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SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 24.03.2016 21:15
von Murmeline
| ! | Nachricht von: padma |
| Triggerwarnung: Wenn du gerade emotional instabil bist, oder Gedanken hast dich selbst oder andere zu verletzen, ist dieser thread möglicherweise für dich nicht geeignet. Solltest du suizidal sein, suche dir bitte vor Ort Hilfe oder rufe die Telefonseelsorge an: kostenfreien Rufnummern 0800 / 111 0 111 • 0800 / 111 0 222 oder 116 123 |
Ein Statement von Prof. Müller-Oerlinghausen auf Depression-Heute:
Professor Bruno Müller-Oerlinghausen gehört zu den renommiertesten Medizinern Deutschlands. Er ist Träger der Paracelsus Medaille der deutschen Ärzteschaft und hat mehr als 650 wissenschaftliche Arbeiten verfasst. Für Depression-Heute hat er einen Kommentar zur 3sat-Sendung "Tod auf Rezept" geschrieben. Die Sendung wurde am 10.03.2016 ausgestrahlt.
Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen: Diese Sendung war sicher für viele Menschen sehr aufwühlend, insbesondere solche, die selber Antidepressiva einnehmen oder die Angehörige beim Absturz der German Wings Maschine verloren haben. Da es sich um eine weitgehend französische Sendung handelte, sind deutsche Experten kaum befragt worden.
Die Ausnahme bildete die Inhaberin eines Lehrstuhls der Psychiatrie in Berlin, Frau Professor Isabella Heuser. Ihr Expertinnenstatus konnte leider die Falschheit einer ihrer Kernaussagen nicht verdecken : Sie behauptete, dass Antidepressiva niemals Suizidideen oder Aggressivität bei Menschen auslösen, die nicht zuvor schon solche psychischen Veränderungen gezeigt haben.
Sie leugnet bzw. unterdrückt damit seit Jahren vorliegende,wissenschaftlich mehrfach bestätigte und publizierte Beobachtungen z.B. von Prof. David Healy, von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und von dem großen europäischen psychiatrischen Nebenwirkungserfassungssystem AMSP.
Sie alle zeigen, dass nicht nur die erregende Wirkung der SSRI Antidepressiva eine vorhandene Suizidneigung gefährlich werden lassen kann, sondern dass plötzlich in Menschen, die zuvor noch niemals derartige Neigungen in sich verspürt haben, ein Drang, sich selbst oder Andere zu töten entstehen kann, der als unheimlich und persönlichkeitsfremd erlebt wird.
Die Leugnung dieses Phänomens durch deutsche psychiatrische Fachvertreter und Meinungsbildner führt dazu, dass niedergelassene Nervenärzte, die sich auf die Kompetenz solcher Kollegen verlassen, diese gefährliche Nebenwirkung nicht zur Kenntnis nehmen und im Einzelfall, wenn derartige Erlebnisse unter Einnahme eines SSRI Antidepressivums vom Patienten berichtet werden, in guter Absicht womöglich noch dessen Dosis erhöhen, - um damit u. U. eine irreversible Lebenskatastrophe auszulösen.
http://www.depression-heute.de/blog/ssr ... aten-nicht
Re: SSRI-induzierte suizidale Gedanken
Verfasst: 19.04.2016 15:09
von Kassiopeia
Ich persönlich würde ja eher von suizidalen Impulsen als Gedanken sprechen. Obwohl ich das nicht so genau zuordnen kann. Ich war nie suizidgefährdet, kann aber seit geraumer Zeit nicht mehr auf den Balkon gehen, weil ich eine Art Impuls oder Vorstellung habe, über die Brüstung zu springen. Ich will mich nicht umbringen und das macht mir enorme Angst. Persönlichkeitsfremd ist ein sehr passender Ausdruck, wie ich finde.
Ich habe niemals Höhenangst oder so gehabt. Jetzt rufen Abgründe immer dieses Empfinden hervor, von mir wie ich einen Satz mache und in die Tiefe springe. Das ist etwas, was definitiv nicht zu mir gehört.
