Altostrata




Begriff

anticholinerg


Erklärung

Als anticholinerg bezeichnet man in der Medizin (Neben-)Wirkungen, die sich aus der Hemmung des Neurotransmitters Acetylcholin ergeben. Acetylcholin spielt sowohl im zentralen Nervensystem sowie in Teilen des peripheren Nervensystems, zum Beispiel des Parasympathikus, eine Rolle.

Viele Psychopharmaka haben anticholinerge Nebenwirkungen, die leicht aber auch sehr schwerwiegend sein können.
Anticholinerge Nebenwirkungen betreffen den Mund-Rachen-Raum (Mundtrockenheit, verminderte Speichelbildung), die Augen (Sehstörungen, trockene Augen), den Magen-Darm-Trakt (Obstipation), die Harnwege (Störungen beim Wasserlassen, sog. Miktionsstörungen), das Herz, die Haut und Temperaturregelung, sowie das ZNS.
Zumeist können viele oder alle Körperschleimhäute ausgetrocknet werden, weil die Drüsenaktivität reduziert ist.
Es kann u.a. zu Angst, Verwirrtheit, kognitiven Einschränkungen, Krampfanfällen, Halluzinationen, Delirum, Koma kommen.

Psychopharmaka mit einer sehr starken anticholinergen Belastung sind u.a. : Amitriptylin, Clomipramin, Clozapin, Doxepin, Imipramin, Levomepromazin, Nortriptylin, Trimipramin.
Eine mittelstarke Belastung haben u.a. Carbamazepin, Haloperidol, Olanzapin, Opipramol, Paroxetin, Quetiapin.

Werden mehrere anticholinerge Medikamente eingenommen, verstärkt sich die anticholinerge Belastung.

Generell sollten alle älteren Patienten, sowie diejenigen,die bereits von Nebenwirkungen betroffen sind, die anticholinerg hervorgerufen werden können, als Risikopatienten gelten

siehe auch: "Acetylcholin"

Weiterführende Links
*Anticholinerg - Wikipedia
* Anticholinerge Belastung - Pharmazeutische Zeitung




Begriff

Antidepressiva

Abkürzung
AD

Synonyme
Stimmungsaufheller

Erklärung
Psychopharmaka, die vor allem gegen Depressionen, inzwischen aber auch bei einer Vielzahl anderer psychischer und körperlicher Symptome eingesetzt werden. Ihre Effizienz ist umstritten, insbesondere bei leichten und mittleren Depressionen ist die Wirksamkeit nicht eindeutig nachgewiesen.
Dagegen nimmt weltweit die Anzahl an Menschen, die unter Nebenwirkungen und Absetzschwierigkeiten leiden, massiv zu.
Es gibt verschiedene Klassen von Antidepressiva, die nach ihrem Wirkmechanismus (SSRI, SNRI) oder der chemischen Struktur (Trizyklika) benannt sind.

Weiterführende Links
* Antidepressiva - Geschichte der Therapie/Peter Ansari
* Antidepressiva sind nicht effektiv (Übersichtsartikel auf Englisch)
* Antidepressiva in Altersheimen
* Antidepressiva - Kampagne bei Jugendlichen
* Antidepressiva - lebensgefährliche Placebos
* Antidepressiva - Einnahme und Entzug, was passiert da? (Rhi von http://www.survivingantidepressants.org)




Ashton Manual

Erklärung
Das Ashton Manual ist eine 1999 von Prof. Heather Ashton verfasste Anleitung zum Absetzen von Benzodiazepinen. Es wird zunächst die Umstellung auf Diazepam und darauf folgend eine schrittweise Reduktion alle 1-4 Wochen empfohlen.

Erfahrungsgemäß ist das Absetzen nach Ashton eine gute Richtlinie. Allerdings ist die Höhe der Äquivalenzdosis recht hoch angesetzt, oft reicht etwas weniger Diazepam aus, dies muss individuell ausgetestet werden. Zudem müssen manche Menschen gerade im unteren Bereich der Absetzphase noch langsamer bzw. in kleineren Schritten vorgehen.
Zitat: „Die Rate der Dosis-Reduktion sollte niemals rigide, sondern stets flexibel sein und unter Kontrolle des Patienten und nicht des Arztes stehen und zwar angepasst an die individuellen Bedürfnisse des Patienten, die von Fall zu Fall unterschiedlich sein können.“

Der Einsatz von modernen Antidepressiva (SSRI/SRNI/Mirtazapin) als sog. Absetzhilfe kann sich in der Praxis sogar als gefährlich erweisen, weil dadurch Entzugserscheinungen nur überdeckt werden und man die Probleme dann häufig nur zeitlich verschoben beim Absetzen der AD erlebt, evtl. gemischt mit einer AD-Absetzproblematik.

Weiterführende Links
* Ashton Manual
* Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen
* Benzoabhängigkeit
* Benzo-Umrechnungstabelle
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

B

Bioverfügbarkeit, Benzodiazepine, Brain Fog, Brain Zaps,


Begriff

Benzodiazepine

Abkürzung
Benzos

Erklärung
Benzodiazepine gehören zur Gruppe der Angst- und spannungslösende Medikamente (Anxiolytika, Tranquilizer) und werden sehr häufig bei Unruhezuständen und Schlafstörungen eingesetzt. Je nach Substanz überwiegt die muskelentspannende, die sedierende oder die angstlösende Wirkung. Benzos wirken vor allem auf GABA-Rezeptoren, der wichtigsten hemmenden Komponente des zentralen Nervensystems.

Aufgrund der schnell eintretenden Wirkung und einer raschen Gewöhnung des Stoffwechsels an die Substanz tritt sehr schnell körperliche und/oder psychische Abhängigkeit ein. Es besteht auch die Gefahr einer Toleranzentwicklung, d.h. trotz gleichbleibender Dosis lässt die Wirkung nach und es treten Entzugserscheinungen auf.

Das Absetzen von Benzodiazepinen sollte langsam und schrittweise vorgenommen werden. Ein schneller Entzug in einer Klinik empfiehlt sich meist nicht, da dem Körper nicht genug Zeit gegeben wird sich an die geringere Dosis zu gewöhnen. Zudem werden oft Ersatzmedikamente eingesetzt, die dann ihre eigene Absetzproblematik und Nebenwirkungen mit sich bringen. Bei Benzos mit kurzer Halbwertszeit (z.B. Lorazepam, Alprazolam, Oxazepam) empfiehlt sich eine vorherige Umstellung auf Diazepam.

Weiterführende Links
* Benzo-Absetz-Informationen
* Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen
* Benzoabhängigkeit
* Benzo-Umrechnungstabelle





Begriff

Bioverfügbarkeit

Erklärung
Bioverfügbarkeit ist eine pharmkologische Messgröße, die angibt, wie schnell und in welchem prozentualen Umfang der Stoff (meistens Arzneistoff) aufgenommen wird und am Wirkort unverändert zur Verfügung steht.

Bei Medikamenten die intravenös verabreicht werden, ist die Bioverfügbarkeit definitionsgemäß 100%.
Wird ein Medikament durch den Mund eingenommen, wird der Wirkstoff bei manchen Medikamenten bei der ersten Leberpassage (First Pass Effekt) teilweise abgebaut, bevor er am Zielort ankommt. Dies führt zu einer Verringerung der Bioverfügbarkeit.

Die Bioverfügbarkeit kann bei unterschiedlichen Generika mit dem gleichen Wirkstoff voneinander abweichen. Setzt man das Orginalpräparat als Vergleichsgrösse mit 100 % an, so darf die Bioverfügbarkeit eines Generikums zwischen 80 und 125 % liegen. Dies kann ein Grund dafür sein, dass Herstellerwechsel manchmal nicht gut vertragen werden.

Die Bioverfügbarkeit kann bei Menschen mit eingeschränkter Leberfunktion und bei älteren Menschen ansteigen, da die Leber nicht mehr voll funktionsfähig ist. Die Einnahmedosis sollte bei den Betroffenen entsprechend verringert werden, damit es nicht zu einer gefährlichen Überdosierung kommt.

Weiterführende Links
* Bioverfügbarkeit - flexikon.doccheck.com
* Orginal oder Generika /Pharmazeutische Zeitung





Begriff

Brain Fog

Abkürzung
----

Synonyme
"Gehirnnebel"

Erklärung
Der Begriff Brain Fog kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt Gehirnnebel. Brain Fog ist keine medizinische Diagnose, der Begriff umfasst eine Summe von Symptomen, die von Konzentrationsproblemen über Antriebslosigkeit und mangelndem Fokus bis hin zu Unwirklichkeitsgefühlen reichen können.

Symptome können u.a. sein: Gefühl als wäre das Gehirn „in Watte gepackt“, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmung, Gedächtnisprobleme, schlechtes Auffassungsvermögen, Orientierungsprobleme, Wortfindungsprobleme, sich „betrunken“ fühlen, Stimmungsschwankungen.

Brain Fog ist ein mögliches Absetzsymptom. Als Absetzsymptom kann es zwar länger anhalten, vergeht aber wieder von selbst.
Es gibt auch diverse andere Ursachen für Brain Fog, wie z.B. Flüssigkeitsmangel, Nährstoffmangel, Schlafmangel, Stress, Entzündungen.

Weiterführende Links
* BrainFog Symptome - brain-fog.net




Begriff

Brain Zaps

Synonyme
Zaps, Stromschläge im Gehirn

Erklärung
Gefühl, eine Art Stromschlag im Gehirn zu bekommen, der bei manchen in Gesicht und Extremitäten ausstrahlt. Stress, aber auch Entzug von SSRI/SNRI kann Brain Zaps auslösen. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Dieses elektrisierende oder vibrierende Gefühl kann von Geräuschwahrnehmung (z.B. Rauschen) und optischen Beeinträchtigungen begleitet sein. Die Zaps können sehr häufig oder selten, extrem schwer oder ganz leicht auftreten.
Kein anderes Symptom verweist derart zuverlässig auf ein Absetzsymptom / Absetzsyndrom wie Zaps. Diese sind eine sehr spezielle Erscheinung beim AD-Absetzen und von keiner anderen Medikamentengruppe außer psychoaktiven Wirkstoffen bekannt. Zaps sind ein verlässlicher Indikator für falsches / zu schnelles Absetzen.
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

C

Chemisches Ungleichgewicht, circardian, Cortisol,


Begriff

Chemisches Ungleichgewicht

Erklärung
Ein Erklärungsversuch zur Entstehung von psychischen Erkrankungen ist die Annahme, es bestehe ein Ungleichgewicht bzw. ein Mangel bei bestimmten Neurotransmittern.
Trotz jahrzehntelanger Forschung konnte diese Annahme bisher nicht bestätigt werden. Sie dient jedoch vielen Ärzten, der Pharmaindustrie und der Öffentlichkeit zur Rechtfertigung der oft jahrelangen Anwendung von Psychopharmaka. Beispiele sind der angebliche Serotoninmangel bei Depressionen und die Dopaminhypothese zur Entstehung von Schizophrenie.
Der Mythos vom chemischen Ungleichgewicht setzt Patienten massiv unter Druck, ihren Hirnstoffwechsel „korrigieren“ zu lassen. Oft wird dabei irreführend der Vergleich zur Insulinbehandlung bei Diabetes genannt.
Die Langzeiteinnahme von Psychopharmaka führt jedoch oft erst recht zu einer Verschlechterung des Zustandes und zu „abnormen“ Neurotransmittersystemen, die sich zum Teil nur sehr langsam wieder normalisieren.

