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Liebe Mitglieder des ADFD-Forums, liebe Interessierte,

wir mussten uns heute, am 31.03.2019, zu einem gleichermaßen ungewöhnlichen wie einschneidenden Schritt entscheiden.
Wir werden das Forum für ca. 4 Wochen für Neuanmeldungen schließen und damit einen Anmeldestopp verhängen.
Bislang freigeschaltete Mitglieder können das Forum natürlich wie gewohnt nutzen und dort schreiben.

Es tut uns leid für diejenigen, die sich nun gerne anmelden möchten und nicht können, aber aufgrund einer völligen Überlastungssituation sind wir nicht mehr in der Lage noch mehr Mitglieder zu betreuen.
Wir müssen uns in den kommenden Wochen auch überlegen, wie das Forum künftig organisiert werden kann, so dass es fortbestehen kann.
Das Forum wurde in den letzten Wochen geradezu mit Neuanmeldungen geflutet und es ist uns nicht mehr möglich, diese Massen an Anfragen auf Basis unseres ehrenamtlichen Engagements zu bewältigen.

Trotzdem wollen wir keinen von Euch hängen lassen.
Zum einen steht in diesem Forum wirklich alles Relevante, was Ihr wissen müsst, wenn Ihr Eure Psychopharmaka verantwortungsvoll, schonend und nachhaltig absetzen wollt und zum anderen haben wir auch extra noch mal die allerwichtigsten Artikel und Tipps für Euch zusammengestellt.
Nehmt Euren Wunsch, Eure Medikamente auszuschleichen aktiv in die Hand, lest die Infoartikel, wühlt Euch durch die Threads der anderen Betroffenen und erlebt, dass alle im gleichen Boot sitzen, benutzt gerne auch die Suchfunktion... Ihr werdet sehen, so gut wie keine Frage wird unbeantwortet bleiben.

=> Hier sind nochmal häufige Fragen von Neuankömmlingen für Euch beantwortet. <=

Für unsere Bestandsmitglieder und natürlich auch für diejenigen, die an den tiefer gehenden Gründen interessiert sind, weswegen wir den Anmeldestopp verhängt haben, haben wir eine genauere Erklärung verfasst.

Wir danken für Euer Verständnis und erbitten zahlreiches und konstruktives Mitwirken
Das Team des ADFD

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Allgemeine Diskussion über psychische Störungen, ihre Behandlung und alles Verwandte.
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 24.06.15, 12:00

Deutschlandfunk: Kein Weg, nirgends?

Die Depression trifft Menschen, bei denen es unausweichlich scheint: unglückliche Kindheit, Beziehungsprobleme, Stress. Und sie trifft andere. Fast jeder fünfte Deutsche leidet zumindest einmal im Leben unter einer Depression. Ist das der Grund, weshalb moderne Antidepressiva es auf Platz 5 der weltweit am häufigsten verkauften Medikamente geschafft haben?

http://www.deutschlandfunk.de/kein-weg- ... _id=111816

Depressions-gem?
Und tatsächlich: Im Erbgut dieses schwer depressionskranken Patienten findet sich ein verändertes Tryptophan-Hydroxylase-Gen. Es entspricht nicht der Normalversion oder dem "Wildtyp" wie die Genetiker sagen. Könnte es sein, dass bei diesem Patienten die Fabrik für das Serotonin defekt ist? Und dass er deshalb eine Depression bekam? Peter Zill wollte genau diesen Zusammenhang wissenschaftlich beweisen. Er konzentrierte sich dabei auf schwer an Depression erkrankte Menschen, isolierte aus Blutproben die Erbsubstanz DNA. Darüber hinaus überließ ihm die Rechtsmedizin sogar Gewebeproben von 15 Selbstmördern zur DNA-Analyse. Die Ergebnisse waren zunächst vielversprechend: Tatsächlich traten einige Genvarianten bei den Betroffenen gehäuft auf. Hatte Zill damit den Schalter gefunden, der Serotonin an- und ausknipst - und damit die Depression?

"Das wäre natürlich die gewünschte Vorstellung, aber leider ist es nicht so. Es kommt häufiger vor, dass man völlig widersprüchliche Ergebnisse bekommt zur eigenen Grundvorstellung, die man hatte. Ist natürlich klar, diese Erkrankungen haben eine unglaublich große Heterogenität, da spielen so viele Faktoren eine Rolle, wahrscheinlich greifen die alle ineinander, beeinflussen sich gegenseitig – ja, es wäre zu schön, aber so einfach kann man es doch nicht erklären."