Alles Liebe
Kassiopeia
Re: SSRI-induzierte suizidaler Drang
Verfasst: 19.04.2016 15:29
von Murmeline
Danke! Ich hab es mal auf Drang geändert, weil BMOe den Begriff nutzt udn Impuls dazugesetzt. Ich denke auch, das trifft es besser.
Re: SSRI-induzierte suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 19.04.2016 19:01
von MorulaMyomatosus
Auch ich kann von diesen "Suizidgefühlen" ein Lied singen, ja sogar ein ganzes Buch drüber schreiben. Damit fing alles an und so wie es aussieht, hört es damit auch auf, denn dieser Dreck ist bis heute präsent. Es ist einfach grausam, dass man es absolut nicht steuern kann. Mich triggert ungefähr alles, was höher als 1 Meter ist. Selbst im TV kann ich Höhen nicht ertragen, weil sofort dieses Gefühl kommt. Leider ist es nicht nur die Höhe die triggert...
Ich kann diese Grausamkeit immer noch nicht in Worte fassen und bete jeden Tag, dass dieser Spuk bald ein Ende hat!
In diesem Sinne: Einfach immer weiter machen, es wird sich schon noch lohnen..
Morula
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 19.04.2016 19:57
von Murmeline
ein weiteres Zitat:
Im Rahmen des großen psychiatrischen UAW-Erfassungssystems Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie (AMSP) sind nicht nur beim Absetzen, sondern auch bei Dosisveränderungen SSRI- und SNRI- induzierte suizidale Impulse beobachtet worden, besonders gefährlich sind, wenn sie im Zusammenhang mit Angst oder innerer Erregung auftreten.
AMB 2015, 49, 65
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 20.04.2016 17:37
von MorulaMyomatosus
Hallo ihr Lieben,
Murmeline hat geschrieben:Im Rahmen des großen psychiatrischen UAW-Erfassungssystems Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie (AMSP) sind nicht nur beim Absetzen, sondern auch bei Dosisveränderungen SSRI- und SNRI- induzierte suizidale Impulse beobachtet worden, besonders gefährlich sind, wenn sie im Zusammenhang mit Angst oder innerer Erregung auftreten.
Puh... Ich hoffe, dass die Gefahr nach 21 Monaten nach 0 nicht mehr so groß ist

Mir machen diese Gefühle und Gedanken nämlich immer noch eine schreckliche Angst.
Erst heute schien der Tag ganz ok zu sein. Ich saß dann heute Mittag mit ner Zigarette (ja ich weiß..) und einem Glas Orangensaft auf dem Balkon und plötzlich ging es aus heiterem Himmel los... Dieses Suizidgefühl ist schon wieder sowas von explodiert in mir, dass ich in dem Moment wirklich dachte nicht mehr dagegen halten zu können. Das dauerte dann vielleicht 3 Minuten und dann ist es vorbei. Puh.. Danach war ich total erschöpft und zittrig. Liege jetzt mit ner Wärmflasche auf der Couch und ich spüre es noch immer unter der Oberfläche brodeln..
Himmel, ich hab die Schnau** echt voll davon.
Sorry, für meinen Erguss hier an so nem schönen Frühlingstag.
Grüße von Morula
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 20.04.2016 19:31
von padma
liebe Morula

,
du stehst das durch.
liebe Grüsse,
padma
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 20.04.2016 21:43
von MorulaMyomatosus
Danke liebe Padma

Ich hoffe du behältst recht.
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 25.04.2016 13:48
von walfisch
Oh ja...ich kenne das auch, weiß aber erst seit wenigen Wochen, dass es an den SSRI liegt. In all den Jahren davor dachte ich einfach, ich werd jetzt nach und nach immer verrückter. Ein Psychiater wollte mir zusätzlich Lithium dagegen verschreiben (was bin ich froh, dass ich's nicht genommen habe).
