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(Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

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LenaLena
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(Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von LenaLena »

Hallo,

es gibt zwar schon eine Übersetzung dieses Textes hier im Forum von vor einigen Jahren, aber die wurde glaube ich nur durch den Google Übersetzer gejagt und ist somit stellenweise missverständlich, ungelenkt und teils sind die Sätze sogar entgegen der Aussage des Originaltextes. Ich habe mir den Text daher noch einmal vorgenommen.
James Heaney geht (vermutlich wegen seiner eigenen Erfahrungen) in seinen Texten vermehrt auf die emotionalen Aspekte von Entzug ein, weniger auf die körperlichen, aber das ist nun eben seine Sicht :-) Der Text ist dennoch sehr aufschlussreich:


(Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs
https://npanth.wordpress.com/2012/03/14/phases-of-ssri-withdrawal/ (14. März 2012)

Nicht bei allen Leuten treten Entzugssymptome auf, wenn sie versuchen, die Einnahme eines selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zu beenden. In klinischen Studien liegt der Prozentsatz der Patienten zwischen 2% und 10%. Diese Studien werden gesponsert durch die Pharmaindustrie. In einer unabhängigen Studie, die verschiedene Unternehmensstudien untersuchte, lag der Prozentsatz der Patienten, bei denen Entzugssymptome von SSRI auftraten, zwischen 40 und 60 Prozent. Es ist schwierig sicherzustellen, welche Zahlen richtig sind, da die meisten Studien von den Medikamentenherstellern unter Verschluss gehalten werden und nicht verfügbar sind für eine genaue Untersuchung durch die Öffentlichkeit. Der Wortlaut, der von den pharmazeutischen Firmen für Entzug verwendet wird, ist "Absetzsyndrom".

SSRI blockieren die Rezeptoren, die Serotonin zwischen den Nervenzellen aufnehmen sollen, wodurch das frei verfügbare Serotonin im Gehirn erhöht wird. Die Theorie dazu ist, dass Depressionen, Zwangsverhalten, Ängste und psychotisches Verhalten durch einen Mangel von Serotonin im Gehirn verursacht werden. Diese Theorie wurde erstmals in den 1950er Jahren entwickelt, als entdeckt wurde, dass die Stimmung von Patienten besser wurde, wenn deren Serotoninspiegel zunahm. Es ist derzeit unmöglich, den Serotoninspiegel im lebenden Gehirn zu messen. 90% des Serotonins im Körper befindet sind im Verdauungstrakt, und somit messen Forscher diese Menge und machen eine Hochrechnung für das Gehirn. Ironischerweise haben andere Studien nachgewiesen, dass auch das Reduzieren von Serotonin im Gehirn die Stimmung verbessern kann. Diese Ergebnisse haben die Theorie vom chemischen Ungleichgewicht in Frage gestellt. Es wird offensichtlich, dass eine künstliche Manipulation des Serotoninspiegels im Gehirn nicht die beabsichtigte Wirkung hat und die Ursache für einige der Symptome sein kann, für deren Behandlung SSRI ursprünglich entwickelt wurde.

Die Art, wie SSRI das Serotonin im Gehirn erhöhen, ist der Kern des Entzugsproblems. Durch das Blockieren von Serotonin-Rezeptoren der Nervenzellen wird das Gehirn vom Medikament abhängig, um einen gleichbleibenden Serotoninspiegel aufrechtzuerhalten. Sowie sich das Gehirn an das Medikament gewöhnt hat, muss es nicht mehr Serotonin produzieren oder regulieren wie davor. Wird das Medikament weggelassen, sind die Rezeptoren, die die Serotoninproduktion anregen, noch immer blockiert, und der Neurotransmitterpegel beginnt zu schwanken.
Da Serotonin eng verbunden ist mit der Stimmung und der Fähigkeit, Emotionen zu bewältigen, verursachen diese Schwankungen ausgedehnte Stimmungsschwankungen und nicht kontrollierbare Gefühle. Es scheint, dass der genaue Spiegel des Serotonins im Gehirn weniger wichtig ist als ein konstanter Spiegel. Wenn das Gehirn sich wieder an den (normalerweise selbstregulierenden) Serotoninspiegel anpassen muss, erfahren viele Patienten eine Flut von extremen emotionalen und körperlichen Symptomen.

Analog zu Stadien von Kummer und Freude kommen solche Symptome nicht immer auf einmal. In den meisten Fällen kommen und gehen Entzugssymptome, sobald der Einnehmer des Medikaments die Dosis reduziert. Übliche Symptome sind Depression, Ängste, Wut, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit und Gedächtnisverlust. Viele Leute erfahren solche Symptome auch ohne Entzug in ihrem Alltagsleben. Gewöhnlich sind sie überschaubar und zeitlich begrenzt. Der Unterschied für die Leidenden im Entzug ist, dass diese Gefühle nicht mehr kontrollierbar sind und sehr intensiv werden.
Die regulären Mechanismen, die wir verwenden, um unsere Gefühle zu kontrollieren, funktionieren nicht mehr länger im Entzug. Es ist schwer, sich den Kontrollverlust vorzustellen, der die Entzugssymptome begleitet. Wenn eine normale Person Ärger zulässt, ist dies immer noch eine bewusste Entscheidung. Im Entzug gibt es keine Spirale, die der unkontrollierbaren Wut vorausgeht. Die Wut entspringt im vollen Umfang dem Geist und treibt sich eigenständig voran, ohne dem Zutun der Person, die diese Wut erfährt.