Weiterführende Links
* David Healy - So Long and Thanks for all the Serotonin
* Mythos: Depressionen als Stoffwechselstörung im Gehirn
* 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche
* Depression-heute.de – Biochemisches Ungleichgewicht




Begriff

circadian

Abkürzung
----

Synonyme
zirkadian

Erklärung
Cicardian (lateinisch circa „um …herum“, dies „Tag“), eingedeutscht zirkadian bedeutet tagesrhythmisch.
Ein zirkadianer Rhythmus bezeichnet z.B. die Schwankungen von Körperfunktionen, die durch äußere (Tag-Nacht-Wechsel) oder innere (Hormone) Einflüsse gesteuert werden. Beispiele sind Schwankungen der Herzfrequenz, des Schlaf-Wach-Rhythmus, des Blutdrucks und der Körpertemperatur.

Auch die Ausschüttung von Corisol unterliegt einem zirkadianen Rhythmus. In den Morgenstunden ist die Cortisolausschüttung am höchsten, danach fällt sie sehr rasch ab, um Mitternacht ist sie am niedrigsten.

Weiterführende Links
* zikadian - flexikon.doccheck.com
* circadiane Rhythmik - wikipedia




Begriff

Cortisol

Synonyme
Kortisol, Hydrokortison, Hydrocortison

Erklärung
Cortisol, oft fälschlicherweise Cortison genannt, ist ein Stresshormon und wird in der Medizin vor allem zur Entzündungshemmung und Immunsupression genutzt.
Der Körper schüttet es in Stresssituationen aus und aktiviert damit abbauende Stoffwechselvorgänge.

Der normale Cortisolspiegel im Körper weist einen zirkadianen Verlauf auf. Während der Nacht sinkt die Cortisolproduktion stark ab, am Morgen kommt es zu einem starken Anstieg des Cortisolspiegels. Dies ist eine mögliche Erklärung dafür, dass es bei von einem Entzugssyndrom Betroffenen am frühen Morgen zu schreckhaftem Erwachen mit Unruhe, Panik und Symptomverstärkung kommen kann.

Injektionen von Cortisol werden von vielen Betroffenen im ADFD nicht mehr vertragen. Auch bei gesunden Menschen können (bei Injektionen häufiger als bei Tabletten) starke Unruhe- und Erregungszustände auftreten.

Bei Anwendung von Cortisol über einen längeren Zeitraum und/oder in höheren Dosierungen sollte das Präparat langsam ausgeschlichen werden um überschießende Reaktionen und andere Absetzsymptome zu vermeiden.

Weiterführende Links
*Cortisol - flexikon.doccheck.com
* Unruhe etc. aufgrund der frühmorgendlichen Cortisolausschüttung
*Entzug und Cortison
*Neuro-Emotionen beim Absetzen
*Cortisonpsychose
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

D

Depersonalisation/Derealisation, Dopamin, Dyskinesie,


Begriff

Depersonalisation/Derealisation

Abkürzung
DP/DR

Synonyme
Depersonalisierungserleben/Derealisationserleben

Erklärung
Depersonalisation bezeichnet einen Zustand der Selbstentfremdung. Betroffene erleben sich selbst als fremdartig oder unwirklich. Dazu gehören z.B. Wahrnehmungsveränderungen, gestörtes Zeitempfinden, unwirkliches oder abwesendes Selbst, emotionales und/oder körperliches Abgestumpftsein.

Derealisation bezeichnet die Erfahrungen der Unwirklichkeit oder des Losgelöstseins bezüglich der Umgebung. Objekte, Menschen oder die gesamte Umgebung werden als fremd, unvertraut, unwirklich, roboterhaft, fern, künstlich, zu klein oder zu groß, farblos oder leblos erlebt.

DP/DR können einzeln oder zusammen im Rahmen des Absetzprozesses auftreten. Sie können sehr belastend und ängstigend sein.

Eine mögliche Erklärung für das Auftreten als Absetzsymptom ist, dass das Zentrale Nervensystem durch den Entzug so belastet ist, dass es zu wenig Kapazität hat, alle Prozesse aufrechtzuerhalten. Als "Schutzmaßnahme" fährt es nicht lebensnotwendige Aufgaben herunter, um das System nicht noch mehr zu überlasten.

Weiterführende Links
* Depersonalisation - Wikipedia
* Erfahrungen und Umgang mit Derealisation/ Depersonalisation



Begriff

Dopamin

Erklärung
Wichtiger Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Er steuert vor allem Motivation und Antrieb. Der Dopaminspiegel wird von vielen Psychopharmaka beeinflusst. Insbesondere Neuroleptika hemmen die Übertragung von Dopamin im Gehirn und wirken daher antriebsmindernd und sedierend. Antidepressiva sollen die Menge an Dopamin erhöhen und somit antriebssteigernd wirken. Auch viele Nebenwirkungen oder Entzugserscheinungen wie das Restless-Leg-Syndrom, Akathisie ("Sitzunruhe") und andere extrapyramidale (motorische) Störungen stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit Dopamin.

Weiterführende Links
Dopamin - Wikipeda




Begriff

Dyskinesie

Abkürzung
----

Synonyme
Frühdyskinesie: initiale Dyskinesie
Spätdyskinesien: tardive Dyskinesie, Dyskinesia tarda

Erklärung
Dyskinesie bezeichnet eine Störung eines Bewegungsablaufs. Es gibt verschiedene Arten und Ursachen von Dyskinesien.
Als Nebenwirkung von Neuroleptika können Frühdyskinesie und Spätdyskinesien auftreten. Sie werden beide zu den Störungen des extrapyramidalmotorischen Systems gezählt. Im Allgemeinen gilt, dass hochpotente Neuroleptika diese Nebenwirkungen öfter als niederpotente Neuroleptika verursachen.

Unter einer Frühdyskinesie versteht man eine Bewegungsstörung, die als Nebenwirkung eines antidopaminerg wirkenden Medikamentes (z.B. Neuroleptikum) auftritt - meist in der ersten Woche nach Behandlungsbeginn. Sie zeigt sich meist in Form von Tremor, schmerzhaften Zungen-, Schlund- und Blickkrämpfen sowie Sitzunruhe. Frühdyskinesien können mäßig bis gut mit Anticholinergika behandelt werden.

Spätdyskinesien sind Bewegungsstörungen, die nach einer Langzeittherapie mit einem antidopaminerg wirkenden Medikamentes (z.B. Neuroleptika) auftreten können. Sie zeigen sich durch sich wiederholende, kaum oder gar nicht beeinflussbare Bewegungen, im Gesichtsbereich (Zuckungen, Schmatz- und Kaubewegungen, Grimassieren) oder unwillkürliche Bewegungsabläufe der Gliedmaßen. Spätdyskinesien sind nach langfristiger Einnahme von Neuroleptika häufig irreversibel

Weiterführende Links
* Dyskinesie - flexikon.doccheck.com
* Frühdyskinesie - flexikon.doccheck.com
* Spätdyskinesie - Wikipedia
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Re: Lexikon

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E

Enthemmtes Alarmsystem, "Entzug-Normal" Zustand, Enzymatischer Abbau,


Begriff

Enthemmtes Alarmsystem

Abkürzung
---

Synonyme
----

Erklärung
Der Begriff "Enthemmtes Alarmsytem" stammt aus einer Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom.
Er beschreibt einen entzugsbedingten Zustand, in dem der Organismus in beständiger Alarmbereitschaft ist. Dies drückt sich in Symptomen wie Angst, lang anhaltende Panikzustände, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, innere Unruhe, Schreckhaftigkeit, Hochschrecken beim Einschlafen etc. aus. Die Angst kann völlig irrational sein, sie kann selbst vor vertrauten Personen oder Räumlichkeiten bestehen. Da diese Angst neurophysiologisch bedingt ist, ist sie durch übliche Methoden (z.B. Entspannungsübungen) nur begrenzt zu beeinflussen.

Ursachen des "Enthemmten Alarmsystems":
Auf die Einnahme eines Antidepressivums, das den Serotoninspiegel zwischen den Nervenzellen erhöhen soll, reagiert das Gehirn u.a. mit einer Herunterregulierung der Serotoninrezeptoren. Nach dem Absetzen müssen diese Rezeptoren wieder hergestellt werden.
Während der Reparaturphase des Serotoninsystems gerät jedoch das vegetative Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Das „Flucht oder Kampf“-Zentrum im Gehirn wird enthemmt. Es kommt zudem zu einer Übererregbarkeit des Glutamat-Systems. Glutamat ist ein wichtiger erregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem, Fehlfunktionen des Glutamat-Systems können zu innerer Unruhe, Schlafstörungen etc. führen.

Laut anerkannter Erkenntnisse über die Neuroplastizität kann das Nervensystem sich selbst regenerieren und eine weitgehend normale Funktion zurück erlangen.

Weiterführende Links
* Altostrata: Eine Theorie über das AD-Absetzsyndrom / enthemmtes Alarmsystem




Begriff

"Entzug-Normal" Zustand

Abkürzung
----

Synonyme
----

Erklärung
"Entzug-Normal" bezeichnet das Befinden, das für einen von einem Absetzsyndrom betroffenen Menschen indviduell normal ist.

Es gibt Absetzverläufe, bei denen bestimmte Symtome dauerhaft vorhanden sind. Das können beispielsweise Schlafstörungen oder Schmerzen sein. Sie gehören dann quasi zum "Grundrauschen".
Der typische Absetzverlauf ist, dass nach einer Reduktion eine Symptomwelle auftritt, häufig etwas zeitverzögert. Dann klingt die Welle wieder ab und die Symptome entwickeln sich zurück zu dem "Entzug-Normal" Zustand.

Dieser "Entzug-Normal" Zustand ist von Person zu Person sehr unterschiedlich und kann sich im Verlauf auch verändern. Für Betroffene, die während des gesamten Entzugverlaufes ein gewisses Ausmaß an Symptomen haben, ist es wichtig ihren "Entzug-Normal" Zustand zu kennen und diese Dauersymptome von den akuten Absetzsymptomen zu unterscheiden lernen.
Für diese Personen bedeutet Stabilität zwischen den Reduktionen, dass die für sie typischen Symptome in einem gewohnten Ausmaß auftreten. Ist man in dem eigenen "Entzug Normal Zustand", und sind die Symptome im erträglichen Rahmen, kann man dann dennoch behutsam weiter reduzieren.

Weiterführende Links
* "Entzug-Normal" von Brassmonkey (Übersetzung)




Begriff

Enzymatischer Abbau

Synonyme
Biotransformation

Erklärung
Die Biotransformation ist ein Stoffwechselvorgang, bei welchem nicht ausscheidbare Stoffe (körpereigene Stoffwechselprodukte oder von außen zugeführte Substanzen) durch chemische Prozesse in ausscheidbare Stoffe umgewandelt (transformiert) werden. Die für den Vorgang der Biotransformation ablaufenden Reaktionen finden überwiegend in der Leber statt.

Auch Arzneistoffe werden mithilfe diverser Enzymsysteme in der Leber abgebaut. Das für die Metabolisierung von Arzneimitteln besonders relevante System ist die sogenannte Cytochrom P450 Familie. Die für den Psychopharmaka-Abbau beiden wichtigsten zuständigen Enzymsysteme sind CYP2D6 und CYP2C19.

Nimmt man zwei oder mehr Medikamente ein, die über das selbe Enzymsystem abgebaut werden, kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen:
Bei einer Enzyminduktion (verstärkten Enzym­wirkung), wird der Abbau jener Medikamente, die durch das Enzym abgebaut werden, beschleunigt und deren Wirkung wird dadurch abgeschwächt.
Bei einer Enzyminhibition (abgeschwächten Enzym­wirkung), wird der Abbau jener Medikamente, die durch das Enzym abgebaut werden, verlangsamt. Das kann zu überschießenden Wirkungen, verstärkten Nebenwirkungen bis hin zu einer Arzneimittelvergiftung führen.