Einerseits ist es tröstlich zu erfahren, dass das nicht "ich" bin. Andererseits ist es so furchtbar beängstigend. So alienmäßig. Vor zwei Wochen hatte ich das zwei Tage lang sehr stark – den ganz überwältigenden Impuls, mir richtig wehzutun, bis zum Suizid. Ich war mit meiner 2-jährigen Tochter unterwegs und hatte solche Angst, die Kontrolle über die Situation zu verlieren. Immer wieder diese Bilder im Kopf, wie ich mich verletze, wie ich völlig ausraste...ich erspar Euch lieber die Details.
Aber zum Glück schafft die Konzentration auf mein Kind es häufig, mein Hirn zu fokussieren. So war es auch dieses Mal.
Ich glaub ehrlich, diese künstlichen Aggressionen sind das scheußlichste Gefühl, das ich jemals hatte.
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 26.04.2016 08:08
von MorulaMyomatosus
Liebe Walfisch,
du bist nicht alleine
Puh... Das alles ist wirklich sowas von grausam. Du kannst wirklich stolz auf dich sein, das alles mit Kind zu meistern!!! Es wird aufhören, ganz sicher!
Bei mir wurden diese Gedanken/Gefühle/Impulse als Zwangserkrankung diagnostiziert, als ich selbst noch nicht wusste, dass das Entzug ist. Jedenfalls hat meine Therapeutin immer gesagt, dass man Dinge, vor denen man Angst hat, nicht in die Tat umsetzt und dass jemand der sich umbringt, eine wirkliche Todessehnsucht hat. Daran habe ich mich festgeklammert.
Weißt du, ich bin Hebamme und habe teilweise grauenvolle Gefühle/Gedanken wenn ich ein Kind auf dem Arm habe. Es ist noch nie was passiert. Weder mir selbst, noch anderen gegenüber. Aber es fühlt sich trotzdem sehr echt an und ist deshalb so bedrohlich. Wir sind keine durchgeknallten Monster. Wir müssen uns nur immer wieder diesen 3D-Horrorfilm anschauen, produziert von Mr. Entzug.
Für uns alle wird die Zeit kommen, in der wir das alles hinter uns lassen können. Bis dahin müssen wir uns in Geduld üben und gut zu uns sein.
Morula
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 26.04.2016 10:43
von walfisch
Lieben Dank für den Trost, Morula!
Ich hatte während der Schwangerschaft manchmal Angst, dass ich meinem Kind irgendwas antun könnte. Dass ich total ausflippen und wasweißich tun würde. Ich bin unendlich dankbar, dass ich diese Gedanken noch nie meiner Tochter gegenüber hatte. Sie richten sich gegen mich und vielleicht noch gegen Fremde, die mich extrem stressen/mir Angst machen.
Natürlich bin ich manchmal auch richtig wütend auf sie, aber eben "normal" sauer, nicht mit diesem monströsen Ding in meinem Kopf.
Ich habe mir angewöhnt, in kritischen Situationen möglichst einen Stopp einzulegen, wenn diese Impulse kommen. Wenn ich im Auto sitze, fahre ich rechts ran und warte und atme. Sofern es irgend möglich ist, verlangsame ich die Situation und werde äußerlich möglichst passiv. Dieses dagegen halten ist so unfassbar anstrengend, Du kennst es ja auch.
Neulich habe ich zwei Dokus über SSRI-induzierte Suizide/Gewaltakte gesehen – und dachte mir so: Das hättest Du sein können. Vielleicht. Mit etwas Pech.
Das Wissen, woher das kommt, hilft. Aber was ist mit all denen, die es nicht wissen? Die einfach so fühlen und denken, sie wären verrückt oder Monster oder beides? Der Gedanke macht mich traurig.
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 26.04.2016 15:58
von Murmeline
Hallo Walfisch,
Das Wissen, woher das kommt, hilft. Aber was ist mit all denen, die es nicht wissen? Die einfach so fühlen und denken, sie wären verrückt oder Monster oder beides? Der Gedanke macht mich traurig.