Die anderen emotionalen Entzugserscheinungen verhalten sich ähnlich. Selbst wenn der Patient Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung übt, Ängste, Depression und die anderen Symptome tauchen unvermittelt auf. Sie haben eine Gegenwärtigkeit und Kraft, die die meisten Leute nicht gewöhnt sind. Da das Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten ist, hat sich die Realität für den Patienten geändert. Anstatt einer Gefühlswelle, die unterdrückt oder ausgehalten werden muss, werden solche Gefühle eine alternativlose Realität.

Im Laufe der Zeit wird der Patient schließlich fähig sein, jedes Gefühl auf einen ähnlichen Niveau selbst zu regulieren, so wie vor Beginn der SSRI-Behandlung. Eines der frustrierenden Dinge beim Absetzen von SSRI ist, dass der Patient den Fortschritt erst wahrnimmt, wenn eine Phase vorbei ist. Du erfährst extreme Ängste, stellst aber fest, dass dich die Wut, die du ein paar Monate zuvor hattest, nicht länger plagt. Während dem Erleben einer Phase gibt es keinen Kontext, um die Gefühle zu vergleichen. Da die Gefühle so kraftvoll und unkontrollierbar sind, unterliegt die emotionale Selbstwahrnehmung einem Kurzschluss und führt zum geistigen Relativismus. Der Patient nimmt nicht die gesamte Bandbreite der Gefühle wahr, nur das kleine extreme Band, das er gerade in diesem Moment erlebt. Die Alternative zu blinder Wut ist nicht Gelassenheit, wie es bei einer normalen Person der Fall wäre. Stattdessen ist irrationale Wut nur das untere Ende des emotionalen Bereichs.

Während des Entzugs ändern sich diese Realitäten und entwickeln sich weiter, einige Gefühle beginnen zu dominieren. Patienten können unkontrollierte Wut für ein paar Wochen empfinden und kommen dann in einen Zustand, wo die Depression vorherrscht. Diese Gefühlswellen sind äußerliche Anzeichen dafür, dass sich das Gehirn auf die Notwendigkeit einstellt, die Neurotransmitter-Spiegel selbst zu regulieren. Es ist beinahe so, als würde der Geist durch das komplette Gefühlsinventar gehen und zu katalogisieren versuchen, was zur Regulierung jedes Einzelnen notwendig ist. Manche Menschen werden mehrere unkontrollierbare Emotionen gleichzeitig erleben, aber der unkontrollierbare Aspekt von ihnen wird nach und nach verschwinden.

Die Vielfalt und der Schweregrad der Symptome veranlasst Ärzte des Öfteren, andere Medikamente zu verschreiben, um diese Effekte abzuschwächen. Diese Vorgehensweise verschlimmert nur die Probleme des Entzugs durch das Hinzufügen eines weiteren Effekts zu den bereits bestehenden. Der Patient muss sich nun mit dem Entzug sowie den Auswirkungen eines neuen Arzneimittels und möglicherweise einer Reihe neuer Entzugssymptome auseinandersetzen. Die beste Strategie, mit den SSRI-Entzugssymptomen fertig zu werden, ist Zeit und ein langsames Ausschleichen. Ein langer Zeitplan beim Ausschleichen reduziert den Schweregrad und die Anzahl der Entzugsprobleme. Das Gehirn benötigt eine gewisse Zeit, um sich wieder auf ein natürliches Gleichgewicht von Neurotransmittern einzustellen, was nicht beschleunigt werden kann. Durch das langsame Ausschleichen von SSRI hat das Gehirn nicht mit einer so plötzlichen Änderung des Serotoninspiegels zu kämpfen und kann sich in einem natürlichen Tempo anpassen. Es dauert sehr lange, bis sich die Rezeptoren im Gehirn regenerieren.

Ein Zeitplan, wo das Medikament um 10% pro Monat reduziert wird, ist normalerweise ausreichend.[mittlerweile besagen die anekdotischen Beweise, dass es meist noch langsamer vonstattengehen muss!! Anm. von mir].
Die Zeitpläne können je nach Patient variieren. Einige werden ihre Dosis schneller reduzieren können, andere mögen wesentlich langsamer unterwegs sein.
► Text zeigen

Zu rasches Reduzieren (nur 5 Monate) nach Langzeiteinnahme, seitdem PWS (PROTRAHIERTES ENTZUGSSYNDROM) seit August 2017

Mein Thread: http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?t=14041
Help123
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Help123 »

LenaLena hat geschrieben: 06.08.2019 20:23 Hallo,

es gibt zwar schon eine Übersetzung dieses Textes hier im Forum von vor einigen Jahren, aber die wurde glaube ich nur durch den Google Übersetzer gejagt und ist somit stellenweise missverständlich, ungelenkt und teils sind die Sätze sogar entgegen der Aussage des Originaltextes. Ich habe mir den Text daher noch einmal vorgenommen.
James Heaney geht (vermutlich wegen seiner eigenen Erfahrungen) in seinen Texten vermehrt auf die emotionalen Aspekte von Entzug ein, weniger auf die körperlichen, aber das ist nun eben seine Sicht :-) Der Text ist dennoch sehr aufschlussreich:


(Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs
https://npanth.wordpress.com/2012/03/14/phases-of-ssri-withdrawal/ (14. März 2012)

Nicht bei allen Leuten treten Entzugssymptome auf, wenn sie versuchen, die Einnahme eines selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zu beenden. In klinischen Studien liegt der Prozentsatz der Patienten zwischen 2% und 10%. Diese Studien werden gesponsert durch die Pharmaindustrie. In einer unabhängigen Studie, die verschiedene Unternehmensstudien untersuchte, lag der Prozentsatz der Patienten, bei denen Entzugssymptome von SSRI auftraten, zwischen 40 und 60 Prozent. Es ist schwierig sicherzustellen, welche Zahlen richtig sind, da die meisten Studien von den Medikamentenherstellern unter Verschluss gehalten werden und nicht verfügbar sind für eine genaue Untersuchung durch die Öffentlichkeit. Der Wortlaut, der von den pharmazeutischen Firmen für Entzug verwendet wird, ist "Absetzsyndrom".