Eine Enttäuschung für Peter Zill. Bestimmte Genvarianten kommen bei einigen Patienten zwar häufiger vor, bei anderen aber wiederum nicht. Noch enttäuschender: Die auffälligen Gene erniedrigen keineswegs alle den Serotoninspiegel. Nicht zuletzt aufgrund solcher Ergebnisse zweifeln viele Wissenschaftler mittlerweile daran, dass Serotonin der Depressionsschalter ist.
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 24.06.15, 13:10

Was hilft?
Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit und keine Modeerscheinung, mindestens in diesem Punkt sind sich die Forscher einig. Während Sigmund Freud seine schwermütigen Patienten mit Morphium und Kokain behandelte, verschreiben Ärzte heute Antidepressiva.
http://www.fr-online.de/panorama/depres ... 05428.html

Ganz interessant auch Infos darin von Bruno Müller-Oerlinghausen über das Marketing von Eli Lilly
„Die Werbestrategen von Eli Lilly haben die Psychiater damals weltweit einer regelrechten Gehirnwäsche unterzogen“, stimmt ihm Bruno Müller-Oerlinghausen zu. „Sie behaupteten, ihr Unternehmen habe das Mittel in der Hand, das die molekularen Ursachen der Depression im Gehirn ganz gezielt angehe“, sagt er. Dabei seien die biochemischen Grundlagen der Krankheit bis heute keineswegs geklärt.
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 24.06.15, 14:01

Verstimmt
Was eine Depression ist und wie sie entsteht, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Für die einen sind es die Gene, die den Hirnstoffwechsel stören, für andere die sozialen Verhältnisse, für dritte traumatische Kindheitserlebnisse. Da man die Kausalität nicht erklären kann, haben sich Psychiater im ICD 10 auf eine Symptombeschreibung geeinig
http://www.deutschlandfunk.de/verstimmt ... _id=112099
Selbsttests zum Thema Depression drängen in den letzten Jahren vermehrt in unseren Alltag. Sie finden sich im Internet, in Informationsbroschüren der Krankenkassen, in Zeitschriften. Die Botschaft: Niemand soll sich mehr für seine depressive Stimmungslage schämen müssen. Und: Keine Depression soll unbehandelt bleiben. Verantwortlich für diese Kampagnen zeichnen meist Psychiater mitunter im Verbund mit PharmafirmenTrotzdem erzeugen diese öffentlichen Kampagnen auch ein Unbehagen. Die Grenze zwischen gesund und krank verschwimme immer mehr, meint der Psychiater Tom Bschor. Er ist Chefarzt der Berliner Schloßparkklinik und Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.
"Die andere Seite ist, dass wir inzwischen in einen Bereich kommen oder gekommen sind, wo Alltagsbefindlichkeiten, normale Krisen, wie sie zum Leben dazugehören, auch zu krankhaften Depressionen erklärt werden und anschließend medikamentös behandelt werden." .
Die Diagnose Depression zu stellen ist das eine. Das andere wie man sie dann therapiert. Denn es ist keineswegs so, dass sich diese Gemütszustände immer wirksam, nebenwirkungsfrei und auf Knopfdruck heilen lassen. Das aber suggerieren inzwischen Ärzte in der Öffentlichkeit. Dabei haben sich Mediziner lange Zeit gar nicht um Depressionen gekümmert. Sie galten als gutartige Befindlichkeitsstörung, die in der Regel von selbst wieder vergehen. Dies änderte sich erst, als vor etwa 50 Jahren die ersten Antidepressiva auf den Markt kamen: chemischen Stimmungsaufheller mit hohem Risiko unter anderem für das Herz-Kreislauf-System. Wegen der Nebenwirkungen waren sie nur den schweren Fällen vorbehalten. Dies sollte sich mit der neuen Generation der Antidepressiva ändern, die zwar nicht besser wirken, aber besser vertragen werden.
Nach den Schlagzeilen zu urteilen nehmen Depressionen geradezu epidemisch zu. Dieser Zusammenhang lässt sich aber so nicht aus den Studien ableiten. Es könnte auch sein, dass Menschen bei niedergedrückter Stimmung heutzutage öfters eine Praxis aufsuchen. Oder dass Ärzte die Diagnose schneller stellen. Fast jeder kennt Phasen, in denen er sich bedrückt, ohnmächtig und hoffnungslos fühlt. Gleichzeitig haben Emotionen wie Enttäuschtsein, Schwermut, Verzweiflung wenig Raum in unserer "Glücksgesellschaft". Diese Gefühle werden schnell pathologisiert. Statt die Betroffenen in der Gemeinschaft aufzufangen, schickt man sie lieber zum Arzt.
Wissenschaftler versuchten in den letzten Jahrzehnten vor allem die biologischen und biochemischen Ursachen von Depressionen zu erforschen. Doch verstanden haben sie die Entstehung der Depression bisher nicht. Es gibt nur einzelne Puzzleteilchen.

Etliche sogenannte Depressionsgene wurden identifiziert, die meisten dann aber wieder verworfen. Die Betroffenen hatten doch zu unterschiedliche Genvarianten. Die Hoffnung auf einen Gentest war damit geplatzt.

Tierversuche belegen, dass frühkindlicher Stress die Gene dauerhaft so modifizieren kann, dass die Betroffenen im Erwachsenenalter weniger belastbar und hä
ufiger niedergedrückt und antriebsarm sind.

Der Stoffwechsel im Gehirn funktioniert bei schwer depressiven Menschen oft nicht regelgerecht. Angenommen wird, dass Serotonin, Noradrenalin und andere Botenstoffe aus der Balance sind und dadurch der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen gestört ist.