Gehört man einem speziellen Metabolisierungstyp an (z.B. poor metabolizer, intermediäre metabolizer), kann bereits die Einnahme eines einzelnen Medikamentes in der üblichen Dosierung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, Unverträglichkeit oder Vergiftung führen.

Weiterführende Links
* Biotransformation - Wikipedia
* CYP - P450 Familie / Metabolisierungstypen und mögliche PP-Unverträglichkeiten
* Cytochrome P450 Enzymfamilie - Pharmazeutische Zeitung
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Re: Lexikon

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F



Begriff

Flitterwochen Effekt

Abkürzung
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Synonyme
Absetz- Flitterwochen, Honeymoon- Phase/ Honeymoon Effekt (honeymoon engl.für Flitterwochen)

Erklärung
Nach einem abrupten oder sehr schnellen Absetzen kann es sein, dass man zunächst keine Entzugssymptome spürt oder sogar eine sehr gehobene Stimmungslage bis hin zu einem "High Gefühl" besteht. Für diesen Effekt hat sich unter Betroffenen der Begriff "Flitterwochen" eingebürgert.

Auch wenn dieses Hochgefühl sich gut anfühlen kann, ist es bereits ein Absetzsymptom. Zumeist hält es nur wenige Tage bis ein paar Wochen an, dann kommt oft der "Absturz" mit heftigen Absetzsymptomen.

Weiterführende Links
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G

GABA (Gamma-Aminobuttersäure), Genotypisierung, "Gereiztes" Zentrales Nervensystem, Glutamat,



Begriff

Gamma-Aminobuttersäure

Abkürzung
GABA ( für engl. Gamma-Amino-ButyricAcid)

Synonyme
γ-Aminobuttersäure, 4-Aminobuttersäure, Piperidinsäure

Erklärung
GABA ist der wichtigste hemmende Botenstoff im Zentralen Nervensystem (Neurotransmitter). In der Grundstruktur ist GABA eine Aminosäure, gebildet wird er aus der Glutaminsäure.

GABA bindet an spezielle GABA Rezeptoren und hemmt so die Signalweiterleitung zwischen den Nervenzellen. GABA ist quasi ein körpereigenes Beruhigungssystem.

GABA wirkt zudem als Botenstoff in der Bauchspeicheldrüse.

Verschiedene Antiepileptika, zum Beispiel Gabapentin, entfalten ihre krampflösende Wirkung, indem sie den GABA-Spiegel im Zentralnervensystem erhöhen.

Bezodiazepine verstärken die GABA-Wirkung indem sie an Benzodiazepin-Bindungsstellen binden, welche sich am GABA-Rezeptor befinden.

GABA ist als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, es soll beruhigend und schlaffördernd wirken. GABA kann allerdings nicht oder nur in geringer Menge die Blut-Hirn-Schranke durchdringen.

Weiterführende Links
* γ-Aminobuttersäure - Wikipedia
* Gamma-Aminobuttersäure - flexikon.doccheck.



Begriff

Genotypisierung

Erklärung
Eine Genotypisierung ist die Untersuchung der DNA auf bestimmte Gen-Varianten. In Bezug auf Psychopharmaka dient sie der Abklärung von Unverträglichkeiten bzw. Überreaktionen auf bestimmte Medikamente.
Die meisten Psychopharmaka (und auch viele andere Substanzen) werden durch verschiedene Cytochrom P450-Enzyme des Leberstoffwechsels abgebaut. Bei vielen Menschen, wahrscheinlich bis zu 30% der Bevölkerung, ist die Aktivität bestimmter P450-Enzyme unterschiedlich stark vermindert („poor metabolizer, ultra poor metabolizer“). Dadurch kann die Konzentration eines Medikaments und damit auch Wirkung und Nebenwirkung, trotz normaler Dosis, um ein Vielfaches ansteigen.

Zur Abklärung kann, z.B. eine Untersuchung der CYP 2D6 und/oder CYP 3A4 Variante (Abbau vieler Psychopharmaka) vorgenommen werden. Der Test ist jedoch keine Standarduntersuchung und wird daher von Krankenkassen nur in begründeten Fällen übernommen.

Weiterführende Links
* Genotypisierung – welcher Verstoffwechslertyp
* Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre DNA
* Cytochrome P450
* Wechselwirkungen der Psychopharmaka
* Vortrag: Interaktionen in der Psychopharmakotherapie



Begriff

"Gereiztes" Zentrales Nervensystem

Abkürzung
gereiztes ZNS

Synonyme
„irritiertes“ oder „sensibles“ oder hypersensibilisiertes Zentrales Nervensystem, Funktionsstörung des Zentralen Nervensystems

Erklärung
Im ADFD Forum fällt immer wieder der Begriff „gereiztes“, „irritiertes“ oder „sensibles“ Zentrales Nervensystem (ZNS). Das ist ein bildhafter Ausdruck für etwas, was man auch "Funktionsstörung des Zentralen Nervensystems im Bereich der Neurotransmittersysteme“ nennen könnte.

Bei der regelmäßigen Einnahme eines Psychopharmakon passt sich das ZNS an die Anwesenheit dieser Substanz an. Es findet ein tiefgreifender Umbau des ZNS statt, es wird z.B. die Anzahl bestimmter Rezeptoren erhöht oder erniedrigt. Wird das Psychopharmakon weggelassen, so befindet es sich nun in einem pathologisch veränderten Zustand, es kommt zu funktionellen Störungen im Zentralen und Vegetatven Nervensystem. Dies drückt sich in einer Vielzahl von Absetzsymptomen aus, die fast alle Körperfunktionen betreffen können.

Zu solchen Funktionsstörungen kann es nicht nur beim abrupten Weglassen des Psychopharmakons kommen, sondern auch bei schnellen oder großen Dosisänderungen nach oben oder unten, bei unregelmäßiger Einnahme oder tageweisem Auslassen der Dosis, sowie bei Wechseln auf ein anderes Psychopharmakon. Je häufiger derartige Änderungen stattfinden, umso mehr wird das Nervensystem sensibilisiert und umso "gereizter" reagiert es.
Auch eine Unverträglichkeitsreaktion auf ein Psychopharmakon kann eine solche Funktionsstörung zu Folge haben.

Diese Funktionsstörungen sind reversibel (umkehrbar/behebbar), es sind jedoch erneute Anpassungsprozesse erforderlich um das ursprüngliche Neurotransmittergleichgewicht wieder herzustellen. Diese brauchen Zeit.

Weiterführende Links
* Gereiztes bzw. hypersensibilisiertes ZNS/Funktionsstörung - Infoartikel
* Was passiert bei der Antidepressiva Einnahme und im Entzug?
* Absetzsymptomliste



Begriff

Glutamat

Synonyme
Glutaminsäure

Erklärung
Glutamat ist ein wichtiger erregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem, wo es an spezielle Glutamatrezeptoren bindet. Glutaminsäure dient als Ausgangsprodukt in der Synthese von γ-Aminobuttersäure (GABA), des wichtigsten hemmenden Neurotransmitters im ZNS. Fehlfunktionen des Glutamat-Systems können zu innerer Unruhe, Schlafstörungen und anderen Symptomen führen. Womöglich spielt dies eine wichtige Rolle beim Antidepressiva-Entzugssyndrom.

Weiterführende Links
*An alle mit Nahrungsmittelintoleranzen: GLUTAMINSAEURE
*Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom
*Langzeitsentzugssyndrom: Erfahrungsbericht Altostrata
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H

Halbwertszeit, Histamin-Intoleranz



Begriff

Halbwertszeit (Pharmakokinetik)

Abkürzung
HWZ

Synonyme
Eliminationshalbwertszeit, Plasmahalbwertszeit

Erklärung
Als Halbwertzeit bezeichnet man die Zeit, die der Körper braucht, um die Hälfte einer Substanz (z.B. den Wirkstoff eines Medikamentes) auszuscheiden oder in ein wirkungsloses Stoffwechselprodukt abzubauen.

Die Zeit bis ein Medikamentenwirkstoff komplett ausgeschieden oder abgebaut ist (Eliminationszeit) entspricht fünf Halbwertszeiten.

Ist beispielsweise die HWZ eines Wirkstoffes 10 Stunden, so ist 10 Stunden nach der Einnahme nur noch die Hälfte des Wirkstoffes vorhanden, nach 50 Stunden ist er komplett ausgeschieden oder abgebaut.

Die Halbwertszeit ist meist eng mit der Wirkdauer verbunden, Medikamente mit kurzer Halbwertszeit wirken kürzer, man bemerkt meist deutlicher wie die Wirkung wieder aufhört und bekommt schneller Entzugssymptome wenn nach körperlicher Gewöhnung die Einnahme plötzlich unterbrochen wird.

siehe auch "Kumulation"

Weiterführende Links
* Halbwertszeit - PharmaWiki


Begriff

Histamin-Intoleranz

Abkürzung
HIT, HI

Synonyme
Histaminose

Erklärung
Histamin ist ein wichtiger Neurotransmitter und ein Gewebshormon. Es bindet an Histaminrezeptoren und steuert so unter anderem allergische Reaktionen, Schlaf-Wach-Rhythmus, Auslösung von Erbrechen und Ausschüttung von Adrenalin.
Viele Psychopharmaka blockieren bestimmte Histaminrezeptoren und wirken daher sedierend.
Beim Absetzen kann die „Gewöhnung“ an die verminderte Histaminwirkung zu einer ausgeprägten Unverträglichkeit histaminhaltiger oder die Histaminfreisetzung fördernder Nahrungsmittel und Medikamente führen.
Diese „induzierte Histaminintoleranz“ ist häufig nicht im Blutbild nachweisbar. Sie kann sich nach völligem Absetzen und einer Regenerationsphase wieder zurückbilden.

Weiterführende Links
* Histaminintoleranz durch ADs und co.
* Histamin-Intoleranz im Entzug
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Re: Lexikon

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I

iatrogen, Interaktion (Arzneimittel)


Begriff

iatrogen

Synonyme
pharmakogen, medikamenteninduziert

Erklärung
Gesundheitsschäden oder Krankheiten, die durch ärztliche Therapiemaßnahmen verursacht wurden.
Sowohl unvermeidbare als auch vermeidbare, durch einen ärztlichen Fehler verursachte Schäden werden als iatrogen bezeichnet.
Nebenwirkungen, Absetzsymptome und Langzeitschäden von Psychopharmaka sind daher iatrogene Krankheiten (z.b. iatrogene Histaminintoleranz).



Begriff

Interaktion

(Arzneimittel)

Abkürzung
IA, WW

Synonyme
Arzneimittelwechselwirkung, Arzneimittelinteraktion

Erklärung
Unter einer Arzneimittelwechselwirkung versteht man die gegenseitige Beeinflussung von Arzneimitteln oder die gegenseitige Beeinflussung von Arzneimitteln und Nahrungsmitteln bei zeitlich zusammenhängender Einnahme.

Die Wirkstoffe können sich in ihrer Pharmakokinetik oder Pharmakodynamik gegenseitig beeinflussen. Interaktionen sind meistens unerwünscht und können zu einem Wirkungsverlust, gefährlichen Nebenwirkungen und einer Überdosierung führen.

Pharmakokinetisch nennt man Wechselwirkungen, die durch Veränderung der Aufnah­me, der Verteilung im Körper, der Verstoffwechselung und der Ausscheidung bewirkt werden. Die größte Rolle spielt dabei der Abbau der Medikamente durch körpereigene Enzyme.