SSRI blockieren die Rezeptoren, die Serotonin zwischen den Nervenzellen aufnehmen sollen, wodurch das frei verfügbare Serotonin im Gehirn erhöht wird. Die Theorie dazu ist, dass Depressionen, Zwangsverhalten, Ängste und psychotisches Verhalten durch einen Mangel von Serotonin im Gehirn verursacht werden. Diese Theorie wurde erstmals in den 1950er Jahren entwickelt, als entdeckt wurde, dass die Stimmung von Patienten besser wurde, wenn deren Serotoninspiegel zunahm. Es ist derzeit unmöglich, den Serotoninspiegel im lebenden Gehirn zu messen. 90% des Serotonins im Körper befindet sind im Verdauungstrakt, und somit messen Forscher diese Menge und machen eine Hochrechnung für das Gehirn. Ironischerweise haben andere Studien nachgewiesen, dass auch das Reduzieren von Serotonin im Gehirn die Stimmung verbessern kann. Diese Ergebnisse haben die Theorie vom chemischen Ungleichgewicht in Frage gestellt. Es wird offensichtlich, dass eine künstliche Manipulation des Serotoninspiegels im Gehirn nicht die beabsichtigte Wirkung hat und die Ursache für einige der Symptome sein kann, für deren Behandlung SSRI ursprünglich entwickelt wurde.

Die Art, wie SSRI das Serotonin im Gehirn erhöhen, ist der Kern des Entzugsproblems. Durch das Blockieren von Serotonin-Rezeptoren der Nervenzellen wird das Gehirn vom Medikament abhängig, um einen gleichbleibenden Serotoninspiegel aufrechtzuerhalten. Sowie sich das Gehirn an das Medikament gewöhnt hat, muss es nicht mehr Serotonin produzieren oder regulieren wie davor. Wird das Medikament weggelassen, sind die Rezeptoren, die die Serotoninproduktion anregen, noch immer blockiert, und der Neurotransmitterpegel beginnt zu schwanken.
Da Serotonin eng verbunden ist mit der Stimmung und der Fähigkeit, Emotionen zu bewältigen, verursachen diese Schwankungen ausgedehnte Stimmungsschwankungen und nicht kontrollierbare Gefühle. Es scheint, dass der genaue Spiegel des Serotonins im Gehirn weniger wichtig ist als ein konstanter Spiegel. Wenn das Gehirn sich wieder an den (normalerweise selbstregulierenden) Serotoninspiegel anpassen muss, erfahren viele Patienten eine Flut von extremen emotionalen und körperlichen Symptomen.

Analog zu Stadien von Kummer und Freude kommen solche Symptome nicht immer auf einmal. In den meisten Fällen kommen und gehen Entzugssymptome, sobald der Einnehmer des Medikaments die Dosis reduziert. Übliche Symptome sind Depression, Ängste, Wut, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit und Gedächtnisverlust. Viele Leute erfahren solche Symptome auch ohne Entzug in ihrem Alltagsleben. Gewöhnlich sind sie überschaubar und zeitlich begrenzt. Der Unterschied für die Leidenden im Entzug ist, dass diese Gefühle nicht mehr kontrollierbar sind und sehr intensiv werden.
Die regulären Mechanismen, die wir verwenden, um unsere Gefühle zu kontrollieren, funktionieren nicht mehr länger im Entzug. Es ist schwer, sich den Kontrollverlust vorzustellen, der die Entzugssymptome begleitet. Wenn eine normale Person Ärger zulässt, ist dies immer noch eine bewusste Entscheidung. Im Entzug gibt es keine Spirale, die der unkontrollierbaren Wut vorausgeht. Die Wut entspringt im vollen Umfang dem Geist und treibt sich eigenständig voran, ohne dem Zutun der Person, die diese Wut erfährt.

Die anderen emotionalen Entzugserscheinungen verhalten sich ähnlich. Selbst wenn der Patient Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung übt, Ängste, Depression und die anderen Symptome tauchen unvermittelt auf. Sie haben eine Gegenwärtigkeit und Kraft, die die meisten Leute nicht gewöhnt sind. Da das Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten ist, hat sich die Realität für den Patienten geändert. Anstatt einer Gefühlswelle, die unterdrückt oder ausgehalten werden muss, werden solche Gefühle eine alternativlose Realität.