Im Blut und Urin lassen sich größere Mengen des Stresshormons Kortisol nachweisen, als das normalerweise der Fall ist.

Viele Einzelbefunde, aber keine Antwort auf die Frage, ob die biologischen Marker durch den depressiven Stress erst entstehen oder ob sie die Ursache der Depression sind.

"Tatsächlich ist der gegenwärtige Stand der genomweiten Assoziationsstudien bis jetzt enttäuschend. Wir können nicht aufgrund eines Screens feststellen, ob man nun ein Risiko für Depression hat. Wir sind nicht einmal in der Lage, aufgrund einer solchen Konstellation irgendwelche Vorhersagen zu machen, wie man seinen Lebensstil ändern soll, damit die Depression unterdrückt oder zumindest der Ausbruch verzögert wird.
"
"Es ist wichtig, dass geforscht wird im Bereich biologischer Risiken für Depressionen, aber das ist nur ein Aspekt. Wo viel zu wenig geforscht wird, das sind psychosoziale Risikofaktoren, Life-event-Forschung, anthropologische Fragestellungen der Wahrnehmung von körperlichen und psychischen Veränderungen."
Doch wie sieht eine konsequente Behandlung aus? Menschen, die an einer schweren depressiven Krise leiden, brauchen - neben Medikamenten - auch Gespräche und soziale Hilfsangebote. Da versagt aber in vielen Fällen unser Versorgungssystem. Umgekehrt vergeben Mediziner inzwischen schon bei normalen Befindlichkeitsstörungen die Diagnose Depression und behandeln sie medikamentös. Das kritisiert der Psychiater Stefan Weinmann und fordert eine andere Sicht auf die Krankheit Depression.

"Wenn man die Depression generell eher als gutartige episodenartig verlaufende Erkrankung beschreibt, die in der Regel nicht so schlimm ist, dann ist das Signal auch an den Betroffenen: es geht wieder vorbei, äußere Faktoren spielen da eine Rolle, es verändert sich einiges im Körper. Wenn ich aber signalisiere: da ist ein hohes Rückfallrisiko, vor dem dich Medikamente schützen, ich sollte doch unter Kontrolle bleiben. je mehr Episoden, desto höher das Risiko einer Chronifizierung - dann gehe ich auch anders mit Symptomen um, die auftreten. Die Bewertung der körperlichen und psychischen Veränderungen ist ganz entscheidend auch für den Umgang und den Verlauf der Erkrankung."
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Freitag, 26.06.15, 12:39

Hinweis von Kevin: viewtopic.php?p=106516#p106516

Pillen für alle Fälle: Machen uns Medikamente krank?
Sendung vom 26.06.15 | 11:20, Servus TV
http://www.servustv.com/at/Medien/Talk-im-Hangar-799

Unsere Gesundheit ist das Kostbarste, was wir haben. Um sie zu erhalten, greifen wir gerne zu Pillen und Pulvern: Exakt 10.631 verschiedene Arzneimittel sind in Österreich zugelassen. Doch machen Medikamente wirklich immer gesund? Oder sind sie schlicht die einfachste Lösung für komplizierte Probleme?

Fest steht: Noch nie haben wir so viele Schmerzmittel, Psychopharmaka, Cholesterinsenker und Betablocker geschluckt wie heute. Laut Statistik bekommen rund 700.000 Menschen mehr als fünf Wirkstoffe parallel verschrieben, bei rund 158.000 Personen - das entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Salzburg-Stadt mit Umlandgemeinden - sind es gar zehn oder noch mehr. Kann so ein Medikamenten-Cocktail mit all den Neben- und Wechselwirkungen überhaupt noch heilen?

Kritiker warnen: Selbst einfache Grippemittel könnten unter diesen Umständen gefährlich sein.

Nicht einmal vor Kleinen macht der Trend zum Medikament halt: Tausende Kinder nehmen regelmäßig verschreibungspflichtige Arzneien. Grund dafür sind Diagnosen wie ADHS und Depression.
Doch woher kommt die Lust an den Medikamenten? Verschreiben Ärzte leichtfertig Arzneimittel? Sind Patienten Opfer? Oder verlangen sie selbst nach Tabletten? Und macht die Pharma-Branche gar Profit auf Kosten unserer Gesundheit?

Gäste:

Jan-Oliver Huber, Generalsekretär der "Pharmig"
Reinhard Haller, Psychiater
Franz Piribauer, Arzt und Gesundheitsmanager
Cornelia Stolze, Publizistin, Diplom-Biologin und Wissenschaftsjournalistin
Wolfgang T. Müller, Geistheiler und spiritueller Lebenslehrer
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Montag, 29.06.15, 22:05

Zu schüchtern? Ab zum Arzt!
Die Psychiatrie beseitigt Symptome, vergisst darüber aber den Menschen, warnt der Schweizer Psychiater Daniel Hell.