Pharmakodynamisch nennt man Wechselwirkungen, die sich auf den Wirkmechanismus eines Arzneistoffs beziehen. Zu gefährlichen Wechselwirkungen kann es kommen, wenn sich die jeweiligen Nebenwirkungen mehrerer Substanzen überlagern oder aufsummieren. Sie können zum Zusammenbruch des Immunsystems, Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheitszuständen (Delir), Störungen der Bewegungskoordination (Dyskinesien), Zerstörung der Leber oder zu Krampfanfällen führen.

Wechselwirkungen treten nicht nur mit verschreibungspflichtigen und freiverkäuflichen Medikamenten, sondern auch mit Inhaltsstoffen bestimmter Nahrungs- und Genussmittel, Nahrungsergänzungsmitteln, Getränken, Rauschmitteln und pflanzlichen Heilmitteln auf. Vor der Einleitung jeder Arzneimitteltherapie muss von einer Fachperson überprüft werden, ob die Kombination sicher ist.

Weiterführende Links
* Arzneimittelwechselwirkung - flexikon.doccheck.com
* Interaktionen - PharmaWiki
* Wechselwirkungen der Psychopharmaka - Seele und Gesundheit
* Wechselwirkungscheck Apothekenumschau
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J

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Re: Lexikon

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K

Kaltentzug, Kindling Effekt, Kumulation


Begriff

Kaltentzug

Synonyme
umgangssprachlich: Cold Turkey

Erklärung
Plötzliches Absetzen einer körperlich abhängig machenden Substanz, wie z.B. Benzodiazepine, Psychopharmaka, Neuroleptika, Opiate, usw.
Als Resultat eines Kaltenzuges können Entzugssymptome auftreten, die sich seelisch und körperlich äußern (bis hin zur Suizidalität) und je nach Suchtmittel, Dauer der Suchtmitteleinnahme oder Ausprägung der Abhängigkeit sehr stark variieren können.

Bei einem Kaltentzug besteht das Risiko eines schweren, langanhaltenden protahierten Entzugssyndrom. Ein Kaltentzug sollte daher, wenn nicht medizinisch notwendig (z.B. wegen lebensbedrohlicher NW), vermieden werden.

Weiterführende Links
FAQ: Darf ich Benzodiazepine kalt entziehen?
FAQs Psychopharmaka absetzen (Frage 1 und 3)
Was passiert bei der Antidepressiva-Einnahme und im Entzug?



Begriff

Kindling Effekt

Synonyme
Sensitivierung, Kindling

Erklärung
Der Kindling Effekt beschreibt das Phänomen, dass wiederholte, unterschwellige Reize zu einer stark erniedrigten Reizschwelle im zentralen Nervensystem führen. In der Folge kann es trotz gleichbleibender Reizstärke zu einer überproportional starken Reaktion kommen.

Das Konzept des Kindling Effekts diente zunächst als Erklärung, warum bei wiederholten Epilepsie-Anfällen diese in der Folge immer schwerer und häufiger auftreten.
In Bezug auf Alkohol- oder Medikamentenentzug bewirkt das Kindling bei wiederholtem Entzug immer stärkere Entzugssymptome, ein größeres Risiko von Krampfanfällen und starken psychischen Symptomen wie Angstzustände und extreme Übererregbarkeit des ZNS.

Möglicherweise ist dieser Effekt auch ein Erklärungsansatz, warum manche Betroffene, die zuvor viele Medikamente recht problemlos absetzen konnten, irgendwann dennoch große Schwierigkeiten beim Reduzieren einer bestimmten Substanz bekommen.

Weiterführende Links
* Kindling - Definition der DocCheck Flexikon
* Ausführlicher Wikipedia-Artikel auf Englisch über den Kindling Effekt bei Beruhigungsmitteln und Alkohol



Begriff

Kumulation

Abkürzung
---

Synonyme
Kumulierung, Akkumulation, Anreicherung,

Erklärung
Kumulation von Wirkstoffen:
In der Arzneimittelkunde versteht man unter Kumulation die Anhäufung von Arzneimitteln im Organismus. Dies geschieht wenn die Ausscheidung oder der Abbau des Medikamentes geringer ausfällt als die Aufnahme. Bei einer solchen Kumulation besteht die Gefahr einer Überdosierung bis hin zu einer Arzneimittelvergiftung.
Dieses Risiko ist bei einer Einschränkung der Nieren- oder Leberfunktion erhöht, besonders gefährdet sind ältere Menschen. Auch manche Wechselwirkungen und spezifische Stoffwechseltypen führen zu einem erhöhten Risiko.
Bei Medikamenten mit einer langen Halbwertszeit (z.B. Diazepam, Fluoxetin) kommt es bei einer regelmäßigen Einnahme zu einer Kumulation bis das Kumulationsgleichgewicht erreicht ist. Bei diesen Medikamenten ist eine Kumulation normal und gehört zur Arzneimittelwirkung.

Kumulation von Absetzsymptomen:
Absetzsymptome können im Hintergrund kumulieren. Nach jeder Reduktion muss sich das Zentralnervensystem an eine neue Dosis anpassen. Wenn diese "Anpassungsarbeiten" nach einer Reduktion noch nicht abgeschlossen sind und es kommt schon die nächste Reduktion, dann können sich die Absetzsymptome aufsummieren und das Zentralnervensystem wird völlig überlastet.
Da Absetzsymptome häufig zeitverzögert auftreten, kann diese Kumulation zunächst unbemerkt ablaufen, bis es dann zu einem verstärkten Auftreten von Absetzsymptomen kommt.

siehe auch "Halbwertszeit"

Weiterführende Links
* Akkumulation - flexikon.doccheck.com
* Kumulation - pharmawiki.ch
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Re: Lexikon

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L

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Re: Lexikon

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M

Malignes neuroleptisches Syndrom, Metabolische Nebenwirkungen, Metabolit, Monoaminooxidase-Hemme


Begriff

Malignes neuroleptisches Syndrom

Abkürzung
MNS

Synonyme
malignes Neuroleptika-Syndrom

Erklärung
Das maligne neuroleptische Syndrom ist ein sehr seltenes, aber lebensbedrohliches Krankheitsbild, das durch Dopaminantagonisten, vor allem durch Neuroleptika, aber auch durch Lithium, Narkosemedikamente oder einige Antidepressiva ausgelöst wird. Es tritt vor allem bei hoher Dosierung oder schneller Aufdosierung der genannten Medikamente auf, zumeist in den ersten 4 Wochen nach Therapiebeginn bzw. -umstellung.

Für die Diagnose zwingende Symptome sind eine erhebliche Muskelsteifigkeit und Fieber.
Weitere Symptome können u.a. sein: Schluckstörungen, Zittern, Bewusstseinsveränderungen (Katatoner Stupor, Verwirrtheit, Delir, beschleunigte Herzfrequenz, Blutdruckschwankungen, starkes Schwitzen, Laborwertveränderungen.

Ein MNS ist ein medizinischer Notfall, alle Neuroleptika müssen sofort abgesetzt werden und der Patient muss engmaschig überwacht werden. Es kann eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig werden.


Weiterführende Links
* Malignes Neuroleptika-Syndrom - Wikipedia
* Malignes neuroleptisches Syndrom - flexikon.doccheck.com




Begriff

Metabolische Nebenwirkungen

Abkürzung

Synonyme
Metabolische Risiken, Metabolisches Syndrom, Syndrom X, Reaven-Syndrom, tödliches Quartett

Erklärung
Psychopharmaka können schwerwiegende metabolische Nebenwirkungen haben.
Als Metabolisches Syndrom bezeichnet man die Kombination von gestörtem Kohlenhydratstoffwechsel, gesteigerter Insulinresistenz, Bluthochdruck, Dyslipoproteinämie (Fettstoffwechselstörung) und Adipositas (Fettleibigkeit). Gegebenenfalls sollte das Psychopharmakon reduziert oder abgesetzt werden

Störungen des Kohlehydrat- bzw. Fettstoffwechsels können zu schwerwiegenden Folgeekrankungen, wie Diabetes mellitus, Erkrankungen der Blutgefäße, Herzinfarkten, Schlaganfällen und sogar Krebs­erkrankungen führen.

Eine deutliche Gewichtszunahme unter der Einnahme eines Psychopharmakon ist daher ein Warnsignal, das ernst zu nehmen ist. Körpergewicht, Blutzucker und Blutfettwerte sollten überwacht werden um Folgeschäden zu vermeiden.

Ein eher geringes metabolisches Risiko haben: Fluoxetin, Imipramin, Sertralin, Bupropion, Agomelatin, Trazodon; Amisulprid, Aripiprazol, Ziprasidon, Melperon, Fluphenazin.
Ein mittleres Risiko besteht bei: Citalopram, Escitalopram, Nortriptylin, Venlafaxin, Duloxetin;
Haloperidol, Flupentixol, Perphenazin, Risperidon, Paliperidon, Quetiapin.
Ein hohes Risiko liegt bei Mirtazapin, Amitriptylin, Doxepin; Olanzapin, Clozapin, Thioridazin vor

Weiterführende Links
* Metabolisches Syndrom - Internisten im Netz
* Metabolische Risiken von Psychopharmaka - Seele und Gesundheit
* Metabolische Effekte langfristiger Psychopharmakotherapie (Ludwig-Maximilians-Universität) pdf



Begriff

Metabolit

Synonyme
Metabolicum

Erklärung
Metaboliten (von griechisch: metabolites - umgewandelt) sind Substanzen, die als Zwischenstufen oder als Abbauprodukte von Stoffwechselvorgängen des Organismus entstehen.

Metaboliten kommen natürlicherweise in den Zellen vor, sie entstehen durch den Einfluss von Enzymen, sind in der Lage in Folgereaktionen einzutreten und werden nach einer begrenzten Zeit wieder abgebaut.

Auch die Wirkstoffe von Arzneimitteln werden in der Regel durch den Stoffwechsel enzymatisch verändert und vom Körper zu einem oder mehreren Metaboliten umgewandelt. Wenn ein solcher Metabolit selbst eine pharmakologische Wirkung entfaltet, spricht man von einem aktiven Metabolit.

Beispiele: Norfluoxetin ist ein aktiver Metabolit von Fluoxetin; N-Desmethyldiazepam (Nordazepam), Temazepam und Oxazepam sind aktive Metaboliten von Diazepam. Bei der Berechnung wie lange es dauert, bis ein Wirkstoff im Körper abgebaut bzw. ausgeschieden ist, ist auch die Halbwertszeit eines aktiven Metaboliten zu berücksichtigen.

siehe auch " Enzymatischer Abbau"

Weiterführende Links
* Metabolit - Wikipedia
* Metabolit - flexikon.doccheck.com




Begriff

Monoaminooxidase - Hemmer

Abkürzung
MAO - Hemmer, MAOH

Synonyme
Monoaminooxidase - Inhibitoren (MAOI)

Erklärung
MAO Hemmer wirken durch eine Blockade der Monoaminooxidasen. Dies sind Enzyme, die für den Abbau von Botenstoffen (Monoamine) wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin zuständig sind. Durch die Hemmung dieser Enzyme, steigt der Spiegel der Botenstoffe an. Dies soll die Signalweiterleitung im Zentralen Nervensystem verbessern.

Zur Gruppe der MAO-Hemmer gehören die Wirkstoffe Moclobemid (reversibler MAO-Hemmer) und Tranylcypromin (irreversibler MAO-Hemmer). Unter der Behandlung mit Tranylcypromin muß eine streng tyraminarme Diät eingehalten werden.
Wegen der Gefahr schwerer Wechselwirkungen (Serotoninsyndrom) dürfen MAOH nicht mit ander­en Antidepressiva, insbesondere nicht mit TZA, SSRI und SSNRI kombiniert werden. Bei einer Medikamentenumstellung sind Wartezeiten einzuhalten, damit sich die Wirkstoffe nicht im Körper begegnen.