Mich auch. Es scheint mir, als seien viele Ärzte sich dieser potentiellen Nebenwirkungen nicht bewusst. Die Kommunikation darüber ist auch nicht besonders gut. Ich habe letztes Jahr mit einem jungen Psychiater gesprochen, der selbst Probleme mit den Medikamenten und beim Absetzen hatte. Er meinte, im Studium hätte er nichts zur Abhängigkeit gelernt und auch sonst vermittelt bekommen, die Medikamente seinen nebenwirkungsarm und effizient. Von solchen Unverträglichkeiten/adverse reactions und ihren Konsequenzen hat er nichts erfahren.
Du bist sehr tapfer, ich wünsche Dir weiter viel Kraft!
Grüße, Murmeline
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 26.04.2016 19:28
von walfisch
Danke, Murmeline.
Es ist auch wirklich schwer zu erklären, wenn man's nicht erlebt hat. Ich kann da manchen Psychiatern nicht mal nen Vorwurf machen (naja, doch), wenn sie das nicht glauben wollen – es hieße ja, dass der Großteil ihrer Patienten irgendwie betroffen wäre, und da müsste man quasi seinen Beruf in Frage stellen (oder eher, dessen Ausübung).
Ich hab mal versucht, meinem letzten Psychiater zu beschreiben, wie es mir beim Absetzen geht. Er schaute mich groß an und sagte, das sei zum einen psychisch, weil ich ja Zeugs im Internet lesen würde, und zum anderen käme da dann wieder die Grunderkrankung durch. Blabla, kennen wir ja fast alle, diese Reaktion.
Von den gewaltvollen Gedanken, so würde ich sie am umfassendsten beschreiben, hab ich ihm dann nichts mehr erzählt. Und auch anderen Menschen nicht. Nur meinem Mann. Ansonsten wage ich nicht, diesen Irrsinn irgendwem mitzuteilen.
(Und immerhin, mein Mann traut sich dennoch, nachts neben mir zu schlafen

)
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 30.08.2016 20:19
von Esbri
Ich hätte nie gedacht, dass das jemand kennt...ich hab gedacht das ist so ein spezieller Wahn den nur ich habe
Ist alles schon eine Weile her, an die 10 Jahre. Damals hatte ich das vorallem mit Zügen. Das war sehr belastend, weil ich jeden Tag 2x mit dem Zug fahren musste. Immer, wenn der Zug in den Bahnhof einfuhr, hatte ich den Drang, mich davorzuwerfen. Dabei wollte ich nichtmal sterben. Das hatte garnichts mit Suizidgedanken zu tun, es war nichts Bewusstes. Ich musste mich jedesmal umdrehen und von den Gleisen weggehen, wenn der Zug wegfuhr. Dabei mag ich Züge ganz gerne, ich fürchte mich auch nicht vor ihnen. Ich bin sogar in der Nähe eines Bahnhofs aufgewachsen, mein Vater hat bei der Bahn gearbeitet. An einem problem mit Zügen selbst liegt das also garantiert nicht.
Eine Zeit lang hatte ich das selbe Problem auch bei Balkonen. Den unwiderstehlichen Drang, runterzuspringen. Selbst wenn der Balkon viel zu niedrig war, um zu sterben. Und ich wollte ja gar nicht sterben. An ganz schlimmen Tagen ging es mir auch mit Autos so. Entweder wollte ich mich vor Autos werfen oder bei voller Fahrt als Beifahrer aus dem Auto springen.
Das ging jahrelang so. Ich habe mich immer gefragt, was das eigentlich ist, denn Suizidgedanken waren es nicht. Für mich war das immer etwas total Sinnloses, ich hab mich ewig gefragt, ob ich mich wirklich irgendwann umbringe, nicht weil ich es will, sondern "einfach so".