Auszüge:
ZEIT: Man könnte sich auch fragen, seit wann man wegen Schüchternheit eigentlich zum Arzt rennt.
Hell: Das hat in den frühen achtziger Jahren begonnen. Im Amerikanischen spricht man seither von SAD, Social Anxiety Disorder, im Deutschen von Sozialen Phobien. Wir haben es also mit einem sehr modernen Krankheitsbild zu tun. In traditionellen Umgebungen, wo das Leben in immer gleichen Bahnen und unter nahen Bekannten verlief, spielte die Schüchternheit natürlich eine geringere Rolle.

Insgesamt sind aber die Nischen in der Arbeitswelt stark am Schwinden. Überall regiert Teamarbeit, Offenheit, Transparenz. Dazu kommen die Maßnahmen des New Managements: Mitarbeiter sollen sich stets weiterentwickeln, sich neuen Aufgaben und Projekten zuwenden, flexibel sein und werden dann in ihrer Performance evaluiert. Schüchternheit wird erst in diesem kulturellen Kontext zum verbreiteten Problem. Wer schüchtern ist, stellt sich sehr ungern einer unbekannten Gemeinschaft. Der fühlt sich sofort beobachtet, bewertet und deklassiert.
ZEIT: Als Antwort darauf hält die Pharmaindustrie Tranquilizer und Betablocker bereit. Helfen die?
Hell: Tranquilizer nehmen Ihnen die Angst vor der Demütigung und der Scham. Das ist aber heikel, weil Sie dann zunehmend mehr dieser Medikamente nehmen müssen, um die gewünschte Wirkung zu erlangen. Vor allem aber bewegen Sie sich mit Tranquilizern immer auf der Ebene der Symptombehandlung.
ZEIT: Was ist daran so falsch?
Hell: Erst mal müssen wir schauen, wer daran ein Interesse hat. Das sind unter anderem die Pharmafirmen. Der englische Psychiater David Healy hat angesichts der jüngeren Psychiatrie-Geschichte pointiert gesagt: Die Pharmafirmen würden nicht nur den Schlüssel produzieren, der die Krankheit behandelt, sondern auch gleich das passende Schloss mitliefern. Man entdeckt erst das Medikament und beeinflusst dann über psychiatrische Gremien die Diagnose! Das war bei den Sozialen Phobien und schon früher bei der Depression der Fall. Als Nächstes springen die Versicherungen auf: Die wollen Störungen am effektivsten und wirtschaftlichsten behandelt wissen und sichtbare Erfolge vorgelegt bekommen.
ZEIT: Und die Patienten?
Hell: Sie haben sich auch auf die Symptom-Diagnostik eingestellt. Das hat immerhin die Schamgrenze abgebaut, die früher den Gang zum Psychiater erschwert hat: Jetzt steht nicht mehr der ganze Mensch zur Debatte, sondern ein isolierbares Problem. Andererseits ist auch der Leistungs- und Optimierungsdruck gewachsen: Man sucht sich deshalb heute viel schneller Hilfe und oft auch eine möglichst symptomorientierte Therapie, die Effizienzsteigerung und Leidensverminderung ermöglicht. Das läuft dann so ab wie in einer Reparaturwerkstatt.
ZEIT: Werden wir dann eines Tages jeder auf eine individuell zugeschnittene Krankheitsdiagnose zurückgreifen können? Und einen individuell abgemischten Medikamentencocktail?
Hell: Gut möglich. Die Ausweitung ist jedenfalls jetzt schon greifbar. Anfang des 20. Jahrhunderts hat man depressive Erkrankungen bei unter einem Prozent der Bevölkerung diagnostiziert. Heute leiden 20 bis 25 Prozent an weiter gefassten Formen von Depressionen. Für die Pharmaindustrie und das Gesundheitssystem ein Segen.
ZEIT: Aber auch ein Segen für Schüchterne und Depressive! Medikamentöse Behandlung beruht doch auf dem Grundsatz, dass sich das Leiden körperlich lokalisieren lässt, dass also die Störung von einer Dysfunktion des Hirns verursacht wird. Ich müsste die Schuld nicht bei mir selbst suchen.
Hell: Ja – aber: Wie lange hilft denn diese Entschuldung? Nur so lange, wie die Krankheit kulturell stigmatisiert ist. Da kann die Hirnperspektive entlasten. Aber sie nimmt auch etwas weg.