Weiterführende Links
* Monoaminooxidase-Hemmer - Wikipedia
* MAO- Hemmer - Seele und Gesundheit
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N

Neuroadaption, Neuro-Emotionen, Neuroleptika, Neuroleptische Potenz, neurophysiologisch, Neuroplastizität, Neurotransmitter, Noradrenalin


Begriff

Neuroadaption

Abkürzung
---

Synonyme
neuronale Adaptation, neuroadaptive Prozesse

Erklärung
Der Begriff Neuroadaption bezieht sich auf die Veränderungen, die im Gehirn stattfinden, wenn es sich an das Vorhandensein einer neuen Substanz oder eines Stimuli anpasst.
„Neuro" bezieht sich auf die Nervenzellen in unserem Gehirn und Nervensystem, "Adaption" bedeutet Anpassung.
Bei der Einnahme von Psychopharmaka finden solche neuroadaptive Prozesse statt. So kann z.B. die Anzahl der Rezeptoren erhöht oder verringert werden (Up-und Downregulation) oder die Empfindlichkeit der Rezeptoren wird verändert. Das Gehirn baut sich quasi unter dem Einfluss des Psychopharmakons um.

Durch solche biochemischen Anpassungsprozesse kann eine Gewöhnung an die Substanz mit Toleranz und Wirkverlust entstehen. Dies kann als eine körperliche Abhängigkeit bezeichnet werden. Wird das Psychopharmakon dann abgesetzt, kann es zu Entzugssymptomen kommen.

Weiterführende Links
---


Begriff

Neuro-Emotionen

Synonyme
Neurogefühle

Erklärung
Empfindungen, die nicht der eigenen Gefühlswelt, sondern dem Körper bzw. direkt dem gereizten Nervensystem entspringen zu scheinen. Neuro-Emotionen können sich unter anderem als Wut, Angst, Panik, Melancholie, Schuld und Schamgefühle äußern. Sie treten oft in Wellen, unabhängig von äußeren Faktoren, auf und sind typische Psychopharmaka-Entzugserscheinungen.

Weiterführende Links
* Neuro-Emotionen beim Absetzen




Begriff

Neuroleptika

Abkürzung
NL

Synonyme
Antischizophrenika, Neurolytika, Antipsychotika, Neuroplegika, Psycholeptika, Psychoplegika

Erklärung
Neuroleptika sind antipsychotisch wirkende Medikamente, die in den Dopaminhaushalt eingreifen. Aufgrund ihrer sedierenden Wirkung werden Neuroleptika mit niedriger antipsychotischer Potenz oft auch bei Unruhe und Ängsten und sogar auch bei Schlafstörungen eingesetzt.

Insbesondere die Langzeiteinnahme und/oder hohe Dosierungen sind sehr risikoreich und es besteht die Gefahr von Langzeitschäden.

Konventionelle (z.B. Promethazin, Haloperidol) sowie neuere, sogenannte atypische (z.B. Risperdal, Seroquel) Neuroleptika rufen oft extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen (Krämpfe, Störungen des Bewegungsablaufes) hervor und führen häufig zu starker Gewichtszunahme und Diabetes. Manchmal treten Veränderungen des Blutbildes oder Blutdrucks auf.

Wie andere Psychopharmaka auch, vermindern Neuroleptika bestimmte Symptome, können psychische Krankheiten jedoch nicht heilen.
Auch das Absetzen von Neuroleptika sollte in kleinen Schritten und über einen längeren Zeitraum erfolgen, um starke Entzugssymptome zu vermeiden.

Weiterführende Links
* Entzugssymptome Neuroleptika
* Neuroleptika erfolgreich abgesetzt
* Reduzieren und Absetzen von Neuroleptika (DGSP)
* Off Label Gebrauch von atypischen NL
* Artikel zu Risiken von Neuroleptika
* Rezeptorbindungsprofile der Neuroleptika




Begriff

Neuroleptische Potenz

Abkürzung
---

Synonyme
antipsychotische Potenz

Erklärung
Die neuroleptische Potenz ist ein Maß für die antipsychotische Wirksamkeit eines Wirkstoffes. Als Vergleichswirkstoff gilt das Neuroleptikum Chlorpromazin.
Je stärker ein Wirkstoff bestimmte Dopaminrezeptoren im Zentralen Nervensystem blockiert, als umso hochpotenter wird er angesehen.

Die neuroleptische Potenz wurde ursprünglich auch danach ermittelt, ab welcher Dosis die neuroleptische Schwelle überschritten wird und Auffälligkeiten in der Feinmotorik auftreten. Hochpotente Neuroleptika können bereits Bewegungsstörungen im niedrigen Dosisbereich auslösen und niederpotente eher in hohen Dosen.

Neuroleptika mit einer niedrigen neuroleptischen Potenz haben eine verstärkt sedierende Wirkung bereits im niedrigen Dosisbereich.

Typische Neuroleptika werden anhand ihrer neuroleptischen Potenz in niederpotente, mittelpotente und hochpotente Neuroleptika eingeteilt.

Bei den neuartigeren atypischen Neuroleptika wird die antipsychotische Wirkstärke nicht mit der neuroleptischen Potenz ausgedrückt.

Weiterführende Links
* Neuroleptische Potenz - flexikon.doccheck.com
* Konzepte der neuroleptischen Schwelle und Potenz - Wikipedia




Begriff

neurophysiologisch

Abkürzung
---

Synonyme
nervenphysiologisch

Erklärung
„Neuro" bezieht sich auf die Nervenzellen in unserem Gehirn und Nervensystem; "Physiologie" ist die Lehre von den normalen, insbesondere biophysikalischen, Lebensvorgängen in den Zellen, Geweben und Organen.
Der Begriff "neurophysiologisch" bezieht sich auf die Funktionsweise des Nervensystems oder Teilen davon, (z.B. von Abschnitten des Gehirns, einzelnen Nerven oder auch einzelnen Nervenzellen).

Entzugssymptome sind, auch wenn sie sich psychisch ausdrücken, neurophysiologisch, also körperlich bedingt. Sie entstehen durch Funktionsstörungen des Nervensystems. Die Ursache für diese Funktionsstörungen liegt an den Veränderungen im Gehirn, die durch die Einnahme von Psychopharmaka hervorgerufen wurden.

Weiterführende Links
---




Begriff

Neuroplastizität

Abkürzung
---

Synonyme
Neuronale Plastizität, Hirnplastizität

Erklärung
Neuroplastizität ist die Eigenschaft des Gehirns (einzelner Synapsen, Nervenzellen und ganzer Gehirnareale) sich in Abhängigkeit von seiner Verwendung zu verändern.
„Neuro" bezieht sich auf die Nervenzellen in unserem Gehirn und Nervensystem.„Plastizität" bedeutet, dass es veränderbar ist.
Dies geschieht zum einen als Reaktion auf Verletzungen des Nervengewebes und ermöglicht dem Gehirn sich nach einer solchen Störung oder Verletzung wieder zu erholen. Zum anderen ist es ein natürlicher Prozess, der es dem Organismus ermöglicht, auf Veränderungen in seiner Umgebung zu reagieren und sich diesen anzupassen. Dies ist die Grundlage des Lernens.
Diese Fähigkeit unserer Nervenzellen besteht das ganze Leben lang.

Funktionelle (synaptische) Plastizität spielt sich auf der Ebene der Synapsen ab, d.h. die Menge des ausgeschütteten Botenstoffes oder die Rezeptordichte auf der Empfängerzelle wird verändert.
Von struktureller Plastizität spricht man, wenn die synaptische Kontaktfläche vergrößert oder verkleinert wird oder ganze Synapsen auf-, ab- oder umgebaut werden oder neue Nervenzellen gebildet werden.

Aufgrund der Neuroplastizität verändert sich das Gehirn sowohl bei der Einnahme von Psychopharmaka als auch während und nach dem Absetzen. Neuroplastizität ermöglicht es, dass sich das Gehirn nach dem Absetzen von Psychopharmaka wieder von dem Eingriff in sein System erholt und Heilung statt findet.

Weiterführende Links
* Plastizität - Gehirn und Lernen
* Was passiert bei der Antidepressiva-Einnahme und im Entzug?




Begriff

Neurotransmitter

Synonyme
Transmitter

Erklärung

Der Begriff kommt aus altgriechisch neuron „Sehne, Nerv“ und lateinisch transmittere „hinüber schicken, übertragen“.

Als Neurotransmitter bezeichnet man Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle (präsynaptisch) auf andere Zellen übertragen, verstärken oder modulieren. Sie wandeln dafür eingehend elektrische Signale in chemische um, die dann in der nachgeordneten Zelle (postsynapsisch) wieder elektrische Signale auslösen können.

Neurotransmitter befinden sich in Speicherbläschen (Vesikeln) in der Präsynapse. Werden sie durch ein Aktionspotential aktiviert, werden sie in den synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenzellen ausgeschüttet. Der Neurotransmitter dockt dann an den spezifischen Rezeptor der Postsynapse an und übermittelt so die Signale.

Anschließend löst er sich wieder vom Rezeptor und wird entweder im synaptischen Spalt abgebaut oder wieder in die Präsynapse aufgenommen.

Chemisch werden Neurotransmitter in verschiedene Stoffklassen eingeteilt: Biogene Amine/ Monoamine (dazu gehören u.a. Acetylcholin, Noradrenalin, Adrenalin, Dopamin, Serotonin, Histamin); Aminosäuren (dazu gehört u.a. Glutaminsäure, GABA); Neuropeptide; Endocannabinoide

siehe auch "Synapse", "Rezeptor"

Weiterführende Links
* Neurotransmitter - Wikipedia
* Neurotransmitter - flexikon.doccheck.com




Begriff

Noradrenalin

Abkürzung
---

Synonyme
Norepinephrin, Arterenol, Levarterenol

Erklärung
Noradrenalin ist ein körpereigener Botenstoff, der als Stresshormon und Neurotransmitter wirkt.
Er gehört zur Untergruppe der Katocholamine und ist eng mit Adrenalin verwandt. Noradrenalin wird aus dem Neurotransmitter Dopamin unter Beteiligung eines Enzyms (Dopamin-beta-Hydroxylase) hergestellt. Er entfaltet seine Wirkung im menschlichen Organismus an sogenannten Adrenozeptoren.

Noradrenalin ist der hauptsächliche Neurotransmitter des Sympathikus.
Als Neurotransmitter ist Noradrenalin an der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen beteiligt. An dieser Stelle greifen die Selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer ein.

Als Stresshormon führt Noradrenalin im Zuge des Kampf- oder Flucht-Syndroms zu einer Erhöhung des Blutdrucks durch Engstellung der Gefäße. Die Herzfrequenz wird gesenkt. Außerhalb von gefährdenden Situationen kommt Noradrenalin eine wichtige Funktion bei der Steigerung von Aufmerksamkeit, Motivation und geistiger Leistungsfähigkeit zu.

Weiterführende Links
* Noradrenalin - Wikipedia
* Noradrenalin - flexikon.doccheck.com
* Noradrenalin - medlexi.de
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O


Begriff

Off-Label-Use

Abkürzung
-

Synonyme
Verordnung von Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsgebieten

Erklärung
Arzneimittel sind für die Verordnung in einem bestimmten Anwendungsgebiet und für bestimmte Patientengruppen (z.B. nur für Erwachsene) zugelassen. Werden Arzneimittel von Ärzten für von der Zulassung abweichende Einsatzgebiete oder Patientengruppen verordnet, nennt man das "Off-Label-Use". Beispielsweise wird das Antidepressivum Trazodon im Off-Label-Use auch als Schlafmittel bei Nicht-Depressiven verordnet.