Das Ganze hörte dann irgendwann einfach auf. Ich erinnere mich aber immer noch dann und wann daran, wenn ich in einen Zug steige, aber es ist nicht mehr da.
Rückblickend kann ich sagen, dass ich während der ganzen Zeit in der dieser Drang aufgetreten ist, Fluoxetin genommen habe.
Ich hatte das auch noch ein paar Mal wieder, aber selten, und ich kann mich nicht erinnern, ob ich während der Zeit SSRIs genommen habe oder nicht.
Wie gesagt, ich halte das nicht für Suizidgedanken oder den Wunsch, sich zu schädigen. Ich kenne beides und beides fühlt sich anders an.
Das fühlte sich nicht wie etwas an, das ich wirklich wollte. Es fühlte sich mehr an wie etwas, das einfach so in mir passierte. Ich wollte es ganz und gar nicht.
Ich hatte ähnliche Impulse jetzt wo ich kurz Mirtazapin genommen habe, wieder. Es waren auch so sinnlose "einfach so" Dinge, es steckte kein Wunsch, kein Bedürfnis, kein Gefühl dahinter. Es fühlte sich irgendwie künstlich an.
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 08.09.2016 10:05
von walfisch
Danke für Deinen Bericht! Ich finde es so wichtig, dass Menschen hier nachlesen können, dass es auch anderen so geht. Diese Gedanken und Impulse – ich finde sie so schwer zu ertragen. Zu wissen, ich bin damit nicht allein, das ist gut.
Im Moment plagt mich das wieder ganz akut. Der aktuelle Absetzschritt ist überraschend hart, ich werd in meinem Thread mehr dazu schreiben. Zu den irgendwie künstlichen Suizidimpulsen kommt derzeit noch der klare Wunsch, so nicht mehr leben zu wollen. Ich sehne mich einfach verzweifelt nach Ruhe – sterben möchte ich nicht. Ein paradoxer und scheußlicher Zustand. Ich kenne ihn jedoch von vergangenen Absetzschritten, so dass ich mich an der Hoffnung festhalte, ganz von selbst bald Besserung zu erfahren.
Viel Kraft und Hoffnung für Euch alle da draußen.
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 30.01.2019 18:31
von padma
hallo,
hier ein lohnender Beitrag in NDR Visite. " Medikamente gegen Depressionen, NW Suizid?"
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... on238.html
lg padma
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 31.01.2019 15:46
von Arianrhod
Ich habe bei den Zeitungsartikeln diesen Beitrag schon gepostet, tu es hier nochmal, da er evtl. hier besser passt:
Arianrhod hat geschrieben: ↑31.01.2019 15:40
Als Erklärung von Suizidalität geben sie auf der Seite:
Ein Risikofaktor für die Suizidalität könnte sein, dass manche Menschen aus genetischen Gründen Antidepressiva schlechter verstoffwechseln. Das führt dazu, dass die Leber den Wirkstoff zu langsam abbaut und dieser sich im Körper anreichert. So kommt es verstärkt zu Nebenwirkungen. Genetische Tests, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit von einzelnen Wirkstoffen individuell voraussagen sollen, sind derzeit noch Gegenstand der Forschung. Eine zuverlässige Vorhersage, wer an Nebenwirkungen erkrankt, ist derzeit nicht möglich: Selbst wenn ein Medikament zunächst gut vertragen wurde, kann das beim zweiten Einsatz anders sein.
Begleitung des Patienten ist wichtig
Wichtig ist, dass Betroffene und Angehörige das Risiko kennen und von kundigen Therapeuten betreut werden. Ärzte, die nur ein Rezept ausstellen, ohne den Patienten im Blick zu behalten, handeln fahrlässig.
Imho ist diese Erklärung nicht so ganz richtig, denn es sind nicht die
Nebenwirkungen, sondern die
gewünschte Wirkung , die die Suizidaität befördern, und zwar : Aktivitätsssteigerung
Tritt die Aktivitätssteigerung wesentlich früher ein als die Stimmungsaufhellung bzw es kommt gar nicht zu einer Aufhellung der Stimmung, weil das AD nicht greift, dann hat der depressive Mensch nun die Energie, das zu tun, was zu der gedrückten Stimmung passt - sich selbst zu töten.