ZEIT: Was denn?
Hell: Sie werden sich weniger damit auseinandersetzen, sind dieser Hirnstörung mehr denn je ausgeliefert und können ihr gegenüber auch resignieren. Wenn Sie die Störung hingegen in einen größeren biografischen und situativen Zusammenhang stellen, können Sie im Leiden eine Botschaft entdecken und vielleicht auch einen persönlichen Weg da heraus finden.
[/quote]
ZEIT: Schicken Sie manchmal Patienten zurück und sagen: Ich kann Ihnen nicht bieten, was Sie suchen? Sie müssten sich auf ganz andere Dinge einlassen?
Hell: Erst mal gilt: Der Patient gibt den Auftrag. Man hat immer auf seine Not zu schauen und darauf zu achten, was er möchte und braucht. Es geht ja nicht darum, dass ich mich als Psychiater selbst verwirkliche. Bei Schwerkranken gilt es, zunächst die größte Not, auch mit biologischen Mitteln, zu lindern. In einem nächsten Schritt kann ich versuchen, in die Tiefe zu gehen. Wenn der Patient spürt, dass der Psychiater ihn als ganzen Menschen wahrnimmt, dann ist die Chance da, über die vorliegenden Symptome und das damit verknüpfte maschinelle Denken hinauszugelangen
.
ZEIT: Was aber, wenn dieses maschinelle Denken und die maschinellen Vorrichtungen uns schon in der Tiefe transformiert haben? Wenn wir schon zu weiten Teilen Mensch-Maschinen sind? Sind dann nicht Medikamente das unverzichtbare Maschinenöl des neuen Menschen?
Hell: Dass wir mittendrin sind im Maschinenzeitalter, lässt sich nicht leugnen. Darum überzeugt auch so viele Menschen die Antwort der Pharmaindustrie. Aber in der psychiatrischen Praxis wirken sich die bisherigen biologischen Fortschritte nur gering aus. Viele Psychiater diagnostizieren immer noch deskriptiv nach dem Erleben und Verhalten der Patienten. Es gibt auch vielen Studien zufolge für die meisten psychischen Störungen keine biologischen Marker, die eine Störung im Gehirn eindeutig lokalisieren könnten. Das Gehirn ist dafür viel zu komplex. Nach wie vor ist die therapeutische Beziehung zum Beispiel bei Depressionen der am besten nachgewiesene Wirkfaktor. Wir sind eben doch die alten Menschen.
http://www.zeit.de/2015/23/schuechternh ... -interview
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Luna » Mittwoch, 01.07.15, 12:32

Die Depression trifft Menschen, bei denen es unausweichlich scheint: unglückliche Kindheit, Beziehungsprobleme, Stress.
Fürchterlich diese Pillen verschreiberei. Z.b bei Traumapatienten durch Missbrauch/Vergewaltigung/Misshandlung in der Kindheit oder DIS Patenten muss man sehr vorsichtig sein mit Pillen und in vielen Fällen sind Medikamente eher kontraproduktiv bei solchen Patienten.In vielen Fällen würde eine gute Therapie reichen aber die ist meist schwer zu finden und aus Not landen die Patienten beim Psychiater und bekommen Pillen.Bei mir waren Pillen völlig unnötig und kontraproduktiv.
Zudem gibt es Patienten,die durch falsche Ernährung (bei Histaminintoleranz) Depressionen bekommen und da helfen keine Pillen.Viele Lebensmittel sind mit zuviel Chemikalien versetzt was zu Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten führen kann oder auch krank machen kann so,dass der Patient Hilfe beim Arzt sucht und am ende als Psycho abgestempelt wird.Auf die Idee,dass Chemikalien auf Dauer schaden können (zb Magen-Darm) kommt ja kein Arzt aber dann würde der zugeben müssen,dass Medikamente schaden können.
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Gesundheit gewinnt erst an Bedeutung, wenn man krank ist.
(© Franz Schmidberger (*1942)

Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, die im Inneren eines jeden von uns liegt.
(Hippokrates)

Seit dem 23.7.2015 absolut Medikamentenfrei.
Etwas über 6 Jahre Venlafaxin.Seid 16.7.2014 auf 0
15 Jahre Schlafmittel.Erst Zopiclon 5 Jahre dann Zolpidem 10 Jahre. Seid 23.7.15 auf 0
Ca 3 bis 4 Jahre Pantoprazol eingenommen und im März 2014 kalt abgesetzt.
Kurzzeitig auch andere Medikamente genommen in den 15 Jahren.

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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Samstag, 04.07.15, 9:50

Benzodiazepine: Gefährliche Beruhigungsmittel
Schlafstörungen, Depressionen, Panikattacken oder Krämpfe: Benzodiazepine versprechen Linderung bei etlichen Beschwerden. Ärzte verschreiben sie besonders gerne älteren Patienten. Doch die Nebenwirkungen sind fatal - die Beruhigungsmittel machen schnell süchtig.

Von Cornelia Stolze
Benzodiazepine sind Beruhigungsmittel, die unter anderem eine angstlösende und schlaffördernde Wirkung entfalten. Schätzungen zufolge erhalten mehr als 1,5 Millionen Deutsche über Monate oder gar Jahre Benzodiazepine.

Rund zwei Drittel aller Menschen, die Benzodiazepine verordnet bekommen, sind über 65 Jahre alt. Doch gerade für ältere Menschen sind sie hochproblematisch: Bei Senioren rufen die Mittel oft paradoxe Reaktionen hervor. Was als Beruhigungsmittel verabreicht wird, kann bei ihnen Erregung, Unruhe, Verwirrung, Angst und Depressionen auslösen. Allesamt Symptome, die Angehörige und Ärzte (wenn sie die wahren Ursachen nicht kennen) daran zweifeln lassen können, ob das Gehirn des Betroffenen noch intakt ist - oder bereits unheilbar defekt. Der Schritt zur Fehldiagnose ist dann nicht weit.
Einige Mittel - darunter etwa das Präparat Lorazepam (Markennamen zum Beispiel Tavor und Tolid) stehen im Verdacht, besonders heftige Entzugserscheinungen hervorzurufen, darunter Entfremdungserlebnisse, Suizidgedanken und Wahrnehmungsstörungen in verschiedenen Sinnesbereichen bis hin zu einem klassischen Entzugsdelir oder einer Entzugspsychose mit Krampfanfällen. Mittlerweile gibt es auch Hinweise darauf, dass der Konsum von Benzodiazepinen das Risiko einer Demenz erhöht.