Der Off-Label-Use ist grundsätzlich erlaubt, aber Ärzte haften für die medizinische Richtigkeit des Gebrauchs sowie für evtl. Nebenwirkungen. Deshalb werden Medikamente meist nur bei in Studien nachgewiesener Wirksamkeit verordnet bzw. wenn der Off-Label-Use in den Leitlinien für Ärzte empfohlen wird. An die Aufklärung des Patienten werden dabei besondere Anforderungen gestellt.

Weiterführende Links
* Off-Label-Use Wikipedia
* Verordnungsfähigkeit von Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsbieten (Off-​Label-Use) Gemeinsamer Bundesausschuss
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

P

Paradoxe Reaktion, Phasenprophylaktika, Placebo, - effekt, poop-out, Protrahierter Entzug,
Prozac Bridge, PSSD (Post-SSRI Sexual Dysfunction)


Begriff

Paradoxe Reaktion

Erklärung
Bei einer paradoxen Reaktion reagieren die Betroffenen auf ein Medikament genau entgegengesetzt der eigentlich beabsichtigten Wirkung, etwa mit Schlaflosigkeit bei einem schlaffördernden Mittel bzw. starker Unruhe auf eine beruhigende Substanz.
Paradoxe Reaktionen können in manchen Fällen sehr starke psychische und körperliche Symptome auslösen und von Angstzuständen, Herzrasen, bis hin zu Suizidimpulsen reichen.
Es ist daher ratsam, ein neues Medikament zunächst in sehr geringer Dosierung zu testen (weit unterhalb der empfohlenen Wirkdosis).

Hier im Forum beobachten wir häufiger eine Unverträglichkeit bei erneuter Einnahme eines bereits abgesetzten Medikaments, welche starke Ähnlichkeit mit einer paradoxen Reaktion aufweist.

Weiterführende Links
*FAQ-Erneutes Eindosieren




Begriff

Phasenprophylaktika

Abkürzung

Synonyme
Stimmungsstabilisatoren, Stimmungsstabilisierer

Erklärung
Ein Phasenprophylaktia ist ein Psychopharmakon, das zur Behandlung von Stimmungsstörungen, die durch intensive und anhaltende Stimmungsschwankungen gekennzeichnet sind, eingesetzt wird.
Phasenprophylaktika werden insbesonders bei bipolaren Störungen eingesetzt, um manische Zustände abzuschwächen oder um dem Rückfall in manische oder auch depressive Episoden vorzubeugen.

Eingesetzt werden neben Lithium einige Medikamente aus der Gruppe der Antikonvulsiva/Antiepileptika ( z.B. Valproinsäure, Carbamazepin, Lamotrigin), sowie einige Medikamente aus der Gruppe der Neuroleptika ( z.B. Olanzapin, Quetiapin).

Wie alle Psychopharmaka können Phasenprophylaktika körperlich abhängig machen und sollten daher ausgeschlichen werden.

Weiterführende Links
* Phasenprophylaktika - Seele und Gesundheit




Begriff

Placebo, - Effekt

Abkürzung
---

Synonyme
Scheinmedikament, Placeboantwort

Erklärung
Ein Placebo ist ein Scheinmedikament, das aussieht wie ein echtes Medikament, aber keinen Arzneistoff enthält.

Placeboeffekt:
Auch die Gabe von solchen Scheinmedikamenten kann eine deutliche "Heilwirkung" entfalten. Solche positiven psychischen und körperlichen Reaktionen, die nicht auf die Wirksamkeit eines Medikamentes selbst zurückzuführen sind, nennt man Placebo-Effekt. Die Verbesserung des Gesundheitszustandes kann dabei genau so ausgeprägt sein, wie bei einer echten Therapie. Eine wichtige Voraussetzung für einen Placeboeffekt ist die positive Erwartungshaltung gegenüber einer Behandlung, z.B. eines Medikamentes.

Placebokontrollierten klinischen Studien:
Placebos werden in placebokontrollierten klinischen Studien eingesetzt, um die medizinische Wirksamkeit eines Medikamentes zu erforschen. Placebos dienen dabei als Kontrollsubstanzen. Eine Gruppe von Patienten erhält ein echtes Medikament, eine andere ein Placebo. Anschließend werden die gesundheitlichen Verbesserungen der beiden Gruppen verglichen. So lässt sich festellen, inwieweit die Verbesserung tatsächlich auf den Medikamentenwirkstoff zurückzuführen ist.

Aktive Placebos:
Besonders aussagekräfit sind Studien mit Aktiven Placebos. Sie haben nicht die Wirkung des Medikaments, sondern ahmen nur dessen Nebenwirkungen nach. Dies verhindert, dass der Studienteilnehmer durch das Ausbleiben von Nebenwirkungen errät, dass er lediglich ein Placebo erhält.

Durch placebokontrollierte Studien wurde festgestellt, dass Antidepressiva kaum besser wirken als Placebos.

Weiterführende Links
* Placebo - Wikipedia
* Placebo-Effekt - Flexikon.doccheck



Begriff

poop-out

Synonyme
Resistenz, Toleranz

Erklärung
"Poop-out" bezeichnet die sich bei längerer Einnahme von Psychopharmaka oft einstellende Wirkungslosigkeit trotz Dosissteigerung.
Viele Betroffene berichten, sie müssten ihr Antidepressiva, Neuroleptika, etc. immer höher dosieren, um den gleichen Effekt zu erreichen. Irgendwann ist diese Möglichkeit jedoch ausgeschöpft und es treten nur immer mehr Nebenwirkungen auf.
Der Begriff „poop-out“ wurde in englischsprachigen Foren geprägt und bedeutet übersetzt etwa „erschöpft aufgeben, ausgepumpt sein“.



Begriff

Protrahierter Entzug

Synonyme
Langzeit-Entzugssyndrom

Erklärung
Von einem protrahierten Entzug spricht man, wenn Symptome nach dem Absetzen der Substanz länger als einige Wochen anhalten bzw. verzögert, nach anfänglicher Symptomfreiheit, auftreten.
Der protrahierte Entzug, auch Langzeit-Entzugssyndrom genannt, kann mehrere Monate oder auch Jahre andauern. Oft wechseln sich Zeiten der Symptomverbesserung mit schlechteren Phasen (sog. "Wellen“) ab.

Weiterführende Links
* Thread für Langzeitbetroffene
* Erfahrungsaustausch: Medikamente bei Betroffenen mit Langzeitentzug
* Symptome im Langzeitentzug (Monica Cassani)




Begriff

Prozac Bridge

Abkürzung
---

Synonyme
Prozac switch

Erklärung
Prozac ist der amerikanische Markenname von Fluoxetin; bridge (engl.) bedeutet Brücke. Fluoxetin hat eine sehr lange Halbwertszeit und gilt daher als möglicherweise leichter absetzbar als ein Antidepressivum mit einer kurzen Halbwertszeit.
Unter Prozac Bridge versteht man das Umstellen eines SSRI/SNRI Antidepressivum auf Fluoxetin in der Hoffnung, so besser absetzen zu können.

Dieses Vorgehen birgt allerdings mehrere Risiken:
- trotz der ersatzweisen Einnahme von Fluoxetin kann es zu Absetzsymptomen des Ursprungsmedikaments kommen
- es können Nebenwirkungen von Fluoxetin auftreten
- in einer Übergangsphase werden beide Medikamenten paralell eingenommen, dies kann aufgrund der serotonergen Wirkung zu gefährlichen Wechselwirkungen führen (Serotoninvergiftung/Serotoninsyndrom)
- die Umstellung kann das Zentralnervensystem weiter belasten, was sich auf den weiteren Absetzverlauf ungünstig auswirken kann
- es ist nicht gesagt, dass sich Fluoxetin leichter ausschleichen lässt, auch bei Fluoxetin gibt es schwierige und langwierige Absetzverläufe.

Grundsätzlich ist es besser mit dem Medikament zu entziehen, an das der Körper gewöhnt ist. Nur wenn dies selbst bei kleinsten Reduktionsschritten nicht möglich ist, könnte eine Umstellug auf Fluoxetin ein letzter Ausweg sein. Die Umstellung sollte unter ärztlicher Begleitung, überlappend in einer kurzen Zeitspanne auf möglichst niedriger Dosis vorgenommen werden.

Weiterführende Links
* Prozac bridge - survivingantidepressants.org (englisch)




Begriff

PSSD (Post-SSRI Sexual Dysfunction)

Abkürzung
PSSD

Synonyme
lang anhaltende sexuelle Funktionsstörung nach Absetzen von SSRI/SNRI

Erklärung
Bei PSSD handelt es sich um eine durch Antidepressiva (aus der Gruppe der SSRI/SNRI) verursachte Art von sexueller Funktionsstörung.
Sexuelle Funktionsstörungen sind eine häufige Nebenwirkung von Antidepressiva, die zumeist nach dem Absetzen wieder abklingen. Bei einigen Betroffenen bleibt diese Störung jedoch nach dem Absetzen des SSRI/SNRI weiter bestehen. Die Symptomatik kann auch erst nach dem Absetzen auftreten oder sich nach dem Absetzen verschlechtern. PSSD betrifft sowohl Männer als auch Frauen, bereits eine Einnahmedauer von nur wenigen Tagen kann zu diesem Syndrom führen.
PSSD kann nach Absetzen des SSRI noch Monate bis Jahre andauern, in manchen Fällen bleibt sie möglicherweise permanent bestehen.

Mögliche Symptome sind u.a.: genitale Taubheit bzw. eine geringere genitale Sensitivität, verminderte oder nicht vorhandene Libido, Impotenz oder reduzierte Vaginalbefeuchtung, Anorgasmie, Schwierigkeiten, eine Erektion oder sexuelle Erregung hervorzurufen oder aufrechtzuerhalten, andauernde genitale Erregungsstörung (PGAD)

Mittlerweile ist das mögliche Bestehenbleiben der SSRI-induzierten sexuellen Dysfunktion nach Behandlungsabbruch in der Fachinformation des SSRI Fluoxetin, im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) sowie von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) anerkannt

Weiterführende Links
* Post-SSRI Sexual Dysfunction - Wikipedia
* EMA erkennt PSSD an
* EMA: lang anhaltende sexuelle Störungen durch SSRI UND SNRI - Arznei-telegram
* Post-SSRI Sexual Dysfunction - RxISK (englisch)
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

Q




Begriff

QT-Verlängerung

Abkürzung
---

Synonyme
QT-Zeit Verlängerung, QT-Intervall-Verlängerung, QTc-Zeit-Verlängerung, Long-QT-Syndrom

Erklärung
Kurz ausgedrückt ist eine QT-Verlängerung eine veränderte Aktivität der Herzmuskelfasern. Diese ist an einer charakteristischen Veränderung an einem bestimmten Abschnitt im EKG (Elektrokardiogramm, Herzstromkurve) erkennbar.

Eine QT-Verlängerung liegt vor, wenn im EKG zwischen dem Beginn der Q-Zacke und dem Ende der T-Welle eine Zeit von 550 Millisekunden (ms) überschritten wird. Die frequenzkorrigierte QTc-Zeit (QTc, englisch Corrected QT interval) sollte bei Frauen nicht über 470 ms und bei Männern nicht über 450 ms liegen. QTc-Zeiten über 500 ms bergen ein hohes Risiko für die Entstehung von lebensbedrohlichen Herzrhtmusstörungen.