Im Laufe der Zeit wird der Patient schließlich fähig sein, jedes Gefühl auf einen ähnlichen Niveau selbst zu regulieren, so wie vor Beginn der SSRI-Behandlung. Eines der frustrierenden Dinge beim Absetzen von SSRI ist, dass der Patient den Fortschritt erst wahrnimmt, wenn eine Phase vorbei ist. Du erfährst extreme Ängste, stellst aber fest, dass dich die Wut, die du ein paar Monate zuvor hattest, nicht länger plagt. Während dem Erleben einer Phase gibt es keinen Kontext, um die Gefühle zu vergleichen. Da die Gefühle so kraftvoll und unkontrollierbar sind, unterliegt die emotionale Selbstwahrnehmung einem Kurzschluss und führt zum geistigen Relativismus. Der Patient nimmt nicht die gesamte Bandbreite der Gefühle wahr, nur das kleine extreme Band, das er gerade in diesem Moment erlebt. Die Alternative zu blinder Wut ist nicht Gelassenheit, wie es bei einer normalen Person der Fall wäre. Stattdessen ist irrationale Wut nur das untere Ende des emotionalen Bereichs.

Während des Entzugs ändern sich diese Realitäten und entwickeln sich weiter, einige Gefühle beginnen zu dominieren. Patienten können unkontrollierte Wut für ein paar Wochen empfinden und kommen dann in einen Zustand, wo die Depression vorherrscht. Diese Gefühlswellen sind äußerliche Anzeichen dafür, dass sich das Gehirn auf die Notwendigkeit einstellt, die Neurotransmitter-Spiegel selbst zu regulieren. Es ist beinahe so, als würde der Geist durch das komplette Gefühlsinventar gehen und zu katalogisieren versuchen, was zur Regulierung jedes Einzelnen notwendig ist. Manche Menschen werden mehrere unkontrollierbare Emotionen gleichzeitig erleben, aber der unkontrollierbare Aspekt von ihnen wird nach und nach verschwinden.

Die Vielfalt und der Schweregrad der Symptome veranlasst Ärzte des Öfteren, andere Medikamente zu verschreiben, um diese Effekte abzuschwächen. Diese Vorgehensweise verschlimmert nur die Probleme des Entzugs durch das Hinzufügen eines weiteren Effekts zu den bereits bestehenden. Der Patient muss sich nun mit dem Entzug sowie den Auswirkungen eines neuen Arzneimittels und möglicherweise einer Reihe neuer Entzugssymptome auseinandersetzen. Die beste Strategie, mit den SSRI-Entzugssymptomen fertig zu werden, ist Zeit und ein langsames Ausschleichen. Ein langer Zeitplan beim Ausschleichen reduziert den Schweregrad und die Anzahl der Entzugsprobleme. Das Gehirn benötigt eine gewisse Zeit, um sich wieder auf ein natürliches Gleichgewicht von Neurotransmittern einzustellen, was nicht beschleunigt werden kann. Durch das langsame Ausschleichen von SSRI hat das Gehirn nicht mit einer so plötzlichen Änderung des Serotoninspiegels zu kämpfen und kann sich in einem natürlichen Tempo anpassen. Es dauert sehr lange, bis sich die Rezeptoren im Gehirn regenerieren.

Ein Zeitplan, wo das Medikament um 10% pro Monat reduziert wird, ist normalerweise ausreichend.[mittlerweile besagen die anekdotischen Beweise, dass es meist noch langsamer vonstattengehen muss!! Anm. von mir].
Die Zeitpläne können je nach Patient variieren. Einige werden ihre Dosis schneller reduzieren können, andere mögen wesentlich langsamer unterwegs sein.


Hallo.

Vielen Dank nochmal für diesen Auszug und die Übersetzung!!!
❤️👐🏼

Dieser Text hat mir gestern Abend, als ich ihn gefunden habe, so viel Halt gegeben!
Denn ich bin gerade in so einer völligen Entzugssituation, und wusste nicht woher diese plötzliche, alles einnehmende Traurigkeit und Depressivität kommt.

Es macht so viel Sinn was darin steht.
Ich habe echt daran zu kauen, wenn das jetzt immer mal wieder kommt....wie jeder hier auch. :pillowtalk:
Aber wenigstens kann ich es einordnen.
Danke.

Viele Grüße ☀️
Help
Diagnose: Angststörung / depressive Episoden
+Hashimoto Thyreoditis

AD Erfahrung/Medikation:
-19.06.05 Doxepin (Durchfall, Übelkeit)
Wechsel
-01.07.05 Amitriptylin 10mg (Muskelverspannungen)
Wechsel
-18.07.05 Opipramol (Schwindel, Entfremdung, Übelkeit)
Dosis: von 10 bis 70 mg hoch, jede Woche um 10mg erhöht.
Da nach dem 26.10.05 kein Tabletteneintrag mehr ist, vermute ich es wurde kalt abgesetzt 😵.

-ca. 2005 = Citalopram 40mg ca. 3 Jahre (ohne Probleme ausgeschlichen)
-ca. 2009 = Fluoxetin 1Jahr
-Umstieg Citalopram 30mg
-2014 = Citalopram 20mg mit Amitriptilyn (ohne Probleme ausgeschlichen)
-Feb. 2016 = Sertralin 75mg
-Jan. 2018 = Umstieg auf Citalopram 20mg, dann 40mg
(ohne Besserung, deswegen Umstieg)
-März 2018 = Umstieg auf Duloxetin90mg
Nebenwirkungen: Schwindel, Kopfweh, Druck im Hals, Angst, Nervosität, Appetittverlust, Abgestumpftheit, Aggression, Suizidgedanken, Gefühl verrückt zu werden, Panikzustände....u.a.