Viele der Patienten, so der Pharmezeut Gerd Glaeske von der Universität Bremen, bekämen die Mittel gar nicht mehr wegen akuter Probleme verschrieben. Den meisten Langzeitkonsumenten, würden diese Medikamente nur noch verordnet, um die Entzugserscheinungen und Suchtverlangen zu kaschieren, die durch eine andauernde Einnahme entstanden sind. Glaeske schätzt, dass etwa 1,2 Millionen Menschen süchtig nach Benzodiazepinen sind.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 83500.html
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Beitrag von Oliver » Sonntag, 05.07.15, 19:26

Läuft nächsten Mittwoch den (8.7.) im Ersten (Webseite des Films).

Aus der Beschreibung:
Unerwartet für alle offenbart Gitte, dass es ihr nach langer psychischer Krankheit gut geht.

Als einziger entspricht Marko ihrer Bitte, sie von nun an als vollwertiges Mitglied der Familie zu behandeln, und bringt damit nicht nur die vermeintlich gut eingespielte Beziehung seiner Eltern aus dem Gleichgewicht.
Dialogschnipsel aus dem Trailer:
A: Sie ist seit Jahren eingestellt. Kein Mensch weiß, was passiert, wenn sie die Medikamente absetzt.
B: Und wenn Du sie mal ernst nimmt?
Bin gespannt, wie in diesem Film Psychopharmaka thematisiert werden.
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Sommersprosse » Donnerstag, 16.07.15, 17:26

Hallo zusammen,

gestern erreichten mich wieder einmal Nachrichten die mich sehr wütend machten !!
Selbst war ich davon schon einige Male betroffen und hatte KEINE Hinweise bekommen :frust:

Antidepressiva plus Schmerzmittel: erhöhte Gefahr für Hirnblutung
lest selbst: > http://www.aponet.de/aktuelles/forschun ... utung.html
Quelle - aponet.de - HH - Beitrag vom 15. Juli 2015

Ein Beitrag zum Thema:
Beruf: Diagnosefinder
http://news.doccheck.com/de/newsletter/ ... 1c04acdec0
Quelle - DocCheck News - Artikel von Erich Lederer - Beitrag vom 15. Juli 2015

Viele Grüsse
Sommersprosse
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Oliverpadma
Ich habe z.Zt. ein kleines, techn. Problem - kann bei einigen Threads keine DANKSAGUNG vergeben, u. bitte um Verständnis

Mein Reduzierungsverlauf:
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Bild .......... Der Weg ist das Ziel
.........................Zitat von Konfuzius

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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von padma » Donnerstag, 16.07.15, 18:29

liebe Sommersprosse, :)

danke dir für die links.
Antidepressiva plus Schmerzmittel: erhöhte Gefahr für Hirnblutung
Das ist es natürlich besonders übel, dass es Standardtherapie bei chronischen Schmerzen ist, zusätzlich zu Schmerzmittel ein AD zu verschreiben, das die Schmerzverarbeitung verbessern soll. :frust: :frust: :frust:

lg padma

Kimeta
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Kimeta » Sonntag, 02.08.15, 13:35

Hallo,

im neuesten Spiegel ist auf S. 88 folgender Kommentar (ca 1/3 Seite) zu lesen: Tot schweigen - Weil Pharmafirmen Daten vertuschen, müssen Patienten leiden.

Es geht u.a. um Reboxetin. Als Pfizer zunächst unter Verschluss gehaltene Daten zu Reboxetin-Studien veröffentlichte, sei klar geworden, dass es mehr schadet als nutzt. Besonders die Forschung zu ADs wirke wie Geheimniskrämerei. Veröffentlichte Studien zu 12 Medikamenten hätten eine zu 94% positive Wirkung ergeben. Später wurden die Ergebnisse nicht veröffentlichter Studien dazugerechnet mit dem Ergebnis, dass diese Quote auf 51% sank.

Es ist zu meiner großen Überraschung so, dass Pharmafirmen nicht verpflichtet sind, die Ergebnisse ihrer Studien zu veröffentlichen. Eine EU-Verordnung ist für 2016 geplant: Klinische Studien sollen registriert und alle Daten veröffentlicht werden. Allerdings nicht mehr rückwirkend.

Viele Grüße,
Kimeta
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- Doxepin zur Migräneprophylaxe seit mindestens 2002 in einer Dosierung von 5-10 mg.
- Absetzen von 10 mg ab dem 28.12.2013. Aktuell seit 28.12.2018: 2,0 mg.