Zwar haben viele Menschen mit einer Verlängerung der QT-Zeit keine spürbaren Symptome, jedoch können derartige Veränderungen ein Long-QT-Syndrom (Herzerkrankung mit krankhaft verlängertem QT-Intervall) herbeiführen. Die mögliche Symptomatik reicht von Schwindel und Unwohlsein bis hin zu Bewusstlosigkeit. Sie kann im Extremfall zu potentiell lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (zumeist Torsade-de-pointes-Tachykardien) und zum Herzstillstand durch Kammerflimmern führen.

QT-Zeit-Verlängerungen können vererbt werden, häufiger sind sie jedoch erworben. Diese sind nicht selten durch Medikamente verursacht, z.B. durch Antiarrhythmika, sowie durch bestimmte Antidepressiva, Neuroleptika, Antihistaminika, Antibiotika, Parkinson- und Anti-Malaria-Mittel, Röntgenkontrastmittel und verschiedene Opioide.

Folgende Psychopharmaka können zu einer QT-Zeit-Verlängerung führen (Liste ist nicht vollständig): Amisulprid, Amitriptylin, Chloralhydrat, Citalopram, Chlorpromazin, Clomipramin, Clozapin, Desipramin, Domperidon, Doxepin, Escitalopram, Fluoxetin, Flupentixol, Haloperidol, Imipramin, Levomepromazin, Lithium, Maprotilin, Melperon, Methadon, Methylphenidat, Nortriptylin, Olanzapin, Paliperidon, Paroxetin, Pimozid, Quetiapin, Risperidon, Sertindol, Sertralin, Sulpirid, Thioridazin, Tizanidin, Trazodon, Trimipramin, Venlafaxin, Ziprasidon

Vor und während der Behandlung mit entsprechenden Medikamenten sollte routinemäßig die QTc Zeit bestimmt werden. Bei einer medikamentenbedingten kritischen QTc-Verlängerung muß das Medikament abgesetzt werden.

Weiterführende Links
* QT-Syndrom - Wikipedia
* QT-Verlängerung - flexikon.doccheck.com
* Medikamente-mit-qt-zeit-Verlängerung - Neurologienetz
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

R

Rebound Symptome, retard, Rezeptor,



Begriff

Rebound Symptome

Abkürzung
-----

Synonyme
Absetzeffekt, Rebound-Phänomen,

Erklärung
Der Begriff Rebound oder Absetzeffekt (von engl. rebound ‚Rückprall') bezeichnet in der Medizin das verstärkte Wiederauftreten von Symptomen einer medikamentös behandelten Erkrankung nach Absetzen der Arzneimittel .
Dies ist vergleichbar mit dem Bild eines Balles der, unter Wasser gedrückt und plötzlich losgelassen, nicht nur zurück an die Oberfläche kehrt, sondern sogar aus dem Wasser herausspringt.

Wenn eine Medikation länger andauert, passt sich der Körper daran an und das Absetzen des Medikaments löst den Rebound aus.
Verschiedene Mechanismen können dafür die Ursache sein: Als Reaktion auf eine Medikation können sich die Rezeptoren, die auf den Wirkstoff reagieren, in der Zahl vermindern oder erhöhen. Wurde die Zahl der Rezeptoren erhöht (Up-Regulation) oder wurde deren Empfindlichkeit erhöht kann es beim abrupten Absetzen zu einer überschießende Gegenreaktion kommen.

Wurden als Reaktion auf die Medikation die Zahl der Rezeptoren, die auf den Wirkstoff reagieren vermindert (Down Regulation), können die körpereigenen Wirkstoffe nach dem Absetzen an weniger Rezeptoren anbinden. Dadurch kann es zu einem Mangel kommen.

Psychopharmaka können beim (schnellen oder abrupten) Absetzen oder einer Dosisreduktion, Reboundsymptome auslösen. Klasissche Beispiele hierfür sind das vermehrte Angstempfindung nach dem Absetzen von Benzodiazepinen, die Supersensitivitätspsychose nach dem Absetzen von Neuroleptika oder eine verstärkt depressive Stimmungslage nach dem Absetzen von Antidepressiva.

Reboundsymptome gehören zu den Absetzsymptomen und sind nicht mit der Wiederkehr der Grunderkrankung zu verwechseln.

siehe auch "Absetzsyndrom"

Weiterführende Links
* Rebound-Effekt - medlexi.de
* Absetz- und Rebound-Phänomene bei Antidepressiva - Ärzteblatt



Begriff

Retard

Abkürzung
-

Synonyme
retardiert, verzögerte Wirkstofffreisetzung

Erklärung

Manche Arzneimittel sind als "Retard"-Arzneimittel (bzw. "retardierte" Arzneimittel) erhältlich. Das Wort "retard" kommt vom lateinischen "retardare" (verzögern). Retardierte Arzneimittel geben den enthaltenen Wirkstoff langsam über längere Zeit und nicht unmittelbar ab.

Es gibt dabei verschiedene Unterformen z.B. sustained release (SR), extended release (ER, XR), controlled/continuous release (CR)

Die Retardierung kann auf verschiedene Arten erfolgen, z.B. durch einen Tablettenüberzug oder
wirkstoffhaltige Retardkügelchen.

Grundsätzlich sollten Retard-Medikamente nur gemäß den Hinweisen im Beipackzettel bzw. nach Rücksprache mit dem Apotheker zerteilt werden, da eine unsachgemäße Teilung eines Medikaments dessen Retard-Wirkung aufheben kann. Durch einen dann zu schnellen Wirkstoffanstieg kann es zu einer gefährlichen Überdosierung kommen.

Bei Retardtabletten ist zum kleinschrittigem Ausschleichen daher zumeist eine vorherige Umstellung auf ein nicht-retardiertes Präparat erforderlich.
Retardierte Präparate dürfen nicht zermösert oder in Wasser aufgelöst werden.

Weiterführende Links
* Retard Wikipedia
*Retard DocCheck Flexikon



Begriff

Rezeptor

(Biochemie)

Synonyme
Sensor, Sinneszelle

Erklärung

Rezeptoren (von lateinisch, "recipere" = aufnehmen, empfangen) sind eine spezifische reiz- oder signalaufnehmende Struktur. Sie sind zum einen für die Aufnahme äußerer Reize (wie z.B. Wärme, Kälte, Druck) zuständig und dienen zum anderen als "Andockstelle" für körpereigene (endogene) Signale die durch Liganden (z.B. Neurotransmitter, Hormone) übermittelt werden.

Je nach Funktion befinden sich zelluläre Rezeptoren entweder in Form von Membranrezeptoren in der Zellmembran (durchlässige Hülle) oder als Kernrezeptoren im Inneren einer Zelle.

An der Signalübertragung im ZNS beteiligte Rezeptoren besitzen eine spezifische Passform für Liganden (z.B. Neurotransmitter, Hormone), so dass diese nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an dem Rezeptor andocken können.

Bestimmte Arzneimittel (z.B. manche Psychopharmaka) ahmen diese Passform nach und können so ebenfalls an diesen Rezeptoren andocken und die Signalübertragung verstärken oder hemmen.

Im ZNS befinden sich u.a. folgende Rezeptoren mit jeweiligen Untergruppen: Acetylcholinrezeptoren M1-5, N1-2; Adrenozeptoren α1A,B,D; α2A-C; β1-3; (für Adrenalin, Noradrenalin), Dopaminrezeptoren D1-5; Histaminrezeptoren H1-4; Serotoninrezeptoren 5 HT1-7; GABA-Rezeptoren A-B

siehe auch "Neurotransmitter"

Weiterführende Links
* Rezeptor - Wikipedia
* Rezeptor - Flexikon.doccheck.com
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S

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin, Serotininsyndrom, Serotonintransporter, Skills, Steady State, Supersensitivitätspsychose, Symptomtrigger, Synapse/ Synaptischer Spalt


Begriff

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

(Selective Serotonin Reuptake Inhibitor)

Abkürzung
SSRI

Synonyme
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren

Erklärung
SSRI sind eine eigene Klasse innerhalb der Antidepressiva. Sie blockieren die Wiederaufnahme des Serotonin und erhöhen dadurch das Serotonin im synaptischen Spalt. Der synaptische Spalt befindet sich zwischen zwei Nervenzellen. Serotonin fungiert im synaptischen Spalt als sogenannter "Botenstoff" (Neurotransmitter), es überträgt Informationen von einer Nervenzelle zu einer anderen. Das Serotonin wird anschließend wieder von der präsynaptischen Zelle ("ausschüttende" Zelle) aufgenommen.

Dies geschieht über sogenannte Serotonintransporter. An diesen entfalten die SSRI ihre Wirkung, indem sie den Rücktransport hemmen und somit die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt erhöht wird. SSRI werden als "selektiv" bezeichnet, da im Vergleich zu anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ihre Einwirkung auf andere Transmittersysteme schwächer ist.

Bekannte SSRI-Wirkstoffe sind beispielsweise Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin.

siehe auch "Serotonin", " Serotonintransporter", "Synapse/ Synaptischer Spalt"

Weiterführende Links
* Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Wikipedia
* Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibatoren Gelbe Liste
* SSRI/ Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer seele-und-gesundheit.de
* Wie wirken Antidepressiva im Gehirn?



Begriff

Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer

(Selective Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitor)

Abkürzung
SSNRI

Synonyme
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Inhibitoren

Erklärung
SSNRI sind eine eigene Klasse innerhalb der Antidepressiva. Sie blockieren die Wiederaufnahme von Serotonin sowie Noradrenalin und erhöhen dadurch deren Konzentration im synaptischen Spalt.

Der synaptische Spalt befindet sich zwischen zwei Nervenzellen. Serotonin und Noradrenalin fungieren im synaptischen Spalt als sogenannte "Botenstoffe" (Neurotransmitter), sie übertragen Informationen von einer Nervenzelle zu einer anderen. Die Neurotransmitter werden anschließend wieder von der präsynaptischen Zelle ("ausschüttenden" Zelle) aufgenommen.

Dies geschieht über Serotonin- bzw. Noradrenalin-Transporter. An diesen entfalten die SSNRI ihre Wirkung, indem sie den Rücktransport hemmen und somit die Serotonin- bzw. Noradrenalinkonzentration im synaptischen Spalt erhöht wird. Sie werden als "selektiv" bezeichnet, da im Vergleich zu anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ihre Einwirkung auf andere Transmittersysteme schwächer ist.

Bekannte SSNRI-Wirkstoffe sind beispielsweise Duloxetin, Milnacipran und Venlafaxin.


siehe auch "Serotonin", "Noradrenalin"; Serotonintransporter", "Synapse/ Synaptischer Spalt"

Weiterführende Links
* Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Wikipedia
* Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer seele-und-gesundheit.de
* Wie wirken Antidepressiva im Gehirn?



Begriff

Serotonin

Erklärung
Serotonin ist ein Neurotransmitter, der unter anderem im Zentralnervensystem, im Darmnervensystem und im Blutkreislaufsystem eine wichtige Rolle spielt.

Neuere Antidepressiva wie SSRI greifen in den Serotoninhaushalt ein, indem sie die Wiederaufnahme hemmen und damit die Konzentration an Serotonin im synaptischen Spalt erhöhen sollen. Der genaue Wirkmechanismus ist jedoch ungeklärt und umstritten.

Eine Hypothese zur Entstehung von Depressionen besagt, die Betroffenen litten unter einem Serotoninmangel. Diese „Serotoninmangelhypothese“ konnte bisher nicht bestätigt werden, dient jedoch als einfaches Erklärungsmodell und zur Begründung der angeblichen Notwendigkeit einer medikamentösen Behandlung.