Deswegen Absetz-Entscheidung!
23.09.18 von 90 auf 60mg
(keine gravierenden psychischen Probleme, jedoch heftige Nacken-und Rückenverspannung über 3Wochen, mit heftigen Kopfschmerzen)
14.10.18 von 60 auf 45mg
22.10.18 von 45 auf 30mg
25.10'18 von 30 auf 15mg
(Absetzsymptome: starker Schwindel, Angstzustände, Benommenheit, Kopfweh)
1.11.18 von 15 auf 10mg
Am 4.11.18/11:30h, Massive Entzugserscheinungen:
starker Schwindel, Benommenheit, Zittern, Gefühl “Verrückt zu werden“, Übelkeit, Angst, Selbstmordgedanken...
Um 14:30h 25mg Duloxetin nachgenommen!
Nach 1-2Std. Linderung der Symptome.

Seit 5.11.18 im Entzug, 30mg Duloxetin
(Immerwieder Kopfweh, Schwindel, Angst)
6.03.19 im Entzug, 27mg => 30mg -10% mit der „Kügelchenmethode“
(leichter Schwindel)

7.05.19 Umstellung von 27 mg Duloxetin auf 30mg Citalopram, da unter Duloxetin zu viele Nebenwirkungen (starke körperliche Abhängigkeit, Restless, Nervös, Gefühlskälte....)
Umstellung brachte Kopfweh, Schwindel, Übelkeit und Traurigkeit.
Nach ca. 4 Wochen ging es wieder...
Umstellung vollzogen.
➡️😵18.06.19: Körperlicher und seelischer Zusammenbruch!
Herzrasen, körperl. u. inneres Zittern, Depression, Hoffnungslosigkeit, Rastlosigkeit, Schlaflosigkeit....

“Anraten Arzt" CP von 30 auf 20mg runter+Trazodon.“
= Citalopram Dosis auf 20mg verringert.
KEIN Trazodon genommen.

⚡Entzug Duloxetin:
➡️ständige, krampfartige Kopfschmerzen sind zum Dauerbegleiter geworden, mal mehr, mal weniger ausgeprägt, aber ständig vorhanden.
➡️18.07.19: starke Kopfschmerzen, leichter Schwindel, Nervosität, Angstgefühle, Hitzewallungen, depressive Verstimmung, Schlafstörungen.
➡️😵05.08.19: Vorausgehende starke Angstgefühle, mit Panikattacken, Unruhe, Appetitlosigkeit, Übelkeit
06.08.19: starke Unruhe, Zittern, Trauergefühle, Apettitlos, Übelkeit
07.08.19: Heftige Depressionen, mit Weinkrämpfen, =totale Hoffnungslosigkeit! Übelkeit, Unfähig zu Essen, Zittern, Unruhe, starkes Schwitzen, Kribbeln in Finger u. Füßen, Frieren, Depersonalisierung....
🚫 Duloxetin-Entzug geschafft!!! Juni'20
Körper und Seele wieder relativ stabil ☀️

📛Ab ca. 07.07.21 Unwissentlich (Falsche Blisterpackung):
Von 20 auf 10mg reduziert. (Bis 26.08.21 nicht gewusst)
📌 Seit 19.07.21 von vermeintlich 20mg, in Wirklichkeit aber von 10 auf 18mg.
↪Herzrasen, Unruhe, heftige, wiederkehrende Panikattacken, Angst aus dem Nichts, Unwohlsein, Übelkeit, Schwindel, sehr starke Kopfschmerzen, Muskelverspannungen etc.

Seit 25.07.21 wieder auf 20mg.

💊Aktuelle Medikation:
20mg Citalopram (CP)
112mg L-Thyroxin
Melina 17

Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Melina 17 »

Huhu,

auch von mir danke. das ist sehr interessant und einleuchtend und kann für viele Menschen hier bestimmt hilfreich sein.

Na, da kann ich ja eigentlich froh sein, daß ich persönlich mehr unter Gefühlsverflachung leide, daß ich diese großen Stürme nicht erleben muß, vor allem, weil ich von Hause aus eigentlich der "Himmelhoch jauzend - zu Tode betrübt bin.

Aber ich fürchte, da kommt irgendwann....wenn ich weiter runter bin und der "Filter" von Citaloprem wegfällt, werd ich vielleicht auch wie früher von meinen Emotionen hin und hergeschmissen, dann ist es hilfeich zu wissen woher das kommt.

Liebe Grüße

Melina
Straycat
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Straycat »

Liebe LenaLena,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für die Übersetzung.
Ich habe diesen Artikel erst jetzt zum ersten Mal gelesen und er ist wirklich aufschlussreich.
Außerdem verhindert diese Erkenntnis, dass man sich im Zuge des Absetzprozesses (oder danach) wieder neue Medikamente verordnen lässt. Hätte ich das nur früher gelesen!!
Ich hatte Escitalopram 2016 viel zu schnell abgesetzt und dann unter Entzugserscheinungen gelitten und mir daraufhin wieder Venlafaxin verschreiben lassen, weil ich dachte, die Depression sei zurück.
Diesmal werde ich es anders machen und mich nicht von meinem Weg abbringen lassen.

Liebe Grüße,
Cat
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Luisa52 »

Hallo
Ich bin jetzt erst auf den Artikel aufmerksam geworden. Danke für die aktuelle Übersetzung.
Der Artikel beschreibt sehr genau, wie sich Neuroemotionen anfühlen, ihre Art des Auftretens und dass diese i.d.R. durch diverse Skills, (die sonst hilfreich sind bei Stimmungsschwankungen, Ängsten usw.) nicht positiv beeinflussbar sind.