Hintergründe und Absetzverlauf:
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:schnecke: Mein Thread :schnecke:

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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Oliver » Sonntag, 02.08.15, 13:52

Hallo Kimeta,
Kimeta hat geschrieben:Es ist zu meiner großen Überraschung so, dass Pharmafirmen nicht verpflichtet sind, die Ergebnisse ihrer Studien zu veröffentlichen.
ja, das ist eines der vielen Probleme des bestehenden Systems. Auch, dass die Firmen ihre eigenen Zulassungsstudien selber durchführen und von Anfang bis Ende unter Kontrolle haben, ist sicher kein Garant für unabhängige Ergebnisse. Ich kann hier nur wieder mal David Healy's Pharmageddon empfehlen, indem alle diese Zusammenhänge aus der geschichtlichen Perspektive dargestellt werden.

Alles Gute
Oliver

Jamie
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Jamie » Montag, 03.08.15, 22:20

zur Zeit auf spiegel-tv

Doku über Kids auf Psychopharmaka in GB .... auch der Hund bekommt Clomipramin... :o
http://www.spiegel.tv/filme/bbc-brave-k ... uf-rezept/

lG
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haschel
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von haschel » Dienstag, 04.08.15, 10:51

Die Veröffentlichung der klinischen Studien wird gar nichts bringen, es kommt nur darauf an, wie diese zu Stande kommen...

haschel grüßt
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Lorazepam und Zolpidem vor 6 Jahren über 1 Jahr - kalter Entzug aber ging
danach frei von allem
2013 wegen Krebserkrankung (RektumCa) psychisch angeschlagen und wieder auf 4 mg Lorazepam
nach einem Jahr ausgeschlichen auf 1,0 mg abends (schnell abdosiert, ging)
leider Toleranz und wieder auf 2,0 mg abends gelandet, jetzt muss es weg!
innerhalb eines Monats wieder auf 1,0 mg - Stand 27.5.15 - Vorhaben mit Diazepam den Rest loszuwerden
umgestellt auf 10 mg Diazepam Stand 9.6.15
7,5 mg Diazepam Stand 13.6.15
6 mg Diazepam Stand 20.6.15
5 mg Diazepam Stand 22.6.15
4 mg Diazepam Stand 27.6.15
3,5 mg Diazepam Stand 5.7.15
3 mg Diazepam Stand 15.7.15
2 mg Diazepam Stand 22.7.15
1 mg Diazepam Stand 2.8.15
0 mg Diazepam Stand 8.8.15

Luna
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Luna » Dienstag, 04.08.15, 14:15

auch der Hund bekommt Clomipramin... :o
Zitat aus der Doku: Das Hecheln bei der Begrüßung war nicht normal :shock: ....ich werd nich mehr :frust:

Das finde ich mal am allerschlimmsten :frust: Der Hund kann sich ja mal gar nicht wehren dagegen. Echt wenn man kein Hund erziehen kann oder nicht klar kommt,dass ein Hund auch mal "lebendig" ist dann sollte man sich keinen Hund anschaffen.Da werd ich echt sauer bei sowas.Hab das schonmal gelesen,dass Hunde Prozak usw bekommen usw....boaaah :evil: Wie kann man nur so ein Mist den Tieren geben???

Ich kenn genug Leute,die so überzeugt sind von den Pillen und meinen,dass ist das beste Mittel der Wahl...ja und dann darf man es Tieren geben???
Grummelig....stampf davon :evil:

Wenn ein Hund ängstlich ist dann hilft da auch was anderes als Pillen wie Beruhigsmittel. Gibt auch Leute,die ihren Hund ängstlich machen.Leider :?
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LG Luna

Gesundheit gewinnt erst an Bedeutung, wenn man krank ist.
(© Franz Schmidberger (*1942)

Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, die im Inneren eines jeden von uns liegt.
(Hippokrates)

Seit dem 23.7.2015 absolut Medikamentenfrei.
Etwas über 6 Jahre Venlafaxin.Seid 16.7.2014 auf 0
15 Jahre Schlafmittel.Erst Zopiclon 5 Jahre dann Zolpidem 10 Jahre. Seid 23.7.15 auf 0
Ca 3 bis 4 Jahre Pantoprazol eingenommen und im März 2014 kalt abgesetzt.
Kurzzeitig auch andere Medikamente genommen in den 15 Jahren.

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Thomas
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Thomas » Mittwoch, 05.08.15, 17:57

Ein Hund auf AD.^^ Schon ne komische Vorstellung. Aber so verwunderlich ist das garnicht. In Zoos werden auch systematisch Psychopharmaka verwendet, vor allem bei Menschenaffen und Delphinen. Hauptsächlich wohl Diazepam. Ansonsten könnte man so intellgente Tiere wahrscheinlich auch garnicht dauerhaft in Gefangenschaft halten bzw. ruhighalten. Die würden durchdrehen, aggressiv werden und Verhaltensstörungen zeigen, die keiner sehen will. Die Haltung von Menschenaffen in Zoos gehört für mich sowieso abgeschafft. Aber was regen wir uns auf. Wir verabreichen den Dreck ja selbst unseren eigenen Kindern...
Persönliche Erfahrung mit Zyprexa/Olanzapin, Cipralex, Prometazin, Tavor, Diazepam. Mehrere aus Unkenntnis gescheiterte Absetzversuche. Endgültiges Ausschleichen seit 2014. Frei von Psychopharmaka seit August 2015.