Im ZNS reguliert das Serotoninsystem unter anderem Wahrnehmung, Schlafregulation, Regulation der Temperatur, Sensorik, Schmerzempfindung, Appetit und Sexualverhalten. Zudem steht es in Wechselwirkung mit anderen Neurotransmittersystemen. Dies erklärt auch die Vielzahl an Wirkungen und Nebenwirkungen von SSRI.

Weiterführende Links
*Serotonin Funktionen - Wikipedia
* David Healy - So Long and Thanks for all the Serotonin
* Mythos: Depressionen als Stoffwechselstörung im Gehirn
* depression-heute.de: Serotonin



Begriff

Serotoninsyndrom

Synonyme
serotonerges Syndrom, Serotoninvergiftung

Erklärung

Das Serotonin-Syndrom ist eine akute und potenziell lebensbedrohliche Komplikation bei der Einnahme von Substanzen, die den Serotoninspiegel im Zentralnervensystem (ZNS) erhöhen. Dazu gehören die allermeisten Antidepressiva (tri- und tetrazyklischen Antidepressiva, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, MAO-Hemmer, Johanniskraut u.a.).

In sehr seltenen Fällen kann die Schädigung durch einen einzelnen Wirkstoff ausgelöst werden, zumeist ist es eine Wechselwirkung von serotonergen Arzneimitteln.

Sehr hohe Serotoninspiegel im ZNS wirken toxisch und können lebenswichtige Körperfunktionen beeinträchtigen, vor allem die Kreislauf- und Temperaturregulation sowie die Atmung.

Symptome eines Serotoninsyndroms sind u.a. Ruhelosigkeit, rasche unwillkürliche Muskelzuckungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Schwitzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, schnelle Atmung, Pulsanstieg, Tremor, Krämpfe, Pupillenerweiterung, Halluzinationen, Bewusstseinstörungen


Wichtigste Maßnahme ist das Absetzen der serotonergen Medikamente. Die Beschwerden gehen dann meist innerhalb von 24 Stunden zurück.

siehe auch "Serotonin"

Weiterführende Links
* Serotoninsyndrom - Wikipedia
* Serotoninsyndrom



Begriff

Serotonintransporter

Abkürzung
SERT

Synonyme
5-Hydroxytryptamintransporter (5-HTT), natriumabhängiger Serotonintransporter

Erklärung
Der SERT ist ein Transportmolekül, das für die Wiederaufnahme von Serotonin vom synaptischen Spalt in die präsynaptische Nervenzelle zuständig ist und so die Serotoninwirkung beendet.

Manche Psychopharmaka setzen am SERT an. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) verhindern die Bindung von Serotonin an den Transporter, so dass dieses länger im synaptischen Spalt verbleiben. Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (SSRE) verstärken hingegen die Bindung von Serotonin am Transporter, so dass weniger Serotonin im synaptischen Spalt zur Verfügung steht.

Auch Dopamin kann in geringem Ausmaß mit Hilfe des Serotonintransporters in die Zelle transportiert werden.
Dopamin- und Noradrenalintransporter arbeiten nach dem gleichen Mechanismus.

Bindet ein SSRI an den SERT, spricht man auch von SERT Belegung. Mit Zunahme der Dosis steigt die Belegung nicht linear sondern in Form einer Kurve an. Das bedeutet, dass bereits bei einer niedrigen Dosis überproportional viele SERT belegt sind. Für das Ausschleichen bedeutet es im Umkehrschluss, dass die Reduktionsschritte bei geringer werdender Dosis immer kleiner werden sollten.

siehe auch "Synapse", "Neurotransmitter", "Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Weiterführende Links
* Serotonintransporter - Wikipedia
* Serotonintransporter - flexikon.doccheck.com
* Serotonintransporterbelegung Graphen




Begriff

Skills

Abkürzung
---
Synonyme
Arbeitstechniken, Verhaltenstechniken, Fertigkeiten

Erklärung
Skills sind ein Begriff aus der Psychotherapie. Man versteht darunter Fertigkeiten und Techniken, die in der Theapie erlernt werden, um mit bestimmten schwierigen Situationen besser umgehen zu können.
Skills werden u.a. eingesetzt in der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT), der Traumatherapie, bei Panikattacken, Depersonalisation.

Welche Skills für welche Situation hilfreich sind, ist individuell verschieden. Skills können z.B. sein: Körperliche Aktivierung, starke körperliche Empfindungen hervorrufen und bewusst spüren, Entspannungsverfahren, Imaginationsübungen.
Ein individuell zusammengestellter "Skillkoffer (Notfallkoffer)", der entsprechende Materialien enthält oder eine Skillliste mit entsprechenden Tätigkeiten, kann sehr hilfreich sein, um Krisensituationen zu meistern.

Auch für die Entzugsproblematik kann es hilfreich sein, skills zur Verfügung zu haben.

Weiterführende Links
* Skills - flexikon.doccheck.com



Begriff

Steady State

Synonyme
Fließgleichgewicht, Kumulationsgleichgewicht

Erklärung
Zustand, bei dem ein Gleichgewicht herrscht, d. h., dass Zufuhr und Abfuhr z. B. eines Medikamentes oder Energie gleichbleibend sind.

Manche Medikamente werden im Körper nur langsam abgebaut, das heisst sie haben eine lange Halbwertszeit. Nimmt man täglich ein Medikament ein, dessen Wirkstoff länger im Körper verweilt als dass es abgebaut wird, steigt der Wirkstoffspiegel im Blut langsam an, er kumuliert.

Es kann, je nach Halbwertszeit, Tage oder Wochen dauern, bis die Einnahme und der Abbau des Wirkstoffs ausgeglichen ist. Dann bleibt der Wirktoffspiegel bei gleichmässiger Einnahme konstant, der steady state ist erreicht.

Man rechnet, dass der steady state nach 5 Halbwertszeiten erreicht ist.
Hat ein Wirkstoff beispielsweise eine Halbwertszeit von 2 Tagen, so steigt der Wirkstoffspiegel im Blut 10 Tage lang an. Nach 10 Tage ist der steady state erreicht.

Erhöht oder reduziert man ein solches Medikament, dauert es ebenfalls so lange, bis wieder ein gleichbleibender Wirkstoffspiegel erreicht ist.

siehe auch "Halbwertszeit", "Kumulation"

Weiterführende Links
* https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.ph ... eady-State
* https://www.spektrum.de/lexikon/biochem ... state/5886





Begriff

Supersensitivitätspsychose

Abkürzung
---

Synonyme
Absetzpsychose, Entzugspsychose, Durchbruchspsychose, Reboundpsychose

Erklärung
Unter Supersensitivitätspsychosen versteht man Psychosen, die durch die Neuroleptika selbst verursacht werden. Der Grund sind Rezeptorenveränderungen als Folge der Neuroleptikaeinnahme.

Neuroleptika blockieren bestimmte Rezeptoren, v.a. Dopaminrezeptoren, und verändern so das sensible Gleichgewicht der Botenstoffe im Zentralen Nervensystem. Das Gehirn reagiert darauf mit einer Gegenregulation.
Es entsteht eine deutliche Vermehrung („upregulation“) von Dopamin Rezeptoren (D2). Gleichzeitig erhöht sich die Empfindlichkeit der D2-Rezeptoren („Dopamin-Supersensitivität“), d.h., sie reagieren empfindlicher auf Dopamin. Zusätzlich kommt es zu einer Erhöhung der Dopamin-Bildung und -Ausschüttung.

Aufgrund dieser Veränderungen kann es bereits bei gleichbleibender Dosierung zu Durchbruchspsychosen kommen.

Reduziert man das regelmäßig eingenommene Neuroleptikum, werden die blockierten Rezeptoren wieder frei gegeben.
Bei einem großen Reduktionsschritt oder gar einem abrupten Absetzen wird das ZNS förmlich mit Dopamin überflutet. Dadurch kann es zu einer Absetzpsychose kommen.
Dieses Risiko besteht unabhängig vom Einnahmegrund, ist aber bei einer Psychose in der Vorgeschichte vermutlich erhöht.

siehe auch "Dopamin", Rezeptor"

Weiterführende Links
* Rezeptor-Veränderungen durch Neuroleptika - DGSP pdf
* Aderhold Neuroleptika zwischen Nutzen und Schaden pdf
* Peter Lehmann Probleme beim Absetzen von Neuroleptika als Folge von Rezeptorenveränderungen und Toleranzbildung




Begriff

Symptomtrigger

Abkürzung

Synonyme
Symptomverstärker, Symptomauslöser

Erklärung
Das Zentrale Nervensystem kann im Entzug sehr empfindlich auf verschiedene Stoffe und Tätigkeiten reagieren. Es kann dadurch zur Symptomverstärkung oder zum Auftreten weitere Entzugssymptome kommen.
Unter Symptomtrigger verstehen wir alles was erfahrungsgemäß zu einer solchen Symptomverstärkung führen kann.

Dazu gehören beispielsweise bestimmte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, stimulierende oder entgiftende Alternativverfahren, Außenreize und Stress, Nahrungs- und Genußmittel, Infekte.

Nicht jeder erfährt durch alle aufgelisteten Dinge eine Symptomverschlimmerung, das ist sehr individuell. Je schwerer die Absetzproblematik oder Sensibilität, desto größer ist das Risiko von Symptomverstärkung.

Weiterführende Links
* Liste möglicher Symptomverstärker




Begriff

Synapse/ Synaptischer Spalt

Erklärung

Eine Synapse (von altgriechisch: "syn" = zusammen und "haptein" = greifen) ist eine Kontaktstelle zur Übertragung eines chemischen oder elektrischen Signals von einer Nervenzelle auf eine andere Zelle (Nervenzelle oder andere Körperzelle).

Eine Synapse besteht aus 3 Elementen, erstens der Präsynapse (präsynaptischer Teil), von der das Signal ausgeht; zweitens der Postsynapse (postsynaptischer Teil), die das Signal empfängt; drittens dem Synaptischen Spalt, der zwischen beiden Strukturen liegt.

Es wird nach Art der Signalübertragung zwischen elektrischen und chemischen Synapsen unterschieden.
Bei der chemischen Synapse setzt die Präsynapse Neurotransmitter (Botenstoffe) aus Vesikeln (synaptisches Bläschen) frei, um das Signal zu übertragen. Die Neurotransmittermoleküle diffundieren (bewegen sich) durch den synaptischen Spalt und docken an passende Rezeptoren der Postsynapse.
Die Transmittermoleküle lösen sich nach einer gewissen Zeit wieder vom Rezeptor und werden entweder abgebaut oder wieder von der Präsynapse aufgenommen.

Chemische Synapsen arbeiten mit unterschiedlichen Transmittern und können durch Medikamente oder Drogen in verschiedenen Schritten der Signalübermittlung verändert werden. So hemmen beispielsweise Serotoninwiederaufnahmehemmer, die Wiederaufnahme von Serotonin in die Präsynapse und sollen so die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt erhöhen.

Beispiele für chemische Synapsen sind: Adrenerge Synapsen (dazugehöriger Neurotransmitter ist Adrenalin), Cholinerge Synapsen (Neurotransmitter: Acetylcholin); Dopaminerge Synapsen (Neurotransmitter: Dopamin); GABAerge Synapsen (Neurotransmitter: GABA); Serotonerge Synapsen (Neurotransmitter: Serotonin)

siehe auch unter "Neurotransmitter","Rezeptor"

Weiterführende Links
* Synapse - Wikipedia
* Synapse - flexikon.doccheck.com
Antworten