Genau dies traf bei meinem Entzug (sehr langsames Abdosieren) alles zu, einschließlich der zunehmenden Alltagstauglichkeit und Besserung.
Luisa
Vorgeschichte:

2015 Ängste, Depression hervorgerufen durch die Einnahme von Tavor (1x /d für 5 Tage) wegen Flugangst und Herzbeschwerden. Amitriptilin kurzfristig 25 mg, dann rasch in 4 Monaten vorsichtig problemlos abgesetzt
01/2016 burn-out erneute Einnahme kurzfristig Amitriptilin, ohne Erfolg
02/16 Doxepin Trp. Zügig abgesetzt wegen Nebenwirkungen
03/16 Zusammenbruch Aufnahme in Psychiatrie für 5 Wo. Escitalopram 10 mg für 3 Wo.heftigste Nebenwirkungen tägl. Suizidgedanken, wenn Wirkspiegel offenbar max. hatte. Dann auf meinen Wunsch abgesetzt
04/16 Venlafaxin 37.5 mg Retard Suizidalität gebessert
05/16 - 07/16 ambulant bis 3x 37.5 mg aufdosiert, schnell wieder auf 2x 37.5 mg da Nebenwirkungen wie Unruhe, Rastlosigkeit, Gedankenkreisen, Schlaflosigkeit, Zwangsgedanken, Gefühl unter Drogen zu sein, kam einfach nicht runter.
07-12/16 von 2x auf 1x 37.5 mg reduziert, in langsamen Schritten Kü. rausgenommen.
Reduktion zeigte immer Absetzsymptome, von 3x37.5 mg auf 1x37.5 mg aber gut geschafft.
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Dietrich
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Dietrich »

Ja. Artikel erklärt alles sehr gut. Allerdings glaube ich fast, dass es nicht nur sehr lange dauert bis sich die Rezeptoren im Gehirn regeneriert haben. Einige scheinen auch dauerhaft zerstört zu sein und sich nicht wieder neu zu bilden. Wie lassen sich sonst bleibende Symptome erklären.
Grüße dirk
09/2018 Psychiatrie
DIAGNOSE 1: Somatoforme Funktionsstörung
Quetiapin 100 mg
10/2018 zuhause Versuch Prozac 20 mg
2 Wochen
Beginn zusätzlicher Symptome PSSD
11/2018 Experimente mit NEM auch Joha, nochmal
kurz Quetiapin, dann medifrei

05/2019 Privatklinik für Somatoforme
Funktionsstörung
DIAGNOSE 2: Somatizierung mit Wahnanteilen und
Depression
2.5 mg Abilify 5 Monate wegen
Angst- und Panikattacken , heute weiß
ich; dies war immer noch Prozacentzug

10/2019 Absetzen von Abilify mit totalen Crash
Pssd, DP/DR, Anhedonie, Aphaty,
Herzprobleme, Schlaflosigkeit, Durchfall

12/2019- 03/2020
Uniklinik Mainz/Psychiatrie wegen
Suizidgedanken
Versuche mit Moclo 600 mg,
Lithium 1125 mg, Ketamin 8 Injektionen

DIAGNOSE 3: Schwere Depressionen mit
psychotischen Anteilen

Spätestens jetzt war klar, dass längst nicht mehr meine Grunderkrankung das Problem war; sondern die Medis

seit 04/2020 PP-frei
06/2020 Versuch mit B3 doof gelaufen
07/2020 Verzicht auf weitere NEM-Versuche. Heilung kommt hoffentlich auf natürlichem Weg. Zwischendurch immer mal wieder Fenster und Hoffnung. Seit 11/2020 pensioniert :(

12/2020 nachdem ich 4 Wochen nochmal geraucht hab kompletter Setback mit Symptomverschlimmerung
= absolute Hölle

04/2021 langsame Erholung vom Crash
Straycat
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Straycat »

Hallo Dietrich,

meines Wissens nach gibt es keine Langzeitstudien, die Fälle aufzeigen, in denen das Gehirn durch SSRI unumkehrbar geschädigt wurde.
PSSD ist soweit ich weiß das einzige Symptom, bei dem bisher davon ausgegangen wird, dass es dauerhaft sein könnte.

Um sicher sagen zu können, dass Rezeptoren für immer zerstört werden, fehlen meiner Ansicht nach die wissenschaftlichen Nachweise.
Ich denke "bleibende Symptome" ist immer relativ zu betrachten. Denn Berichte über "bleibende Symptome" sind selten schon abgeschlossen oder lange genug (zB über Jahrzehnte), dass man wirklich davon ausgehen kann, dass sie nie wieder abklingen werden.
Man weiß mittlerweile, dass sich manche Symptome weit länger halten können, als ursprünglich angenommen (also definitiv nicht nur einige Wochen, wie das gerne von manchen Ärzten oder der Pharmaindustrie fälschlich behauptet wird), aber meiner Ansicht nach heißt das nicht automatisch, dass sie für immer bleiben bzw. die Rezeptoren für immer zerstört sind.