Evtl. triggernder Text
[spoil]Auf diese Weise kam es zum Tod meines guten und hilfsbereiten, lieben Nachbarn, zweifacher Familienvater. VOR der AD- Einnahme war er depressiv und lag einige Wochen nur im Bett, ohne Energie zwar , jedoch auch nicht in akuter Gefahr.
Die Ehefrau, die weiter ihrer Arbeit nachging, war nicht darüber aufgeklärt worden, dass ihr Mann in solch einer gefährlichen Phase durch die Einnahme eines ADs war und eigentlich eine 24- Stunden- Überwachung gebraucht hätte.
Ich bin immer noch wütend und traurig, obwohl das schon Jahre her ist.
[/spoil]
Diese Erklärung gab mir später mein Neurologe .
liebe Grüße Arian
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 01.02.2019 14:10
von Arianrhod
Hier zum besseren Verständnis - Korrektur von Padma:
padma hat geschrieben: ↑31.01.2019 18:48
liebe Arian,
diese Erklärung ist nur teilweise richtig.
Es ist eine mögliche Gefahr von AD, und auch die wird immer noch unterschätzt.
AD können jedoch auch selbst Suizidalität auslösen, auch bei Menschen die zuvor keinerlei suizidale Tendenzen hatten. Auch bei Menschen, die nie eine Depression hatten und die ein AD aus ganz anderen Gründen eingenommen haben, kann ein AD Suizidalität auslösen.
Die Pharmaindustrie hat das wohl bereits in ihren Testreihen mit gesunden Probanden vor der Zulassung bereits gesehen, aber solange es ging, verschwiegen.
Es ist also nicht so, dass ein AD "nur" eine bisher verdeckt vorhandene Suizidalität hochholt und die Umsetzung ermöglicht, sondern es ist eine mögliche direkte NW eines AD.
liebe Grüsse,
padma
Hallo Padma,
danke für die Aufklärung-
das wusste nicht einmal der betreffende Neurologe, der sich zumindest die Mühe machte, mir was zu erklären.
ich wußte auch nicht, dass Suizidalität eine direkte Nebenwirkung ist.
Kennt man denn schon den Wirkmechanismus?
liebe Grüße Arian
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 01.02.2019 15:31
von adastra
ich hatte das auch unter paroxetin und es war extrem beängstigend. ich habe sogar einen Abschiedsbrief geschrieben in dem ich dies alles schilderte. grausame zeit
Re: SSRI-induzierter suizidaler Drang / Impuls
Verfasst: 02.02.2019 09:38
von Jamie
Hallo Arian,
Lothar Schröders Frau Monika Kranz hat sich vor einigen Jahren, weil eine stressige Phase in ihrem Leben anstand, vorbeugend ein Antidepressivum verordnen lassen (Sertralin / Zoloft).
Ein paar Wochen später war sie tot; vor einen Zug gesprungen.
Und das, obwohl sie weder depressiv noch suizidal war, als sie um das AD bat.
Sie nahm es ein in dem guten Glauben, es könne ihr eine schwierige Zeit erleichtern.
Lothar Schröder hat einen jahrelangen Mammut Prozess vor Gericht gegen Pfizer gefochten und am Ende kam ein Vergleich heraus, was Pfizer zwar nicht als Schuldeingeständnis werten will, aber dem nahe kommt. Was das für Kraft, Nerven und Tränen gekostet haben muss, kann man nur erahnen.
Lother Schröder war hier auch im Forum angemeldet, schaut aber nicht mehr rein
http://gegen-pfizer.blogspot.com/2014/0 ... sivum.html
Antidepressiva können auch in gesunden Menschen Suizidalität auslösen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
Viele Grüße
Jamie