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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Luna » Mittwoch, 05.08.15, 21:51

Kranke Welt....einfach nur kranke Welt :frust:
LG Luna

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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Oliver » Freitag, 21.08.15, 16:52

Leider nur auf Englisch - inspirierender Kurzfilm:

Madness Made Me
‘The files were all about me, but I couldn’t see me in them.’

Mary O’Hagan characterises the five years she spent in and out of psychiatric hospitals in New Zealand as a period of ‘desperate existential struggle’, during which she made sense of her mind by putting pen to paper. By contrast, the words written about her by the psychiatrists down the hall were condemnatory – personal judgments about her appearance and speech patterns, followed by two-word diagnoses. In Madness Made Me, O’Hagan, who is now an internationally respected mental health professional and a New Zealand mental health commissioner, confronts the dehumanising words written by her doctors, and recalls how her battles with mental illness shaped her sense of purpose and meaning.

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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Kimeta » Mittwoch, 26.08.15, 20:40

Fischölkapseln gegen Schizophrenie

zu lesen in Bild der Wissenschaft

Ein Bericht über eine Langzeitstudie mit 41 schizophreniegefährdeten Jugendlichen von Forschern aus Melbourne, derzufolge die Einnahme von Fischölkapseln eine deutliche Reduzierung des Schizophrenie-Risikos gegenüber der Placebo-Kontrollgruppe bewirkt. Zitat: "Dies weckt Hoffnung, dass es Alternativen für eine Behandlung mit Psychopharmaka gibt." Weitere Forschungen sollen folgen, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Es wird auch auf die englischsprachige Quelle verlinkt: klick

Eigentlich kaum zu glauben, aber ich hoffe, dass was dran ist, es würde sicher viel Leid ersparen.

Viele Grüße,
Kimeta
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- Doxepin zur Migräneprophylaxe seit mindestens 2002 in einer Dosierung von 5-10 mg.
- Absetzen von 10 mg ab dem 28.12.2013. Aktuell seit 28.12.2018: 2,0 mg.

Hintergründe und Absetzverlauf:
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Re: TV, Zeitungsberichte etc. über AD & Co.

Beitrag von Kimeta » Donnerstag, 27.08.15, 8:27

Nano Spezial: Vorsicht Diagnose!

Ab 15:50 min. bis 19:05 min. wird darüber berichtet, dass das Diagnosehandbuch für Psychische Erkrankungen 2014 in den USA neu überarbeitet herausgegeben wurde. Anhand von drei Beispielen wird dargelegt, wie dabei die Grenze von Gesundheit zu Krankheit verschoben wird.

Beispiel 1: Diagnose der Depression
Auch z.B. bei Trauer treffen einige der Diagnosekriterien zu. In der vorigen Ausgabe des Diagnosehandbuchs war deshalb die Zeit von 2 Monaten nach dem Trauerfall ein Ausschlusskriterium. Diese Grenze wurde auf 2 Wochen reduziert. Kritiker stellen fest, dass damit eine normale Trauerphase pathologisiert wird.

Beispiel 2: Leichte neurokognitive Störung
Viele Krankheiten werden nun in schwere und leichte Formen unterschieden. Die "leichte neurokognitive Störung" entstand dabei neu. Diagnosekriterien: u.a. Vergesslichkeit, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, alles typische Alterssymptome, die meist "normal" sind.

Beispiel 3: Disruptive Stimmungsregulationsstörung
Neu aufgenommene Krankheit, diagnostizierbar bei Kindern und Jugendlichen, die mindestens 1 Jahr lang mindestens 3 mal pro Woche einen Wutausbruch haben. Dies kann aber in bestimmten Entwicklungsphasen durchaus vorkommen.

Psychiater Manfred Lütz glaubt, dass es einen gesellschaftlichen Trend gibt, leidvolle, anstrengende Situationen des Lebens zu pathologisieren.

Weitere Themen sind:
- Überdiagnose Brustkrebs
- Viele Daten, wenig Nutzen - zu sehr im Bilde
- Smarte Medizin - weniger ist mehr

Kurze persönliche Anmerkung von mir:
Ich bin ambivalent gegenüber dem Thema "Viele Daten, wenig Nutzen" eingestellt, da ich etliche Fälle kenne, die eher unterdiagnostiziert waren. Gerade kürzlich traf ich in einem Wartezimmer einen relativ jungen Mann, dem der Orthopäde gesagt hat, seine Nacken-/Schulterschmerzen "seien nicht so schlimm". Erst als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde und man dort ein CT gemacht hat, wurde festgestellt, dass ein Halswirbel regelrecht zerbröselt war :cry: .

Viele Grüße,
Kimeta
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Hintergründe und Absetzverlauf:
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