Liebe Grüße,
Cat
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Dietrich
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Dietrich »

Hi cat!
Ich geb dir zum Teil recht. Ich selbst bin auch ein youngtimer. D. h. im entzug seit einem Jahr wenn man Lithium und Moclo dazuzaehlt eigentlich auf Null seit April.
Allerdings gibt es echt einige langzeitmenschen die ich kennengelernt habe. Und da gings nicht nur um Pssd sondern auch um anhedonie/ Apathie , depersonalizierung und kognitiven Stoerungen. Aber klar wenn nach 15 Jahren plötzlich alles zurück kommt war es nicht permanent.
Nur auch hier wird ja mittlerweile nicht mehr bestritten dass bei einige Symptome nicht mehr abklingen!?
Grüße
09/2018 Psychiatrie
DIAGNOSE 1: Somatoforme Funktionsstörung
Quetiapin 100 mg
10/2018 zuhause Versuch Prozac 20 mg
2 Wochen
Beginn zusätzlicher Symptome PSSD
11/2018 Experimente mit NEM auch Joha, nochmal
kurz Quetiapin, dann medifrei

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Funktionsstörung
DIAGNOSE 2: Somatizierung mit Wahnanteilen und
Depression
2.5 mg Abilify 5 Monate wegen
Angst- und Panikattacken , heute weiß
ich; dies war immer noch Prozacentzug

10/2019 Absetzen von Abilify mit totalen Crash
Pssd, DP/DR, Anhedonie, Aphaty,
Herzprobleme, Schlaflosigkeit, Durchfall

12/2019- 03/2020
Uniklinik Mainz/Psychiatrie wegen
Suizidgedanken
Versuche mit Moclo 600 mg,
Lithium 1125 mg, Ketamin 8 Injektionen

DIAGNOSE 3: Schwere Depressionen mit
psychotischen Anteilen

Spätestens jetzt war klar, dass längst nicht mehr meine Grunderkrankung das Problem war; sondern die Medis

seit 04/2020 PP-frei
06/2020 Versuch mit B3 doof gelaufen
07/2020 Verzicht auf weitere NEM-Versuche. Heilung kommt hoffentlich auf natürlichem Weg. Zwischendurch immer mal wieder Fenster und Hoffnung. Seit 11/2020 pensioniert :(

12/2020 nachdem ich 4 Wochen nochmal geraucht hab kompletter Setback mit Symptomverschlimmerung
= absolute Hölle

04/2021 langsame Erholung vom Crash
Dietrich
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Dietrich »

By the way... Wer ist eigentlich James?
09/2018 Psychiatrie
DIAGNOSE 1: Somatoforme Funktionsstörung
Quetiapin 100 mg
10/2018 zuhause Versuch Prozac 20 mg
2 Wochen
Beginn zusätzlicher Symptome PSSD
11/2018 Experimente mit NEM auch Joha, nochmal
kurz Quetiapin, dann medifrei

05/2019 Privatklinik für Somatoforme
Funktionsstörung
DIAGNOSE 2: Somatizierung mit Wahnanteilen und
Depression
2.5 mg Abilify 5 Monate wegen
Angst- und Panikattacken , heute weiß
ich; dies war immer noch Prozacentzug

10/2019 Absetzen von Abilify mit totalen Crash
Pssd, DP/DR, Anhedonie, Aphaty,
Herzprobleme, Schlaflosigkeit, Durchfall

12/2019- 03/2020
Uniklinik Mainz/Psychiatrie wegen
Suizidgedanken
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Murmeline
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Murmeline »

Der Autor hat einen Blog mit Artikeln.
https://npanth.wordpress.com/

Er beschreibt sich selbst so:
I fish, collect fossils, and take photographs.

Und er ist Betroffener eines SSRI Entzugssyndroms.
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier
Luisa52
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Luisa52 »

Hallo
Auf Dauer bleibende Symptome nach SSRI Entzug würde ich mit Nachdruck hinterfragen.
Z.B. können Ängste, Depressionen oder Zwangsstörungen auch unabhängig vom Entzug auftreten, wenn entsprechende Lebensereignisse auftreten und meine Bewältigungsstrategien nicht mehr ins Leben passen. Im Entzug können natürlich Schicksale auftreten, die ich zunächst nicht bewältigen kann und zu massiven psychischen und physischen Beeinträchtigung führen können. Das hat dann mit andauernden Entzugs-Symptomen nichts zu tun.
Wenn psychische Störungen auftreten ist doch m. E. zunächst immer auch die Frage zu stellen, ob ich krankmachenden Lebensumständen ausgesetzt bin und durch meine Einstellungen, Wertigkeiten, Handlungen einer positiven Wendung und Gesundung keinen Raum gebe, sondern die Störung weiter „nähre“.
Bislang kenne ich für ADs keine Studie, die belegt, dass es durch morphologische und funktionellen Schädigungen des ZNS zu dauerhaft anhaltenden Entzugs-Symptomen kommt. Wohl gibt es aber in diversen Foren viele Beispiele von Betroffenen, dass Entzugs-Symptome zwar lange anhalten können, aber mit der Zeit an Intensität abnehmen und verblassen.

Die Neuroplastizität des ZNS leistet letztendlich enorm viel (dazu gibt es genügend wissenschaftliche Untersuchungen) nur halt nicht in dem Tempo, wie man sich das oft erhofft und wünscht. Sie ersetzt auch nicht „die Arbeit an sich selbst“.
Viele Grüße Luisa
Vorgeschichte:

2015 Ängste, Depression hervorgerufen durch die Einnahme von Tavor (1x /d für 5 Tage) wegen Flugangst und Herzbeschwerden. Amitriptilin kurzfristig 25 mg, dann rasch in 4 Monaten vorsichtig problemlos abgesetzt
01/2016 burn-out erneute Einnahme kurzfristig Amitriptilin, ohne Erfolg
02/16 Doxepin Trp. Zügig abgesetzt wegen Nebenwirkungen
03/16 Zusammenbruch Aufnahme in Psychiatrie für 5 Wo. Escitalopram 10 mg für 3 Wo.heftigste Nebenwirkungen tägl. Suizidgedanken, wenn Wirkspiegel offenbar max. hatte. Dann auf meinen Wunsch abgesetzt
04/16 Venlafaxin 37.5 mg Retard Suizidalität gebessert
05/16 - 07/16 ambulant bis 3x 37.5 mg aufdosiert, schnell wieder auf 2x 37.5 mg da Nebenwirkungen wie Unruhe, Rastlosigkeit, Gedankenkreisen, Schlaflosigkeit, Zwangsgedanken, Gefühl unter Drogen zu sein, kam einfach nicht runter.
07-12/16 von 2x auf 1x 37.5 mg reduziert, in langsamen Schritten Kü. rausgenommen.
Reduktion zeigte immer Absetzsymptome, von 3x37.5 mg auf 1x37.5 mg aber gut geschafft.
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Dietrich
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Dietrich »

Hi
Ich glaub es gibt generell keine Studie zu langzeitfolgen? Bisher wird von der Fachwelt ja gerade negiert dass es sowas wie Entzug überhaupt gibt. Von daher hat dies meines Erachtens erstmal nichts zu bedeuten. Es gibt eher sehr viele Betroffene die plötzlich Symptome haben, welche vorher nie da waren.
Natürlich kann auch weiterhin eine grunderkrankung vorliegen. Für mich hört sich das aber wie die gängige Erklärung unserer geliebten Psychiater an. Von wegen "sie wurden noch nicht richtig medikamentiert" . Oder "sie haben eine rezidive psychotische Depression, nehmen sie mal xyz...."
Ja man sollte alles tun um gesunde lebensumstände zu schaffen. Was ist den aber wenn man garkeine aengste oder Panik hat? Wenn man über Monate einfach nur apathisch, sediert und emotionsverflacht vor sich hinvegitiert? Also wie ein zns im alarmzustand wirkt das nicht. Eher wie abgeschossene Rezeptoren.
Grüße dirk
09/2018 Psychiatrie
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Funktionsstörung
DIAGNOSE 2: Somatizierung mit Wahnanteilen und
Depression
2.5 mg Abilify 5 Monate wegen
Angst- und Panikattacken , heute weiß
ich; dies war immer noch Prozacentzug

10/2019 Absetzen von Abilify mit totalen Crash
Pssd, DP/DR, Anhedonie, Aphaty,
Herzprobleme, Schlaflosigkeit, Durchfall

12/2019- 03/2020
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Suizidgedanken
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Straycat »

Liebe Luisa,
Luisa52 hat geschrieben: 16.09.2020 23:58 Auf Dauer bleibende Symptome nach SSRI Entzug würde ich mit Nachdruck hinterfragen.
Z.B. können Ängste, Depressionen oder Zwangsstörungen auch unabhängig vom Entzug auftreten, wenn entsprechende Lebensereignisse auftreten und meine Bewältigungsstrategien nicht mehr ins Leben passen. Im Entzug können natürlich Schicksale auftreten, die ich zunächst nicht bewältigen kann und zu massiven psychischen und physischen Beeinträchtigung führen können. Das hat dann mit andauernden Entzugs-Symptomen nichts zu tun.
Da muss man glaube ich aber auch sehr stark aufpassen, dass man nicht in die "Grunderkrankung vs. Entzugssymptome" Problematik abdriftet. Viele Ärzte empfehlen dann ja einfach wieder die Rückkehr zu PP, was fatal ist (wie auch Dietrich erwähnt hat).
Aber ich denke, so meintest du es nicht, oder?

Liebe Grüße,
Cat
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Luisa52
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Luisa52 »

Danke CAT
Nein, ich schließe nicht aus,
- dass wenn man die Gründe für eine Erkrankung nicht angeht, diese sich immer wieder zeigen, PP deckeln nur diese psychischen Symptome
- während eines Entzugs und danach können neue psychischen Beeinträchtigungen auftreten, die nicht dem Entzug zuzuordnen sind, es gibt unabhängig vom Entzug auftretende Lebenskrisen, die bewältigt werden müssen.
- wenn man im Entzug ist, lernt man mit der Zeit was Neuroemotionen sind und was reale Emotionen aufgrund von Lebensumstände sind.

Liebe Grüße Luisa
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Re: (Emotionale) Phasen des SSRI-Entzugs - James Heaney

Beitrag von Dietrich »

Luisa52 hat geschrieben: 17.09.2020 12:05
- wenn man im Entzug ist, lernt man mit der Zeit was Neuroemotionen sind und was reale Emotionen aufgrund von Lebensumstände sind.
Hi Luisa!
Wer bitte ist den "man"? Also ich konnte das erstmal nicht unterscheiden und dachte es wäre meine Erkrankung. Hatte angstattacken aus dem Nichts heraus. Hatte null peilung deswegen nochmal abilify genommen was mir den Rest gegeben hat. Gut jetzt weiß ichs. Also ja mit der Zeit gelernt aber leider zu spät. Nun bin ich absolut emotionsverflacht. Wenigstens keine Attacken mehr! :(
Grüße dirk
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Funktionsstörung
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Depression
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